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Mrg. 58.

Donnerstag, 26. Mürz 1931

Ar. 71

Mrkschafts-Aeugestalluug Mttelemopas

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild' undBuchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: ipifung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Deutschland und Oesterreich.

Die Abmachungen, die zwischen den Vruder- staaten Deutschland und Oesterreich im Hinblick auf ein Zollbündnis getroffen worden sind, schei­nen einige andere europäische Nationen zu be­unruhigen. Frankreich, Italien und die Tschecho­slowakei haben bereits einen Schritt in Wien un­ternommen, um sich genauer zu informieren und ihre Bedenken anzumelüen. Es muß aber festge­stellt werden, daß hierzu kein Anlaß vottiegt. Das Uebereinkommen zwischen Wien und Berlin re-, spektiert peinlichst genau die Bestimmungen der Friedensverträge von Versailles und St. Germain, und die deutsche Regierung hat Wert darauf ge­legt, dies den Kabinetten in London, Paris und Rom noch vor dem Abschluß des Vertrages mit- zuteilen. Wenn trotzdem jene Regierungen sich beunruhigt fühlen, so zeigt sich darin noch ein Rest von dem Geist der Zeit, in der die Friedensdiktate

durch die deutsch-österreichische Zollunion verletzt. Auch reparationspolitische Bindungen und Zoll« Verpfändungen werden nicht angetastet.

Aber es ist das Entscheidende bieder Zollunion, daß ihre handelspolitischen Möglichkeiten ebenso für alle übrigen europäischen Staaten vorhanden sind, daß diese Zollunion die bisher vergeblich ver­suchte Belebung der wirtschaftlichen Zusammen­arbeit Europas bringen kann. Wenn der gute Wille vorhanden ist, wird man erkennen, daß die deutsch-österreichische Zollunion nur im europäi­schen Sinne geplant ist. Es ist nicht nur ein er« ster Weg zum Durchbruch der handelspolitischen

Vorteile zu verschaffen, die sich aus der Erweiterung des Wirtschaftsgebietes ergeben. Diese Vorteile, zu deren Sicherung beide Regie­rungen Recht und Pflicht hätten, brauchten aber mit den Interessen anderer Staaten in keinem Widerspruch zu stehen. Ileberdies könne dieses Abkommen durchaus der Anstoß einer Entwicklung sein, die sich auf ganz Europa heilsam auswirken würde. Beide Staaten wären entschlos­sen, ihren Weg mit ruhiger Festigkeit zu Ende zu gehen.

Entscheidend für die Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft sei aber schließlich der Wille der Wirtschaft zur Selbst­hilfe. Verständnis und Zusammenarbeit seien notwendig im Verhältnis zwischen den einzelnen Wirtschaftsständen und Beoölkerungsschichten. Es sei die Aufgabe der Wirtschaft, Verständnis un­sozialen Sinn für die Arbeitslosen zu zeigen. Es sei die Aufgabe, die willigen Arbeitslosen wieder in den Arbeitsprozeß einzufügen, lieber eine Krise, wie die heutige, kommen nicht allein mit wirtschaftlichen und staatlichen Mitteln hinweg. Es bedürfe dazu Opfer aller Kreise und Großzügigkeit or allem der füh­renden. | i i

Die Entscheidung naht.

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Wer die letzten Monate des politischen und parlamentarischen Ringens um Aufbau und Ge­sundung gegen Radikalismus und Chaos über­prüft, wird von vornherein zu der Erkenntnis kom­men, daß sich hier eine Politik durchgesetzt hat, die einen klaren Kurs hat, eine Politik unter fester und entschlossener Führung. Eine Politik aber auch, die nicht nur Parteien, sondern das ganze Volk auf härteste Proben stellte und stellen muß, eine Politik, die zu großen Entscheidungen verpflich­tet, zu Entscheidungen, die nicht parteigebunden sein können, sondern bei denen Volks- und Staats­wohl oberste Gesetze des Handelns bleiben.

