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3. April

Verlage zur Fuldaer Zeitung

Ar. 78

Simon von Lyrene

Das Haushattungsbuch

wollen steckt, trifft auf viele Frauen bestimmt zu.

Bruno Winkler.

sprachen pflegt.

Nicht ihnen Sich- jeder

Der Und Und

Sah Das Bis Mit

sah ein Angesicht, zerquält von Weh, sah es staunend, sah es immer an. von der Stirne ihm ein Leuchten gehn, rief die Tiefen seiner Seelen wach, daß Erkenntnis in ihm niederbrach: diesem Antlitz ist dir Heil gescheh».

Im Archiv der schönen altfränkischen Stadt liegt als rührende Erinnerung an Mörickes glückliche Zeit in Mer­gentheim seinHaushaltungsbüchlein" ein liebevoll ge­führtes Heftchen, in das die Geschwister und später auch die liebe Freundin Margarete von Speeth getreulich nicht m Aus- und Eingaben eintrugen, sondern auch durch Seine Notizen, Scherze, reizende Zeichnungen und Ran­ken eine Chronik ihres Tagesverlaufs gaben und oft das Büchlein selber zum Vertrauten ihrer geheimsten Freu­den und Schmerzen machten. Dies Wirtschaftsbuch von der Hand Mörickes ist in seiner Anmut und Schalkhaftig­keit sicher einzig und doch paßt es so recht in die stille Zeit des deutschenVormärz" man kann sich schwer vorstellen, daß ein späterer Dichter noch einmal so den grauesten Alltag hätte vergolden können.

Denn was gibt es im häuslichen Leben langweilige­res und nüchternes als dasAufschreiben" diese müh­same und ach, so oft, so .sinn- und zwecklose Quälerei am Abend eines langen Arbeitstages, wenn es immer und immer wieder nicht stimmen will und man schließlich mit schlechtem Gewissen das Heft beiseite schiebtes nützt ja doch nichts, dadurch, daß ich's aufschreibe, ist das Geld ja doch nicht wieder da!" wieviele Hausfrauen machen das jeden Abend so!

Ob sie sich dabei schon einmal klar waren, wie berech­tigt ihr schlechtes Gewissen ist? Genau wie in jenen be­scheidenen Biedermeiertagen wird heute mit verschwinden­den Ausnahmen in den Haushaltungen nur noch Geld für dasNötigste" da sein; aber was ist, wirtschaftlich ge­sprochen, nun eigentlich dasNötigste?" Ist die Haus­frau, durch deren Hand dies Geld ausgegeben wird, im­stande, ohne geordnete Uebersicht sich darüber Rechenschaft abzulegen? Und wie kann sie Uebersicht haben, wenn sie bestensfalls Ausgabe unter Ausgabe schreibt und keinerlei systematische Einteilung von Einnahmen und Ausgaben ihr möglich macht, Erfahrungen zu sammeln? Sich einmal daran zu gewöhnen, daß es wirklich auf die Pfennigbeträge ankommt?

Kauft rechtzeitig Schulbücher.

Wieder ist ein Schuljahr zu Ende und nach kürzet Ferienpause beginnt für die Kinder die Arbeit in bet höheren Klasse. Nun müssen für das neue Schuljahr in der Regel auch neue Schulbücher angeschasft werden, die man nach Möglichkeit schon in den Osterferien kaufen sollte. Nach Ostern, in den ersten Schultagen des neuen Jahres, gibt es dann in den Buchhandlungen meist einen Massenansturm, der vielfach zur Folge hat, daß notwen« dige Schulbücher ausoerkauft werden und daß es dann längere Zeit dauert, bis das verlangte Buch nachbestellt werden kann. Trifft man die Schulbücherauswahl aber schon im Laufe der Osterferien, so hat man Zeit, sich in aller Ruhe mit dem Buchhändler zu bseprechen, die Buch­ausgabe nachzuprüfen und die neueingetauften Bücher mit Schutzumschlägen zu versehen usw. Es liegt im bei« beseitigen Interesse sowohl des Kindes und feiner Eltern, wie in dem des Buchhändlers, daß das garnicht unwich­tige Geschäft des Schulbucheinkaufs mit der Ruhe abge« wickelt wird, die man auch einst bei Einkäufen zu bean»

anfangen mag.

