gefdjefjen; für den detaillierten zieht sich das Handwerk ein Pfuschertum schlimm- ster Art groß. Leider kommt es öfters vor, daß
Ausbau und die Aus
lange die Menschen verschieden sind, solange werden ihre Lebensweise und die durch sie bedingten Bedürfnisse s?ch ändern. Die individuelle Bedürfnisbefriedigung ist dem Handwerk vorbehalten. Hier muß es mit Rat und Tat dem Kunden zur Seite stehen.
Auf die, Dauer kann jedoch das Handwerk sich nur behaupten und zu größerer Blüte gelangen, wenn seine Arbeit, seine Lei st ungen für es werben. Die Massenwerbung dieser Woche muß bei dem alten und neuen Kundenkreis durS Qualitätsarbeit verankert werden. Es ist zu hoffen, daß mit allem Ernst sich die einzelnen Handwerksmeister dieser ihrer Pflicht bewußt sind, soll die Handwerkswoche nicht zu einem Fehlschlag werden.
Qualitätsarbeit läßt sich nur mit guten Arbeitern erzielen. Darum sorgfältig st eAus- wahl der Lehrlinge. Das Arbeitsamt gelt den Meistern an die Hand. Aus der großen Zahl der Arbeitsuchenden schlägt es den nach seiner Meinung bestgeeigneten vor. Die Berufsanwärter find vom Arzt untersucht, die Schule hat neben dem Zeugnis noch ihr Urteil abgegeben. Aus der persönlichen Rücksprache gewinnt der Berufsberater ein Bild des Jugendlichen, das durch eine Eignungsprüfung noch geklärt wird. Für den Jugendlichen, der geeignet ist, sucht er dann die geeignete Lehrstelle. Junge und Meister müssen Lern- und Lehrbefähigung und Lern- und Lehrwillen mitbringen. Nur wenn
feine Grenzen (man denke nur an Plastiken kirchlicher oder profaner Art, an die unbegrenzten Möglichkeiten hinsichtlich der Blumen- und Grünbe-
ner ober anderer Vorschläge kann grundlegend mit wenigen Mitteln <
Blick von der Schloßterrasse über Paulusallee auf den Domplatz in Fulda.
Nach dem Haarmann'schen Plan. ,
ein Geselle, der als Geselle keine Arbeit mehr bekommt, sich selbständig macht, während er besser noch einmal in die Lehre ging. Am Borwärts- kommen jedes brauchbaren Gesellen dagegen hat auch der Meister Freude, weil nur so eine F3r- derung des Berufsstandes erreicht werden kann.
Liese Lorckvsfttzinigkn wrifwtbeit sind, kst Ge- währ gegeben, für das Handwerk brauchbaren Nachwuchs zu gewinnen. Bei Außerachtlasien
sorLerri vftrmeyr rlne des ztr? tzr
ordneten Form ist. Die Ausführung mei
„Maßstab rechts snS von Lr vAWelachf« vertieft gelegene Wasserbecken als Ermne- rung an die Waides und ein Kranz von sehr einfach gestalteten Beleuchtungsträgern. Die unterste Fläche kann selbstverständlich noch durch geeignete Pflasterung in seiner Wirkung verstärkt werden. Die Bäume entlang der Mauer vor St. Michael müssen unweigerlich fallen. Ebenso die schreckliche Rampe an dieser Seite. Dafür könnte die Brüstung in schmiegsamer Kurve bis an dir Schloßgartenachse herangeführt werden und dadurch die „Fassung" des Platze- unterstützt werden. Zur Abstützung der an der Kastanienallee sich selbsttätig ergebenden Terrasierungsböschungen müßte hier eine sich abtreppende Bvschungsmauer errichtet werden, die sich in der südöstlichen Ecke des Platzes ebenfalls biegsam zur „Domachse" hinwendet. Etwa sechs dieser Achse im Wege stehende große Bäume am Anfänge der Pauluspromenade müßten entfernt werden, um gerade die dem Barock eigene Stimmung von freiheitlicher Großzügigkeit aller Bauanlagen aufkommen zu lassen.
