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schwerlich mit einer Besserung der Eetreibepreise und damit einer Behebung der landwirtschaftlichen Krise zu rechnen sein wird. Es dürfte der Konferenz nicht leicht fallen, die richtige Lösung für eine Beseitigung der Schwierigkeiten zu finden. Ihr Programm zerfällt in drei Hauptpunkte: Regelung der Produktion, Regelung des Kredits und endlich zweckmäßigere Organisation des Getreidehandels.
Darüber hinaus wird dieses erlesene, hier in der ewigen Stadt zusammengetretene Gremium das Landwirflchaftsproblem in seinem ganzen Umfange zu prüfen und Vorschläge zur Besserung zu machen haben. Genannt seien als wichtige Fragen noch die der Gestehungskosten, eventuelle Beihilfen seitens der Regierungen, Zölle, Ver- kaufspreise, Löhne, Arbeitslosigkeit und Preispolitik der verschiedenen Pools. Alles Ding«, die sämtliche Völker interessieren sollten, sei es, daß sie Getreide produzieren, sei es, daß sie solches >'in- sühren. Die Hoffnung erscheint indessen nicht tin» berechtigt, daß angesichts der Zahl der vertretenen Staaten und der Tüchtigkeit und Sachkunde ihrer Vertreter zum mindesten einzelne wirklich brauchbare Vorschläge das Ergebnis der römischen Landwirtschaftskonferenz bilden werden.
Aus landwirtschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben:
Vertreter von 47 Staaten der ganzen Welt, Parlamentarier, hohe Beamte, Sachverständige und Vertreter der großen landwirtschaftlichen Organisationen haben sich dieser Tage in Rom zu einer Welt-Eetreidekonferenz versammelt. Sie prüfen die Frage, ob eine Behebung der Schwierigkeiten der Landwirtschaft in der ganzen Welt möglich ist, welche Wege zur Erleichterung der tatsächlichen Rot gefunden werden können.
Es sind bedeutungsvolle Aufgaben, die diese Konferenz zu lösen hat. Schwerwiegende Fragen stehen zur Diskussion. Neuregelung der Produktion, des Kredits, zweckmäßige Organisation des Weltgetreidehandels. Das sind die Kernfragen. Daneben bleiben ebenso wichtige Fragen wie die der Gestehungskosten, der Regierungsbeihilfen, der Zölle, Verkaufspreise, Absatzorganifation, Löhne, Arbeitslosigkeit, zu klären.
An dieser Welt-Eetreidekonferenz sind nicht allein die Landwirte interessiert, sondern alle Berufsschichten. Denn die Landwirtschaft bildet den wichtigsten Bestandteil, sa den notwendigsten, jeder Wirtschaft. Welche Gründe führten die Krise in der Landwirtschaft herbei?
Wenn wir die Statistiken zugrundelegen, dann finden wir zunächst eine beträchtliche Steigerung der Getreideproduktion, die im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gegenüber der Dor
allerdings auf den gesamten Kleiderverschluß in alter und neuer Zeit bezieht.
Und von dem Kleinkram des täglichen Lebens und der auf ihn gerichteten Liebhaberei, deren Reiz man wohl begreift, besonders wenn sie sich mit gründlichen entwicklungsgeschichtlichen Kenntnissen des Gegenstandes verbindet, zieht sich die unendliche Reihe der Objekte des Samm- lertums und Museumswesens bis zu den bewundertsten Höhen der Kunst, den Werken eines Dürer, Tizian, Rembrandt, empor. Dabei wird sich, wenn wir uns überhaupt getrauen wollten, Gesetze aufzustellen oder Vorschriften zu machen, der Anteil der Allgemeinheit nach dem Maße der Bedeutung Lieser Denkmäler der Kunst und Kultur für die Entwicklung der Menschheit oder eines bestimmten Lebenskreises zu richten haben.
