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Fuldaer Zeitung (Amtliches ttrelsblakl)

Sonntag, den 29. März 1931.

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nachweisen. In der Untersuchungshaft erkrankte er schwer an einem inneren Leiden, das im Kran­kenhaus kuriert werden sollte. In der Anstalts­kleidung ist er jetzt entflohen.

* -Der Großmeister des Malteser-Ordens ge­storben. Aus Rom wird gemeldet: Der Groß­meister des souveränen Malteser-Ritterordens Fürst GaleaM von Thon und Hohenstein ist ge- storben. _______

Charlie Chaplin mürbe am Freitag vom Generalsekretär des 2uai d'Orsay in Paris emp­fangen, der ihm das Kreuz der Ehren­legion überreichte.

Generalmusikdirektor Prof. Dr. Hans Pfitzaer, i der Schöpfer von „Paleftrina", „Der arme Heilt- rich", „Christelflein" u. a., erhielt den Beetzoven» Preis für 1931 in Höhe von 10000 Mark.

Bei einem Autounfall im Bois de Boulogn, in Paris ist ein deutscher Student, der 24jähr. Joachim Boedin (?) aus Charlottenburg gegen die Wind­schutzscheibe seines Wagens geschleudert worden. Er 30g sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß er bald darauf verstorben ist. Boedin soll seinen Wohnsitz in Genf haben und sich nur vorüberge­hend in Paris arlfgehalten haben.

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Schwerer Mokorradunfall.

Drei Tote.

.Zwischen Lohbrügge und Boberg bei Hamburg ereignete sich ein schweres Motorradunglück, das drei Todesopfer forderte. Der Beiwagen des Mo­torrades sauste in rasend schneller Fahrt gegen einen in der Kurve vor Boberg stehenden Möbel­wagen. Bei dem Zusammenstoß wurde das Mo­torrad vollständig zertrümmert. Der Motorrad­fahrer und seine Mitfahrerin aus Boberg waren sofort tot.. Ein Autoschlosserlehrling erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Wege in ein Hamburger Krankenhaus starb.

Gottesdienstordnung.

Evangelische landeskirchliche Gemeinschaft, Aolda.

Sonntag, 29. März, abends 8 Uhr: Evangelisations«

Versammlung. — Freitag, abends 8.15 Uhr: Bibel- und

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der Unterscheidung der Geister schenke. Es hängt ja eines mit dem anderen zusammen. Der gleiche Eeish, der jetzt in Rationalisierungsvorschlägen des § 218 tätig ist, wirkt doch auch im Fünfjahr­plan. Man nimmt die Welt mit ihren Geheimnis­sen nicht mehr demütig aus Gottes Hand hin. Man will, nachdem man nicht mehr glaubt, Gott sel­ber ersetzen durch die kleine menschliche Vernunft, und so regiert man überall da hinein, wo die Na­tur mit ihren Mysterien ehrfürchtiges Verhalten verlangt. All die verschiedenen Fragen, die heute auf den entscheidendsten Gebieten des Lebens ge­stellt werden, können vom Christentum aus nur begriffen werden, wenn man sich einmal klar ge­macht hat, daß sie überhaupt nicht mehr vom Fun­dament des Gottesglaubens aus gesehen werden. Jene aber, die die Welt ohne Gott ordnen und jene, die es eben mit Gott wollen, werden nicht zusammen kommen, solange hier der Abgrund klafft, der nach Kardinal Newman die tiefste Kluft in der modernen Zeit ist.