Möge nun der Leser diesen Gedanken mit Neigung oder Widerstand gefolgt sein, ich hoffe doch etwas dazu beigetragen zu haben, daß nun auch andere Lust empfinden werden, sich mit diesem für Fulda so wichtigen Problem auseinanderzusetzen, das nicht in erster Linie eine Frage des Geldes,
Pflanzung und endlich an Beleuchlungseffekte vom Sachlichsten bis zum Märchenhaftesten hin!) Erst die Platzgestaltung kann zeigen, daß auch die Fuldaer sich des Wertes bewußt geworden sind, den der Dom einerseits „als eine Art Nationalheiligtum für das christliche Germanien" (Richter) und andererseits als „einer der edelsten Bauten" (Gurlitt) des Barocks überhaupt für die gesamte geistig eingestellte Wett bedeutet.
Die hier abgedruckten Skizzen stellen lediglich rohe Anhaltspunkte dar. Zu einer genaueren Durcharbeitung fehlen mir die lediglich den Behörden zugänglichen Planunterlagen und Hilss- arbeiten.
Die beiden Pläne werden m den Fachkreisen, aber auch in der gesamten Fuldaer Bevölkerung zweifellos lebhaftes Interesse Hervorrufen und hoffentlich den Anstoß zur praktischen Inangriffnahme der Verbesserung des Domplatzes geben.
Die Handwerksmeister haben denn auch ein- pesehen, wie notwendig die Inanspruchnahme der Berufsberatung beim Arbeitsamt «st. Doch bedienen sie sich noch nicht restlos be: Einstellung von Gesellen des Arbeitsamtes. Und doch liegt auch aus berufspolitischen Gründen die Inanspruchnahme nahe. Das Arbeitsamt kennt aus langen Erfahrungen Arbeitsuchende und Betriebe, es will zur beiderseitigen Zufriedenheit den richtigen Platz bringen. Und es kann es. Das beweist die steigende Inanspruchnahme. Das Handwerk finanziert diese Einrichtung mit, warum sollte es sich ihrer nicht bedienen? Auch eine Bekämpfung der Schwarzarbeit ist so am leichtesten möglich, woran ja das Handwerk ein erhebliches Interesse hat.
Wir wünschen, daß die Handwerkswoche ein voller Erfolg wird. Daran hat auch das Arbeitsamt und die Allgemeinheit ein großes Interesse Denn in Zeiten der Rationalisierung, der Ersetzung der menschlichen Arbeitskraft durch maschinelle Energien verdienen im Hinblick auf die Arbeitslosen, die vor den Betriebswerkstätten stehen, die arbeitsintensiven Betriebe des Handwerks allseitige Förderung. Ro.
Handwerk und Ardeiksamk.
Vom Arbeitsamt Fulda wird uns geschrieben:
In Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs setzen naturgemäß die Bestrebungen aller Wirtschaftszweige ein, die Auswirkungen der Krise möglichst von sich abzu wehren. Hier ist das Handwerk in der glücklichen Lage, volkswirtschaftliche und be- rufsständifche Belange berechtigt in den Vordergrund zu stellen. Nicht um den Nachweis feiner Berechtigung braucht es zu kämpfen, sondern um feine Stärkung, die staatspolitisch eine Notwendigkeit und volkswirtschaftlich zweckmäßig erscheint.
Auf die staatspolitischen Aufgaben des Handwerks gerade in der heutigen Zeit einzugehen, mag dem Handwerk selbst Vorbehalten bleiben. Hierüber sind in der letzten Zeit gute und kluge Worte gesprochen worden. Volkswirtschaf t- l i ch gesehen ist das Handwerk der Produktionszweig, der individuell den Kunden bedienen will und soll, der uns davor bewahren soll, uniformiert zu werden. Die moderne Volkswirtschaft mit ihrer spezialisierten Arbeitsteilung hat nicht vermocht, das Handwerk zum Erliegen zu bringen. Gewiß sind einzelne Handwerkszweige aus- gestorben, dafür entstehen aber im immerwährenden Wandel der Wirtschaft neue Arten handwerksmäßiger Betätigung. Die Bedürfnisse des Men- !chen treten in wechselnder Mannigfaltigkeit auf und lassen sich nicht auf einen Typ bringen. So-
Personennachrichten.