Wie von den Sammlern der verschiedensten Art, so könnte hier nun auch noch von den Forschern auf den mannigfaltigsten Gebieten die Rede sein, die, mit den subtilsten Spezialkenntnissen ausgestattet, eigentlich alles, was sie Neues zu Tage fördern, „interessant" finden und die gleiche Einstellung auch vom anderen erwarten. Unter ihnen dürsten wohl die Familienforscher die schwierigsten und lästigsten, auch für ihre Umwelt verständnislosesten Mitmenschen sein.
Doch in das eigentliche Bereich der Wissenschaft wollen wir uns hier weiter nicht verlieren, obgleich auch dort die aufgeworfene Frage wohl einmal der Erwägung und Abschätzung wert wäre.
Aber auch auf museologischem Gebiete oder in der Welt des Sammlertums läßt sich ja eine strikte und bc- ftiodigende Antwort auf die Frage, die wir uns gestellt haben, nicht geben. Die Antwort wird ja nach der In- diokdualftät des Sammlers, seinem Eifer, seiner Leidenschaft verschieden ausfallen. Der fanatische Sammler von Riechdöschen findet vielleicht einen ihm bisher unbekannten Typus aus der Sphäre seiner Liebhaberei interessanter als einen neu aufgetauchten Rembrandt, und neben Sammelgebieten, die nicht recht zu allgemeiner Anerken- nung gelangen können, roirb es immer solch geben und hat es deren zu allen Zeiten gegeben, die wie beispielsweise die papierene Hochflut der Flugblätter, Prospekte, Plakate, Geschäfts-Anzeigen, kurz die gesamte Makula
= Geisa. Herr Hermann Stern und Frau Johanna feiern am 1. April das Fest der Silbernen Hochzeit.
alles „interessant" ist, d. h. in gewissen Kreisen des großen Publikums dafür gilt, so möchte man auch hier nichts verschwören. Man darf aber doch fast annehmen, daß es diesen spekulativen Köpfen so gehen wird wie den eigenbrötlerischen Sammlern anderer Gebiete, deren Liebhabereien sich nicht als interessant und wertvoll haben durchsetzen können. Dazu gehören beispielsweise die Eisenbahnfahrkarten, die ja sicherlich manches Lehrreiche bieten, wie denn z. B. auch das Germanische Museum in Nürnberg eine vollständige Serie der frühesten Fahrkarten der ersten deutschen Eisenbahn mit ihren „Bocksitzen" usw. als Geschenk der ehemaligen Ludwigsbahn-Gesell- schaft mit Dank angenommen und seiner Sammlung historischer Blätter einverleibt hat. Auch die gleichfalls ziemlich zahlreichen Sammler von Zündholzschachteln der verschiedensten Fabriken sind hierher zu rechnen.
Wieder eher den Briefmarkensammlern sind die Liebhaber alter, außer Kurs gekommener Banknoten, wozu auch das einst gebrauchte Notgeld gehört, zu vergleichen, für deren ost künstlerisch feine und inhaltlich beziehungs- oolle Objekte ja auch, ähnlich wie für Postwertzeichen, Preiskataloge bestehen.
Ebenso leiten uns andere Spezialisten auf das Gebiet der Kunst oder der Volkskunde hinüber, wie die Sammler und Sammlerinnen von Fingerhüten, die in früheren Zeiten 3. T. sehr reizvoll mit Wappen- und anderen Darstellungen in translucidem Email ausgestattet wurden, von Riechdöschen und „Flohbeinen" d. h. Por- zllan-Pfeifsnstopfsrn in Form eines grazösen, weihbe- strumpften Frauenbeines, auf dem — vom 18. bis zum 19. Jahrhundert — durchweg ein Floh wiedergegeben war, von Tasten und Lichtputzscheren, von Pfeifen und ost trefflich bemalten Pseifenköpfen, Spielkarten, Knöpfen, wie denn in Prag schon vor fast zwei Jahrzehnten ein besonderes Knopfmuseum gegründet worden ist, das sich
kriegszeit ungefähr 17 Prozent ausmacht, verursacht durch eine große Ausdehnung der Ackerbau- flächen in Amerika und Australien. Nun wäre diese Steigerung noch nicht als hemmender Faktor von vornherein anzu sehen. Denn gleichzeitig nahm im Vergleich zur Vorkriegszeit die Beoöl- keruqgsdichte der Erde um 13 Prozent zu, während die für den menschlichen Verbrauch verfügbaren Getreidemengen nur um 10 Prozent gestiegen sind.
