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Nationalsozialisten und Stahlhelm.

Der denkende Katholik weiß, was er von ihnen zu halten hat.

In der Presse der NSDAP, wurde auf eine Erklärung des Bischöflichen Ordinariats in V e r- l i n hingewiesen, wonach die Erlaubtheit der Mit­gliedschaft eines Katholiken bei der NSDAP, aus­drücklich von grundsätzlichen Voraussetzun­gen abhängig gemacht wurde. Die NSDAP.-Presse behauptete, daß der Bischof von Berlin damit den Katholiken die Erlaubnis zum Beitritt zur NSDAP, gegeben habe.. Nun liegt diese ErNä- rung fünf Monate zurück. Um aber allen Miß­deutungen vorzubeugen, hat nunmehr das Bischöf­liche Ordinariat in Berlin in einer b i s ch ö f l i. chen Erklärung sich voll und ganz auf den Boden der Bischofl. Erlasse von Bres­lau, Köln und Paderborn, sowie der baye­rischen Bischöfe gegen den Nationalsozialismus gestellt. Damit fallen alle nationalsozialistischen Umdeutungsoersuche jener früheren Erklärung fort.

Auch die Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz haben nunmehr eine Kund­gebung erlassen, in der sie zu den dringenden großen Gegenwartsfragen Stellung nehmen.

Die Kundgebung wendet sich eingangs gegen den scharfen Parteienstreit und die rücksichtslose Mißhandlung Andersdenkender. Mil Besorgnis werden die Bestrebungen betrachtet, die weite Kreise des notleidenden Volkes zu gewaltsamem Umsturz der bestehenden Ordnung aneifern sollen. An die Diözesanen ergeht die dringende Bitte, die Pflichten gegen Volk und Staat gewissenhaft zu beachten und auch die Persönlichkeit und Ehre Andersdenkender zu achten. Die Kundgebung beschäftigt sich sodann mit den Gefahren der Freidenkerbewegung und weist dar­auf hin, daß mit der Religion den Armen und Be­drückten in schwerster Zeit auch der letzte Trost und Halt im Leben genommen werde.

Sodann setzt sich die Kundgebung mit dem Nationalsozialismus auseinander, ins­besondere mit dessen kulturpolitischen Forderun­gen. Eine deutsche Nationalkirche, wie sie die Na- tionaksozialisten predigen, wird entschieden! ab­gelehnt. Eindringlich wird vor dem Nationalsozia­lismus gewarnt, weil und solange er Anschauun­gen verfolge und verbreite, die mit der katholi­schen Lehre unvereinbar seien.

Zum Schluß ergeht an alle die dringende Bitte, mitzuhelfen, daß der Not, dem Elend und der Un­zufriedenheit endlich wirksam gesteuert werde.

Trotz des schweren Druckes der Nachkriegszeit bestehe die feste Hoffnung, daß die anderen Völ­ker das ehrliche und unverdrossSne Bemühen des deutschen Volkes um eine bessere Zukunft mehr und mehr anerkennen werden, und daß sie, nach­dem Deutschland allein solange die schwere Bürde der Kriegsschuld zu Unrecht habe tragen müssen, dem deutschen Volke Endlich Gerechtigkeit wider­fahren lassen.

Die Kundgebung ist unterzeichnet von dem Erzbischof von Freiburg, dem Bischof von Mainz und dem Bischof von Rot- t e n b u r g.

*

Bei dem Nationalsozialismus handelt es sich, wie aus den Erklärungen der Bischöfe in ganz Deutschland hervorgeht, um eine allgemeine ver­breitete Bewegung. Anders ist es mit dem sog. Stahlhelm. Er hat in manchen Gegenden, so z. B. int katholischen Fuldaer Land über­haupt keine Verbreitung finden tonnen. Der Stahlhelm ist von ehemaligen Offizieren gegründet und geleitet. Die führende Rolle in ihm spielen pensionierte Majore der kaiserlichen Armee. Diese Gruppe, die eine weib­liche Ergänzung in dem sog. „Königin Lui­se n - B u n d" gefunden hat, will bekanntlich ein Volkbegehren bzw. einen Volksentscheid in Preußen herbeiführen, wodurch eine Million Mark Unkosten entstehen. Der Erfolg wird bestenfalls sein, daß statt im Februar oder März 1932 bereits im Oktober oder November 1931 der preußische Landtag neu gewählt wird. Die im Stahlhelm sich führend betätigenden Herren sind durch ihre vom Volksstaat gezahlten Ruhegehälter von star­kem Tätigkeitsdrang erfüllt und halten infolge ihrer persönlichen Verhältnisse Volksbegehren, Volksentscheid und vorverlegte Wahl für ein drin­gendes Bedürfnis des Volkes. Dieser Stahlhelm, der ganz zu unrecht behauptet, daß er d i e ehemaligen Kriegsteilnehmer hinter sich habe — schade, daß man nicht einmal statistisch feststellen kann, welche politischen Ansichten die Frontsoldaten in ihrer Mehrheit heute ver­treten — hält jetzt Werbeveranstaltungen für das Volksbegehren ab. Dabei scheinen auch die ehe­malige Majore zu Wort zu kommen, die es noch