Wie beginnt es nun die Hausfrau? Wenn sie eine moderne Frau ist, so macht sie sich auch hier alle tech­nisch erprobten Hilfsmittel nutzbar: kein romantisches Büchlein" wie im Dichterhaushalt vor bald hundert Jahren, sondern ein möglichst übersichtliches querliniertes Heft, auf dem jeder Tag eine ganze Spalte umfaßt, ist für den Anfang das rechte; hier sind die monatlichen Ausgaben mit möglichst vielen Unterabteilungen einzu­tragen; nur durch diese scheinbare Papierverschwendung kommt man dazu, einmal die Summen zu sehen, die selbst kleine Schwächen und Liebhabereien verschlingen. Ne- ben diesemHauptbuch" mutz einKüchenbuch" geführt werden, in dem nur die täglichen Lebensmittelausgaben notiert und täglich (das ist ganz besonders wichtig!) ab­gerechnet werden; Miete, Gasrechnung, Schulgelder, Aus­gaben für Kleidung, Wäschereinigung usw. gehören ins Hauptbuch".

Daneben aber braucht die moderne Frau noch ein paar andere Hilfsmittel, wenn sie mit dem geringsten Arbeitsaufwand täglich Uebersicht in ihrem Haushalt be­halten und, was ebenso wichtig ist, im Fall einer plötz­lichen Reise oder Krankheit heilloser Verwirrung vor­beugen will: einen Schnellhefter zum Sammeln quittierter Rechnungen, Steuerbeträge usw., einen Zettelkasten mit alphabetisch geordneten Adressen und Rezepten, die nur

Da die Zugaben roarenoerteuernb wirken, geht aus folgendem Angebot einer Margarinefabrik hervor, die als Zugabe anbietet: Bei 3 Monatsabschluß von 2 Ztr. Margarine ein 23teiliges Tafelservice, Gold und bunt; bei 6 Monatsabschluß von 45 Zentner Margarine --- ein 45teiliges Tafelservice; bei 12 Monatsabschluß von 67 Zentner Margarine ein 77teiliges Tafel­service oder eine Miele-Maschmaschine; bei 12 Monats­abschluß von 50 Zentner Margarine = ein Eichenschlaf­zimmer.

Aus jüngster Zeit liegt vor mir folgendes Angebot:

Bei Bestellung eines großen Postpaketes, enthaltend echte feine Nürnberger Lebkuchen, Nürnberger Allerlei, Schokolade, Dessertgebäck usw. zum spottbilligen Nach­nahmepreis von 9.50 RM. bekommt man gratis eine Herrentaschenuhr mit 1 Jahr schriftlicher Garantie."

Diese Beispiele lassen sich beliebig erweitern. Sie alle liefern der rechnenden Hausfrau den Beweis, daß ihr mit solchen Zugaben durchaus nicht ein Geschenk ge­macht wird, sondern daß sie diese Zugabe durch einen erhöhten Verkaufspreis oder durch Herabminderung der Warengüte selbst bezahlen muß. Eine gesunde Anschau­ungsreklame ist gewiß notwendig und ein unentbehr­liches Mittel in der freien Wirtschaft, obwohl es auch hier schon Auswüchse gibt, die das tragbare Maß weit überschreiten. Aber es existiert wohl keine Zugabe- firma, die dieses Mittel nicht obendrein in reichlichem Maße anwendet. Die angebliche Einsparung an Re­klamekosten, die die Zugabenfreunde so gern ins Feld führen und uns Hausfrauen zugute kommen lassen, ist in den roeitaus meisten Fällen Illusion.

Die zahlreichen Entschließungen der Hausfrauenver- bände, die darauf hinauslaufen, ein gesetzliches Verbot zu fordern, das die Mißbräuche des Zugabewesens erfaßt und die Hausftau vor Irreführung schützt, weisen jede Hausfrau den Platz an, den sie in den kommenden Kämpfen einzunehmen hat.

Es muh auf jeden Fall zu einem Verbot der Ankün­digung von Gratis-Zugaben kommen, da sie der Preis­klarheit entgegenstehen.

Neues von der Sfcitfmohc.

