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Ilr. T4

Beilage zur Fuldaer Zeitung

29. März

Golgatha.

Don Irmela Linberg.

Das ganze Leben ist ein Weg nach Golgacha: Wohin du dich auch wendest dein Kreuz steht immer da

Und raget schwarz und steil in Wolken blutigrot, Verheißend bittre Pein und einen schweren Tod.

Und ob dein Weg auch führt durch Hellen

Sonnenglanz In deinen Haaren hängt der scharfe Dornenkranz, Du ringst mit aller Not, mit allem Erdenweh Das ganze Leben ist nur ein Gethsemane.

Doch einst, wenn stumm erlischt des Tages letzter

Strahl, Sehnst du dich nach dem Kreuz dort endet deine

Qual.

Dar mancher, dem zu wild gebraust des Lebens Lied, Dort neigte er sein müdes Antlitz und verschied.

UiD alles deckt die Nacht nur Sterne nieder-

fchau'n . . .

Verschwendet hast du Hoffnung, Liebe und Vertrau'n k Mn bist du doch ary Ziel Was war, ist nicht mehr da. » Sie^-W»tchti die Friedensstätte Golgatha.

I Die Karwoche.

1 Don I. Endringer.

Montag.

| Laßt die Arbeit zuweilen ruhen. Früher arbeitete I in ja in dieser großen Woche nicht. Laßt sie zuwei- I, ruhen. Einen kurzen Blick von ihr hinweg tun ^ie Fernen. Sei es nun die Ferne des Hügels Gol- Mtha, sei es die Ferne des eigenen vollbrachten oder mach zu vollbringenden Lebens, sei es die Ferne der Nwigkeit, die mit all diesen Fernen so verwandt ist und fc alle einmal in sich aufnehmen wird, Arbeit ist das Äte nicht, die Ruhe ist das Letzte. Die Ruhe in sich Mld in Gott.

r Zeitiger geht heute die Sonne unter. Oder sind es die Wolken, die sich verdichten und ihr Licht fernhalten? Hört die Angelusglocke! Scheint ihr Läuten nicht ein Gebet um Stärke? Nun fällt mir alles Werkzeug aus Ler Hand. Nun schreitet Christus traurig über die

riet er von einer Distel seinen Blick, da lächelt er Uhmerzlich einem Blümlein zu.

Und nun deckt eine Nacht von Wolken alles Gefilde Mn.

» Dienstag.

I Ist es erlaubt, über die Trauerzeit ein wenig hin- Kvegzudenken? Bereitet die weißen Kleider vor! Ihr wißt ja, daß nach dem Karfreitag Ostern werden muß! Ja, muß! Ist es nicht schön, daß das Naturgesetz des Wechsels zwsichen Freud und Leid auch für die Seele igitt? Bald Regen,. bald Sonnenschein, so seht ihrs Mraußen, und endlich siegt doch immer wieder die Wonne. Laßt es auch in eurer Seele traurig werden M denn ihr habt gefehlt aber bereitet im stillen schon Me weißen Kleider denn ihr werdet erlöst!

U Heute zeigt sich auch die Sonne ein wenig Und die Bügel fingen! Wieder geht Christus nun Mrd) die Felder, durch die Gassen, er lauscht' dem Wd, und während er in den Himmel horcht, segnet er e, die ihm Begegnen.

H Mittwoch.

M Ein ernster Tag. Der letzte, der dem Herrn seinen »schlummer bieten wird. Morgen schon, morgen wird [ter Tag jäh seinen Lauf abbrechen und dem Herrn den »schlummer verweigern, den er jeder Kreatur gewährt. I Der letzte Tag, die große Pforte zu der Nacht des Lei­tens. Wie geschwinde die Wolken am Himmel ziehen! Sinö sie auf der Flucht? Und auf der Erde fliehen M>ße Schatten mit. Dieser Krähenschwarm am trüben Himmel der sich krächzend in die Wälder stürzt ich nicht, woran er mich erinnert. In unendlicher schwebt in langsamen Kreisen ein Vogel durch ten Riß der Wolken sieht man ihn.

Ein Wanderer geht heim. Am fernen Horizont sieht

I er die Sonne hinter den müdegewordenen Wolken fln- I ten, blutrot und doch so selten blaß, als wäre sie krank.