Dem Medizinal - Assessor Dr. Aloys Hohmann, Sohn des hiesigen Oberrealschullehrers i. R. Am. Hohmann und früher als praft. Arzt fit Fulda tätig, wurde unter Ernennung zum Medizinalrat die Kreisarztstelle für den Stadt- und Landkreis Gleiwitz (O.-Schl.) übertragen.
Höhere Fachschule für Frauenberufe.
Dis Verhandlungen über die Errichtung einer Höheren Fachschule für Frauenberufe am Institut St. Marias der Englischen Fräulein sind nunmehr zum Abschluß gekommen. Es wird also an Ostern 1931 die erste Klasse eingerichtet. Um die interes- sierten Kreise mit den Zielen, der Einrichtung und den Berechtigungen der Höheren Fachschule bekannt zu machen, wird am Dienstag, 24. März, abends um 8 Uhr im Institut St. Mariae ein aufklärender Vortrag gehalten. Es ist von großer Wichtigkeit, daß dieser Schultyp, bet in Zukunft von größter Bedeutung für die Ausbildung der weiblichen Jugend ist, in unserer Vaterstadt eingerichtet wird. Das Interesse der Elternschaft kann dabei nicht fehlen.
Ihren Verletzungen erlegen
ist am Freitagmorgen die 82 jährige Frau Sophie Herbert aus Neuenberg, die, wie berichtet, am vergangenen Mittwoch am Domplatz verunglückte. Gechilfinnen-Prüfung für das Putzmacher-Gewerbe fimdet am 22. April 1931 im Stadtschloß in Fulda statt, und zwar für die Kreise Fulda, Hünfeld, He.rsfe.ld und Gersfeld. Tie Prüflinge.haben die erforderftchen, Prüfungspapiere bis Ende März 31 an den Vorsitzenden der Kommission, Schneidermeister Fritz Bolender in Fulda, Gemüsemarkt 6, einzureichen. ■
Die Schwere der Beleidigung.
Von einem Leser wird uns geschrieben:
Ihre Zurückweisung der empörenden Attion, die am St. Josephstag in der Nähe der katholischen Kirchen durch die Verbreitung der Schmähschrift gegen Papst Pius X. unternommen worden ist, war sehr am Platze. Um die Vorwürfe recht zu würdigen, die in dem Flugblatt dem Träger der Päpstlichen Kröne gemacht werden und die ihn als „Kriegstreiber", ja als Hauptverantwortlichen am Weltkrieg erscheinen lassen wollen, muß man sich klar werden, daß gerade die nationalistischen Kreise in Deutschland in dem Vorwurf, den Krieg verschuldet zu haben, das allerschlimmste sehen, was denkbar ist. Soll dock schon die theoretische Unterstellung, Deutschland könne am Ausbruch des Weltkriegs eine Mitschuld fragen, im Dritten Reich mit den schwersten Leibesstrafen geahndet werden. Schon immer hat der Vorwurf, Deutschland habe den Krieg entfesselt, in nationalistischen Kreisen Entrüstung hervorriefen. Deshalb ist der aus nationalistischen Kreisen gegen den Papst
)K
Ke richtete Vörwurr, dieser habe den e>v;a. q eIt'<$eine besonders schwere Sticht» Zur Kriegsschuldfrage leistet dendorffs Angriff auf den 'Papst Pius X^P neu ernsthaften B e i tra g. ^Wer hV ‘ Urage seine Aufmerksamkeit schenken rwu u- o. °uch °uf die Memoiren £ Hb langjährigen deutschen Reick?» " lers Fürst v. Bülow verwiesen'$Vn?? u 3t»ar auch nicht in allem die reine ?Babrheif £ ftnfeen, aber es eröffnen sich doch man«? blicke, die klarere Blicke in die v*
