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Beilage zur Fuldaer Zeitung

NILS

22. März

Erwartung.

D«r Lenzwind atmet, der das Land enteist.

xer Sonne Hände segnen nun die Saaten.

(t6 wartet, um den Wandrer zu beraten, 2m Kreuzweg der verträumte Meilenstein.

Zin Pflug dabei, der sich des Rostes schämt, möchte Schollen stürzen, bis er gleißt.

Und Lerchen hören die im letzten Schein

Bis zu des Himmelsdaches golden Ziegeln Sich singen, um ein Fenster zu entriegeln, So trunken sind sie oft vom Abendwein, ' Wenn arbeitsblank er ruht am Ackerrain:

Der ist von Blumen dann so bunt verbrämt.

Er wartet wie der graue Meilenstein, t. Daß wiehernd vor ihm Pferde in den Zügeln

Durch Schollen stampfen, weil aus allen Hügeln Der Lenzwind atmet, der das Land enteist.

Franz Mahlke.

Dem Frühling entgegen.

Der eisige, trotzige Nordostwind behauptete noch ein- M seine Herrschaft, blies mit so ungeheurer Macht, tag ihm alles zu unterliegen drohte. Wußte er, daß er gar bald der Besiegte war ? Mit kühlem gädjeln trat seine Nebenbuhlerin, Mutter Sonne, aus den Kampfplatz. Ein kurzes Ringen Ruhe und Frie­den kehrte in die erschöpfte Natur zurück.

Die warmen Strahlen der Dorfrühlingssonne bohr­ten sich immer tiefer in die hartnäckige Erde.Er­wache", war der immer stärker werdende Ruf, der nicht unerhört blieb. Leise regte sich das kommende Leben und drängte zum Tageslicht.

Auch mir ließ der sehr willkommene Sonnenstrahl keine Ruhe.

Hinaus", stürmte und drängte meine Seele. Ein kurzes Zögern in mir. Sollst du dem neuen Leben entgegen gehen? Immer wuchtiger gestaltete sich der Lockruf.

In wenigen Minuten überwand ich die noch vom Winter in mir sich behaglich fühlende Bequemlichkeit. Draußen war ich!

Wie kostete ich die frische Frühlingslust in vollen Zügen! Mein Schritt wurde lebhafter, mein Atem schneller, meine Seele immer lebendigere ich fühlte dos Erwachen des Frühlings. Der breiten Landstraße entlang zu gehen, widerstrebte mein Inneres; denn gar viele ließen den auch an sie ergangenen Frühlingsrus nicht unerwidert.

Menschen wollte ich nicht begegnen--ich mußte

die neu sich erschließende Natur allein erleben. Ein schmaler Waldpfad kam mir gerade gelegen. Die letz­ten Spuren des Winters machten sich noch bemerkbar Eine sehr dünne Eisschicht überzog noch ab und zu den holprigen, durchfurchten Weg. Ein am Saum des Wal­des liegender Schneehaufen schmolz sichtlich unter den in ihn eindringenden warmen Sonnenstrahlen.

Doch was hemmte plötzlich meinen Schritt? Was ließ mich für einen Augenblick stille stehen? Weshalb bist du so stürmisch von Hause geeilt?" diese Frage drängte sich mir derart aus, daß sie fast halblaut von meinen Lippen gesprochen wurde.

Wo ist das neue Leben?" bestürmte mich mein Inneres. Fast wollte ich mutlos werden und---

enttäuscht mich langsam aus dem Heiligtum des Waldes zurückziehen.

Doch die sinkende Sonne hatte Mitleid mit meiner sehnsüchtigen Seele. Ihr letzter Strahl fiel auf den sich langsam neigenden Weidenzweig.---

Mit dankbarem Herzen gegen Den, der das erste Leben der Natur uns Menschen wieder schenkte, nahm d) den Frühling in meine Hände und trug ihn nach Hause. Irene Emmelhainz.