Durch das Tor schreitet der Herr in die Nacht hin- I aus. Niemand begleitet ihn. lieber ihm blitzt schnell I ein Stern auf, blitzt auf und verschwindet. Habt ihr nicht gesehen, wo der Herr verblieb?

Donnerstag.

Eine Kirche wölbt sich über der Welt. Der Herr spendet Brot und Wein sich selbst. Aufbraust der Dank, schwillt ab, verebbt, und übrig bleibt die Bos­heit, die keine Wohltat will. Millionen Hände steigen, klettern an dem Bau empor und reißen ihn nieder, aus der Erde liegen Trümmer des Gottesreiches, verschüttet [ Brot und Wein.

Wen suchet ihr?"

Im nächtlichen Garten flüstern viele Stimmen. Und schlafen manche. Und einer betet und ringt.

Ein Engel steigt hernieder und löscht alle Lichter aus.

Freitag.

Cs ist ein alter Glaube, daß am Karfreitag stets die Sonne scheine und ein blauer Himmel lache. Daß alles, was an diesem Tage als Saatkorn in die Erde komme, zu herrlichster Frucht bestimmt sei. Ja, Frühling ist es auf der Erde! Das Blatt soll grünen, das Veilchen blühen, das Saatkorn keimen. Am Karfreitag fo wie an jedem anderen Frühlingstag. In dir mußt du das Kreuz von Golgatha tragen! Gott zeichnet es nicht an den Himmel, er breitet es nicht über die (Erbe, keine Finsternis zeugt von dem Gottestod. Der Tag war einmal, und er kommt nicht wieder außer in dir. Du selber mußt dir deinen Karfreitag schaffen, auch er will errungen sein!

Nimm den Schmuck von den Altären deines Selbst, enthülle dein Kreuz vor Gott und bitte um Kraft, und knie am Grabe deiner Wünsche und Träume.

Und laß es ganz, ganz stille um dich werden.

Samstag.

Die Knospe hat nicht warten können! Noch in der Nacht hat sie sich entfaltet und ist ans Licht gebrochen Und nun blüht sie, eine Blume, im lichten Morgenson­nenschein.

Herr, verzeihst du uns wohl, wenn wir nid* war­ten können? Wenn unsere Freude schon die Trauer sprengt und wir die Glocken ertönen lassen und Alle lujah fingen? O Herr, vielleicht ist dies Sonntags-Alle- lujah, mit dem wir Dich im Grabe grüßen, das innigste, das herzlichste, das glaubenskräftigste! Wir wissen, daß Du auferstehst, wir glauben es! Wir wälzen heute schon den großen Stein vor unferm Herzen hinweg, da­mit Du erscheinen kannst und Dich selber umsehen, da wo Du Wohnung nehmen sollst.

Vielleicht fallen, wir am Abend, wenn wir zum letzten Male an Deinem Grabe wachen, noch einmal in die stille Trauer zurück, aber Herr, sieh, unsere Woh­nung ist bereits geschmückt! Blumen allüberall! Herr, sieh die Träne, die Dir fließt, die Freudenträne! Herr, diese Träne sei Dir als eine erste Dftergabe geweiht!

Das Geburks- und Todesjahr Christi.

Ein Leser schreibt uns: In Nr. 44 Ihres Blattes brachten Sie in der Wochenendbeilage einen Aufsatz von Dr. Hermann Schachert, in welchem von dem Ergeb­nis der neueren Forschungen über das Ge- burts- und Todesjahr Christi die Rede war. Es wird vielleicht interessieren, daß die Feststellungen der Wissenschaft, daß nämlich das Geburtsdatum Christi um 47 Jahre zu spät angesetzt sei, in den Gesichten der Katharina Emmerich chre Bestätigung finden. Auf Seite 141 und 142 des Werkes: Das arme Leben und bittere Leiden unseres Herrn Jefu Christi nach den Gesichten der gottseligen Anna Katharina Emmerich. Aus den Tagebüchern des Clemens Bren­tano (Druck und Verlag von Friedrich Pustet, 1898) heißt es wie folgt:

Ich sah. daß bas Jahr der Welt 3997 noch nicht voll war, als Jesus geboren wurde. Die nicht vollen vier Jahre von feiner Geburt bis zum Schluffe des vierten Jahrtausends hat man nachher ganz vergessen und dann vier Jahre, später unsere neue Jahreszahl ange­

fangen. Christus ist also nicht ganz volle 8 Jahre früher, als unsere Zeitrechnung geboren.