Vor einiger Zeit hat Joseph Douillet, einer der besten Kenner der Sowjetunion, ein Buch her- ausgegeberi: „Moskau ohne Maske". Es ist im Verlag für Kulturpolitik in Berlin erschienen und enthält in gemeinverständlicher Form das Beste, was man über die bolschewistischen Greuel sagen kann. Gegen Schluß wird die G. P. 11., die Nach­folgerin der berüchtigten Tscheka, des eigentlichen Revolutionstribunals, als die gebietende Macht in Rußland hingestellt. Es heißt dort: „Die G. P. U. tut, was sie will, ihre Willkür und ihre Machtbe­fugnisse sind unbeschränkt. Ihre Helfershelfer und ihr Beamtenstaat setzt sich aus den übelsten Ele­menten der Gesellschaft zusammen, aus Kokaini- sten, Sadisten und Verbrechern. Diesen Leuten, denen jedes menschliche Gefühl abgeht, hat das Politibüro unbegrenzte Vollmachten übertragen — nur damit die Herrschaft der Kommunisten in Rußland erhalten bleibe!" Schafft man Gott aß, so darf man sich nicht wundern, daß der Teufel das Szepter in die Hand nimmt. Lästert man die Heiligen, so wird der Verbrecher den Vorteil da­von haben. Es ist das alles vollkommen logisch. Wir sind heute verpflichtet, das immer wieder zu sagen, denn es ist nicht mehr anzusehen, wie die­ser Bolschewismus durch raffinierteste Propaganda das deutsche Volk über seine wahre Natur zu täuschen sucht. Die Stufenfolge, die Grillparzer einst aufgestellt, ist in ihm buchstäblich verwirklicht: „Von der Humanität durch Brutalität zur Bestia­lität."

Ei, nun habe ich den Herrn und sein Hündchen ganz vergessen. Ich höre nur noch sein Schluß­wort: Also, kleiner Stropp, ich habe es deinen feinen Hundeohren anvertraut. Dein treues Hundeherz hat dabei gepocht, und dein Auge hat mir verraten, daß du mich verstehst. Lieber Stropp, du bist wahrhaftig ein wunderbares Tier. Du ersetzt mir die Menschen, die meine Weisheit für Unsinn halten. Stropp, wenn es soweit ist, bann wirst du mir ein Plätzchen in deiner Hunde­hütte einräumen, es wird mir wohliger darin fein, als in der Hölle, die sich langsam auf Erden vorbereitet. Wir warten bann geduldig bis die „Gottlosen" sich selber aufgefressen haben.

Der Mann im Monde.

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f Rund um die Woche.

yer Herr und sein Hund. — Nie wieder Krieg?! —- § 218 Moskau ohne Maske.

.... bekannter amerikanischer Multimillionär, uttb Weltreisender, hat jetzt mit Sir Hubert Wilkins einen Vertrag unterzeichnet, nach dem er als Hilfs­kapitän auf dem „Nautilus" die Uboot-Expeditio« nach dem Nordpol mitmachen wird.

Dieser Herr ist es leid. Er pfeift auf das Jahr- -dert. D. h. er pfeift jeden Morgen feinem Aschen. Und das struppige herzige Tierlein ^mmt schweifwedelnd heran und läßt sich auf der Luft des noch im Bette Liegenden nieder. Der feine Hund ist klüger als irgendein Mensch, von L Mn Politikern ganz abgesehen, die er natürlich .,m viele Hundelängen überragt. Die beiden spre- ;,cn bann über unsere Zeit, über § 218, über das Äusiengeschäft, über Parlamentarismus und den nächsten Krieg. Das letzte Zwiegespräch bezog sich uf die zwei Deutschland, die es bei uns gibt, so ‘,Dte das in dem raffinierten Buch: „Nie wieder .krieg?!" soeben von Junius Alter bargelegt wirb. jla<b diesem Buch würben bie Russen, gegen bie M der Krieg ber kapitalistischen Mächte immer deutlicher vorbereite, eines Tages in riesiger -front die polnische Grenze überschreiten. Sie wer­de» Polen über den Haufen rennen. Sie werden Deutschland zusammen die gemeinsamen Feinde schlagen. Im Augenblick der Entscheidung werden die Parlamentarier versagen, und ein general wird die Seele der deutschen Politik. Wäre bas Ganze nur ein Zukunftsroman, so könnte man es hinnehmen, wie bie Phantasien ir­gend eines Utopikers, bie in Zeiten harter Wirk­lichkeiten immer ins Kraut zu schießen pflegen. Je schlechter ber Mensch wohnt, um so mehr interes­siert er sich für Wolkenkuckucksheime. Darum han­delt es sich hier aber nicht. Das Buch wirb in Mas­sen unter „Wehrhafte" verteilte, wie man von den verschiedensten Seiten erzählt hat. Es appel­liert an bie beutsche Soldatenseele, Ziethen, Blü- djer. Es sucht zu begeistern für einen Krieg, ber uns allein Rettung bringen solle. Das Katastro­phale baran aber ist nicht ber Kriegsgedanke an sich, fonbern das grauenhafte Nichtverständnis dem Geiste des Bolschewismus gegenüber. Mir sind hier Politik und Wirtschaft Nebensache. Das hat alles seine eigenen Gesetze und geht so oder so roelter. Aber der dämonische Untergrund des Bol­schewismus, der muß endlich einmal beleuchtet werden. Lenin und Stalin haben es immer wie­der gesagt, daß sie die Weltreoolution wollen und weiter nichts. Unter unsäglichen Opfern suchen sie die Sowjetmacht in dieser Richtung zu entfalten. Weil in dieser Macht das Geheimnis des Dämoni- jchen liegt, so wird sie von Tag zu Tag fürchter­licher. Von Tag zu Tag wächst auch bie Span­nung in Europa. Der Punkt naht mit Riesen- schnelle, wo es nur noch heißen wirb: Abendland ober Bolschewismus, westliches Wirtschaftssystem ober Sowjets