Aber — und hierin liegt das Entscheidende — die Kaufkraft ist in dem gleichen Zeitraum stark gesunken, der durchschnittliche Verbrauch des Einzelnen hat beträchtlich abgenommen. Vor dem Kriege betrug er pro Jahr und Kopf 65,9 Kilogramm. im Jahre 1930 nur noch 63.2 Kilogramm Das Angebot überwiegt also die Nachfrage ganz beträchtlich Die Lagerbestände überhäufen sich, ein ungewöhnlicher Preisrückgang war die Fölge, daneben sank die Kaufkraft der Völker weiter, allein schon durch die gleichzeitig einsetzende Wirt- schaflskrife insgesamt.
Der Getreidehandel befindet sich darum in einer sehr schwierigen Lage. Man schätzt die im laufenden Erntejahr für die Ausfuhr zur Verfügung stehenden Getreidemengen auf 34,5 Millionen Tonnen, das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Kanada und die Vereinigten Staaten sind daran mit 20 Millionen Tonnen, Argentinien und Australien mit je 5, die Donauländer, Polen, Sorr»- ietrußland und einige kleinere Staaten mit 4 Millionen Tonnen beteiligt. Diesem Angebot steht z. B. in Eurova, dem wickfi'osten Ketreideeinfuhr- gebiet ein Bedarf von 18 5 Millionen Tonnen gegenüber, während 4,5 Millionen von nirfiteuro= pöstchen Staaten ausgenommen werden können. Zusammengerechnet also 23 Millionen Tonnen, wodurch sich immer noch ein Ueberschuß am 31. Juli 1931 von 115 Millionen Tonnen ergibt, womit das nächste Erniejabr vorbelastet ist.
Die Aussichten für dieses Jahr lassen sich noch nicht im voraus berechnen. Aber, da kaum ein Land die Anbaufläche verringert hat, Rußland sogar um 19 Prozent vergrößert, wird es aller Anstrengungen bedürfen, um auf dieser Konferenz brauchbare und erfolgversprechende Vorschläge zur Behebung der landwirtschaftlichen Krise zu finden.
* Der Sfubientaf am Lübecker Katharinen- Gymnasium, Dr. B a r l e m, der trotz seiner amtlichen Verpflichtung, sich jeder parteipolitischen 5^e t ä t i g u rt g in der Schule zu enthalten, als Mitglied der Nationalsozialistt- schen Partei unter, den Schülern Propaganda betrieben hatte, ist durch den Lüb-cker Senat vom Dienst suspendiert worden.
führen. Sie hat die Vorschläge der Nationalsozialisten zurückgewiesen. Hitler, der Dienstag nachmittag mit seinem Stabe in Weimar eintraf, hat den somit feststehenden Sturz seines Ministers in Thüringen nicht mehr verhindern können. Die Nationalsozialisten wollen jetzt nach einer Erklärung des gestürzten Staatsrats Marfchler aus dem Thüringischen Landtag ebenfalls ausziehen.
Kleine Nachrichten.
In der Holzwarenfabrik in Langewiesen bei Ilmenau war am Freitag ein Drechslermeister schwer verletzt worden. Beim Auflegen der Drehbankschnur schlug ihm die dabei benutzte Latte ins Gesicht. Die Verletzung verschlimmerte sich hn Laufe des Sonntags derart, daß er ins Ilmenauer Krankenhaus gebracht werden mußte, .in dem er bald darauf starb.