Der eine Konsul in Rom hieß damals Lentulus, er war ein Vorfahre des Märtyrers und Priesters Moses, dessen Reliquie hier bei mir ist, und der zur Zeit des heiligen Cyprian lebte; von ihm stammte auch jener Lentulus in Rom, der dort ein Freund des heiligen Petrus war.

Christus ist im 45. Jahre des Kaisers Augustus ge­boren. Herodes hat überhaupt bis zu feinem Tode 40 Jahre regiert. Sieben Jahre war er zwar noch ab­hängig, aber er quälte das Land schon sehr und übte viele Grausamkeiten aus. Er ist ungefähr im sechsten Lebensjahre Christi gestorben. Ich meine, fein Tod ist eine Zeit lang verheimlicht worden. Er ist gräßlich ge­storben und hat in seiner letzten Zeit noch mancherlei

Mord und Elend veranlaßt. Ich sah ihn in einer großen mit Kissen ausgepolsterten Stube herumkriegen. Er hatte einen Spieß bei sich und wollte nach den Men­schen, welche sich ihm nahten, stechen. Jesus wird unge« sähr in seinem 34. Regierungsjahre geboren sein.

Zwei Jahre vor dem (Eintritt Mariä in den Tempel hatte Herodes an dem Tempel bauen lassen. (Es war fein neuer Tempelbau, es wurde nur hie und da Eini­ges verändert und verschönert.

Die Geburt Christi geschah in einem Jahre, in wel­chem die Juden 13 Monate zählten. Es war dies wohl so eine Einrichtung, wie mit unseren Schaltjahren. Ich meine auch, daß die Juden zweimal im Jahre Monate von 21 und 22 Tagen hatten. Ich sah auch wie ver­schiedene Male Einiges an ihrem Kalender verändert worden ist. Es war nach dem Ausgange einer Ge­fangenschaft, als man auch am Tempel baute."

Das kreuz in der Wüste.

Don Hanns W. Kappler.

_ Etwa hundert Kilometer südlich der algerischen Stadt Setis steckt, weit abseits jeder Karawanenstraße, ein großes hölzernes Kreuz im Sande der Wüste. In fran­zösischen und arabischen Settern, deren Farbe zwar die Sonne bleicht, die aber tief in das Holz geschnitzt sind, stehen die Worte-Hier ruht eine Abteilung spa­nischer Legionäre. Acht Mann und ein Leutnant wurden durch ein arabisches Mädchen in die wasserlose Wüste ge­lockt, in der alle verschmachteten."

Das Kreuz steht einsam und vergessen,' der Samum verweht es oft, um nach Wochen ober Monaten den Sand roieber aufzunehmen und davonzutragen. Sand­welle über Sandwelle wandert dahin, aber bas Kreuz steht noch, nur ein wenig hat es sich geneigt.

Alljährlich muß eine größere Abteilung spanischer Legionäre in die wasserlose Wüste hinaus, um das Kreuz vom Sand zu befreien und einen Kranz niederzu- 'sgen. Oberst Segantes läßt es sich nie nehmen, die kleine Karawane zu leiten; denn jener Leutnant war fein bester Freund. Wenn bann unweit des einsamen Kreuzes das Lager aufgeschlagen wird, erzählt Se- gantes die Geschichte von dem Leutnant Ricardo, feinen acht Untergebenen und dem Arabermädchen Losibah.

--es lyar zur Zeit des Kabylenaufftandes, als die räuberischen Tuareg die Gelegenheit nützten und einige der spanischen Militärstationen angriffen, die längst der Wüste angelegt waren. Ricardo wurde mit acht Mann abkommandiert, die weit vorgeschobene StationSienna" zu verstärken. In einer Oase wurde feine Truppe eines Nachts beschoffen. Ricardo ließ am anderen Tag bas kleine Dorf stürmen, aber nirgends war ein Mensch zu entdecken. Erft nach langem Suchen fand man ein junges, vielleicht dreizehnjähriges Araber­mädchen, das wegen einer Fußverletzung von den Flüchtenden zurückgelasten war.

