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DEUTSCHLAND

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Dienstag, 24. Mürz 1931

Ar. 69

Mrg. 58.

Monatlich 1.80 einjchließl. Postgebühr (48 Pjg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM. auswärt- 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt Postschecks. Krankl, a. M 4051.

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FuldaerZertung

t Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.

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* Gesandter Graf Lerchenfeld beim Reichs­präsidenten. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsi­dent empfing am Montagvormittag den neuernann- den deutschen Gesandten in Brüssels Graf Ler­ch e n f e I d. __________________________

Sie deutschen Minderheilenschulen.

Der Präsident des ständigen in­ternationalen Gerichtshofes hat eine außerordentliche Sitzung des Haager Gerichtshofes anberaumt, die am 14. April beginnen wird. In dieser Sitzung wird sich der Gerichtshof mit dem deutsch-polnischen Streitfall wegen der deutschen Minderh.eitenschulen in Polnisch-Oberschlesien befassen. Die Regierungen Deutschlands und Polens sind davon in Kenntnis gesetzt worden, daß der Gerichtshof bereit sei, die Schriftsätze beider Parteien in Emp­fang zu nehmen, sowie die mündlichen Darlegun­gen der beiderseitigen Prozeßvertreter anzuhören.

Beide Regierungen haben geantwortet, daß sie dieser Aufforderung entsprechen werden. Es wird damit gerechnet, daß die öffentlichen Plaidoyers am 15. April ihren Anfang nehmen werden.

Frankreich unverzügliche Herabsetzung seiner Rü­stungen ohne irgendwelche internationale Abma­chungen.

Der französische Gewerkschaftsführer Jouhaux äußerte sich ähnlich und erklärte, wenn die V ösl - ter den Krieg nicht mehr wollten, dann werde es mit den Kriegen zu Ende fein.

Der kurzsichtigste Politiker in Deutschland ist zweifellos Alfred Hugen- b e r g, Leiter des großen Berliner Zeitungs- und Film-Konzerns und früherer Generaldirektor der Essener Firma Krupp. Er wird es noch fertig bringen, in Deutschland tiefgehende Ge­gensätze zwischen Osten und Westen aufzureißen und damit dem Gedanken der deutschen Nation die schmerzlichsten Schläge zu versetzen. Er redet wie ein o st e l b i s ch e r Junker und will den Westenpreußisch ma­chen". Armer Alfred Hugenberg, was hast Du vor?

Anläßlich der Tagung des Alldeutschen Ber- bandes in Gleiwitz hielt Dr. Hugenberg eine Rede, in der er u. a. ausführte:

Das Deutschtum des O st e n s fei eine Tat des deutschen Bolkes, an der es Jahrhunderte hindurch gearbeitet habe. Die Landwirtschaft des deutschen Ostens war noch 1924 gesund und damit der ganze Osten. In sieben Jahren habe eine Miß­wirtschaft und eine Politik des Leichtsinns diesen deutschen Osten an den Rand des Abgrundes ge­bracht. Ohne den deutschen Osten, so fuhr der Redner fort, gibt es kein Preußen, und ohne Preußen keinen deutschen Osten. Weil wir all die Jahre hindurch kein Preußen hatten, ist der deutsche Osten verelendet. Machen wir Preu­ßen wieder preußisch! Werfen wir all die marxistischen Bonzen aus ihren Klubsesseln hinaus und setzen wir wieder Preußen auf die schmucklosen Stühle preußischer Gerechtigkeit! Der Abstimmung, deren 10. Jahrestag wir heute begehen, folgt eine andere Abstimmung folgen vielleicht noch mehrere Abstimmungen. Das sind die die endgültigen Abstimmungen über das Deutschtum Oberschlesiens. Rettet das Deutschtum des Ostens, indem Ihr Preußen den Händen der Marxisten und ihrer Freunde entwindet.

Stimmen von diesseits und jenseits der Zollschranken: Nun werden wir uns endlich nicht mehr gegenseitig das Leben teurer machen.

Das sieht aus, als ob Alfred Hugenberg sich embildete, die Geschichte rückwärts drehen zu können, und neben den sog. Marxisten die deut­schen Katholiken, die dem Zentrum ihre lang ver­wehrte Emanzipation verdanken, wieder aus der Mitarbeit im Staate hinauswerfen wollte. Er wird sich umgucken. Die Abstimmungen werden etwas anderes ergeben, als das, was der deutsch­nationale Führer, der politische Schleppenträger Hitlers erwartet.

r. Cmlius über die Wiener Zoll-Union Auf dem Weg zu Pan-Europa.