Ein Jenaer Schlosser unternahm abends mit einem Auto, das ihm nicht gehörte, eine Schwarzfahrt. In der Nähe des Göschwitzer Zementwerks verunglückte der Wagen und wurde schwer beschädigt. Einer der vier Insassen wurde erheblich verletzt.
In der Nähe des Salzunger Sees bei Bad Salzungen kam es nachts zu einer Schlägerei zwischen drei Nationalsozialisten aus Liebenstein und politischen Gegnern. Es entwickelte sich eine wüste Schlägerei, bei der Messer und Spazierstöcke eine Rolle spielten. Ein Nationalsozialist wurde durch einen Messerstich erheblich verletzt; auch bei den Gegnern gab es einige Verletzte.
Der am 11. März bei der Beratung des städtischen Etats von der Deutschen Volkspartei eingebrachte Antrag auf Auflösung des Stadtrats von Gotha wurde, da die. erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht zustande kam, mit 18 gegen 17 Stimmen ab gelehnt.
Minister Dr. Frick gestürzt.
wtb. Weimar, 1. April. (Eig. Meldg.) Sm thüringischen Landtag wurden heute vormittag die sozialdemokratischen Mißtrauensanträge gegen Staatsminister Dr. Frick und Staatsrat M a r s ch l e r mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Staatspartei und der Deutschen Dolks- partei gegen die Stimmen der übrigen Regierungsparteien angenommen. Damit sind Frick und Marschle r gestürzt.
Aus der Thüringischen Rhön.
Aus Geisa und Umgebung.
Was ist interessant?
Eine Betrachtung aus der Museumspraxis.
Don Geheimrat Dr. Theodor Hampe -Nürnberg, 2. Direktor des Germanischen Museums.
Der Museumsmann, durch dessen Amtszimmer jahraus, jahrein ein Strom von Anfragenden, Auskunft Heischenden oder etwas zum Kauf Anbietenden aus Sammler- und Händlerkreisen flutet, hört von diesem Publikum kaum ein anderes Epitheton so häufig wie dies meist nut Nachdruck gesprochene Wort „interessant", das den gerade in Rede stehenden Dingen beigelegt wird. Sprach- kundlich bedeutet es das Dabeisein, das Bei-der-Sache- stin, das Anziehende und Fesselnde eines Gegenstandes, und wir haben im Deutschen kein Beiwort, das sich dem Sinne nach mit diesem im Laufe der Zeit so abgegriffenen und verblaßten Fremdwort genau deckt.
Und was gilt bei den einzelnen, so verschieden gerichteten Menschen nicht alles für interessant! Was wird unter diesem Gesichtspunkte nicht alles gesammelt!
Don den älteren und neueren Briefmarken, gezähnt aosr ungezähnt, ohne oder mit Seidenfaden, mit und ohne Aufdruck, mit den vielfältigen Arten der Fehldrucke uff. möchte ich hier füglich absehen. Bei ihrer Schätzung spielt neben dem ästhetischen Reiz des farbigen Bildchens vor ^lsm, wie bei den Münzen, die größere oder geringere Seltenheit die Hauptrolle. Es gibt auf postalischem ®e= niete jetzt auch bereits Sammler, die das nahe Ende der "riefmarke prophezeien und sich in dieser Voraussicht uns das Sammeln der Maschinenftankierungen und der ne begleitenden „interessanten" Reklame- und Propa- ^ndabeidrucke „Benutzt die Luftpost!" — „Werdet Rund- buikteilnehmer!" — „Frankfurt am Main steckt voller . "rkwürdigkeiten! Goethe!" — „Von der Flasche aus ,em Fuß, Tucherbier ein köstlich Naß" usw. verlegt ha- cn. Sie glauben sich damit Erstlinge der neuen Frankie- ^ngsart zu sichern, die vielleicht dermaleinst — die Hoff- Ufo9 ouf einen vorteilhaften Verkauf bestimmt ja heute l-oh me^r denn je manche Sammlertätigkeit — mit 9 t,en Preisen bezahlt werden. Wenn man bedenkt, was
... Ketreidekonserenz in Rom. WlL ibr eine Behebung der Schwierigkeiten
D'" • gelingen?