Du wirst uns den Weg zur nächsten Oase zeigen!" befahl Leutnant Ricardo, ließ eines bet Packpferbe für bas Mädchen freimachen, und kurz darauf setzte die Truppe ihren Weg fort. (Ein Samum, der vor wenigen Tagen gewütet, hatte die Karawanenstraße überquert und nirgends war ein Kennzeichen vorhanden, wo der Weg zur nächsten Oase war. Ricardo war froh, eine Führerin gefunden zu haben, die den Weg kannte und ihn nicht verfehlen konnte. Losibah hatte sich nicht lange gesträubt, den Weg zu weifen; denn Ricardo hatte ihr eine schöne, bunte Kette und prächtiger Arrn- ichmuck versprochen, den er in feiner Satteltasche ver­borgen hielt.

Die Tage vergingen, bas Wasser wurde ohne Ein­schränkung gebraucht; denn Losibah erklärte immer wie­der, daß in zwei Tagen die Oase erreicht sei, und bis dahin reichte der Vorrat an Wasser auf jeden Fall.

Aber der zweite Tag kam und verging, nirgends war eine Oase zu enberfen, keine Palme tauchte am Hori­zont auf, öde dehnte sich das unendliche Sanbmeer, überall nur Sand, im grellen Sonnenlicht flimmernder Sand.

Die Legionäre mußten nach und nach die Reit- und Lasttiere töten, und als der vierte Tag gekommen war, stolperten Ricardo und seine acht Legionäre schmachtend

dahin, timen voran aber schritt leichtfüßig bas Araber­mädchen, dessen Fußwunde inzwischen geheilt war.

Am Abend brachen die Legionäre erschöpft zusam­men, stöhnend lagen sie im Sand. Ricardo rief Losibah zu sich, schritt mit ihr hinaus in die Wüste. Als sich die beiden weit von der Truppe entfernt hatten, blieb Ricardo stehen.

Sag jetzt die Wahrheit, Losibah, die anderen brau­chen es nicht zu hören. Wir sind verloren?"

Aufrecht stand das Mädchen vor chm.

Ja, Allah will es so."

Allah? Rede keinen Unsinn, Losibah. Du hast dich verirrt?"

Nein", kam es stolz als Antwort zurück.

Nein?" rief Ricardo erstaunt aus.Was soll das

I heißen?"

Ich habe euch absichtlich in die Wüste geführt. Ihr alle müht sterben; denn cs gibt weit und breit weder eine Oase noch einen Karawanenweg!" . 4

Ricardo stand bebend vor dem Mädchen. 'M Wir alle sterben? Und du?* ,Zch auch", sprach das Mädchen mit ruhiger Stimme. Bist du wahnsinnig?" schrie jetzt Ricardo auf, Warum führst du uns in den lob?"

Weil Ihr Feinde meiner Brüder, Feinde meinest Volkes seid."

Ricardo brachten die Worte des Mädchens um jede Ueberlegung. Wütend packte er sie.

Das sollst du büßen, Verräterin!"

Losibah wollte sich von feinem Griff freimachen, tfrt kurzer, verzweifelter Kampf entstand, bann krachte ein: Schuß, und Losibah sank mit einem Aufschrei zu Boden,

Ricardo stand lange neben ihr. Der Mond ging auf, und sein bleiches Licht lag über dem bronzenen Ant­litz Lofibahs, deren Blut hinab in den Sand der Wüsts riefelte.

Zwei Wochen später fand man die von der Sonne gebleichten Skelette, halb verwchi vom Samum. Das

A 870 Schwingungen

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ganzer Orchester unter Garantie für jede Schwingungszahl

J. Mollenhauer & Söhne, Fulda, gegründet 1822.

Tagebuch des Leutnants Ricardo gab Aufschluß über die Tragödie, die sich hier im Reiche des ewigen Sandes abgespielt hatte.

So erzählt Oberst Segantes. Und er wartet, bis der Mond aufgeljt. Dann läßt er feine Leute vor dem Kreuz Ausstellung nehmen. Wortlos legt er den Kranz nieder, stumm winkt er mit der Hand, und bann blitzt es auf aus den Gewehren der Legionäre. Dreimal rollt der Donner bet Salven hinaus in die Nacht, und graue Pulverschwaden ziehen um das einsame Kreuz in der Wüste.

Der Mann vom Meer.

Von Julius Regis.

i "Vertragen aus dem Schwedischen. G. Müller-Berlag, München. 10s -----------

Er ist gekommen.

I.

pft dir jetzt besser, Vater?"

,, Y*£ hatte noch lange im Bett gelegen, ohne jedoch Wafen zu können. Nachdem er dann aber gebadet und l«? angekleidet hatte, war ihm etwas besser zumute.