nicht recht gelernt haben, aus ihrem Herzen eine Mördergrube zu machen, wie das bei solchen na­tionalistischen Organisationen oft geboten er­scheint. Jedenfalls trat jüngst in Kreuznach bei einer solchen Werbeversammlung neben dem Bun. desführer Seldte, der sich auch sehr mißver­ständlich über „Bonzen" äußerte, ein Ritter von Lenz, bayerischer Stahlhelmführer auf, der u. a. sagte:

„Unsere Feinde sind diejenigen, die in irgend einer Weise internationalen Gedankengängen nachhängen, gleich ob diese Gedankengänge schwarz, rot oder g o l d sind. Den Kamps gegen die undeutschen und in­ternationalen Mächte führen wir auch gegen diejenigen, denen der schwarze Gedanke höher steht als Schwarz- Weiß-Rot. Ich verstehe von der Politik das m e i st e nicht, aber ich weiß, daß es darauf ankommt, daran mitzuarbeiten, daß das deutsche Volk wieder deutsch und christlich wird, daß die Pfaffenherrschaft bald ein Ende nimmt und daß bald ein Frühling anbricht für alle diejenigen, die deutschen Geblüts sind."

Zweifellos ist Herr Ritter v. Lenz ein ehr­licher Mann. Er versteht nichts von der Poli­tik, aber er ist gegen die „Pfaffenherrschaft". Das sagt er offen heraus. Mit gleicher Offenheit hat er jetzt eine Antwort von der angegriffenen Seite erhalten. Die Geistlichkeit der Dekanate Kreuz­nach und Bingen erhob entschiedenen Protest ge­gen die aus obigen Aussprüchen hervorgehende, die Bindung der Katholiken an Rom und die in­ternationalen Aufgaben und Verpflichtungen be­kämpfende Tendenz des Stahlhelms u.seinerFührer. Schon im Jahre 1924 hatte übrigens der deutsche Episkopat vor den katholikenfeindlichen Tendenzen des Stahlhelms gewarnt.

Auch das bischöfliche Ordinariat in Mainz gibt folgende Bekanntmachung heraus: „Wir stehen den Wehrverbänden ablehnend gegenüber, da sie in unser schon genug zerrissenes Volk einen neuen Gegensatz hineintragen. Wir wünschen nicht, daß dieser Gegensatz auch im Gotteshaus in Er­scheinung trete. Deshalb können wir nicht ge­statten, daß Stahlhelmer in Uniform dem Gottes­dienst beiwohnen, wie wir dies aus demselben Grunde auch anderen Wehrverbänden nicht erlau­ben können. Nur wenn auswärtige Stahlhelmer in Uniform an einer Tagung teilnehmen und keine andere Kleidung bei sich tragen, können sie auch in Uniform am Gottesdienst teilnehmen, dürfen aber nicht in geschlossenen Reihen mit Abzeichen und Fahnen in die Kirche einziehen."

Herr Seldte, der Stahlhelmführer aus Magde­burg, hat jetzt zu tun, das in Kreuznach zertrüm­merte Porzellan wieder zu kitten. Er sprach jetzt in Kassel, wo eine ähnliche Werbeversammlung des Stahlhelms stattfand wie jüngst in Kreuznach. Er habe die Landesführer des Stahlhelms in der Westmark zu folgender Erklärung ermächtigt:

1. Der erste Bundesführer bestreitet entschieden, von „schwarzen Bonzen" gesprochen zu haben. Diese Be­hauptung ist eine Verleumdung. 2. Der bayrische Lan­desführer Ritter von Lenz hat in Kreuznach ausdrücklich ausgesprochen, daß er nur vom Zentrum rede und nicht von der katholischen Kirche. Das Zentrum wird non ihm nur als Verbündeter und Stützpunkt des Mar­xismus angegriffen. Die Bundesführung des Stahlhelms würde nie zulaffen, daß ein Führer gegen die katholische Kirche oder gegen die katholischen Geistlichen sich wendet, was genau so für die- evangelische -Kirche gilt. - Der Hauptkampf des Stahlhelms gilt ja gerade dem Schutz der religiöfen Kräfte gegen den atheistischen Marxismus. 3. Der Stahlhelm, dessen katholische Mitglieder im Weltkriege ihre vollste Pflicht getan haben, sieht die katholische Kirche deshalb, weil sie übernational ist, niemals als gefährlich an.

Es handelt sich hier also um einen Rückzug. Im übrigen ist es ganz u n e r h e b l i ch, wie der Stahlhelm die katholische Kirche „ansieht". Und daß die katholischen deutschen Soldaten nicht we­niger gewissenhaft ihre Soldatenpflicht erfüllt ha­ben ass andere, dafür bedarf es auch keiner Erklärung des Stahlhelms. Das ist eine geschichtliche Tatsache und wenn sie der Stahl­helm angreifen wollte, würden die katholischen Kriegsteilnehmer schon ihre Ehre zu wah­ren wissen.

Im „Stahlhelm" scheint man sich über dies Be­handlung der Cattolica — die für viele Leute im­mer eine diffizile Sache bleiben werden — nicht ganz einig zu sein. Während in Kassel der erste Bundesführer des „Stahlhelm", Seldte, sich be­mühte, zu feinen Steuerungen über die katholische Kirche in Kreuznach einen Kommentar zu geben, sprach im Berliner Lustgarten der Landesführer Major A. von Stephani. Dem T.-U.-Bericht zufolge hat Stephani u. a. erklärt:

„Dem Zentrum müsse gesagt werden, daß Deutschland keine Obrigkeit brauche, die in Rom sitze. Die katholische Geistlichkeit

Geduld.

Zwei Gedichte.

Geduld, die seligste der Tugenden, Ist nicht umsonst. Du kaufst sie nur durch Dulden. Auch nicht auf einmal wie ein andres Gut;

Allmählich wird sie dein durch Stillefein Und Tragen, Lieben, Hosten und Derzeihn. Der gute Mensch nur kann geduldig sein.

Leopold S ch e f e r.

*

Es ist Geduld ein räucher Strauch,

Voll Dornen aller Enden, Und wer ihm naht, der merkt es auch An Füßen und an Händen.

Und dennoch sag' ich: Laß die Müh' Dich nimmermehr verdrießen, Sei's auch mit Tränen, spät und früh Ihn treulich zu begießen.

Urplötzlich wird er über Nacht Dein Mühen dir belohnen, Wenn über all den Dornen lacht Ein Strauß von Rosenkronen.

W. Wackernagel.

ruhigte "fic der Gatte, damit, daß er ihr versprach, sie solle jeden Tag pünktlich einen Brief von ihm erhalten. Ungläubig sah ihn seine Gattin an, er aber versicherte, daß er das unmöglich Scheinende wahr machen würde. Vor seiner Abreise setzte er sich nun hin und schrieb vier­zehn Briefe voll der erfreulichsten Nachrichten und ver­sicherte in einem jeden, daß es ihm ausgezeichnet ginge und er bei bester Gesundheit sei. Diese Briefe übergab er vor seiner Abreise dem Postmeister seiner Heimat- staht und bat ihn, indem er ihn zu Stillschweigen ver­pflichtete, seiner Frau alle Tage einen zuzusenden. Und das geschah denn auch. Voller Freude wies die beglückte Gattin der Frau Bürgermeisterin und der Frau Post-, Meisterin und ihren übrigen Bekannten diese Briefe. Sie bemerkte nicht das eigentümliche Lächeln, das besonders die Frau Postmeisterin aufsctzte, wenn wieder einmal ein Brief angekommen war. Endlich war dann der Gatte wieder da, und erfreut über seine Rückkehr fragte ihn die Gattin, wie er das möglich gemacht habe, ihr täglich Nachricht zukommen zu lassen. Er lächelte, dann aber hielt er es doch für geraten, ihr das Geheimnis mitzuteilen, ehe womöglich eine Mitteilung von feiten anderer Zungen peinliche Gefühle in ihr auslösten. S>e war nicht böse über den gelungenen Betrug. Die Freude über die glückliche Rückkehr des Geliebten über­wog alle anderen Gefühle.