Die letzten Stunden des parlamentarischen Cnt- scheidungskampfes haben begonnen. Staatsbürger­licher Sinn, staatspolitisches Denken haben bis heute einer gesunden Realpolitik zum Durchbruch verhalfen. Draußen im Lande wächst das Ver­trauen zu diesem Reichstag. Nur muß er auch noch die letzte Probe ebenso mutig bestehen, nei­gen auch die Radikalisten sich wild gebärden, in Versammlungen das Volk zu betören und seine Leidenschaften zu entfachen versuchen- Das sind aber nicht die Kräfte, denen sich das politische reife deutsche Volk anschließt. Es wendet sich im Ge­genteil von ihnen von Tag zu Tag mehr ab. Das Volk stärkt die Front der Parteien, die selbst Programmänderungen vornehmen, wenn es um die Interessen des Volkes und des Vaterlandes geht. So muß es auch sein. Was wir jetzt durch­kämpfen, ist nur ein Anfang des wirklichen Auf­bauwerkes, der Sanierung und der Reformen. Der Kampf um dieses Ziel geht weiter. Die politi­schen Kräfte werden sich auch in den kommenden Monaten, selbst wenn das Parlament bis zum Herbst vertagt wird, im nationalen Ringen zu messen haben. Aber dieses Ringen kann nicht um Parteimacht gehen, nicht um die Macht im Staate, nur um die innere und äußere Gesundung und Freiheit. Wir haben die Ueberzeugung, daß der Reichstag seine letzte Probe bestehen wird. Denn Einzelentsckeidungen können und dürfen die Hal­tung der Parteien nicht beeinflussen, sondern sie haben den klaren und festen Kurs im Auge zu behalten. Tun sie das, so werden sie nach Beendigung dieser ersten Etappe auch das deutsche Volk auf ihrer Seite finden, dann haben sie die Möglichkeit, die politische Willensbildung ihrer Wähler zu pflegen, Aufklärung hineinzutragen in alle Kreise unseres Volkes, sie hinzuführen zur verantwor­tungsbewußten staatsbürgerlichen Mitarbeit an den Aufgaben, die zu erfüllen wir verpflichtet sind, wenn wir den Zukunftsglauben im Herzen tra­gen, wenn wir den Wiederaufstieg unseres Vol­kes und damit des Vaterlandes, ganz besonders aber die nationale Freiheit auch nach außen wol­len.

Halten wir darum fest an dem realpolitischen Kurs! Schließen wir uns noch enger zusammen, den inneren und äußeren Gegnern zum Trotz. Ver­trauen wir unserer Führung, vertrauen wir aber auch unserer eigenen Kraft, stellen wir weiter Ein­zelfragen um des Ganzen willen zurück, dann ist unser der Erfolg, unser die Zukunft!

Es war vorauszusehen, daß der deutsch-öster­reichische Vorvertrag über die Einleitung einer technischen Zollunion in einigen europäischen Hauptstädten zu Mißdeutungen, auch zu Protesten Anlaß geben würde. Man will nicht erkennen, daß Deutschland und Oesterreich, wenn sie sich nun zu einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit gefunden haben, nur an die Linderung der Wirt- ichaftsnot und des Arbeitslosenelendes denken, daß sie bemüht sind, Wege zu ebnen zur Förderung der beiderseitigen Wirtschaft. Deutschland ebenso­wenig wie Oesterreich wollen sich *rer zusammen­schließen, um die Aufgaben zu lösen, welche noch keine Wirtschaftskonferenz, auch noch keine Zoll­konferenz lösen konnte, weil man immer bei den Versuchen einer neuen Wirtschaftsgestaltung poli­tische und finanzielle Machtzisle verfolgte.

Während in Berlin bisher fein Protest gegen den Abschluß einer Zollunion eingelaufen ist, ha­ben dagegen in Men die Gesandten Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei vorgesprochen. Die beiden ersteren wollten sich angeblich nur in­formieren. Man prüft nämlich in Frankreich die Frage, ob der Text des Protokolls über die Zoll­union auch in allen Punkten mit dem Genfer Pro­tokoll vom 4. Oft. 1922 in Einklang stehe. Diese Frage ist aber mit einem klaren Ja zu beantwor­ten. Denn irgendwelche politischen Gedanken spielten bei dem Vorvertragsabschluß zwischen Deutschland und Oesterreich niemals eine Rolle. Beide Staaten behalten auch ihre wirtschaftspoli­tische Souveränität. Beide Staaten können auch in Zukunft eigene Handelsverträge abschließen und Zollsätze aufstellen, die sie vorher mit dem Ver­tragspartner vereinbarten. Man wollte mit be­wußter Absicht eben von vornherein jede Mißdeu­tung ausschalten, die dahingehen könnte, daß die jetzt zu vollziehende Zolleinheit ein Vorläufer sei zur politischen Vereinigung beider Staaten.