; sa, es ist nichts!" Reynold nickte mit verbunde- m ftopf und schnitt ein Gesicht,ne Beule habe ich davongetragen."

R6erfüp&U teine ®Pur von dem Kerl gesehen, der dich bah'^2-11' ~.un& wer hätte es denn auch fein sollen? Ich

nur 5 diese Nacht überlegt: Wahrscheinlich bin ich I gestolpert und hintenüber gefallen."

Aktien *^n auf einer flachen, kleinen, grasbewach- 1 chtunz gefunden hatte, sagte nichts.

dua San3 blaß aus. Junge! Um mich brauchst

eine Sorge zu machen", setzte Reynold hinzu.

^ater", erwiderte Erik gepreßt und fühlte, | J 'hm einen raschen Blick zuwarf.

fyian't f1 & roarft du eigentlich so spät draußen, Onkel 'ras e fie-

wieder nicht schlafen und wanderte auf Unb 'ben o-6is 'ch in die Nähe der Kajüte tarn stehen." ^''h'ichkin im Wasser gewahrte. Da blieb ich

ÖViefn to^r 1°$ sicherlich Täuschung, Onkel Hugo!" Tieft hin' lln*lr kQUs "icht! Ich sah ihn deutlich in der pber niet ffx ^er Ackern wie ein Phosphoreszieren, ich glaube eL Sagt, was ihr wollt! Ich weiß, was

.,3a ®eermann sich so zu erkennen gab?"

^den, aber°irf< cc 2Irt- ®s läßt sich schwer in Worte 9t Sßienior itl n gespannt zu hören, was Drakenborch

eölel Uhr ist es jetzt?"

Kaum neun", sagte Erik, der fürchtete, sein Vater werde nach dem Kubaner schicken. Er wechselte einen Blick mit Märta- unb erhob sich.Ich will jetzt nach Furusund, um an Seburg zu telephonieren."

Märta begleitete ihn hinaus.

Wir müssen uns diese Leute fernhatten", sagte er draußen.Vater schenkt Drakenborch zuviel Vertrauen." Solange Onkel Hugo zu Bett liegt, laß ich niemand zu ihm hinein", erwiderte Märta.

Und diese Sitzung muß auch aufgehoben werden." Ja, heute kann noch nicht davon die Rede sein." Diese kleine Verschwärung hob Eriks Stimmung, und als er im Motorboot des Pächters aufs sonnige Meer hinaussteuerte, sah er die Lage schon hosfnungsvoller an. Wenn Wallion erst kam, würde er schon Licht in dies drohende Dunkel bringen.

In Furusund fühlte er sich stark versucht, auch Mau­rice Wallion anzurufen, um zu fragen, wann er käme. Aber Wallion hafte ihm ja ausdrücklich gesagt, er sollte sich still verhalten unb warten. Auf der Rückfahrt fiel ihm plötzlich ein, daß er ihm nichts von dieser Taucher­fache gesagt hatte. Ob die hinderlich sein konnte? Ob er selbst an irgendein Ergebnis glaubte, war ihm nicht klar. An einen Schatz von märchenhaftem Wert glaubte er je­denfalls nicht, und fein Vater glücklicherweise ebensowenig. Aber nach einem endgültigen Beweis für die Identität jenes Holländers Vriesman mit feinem Vorfahren Erik Frisman Reynold hungerte Reynold geradezu, unb Erik fürchtete, daß eine Enttäuschung seinen alten, gebeugten Vater womöglich töten werde.

Als Erik der den Sohn des Pächters mitgenommen, hatte, nach Jägarö zurückkehrte, erwartete Lindstrom sie auf der Brücke unb fragte den Jungen:War es schon gemeldet?"

5n Furusund wußten sie noch nichts davon", erwi­derte Knut."

Aber es wird ja sicherlich noch heute gemeldet wer­den."

Was denn?" erkundigte sich Erik.

Ach, heute morgen hat man wieder bei den Klippen eine Miene treiben sehen", sagte Lindstrom.Es ist schrecklich! Seit langen Jahren ist der Krieg nun zu Ende, unb doch tauchen immer noch dann und wann solche

Biester bei uns auf. Die Russen haben hier ja geradezu damit gepfeffert. Wenn wir Ostwinb bekommen, kann das Ding gerade hierher treiben unb ein Stück von Ici- garö absprengen."

