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Zahl,. 58.

Sonntag, 22. März 1931

Ilr. öS

gez. v. Hindenburg?

Scheuklappen

ist, daß vor der November-Revolution

sich ein

verbleibe ich Ihr ergebener

„die Sozialdemokratie habe gemeinsam mit dem Zentrum, mit dem sie in der Nationalversammlung eine Mehrheit bildete, das deutsche Volk in die Ketten von Versailles legen lassen."

Als Milderungsgrund wird angeführt. Her» mann Müller habe glauben können, „daß Deutsch­land, in der schwierigen Lage, in der es sich nach der Novemberrevolution 1918 befand, doch nicht mehr die Kraft gehabt hätte, die Unterzeichnung zu verweigern".

Solche Ausführungen setzen voraus, daß den Lesern der Kasseler Post unbekannt geblieben

tragen gewisse

kümmert aller Nachteile und Verhetzung eingesetzt. Er steht vor unserem Gedächtnis als ein Mann von stärkstem vaterländischem Handeln und wird so in dem Herzen unseres Volkes in dankbarer Er­innerung bleiben.

Zum Zeichen der Trauer wird die Sitzung auf Vorschlag des Präsidenten für kurze Zeit unter­brochen.

• Die Mitglieder der Regierung begeben sich zu den Vorstandsmitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion, um ihnen persönlich ihr Beileid auszu­sprechen.

Der Reichspräsident zum Tode Hermann MMers.

wtb. Berlin. 21. 3. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident v. Hindenburg hat an die Witws des Reichskanzlers a. D. Hermann Müller nach­folgendes Handschreiben gerichtet:

„Sehr geehrte gnädige Frau!

Die Nachricht von dem Tode Ihres Herrn! Gemahls hat mich tief betrübt, und ich bitte Sie und Ihre Töchter, zu dem schweren Verlust, der Sie getroffeu hat, den Ausdruck meines herzlichen Beileids entgegenzuneh­men. Ich werde dem Verstorbenen, dessen lau­teres Wallen und dessen treffliche Charaktereigen­schaften ich hochgeschätzt und dessen Mit­arbeit für Ueberbrückung der politi­schen Gegensätze ich stets gewürdigt habe, ein treues Gedenken bewahren.

Mit der Versicherung meiner aufrichtigen An­teilnahme und meiner ausgezeichneten Hochachtung

vük reinhalbjähriger Krieg abgespielt hat, der mit der katastrophalen Niederlage Deutsch­lands endete. In Versailles wurde von den Män­ner, die sich opferten, zwangsläufig das Fazit aus dem gezogen, was unter der Führung der Freunde der Kasseler Post über Deutschland außen­politisch hereingebrochen war. Nur fürchterlich große Scheuklappen können verhindern, daß der­jenige, der über diese Unterschrift unter den Ver­sailler Vertrag spricht, nicht an Deutschlands mili­tärische Lage im Jahre 1918=19 denkt. Wer die Schlußkämpfe des Weltkrieges von August 1918 ab miterlebt hat, der kann die Entrüstung nicht unterdrücken, wenn es von nationalistischen Leuten so dargestellt wird, als ob die Parteien, die nach dem Zusammenbruch Deutschlands die Ret­tungsarbeit in die Hand nahmen, „Deutschland in die Ketten von Versailles gelegt hätten". Sie haben das ausessen müssen, — und die deutsche Rechte war damals froh, daß es von dieser Seite geschah — was die anderen uns eingebrockt hat­ten. Der bisherige Oberste Kriegsherr war ja in Holland, und der General Ludendorff weilte in Schweden. Und nur die großzügig entwickelten Scheuklappen bewahren gewisse Leute davor, daß sie statt andere in der schmählichsten Weise zu kränken, an die eigene Brust schlagen.