Aus der Schatzkammer der Archäologen.

Heue wichtige Funde in Griechenland. Lenophons Angaben werden beftStigt. Die Etrusker auf Lemnos.

Von Hans Ern st Gehrke.

Griechenland hat den Altertumsforschern bereits fo oirle Schätze an. Kunstwerken jeder Art geschenkt, daß mn glauben sollte, sein Boden habe allmählich alles, ms er seit Jahrtausenden geborgen, hergegeben. Aber «rate, die jüngste Zeit beweist, daß diese Annahme irrig, daß aus diesem klassischen Lande noch viel zu er- sarten ist. So wurde erst vor wenigen Wochen eine gange Schiffsladung spätgriechischer Reliefs aus dem trüben Wasser des Piräus heraus geholt. Aus der Tat­sache, daß sie sämtlich einer Kunstepoche angehören, sür velche das augusteische Rom ein besonderes Interesse in den Tag legte, hat man geschlossen, daß es sich um ine für Rom bestimmte Sendung handelt, die bereits in Bord eines Schiffes gebracht war und vor der Ab- cchtt mit diesem, wahrscheinlich infolge eines Brandes, unterging. Die Kunstwerke entstammen den ersten Ilchrhunderten vor und nach Ehristus und zeigen den besonders geschmackvollen neu-attischen Stil.

So interessant dieser Fund auch ist, er wird weit übertroffen durch einen anderen, der hart an der grie­chischen Grenze nördlich des Ochrida-Sees auf heute süd­slawischem Gebiete gemocht wurde. Schon im letzten Kriegsjahre haben bulgarische Truppen hier zwei alte Stöber freigelegt, in denen sich auffallend große Men­gen von griechischen Bronzen, Waffen und goldenen Zierarten befanden. An Ort und Stelle gesandte Sach- oerständige vermochten noch fünf weitere Gräber glei­cher Art zu entdecken, doch unterblieben in den trüben Jahren der Nachkriegszeit weitere Nachforschungen. So oiel war aber bereits klar, daß in jedem Grabe eine besonders hervorragende Persönlichkeit geruht haben "rußte. Die neben den griechischen Kunstwerken gefun­denen wenigen Gegenstände örtlicher Herkunft deuten darauf hin, daß die Abgeschiedenen illyrische Fürsten

gewesen sind. Ihre Grabstätte bildet den am weitesten nach Norden vorgeschobenen Punkt, wo griechische Kul- tureinslüsse in einer im übrigen rein barbarischen Um­gebung sich fühlbar gemacht haben.

Im vergangenen Winter sandte nun die Regierung zu Belgrad einige Archäologen unter Führung von Professor Wulitsch zwecks weiterer Forschungen an den Ochrida-See. Es gelang den Gelehrten, noch ein achtes Grab mit einem womöglich noch reicheren Inhalt als die übrigen aufzufinden: besonders ein Bronzehelm mit Goldplattierung ist zu erwähnen, da er an Pracht der künstlerischen Ausführung wohl alle bisher aufgefun­denen übertrifft. Vor allem widerlegt diese Entdeckung die auf alten Ueberlieferungen beruhende Annahme, daß die Bewohner dieser Teile des Balkans jeder Kultur bare Wilde gewesen seien.

Dagegen bestätigt ein bei Athen kürzlich gemachter Fund aufs schönste die Zuverlässigkeit des bekannten Hi­storikers Tenophon. Dieser meldet u. a. in seiner Hellenika", daß bei der Belagerung der Stadt durch Lysander im Jahre 403 v. Ehr. zwei spartanische Po- lemorchen Stabsoffiziere, wie wir heute sagen würden namens Thibaraeus und Chaeron gefallen seien. Nun wurde kürzlich auf dem Kerameikos, der alten Begräbnisstätte Athens, ein Massengrab mit 13 Skeletten freigelegt. Auf einem dazugehörenden Grab­stein finden sich u. a. auch die Namen der beiden Spartaner .mit der Bezeichnung als Polemarchen, de­ren sterbliche Reste mithin nach 2300 Jahren so gänzlich unerwartet wieder zum Vorschein gekommen sind.