Gott bewahre!" sagte Erik.Die Wachtschiffe der Marine werden schon mit ihnen fertig werden."

Er eilte nach Hause unb berichtete feinem Vater, als Märta ihm durchs Fenster winkte und ihm, als er her- auskam, rasch zuflüsterte:Colt kommt herüber."

In der Tat glitt das Hamrasche Motorboot bereits heran. Erik ging nach der Landungsbrücke hinunter und stand dort ruhig mit beiden Händen in den Taschen, als Cott ausstieg unb auf ihn zukam.

Na, mein Alter, heute trägst du ja glücklicherweise eine minder kriegerische Miene zur Schau. Der kleine Ausflug nach Furusund hat dich wohl beruhigt."

Was willst du?"

Na, na, nicht so grimmig! Drakenborch läßt grüßen unb labet euch zu heut abend zu einer kleinen Seance ein."

E)eute geht bas nicht. Mein Vater ist krank."

Krank?" wiederholte Colt mit verwunderter Miene.

Mit einemmal? Was ist denn geschehen?"

,Lch habe nicht gesagt, daß etwas geschehen ist, Colt."

Nun, eine Erkrankung ist doch immerhin ein Gescheh­nis. Und wenn du mich freundlich vorbeilassen willst, mochte ich ihm gern einen Besuch abftatten."

Aber Erik blieb unbeweglich stehen unb versperrte ihm ben Weg.

Bedauere. Er liegt zu Bett unb schläft."

Sein Zustand ist doch nicht bedenklich?"

Wir fanden ihn bewußtlos am Boden liegend. (Er meint, daß er gefallen ist unb sich verletzt hat."

Dein Ton ist so sonderbar! Er meint ---und du?"

Ich widerspreche ihm nicht."

Colt schwieg einen Augenblick unb starrte nach dem Haus hinüber.Dann bitte ich bich, ihn von mir zu grüßen", sagte er unb sprang wieder ins Boot hinab. Auf Wiedersehen, mein liebenswürdiger Freund!"

Die Sitzung bei Drakenborch ist aufgehoben",'berich­tete Erik, als er zu feinem Vater zurückkehrte.Colt war eben hier,"

Aufgehoben?" murmelte der alte Herr und sah fo grau und verfallen aus, daß Erik sich erschrocken über ihn beugte.

Wie fühlst du dich, Vater? Ich hätte doch den Arzt aus Furusund mitbringen sollen."

Unsinn! Es geht mir schon besser - , Ich könnte schon wieder aufstehen."

Heute noch nicht", erklärte Märta mit sanfter Be­stimmtheit.

Morgen werden wir dann sehen."

2.

I

Das Dampfschiff tarn zur gewohnten Zeit, ohne jedoch Passagiere abzusetzen, und Eriks unb Märtas frohe Er­wartungen wurden zu Wasser. Dahingegen meldete die Zeitung, daß man in Stockholm die Ankunft eines Brüsse­ler Polizeibeamten erwarte, der vielleicht imstande sein werde, zur Aufklärung des jüngsten Morbsalles beizu­tragen. Man mußte sich also auf eine unmittelbar bevor­stehende Krisis gefaßt machen . . .

Erik war sehr müde, als er um halb elf nach oben ging unb sich zum Schlafengehen anschickte. Ader wenn er ben Tag für beendet gehalten hatte, fo wurde er rasch eines andern belehrt. Gerade als er sich ausziehen wollte, hörte er hastige Schritte, und gleich darauf erschien der alte Tobias atemlos unb mit entsetzten Augen in der Tür.

Er ist da!" keuchte er.

Wer?" fragte Erik lebhaft, weil er annahm, daß Tobias von Wallion spräche.

J)er Meermann!" Der alte Mann rc <g nach Atem.

Er ist in der Kajüte."

Hast du ihn gesehen?"

Nein, aber den Schein ... in der Kajüte. . . kein Lampenschein . . . Ein weißes Licht, das den Fußboden beschien . . . Die Tür stand offen ..."

Erik fuhr mit beiden Armen in feinen Rock.2Bie kamst du denn in aller Welt dahin?"

Ich wollte ben Schein sehen, von dem Herr Reynold sprach. Und ich sah' ihn .. . Aber nicht im Wasser, sondern in der Kajüte . . .'

(Fortsetzung folgt)