Auch hier gibt es entzückende Frühjahrsmodelle.

Von Irene Morgenthau-Wien.

Die Strickmode erfreut sich nun schon seit Jahren der besonderen Beliebtheit unserer Frauen und Mädchen, weil sie praktisch und kleidsam ist. wobei man ihren wei­teren Vorzug, nämlich den des Wärmeschutzes an kälteren Tagen, die auch im Frühjahr uni) Sommer immer wieder einmal auftreten, nicht unterschätzen darf Die neuen Strick-Kollektionen der großen Berliner Wiener und Pariser Konfektionshäuser bringen nun eine Fülle aparter, kleidsamer Modelle, darunter recht einfache, nette Sachen, die für jedermann erschwinglich find. Die extravaganten Modelle Überläßt man eben denen, die sie tragen wollen und . . . zahlen können. Schon das verarbeitete Grundmaterial ist vielseitig und geschmack­voll. Neben Wollmtschungen aus Kaschimir und Ango­rawolle, oft auch nur imitiert, sieht man viel Kunst­seide mit Wolle gearbeitet, ferner Boucle- und Jersey­gewebe, bann Tweedwebarten und reine Strickwolle, die ohne Ausnahme sowohl für Pullower, Westen und Kleider Verwendung finden. Die Farbenskala ist auch in diesem Sommer wieder sehr diskret. Die schreienden Kollektionen, die eine Zeitlang von gewissen Fabrikan­ten propagiert wurden, konnten sich nicht durchietzen. Das ist verständlich, wenn man sich überlegt daß eine Strickweste oder ein Pullower, ebenso wie das Strick­kleid Alltagsdinge sind die man recht ost anziehen muß. Sind die Farben dann besonders lebhaft, so trägt man sich leicht müde an ihnen, außerdem wirken sie auf die Dauer nicht vornehm. Ein schreiendes Rot oder ein leuchtendes Gelb muß deshalb den Damen überlasten bleiben, die die nötigen Mittel dazu haben, eine ganze Strickkollektion kaufen zu können. Für bürgerliche An­forderungen genügt ein feines Bleu, ein zartes Rosa oder ein mildes Grün. Wer farbigere Effekte liebt dem bleiben immer die Möglichkeiten einer andersfarbigen Ausstattung, sei es daß man den Kragen in anderer Farbe wählt, fei es daß man sich der vielartigen Mög­lichkeiten der Verzierung durch Applikationen, Rüschen, Jabots, Lingerien usw bedient. Fast alle Ueberzieh- meften werden jetzt wieder mit Aermeln gearbeitet, so­daß man sie auch als selbständiges Kleidungsstück tra­gen kann, ohne auf die Bluse angewiesen zu fein. An halblangen Aermeln werden vielfach Plistees verarbei­tet. Am Strickkleid sieht man Falten in aßen möglichen Formen, der Pullower wird gerne zu Plifseeröcken ge­tragen. Farbig abgetönte Strickbesätze zur Verzierung an Westen und Kleidern, Kleider uni) Westen mit seit­lichem Pattenschluß sind weitere Abwandlungen des modischen Gesamtbildes der sommerlichen Strickkleidung. Schließlich darf auch noch darauf hingewiesen werden, daß auch für kleine Mädchen Strickkleider, die man eine zeitlang gar nicht sehr schätzte, wieder viel hergestellt werden. Man sieht da entzückende Farben und Formen sowohl in Hängerchen, wie in plissierten und faltenge­legten Kleidchen. Für Kinderkleider sind, abweichend von der Strickkleidung der Erwachsenen, leuchtende Far­ben besonders begehrt, wobei die Fabrikanten eine Reihe ganz prächtiger Zusammenstellungen auch zu er­schwinglichem Preis auf den Markt bringen.

verwendbar sind, wenn man sie so jederzeit zur Hand hat.