Aus der Postkutschenzeit.

Wer sich dazumal, zur Zeit der Postkutsche, auf Rei­sen begab, der machte allen Ernstes Testament. Und die Familie befand sich, wenn irgendein Mitglied eine längere Reife unternehmen mußte, die ganze Zeit hin­durch in taufend Aengsten. Da konnte es Vorkommen, daß jemand verunglückte, und die Familie erfuhr wo­chenlang nichts davon. Das gab Anlaß zu einer wah­ren Episode, die Justinus Kerner, der bekannte Dich­ter, in feinem „Bilderbuch aus meiner Knabenzeit" er­zählt. Sein Vater mußte einmal eine vierzehntägige Reife noch Erlangen unternehmen, was feiner Mutter schon tagelang vorher Grund zu allen möglichen bösen Befürchtungen und bösen Träumen gab. Schließlich br-

Das berühmte Schema

O nein, es soll hier kein Fall erzählt werden, der wieder einmal Gelegenheit gibt, das berühmte Schema F zu zitieren, sondern das „Schema F" soll in seinem Original, in seinem ursprünglichen Sinn oorgenstellt wer- den. Was heißt das denn eigentlich, „Schema F"? Nun, es gab einmal ein Blatt Papier, das an seinem Kopf diese Inschrift trug. Bis zum Jahre 1918 bestand es, dann wurde es, wie foviele Formulare der alten Armee, eingestampst. Dieses Schema F. war bei allen Truppenteilen vorrätig. Es wurde bann gebraucht, wenn eine Besichtigung, Inspektion oder Parade bevor- stand. Dann hatte der Truppenführer es auszufüllen und dem Inspizienten vor Beginn der Besichtigung einzuhändigen. Das Blatt enchielt sämtliche Angaben,

habe kein Recht, sich in die deutsche Innenpolitik einzurnischen." Eine Privatkorrespondenz berichtet über diesen Teil der Rede ganz ähnlich: „Stephani wandte sich energisch gegen die Einmischung der katholischen Geistlichkeit in die Politik und be­tonte, daß der Stahlhelm keine Obrigkeit in Rom und keine Internationale anerkenne."

Was sagt Bundesführer Seldte zu diesen Aeu- ßerungen seines Berliner Landesführers? Wir nehmen an, daß er nach seiner strikten Erklärung, der Stahlhelm werde nie zulassen, daß ein Füh­rer gegen die katholische Kirche oder die katholiicke Geistlichkeit sich wendet, nichts Eiligeres zu tun haben wird, als den Landesführer Stephani von feinem Posten zu entfernen. Denn die Erklärun­gen des Herrn Seldte einerseits und des Herrn Stephani andererseits vertragen sich nicht. Stephani hat ausdrücklich von Rom und der k a- tholischen Geistlichkeit — also nicht nur vom Zentrum — gesprochen. Und zwar in sehr abfälliger Weise. Darin eben unterscheiden wir uns vom Stahlhelm, daß wir unsere kirchlichen Beziehungen nicht den nationalistischen Ideen ein« zwängen lassen, sondern in diesen kirchlichen reli­giösen Fragen die Dbrigfeit in 5Rom an­erkennen. Im übrigen hat die katholische Geist­lichkeit genau das gleiche Recht, sich in die Politik „einzumischen", wie der Stahlhelm auch und je­der deutsche Staatsbürger. Dieses Recht wird ihr niemand streitig zu machen vermögen.

Oberschlesien und die Nazis.

Unerhörte Hetze gegen katholische Geistlichkeit und Zentrum.

Der zehnjährige Gedenttag der Abstimmung in Oberschlesien wird von den Nationalsozialisten zu einer geradezu schamlosen Hetze gegen katholische Geistlichkeit und gegen das Zentrum benutzt.

Das steht gut denen an, die vor zehn Iah - ren noch in den Mauselöchern hockten. Damals, als es galt, in vorderster Linie für das Deutschtum zu kämpfen, haben die Maulhelden von heute noch gar nicht existiert. Damals überließen sie es den Katholiken und dem Zentrum, Ober­schlesien zu retten. Und dafür werden heute beide von den Nazis in der unglaublichsten Weise be­schimpft.