Don besonderer Bedeutung, weniger für den Kunst­freund als für den Ethnologen, sind Entdeckungen, die italienische Archäologen in jüngster Zeit auf der Insel Lemnos gemacht haben. Man hegte schon seit einiger

Der Ulatm vom Meer.

Von Julius Regis.

llebertragen aus dem Schwedischen. <3. Müller-Berlag, München.

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Wenn Sie die Frage am ersten Tage nach der Tra­gödie gestellt hätten, würde ich sie unbedingt bejaht ha­ben. Jetzt liegt die Sache anders. Jetzt rate ich Ihnen auf meine eigene Verantwortung, noch damit zu war­ten jedenfalls bis ich von mir hören lasse."

Könnte es nicht . . . eine Möglichkeit geben . . . b"ß ich es nicht gewesen bin?"

Bedenken Sie, daß ich nicht mehr weiß, als Sie."

Meine Kusine sagte etwas . . . was mir nicht aus bem Kopf will. Sie sagte, es könnte noch eine vierte Person in der Villa gewesen sein, und die könne der Mörder fein."

SBallion legte seine Zigarette weg.Sagte sie bas?" ^t lächelte plötzlich.Ihre Kusine ist eine scharfsinnige Iunge_Dame! Ich hoffe, sie bald kennenzulernen."

Sie kommen nach Jägarö?" ries Erik aus.

Ja. Als Sie vorhin Ihren Namen nannten, dachte Ml mir, daß Sie die Lösung des Villarätsels brächten, «tatt dessen haben Sie mir eine Ausgabe aufgetürmt, ie ungeahnte Möglichkeiten entgalt. Gestern habe ich ^stich noch telegraphisch in Brüssel nach dem Zweck der -Keife des Detektivs Delplace erkundigt. Nun muß ich m*r Ausklärungen über Colt, Drakenborch und Behr- mann verschaffen. Währenddessen müssen Sie auf- parö bleiben. Und sorgen Sie oafür, daß die liedens- ®urbigen Bewohner von Hamra nichts von Ihrem Be- wch bei mir erfahren. Uebrigens hier ist ein Stück t-opier. Machen Sie mir bitte eine flüchtige Skizze von er >msel und der Lage des Hauses."

Erik tat es und erläuterte sie mit kurzen Worten.

Danke," sagte Wallion und drückte ihm warm die ^ond.Also auf Wiedersehen! Ich werde bald körn­en, aber vielleicht wie ein Dieb in der Nacht."

Zorn.

I.

2Us Erik in Jägarö an Land stieg, tarn Märta ihm freudig erleichterter Miene entgegen. Es schien fast, 15 ob ste gefürchtet hätte, er würde nicht zurückkehren.

Hast du Herrn Wallion getroffen?" fragte sie.

Ja, und ich habe ihm alles erzählt," stieß er heftig hervor, denn er hatte unterwegs reichlich Zeit gehabt, sich die ganze Sache zu überlegen, und befand sich in einem Zustand kalten Zorns.

Und was sagte er? Nur ein paar Worte, Erik."

Er will versuchen, mir zu helfen. Er kommt her. Aber du ahnst nicht, was er"

Pst!" flüsterte sie,die Leute von Hamra sind hier." Und schon ertönte aus dem Garten Draken- borchs sonore Stimme. Er saß neben Reynold unter der Linde, und ihnen gegenüber Cott und Dolores,

Ah, da bist du also, mein Junge!" rief Reynold erfreut. Ich erzähle unfern Freunden eben von unferm Plan. Was meint die Taucherfirma denn dazu?"