All diese Hilfsmittel, und was noch dazu gehört, Schere zum Ausschneiden vonpraktischen Winken" aus der Zeitung, Klebstoff zum Aufkleben auf die Karten des Zettelkastens, Bleistift und Papierklammern müssen ihren festen Platz, am besten in einer Küchenschublade haben, wo sie jederzeit auffindbar sind. Ein Schema für das Hauptbuch läßt sich nicht geben: die vorgedruckten sind nicht nur meist sehr teuer, sondern auch vielfach zu kom- plizert für die organisatorisch nicht geschulten; deshalb raten wir zu der oben erwähnten Papierverschwendung für den Beginn, aus der sich bann nach 23 Monaten der Gewöhnung an geregelte Eintragungen sehr bald die Hauptposten ergeben. Es ist noch Winter, die Zeit der langen Abende; die beste Zeit, mit geregelter häuslicher Buchführung zu beginnen, zum Nutzen des Hauses, zum Nutzen aber noch viel mehr der eigenen Erziehung zu bewußter Klarheit und Uebersicht. Dr. Dora Edinger.

9a sank der Kreuzesträger bleich ins Knie. Man riß ihn hoch. Er wankte stumm, in Scham. Man schrie, man fluchte. Simon aber nahm Die Kreuzeswucht. So Schweres trug er nie.

Und da er frei ward wieder feiner Last, Und stummen Dankes Hoheit ihn umfloß,.

Da schritt er schweigsam in der Schergen Troß Wie einer, der ein Ungeheures faßt.

Martha Große.

Schritt unter rohen Schergen schwer ein Mann, tarn voll Hohn, doch er verstummte jäh.

Das Osterei als Fleitzknäael.

Von Mala Birth-Prien am Chiemsee.

Ob die kleinen Mädchen heute auch noch Ostereier, die man abstricken und abhäkeln kann, geschenkt bekommen? Ich glaube kaum; sie werden wohl unmodern geworden fein, wie so vieles aus Großmutters Zeit. Und doch wird heute wieder viel gestrickt, gehäkelt und gegabelt, wozu man doch immer einen Knäuel braucht. Die Schokoladen» und Marzipaneier und Hasen, die die Auslagen der Zu­ckerbäcker und Konfiturenläden schmückten, waren für meine Freundinnen und mich natürlich auch sehr ver­lockend, abe sie waren für Jedermann bestimmt, wäh­rend die großen Ostereier aus weißer oder bunter Wolle, die im Schaufenster der Spielwaren- und Handarbeits­geschäfte vor Ostern lagen, eigens für uns angefertigt zu fein schienen. Diese Ostereier-Knäuel enthielten lieber» raschungen und das war wohl der Hauptreiz, der ihnen innewohnte. Der Mensch, er mag jung ober alt fein, gräbt, hier mühte es heißen, strickt, gern nach Schätzen. Für mich waren bie gekauften Osterfleißknäuel nur ein schwacher Abglanz von denen, die Mutter selbst wickelte und die sie zur Belohnung für ein gutes Zeugnis am Ostersonntag für mich versteckte. Sie enthielten all bie kleinen Sächelchen, nach benen mein Kinderherz ver­langte. Die (Eiform war zwar bei den selbst gewickelten nicht so elegant, sie hatten kleine Auswüchse, aber wieviel Siebe, das empfand ich damals schon, hatte Mutter mit hineingewickelt. Den Anfang der Gegenstände im Fleiß­knäuel bildete meist ein Puppenstubenpüppchen. Ich hatte eine ganze Sammlung, eines immer niedlicher als das andere; dann kamen je nach meinen Wünschen praktische Sachen, ein kleines Portemonnaie, ein Federwischer, ein Gummi, ein Bleistiftspitzer. Und als ich größer wurde, kleine Broncetiere. Ich besitze sie heute noch, sie bildeten allmählich einen ganzen Tierpark, sogar eine kleine Giraffe, auf deren langem Halse ein Zwergnegerpaar ritt, war darunter. Nie wäre mir der Gedanke gekommen, die Wolle von meinem Knäuel abzuwickeln, um schneller an die Ueberraschungen zu gelangen. Vom ersten Tag nach Ostern an strickte ober häkelte ich unentwegt und welche Freube, wenn einer ber mehrfach in weißes Sei» benpapier eingehüllten Gegenstände in meinen Schoß fiel. Längstens eine Woche nach Ostern hatte ich den ganzen umfangreichen Knäuel abgearbeitet und Mutter konnte ein paar Strümpfe, Socken ober Kinberjäckchen an ihre Armen schenken.

