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Schiff in der seinem Lauf entgegengesetzten Rich­tung schreiten; indem sie nach Süden gehen, wird der Boden, aus dem sie es tun, mit ihnen selbst nach Norden getragen." Aehnlich geht es dem Natio­nalsozialismus. Indem er glaubt, die Menschen vom Marxismus abzubringen, führt er sie ihm in die Arme, noch weit mehr, er führt sie zum Bol- fchewismus.

Man kann nicht annehmen, daß Herr Hitler und sein Stab schon für solche Erkenntnisse reif sind, und muß es der zukünftigen Entwicklung überlas­sen, sie ihnen zu vermitteln. Aber diejenigen, die der nationalsozialistischen Bewegung sympathisie­rend gegenüberstehen, nicht ungern ihr ?'nwach^en verfolgen und sich aus „politischer Neutralität" ei­ner Stellungnahme enthalten, sollten bedenken, daß

die lachenden Erben der Hakenkreuzarbeit in der Hauptsache die Männer mit dem Sowjetstern sein werden.

Muß die bloße Möglichkeit einer solchen Ent­wicklung nicht Anlaß genug sein, sich auf die Pflich­ten gegenüber dem deutschen Volke ,zu besinnen und die Abwehrfront gegen den Radikalismus nach rechts und nach links zu stützen? Das kann schon dadurch geschehen, daß man der ruhigen und zielbewußten Arbeit des Kabinetts Brüning d i e Anerkennung zollt, die ihm gebührt, und ihr das Vertrauen der Schwankenden zuführt. Damit wer­den wir schneller aus der furchtbaren Not der Ge­genwart herauskommen, als durch radikale Rodo- montaden, deren Verwirklichung nur die Kata­strophe bedeutet.

Genutzmittel als Schrittmacher für Krankheit und Tod.

Don Dr. Ludwig S t e r n h e i m, Facharzt für Dlutkranke.

Ausdehnung des Darmkanals birgt ebenso den Vorteil einer großen Abwehrfläche, wie die Ge- fahr einer großen Aufsaugfläche in sich. In Be­reitschaft sein ist alles. Die stete Bereitschaft der Darmwand muß sich darin zeigen, für das Not­wendig-Wertvoll» die Poren zu öffnen und gegen das Beiläufig-Giftige die Pforten zu fließen. So kann man die Darmschleimhaut auch mit

Es ist auch heut- noch richtig, was der Philo­soph Seneca vor fast zwei Jahrtausenden gesagt hat, daß die meisten Menschen nicht sterben, son­dern sich umbringen Debet ist „alt werden" und ,,oud) im hohen Alter jung bleiben"" der Mensch­heit sehnlichster Wunsch. Jugend ist gleichbedep- tend mit Gesundheit. . Erst im Laufe der höhe­ren Lebensjahre macht sich das Zerstörungswerk sichtbar und fühlbar, das von den Feinden des menschlichen Körpers getrieben wird. Der Wider­sacher gibt ee viele. Einer der schlimmsten ' der innere Feind, der in hinterhältiger Weise mit Giften operiert, und am heimtückischsten ist d",r Gegner, der sich mit der täglichen Nahrung ein­schleicht

Die eingeführten Nahrungsstoffe sollen durch eine regelrechte Verdauung abgebaut und zu kör­pereigenen Htoffen, die auf dem Wege durch die Darm'chleimhaut in das Blut gelangen müssen, umgebaut werden. Nur solche körpereigenen Stoffe können Ersatz für verbrauchte und verlorene Kraft bringen. Daß verdorbene, zersetzte und giftige Speisen als schädlich auszuschließen send, bedarf keiner besonderen Erwägung. Weniger bekannt ist, daß unzweckmäßige Zubereitung der Nahrung, schlechtes Gebiß und nachlässiges Kauen, lieber« ladung mit Speisen, mangelhafte Funktion von Magen. Darm und Nerdauungsdrü^en einen un­vollkommenen Abbau der Nahrung zur Folge ha­ben und auf diese Weise körperfremde Stoffe lie­fern können Es ist nun bewiesen daß unter Um­ständen auch solche Stosse die Darmschleimhaut durchdringen und in das Blut gelangen können, wo sie sich infolge ihrer Körperfremdheit üftäM';' auswirken müssen. Besonders sind es blutfremde Eiweißspaltprodukte, die so zu Körpergiften wer­den. Solche Zwischenprodukte unvollständiger Ver­brennung sind namentlich — um nur einige an­zuführen — Pepton und Histamin. Die Zahl der Störungen und Erkrankungen, die durch derartige Nährscbäden mitbedingt sind, ist recht beträchtlich. Zuweilen entstehen( nur vorübergehende Krank- beitserlcheinungen. Wenn die Nährschäden aber ständig am Werk sind, so bringen sie allmählich sich steigernde Beschwerden, lange Krankheitszei­ten und schließlich ein aualvolles Ende.