Obenan natürlich — Alfred Rosenberg, der im „Völkischen Beobachter" die freilich schon längst abgeleierte Walze dreht: das Zentrum gehöre zu den „Reichsfeinden". Das ist das gleiche „Ni­veau", auf welchem sich der deutschnationale Hof­prediger Doehring in deutschnationalen Versamm­lungen bewegt! Die beiden — die Deutschnationalen und die Nazis — geben sich in diesem Punkte der Bekämpfung des Zentrums gegenseitig gar nichts heraus. Sie brauchen ja beide nicht zu wissen, und wenn sie es wissen, verbietet es ihnen offenbar der parteipolitische Anstand, so wie sie ihn auf­fassen, es offen auszusprechen, daß es dem Zen­trum zu verdanken ist, wenn das Deut-

Die Kölner Frühjahrsmesse.

Die Kölner Frühjahrsmesse 1931 wurde am Sonntag eröffnet. Schon der erste Tag wies ei­nen sehr lebhaften Besuch auf. Die Gesamtbesu- cherzahl war allerdings nicht so hoch, wie am er­sten Tage der Frühjahrsmesse des vorigen Iah- res. Große Aufträge sind naturgemäß nicht er­teilt worden. Die Einkäufer beschränken sich im allgemeinen darauf, iren notwendigsten Bedarf zu decken und bevorzugen dabei vor allem billige Ware. Ein reger Geschäftsverkehr herrschte auf der Autobörse, wo viele gebrauchte Wagen, die zum.Teil sehr billig angeboten waren, getauft wurden.

sZe Reich in seiner Einheit und ®e schlossenhert heute überhaupt n?» existiert. nD19

Da kann man die Schamlosigkeiten des Ana^k«. (Beilage zur Nr. 59 vom 21. März iW"M rum übrigen legen. Dort schwätzt ein Na-iman« vorn „Landesverrat des Zentrums" und behauöM wörtlich:

„Wenn irgendwo, so hat in Oberschlesien w Zentrum mit dem katholischen Glauben beiUn Schutz es zu sein behauptet, wirklich gar nichts tun — sondern immer nur mit h.™ Polentum!" Oem

Dieser angenehme Zeitgenosse bringt es bann fertig zu sagen: der Kampf gegen den Äommunis. mus trete beinahe etwas zurück gegenüber dem Kampfe „gegen die schwarze Schmach des P o l a ck e n z e n t r u m s".

So sieht Sauberkeit, Anstand und Ehrlichkeit bet den Nationalsozialisten aus. Halten wir noch dazu, daß der Betreffende in dem gleichen Artikel ankündigt, daß „ein nationalsozialistischer Staat mit aller Energie darauf sehen" müsse, „daß die Pfarrstellen in dem sehr frommen und kirchlichen Lande mit entschlossen d e utsch gisiunten ka- tholischen Pfarrherrn besetzt werden", und macht man sich klar, welche gemeine Gesinnung aus dieser Beleidigung gegen katholische Geistliche spricht dann weiß man zur Genüge, wes „Geistes" Kinl> ein solcher nationalsozialistischer' Agitator ist.

Im übrigen beschränkt er seinen Vorwurf bei mangelnden Deutschtums nicht nur auf die kacho- tischen Geistlichen, sondern auch auf die Zen- trumsbeamten, die durch „deutsch, gesinnte" ersetzt werden sollen, wenn erst einmal die Nazis ans Ruder kämen. Diese Töne sind uns aber absolut nicht unbekannt. Sie haben ja auch schon früher eine Rolle gespielt und sind immer wieder dort angewandt worben, Wo es galt, den Katholizismus mit den schärfsten Mitteln, auch mit denen der Brutalität, der Gewalt und Roheit, niederzuhalten.

Katholiken, die diese Zusammenhänge immer noch nicht durchschauen, kann ein vernünftiger Mensch nicht begreifen. „Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber."

Trug Aero ein Monokel?