Wenn ich jetzt auf mein Leben zurückblicke, so muß ich sagen, es ist bis zum heutigen Tage sanft mit mir verfahren. Gattenliebe unb Kinderliebe sind ber Mut­terliebe gefolgt. Vielerlei Ostereier finb im Laufe ber Jahre durch meine Hände gegangen, aber niemals hat eines davon dasselbe Glücksgefühl in mir ausgelöst als die, die Mutier für mich wickelte.

Zum Schutz gegen f>

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Erkaltungskrank- J heilen, Mandel- u. 1 Halsentzündungen I

Die Hausfrau und die Zugabe.

Don Helene Drießen.M. d. R.

Die Zugabe zu Waren des täglichen Bedarfs ist feit langem ein Werbemittel des Handels gewesen. Dagegen war und ist auch heute nichts einzuwenden, so lange sie als kleine Aufmerksamkeit ober aber als Probe zum Vergleich mit den in der Reklame geltend gemachten Eigenschaften einer Ware ober zur Prüfung ihrer Preis- würbigteit gegeben wirb. Die Hausfrau hat aber ein großes Interesse baran, baß mit ber Zugabe nicht ein der Preisbemessung fremdes, bie Qualitätsprüfung aus- schließenbes Element in ben Kaufoorgang eingeschoben wirb. Das führt zur Irreführung ber eintaufenben Hausfrau.

In welchem Ausmaß sich bas Zugabewesen von sei­ner ursprünglichen Form zu einem groben Unfug ent­wickelt hat, mögen einige Beispiele beweisen.

beginnen wohl alle einmal mit guten Vorsätzen.

heute, aber am ersten Januar. Dann wirb es lästig, sie wollen vergessen. Ansetzen muß jedes Besinnen im kleinsten, eigensten Kreis. So trägt an feinem Teil dazu bei, daß wir endlich wieder uns an klare Rechenschastsablage und Selbsterziehung gewöhnen, das, wovon wir alle soviel reden, und womit keiner recht

Die Behauptung, daß in der Ablehnung einer häus­lichen Buchführung im tiefsten Grunde ein Nichtwissen- - - - - Sie

HeimschaffendekrSske öer berufstätigen Fra«.

Von Dr. Maria M a r e s ch.

Während das heranreifende Mädchen noch vor drei­ßig Jahren fast ausschließlich im Haushalt der Eltern für den Haushalt des künftigen Gatten herangebildet wurde, alle Vorbildung für einen außerhäuslichen Beruf ols nicht gesellschaftsfähig galt, und selbst sozial hoch­gewertete Berufe das Mädchen gewissermaßen außerhalb des Kreises der guten Gesellschaft stellten, ist in unfern Tagen bie Erziehung der meisten Mädchen ganz auf den Beruf gerichtet. Dabei wird leider vielfach außer acht gelassen, daß die heutige Jugend ebensowenig mit bloßer Berufsbildung ihr Auslangen finden kann, wie die frü- here Jugend es mit bloßer Hauserziehung finden konnte. Wahrend das Ergebnis der früheren Haushaltsbildung in vielen Fällen das verbitterte alle Mädchen war, das keinen Daseinszweck vor sich sah, ober bie vereinsamte QUe Erzieherin, bie in irgenbeinem Winkel kümmerlich ihren Ledensabenb fristete, obwohl ihre Brüder oft erste Wellen im Staate einnahmen, droht ber Jugend von beute in absolutem Gegensatz dazu völlige Hilflosigkeit aus allen Gebieten der praktischen Lebensgestaltung. Vielfach ist fcag junge Mädchen unserer Tage gleich hils- *°5 und unerfahren, wenn es sich um die Gründung eines eigenen Heims im Ehestände ober um die Lebens­haltung alsJunggesellin" handelt.