Die überaus große Gefahr der Nährschäden be. ruht gerade darin, daß sie sich so gemächlich ein- fchleichen und lange Zeit unbemerkt bleiben kön­nen. Die unsicheren Anzeichen — Verstimmung Rei-barkeit, Unlust und Schwäche. Appetitlosinke« Magendruck und Verdauungsstörungen, Kopf­schmerz, leichte Sehstörungen und vorübergehende Schwindelerscheinungen — werden aus Ueberarbei- tung, Aufregungen oder Verärgerungen geschoben. Erst schwerere Störungen treiben dazu, den ärzt­lichen Rat einzuholen. Der moderne Arzt wird sofort feinen Verdacht auf etwaige Nährschäden richten. Er weiß, daß sie mitbeteiligt sein können an der Entstehung und BerfcMmmerung hart­näckiger und lästiger Krankheitszustände, an Gicht und Zuckerkrankheit, Heufieber und Asthma, Nes­selsucht und Migräne, an einigen Nierenerkran­kungen und höchstwahrscheinlich ronar an einigen epileptiformen Anfällen. Hauptsächlich aber und unzweifelhaft sind die Nährschäden mitveran'wort,- lsch zu machen für die Schädigung der Jnnen- haut der Blutgefäße und die große Zahl der Blut­druckerkrankungen. Für die überwiegende Mehr­zahl der Fälle von Arterienverkalkung ist als Mit­ursache sicherlich eine chronsiche Zersetzung des Blutes mit Darmgiften anzuschuldigen.

Die Empfindlichkeit der einzelnen Menschen den Nährschäden gegenüber ist allerdings sehr ver­schieden. Einige besitzen in dieser Hinsicht >->r besondere Ueberempfindlichkeit und Krankhzns- bereitschaft. Der vollkommen gesunde Körper wird Sch im allgemeinen mit allen Kräften gegen die üfnahme schädlicher, blutfremder Stoffe wehren. Er besitzt vor allem in Darmwand und Leber zwei starke Abwehrgatter. Diese sperren aber den W-a nur, wenn sie solide gebaut sind und in gutem Zustande erhalten werden. Das Hauvtwehr ist die Darmschleimhaut. Sie muß das Blut gegen die Ueberflutung mit Darmgisten sowohl durch die Absonderungsprodukte ihrerDrüsen als durch die Tätigkeit ihrer Zellen schützen. Die gewaltige

einem Filter oder einem feinen Sieb vergleichen, das die Schlacken zurückhält. Sieb oder Pforte, alles hat im Organismus nur eine begrenzte Dich­tigkeit und unterliegt außerdem der natürlichen Abnutzung. Eme vermehrte Durchgängigkeit der Darmwand kann schon als unterwertige Veranla­gung vorhanden und ererbt fein, häufiger wird aber die Darmfchleimhaut erst im Laufe des Le­bens durch arge Mißhandlung minderwertig. Siu, solcher Minderwertigkeit der Schleimhäute im 23er» dauunqska"al beruht oft auch das Nichtvertragen­können bestimmter Nahrungsmittel, die von den Betroffenen dann als schwere Speisen bezeichnet w»rden während andere sich rühmen können, Kie­selsteine ’u vertragen.