VDZ. Berlin, 21. März. (Eig. Meld.) Bei Beginn der heutigen Plenarsitzung des Preußischen Land» ta g es gedachte Präsident Bartels in einem längeren Nachruf des verstorbenen Reichskanzlers a. D. Mül­ler-Franken. Alle im Saal anwesenden Abge, ordneten hatten sich zu Ehren des Verstorbenen erhoben. Die Kommunisten waren dem Saal ferngeblieben, bis auf ihr Fraktionsmitglied Steinfurth, der demonstratio sitzen blieb. Ms der Präsident seinen Nachruf beendet hatte, drangen Sozialdemokraten auf diesen kommunisti­schen Abgeordneten ein und bedrohten ihn. Schimpf­worte flogen hin und her. Schließlich spuckten die So­zialdemokraten auf den kommunistischen Abgeordneten. Präsident Bartels konnte die Ruhe bald wieder herstellen.

Das Haus beschloß dann, diesmal mit den Stimmen der Regierungsparteien, den neu einzusetzenden Theater- Untersuchungsausschuß mit 29 Mitgliedern zu beschicken und setzte hierauf die Aussprache zum Kunstabschnitt im Kultushaushall fort.

Preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag lehnte in seiner Freitags­sitzung gegen die Antragsteller einen kommunistischen An-. trag ab, der die Aufhebung des Demonstrationsverbots in Berlin und des Verbots des kommunistischen Reichs­jugendtages verlangte. Dann sollte über die Mitglieder­zahl für den auf Verlangen der Rechtsparteien einzusetzen­den Theateruntersuchungsausschuß, der vor allem die rechtlichen Verpflichtungen des Staates aus dem Verhält­nis der Volksbühne zur Kroll-Oper prüfen wird, beschlos­sen werden. Das Verlangen der Antragsteller, 29 Mit­glieder zu bestimmen, fand keine Mehrheit. Als über den Antrag der Regierungsparteien, 15 Mitglieder vorzu­sehen, ab gestimmt wurde, beteiligten sich die Rechtspar­teien nicht an der Auszählung. Das Haus war damit beschlußunsähig und die Erledigung der Frage zunächst unmöglich gemacht. In einer sofort einberufenen neuen Sitzung wurde die Aussprache zum Kultushaushall fort­gesetzt.

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Im Reichstag ging am Freitag nachmittag die Debatte über den Finanzetat weiter.

C.N.D. Berlin, 22. März. (Eig. Meld.) Von zu­ständiger Stelle werden authentische Mit­te i l u n g e n über das Ergebnis des Wiener Be­suches des Reichsaußenministers gemacht. Daraus ergibt sich, daß zwischen den Kabinetten von Ber­lin und Wien ein Protokoll über die Verhandlun­gen ausgetauscht worden ist, so daß dem Ergeb­nis dieser Besprechungen eine rechtliche bindende Form gegeben wird. Der wesentliche Inhalt erstreckt sich auf 2 Hauptpunkte:

1. auf die Bereitwilligkeit, sofort in die kon­kreten Verhandlungen über den Abschluß des Zoll- Unionvertrages einzutreten:

2. erklären sich beide Regierungen bereit, mit jedem europäischen Land, das den Wunsch dazu äußert, in Verhandlungen über eine gleichartige Regelung einzutreten. (Es wird nun also Sache der interessierten Staaten fein, diese Anregung aufzunehmen.)

In dem Protokoll sind auch bereits die W.cht- linien feftgelegt, die die Basis des Vertrages bilden sollen. Es handelt sich danach um einen Zollunionsvertrag in der vollen wirt- fchastlichen Bedeutung eines solchen Sinnes. Deutschland und Oesterreich werden einen gleich, lautenden Zolltarif und ein überein- stimmendes Zollgesetz einführen. Wenn sie in Kraft getreten sind, werden an den Außen­grenzen beider Länder dieselben Zollsätze gelten, und auch im übrigen einheitliche Zollvorschriften angewandt werden. An der Binnengrenze werden dann grundsätzlich keine Ein. und Ausfuhrzölle mehr erhoben und auch keine Ausfuhrscheine mehr bestehen. Für eine ge­wisse Uebergangszeit werden für wenige Waren Zwischenzölle vorgesehen, die in einem noch zu bestimmenden Zeitraum degressiv abgebaut wer­den. Dadurch soll der österreichischen Industrie die Möglichkeit einer Anpassung gegeben werden. Nach Schätzungen unterrichteter Kreise erstreckt sich die Zollunion aber gleich bei ihrem Inkrafttreten bereits auf mehr als 90 Prozent aller Positionen.