Ewald Seburg interessiert sich für die Sache und schickt uns seine Leute, sobald ich ihn benachrichtige," erwiderte Erik.

Weshalb hast du es nicht gleich abgemacht?"

Ich wollte erst mit dir beraten. Wir können seine Berechnung ja nachher durchsehen." Der Wink war zu deutlich, als daß selbst Drakenborch ihn ignorieren konnte.

Ja, die Sache ist interessant," bemerkte er, indem er sich schwerfällig erhob.Was meinen Sie dazu, Colt?"

Da ich die Beschaffenheit des Meerbodens nicht kenne, habe ich kein Urteil darüber," lautete die kühle Antwort.

Run, ich wünsche Ihnen glänzenden Erfolg!" sagte Drakenborch und reichte Reynold die Hand zum Ab­schied.

Märta und Reynold begleiteten die Gäste bis zur Brücke, und Erik hörte den Kubaner noch fragen:Aber bei unserer verabredeten Seance bleibt es doch?"

Gewiß, dazu bin ich gern bereit," erwiderte Rey­nold, und bann verloren sich die Stimmen in der Ferne.

Colt war zurückgeblieben und betrachtete Erik for­schend.

Was hast du eigentlich sonst noch in Stockholm ge­macht?" fragte er jetzt rasch und leise.

Erik steckte beide Hände in die Taschen.Darüber bin ich dir keine Auskunft schuldig," erwiderte er kalt.

Du bist irgendwie verändert," murmelte der andere, und dein Eigensinn und Mangel an Logik bedeuten für mich zur Zeit eine gewisse Gefahr. Nicht als ob ich

Zeit die Vermutung, daß diese Insel gewisse Aufschlüsse über Herkunft des geheimnisvollen Volkes der Etrusker zu geben vermöge. Und zwar einmal auf Grund einer Stelle im Herodvt, der Lemnos als noch zu feiner Zeit von Pelasgern und Tyrrhenern bewohnt, bezeichnet, dann vor allem, feit man vor einigen Jahren auf ei­nen bemerkenswerten Grabstein aus dem sechsten Jahr­hundert vor Christus gestoßen ist, mit einer Inschrift in griechischen Lettern, aber in einer völlig unbekannten Sprache. Rach eingehender Prüfung ist man sich heute darüber einig, daß es sich dabei um eine sowohl den. Lydischen als auch dem Etruskischen verwandte Mund­art handelt. Die italienischen Gelehrten haben nun auf einer uralten Begräbnisstelle aus dem neunten Jahrhundert v. Chr also der Zeit, in der die Wan­derung der Etrusker von Kleinasien nach Italien statt- gesunden haben soll einige höchst ungewöhnliche Funde gemacht. Darunter einigeIdole" aus Terra­kotta, zylinderförmig und mit spiralförmigen Verzie­rungen, die, zumal in der Art, wie das Gesicht wie- öergegeben ist, durchaus an früh-etruskische Frauenge-

ftnlten aus Terrakotta erinnern, andererseits aber ganz offensichtlich zu den aus Anatolien bekannten Fi­guren ähnlicher Art gehören. Auch einige Goldzierat« in einer Bearbeitung, die man aus Lydien wie Ctrn« rien kennt, weisen darauf hin, daß zwischen den Be» wohnern beider Länder enge Zusammenhänge bestan­den und daß die Etrusker auf ihrer Wanderung ihren Weg über Lemnos genommen haben müssen Wenn die Grabstätten daneben auch noch Töpferarbeiten thrakischer Herkunft enthielten, fo erklärt sich dies leicht durch die Tatsache, daß wie wir wissen. Lemnos zeit- weise eine gemischte Bevölkerung besaß von der ein Teil thrakischen Stämmen angehörte, von denen eben auch Spuren auf die Nachwelt gekommen sind.