Son Ulbert Heinrich H ä h n e l, z. Zt Rom.
aoblreiche Zusammenkünfte und Konferenzen A h den letzten Monaten, vornehmlich in den | 'Aschen Staaten, stattgefunden, um nach t wr Erleichterung der schwierigen Lage der ÄmirifdWt »u suchen; keiner kommt indessen . Reiche Bedeutung zu wie der, die, von 47 aus der ganzen Welt beschickt, schon vor I Qeit auf Veranlassung des Jnternationa- < Ackerbau- Instituts zu Rom einberufen, am £.n März in der ewigen Stadt zusammengetreten
Vertreter von Regierungen^ Parlamentär er, Beamte, Sachverständige und Vertreter der Mächtigsten landwirtschaftlichen Verbände aus ab k r Welt haben sich hier versammelt, um alle die Landwirtschaft interessierenden Probleme im wei- rXrt Umfange zu erörtern. Bei der Notlage, in ' M gerade auch unsere deutsch« Landw rt- ick-st befindet, ist es wohl von Interesse, einen I Ueberblick über die Gründe zu geben, die zu der I sämtliche Ackerbau treibenden Staaten in Mitlei- s.ntoaft ziehenden Krise geführt haben.
= Da ist zunächst die erhebliche Steigerung Erträgnisse des Getreidebaus, die im Durch- wmitt der Jahre 1925 bis 1930 gegenüber 1913 L» 17 Prozent erreicht, hauptsächlich infolge einer bedeutenden Ausdehnung der bebauten Flächen in Amerika und Australien. Gleichwohl haben die -iir den menschlichen Verbrauch verfügbaren Ee- treidsmcngen mit der gleichzeitigen Zunahme der grdbeoölkerung noch nicht einmal Schritt gehalten; Henn jene sind im Vergleich zur Vorkriegszeit nur um zehn Prozent gestiegen, diese hat hingegen um 13 Prozent zugenommen.
Diese an sich für den Absatz durchaus günstige Zage wird aber dadurch vollkommen in ihr Ge- gelsteil verkehrt, daß der durchschnittliche Verbrauch des Einzelnen in dem genannten Zeitraum stark gesunken ist. Während er, vor dem Kriege je Kopf und Jahr noch 65,9 Kilogramm betrug, sank er im letzten Jahre auf nur 63,2 Kilogramm. Infolge dieser Tatsache übersteigt das verfügbare Angebot die Nachfrage recht beträchtlich. Dies Mißverhältnis hat zur Anhäufung gewaltiger Lagerbestände in den Haupt- erzeugungsländern, damit zu einem ungewöhnlichen Preisrückgang und zu einer Verminderung der Kaufkraft der betreffenden Völker geführt, die, ganz abgesehen von anderen Ursachen, auch die Industriestaaten im höchsten Grade in Mitleidenschaft zieht.
Was die Lage des Getreidehandels im laufenden Erntejahre angeht, so schätzt man die für die Ausfuhr zur Verfügung stehenden Mengen auf 34,5 Millionen Tonnen. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahre. An dieser ungeheuren Menge sind Kanada und die Vereinigten Staaten mit 20 Millionen Tonnen beteiligt, Argentinien und Australien mit je 5, die Donauländer, Polen und einzelne kleinere Staaten sowie Sowjetrußland mit 4 Millionen Tonnen.