Für die staatsrechtliche Konstruktion der Union sind neue Wege gesucht worden. Es wird kein gemeinsames Zollparlament errichtet. Oester­reich schließt sich auch nicht einseitig einer deut­schen Führung an, sondern die handelspolitische Selbständigkeit beider Länder bleibt gewahrt mit der Maßgabe, daß beide Staaten ihre Hcmdells-

nen Partei, wie gegenüber den anderen Regie- rungsparteien um die sachliche Lösung sachlicher Aufgaben bemüht gewesen sei.

Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" betont, daß von diesem sozialdemokratischen Führer stets Bande zu allen bürgerlichen Parteien ausgingen, weil er kein engstirniger Internationalist war, sondern in schweren Augenblicken Liebe zum Va­terlands und aufrechten Nationalstolz nicht ver­leugnete.

Die „Dörsenzeitung" bezeichnet den Verstorbe­nen als ohne Zweifel zu den hervoragendsten Per­sönlichkeiten der Sozialdemokratie gehörig.

Auch die übrigen Blätter der Rechten widmen dem Verstorbenen Nachrufe, in denen sie bei aller Kritik an seiner politischen Einstellung die Per­sönlichkeit Hermann Müllers als persönlich unanfechtbar und ehrlich für seine Ue- berzeugung kämpfend würdigen, der auch der politische Gegner Hochachtung gezollt habe.

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V. D. Z. Berlin, 21. März. (Eig. Meld.) Die heutige Reichstagssltzung wurde um 12 Uhr mit einer Trauerkundge-bung für den ver­storbenen Abgeordneten Hermann Müller eingelei­tet.

Im Auftrage des Reichspräsidenten nahm Staatssekretär Dr. Meißner an der Trauersitzung teil, ebenso alle Mitglieder der Regierung: der Reichskanzler Dr. Brüning, die Minister Dietrich, Grüner, Enrtius, Wirch, Schnetzel, Schiele, von Guerard, Stegerwald, Treviranus, Staatssekretär Trendelenburg, Staatssekretär Joel sowie die Staatssekretäre Pünder, von Bülow, Zweigert und Geib und der Reichspressechef Dr. Zechlin.

Die Kommunisten fehlten ebenso wie die Deutschnatronalen und Nationalsozialisten.

Während die Anwesenden sich von den Plätzen erheben, hält dann ,

Präsident Lobe

die Gedenkrede. Er erinnert daran, daß der Ver­storbene noch vor 2 Wochen im Reichstage den parlamentarischen Arbeiten nachgegangen sei. Das Bild der Persönlichkeit des Dahingeschiedenen und seines Lebens stehe klar und rein vor jedem Auge. Er habe zu jenem engen Kreise von Menschen gehört, denen nach der politischen Umwälzung in Deutschland ein hohes Maß von Verantwortung auf die Schultern gelegt worden sei. So wenig er nach den neuen Aemtern gestrebt habe, so wenig sei er gewillt gewesen, die Verantwortung im Dienste der Allgemeinheit nicht auf sich zu nehmen. Als Mitglied der ersten zentralen Kör­perschaften der Republik hat der Verstorbene, wie der Präsident weiter hervorhebt, seine ganzen Kräfte e ingesetzt, zunächst in der Weimarer Na-

Deuksch-öslerreichische Zollunion

Bedeutsame Abmachungen. — Amtliche Mitteilung.

mit unüberwindlicher Hartnäckigkeit nationallistisch eingestellte Kreise, deren Stimmführerin in unserer hesssischen Heimat die „Kasseler P o st" ist. Aus Anlaß des Todes von Hermann Müller heißt es da: (Nr. 80):

Hermann Müller gestorben.

Reichskanzler a. D. Hermann Müller ist in der Nacht auf Samstag seinem Leiden erlegen.