Aus der Konzentrierung aller Ausbildung von frü­hester Jugend an auf ben Beruf geht vielen Mädchen bie »ühigkeit verloren, ein Heim schöpferisch aufzubauen. Da ober gerabe bie schöpferische Arbeit in dem kleinen, wenn auch noch so bescheidenen Heim das Gegengewicht 8^gen bie Dürre des heutigen Berufslebens darstelli, ist !_3 überaus wichtig, diesen Mangel zu beheben. Eine Eheschließung stellt die heutige Jugend oft geradezu vor Wnere und äußere Tragödien. Einige wenige Frauen "nden den Weg ins Haus zurück, Die anderen fühlen >'ch an ber Wiege eines Kinbes als Sklavinnen. Hier wwmt ein gut Teil berAngst vor bem Kinde" ihren ~nfang. Erschütternde Hilflosigkeit ist heute ja oft bas "?s. der jungen Mutter. Unfreiheit gegenüber ben pri- itioften Verrichtungen bes Hauses macht auch bie in

vielen Behelfen mobernifierte Hauswirtschaft ber jungen Frau zur Qual. Der unverheirateten Frau hat nur zu lange der beglückende Hintergrund eines wohlgeordneten und wohlgepflegten Heimes, der für das seelische und körperliche Gedeihen einer jeden Frau notwendig ist, ge­fehlt.

Wird es gelingen, neue Kräfte wachzurufen, bie hier den Weg zur richtigen Lebensgestaltung zeigen? Die uns zur Selbständigkeit des Berufslebens führen, ohne unsere höchsten schöpferischen Kräfte in Heimbildung unb Mutterschaft zu unterdrücken? Das ist eine Frage von ungeheurer Tragweite für bie Erziehung der Ju- genb, bie heute so früh schon ins Leben hinaus muß.

Zahlreiche Fortbilbungseinrichtungen, die ben berufs­tätigen Frauen in Abendstunden Fertigkeiten in Haus­wirtschaft, Nadelarbeit u. a. vermitteln sollen, versuchen hier auszuhelfen. Die allgemeine Fortbildungsschule, in Deutschland Berussschule genannt, die in vielen deut­schen Staaten bereits obligatorisch ist, ist vor allem dar­aus eingestellt, in der berufstätigen Jugend die beim- schaffenden Kräfte zu entwickeln. In vielen Gebieten des Deutschen Reiches unb Oesterreichs aber muß die Jungmädchenwelt noch ganz auf Selbsterziehung ein­gestellt sein. Um so mehr ist jede richtige Anleitung durch ernst gerichtete Zeitschriften unb Bücher zu begrü­ßen unb zu empfehlen.

Beinahe noch schwerer als bie Lebenslage ber weib­lichen Iugenb ber handarbeitenben Schichten, denen ja die Berufsschule in vielen Fallen offen steht, ist die der Jugend der sogenannten gebildeten Schichten,- der Schülerinnen ber höheren Lehranstalten. Diese finb bie ganze Reifezeit hindurch auf rein intellektuelle Ausbil­dung eingestellt; sie haben in der Zeit der größten in­neren Entwicklungsmöglichkeit und Eindrucksfähigkeit überhaupt keine Gelegenheit zur Betätigung ihrer Heim­schafsenden Kräfte. Die starke Inanspruchnahme durch die Schule dispensiert sie daheim meist von jeder häus­lichen Mitarbett. und die Sorge der Eltern um bie Gesunbheit ber Kinber hält sie meist auch bavon ab,

wenn einige freie Stunben vorhanben wären; bie müs­sen bann aus gesunbheitlichen Gründen für Sport unb Spiel verwenbet werben. So geht bie Zeit ber Reife mit rein intellektueller Arbeit hin. Nur in seltenen Fäl­len kommt es später zu einem langsamen Hineinfinben in ben Alltag; bie meisten jungen Mäbchen werben Fach­menschen unb Haden über bem Fachwissen bie Beziehung zur Fülle bes Lebens verloren. Am ehesten finb biefe reinenFachfrauen" noch in einem Verwaltungsberuf zu ertragen, in Banken unb Aemtern; als Erzieherinnen der Iungmäbchenwelt an ben höheren Schulen können sie ihre Aufgabe zumeist nicht erfüllen.