Beispiel' die wirtschaftliche Anpassung des ein­zelnen Landes an das andere in sich, während im vorliegenden Falle Oesterreich und Deutschland ihre volle Unabhängigkeit bewahrten. Beide Länder hätten die gleichen Rechte. Vom Standpunkt der Arbeiten des Europa-Ausschusses Jet besonders bedeutsam, daß die beiden Regie­rungen gewillt seien, ihre Aktion auf eine brei­tere Basis zu stellen und mit anderen Ländern über ein ähnliches Abkommen zu verhandeln. Da­durch würden die deutsche und die österreichische Regierung und er, Curtius, wünsche das beson­ders lebhaft zu einer Verwirklichung der Grundidee der Vereinigten Staaten von Epropa beitragen, die nicht nur die wirtschaftliche Verständigung, sondern auch die Konsolidierung des Friedens in Europa und in der Welt zum Ziele hätten.

Das Echo der Abmachungen.

Die Wiener Amtliche Nachrichtenstelle teilt mit: Am 21. März erschienen im Laufe des Tages die dlplomatischenVertreterFrankreichs, der Tschechoslowakei und Italiens beim Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten, Vizekanzler Dr. Schober, mit der Mitteilung, daß die in den Zeitungen vom 17. März d. I. ver­öffentlichte Nachricht über den Abschluß einer Zollunion zwischen Oesterreich und Deutschland ihre Regierungen veranlaßt hat, der österreichischen Bundesregierung zur Kenntnis zu bringen, daß der Abschluß einer solchen Zollunion gegen das Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 ver­stoßen würde. Die genannten diplomatischen Ver­treter wurden vom Vizekanzler entsprechend auf­geklärt.

Friedenskundgebung in Paris.

_ 3mTrocadero" in Paris fand eine öffentliche f undg-bung für den Frieden statt, die. I ungemeinen Arbeiterverband (C. G. T) or-

"'nert war. Dabei führte der ehemalige Präsi- #}nt der französischen Liga für Menschenrechte, | onft r. ®ictOr Basch, als Vorsitzender der Ver- . u°ltung, aus, daß alle Mittel angewandt wer- | nJT,*^ten, um den Frieden sicher zu stellen.

Rriox?- m Bromley. und Herriot für den R»!.. , bgedanken sich eingesetzt hatten, sprach der I N^-Eter der deutschen Arbeiterjugend, Walter trihi- ?e Sein Erscheinen auf der Redner­in i kw.rde mit Beifall begrüßt. Maschke wies tQ ®fncr. 'n deutscher Sprache gehaltenen Rede qe UL *>m, daß man nach Beendigung des Krie- d egemein gehofft hätte, daß der W e 11 f r i eg nUn "tzte Krieg gewesen fei. Um diese Hoff- | uen rJU verwirklichen, müßten größte Anstrengun-

be> ^wacht werden, vor allem durch Propaganda ' uer Jugend.

3$IUn.er französische sozialistische Abgeordnete Leon ea|r^n erklärte, Abrüstung heiße für ein Land wie

Nordamerika!

wtb. Reuyork, 23. März. (Eig. Meld.)Times" befaßt sich in einem Leitartikel, der die Ueber- schrift trägt:Ein praktischer Schritt" mit dem deutsch-österreichischen Wirtschaftsabkommen und führt dazu u. a. aus: Seit Ende des Krieges hat sich eine endlose Erörterung darüber fortgesponnen, wie die europäischen Nationen veranlaßt werden könnten, ihre Zolltarife herabzufetzen. Nunmehr hätten Oesterreich und Deutschland sich dahin ge­einigt, daß das beste Mittels, eine Verminderung der Zolltarife zu erreichen, dann liege, sie in bic Tat umzusetzen. Begreiflicherweise Ijat die Ankündigung des deutsch - österreichischen Wirt­schaftsabkommens Ueberraschung und in manchen Ländern sogar gewisse Befürchtungen hervor­gerufen: aber gerade die in Verträgen sestgelegte Unabhängigkeit Oesterreichs berechtige es zweifel­los dazu, ein Handelsabkommen, wie das vor­liegende, mit Deutschland abzuschließen. Ohne Frage ser es ein kühner Schritt, den Deutschland und Oesterreich unternehmen, aber auch ein wei­ser und für die beiden beteiligten Länder vor­teilhafter Enffchluß und ein lehrreiches Bei­spiel für die anderen Nationen;, die sich ängstlich hinter die Zollmauern verkröchen.