Es dürfte Frankreich nicht gelingen, nun mit irgendwelchen Protesten wegen Anschlußgefahr herauszukommen und Eindruck zu machen. Denn, wer sich den Vertrag genau durchsieht, der erkennt, daß er die geeignetste Vorstufe darstellt für die Schaffung eines neuen Europa, daß gerade dieser Vertrag alle Möglichkeiten dafür gibt, daß sich auch die anderen Staaten diesen Gedankengängen anschließen und gleiche Abmachungen treffen.

Der tschechische Gesandte allerdings hat bei seinem Protest durchblicken lassen, daß man in ge-

Wrlschasls-Krlse als Schicksal der Völker.

Vie Vollversammlung des deutschen Industrie«' und Handels« tages. Rede des Reichskanzlers. Der Wiener AoN Vertrag Die Arbeitslosigkeit.

wissen Staaten verärgert sei, weil man sich durch das Vorgehen der Regierungen in Berlin und Wien überraschen ließ. Das aber gerade spricht für die Richtigkeit der Haltung und der Entschei­dungen der deutschen und österreichischen Regie­rungen. Sie hatten aus den letzten Wirtschafts« konferenzen zur Genüge Erfahrungen gesammelt, daß zuviele und zu vorzeitige Bekanntgabe be­stimmter Pläne den Enderfolg nur abschwächen. Sie wußten auch von vornherein, daß der dies­malige Entschluß in anderen Ländern Widerstand finden würde. Und darum billigen wir, ihre Handlung, daß sie eben die übrigen europäischen Staaten mit der vollzogenen Tatsache überrasch­ten, weil auf dem Wege internationaler Verhand­lungen denken wir an die gescheiterte Zollkon­ferenz in Genf wirtschaftliche Erfolge nicht zu erreichen sind. Zurzeit wenigstens. Erst muß die politische.Atmosphäre entgiftet sein, muß sich cet Reoisionsgedanke durchgesetzt haben, muß ein neuer Geist in Europa aufziehen, darf nicht nur immer vom Frieden geredet, sondern muß eine wirkliche Friedenspolitik betrieben werden.

Lange genug hofften Deutschland und Oester­reich, daß es gelingen könnte, internationale Ab- kommen zu treffen, welche die durch sinrUose Grenzziehungen verursachte wirtschaftliche Ent­wicklungsunmöglichkeit dieser beiden Staaten be­seitigen und die dazu führen könnten, daß die jt® umgebenden hohen Zollmauern abgetragen mür­ben, um der Ausfuhr entsprechenden Freiraum zu geben. Nichts von dem geschah. Und alle dies« traurigen Erfahrungen nötigten, jetzt das zwischen Deutschland und Oesterreich zur Gestaltung zu bringen, was vergeblich auf großen Konferenzen aller europäischen Staaten versucht worden war. Kein Recht irgendeines anderen Staates wird'