Die erwähnten Entdeckungen stellen nur einen klei­nen, wenn auch den bemerkenswertesten Teil der Funds der letzten Zeit auf griechischem Boden dar, der schon so außerordentlich zur Bereicherung unserer Kultur beigetragen hat, aber für die Archäologen noch unge» ahnte Schätze in noch gar nicht abzusehenden Mengen in seinem Schoße bereit halten dürfte.

Interessante Buch-Kuriosa.

Von Charlotte M. L o b e r o - Berlin.

Er soll Dein Herr sein." Gewichtig und besehlend stand es da, mit großen roten und grünen und golde­nen Lettern. Aber Frau Magdalena, die ehrsame Gat­tin des Buchdruckers Hieronymus, ärgerte sich. Und da Merger schlecht bekommt, Schadenfreude jedoch mit­nichten, so stand sie in der Nacht, während der Ehe­gemahl den Schlaf des Gerechten schlief, leise und heimlich auf, ging an den Letternkaften in der Werkstatt und mad)te aus dem Herrn einen Narren. Und diesem Streich einer kecken Eva verdankt eine der berühmtesten Bibeln ihren Ruhm und ihren Namen.Er soll Dem Narr sein." Die Göttinger Universität ist sehr stolz auf das in ihren Händen befindliche Exemplar der .Narrenbibel". Denn deren Gesamtausgabe wurde nach Entdeckung des Fehlers sofort vernichtet. Es blieben nur wenige Exemplare erhalten. Wieweit die ehrsame, aber streitlustige Frau Magdalena für ihren Streich bestraft wurde, davon berichten die Chro­niken nichts ...

Die alte, ehrwürdige Narrenbibel hat mancherlei gleich ober weniger wertvolle Genossen, was die Sel­tenheit anbelangt. So schuf die menschliche Eigenschaft, die Phantasie oft in den merkwürdigsten und wunder­lichsten Dingen nustoben zu lassen, um die Mitte des 17. Jahrhunderts eine alle Wissensgebiete umfassende Büchersammlung, die an Winzigkeit ihresgleichen sucht. Das größte unter denBüchern" maß 40:50 Millimeter, während das kleinste nur 12:14 Millimeter aufwies. Viele von ihnen, die man mit bloßem Auge natürlich nicht lesen konnte, waren nicht gedruckt, sondern ge­stochen. Ein im Jahre 1674 in Holland herausgekorn- menesBlumenbüchlein" wies nur eine Blattgröße von 10:13 Millimeter auf. Als bibliophile Seltenheit wird ferner die im Jahre 1610 gedruckte Miniaturaus­gabe der Gedichte des englischen Dichters John Wee- vre gewertet. Sie mißt ebenfalls nur 4:4 Zentimeter.

Diesen Zwergen unter den Buchraritäten stehen je­doch ebensolche Riesen gegenüber, mit dem Unterschied allerdings, daß derlei Geschmacklosigkeiten unserer Zett Vorbehalten blieben. Erwähnt sei hier ein technisches Werk, das ein amerikanischer Ingenieur vor kurzem baute". DasBuch" ist drei Meter hoch, einen Me­ter dick und wiegt 250 Zentner. Seine Blätter und Umschlagseiten können nur mit Hilfe elektrischer Kraft bewegt werden. Ein ähnliches Monstrum, eine Ko­ran-Ausgabe, in London herausgekommen, ist so schwer, daß. will man es ren der Stelle bewegen, allein die Kräfte von zwei besonders starken Männern erfor­derlich sind.

Die großen Sammelwerke des Mittelalters und des Altertums zeichnen sich durch die Vielzahl ihrer Bände aus. Den Rekord schlägt hier China mit einem lite­rarischen und wissenschaftlichen Sammelwerk, mit des­sen Ausgabe man im 14. Jahrhundert begann. Nach 104 Jahren wurde es vollendet und bestand aus nahe­

zu 23 000 Teilen, die in 11000 Einzelbänden vereinig» waren. Diese? an Seltenheit woh. ' "'m zu übertref­fende Werk wurde handschriftlich in zwei Exemplaren hergestellt, die beide noch vorhanden sind. Don ähnli­chen, besonders großen Sammelwerken der Neuzeit fei der im Auftrage des Kongresses der Vereinigten Staa­ten bearbeitete amtliche Bericht über den amerikanischen Bürgerkrieg erwähnt. Er umfaßt 130 je 1000 Seiten starke Bände.