RachepolMk!

Und den Schaden hat das Bürgertum.

In Braunschweig kam es, rote es kommen mußte: in der Stadt Braunschweig haben sich die Sozialdemokraten und die Kommunisten zu einem Block verbunden. Sie verfügen über 18 gegen 17 Stimmen der sämtlichen bürgerlichen Parteien.

Dieser sozialistische Block ist gesonnen, seine Macht rücksichtslos durchzusetzen. Es find Forde­rungen formuliert worden, für deren gemeinsame Durchdringung beide Parteien sich einzusetzen ver­sprechen. Unter diesen Forderungen befindet sich die Ablehnung ieder Lohnsenkung für die Arbei­ter und Angestellten, die Herabsetzung der Gehäl­ter für Beamte, die nur ein Höchstgehalt von 6 000 Mark beziehen sollen u. a. m. Unter diesen For­derungen ist aber eine weitere, die rein kommu­nistischen Ursprungs ist, und die die Erhebung einer Sondersteuer von allen Einkommen über 5 000 Mark bei progressiver Steigerung und schärs- ster Erfassung der höheren und höchsten Einkom­men verlangt. Die Sozialdemokraten haben die­sen Forderungen gegenüber ihren Widerstand aus- gegeben, und War nicht, weil sie grundsätzlich mit ihnen übereinstimmen, sondern um dem Rechts- radikalismus die Zähne zu zeigen.

Wie im Kleinen, so im Großen! Das Braun­schweiger Beispiel ist nicht nur lehrreich sondern alarmierend. Es bedeutet die beste Rechtfer­tigung der Brüningschen Politik, die darauf gerich­tet ist, die Sozialdemokratie bei der positiven Arbeit zu halten und sie nicht dem Linksradikalismus zuzudrängen. An sich wäre auch im gegenwärtigen Reichstag eine Mehrheit aller nicht linksgerichteten Parteien vorhanden; dann aber hätte sich, wie das Braunschweiger Bei­spiel sehr klar zeigt, ein sozialistisch-kommunistischer Block gebildet, der durch fein Auftreten und feine Forderungen das ist ganz sicher auch aus den Reihen des Rechtsradikalismus Verstärkung erhalten haben würde. Und die Folgen wären gewesen: der Linksradikalismus hätte die Oberhand gewon­nen. Denn noch immer hat es sich bis jetzt ge­zeigt, daß der L i n k s ra d i k a l i s m u s der Erbe des Rechtsradikalismus ist, daß es dann zu einer Rachepolitik kommt, bei der Die bürgerlichen Parteien die Zeche politisch und wirt­schaftlich bezahlen muffen.

Braunschweig ist eine ernste Mahnung an öie Bürgerlichen. Wenn sie nicht vol­lends zwischen den Mühlsteinen des Rechts- und Linksradikalismus zerrieben werden wollen, dann müssen sie nur das eine große Ziel der Sicherung von Ordnung und Frieden im eigenen Lande im Auge behalten, und im Kampfe um die Erreichung dieses Zieles darf keine Hilfe von jemand der be­reit ist, sachlich und pflichtbewußt im Interesse des Ganzen mitzuarbeiten, zurückge­wiesen werden. 1