vollzogen wurden. Damals glaubten die Sieger, die Mittelmächte vernichten zu müssen. Sie über­sahen die ehernen, unbeugsamen Gesetze der Volks­wirtschaft und glaubten durch Drohungen mit Ba­jonetten und Kanonen eine Ordnung schaffen zu können, die sich inzwischen längst als unniöglich erwiesen hat. Sie verboten den als Folge der Zerschlagung der Donaumonarchie eigentlich selbst­verständlichen Anschluß Deutsch-Oesterreichs an das Deutsche Reich und gingen in ihrer Angst, Deutschland möchte wieder stark werden, soweit, sogar den Namen Deutsch-Oesterreich zu verbieten. Aber Blut hat stärkere Kräfte als Tinte und Pa­pier. Oesterreich war nie so sehr von seinem Deutschtum durchdrungen wie seit St. Germain. Dazu kommt die Tatsache, daß dieses kleine Land genötigt ist, wirtschaftlich Anschluß zu suchen, wenn es nicht verelenden soll. Eine immer stärkere An­gleichung seiner gesamten Staatsführung an die Verhältnisse im Deutschen Reich ist einfach unaus­bleiblich. Der Bruder schließt sich an den Bru­der, und beide zusammen wollen sich durchs Le­ben kämpfen. Das hat mit irgendwelchen aggres­siven Absichten gegen Nachbarn nichts zu tun, und wenn jetzt Zollerleichterungen in großem Umfang beschlossen worden sind, so sind sie nur eine Folge dieser Erkenntnis. Sie werden daher auch nicht wieder aufgehoben werden, weil andere Völker darin eine Benachteiligung sehen Deutschland und Oesterreich können gar nicht anders, als sich jo fest wie möglich und auf möglichst allen Gebie­ten miteinander zu verbünden. Wenn untere Nach­barn das immer noch nicht erkennen, so wird die fortschreitende Entwicklung der Wesiwirtschaftskrise es ihnen klarmachen. Wir wollen Frieden mit allen, aber wir wollen auch leben.

Französische Angriffe.

Zu den französischen Pressekommentaren über das deutsch-österreichische Zollabkommen schreibt die Germania": Das Zentrum des Widerstandes liegt wieder einmal in Paris. Der praktische Schritt auf dem Wege zu Paneuropa, der endlich getan werden soll, scheint gar nicht im Sinne Briands zu liegen. Es muß als tief bedauer­lich bezeichnet werden, daß es bei diesem Schritt auf "dem Wege zur europäischen Befriedung und Konsolidierung wieder einmal niemand anders a l s Frankreich ist, das sich der friedlichen Evolution in den Weg stellt und gegen jeden positiven Ver­such Sturm läuft, der am Quai d'Orsay nicht nur erdacht, sondern auch von ihm ausgeführt wird. Es wird Briand nicht leicht werden, selbst mit noch so raffinierten rhetorischen Umschreibungen seine eigene Vaters chaft abzuleugnen, und er sieht sich der Gefahr gegenüber, selber als Störer des europäischen Wirtschaftsfriedens zu erscheinen, wenn er versuchen wollte, durch eine internationale Aktion in Gens ober durch eine Anrufung des Haager Schiedsgerichtes dem Abkommen entgegenzutreten. Da die Lage völkerrechtlich einwandfrei ist, so bliebe Paris nur die Möglichkeit, mit der Waffe der silbernen Kugeln die Anbahnung jenes wirtschaftlichen Werkes zu stören, für dessen Ver­wirklichung angeblich das Herz Frankreichs so heiß schlägt. *

end. Paris, 25. März. (Eig. Meld.) Der Außen­politiker des nationalistischenEcho de Paris" beschäftigt sich mit der Stellung, die man dem deutsch-österreichischen Zollabkommen gegenüber ein­

nehmen werde und faßt seine Ansicht dahin zu­sammen, in Frankreich und in der Tschechoslowakei begreife die öffentliche Meinung im großen un- ganzen, was auf dem Spiele stehe, nämlich die Reorganisierung Mitteleuropas durch Deutschland. Dr. Curtius und Dr. Schober hatten ohne Zweifel damit gerechnet,daß ein Sturm losbrechen würde. Sie stellten jedoch nur ein leich­tes Säuseln in den Zweigen fest. Henderson habe im Juni 1929 einen Artikel zugunsten der Revision der Verträge und des Anschlusses veröffentlicht« Sobald die Juristen die Prüfung der Texte ab­geschlossen hätten, würde das englische Kabinett über die Maßnahmen und Schritte beraten, die im Einvernehmen mit den interessierten Mächten zu unternehmen seien. j

Senator Lorch über das Abkommen.

wtb. Rewyork, 25. März. (Eig. Meld.) Dis Blätter heben in ihren Washingtoner Meldungen hervor, daß die amtlichen Kreise in keiner Weise durch das deutsch-österreichische Abkom- mey beunruhigt sind. Senator Borah bezeich­nete das Abkommen als klugen Schritt.Europa", so erklärte er,kann sich nicht erholen, ehe eine Äenderung des Geistes des Versailler Vertrages eintritt. Ich verstehe nicht, wie irgendjemand in Europa -em Abkommen widerstreben kann."