Krieg-Entstehung zulassen, als ^änhn Schmähblatt gegen Papst Pius X 9hir S tereffante Stelle aus Bülows Lebenserinn-?? m* fei hier erwähnt. Bülow ging 1915 im
Kaisers nach Rom, um Italien von bem übe? tritt zur Entente im letzten Augenblick len. Sei Mef,r ®et,fkmSTrtÄt »Vrau auch der Koniain-Mutter Maraberii? die Bülows nabe standen, einrn Ä 5? "Bevor die Königin Margherita die Audien? aub hob" so schre bt Bülow, „nahm sie meÄ? wr Seite, mit der sie seit ihrer Jugend ena h. freundet war. Sie sagte zu ihr: Saa» Wahrheit, Maria, ihr habt den Kriea wollt!' Meine Frau erwiderte, sft könn, allem, was ihr heilig wäre, schwören, daß meber der Kaiser noch das deutsche Volk den Kriea oe. wollt hatten. /Dann’, erwiderte die Könia?n ^flnd die deutschen Diplomaten uVh M i n i st e r, die im Sommer 1914 im Amt?wa. rcn die größten Esel, die je die Wel» gesehen hat'." e "a5eIt
Die Aeußerung beweist mm mindesten dost man für den Ausbruch des Weltkrieges nicht un. bedingt in einem Papst, in einem Frieden-, pa p st. den Schuldigen des Weltkrieges fu. chen muß. Sapienti Tat!
Gesellenprüfung der Metzger-Innung Aulda-Lanb.
Die Gesellenprüfung wird in der Woche nach Ostern ftattfinden. Prüflinge, die sich derselben unterziehen wollen, werden ausgefordert, ihr Ke- such um Zulassung bis zum 28. März 1931 beim Obermeister, Herrn Ferdinand Grauer, Eichenzell einzureichen. '
Sttllequng der krätzmühle.
Von Arbsrtnehmerseite des Textil'-Geweik. b s s wird uns geschrieben:
Bekanntlich ist die Filzfabrik Krätzmühle em Tochterbetrieb der Bereinigten Filzfabriken A -E G:e>ngen-Br. Wie in Nr. 64 der Fuldaer Zeitung berichtet wurde, hat diese Gesellschaft trotz den gro- ßen Schwierigkeiten in unserem Wirtschaftsleben auch im vergangenen Jahr wieder mit erheblichem Gewinn abgeschnitten. Für die Vorzugsaktien kom- men aus diesem Gewinn 7 Proz., für die Stamm- aftt&n 4 Proz. Dividende zur Verteilung. Trotz diesem günstigen Abschluß grassiert auch im Kon- jem der Vereinigten Filzfabriken die Rationali- sierungs-Seuche immer noch weiter. Gerade für Fulda wirft sich diese außerordentlich Verhängnis- voll aus, denn ab 28. März soll der hiesige Betrieb des Konzerns, die Krätzmühle, völlig still- gelegt werden. Obwohl der Zentralverband christl. Textilarhefter, der Betriebsrat des Werkes und verschiedene andere Instanzen sich für Vie Weiterführung des Betriebes stärkstens ein- setzten, sind die Vorbereitungen zur Stillegung bereits getroffen. Die verhängnisvolle Nationali- sierungspolitik der Konzerne fordert eine weiteres Dpfer, nachdem ihr bereits die Wollgarnfabrik in Fulda anheimgefallen ist. Das ist um so bebauet« fieber, weil bald die Hälfte der Fuldaer Textilbetriebe still liegt. Leider gibt es gegenwärtig noch keine gesetzliche Handhabe, um diese Stillegungen zu verhindern. Eine Verschärfung der SM- le.gungsverordnung wird jedoch hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Sir ist vor allem für die Erhaltung der kleineren Betriebe in mehr landwirtschaftlich eingestellten Gegenden unbedingt notwendig. Schon allzuviel dieser Arbeitsstätten sind geschlossen worden zugunsten einiger Großbetriebe einflußreicher Konzerne.