totß. Paris, 23. März. (Eig. Meld.) Der Matin" veröffentlicht eine Erklärung des Reichs- außenministers Dr. Curtius zu der österreichisch- deutschen Vereinigung in der Zoll- und Wirt- ichastsfrage. Dr. Curtius erinnert daran, wie der MSndische Delegierte, der ehemalige Minister- | «Mibent Colijn, in seinem Bericht an den Völker- Lqb von den verschiedenen mißglückten Versuchen Lforodjen hat, die seit 1927 unternommen worden feien, um die europäische Wirtschafts- verernigung herbeizuführen. TerReichs- - Außenminister hebt besonders die Enttäuschung der letzten Jahre hervor, die Deutschland zu der Er­kenntnis zwangen, daß man sich auf einen weniger weitgehenden Rahmen beschränken müsse, da es nicht möglich sei, durch ein Kollektivab­kommen die Interessen so vieler ver­schiedener Länder gerade in einer Pe- ri'ode er nst er W irts ch a f t s k ri sen, wie der heutigen, zu vereinigen. Schober als öster­reichischer Kanzler habe bei der letzten Versamm­lung des Völkerbundes 1930 einen weitgehenden, von Briand ausgearbeiteten Plan einer europäischen Union besprochen und erklärt, daß er auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden könne: Der Versuch, alle oder nahezu alle Länder Europas -u einer einheitlichen Aktion zusammenzuschließen, der nur nach langen und schwierigen Bemühungen gelingen könne, weil die in den verschiedenen Ländern Europas bestehenden politischen und wirt­schaftlichen Bedingungen allzusehr voneinander ab­weichen. Dagegen würden Bemühungen einzel­ner Staaten oder Staatengruppen, bereit Inter­essen besonders offenkundig und besonders eng miteinander verbunden seien, auf handelspoliti­schem Gebiete praktisch fein und Ergebnisse zeitigen Birnen. Diese Vorgangsweise, für die man öfter» teichischerfeits verschiedentlich als der praktischsten eingetreten sei, sei seinerzeit von Schober mit Recht als die Methode der Organisation und der Synthese hingestellt worden, die mehr als jede Meie Absicht auch einen baldigen Erfolg haben ®me. Das Ziel, das alle verfolgten, nämlich die IWMing aller Länder Europas, könne leichter er» mMwerden, wenn man regionale Abkommen Meße und Interessensphären schaffe, die sich leich- M in die allgemeine paneuropäische Organisation einfügen -ließen.

Deutschland und Oesterreich hätten sich verpflich­tet, diesen Weg als eine erste praktische Handlung zu beschreiten. Sie hätten ein Abkom­men geschlossen, wonach sie beide unverzüglich Ver­handlungen zum Abschluß eines Vertrages auf­nähmen, der ihre Stellung in zoll- und handels­politischer Hinsicht miteinander in Einklang bringen solle. Diese Verhandlungen würden die gemeinsam von den beiden Regierungen zugelassenen Richt­linien zur Grundlage haben, die von dem Grund­satz beherrscht seien, die restlose wirtschaft­liche Unabhängigkeit beider Länder unbedingt zu achten. Man könne daher die­ses Abkommen nicht mit gewissen früheren Abkom­men vergleichen, die in den gleichen Gedankenkr i gehörten. Gewisse Zollunionen fchlössen zum

Bund der Besboschniki.

Dresden, im März 1931.

Soeben hat in den beiden sächsischen Großstäd­ten Dresden und Leipzig eine lebhafte Aktion der Internationale der Gottlosen eingesetzt. In Leip- I zig war es der ersteReichskulturkongreß" der Gottlosenverbände und in Dresden die erste soge­nannteG o 11 l o s e n - M e s s e", die das öffent­liche Interesse aufriefen. Kaum war die Schlie­ßung der kultur-bolschewistischen Ausstellung am Berliner Wedding bekannt geworden, als das Land Sachsen mit erhöhter Propaganda bedacht wurde.