Im „Nie wieber Krieg" von Junius Alter wirb vorausgesetzt, daß Rußland eines Tages ben Krieg eröffnen werde. Ich glaube nicht daran. Aber daran glaube ich, daß die Russen, genau Nie man oas von den Engländern gesagt hat, " Un andere Leute die Kastanien aus dem Feuer Juten lassen. Was hier geschildert wird, und was nun in den kriegerischen Kreisen Deutschlands in dunkler prophetischer Glut aufzittert, das ist eine ber grausigsten Täuschungen, die man sich vorstellen | kann. Inzwischen erzählt ein aus Rußland ent« f wichener deutscher Ingenieur ben neugierigen i Franzosen, was Deutschland in Rußland an Rü- * iungen alles vorbereite. Angaben, bie bis zu Ein- elheiten unb Personenbezeichnungen gehen, drei­en vor die Phantasie des ängstiichen Franzosen eine Kriegswerkstatt aus, wie sie bie Welt noch nicht gesehen hat. Ist das alles wahr? Sind die Dinge schon so weit gediehen? Weiß unsere Re­gierung davon? Oder ist alles nur Wichtigtuerei?

Die Menschheit ist blind. Sie ahnt nicht, was in diesem Augenblick gespielt wird. Am liebsten schickte ich jetzt einige Emigranten, etwa aus dem Kreis jener, bie bas ausgezeichnete Buch von ber „Welt vor dem Abgrund" geschrieben haben, burch Deutschland und die ganze Welt. Wie früher der Erdkreis verteilt wurde unter bie christlichen Mächte, so wirb er heute geteilt zwischen den un- christlichen Gewalten. Ich rate nur allen mei­nen Freunden, bie mich hierin verstehen werben: Betet! Bestürmt den Himmel mit euren Opfern! Seiet, baß biefes vorübergehe! Was wir jetzt an Not erleben, ist nichts im Vergleich zu dem, was kommen wirb, wenn sich verwirklicht, was heute im Schicksalsspiel gewürfelt wirb.

Betet auch für bie Männer, bie heute bie Ge­schicke ber Welt -leiten . Daß Gott ihnen bie Gabe

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El« selbstbewutzler Stammtisch.

Was der „Völkische Beobachter" mit den deutsche« Katholiken verwechselt.

Im „Völkischen Beobachter" (86. Ausgabe vom Freitag, dem 27. März 1931) kann man eine balkendicke Ueberschrist lesen: „Die deutschen Ka­tholiken gegen die Heuchelei des Zentrumsklerus."