Zuweilen kommen Vererbungen und erwor­bene Schädigung zusammen. Die neuere medi­zinische Forschung hat gerade auf diesem Gebiete eingehende Streifrüge unternommen u"d ,wei be­liebte Gonu^mittel, Alkohol und Coffein, als Schädlinge für die Abwehrsirnktion der Darm­schleimhaut entlart. Dr. Carl Funck in Köln konnte nachweisen, daß 25prorentiger Alkohol die Darmwand derartig beeinträchtigt, daß der Durch­tritt förperfretnber Eiwe-ßnrodickte in das Blut erheblich erleichtert und gesteigert wird. Unter dem Einfluß von noch höher prozentigem Alkohol kön­nen sogar schon im Magen derartige schädliche, un­vollkommen abgebaute Eiweißstoffe zur Aufsau­gung gelangen. Bier ist allerdings meistens nur schwach alkoholhaltig; auch Wein spielt infolge der verhältnismäßig niedrigen Prorentzahl an Alkohol bei den Nährfchäden durch aistige Eimeißstoffe nicht eine solch verderbliche Rolle wie Sckmärste und Liköre, von denen die landläufig? Meinung gerade eine günstige Wirkung bei Tafelsunden er­wartet.

Als Wolf im Schafskleid entpupte sich auch das Coffein, wenn es gewohnheitsmäßig genommen wird. Es genügt schon eine 0 Nsipco'entige Lö­sung, um den Schutz der Darmschleimhaut zu lok- fem. Man rechnet gewöhnlich ein halbes Lot Kaffeebohnen (.— 8 Gramm! auf eine mittelgroße Taste Kaffee. Der Vrozentaehalt der gerösteten Kaffeebohnen an Coffein beträgt 1 bis 2)4 Pro­zent. man kann ihn bei guten Santosbohnen wohl durchschnittlich auf etwa 1,5 Prozent veranschla­gen. Wenn man von dem geringen Coffeinver- lust absieht, der bei der Zubereitung des Kaffee­getränks entsteht, so wird eine Tasse Haushalts- kaffee nahem 0.12 Gramm Coffein enthalten, das sind bei einer Tasse von 150 ccm. Inhalt etwa 0,08 Prozent. Solch ein Ka'feeaufguß würde al o .bei einiger Dauer schon imstande sein, die Darmoer- teidigung gegen Körverg'ste zu schädigen. In den Tierversuckren von Dr. Carl Funck genügten aber häufig schon Konrentrationen von 0 05 Prozent Coffein zur Darmfchädiaung. während allerdings mi-derum andere Tiere, selbst aus demselben Wurf, recht unempfindlich gegen Coffeinschädigung zu sein schienen. Dabei ist zu berücksichtigen. daß ein Tierversuch nur immer eine verhältnismäßig kurze Zeit fortgesetzt werden kann. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß auch bei den anscheinend gegen Coffeinwirkunq immunen Tieren schließlich eine Schädigung einaetreten wäre, wenn die Versuche lange genug hätten fortgesetzt werden können. — Jedenfalls haben Dr Funcks Versuche dem Sün­denregister über Coffein ein neues Kapitel seiner gefährlichen Tätigkeit angefügt.

Eine biologisch begründete Ernährungskunde wird dafür Sorge tragen, daß unter Körper vor Giften bewahrt bleibt. Genußmittef dürfen nicht Genußgifte fein. Heute gilt leider vielfach noch im­mer der Ausspruch: „oitam brevem non accepi- mus, fed factmus" (wir haben unter Leben nicht als ein kurzes emvfangen, sondern machen es bam) und der noch unglaublicher klingende Satz: „Das meist gebrauchte sicher tödliche Gift ist tägliche Nah­rung." ; „j y >

Vas neue Rohrbach - Romar - Grotzflugbook startfertig.

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Das Grotzflugbook der Rohrbach-Derke wird in Travemünde zu Wasser gebracht.

Rechts: Flugkapitan Sfeinborff, der das Boot auf feinem Flug nach Frankreich führt.

< ' Schon in den nächsten Tagen werden die ersten Probeflüge gemacht werben. Leiber wirb bas Flugzeug jedoch nicht in Deutschland bleiben, sondern geht als Reparationsgut nach dem französischen Mittelmeerhajon St. Rarchas^. , ... , -L. - ?. . j _

Handel und

— Der Umsatz der chemischen Industrie in Hessen- Jtaffau und Hessen. Die Bedeutung der deutschen che­mischen Industrie hat nach dem Krieg weiter zugenom­men, zumal ihre Erzeugnisse zu den wichtigsten Aus- suhrartikeln gchören. Die gesamte deutsche chemische In-

Auch die Mein-Industrie in Not Eine Kundgebung der Eifenverarbeiter.