DerReichskulturprozeß" fand vom 13.15. März in Leipzig statt. Hauptveranstalterin war die Internationale der proletarischen Freidenker, mehrere andere Organisationen hatten ihre Ver­treter entsandt: die Interessengemeinschaft für Ar­beiterkultur (Isa), der Kampfbimd gegen den Fa- jchismus, die Rote Hilfe, die Internationale Arbei­terhilfe ufro. Der Kongreß hatte die Aufgabe, die Richtlinien für einen Generalangriff der Gottlo­sen zu beraten und zu beschließen". Das ist gesche­hen. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei hat sich verpflichtet, in Zukunft in ganz au­ßerordentlichem Umfang die Abfallbewegung von der Kirche zu finanzieren und zu unterstützen. Die 130 000 deutschen Mitglieder des Gottlosenverban­des sollen so rasch wie möglich die erste Million erreichen. Bekanntlich wurde derBund der Bes- boschniki", derBund der Gottlosen", im Jahre 1925 in Rußland gegründet, aber vor rund andert­halb Jahren in denVerband der kämpfenden Gottlosen" umgetauft. Dieser Kampftypus soll von jetzt an besonders ausgebildet werden. Mitglied des Verbandes können schon Kinder vom Beginn des dritten Schuljahres an, also mit dem achten Lebensjahr, werden. Man nennt sie Jungpioniere. Sie haben zwar noch nicht alle Rechte, aber bereits vom 14. Jahre ab werden sie vollgültiges Mitglied. Man behauptet, daß der Verband augenblicklich in allen Ländern zusammen, einschließlich Rußland, schon nahezu 4 Millionen Mitglieder aufweise, und daß man diese Zahl innerhalb 3 Jahren auf 17 Millionen steigern könne. Als Hauptpropaganda­gebiet ist Deutschland ausersehen. Daneben vor al­lem Oesterreich und alle deutschen Minderheitsge­biete in fremden angrenzenden Staaten. In den sog. Gotttosenzellen, die in den Städten und Dör- I fern gegründet werden und als unterste Grundlage der gesamten Organisation zu gelten haben, sollen I die tüchtigsten Kräfte geschult und eine gewisse An­zahl von ihnen sogar zu einem Jahreskurs an dis Zentrale nach Moskau geschickt werden. Sie sol­len später die Hauptwerber und Redner abgeben. Zu ihrer Verfügung stehen entsprechende Filme, Theaterstücke und Theatertrupps, Schriften, Bü­cher, überhaupt alles, was die moderne Technik an Aufklärungsmitteln auf den Markt wirft. In be­sonderenSchauen" soll das verschiedenartigste Material zusammengetragen werden, um das re­ligiöse Kulturgut wirkungsvoller zu untergraben. Die Werbung für den Kirchenaustritt hat in ganz besonderem Maße bei den Arbeitslosen einzusetzen, weshalb auch der gegenwärtige Zeitpunkt als der allergünstigste bezeichnet wird. Eine wöchentliche Zeitschrift in deutscher, französischer und englischer Sprache ist geplant Jedoch nicht nur die Erwach­senen, sondern ebenso die Kinder sollen mit ent­sprechendem Material bearbeitet werden.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß den ober­sten Leitern in Moskau die schon an sich radikale Stimmung in Sachsen als besonders günstig für ihre Bestrebungen erscheint. Dazu kommt, daß ge­wisse Veranstaltungen nicht sofort von staatlicher Seite verboten werden, sondern stattdessen nur un­terKontrolle der Behörden" gestellt werden. Bis dann das eigentliche Verbot erfolgt, ist bereits sehr großer Schaden angerichtet. So war es auch in Leipzig mit der Jfa-Kulturschau, die anläßlich des erwähnten Reichskulturkongreffes eröffnet wurde, und die an Verhöhnung und Verlästerung der Religion ihresgleichen suchte. Aber die größte Blasphemie stellte wohl der Gedanke dar, in Dresden eine sog. Gottlosen-Messe zu inszenieren. Das, was dort geboten wurde, und wäre die Veranstaltung nicht endlich doch polizeilich unter­brochen worden, noch geboten werden sollte, spot­tet jeder Beschreibung. Die sogenannteLinks­kurve", eine kommunistische Organisation zur Kir- chneaustrittspropaganda, trat als die eigentliche Urheberin dieser Veranstaltung auf. In Gedichten und Dialogen wurde von einerSpieltruppe" alles in den Schmutz gezogen. Nicht nur die Geist- lichkeit aller Konfessionen und ihre karitativen Einrichtungen, sondern auch die staatlichen Vertre­ter, voran der Reichskanzler Brüning. Die Spre­cher trugen Masken, die die verschiedensten Per­sonen karikierten. Zum Höhepunkt der ganzen Veranstaltung sollte die Parodie einer Messe wer­den. Man wollte die Karikatur eines Gottesdien­stes auf die Bühne bringen und ließ einen Geist­lichen im Talar mit fratzenhafter Maske und Bi­bel auftreten. Sein Erscheinen erweckte schon in kurzer Zeit so großes Aergernis, daß die Polizei endlich dem Treiben ein Ende machte. Einige Tage vorher war in Dresden ein Plakat ausgehängt, auf dem das Opferlamm als Esel dargestellt wurde, der ein priesterliches Barett mit dem Christuskreuz trug.

Das sächsische Beispiel mit seinen Leipziger und Dresdener Erfahrungen ist wohk geeignet, die Aufmerksamkeit der berufenen Behörden in allen Ländern auf die kulturbolschewistische Gefahr er­neut hinzulenken. Die Vorbereitungen für große Veranstaltungen werden nicht selten auf geheime Art durchgeführt, so daß die Behörden leicht ge­täuscht werden. Das Hauptorgan der Kommunisti­schen Partei in Sachsen, dieArbeiterstimme" ist z. B. schon feit rund einem Monat verboten, so daß also eine äußere Pressepropaganda mit gro­ßen Schwierigkeiten verbunden war, und trotzdem konnten'die Dinge in letzter Zeit so weit gedei-