Es gibt ein Bild, das den römischen Kaiser Nero dar­stellt, wie er in der Loge eines Amphitheaters sitzt, in reichen Gewändern, und einen grünen geschliffenen Edel­stein vor die Augen hält, um durch ihn die letzten Zuckun­gen eines zu Tode getroffenen Gladiators zu betrachten. Schauerlich wirkt fein Gesichtsausdruck dabei, besonders das starre, grausame Auge, schauerlich auch hebt sich der funkelnde grüne Stein von dem roten Haar des Cäsaren ab. Dieses Bild beruht auf einem Bericht des Geschichts­schreibers Plinius, der erwähnt, daß Nero, um besser sehen zu können, einen Beryll vor die Augen gehalten habe. Es kann sich hierbei nur um ein konkav geschlif­fenes Vergrößerungsglas gehandelt haben, und wir kön­nen in diesem Beryll den ersten Vorläufer des Monokels und der Brille sehen. Ob Neros Glas jedoch grün ge­wesen ist, muß bezweifelt werden. Es liegt hier wohl ein altes Mißverständnis vor. Im ftüheren Mittelalter nämlich war die einzige bekannte Beryllart der grüne Smaragd, so daß sich damals die Meinung festsetzen konnte, Nero habe mit Rücksicht auf fein rötliches Haar ein grünes Glas getragen. In Wirklichkeit gibt es den Beryll jedoch in allerlei Farben, besonders auch in Gelb und in klarer Wasserfarbe. Auch in Meergrün und Blau kommt er vor; man nennt ihn dann Aquamarin. Diese Spielarten des Beryll wurden jedoch erst im spä­teren Mittelalter, etwa um 1300, bekannt. Damals erst kam man auch darauf, den wasserklaren Beryll als Ver­größerungsglas zu benutzen. Es ist jener Zeit allerdings vielfach eine Verwechselung unterlaufen, indem der viel häufigere Bergkristall als Beryll angesehen wurde. Man schliff daraus u. a. Gläser, die man in die Monstranzen einsetzte, um eine bessere Sichtbarkeit des hochwürdigsten

h e n. Man wandte sich an die Möbeltreuhandgesellschaft in Berlin, die auch Kredite auf die Kaufverträge gab, bei der er aber 24 Prozent Zinsen habe zahlen müssen. Spä­ter habe man hinter dem Rücken der Berliner Gesell­schaft die Verträge ein zweites Mal bei einer Kö­nigsberger Gesellschaft beleihen lassen. Endlich sei man auch dazu gekommen, fingierte Verträge zu beleihen. Auf diese Weise hat Safran, wie er aus­sagt, zusammen mit der Augustin etwa 400 Fälschungen begangen. Um zu verhindern, daß diejenigen Leute, bte von der Königsberger Firma Briefe bekamen, etwa zu- rückfchrieben, sie hätten doch gar nichts gekauft, wandte sich die Augustin an die beiden angeklagten Brief­träger und ließ sich von ihnen die Briefe aus- händigen, die von der Abfatzfinanzierungsgefellschaft in Königsberg an die angeblichen Rastenburger Kunden kamen.

die für den Inspizienten wichtig waren, also Bezeich­nung der Truppen, Truppenstärke, Namen des Führers und einzelner Offiziere ufw. Wenn eine Besichtigung angekündigt wurde, dann hieß es in dem Schreiben stets: „Truppenbestand usw. ist nach Schema F. nach­zuweifen." So ist das Blatt zum berüchtigten Muster­formular für bürokratische und schematische Erledigung geworden.

Als die Fälschungen immer größer geworden waren und der Zeitpunkt, an dem die Entdeckung kommen mußte, näher rückte, wollte Safran Selb st mord ver­üben, nachdem er sich vorher mit 145 000 Mk. in eine Lebensversicherung hatte aufnehmen lassen. Seine Ehe­frau hätte dann, wie Safran meint, mit der ihr zufal­lenden Versicherungssumme die Verfehlungen abdecken können. Die Augustin aber t>abe ihm den Selbstmord­gedanken wieder ausgeredet und ihm geraten, sich eine Leiche zu beschaffen und einen Autobrand v o r- z u t ä u f ch e n, um sich bas Versicherungsgeld zu erhal­ten. Sie gewann auch K i p n e r, der Expedient bet der Firma Safran mar, für den Plan. Da die Beschattung einer Leiche Schwierigkeiten machte, hätte sie den Plan gefaßt, einen Menschen zu erschießen und zu

Ein zweiter Fall Tetzner

Der ostpreutzische Mordprozetz Safran.

Lebensweisheit.

Wenn die Menschen im Leben weiterkommen, ihre Liebe zur Aufrichtigkeit zu, und die Neigung, geschläfert und umschmeichelt zu werden, nimmt- ab- ,

»

Junge Leute bewundern Talente und besondere Bbt* lüge. Wenn wir älter werden schätzen wir die (»e| traft und -Wirkung eines Menschen, seinen Gey, Wesen.