Um was handelt es sich? Der „Völkische Beob­achter" gibt nichts anderes als eine Mitteilung des Hugenberg'schen „Schnelldienst" vom 26. März wieder, wonach eine sagenhafte „katholische Ver­einigung für nationale Politik" in Berlin eine Kundgebung erlassen und dem Papst eingereicht habe, die Beschwerde darüber führt, daß kacholifche Geistliche, namentlich Bischöfe, in den politischen Meinungsstreit eingreifen. Der „Schnelldienst" hatte habet noch bie besondere Freundlichkeit, darauf hinzuweisen, daß dieses angeblich unzulässige Vorgehen des kacholischen Klerus „uns dem Wie­deraufleben des Kulturkampfes nahe bringt".

Der Schreiber dieses Unsinns weiß wohl gar nicht, daß der Kulturkampf seinerzeit nicht von ben Katholiken und dem kacholischen Klerus einge­leitet, sondern abgewehrt worden ist. Der Klerus befand sich in absoluter Verteidigungsstellung gegen diejenigen kulturkämpferischen Kräfte, die bei ben Vorgängern der Deutschnationalen Partei, aber auch noch in der heutigen Deutschnationalen Volks­parte- — siehe Doehring und andere — ihre politische Heimstätte hatten und haben.

Diese Ungezogenheit legen wir also zu dem Uebrigen. Wenn nun darüber hinaus der „Völki­sche Beobachter" den Klerus der „Heuchelei" be­zichtigt, so ist das ja auch wiederum ein recht inter­essanter Beitrag für die Einstellung der National­sozialisten zur Kirche unb ihren Würdenträgern.

Wie verhält es sich nun aber mit der „Katho­lischen Vereinigung für nationale Politik"? Es ist eine absolut nichtssagende, keine größere Runde als einen Stammtisch ausmachende Gesellschaft Un­zufriedener und Mißvergnügter, von denen man nur dann etwas hört, wenn es sich darum handelt, denjenigen Kräften in den Rücken zu fallen, die die Rechte der Katholiken, der Kirche und ihrer Diener auch im öffentlichen Leben gewahrt wissen wollen.

Es ist eine Wichtigtuerei, um nicht zu sagen eine Absurdität ohnegleichen, wenn der „Völkische Beob­achter es nun so darstellt, als repräsentiere diese ganz nebensächliche „Vereinigung" „d i e" deutschen Katholiken. Die deutschen Katholiken lehnen es ab, mit diesen Schleppenträgern deutschnationaler und nationalsozialistischer Elemente irgendetwas zu tun zu haben, und sie verwahren sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß die ehrwürdige Per­son des Heiligen Vaters durch „Aktionen" einer solchen Gruppe in den politischen Tagesstreit ge­zogen wird.

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Eine Mnder-Tragödle.

Schlimmes Ende eines gefährlichen Spiels.

In einer Ortschaft in der Nähe von Buda­pest krochen drei Kinder in Abwesenheit der Eltern beim Spielen in eine große Truhe. Plötzlich klappte der mit einem Schnappschloß, ver­sehene Deckel der Truhe zu, unb die Kinder waren gefangen. Die Eltern, bie erst nach einigen Stunden heimkehrten, entdeckten zu ihrem Ent­setzen die entseelten Körper der Kleinen, die elend erstickt wären.

* Flucht eines verhafteten Spions. Der 31 Jahre alte Eugen © a n t n e r, ber im vergangenen Jahre in Berlin unter bem dringenben Verdacht ber Spionage zugunsten Frankreichs verhaftet worben war, ist Freitag nachmittag aus bem Ru­dolf Virchow-Krankenhaus in Berlin entflohen. Eantner war seinerzeit auch eines Mordes ver­dächtigt worden, konnte aber dann seine Unschuld

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HEGTE AUF ALLEN STRASSEN DER WELT!

Thomas Lohnston,

der parlamentarische Unterstaatsfekretär für Schott« land, wurde als Nachfolger des verstorbenen Ver­non Hartshorn zum neuen Lord-Siegelbewahrer im englischen Kabinett ernannt.