Diesem gewaltigen Angebot steht ein Bedarf gegenüber, der für Europa, bas wichtigste Ge- treideeinfuhrgebiet, mit 18,5 Millionen Tonnen angenommen werden kann, während außereuropäische Staaten weitere 4,5 Millionen Tonnen auf- Mehmen vermögen. Das wären mithin 23 Mil- , fionen Tonnen, und der Ueberschuß des Angebots über die Nachfrage beliefe sich mithin am Schluß bei Wirtschaftsjahres, am 31. Juli 1931, auf nicht weniger als 11,5 Millionen Tonnen, womit das nächste Erntejahr vorbelastet bliebe.
Wie sind nun die Aussichten für diesen kommenden Abschnitt? Sie lassen sich — abgesehen von meteorologischen Einflüssen, die sich natürlich nicht voraus berechnen lassen — am zutreffendsten auf Grund der für den Getreidebau in Aussicht genommenen Flächen schätzen. Es kommen dafür selbstverständlich nur die Länder in Frage, die, auf der nördlichen Halbkugel liegend, ihre Ernten im Herbst haben; aber sie genügen auch völlig, um die allgemeine Tendenz zu erkennen. Diele geht nun in fast keinem der in Betracht kommenden Länder dahin, die Anbauflächen zu verkleinern. Eine Ausnahme macht von den wichtigeren Staaten eigentlich nur Rumänien, das feine Getreideanbaufläche um rund 12 Prozent eingeschränkt hat. Alle übrigen Länder bleiben ungeachtet der niedrigen Getreidepreise annähernd auf dem Stande des Vorjahres stehen, wenn sie die Anbaufläche nicht gar noch erhöhen. Für Sowjetrußland wird die Zunahme — wohl im Zusammenhang mit dem Fünfjahresplan — auf nicht weniger als 19 Prozent geschützt. Allein in der Ukraine beträgt sie 4 Millionen Hektar, bas sind 42 Prozent mehr als 1930! Außerhalb Europas ist nur noch in Kanada «ine namhafte Einschränkung der Anbauflächen sestzustellen.
An Hand dieser Zahlen wird sich unschwer erkennen lassen, daß für bas kommende Erntewhr
Das nationalsozialistische Regierungsexperiment in Thüringen hat damit bereits nach verhältnismäßig kurzer Dauer mit einem großen Fiasko geendet. Die Nationalsozialisten haben in den letzten Tagen noch verzweifelte Anstrengungen gemacht, um ihre Stellung in der Regierung zu behaupten. Aus Veranlassung des Ministers Dr. Frick versuchte der Vorsitzende der Thüringischen Landesregierung, Finanzminister Baum, noch in letzter Stunde eine Beilegung der Streitigkeiten zu erreichen. Der Fraktionsführer der Nationalsozialisten, Abg. Sautet, soll sogar in einem Briese sich bereit erklärt haben, die Beleidigungen gegen die Deutsche Volkspartei zurückzunehmen. Die Deutsche Volkspartei blieb aber nach ihren bisherigen schlechten Erfahrungen mißtrauisch. Wie richtig diese Haltung war, geht daraus hervor, daß sich die nationalsozialstischen Redner in einer am Montag abend in Gera veranstalteten öffentlichen Versammlung wieder in beleidigenden Aeußerun- gen gegen die Deutsche Volkspartei wendeten. Der Landtagsabgeordnete Ludiwig sprach nach Zeitungsmeldungen von den Deutschen Volksparteilern als von „bürgerlichen Troddeln". Das Regierungsmitglied Staatsrat M a r s ch l e r erklärte, die Versammlungen der Deutschen Volkspartei würden mit allen Mitteln verhindert werden. Hitler käme selbst nach Weimar, um den Kampf gegen die DVP. zu organisieren. Diese Aeußerungen fielen, obwohl zu gleicher Zeit in Weimar auf Veranlassung des Ministers Frick über eine Einigung verhandelt wurde. Man kann verstehen, daß sich die Deutsche Volkspartei unter diesen Umständen entschloß, den Kampf für politischen Anstand zu Ende zu
tur-Literatur, nach ihrer Bedeutung für die Erkenntnis des Geisteslebens sorgfältiger hätten gesammelt werden sollen.