— Julöaet Geschichtsverein. Am Mittwoch, den 25. März, 20*4 Uhr, findet der 1. Vortragsabend im neuen Vereinsjahre statt. Herr Oberbaurat Schwarz wird ein allgemein interesfierendesThema behandeln, und zwar wird er über „Die Regeln des alten deutschen Städtebaues mit besonderer Berücksichtigung von Fulda" sprechen und entsprechende Lichtbilder zur Vorführung bringen. Die Veranstaltung wird deshalb auch im Hochzeitszimmer des Bürgervereins stattfinden. Jedermann ist herzlichst eingeladen.
= Familien-Rachrichten. Am 22. März 1931 begeht Frau Katharina Heun in körperlicher und geistiger Frische ihren 8 0. Geburtstag. Sie liest noch jeden Tag mit Interesse die Fuldaer Zeitung.
Vom Buch und vom Lesen.
Eine kleine Plauderei.
Als Kampftag für das gute, gediegene, werthaste Buch wird bei uns. in Deutschland seit drei Jahren am 22. März, dem Todestage unseres Goethe, der „Tag des Buches" veranstaltet. Heber diese zunächst rein äußere Einrichtung kann man verschiedener Meinung sein; jedoch sollten alle in der Zeit Lebenden und wirklich Schaffenden die' nun einmal gegebene Gelegenheit benutzen und mithin, eine Atmosphäre zu schaffen im breiten Publikum für das wertvolle Schrifttum, wie es im ersten anregenden Aufruf vor drei Jahren hieß, und dem Volk auch in unserer so schnellebigen Zeit die unvergänglichen Schätze alter und neuer Literatur nahezubringen.
Literatur, Buch, Lesen! — Warum überhaupt Bücher lesen? Hat das denn einen Sinn? Heißt das nicht: Nagen an fremdem Geist, Hamstern von fremdem Geist? Und das ist doch gerade kein Zeichen eigenen Geistes!
So spricht der oberflächliche Beurteiler, der die Macht, die geheimnisvolle Macht des Buches noch nicht empfand, weil er noch nicht den Mut aufbrachte, sich mit ihm auseinanderzusetzen. So sprechen allenfalls und mit Recht die wenigen, die, wie Walter Hofmann, der verdienstvolle Leiter der Deutschen Zentralstelle für volkstümliches Büchereiwesen in Leipzig, einmal sagte, „die für den Aufbau und die Führung ihres Lebens des Buches nicht bedürfen; und nicht brauchen das die schlechtesten zu sein; man kann schon Menschen, tüchttge Menschen, feine Menschen, ja prachtvolle Menschen, geformte Menschen finden, die mach ihrer Schulzeit wohl kaum jemals ein Buch in die Hand genommen haben".
Von diesen Menschen sprechen wir hier nicht; ihre Zahl ist gering, sehr gering. Aber den vielen, vielen andern gilt das Wort der unsichtbaren Stimme an Augu- flinus: Nimm und lies!
Nimm und lies! Freilich nicht jeden Schmarren, der dir unter die Finger kommt, nicht jeden Wälzer, den man dir irgendwie zuschiebt, nicht jedes Druckerzeugnis, über das man auf den Straßen und Gassen des Lebens heute immer wieder fällt. Wir lesen doch nicht um des Lesens willen, nur um gelesen zu haben ober um die Zeit nur so tot zu schlagen; wir lesen auch nicht um der Literatur willen oder um der Schriftsteller willen, wir
lesen um unsertwillen, um unserer Seele und ihrer Formung willen, und deshalb lesen wir mit Maß und Bedacht und nur das werthaste und werthaltige Buch.