Seltsam und mehr als merkwürdig muten un« heutige Menschen auch dieKnoiengesetzbücher" der al­ten Inkas in Peru an. Worte und Buchstaben ihrer Ge­setzesschrift bestanden nicht aus Zeichen, die man nieder- schrieb, sondern aus verschiedenartigen, nach einem be­stimmten System geknüpften Knoten. Für jedes neue Gesetz knüpfte man einen neuen Knoten, und so wuchs dieses merkwürdigste aller Gesetzbücher im Laufe der Zeit zu ganz beträchillcher Schwere an.

Rein literarischen und kulturhistorischen Seltenheits- wert haben heute die Erstausgaben der Werke berühm­ter Männer aus früheren Jahrhunderten. Erinnert fei hier nur an die kostbaren Erstausgaben der Werke Goethes und anderer, noch früherer Größen. So wird heute die Erstausgabe des Dickensfchen RomansDie Pickwickier" mit 25 000 bis 30 000 Mark bezahlt. Der Roman erschien zuerst in einfachen, broschierten Liefe- rungen. Zehn ober zwölf Exemplare dieser Hefte blie­ben erhalten. Kostbar und selten hinsichtlich des zum Bucheinband verwandten Materials sind dagegen wie­derum die Bücher, die der Herzog Albrecht von Preu- ßen in den Jahren 1540 bis 1560 für feine Gemahlm anfertigen ließ: Zwanzig große, schwere Folianten in den herrlichsten Einbänden aus massivem, getriebenem Silber.

Schweigen, heb an, und nun schreibt die Worte. Dieser Vers des Kallimachos erinnert an die Schreib- ffuben des alten Roms und Griechenlands. Die heu­tig« Buchform hatte man damals bekanntlich noch nicht, nur die Niederschrift der Dichter- und Philosophen­werke auf Pergamentrollen. Das Schreiben selb.t wurde zumeist von kundigen Sklaven nach Diktat be­sorgt. Die eigentliche Heimat dieser Schreibrollen ist allerdings nicht Rom und nicht Griechenland, sondern das alte Aegypten, dessen mehr als fünf Jahrtausends alte kostbare Papyrus- und Pergamentrollen immer noch eine Fundgrube ersten Ranges für die forschende Wissenschaft bilden.

Fälschungen alter Ausgaben freilich, wie sie bereits die späte Antike kannte, gab es im alten Aegypten noch

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irgendwelche Furcht hegte! Aber ich warne dich warne dich ernstlich, vielleicht zum letztenmale."

O, gewarnt bin Ich zur Genüge durch das Vorge- sallene."

Um so besser! Deine kindlichen Unternehmungen be­lustigen mich nur. Tust du aber etwas, was mir nicht paßt, ober meine Pläne behindert, so werde ich mich mit allen Mitteln wehren, die mir zu Gebote stehen. Habe ich mich deutlich ausgedrückt?"

Vollkommen. Wir sind zu einem idealen Einver­ständnis gelangt. Ich will dich nicht länger aufhalten. Deine Freunde warten."

Eine Stunde später war Erik mit seinem Vater über­eingekommen, daß er am nächsten Tage nach Furusund segeln und telephonisch mit der Taucherfirma adschließen sollte.

Was redete Drakenborch vorhin von einer Ver­abredung, Vater?" fragte Erik, als die Sache abgemacht war.

Wir haben beschlossen, morgen noch eine Seance abzuhatten," erwiderte Reynold, ohne ihn anzusehen.