Aus dem Reich der Natur.
Was können wir im Mikroskop sehen und roa» nicht?
Kommt Laienbesuch ins Laboratorium, so werden die großen Forschungsmikroskope stets ehrfürchtig bestaunt. Die erste Frage ist immer: „Wie stark vergrößert das Mikroskop?" Sagt man: „Ungefähr dreitausend- fach", so ist alles hingerissen. Denn der Anfänger ist stets geneigt, als das Wesentlichste des Mikroskops seine absolute Vergrößerung anzusehen. Das ist aber unrichtig, denn bei den höchsten Vergrößerungen ist kaum noch etwas zu erkennen. Das Wichtigste an dem Mikroftop ist. wie Dr. Maxim Bing im „Kosmos" nachweist, feine Auflösungskraft, das ist jene Eigenschaft der Mikroskoplinsen, zwei getrennte Punkte noch getrennt zu zeigen. Diese Eigenschaft ist aber begrenzt durch die Natur des Lichtes. Die Grenze liegt bei ein Zehntel Mikron, d. i. ein Zehntausendstel Millimeter. Liegen 2 Punkte näher aneinander, io verfließen sie im Blickfeld zu einem verwaschenen Fleck. . Es ist der Bewunderung wert, wie sich der Menschengeist über diese Naturschrank« fortzuhelfen wußte. Man glaubte eine Zeitlang, daß mit der Grenze der mikroskopischen Auflösungs- und Vergrößerungskraft auch die Grenze der Lebewesen erreicht sei. Heute wissen wir, daß es Lebewesen geben muß, die noch weit unterhalb dieser Grenzen liegen. Kein Mikroskop zeigt sie, selbst das so genial erdachte der deutschen Forscher Köhler und Lehmann nicht. Es verwendet ultraviolettes Licht, dessen Wellenlänge weit kleiner ist als das des gewöhnlichen weißen Lichtes, wodurch auch die Auflösungsgrenze hinausgeschoben wird. Unser Auge sieht nur Licht mit einer Wellenlänge unter 400 Millionstel Millimeter. Solches Licht sehen wir als violett. Was darüber hinaus liegt, ist unsichtbares Ultraviolett. Diesen Teil des Lichtes können wir zwar nicht mehr sehen, aber es wirkt' auf die photographische Platte besonders kräftig ein, gibt daher sehr gute Bilder. Bei der Ultraviolettmikroskopie hat man es in der Hand, bei verfeinerter Auflösungsgrenze scharfe Bilder aufzunehmen.
Bilder vom Tage
Ein Denkmal der deutsche« Ingenieure
von dem Bildhauer Eberhard Encke wird anläßlich der Jubiläumsfeier des Vereins Deutscher Ingenieure in Mexisbad im Harz aufgestellt, wo bet Verein vor 75 Jahren gegründet wurde. Der Sockel trägt die Reliefinschrift „Der Verein Deutscher Ingenieure seinen Gründern 1856—1931“
Sir Eric Drummond, der langjährige Generalsekretär des Völkerbunds, erhielt vom Direktorium der Carnegie-Stiftung im Haag den von dem Niederländer Wateler gestifteten Friedenspreis in Höhe von 25 000 Gulden. Drummond hat den Betrag zur Förderung der Völkerbundsziele zur Verfügung gestellt.
Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer.
Verantwortlich für allgemeine und kommunale Po» littk Dr. phil. Johannes Kramer, für Heimat, Jugendblatt und religiöse Beilage Dr. oec. publ. Joseph Sauer, für den übrigen Text Dr. rer. pol. Karl Austermann, alle in Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der. Fuldaer Actiendruckerei I P o r z e l l e r.
Klimas, der bisherige litauische Gesandte in Paris, wurde auf den Berliner Gesandtschasts- posten berufen.
Sidzikaukas, Litauens bisheriger Gesandter in Berlin, wird nach London gehen.