Viehmärkke.

- Rindermarkt in Gießen. Der Rinder-Nutzvieh, markt am Dienstag in Gießen war mit 1290 Stütf Großvieh und 255 Kälbern zum Verkauf beschickt. $cr Handel gestaltete sich schleppend, für Schlachtvieh [0. gar flau, und der Markt hinterließ geringen Ueberstand Man bezahlte für Milchkühe oder hochtragende Kühe 1 Qualität 500—550 Mark 2 Qualität 350—-400 Mark 3 Qualität 200—250 Mark, Schlachtkühe 100 -300 M irk Ve—z«iährioe Rinder 100—200 Mark %—2iährige Rin­der 175—275 Mk.; tragende Rinder 300-450 Mk., Käl­ber 45—55 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht. Für ausge­suchte Tiere wurd-n höhere Preise bezahlt.

Vorbericht des Berliner Schlachtviehmarkles.

— Berlin, 27. März. (Gig. Meld.) Es wurden be­zahlt für je einen Zentner Lebendgewicht: Rinder 18 bis '48, Kälber 35—70, Schafe 26—49, Schweine: Fett­schweine über 300 Pfd. 48—49, vollst. Schweine von 240—300 Pfd. 48—49, vollst. Schweine von 200—240 Pfd. 47—49, vollst, Schweine von 160—200 Pfd. 45 bis 48, vollst. Schweine von 120—160 Pfd. 42—45, Sauen 43—44. Aufgetrieben waren: Rinder 2806, Kälber 3300, Schafe 8041. Schweine 12909. Marktverlauf: Bei Rin- der» und Schafen ruhig, bei Kälbern und Schweinen ziemlich glatt. — Bemerkung: Wegen der Feiertage wird der Markt vom 3. April auf den 4. April und der Markt vom 7. April auf den 8. April verlegt.

Genossenschaskswefen.

— Eine günstige Liquidation. Der Hanauer Beamten- Konsumverein, der sich seit über einem Jahr in Liquida- tion befindet, konnte seinen Mitgliedern eine recht gün- fti-ge Bilanz vorlegen. Im September 1929 schloß der Hanauer Beamtenkonsumverein mit einer Unterbilanz von 22 000 Rm. ab. Um sich vor Verlusten zu schützen, beschloß man vor etwa einem Jahr, die Genossenschaft zu liqucdierem Das große Warenlager, das mit 54000 Rm. zu Buch stand, wurde an die ,Gepak". Groß-Ein- kaufs- und Produktions Akt Ges. in Köln für 53500 Rm. verkauft. Sämtlich- Lieferanten- und Acceptschul- den im Betrage von über 33 000 Rm. konnten in kur­zer Zeit' voll bezahlt werdens Das gesamte Unternch- men mit allen Filialen wurden an die Rhein-Vem- Konsum G. m. b. H in Wiesbaden-Biebrich emt Schwesterngesellschaft der Gepak m Köln, für eine W; respachtsumme von 4000 Rm. auf fünf Jahre verpach­tet Die weitere Abwicklung hat sich derart günfiig gestaltet, daß die der Generalversammlung nunmehr vor- gelegte Verlust- und Gewinn-Aufstellung einen Gewinn von rund 2400 Rm aufweist. Dabei ist das der Ec- nossenschaft gehörende Geschäftshaus Steinheimerstratze, Langstraße Ecke in der Bilanz per 31. Dezember 1930 mit nur 13 700 Rm .eingesetzt. Die Liquidation Her Genossenschaft durste den ca. 3000 Genossen kaum einen Verlust bringen, ein in der heutigen Zeit wohl selten da- stehender Fall. Da die Genossenschaft z. Zt. über er­hebliche Barmittel verfügt, beschloß die Generalver­sammlung, schon jetzt allen Genossen 40 Prozent ihrer Geschäftsanteile bar auszuzahlen.