Dieses werthaste Buch ist in Gefahr und Not, ist doppelt bedroht; zunächst durch die Veräußerlichung des Daseins, durch das, was man die Amerikanisierung unseres Kulturlebens nennt. Unsere Zeit hat den Sinn für die Harmonie von Geist und Körper verloren, liebt die Körpergewaltigen und hat Freude an straffen Muskeln und zähen Nerven und macht gern in Athletenvergötterung und sinnlicher Körperschau; sie glaubt in einseitiger Betonung des Sportes und einer übertriebenen Körperpflege auf geistige Werte verzichten zu dürfen, und begnügt sich mit einer minderwertigen, oberflächlichen Kost in den sensationslüsternen Illustrierten und Magazinen; sie ist zufrieden mit dem Zuckerwasser und dem Limonadensaft der neuesten Schlager, zu denen man einer flüchtigen Durchsicht wegen noch greift, um in Gesellschaft doch noch mitreden zu können, und hat Ersatz im Kino, das den Inhalt des Buches auf der Leinwand sich abwickeln läßt, mit wenigen verbindenden Schlagzeilen ober mit entsprechend ausgewählten Worten und Texten im Tonfilm, und hat Ersatz im Radio, bas so bequem über bie „gangbaren" Bücher sich ausläßt, so baß man „informiert" ist. Nun sind diese Formen technisierter Kunst sicherlich nicht geschworene Gegner und Feinde des guten Buches: und es liegt auch gar nicht in unserer Absicht, ihre Daseinsberechtigung irgendibie irr Frage zu stellen. Denn schließlich ist der Mensch doch noch Herr seiner Dinge und seines Wollens. Und die eigentliche Gefahr für das Buch liegt weniger in diesen Dingen als im Menschen selbst, im Menschen der Zeit, der bei der Unraft des Lebens und dem Hasten und Jagen und Treiben des Daseins nicht mehr die Zeit zur Muse findet (er hat immer „keine Zeit"), und der nicht mehr die Fähigkeit auf bringt zu einer Stunde stiller Sammlung in der Einsamkeit und dem Alleinsein mit einem guten Buch als einem trauten, stillen Freunde. Ja, stiller Freun d ist das gute Buch, ein Freund, den man lieb gewonnen hat, dem man sich immer wieder in Andacht und Ehrfurcht nähert, mit dem man ehrlich Zwiesprache halten und angenehm plaudern kann, von dem man im trauten Gedankenaustausch neue Anregungen erhält, durch den neue geistige Kräfte in uns ausgelöst werden. Ein Stück Seele eine^ anderen Menschen ist
es, und nicht ein beliebiges Stück, eine Seele, bie um bas Verstänbnis, um bas Bewußtsein ihrer Zeit gekämpft, die um sich und mit sich gerungen, bie ein Weltbild gestaltet hat: Ergebnis einer ganzen Lebensarbeit kann es fein. Solche Bücher sind unergründlich wie Menschenherzen unergründlich sind; man schätzt sie und hütet sie und greift immer wieder zu ihnen: eine geheimnisvolle Macht zieht uns zu ihnen hin. Wohl mag mancher sich mit einer einmaligen Lektüre begnügen; fein Verhalten beweist bann nur fein mangelndes Verständnis für den Wert des betreffenden Buches. Wir halten es mit der Dichterin Marie von Ebner-Cfchen- bach: Ein schönes Buch nicht wieder lesen, weil man es fchon gelesen hat, das ist, als ob man einen teuern Freund nicht wieder besuchen würde, weil man ihn schon kennt. Ein gutes Buch, einen guten Freund — die lernt man nicht aus. Solche Bücher wertet man und läßt sie sich auch etwas kosten. Das 2.85 Mk.-Buch ist der Lo- fungsruf auf dem Büchermärkte. Das mag mit Rücksicht auf bie geschwächte Kaufkraft angenehm und auch angebracht fein; es darf aber nicht zur Gewohnheit, nicht zur Selbstverständlichkeit werden. Die Billigkeit allein bricht dem Buch nicht bie Bahn in bie Breiten unb Weiten des Volkes.