Der Pariser organisakions-Ausfchntz.

Unterredung Briands mit Henderson über das deutsch-österreichische Zollabkommen.

Der Organisationsausschuß für die Europa- Union ist am Quai d'Orsay unter dem Vorsitz des französischen Außenministers Briand zusammengs- treten. Außenminister Briand hielt die Eröff­nungsansprache, in der er ausführte: Unter dem Druck der Ereignisse dränge sich die europäische Union als eine Notwendigkeit auf. Um dieser Notwendigkeit zu entsprechen, werde der erste zu- standekommende Europaorganismus feine Tätigkeit beginnen, noch bevor die Regeln für diese seine Tätigkeit definiert worden seien. Der Organisa­tionsausschuß müsse sich vor zwei Gefahren hüten, nämlich der künstlichen Schaffung eines Organis­mus mit allzu ehrgeizigen Zielen, die feinem vor­läufigen Charakter nicht entsprechen würden unö auf der anderen Seite vor der allzu engen Grenz­ziehung für das Statut eben dieses Organismus, dessen Lebensdauer man noch nicht überseh m könne. Dem Organisationsausschuß, der den :e- gelrecht bestehenden Organen des Dölcerbnnd-s unterworfen sei, stehe von Anfang an die gan.s Erfahrung des Völkerbundes zur Verfüaunc--.

Außenminister Briand hatte nach Schluß bet Sitzung des Organisationskomitees der Europä­ischen Förderation in seinem Kabinett eine kurze Unterredung mit dem britischen Staatssekretär des Aeußern Henderson über die deutsch- österreichischen Wirtschaftsverein, barungen. Diese Besprechung soll fortgesetzt werden. Die Agentur Havas behauptet, daß den Gegenstand dieser zweiten Besprechung die , Fruge der Möglichkeit eines eventuellen gemeinsa­me n Vorgehens gegendiepraktis ch S Verwirklichung des zwischen Deutsch­land und Oe st erreich abgeschlossenen grundsätzlichen Abkommens" bilden werde.

wtb. Berlin. 25. März. (Eig. Meldg.). Un- t-x dem Vorsitz des Präsidenten Franz von Men- klfobn fand heute vormittag im Plenarsitzungs- L[ des ehemaligen preußischen Herrenhauses die 51 Vollversammlung des deutschen Industrie- und Handelstages statt. In seiner Begrüßungsansprache betonte Präsident vo.n Mendelsohn, daß die deutsche Wirtschaft gegen­wärtig an einer schweren Krise leidet, die in der ocht von 5 Millionen Arbeitslosen erschütternden Ausdruck findet. Aber auch großen Teilen der Wirtschaft geht es nicht gut. Arbeit und Kapital sind in ihrem Schicksal aufs engste verpflochten, so­daß die überwiegende Zahl der deutschen Unter­nehmen bei unzureichendem Ertrage in ihrer Er­neuerung-, Kapitalsammlung- und Kreditfähigkeit, von der die Beschäftigung ihrer Angestellten und Arbeiter abhängt, notleidet. Heute ist die Wir t- schaftskrise das Schicksal aller Vol­ker, unabhängig von ihrem Wirtschaft?- s y st e m. Einem Üeberfluß an Lebensmitteln, Roh­stoffen, Produktionsmitteln, Arbeitskräften steht verringerter Verbrauch, stehen 20 Mill. Arbeit­suchende gegenüber. Der Weg einer völlig freien Wirtschaftsführung stößt, welt-wirtschaftlich gese­hen, an die trennende Abschließung der Völker, die besonders in Europa viel zu viele Behinderun­gen in allzu engen Wirtschaftsgebieten hervorrief. Daher sollten handelspolitische Ver­einigungen als Fortschritt auf dem Wege der Besserung Europas begrüßt werden. Aber darüber hinaus sollten sich alle Teilhaber der Weltwirtschaft darüber klar sein, daß die gemein- stme Krise gemeinsame Pflichten bringt, daß es unmöglich ist, in der Weltwirtschaft stehende Län­der zu isolieren, daß insbesondere die Einsperrung von EÄd und Kapital durch ein Land weder die­sem noch der Weltwirtschaft dient. Es fehlt in Deutschland nicht ganz an Anzeigen, daß die deutsche Wirtschaft den Höhepunkt der Krise er­reicht hat. Bedarfsstauung, Erleichterung des Geldmarktes, langsame Besserung der Börsenkurse und Ansteiaen der Rohstoffpreise bedeuten Ent­wicklungsansätze, die man gefährden mürbe, wenn das Vertrauen durch kapitalfeindliche Bewegungen wieder gestört würde. Deutschland sucht wirt­schaftliche Zusammenarbeit nach allen Seiten.