= wieder 10 Pro,. Kaffee hag-Dividende -tv, «v«. der Kaffee-Handels A.-G. Bremen beschloß ber Km 2t3t- 18. April eine Dividende von wieder 10 tBro» für iq»*2 oorzuschlagen. * fur 1930

= Voraussichtlich 12 Pro,. Zarbendividende n«. wohl die Bilanzsitzung erst Ende April stattfindet k trachtet man es in informierten Börsenkreisen schon' 5=4. als feststehend, daß au chsür das Jahr 1930 wieder Ji» Dividende von 12 Proz. zur Ausschüttung kommt o, diglich der im Vorjahre gezahlte Freigabebonus von , Prozent soll in Fortfall kommen. Nur, falls unoeröm worteterweise irgendwelche besonderen Ereignisse unr alle mpolitischer Natur, eintreten, würden die eine sentliche Aenderung gegenüber der bisherigen Situation bringen, bann könnte eine gewisse Revision des bishermJ Planes in Betracht kommen.

Vettere Reichsbank-Enttastung Verminderung der Bestünde an Handelswechseln und Schecks um 166 Mill. RM. - 211 Mill. RM. Noten­rückfluß.

Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. März 1931 hat sich in der 3. März-Woche die gesamte Kapi­talanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lom­bard und Effekten um 1 60,0 Mill, auf 1663.0 Mill. RM. verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 166,0 Mill, auf 1465,4 Mill. RM. und die Lombardbestände um 4,6 Mill, auf 86,7 Mill. RM. abgenommen, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 5,7 Mill, aus 8,7 Mill. RM. zu­genommen.

An Reichsbanknoten und Rentenbank- scheinen zusammen sind 210,9 Mill. RM. in die Kassen der Reichsbank zu rückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 202,3 Mill, auf 3765.7 Mill. RM., derjenige an Rentenbankscheinen um 8,6 Mill, auf 393,9 Mill. RM. verringert. Unter Be­rücksichtigung, daß in der Berichtswoche Rentenbank­scheine in Höhe von 0,1 Mill. RM. getilgt worden sind, haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbank­scheinen auf 52,0 Mill. RM. erhöht. Die fremden Gel­der zeigen mit 342,8 Mill. RM. eine Zunahme um 77,0 Mill. RM.

Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 13,3 Millionen auf 2508,7 Mill. RM. erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 0,1 Mill, auf 2286,1 Mill. RM. ab genommen, die deckungsfähigen Devisen um 13,4 Mill, auf 222,6 Mill. RM. angenommen. Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhte sich von 57,6 Prz. in der Vor­woche auf 60,7 Proz., diejenige durch Gold und deckungs­fähige Devisen von 62,9 Proz. auf 66,6 Proz,

Berliner Freitags-Börse.

Ruhig aber freundlich.

rotb. Berlin, 27. März. (Gig. Meld.) Entgegen den Erwartungen des Vormittagsverkehrs eröffnete die heu­tige Börse bei nicht ganz einheitlicher Kursgestaltung in sehr widerstandsfähiger Haltung. Die gefürchteten Glatt­stellungen aus Prämien erfolgten nur ganz vereinzelt, im Gegenteil, es schien seitens der Spekulation eher Deckungsnotwendigkeit zu bestehen. Die Grundstimmung war jedenfalls ausgesprochen freundlich und nur der geringe Geschäftsrückgang wirkte etwas störend. Die innerpolitische Beruhigung, die durch die Vertagung des Reichstages eingetreten ist und der hoffnungsfreudigere Bericht des Instituts für Konjunkturforschung haben bei der Kunbschaft anscheinend einen guten Eindruck gemacht und eher Kaufintereste hervorgerufen. Zu Beginn der Börse sand die Mitteilung einem Mittagsblattes, daß sich der Ministerart heute nachmittag mit der Arbeits­losigkeit und einem neuen Frühjahrs-Arbeitsbeschaffungs­programm beschäftigen würde, viel Beachtung. Von dem Jahresbericht der Commerzbank konnte keine besondere Anregung ausgehen, da die Ziffern nach den vorange­gangenen Großbankabschlüsten etwa den Erwartungen entsprachen. Während im allgemeinen die ersten Kurse als behauptet zu bezeichnen waren, besserten sich in der Hauptsache auf Deckungen Hamburg Süd und Hansa um je 3% Prozent und B. M. W., Schultheis, Julius Ber­ger, Stolberger Zink, Gef. f. El. und Rheag bis zu 3 Proz., während Verkehrswerte, Leonhard Tietz, Sem« berg und Bergmann Abschwächungen bis zu 2 Prozent erfuhren. Kali-Aktien lagen bei einigen Glattstellungen nur etwa behauptet. Die Spekulation scheint sie gegen Elektrowerte getauscht zu haben. Am Montanmarkt sprach man von rheinischen Käufen auf Grund gebesser­ter Eisenberichte, doch war die Umsatztätigkeit in diesen Papieren auch nicht wesentlich größer als auf den üb­rigen Gebieten. Im Verlaufe setzten sich die über­wiegend 1—2prozentigen Besserungen durch, ver­schiedentlich wurde bereits per Ultimo April gehandelt. Riebeck-Montan und Transradio werden heute letztmalig per Termin notiert. Anleihen eröffneten uneinheitlich, Altbesitz holte im Verlaufe aber den Anfangsverlust wie­der ein, Ausländer ruhig, Anatolier und Lissaboner Stadtanleihe nach schwächerem Beginn wieder gebessert. Pfandbriefe und Reichsschuldduchlorderungen freundlich. Am Devisenmarkt lagen Mark und Pfunde fest, Spanien konnte weiter etwas anziehen. Geld für Tagesgeld von 4)4 auf 6)4 Proz. befestigt, und nur vereinzelt darunter, die übrigen Sätze unverändert.