In Deutschlanb unb Oesterreich ist nun bie Aufgabe zu lösen, wie bie Lehramtsanwärterinnen, bie Mittel­schülerinnen unb Hochschülerinnen, in den Schulen oder nach Absolvierung ber Anstalten bie nötige Anlei­tung zur richtigen Lebensgestaltung erhalten können. In Deutschland hat man versucht, diese Aufgabe durch bieFrauenschulen" zu lösen, bie sich an bie hö­heren Mädchenschulen und Lyzeen anschließen. In Oesterreich hat man einen neuen Mittelschultyp geschaf­fen, die Frauenoberschule, die dadurch charakterisiert ist, daß alle wissenschaftlichen Lehrgegenstände in engster Verbindung mit dem praktischen Unterricht in Hauswirt­schaft, Kinderpflege, Erziehungslehre, Nadelarbeit, Für­sorge, auf unmittelbare, praktische Lebensvorbereitung eingestellt ist. Die Frauenoberschule ist eine vollwertige Obermittelschule. Sie wirkt auch nach Deutschland hin­aus; in einzelnen Staaten kennt man bereits solche Frauenoberschulen oder Werkoberschuken als Dorbrerei- tung für die technische Lehrerin.

Richtige Lebensgestaltung kann selbstverständlich durch Lesen, Rechnen und Schreiben, Algebra und Ana­lytik, Französisch, Latein und Englisch allein nicht gelernt werden. Der Alltag stellt jeden einzelnen von uns in jedem Augenblick vor Aufgaben, die eine Zeitlang recht gering geachtet waren und über die zu sprechen nicht zum guten Tone gehörte. In ber Kriegszeit aber und in den Jahren ber folgenden Gntgüterung, als bie Ge­samtheit unb ber Einzelne schwer um ihre Existenz ran­gen, begannen Männer unb Frauen ben Sinn bes alten Sprichwortes zu begreifen:primum vivere, beinbe phi» losophari" (erst leben, bann philosophieren); die Schu­

lung für den Alltag begann. Unkenntnis der Lebens­führung erwies sich als Quelle sozialer Not. In dieser Zeit nahmen viele Maßnahmen zur besseren Pflege des Säuglings und Kleinkindes ihren Anfang, wurden Kurse in Ernährungslehre abgehalten zur Belehrung ber Haus­frauen, bie früher bloß auf ihrengesunden Menschen­verstand" angewiesen waren.

Damals entftanb das Bedürfnis, bem Männertod braußen an ber Front erhöhte Pflege des Kindes gegen­überzustellen, begann das Interesse für Volkspflege. Dis Umsturzjahre vertieften diese Bewegung. Eine Reihe von Fürsorgemaßnahmen wurden getroffen, zu deren wirk­samer Durchführung Menschen von ausgeprägter Fähig­keit zum Erfassen der Wirklichkeit und von höchstem Le- bcnsmiöen mithelfen mußten. Erfahrungsgemäß eig­nen sich dazu vor allem Frauen, deren natürliche müt­terliche Anlagen nur einer gesteigerten Entwicklung be­durften. Aus der Erkenntnis heraus, daß eine neue Zeit mit erhöhten Ausgaben der Lebenswirtschast und Le­benspflege einen neuen Frauentyp verlange, entstand in Oesterreich die Bewegung für Lebensunterricht, bie zu- erst mit der Ausbildung der weiblichen Lehrerschaft ihren Anfang nahm, jetzt aber bereits auf bie Einführung ber absolvierten Mittelschülerinnen und Hochschülerinnen aller Fakultäten in praktische Lebenswirtschaft in ihren Tätigkeitsbereich einbezieht.

Da bie Frauenoberschulen einen verhältnismäßig klei­nen Prozentsatz aller Mittelschulen bilden, der heutige Lehrplan der Gymnasien, der Lyzeen und Studienanstal­ten aber für die Einführung ins praktische Leben keinen Raum läßt, versucht man biqjSIbfofoentinnen dieser Mit­telschulen in Oesterreich in Änem Institut für Lebens­wirtschaft und Scbenspflege zu schulen; sie erhalten in Nachmittagslehrgängen, bie neben ber Hochschule besucht werben können, bie Einführung in Ernährungskunde, Kochen, Hauswirtschaft, Kinder- und Krankenpflege.

So öffnen sich hier neue Wege zur Vereinigung von Berufsleistung und richtiger Lebensgestaltung. Jede reifende Frau muß sie beschreiten: entweder auf den Bahnen geebneter Schulerziehung ober auf denen müh­sam erworbener Selbsterziehung muß sie sich zur Lösung ihrer Doppelaufgabe vorbereiten.