Anschließend ergriff

Reichskanzler Dr. Brüning

das Wort, der betonte, baß es gelungen fei, den Verfall der Staatsgewalt zu verhindern, der in düsteren Wintermonaten zu drohen schien. Für die Reichsfinanzen fei die Grundlage einer Ord­nung geschaffen. Das fei eine Leistung, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden dürfe, und die zur Hoffnung berechtige, daß es au ch zur Üeberwindung der anderen Schwie­rigkeiten kommen werde. Die Regie­rung werde bestrebt fein, die Bildung von Privat- kapstal noch Möglichkeit zu fördern.' Aus diesem ®runbe dürfe die Wirtschaft nicht weiter mit neuen S t e u e rn belastet werden, weil dadurch die Kapitalbildung behindert würde. Die Reichs­regierung müsse sich deshalb auf das Entschie­denste gegen neue Steuerbelastungen wenden; denn sie würde fönst die Linie ihrer Politik ver­lassen. Uebergebenb zur Osthilfe und Agrarhilfe betonte Dr. Brüning, daß, wenn trotz der Nöte iur den Osten rund eine Milliarde eingesetzt wor­den wäre, so sei dies geschehen in der Erkenntnis, ^ß der Osten eines der wichtig st en Wirtschaftsgebiete sei. Es sei zu hoffen, daß der Osten nunmehr einer besseren Zukunft entgegenfeben könne. Schutz und ©tärfung des Binnenmarktes feien die erste Voraussetzung für etile Erhaltung der Wirtschaft. Der Überschuß deutscher Produktion würde immer auf den Weltmarkt drücken, umsomehr, je stär­ker die Kaufkraft im Jnlande sinke. Es sei des­halb notwendig, daß das Ausland diese Zusam­menhänge endlich einmal erkenne. Noch immer verabsäume die Welt, die notwendigen Folgerun­gen zu ziehen. Die Ablehnung des Genfer Han­delsabkommens werde deshalb kaum anders ge­deutet werden können. Die Vorbelastung Deutschlands mit Reparationen müsse eine Sonderstellung Deutschlands auch auf handelspolitischem G e - 2/ e t rechtfertigen. Ohne Steigerung der ^vssuhr und Drosselung der Einfuhr sei die Schäftung eines Ausfuhrüberschusses nicht möglich. I ® "ege zu einem großen Teil an der Welt e 1 b ft, ob unö wie lange der neue Reparations-

der doch auf diese Punkte Rücksicht nehmen 'Uffe erfüllt werden könne. Da die Erkenntnis

Zusammenhänge in der Welt nur langsam ff s arte freite, müsse die Reichsregierung be- i rebf sein, durch eigene Initiative die lirk anzubahnen, die im Bereich des Mög- ;en liege. Nach dieser Richtung hin seien die .eryandlungen zu verstehen, die jetzt zwischen ^°^schland und Oesterreich eingeleitet ber n <®°ren- stehe immer die Frage im Vor, fei 9s- 1?» ob und auf welchem Wege es möglich t - ö'e einzelnen Wirtschaftsräume zu er wei­len u' wese Möglichkeiten mußten unter al» unh ^ständen ausgenutzt werden. Deutschland s^.o Oesterreich könnten sich um so leichter ent» lie '1 c . diesen Gedanken zu verwirklichen, als b-k,; k i durch feine riet Gegensätze sind. Sie seien von dem Bestreben dik-

", der Wirtschaft beider Länder die

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