Kapitalismus als der für die Menschheit bekömmlichsten und würdigsten Form der Wirtschaftsorganiscmon. Allerdings liege auch in der Planwirtschaft des Sozialis­mus viel Berechtigtes, und die Privatwirtschaft, namei» lich die Fertigindustrie, tue gut daran, sie rechtzeitig i« „individuelle Planwirtschaft" zu verankern, denn bas werde die Zukunft, die Reife des Kap>ta- lismus fein. Unter individueller Planwirtschaft I6* freier Wettbewerb in den Grenzen einer übergeordneten planmäßig en JB o 11 s* wirtschaft zu verstehen. Besonders wichtig sei w 3 Regelung der Kapitalbeschaffung und die Ueberwachun? der Produktionserweiterung.

Prof, von Beckerath, Bonn, führte aus, organi­satorischer Halt durch Gruppenzusammenschlüffe erscheint namentlich in der Mittelindustrie erforderlich. Eing hend auf die Preispolitik der eisenschaffenden Industrie hält z. B. eine Politik niedrig er Inlands preil geringerer Spannung zwischen diesen und be-» Weltmarktpreis und entsprechend herabgesetzt Ausfuhrvergütungen für richtiger, selbst wenn sie zunacys zu etwaigen Stillegungen führen müßte. Es fei belle- wenn Deutschland zuerst und nicht zuletzt das anoere Ufer der Preisgestaltung erreiche.

Regierung für Znlereffm-Ausgleich.

5m Verlauf ber Tagung führte Staatssekretär Dr- Trenbelenburg als Vertreter des verhindert Reichskanzlers u. a. aus, die Störungen c weltwirtschaftlichen Gleichgewichts lel nicht nur aus ber Reparationsfrage 3 erklären. Das wichtigste Symptom liege m 0 starken Verschiebung ber WertoerhältnN) zwischen Agrarprodukten und Rohste ll auf ber einen Seite unb inbüftriellen F"k «r erjeugniffen ber anderen. Dadurch fe* Güteraustausch zwischen den großen Wirtschastsgevi empfindlich gestört. In der vergangenen Investikwn konjunktur habe es an der genügenden Selbftmnr 03 fehlt, ähnlich wie beim amerikanischen Volk, das 1 unerhörte Expansion als ewige Prosperität anzusey - gewohnt war. |

Dr. Trendelenburg bezeichnete es als eine Täuschung zu glauben, daß man mit einem großen Schlage we Wicklung herumwersen könne, ohne das wirtschan v unb gesellschaftliche Leben aufs schwerste zu erfapn • Es fei nicht einzusehen, weshalb zwischen den w - verstandenen Interessen der Industrie und der t • wirtschaft ein naturgegebener Gegensatz bestehen “ Die Reichsregierunq sehe ihre Aufgabe daran. ' Interessen aller Wirtschaftsgrupp .t gegeneinander ab zuwägen und auszug - cf)en. Zur Zeit fei noch nicht zu sehen, ob der punkt der weltwirtschaftlichen Krile erreicht o°e. n überschritten fei. In bezug auf Deutschland fe- Grund vorhanden, an dem künftigen derausstieg zu zweifeln.