Bedroht ist das gute, werthaltige Buch noch durch das Buch selbst, durch die Heberproduktion auf dem Buch- marfte. 30 000, neue Verlagswerke kommen alljährlich bei uns in den Handel. Das ist schon mehr Buch-Industrie für den Vertrieb auf dem Markte, ist Buch-Produktion am laufenden Bande, und wir. haben inzwischen auch schon Schriftsteller, sog. Schriftsteller, bie am laufenden Bande zu arbeiten scheinen, denen das Bücherschreiben zu einem Gewerbe, und manchmal zu einem recht schmutzigen Gewerbe geworden ist. Diese Massenproduktion ist für das Buch und den Leser in gleicher Weise verhängnisvoll. Ehemals war bie Frage: Wie gelange ich zu einem Buche? Cs war nämlich selten und kostbar, da es mit der Hand geschrieben werden mußte. Heute ist bie Frage: Wie rette ich mich vor der Bücherflut? Des wahrhaft Guten unb Echten haben mir nicht gerabe viel; das ist auch ganz erklärlich, ist selbstverständlich. Der menschliche Geist ist keine Ma- schine, unb er arbeitet auch nicht wie eine Maschine in einem rationalisierten Betriebe. Dieses wenige Gute unb Werthaste geht nur leiber fast unter in ber Flut des Mittelmäßigen unb Wertlosen, des Schundes unb des
Schmutzes; Riesenarbeit wird verlangt, will man sich hindurcharbeiten. Das vermag eigentlich niemand allein, auch nicht der größte Gelehrte, der sein ganze» Leben nur dem Studium der Bücher widmet, bas ist nur durch enge Zusammenarbeit möglich. Verantwortungsvolle Buchkritik in Presse und Zeitschrift, Schule und Volksbildung und Seelsorge, und Schriftsteller und Verleger unb Buchhandel müssen einträchtig Zusammenarbeiten, um den Leser wach zu machen für diese Zusammenhänge, um das Wertgesühl zu schärfen und dem Guten die Bahn frei zu legen; von größter Bedeutung aber ist hier die öffentliche Bücherei. Ernstes Studium und mancherlei Heberlegung ist darauf verwandt; für jeden Stand und jeden Beruf und für jedes Lebensalter das Wertvolle und Geeignete auszufondern unb bereit zu stellen. Sie find heute einfach unentbehrliche Einrichtungen für unser Kulturleben. Gewarnt werden muß allerdings vor den rein geschäftlichen Leih- unb Winkelbibliotheken.
Freund will uns das Buch fein. Doch — irgendwo geliehen, einmal gelesen unb wieder zurückgebracht, ist es uns dadurch schon zum Freunde geworden? Das war nur flüchtige Bekanntschaft. Der beglückende Wert der Freundschaft erschließt sich uns erst dann, wenn das Buch in unserem Besitz ist, wenn wir wiederholt darin lesen, oder doch behaglich darin blättern. Eine kleine Eigenbücherei, eine Hausbücherei von sechsbL zehn Büchern sollte eines jeden Ziel sein. Das lägt sich schon ermöglichen; die Groschen hierfür kann man sich bestimmt zusammensparen. Unb wer um ben We-ch bes Buche» weiß, ber wirb auch gern zu Weihnachten ober am Namenstage ober bei ähnlichen Geleg""heiten andern eine Freude mit einem Buche bereiten. Ein gehaltvolles Buch ist immer ein edles und schönes Geschenk.
„Schafft gute Bücher in das Haus! Sie strömen eigne Kräfte aus Und wirken als ein Segenshort Auf Kinder noch unb Enkel fort. Ein gutes Buch bes Hauses Segen, Sein Wert verweht nicht wie der Wind Unb wenn es wirb bein Herz bewegen, Dann liests noch Kinb und Kinbeskinb. Ein Buch, ein Bild sich stets erweist Als eines Hauses guter Geist;
Der Segen, ber ihm beigesellt, |
Sich stetig unb auch wirklich hält." —\