In der Kajüte?"

Nein, auf Hamra." Er klopfte seinen Sohn leicht auf die Schulter und ging ins Haus.

Nun konnte Erik sich endlich mit Märta aussprechen und erzählte ihr aufs eingehendste von feiner Unter­redung mit Wallion, bis der 2lbenb vollends hereinbrach. Warum sagst du gar nichts?" flüsterte er schließlich.

Es. ist schlimmer, als wir dachten, Erik. Und doch ich bin eigentlich nicht überrascht. Mir ist. als ob ich es unbewußt die ganze Zeit über gewußt hätte."

Mir geht es ebenso. Colt und Genossen haben offen­bar irgend etwas gegen uns vor, wenn ich nur begriffe, was? Bilden sie sich etwa ein, die Rennoldsche Mil­liarde erschleichen zu können? Dazu ist Colt dach allzu gerieben. Ach, wenn Wallion doch bald tarne!"

Er wird nicht lange auf sich warten lassen."

Aber wie sollen wirs nur fertig bringen, mit die­sen Leuten zusammenzutreffen, ohne uns zu verraten?"

Das nrüffen wir eben," sagte Märta.

Gegen elf Uhr ging Erik zu Bett. Sein Herz war voller Zorn, und er schlief unruhig, aber fest.

II.

Die Uhr in der Halle schlug zwölf.

Da richtete sich Erik im Bett auf. Seine Augen waren weit geöffnet, er blickte starr geradeaus, und es war, als ob er irgendeinen fernen Laut vernähme. Dennoch war die Nacht vollkommen still, und kein normales Gehör hätte werten können, daß sich im Hause irgend etwas regte.

Nachdem er eine Weile so gesessen hatte, stand er auf und begann sich anzukleiden. Wenn ein Zuschauer zur Stelle gewesen märe, würde dieser sein Benehmen sicherlich spukhaft gefunden haben. Mit automatenhafter Sorgsamkeit legte er ein Kleidungsstück nach dem andern an. Die braunen Schuhe hielt er einige Sekunden lang in der Hand, als ob er überlegte, ging bann hin und vertauschte sie mit einem Paar alter Turnschuhe mit Gummisohlen. Er stand norm Spiegel und band seine Krawatte alles im Dunklen. Und wenn besagter Zuschauer ein Licht vor seine Augen gehalten hätte, würde er teine Bewegung seiner Pupillen gewahrt haben. Erik schlief.

Jetzt ging er auf die Tür zu, öffnete sie lautlos und stand auf der Schwelle zur Halle. Auch diesmal schien er nicht zu sehen, sondern nur zu lauschen

War es möglich, baß sein Unterbewußtsein unab­hängig vom tärgerlichen Schlaf auf irgend etwas reagierte, was nicht ins Haus gehörte un-t sich doch da­rinnen befand? Sein Gehörsinn tonnte kaum bas sehr schwache Geräusch vernommen haben, bas einen Augen» blick in ber Bibliothek ertönt war ein Geräusch, das nicht einmal Märta tu wecken vermocht-, obwohl nur eine einzige Tür >r Zimmer von ^ym Ursprung trennte.

Erik betrat die Halle und blieb dort abermals stehen. Es war, als ob seine Bewegungen durch Anregungen au» der Tiefe des Bewußtseins bedingt würden. Er runzelte die Stirn und richtet: den Blick auf bas andere Ende der Halle: Die Tür nach dem inneren Hof stand offen.

Er ging auf die Tür zu, die in ber Nacht nickst ! offen sein dürfen, Sie zog ihn unwiderstehlich ar t mitten vor der Bibliothek blieb er stehen.

Auch diese stand offen. Er wich im rechten Winkel von seiner Richtung ab und betrat die Bibliothek. Ir­gend etwas Dunkles wuchs gleichsam aus dem Boden empor und warf sich hinter eine Gardine. Mehr sahen