Wirtschaft.

dustrie setzt nun jährlich weit über 4 «miir. den Mk. um, wovon 1300 Millionen Mk ^' fast ein Drittel auf die b e f f i f a e n («, k ? entfallen. Hessen-Nafsau und Hessen Fink »n ’ bedeutendsten Standorte der chemischen Großinw°c. besonders in Darmstadt, Mainz unb Offenbach Maingebiet, vor allem in Höchst und außerdem Hanau, Frankfurt und Sieberfd) finden wir ihre* duktionsstätten. Kein anderes deutsches Gebiet » mit seiner chemischen Erzeugung an die hessische Drob tion heran.

In einer sehr zahlreich besuchten, unter dem Schlag­wort „Wirtschaft in Not" einberufenen Kundgebung der Eisenfertigindustrien in Wuppertal wies am Mon­tag Direktor Cramer, Aue i. Sa., nach Begrüßung von Vertretern der Reichsregierung, der Wirtschaft der Wissenschaft usw. auf die Bedeutung der Eisen- Stahl- unb Mefallwarenindustrieen hin, bie 10 bis 12 Prozent ber beutschen Ausfuhr verkörperten und min» beftens 650000 Arbeiter beschäftigten. Als ben Zweck der Tagung bezeichnete er bie Feststellung, daß bie Eisen­fertigindustrien am Ende ihrer Kräfte angelangt feien und bas bisherige Wirtschaftssystem^ besten Fehler auch bar Reichskanzler anerkannt habe, geändert werben müste. Dr. Max Schmibt, ber Vertreter ber Bergi­schen Industrie, und Hanbelskammer wandte sich be­sonders dagegen, daß die Konkurrenz auf den Welt­märkten das Rohmaterial zu einem viel niedrigeren Gestehungspreife als die deut­sche Industrie bekomme. Die Aufrechterhaltung der Handelsverträge fei eine ßebensbebingung für die Eilen- fertiginbuftrie. Abraham Frowein, ber bie Grüße des Reichsverbandes ber Deutschen Industrie überbrachte, führte u. a. aus, daß es heute mehr denn je darauf ankomme, mit allen Mitteln bas felbftänb'ge Unternehmertum zu schützen, An bie Reichsregierung richtete er den Appell, sich in ihrer wirtschaftsprogram­matischen Linie ber Probuktionkostenfenkung durch keine parteipolitischen Rücksichten beeinflussen zu lasten und bas begonnene Werk schnell und energstch fortzuführen. Direktor Karl 3eil, Solingen-Ohligs, gab in bem von ihm erstatteten Haupfreferat über „Die Eisen-, Stahl- unb Metallwarenindustrie in Staat unb Wirtschaft" ein Silb der 3nbuftrien, bie einschließlich ber hand­werksmäßigen 150 000 Betriebe mit 863 000 Personen gegenüber 630 000 im Bergbau unb 320 000 in der Eisen- unb Metallgewinnung umfassen. Der Rebner schilberte ihre Bedeutung für ben Außenhandel und die Zahlungs- bllanz. Als Haupturfache der Schwierigkeiten der mi111ere n und kleineren Industrie bezeichnete er die Unmöglichkeit der Kapitalbeschaffung und richtete in diesem Zusammenhänge an die Reichs­regierung ben Antrag, auch den Eisenfertigindustrien Mittel zur Entschuldung nach den Richtlinien der Bank für deutsche 3nbuftrieob(igationen zur Verfügung zu stellen. Zollpolitisch setzte er sich für einen gemäßig­ten Zollschutz, für Schaffung eines internationalen Zoll­tarifsschemas entsprechend ber Aenderung des deutschen Zolltarifs und für verstärkten Schutz ber Land­wirtschaft unter Berücksichtigung der Ausfuhr­interesten der deuffchen Indisttrie ein. Im übrigen ap­pellierte er an die Reichsreoierung in dem Sinne. Raum für die Betätigung ber Selbsthilfe entsprechend dem Wunsche der Wirtschaft zu schaffen ünb die Fesseln ber gesetzlichen Gebundenheit, por allem der Tarifgebunden­heit. zu beseitigen.

Generaldirektor I u n gh a n s - Schramberg bekannte sich in einem groß angelegten Vortrag über bas Thema .Kapitalismus «nb fertiginbuftrie" zum