*

Tu stets das, was du zu tun dich fürchtest.

Sieh zu, daß dir nicht Kleinigkeiten wichtig werde

Das Kennzeichen einer großen Natur isst £a$.ner einen Vordergrund eröffnet und "leich dem »aüa* Morgenlandfchaft u,.s zum Dorwärtsschretten em

Ralph Maldo Emerson. ,

Nur wer Gewissensbisse über einen Ausdruck ttfiP | findet, darf sich einen Schriftsteller nennen.

Bunte Zeitung.

— Der größte Damenhut der Welt. Den größte« Damenhut der Welt finden wir nicht in Amerika,son­dern in Englands Hauptstadt in London. Miß 3*,w Matthews, ein hübscher und eleganter Star, trägt Di * fen Riefenhut in einer Revue. Derselbe ist fünf eng­lische Fuß hoch. 25 Fuß breit, trägt 150 Straußenfedern. Sein Gewicht beträgt 10 Pfund. Die Firma, die S- gentümerin des Hutes ist, hat denselben für 20W» | Dollar (84 000 Mark) versichert.

Am Montag vormittag begann in Barten st ein (Ostpr) vor dem dortigen Schwurgericht unter starkem Andrang des Publikums der Prozeß gegen den M ö - b eit auf mann Safran, der im September vori­gen Jahres mit feinen Angestellten Kipnick und Ella Augustin auf der Landstraße einen Melker er» schoß und dessen Leiche im Keller der Möbelfirma m it Benzin übergoß und anzündete in der Hoff­nung, auf diese Weise den Behörden in dem verkohlten Leichnam seinen eigenen Flammentod vorzu täu­schen und so die V e r s i ch e r u n g ss u m m e n, die er für den Fall feines Todes angenommen hatte ausbezahlt zu erhalten. Der Leichnam verkohlte jedoch nicht voll­ständig, sondern an den unversehrt gebliebenen Man­schetten erkannte man, daß es sich nicht um Safran han­deln konnte, und im weiteren Verlauf der Untersuchung stellte sich der Leichnam als der des Melkers Dahl her­aus. Der Prozeß wird voraussichtlich drei Tage dauern.

Die Anklage wirst den einzelnen Beschuldig­ten folgendes vor: Die Angeklagte Ella Augustin, von der die Anklage annimmt, daß sie die beiden anderen Hauptangeklagten unter ihren Einfluß gebracht hat, wird der Urkundenfälschung, der Unterschlagung, der Anstif­tung zum Mord, zur Brandstiftung und zum Versiche­rungsbetrug sowie des Betrugs beschuldigt. Dieselben Delikte werden auf Safran, soweit sich seine Handlungen mit denen der Augustin decken, vorgeworfen. Safran und Kipnik werden beschuldigt des Mordes, des Mord­versuchs, der Brandstiftung und des Versicherungs­betrugs.

Der Vorsitzende vernahm zunächst Safran, der feit dem Jahre 1922 mit der Tochter des Möbelhändlers Platz verheiratet ist. Der Angeklagte erzählt, daß das Möbelgeschäft in Rastenburg, das er bei feiner Verhei­ratung von den Schwiegereltern erhielt, anfangs ganz gut gegangen fei. 1928 aber hätten die finanziellen Schwierigkeiten begonnen. Damals fei er zusammen mit feiner Buchhalterin, der Angeklagten Augustin, auf den Gedanken gekommen, die Verträge zu belei-

oerbrennen.

Im weiteren Verlauf seiner Vernehmung schobert Safran die Mordtat. Danach hat Kipnik im Walde ein en Mann umgebracht, während Safran >M Auto auf der Chaussee wartete. Kipnik habe auch der Leiche seine (Safrans) Sachen angezogen.

Gutes zu erreichen. Auch in Reliquienbehältnisse wur­den oft Berylle bezw. Bergkristalle eingesetzt. Dann aber schliff man den wasserklaren Stein auch zu Augengläser^ die nach ihm den Namen „Brille" ertj eüen. Es ist wohl anzunehmen, daß es sich auch bei der ersten Brille, von der die Weltgeschichte berichtet, um einen wasser­klaren Beryll, nicht aber um einen grünen, gehandelt h«.