Hermann Müller wurde am 18. Mai 1876 in «Mannheim als Sohn eines Brauereibesitzers ge­hren Nach Besuch der Gymnasien m Mannheim ,.nd Dresden ergriff er auf Wunsch seiner Eltern r» Kaufmannsberuf, der ihn u. a. zu einem Ian= «An Aufenhalt nach Paris führte. Im Jahrs KnS gab Hermann Müller, der sich bereits ,m Al- non 17 Jahren der Sozialdemokratischen Par- M anaeschlossen hatte, seinen Kaufmannsberuf auf M trat als Schriftleiter in dis Redaktion der Körlitzer Lolkszeitung" ein. Auf Veranlassung Kauft Bebels wurde Hermann Müller 1906 in leit Vorstand der Sozialdemokratischen Partei nack» Berlin berufen. Er vertrat in den folgenden wahren und bis nach Beendigung des Weltkrieges die deutsche Sozialdemokratie auf zahlreichen in­ternationalen Kongressen. In den Reichstag kam u erst im Jahre 1916.

Rach der Revolution war er zunächst Mitglied des Vollzugsrates, dann des Zentralrates. Im tzahre 1919 wurde er in die Weimarer National­versammlung gewähll und als Nachfolger Scheide­

vertragsverhandlungen mit anderen Ländern in Zukunft in enger Fühlungnahme untereinander führen. Diese Verhandlungen müssen sich natürlich im Rahmen der einheitlichen Zollgesetzgebung halten.

Wie in allen modernen Verträgen ist ein Schiedsgericht vorgesehen, das bei Mei­nungsverschiedenheiten über Auslegungsfragen und in den Fällen entscheidet, in denen nicht ein über­einstimmender Beschluß der beiden Regierungen bezw. Parlamente zu erzielen ist. Die Art des Schiedsgerichts wird erst noch in den kommenden Verhandlungen bestimmt werden. Der Vertrag ist fürdreiIahreunkündbar und kann bann von beiden Seiten mit einer Frist von einem Jahr gekündigt werden.

tionalversammlung. So wurde er der Mitschöpfer der neuen Verfassung. Als uns das Diktat von Versailles aufgenötigt wurde, fiel ihm die nieder­drückende Pflicht W, die Gegenzeichnung zu über­nehmen. Er nahm diese bitte re Pflicht des deutschen Außenministers auf sich und hat dafür die Schmähungen getragen, die nach ihm und neben ihm mancher deutsche Außenminister hat erdulden müssen. Es Web ihm die Genugtuung, an erster Stelle mitzuhelfen bei der Räumung des Rheinlandes, bei der Er­leichterung der Reparationslasten.

Was Hermann Müller als Abgeordneter und Parteiführer, als Minister und als Reichskanzler für unser Land und unser Volk geleistet, das ist eingetragen in das Buch der deutschen Geschichte der Nachkriegszeit. Es ist in diesen Zeiten not­wendig, darauf hinzuweisen, daß er in langer Ar­beit nichts erworben hat als das Gefühl erfüllter Pflicht, wie so viele, denen üble Nachrede anderes zugeschrieben hat. Dieses Haus, das deutsche Volk, hat einen seiner treuesten Die­ner verloren, wir, die wir uns innerlich enger an ihn gekettet fühlten, einen guten Kameraden, einen unersetzlichen Freund, dessen Andenken bei uns nie verlischt.

Reichskanzler Dr. Brüning

gedenkt im Namen der Reichsregierung des Ver-. torbenen in Wehmut und Dankbarkeit. Das deut- che Volk, so fährt der Reichskanzler fort, hat in ihm einen feiner Besten verloren. Als Mensch ein makelloser, ehrenhafter Charakter, gewissenhaft und zuverlässig, auch von seinen politischen Gegnern geachtet, als Politiker, als Staatsmann in ganz jungen Jahren in den Brennpunkt der Ereignisse gerückt, war er in der Sage, sich eine politische Er­fahrung zu sammeln, die ihn befähigte, in den schwersten Zeiten deutscher Geschichte an führen­der Stelle zu stehen. Als Außenminister im Jahre 1919 in den schmerzlichsten Zeiten der Nachkriegs­epoche und als Reichskanzler im Frühjahr 1920 bei den tragischen deutschen Zerwürfnissen hat er sein Bestes hingegeben. In aller Erinnerung steht seine letzte Periode als deutscher v ichskanzler in den Jahren bis 193b Unvergeßlich ist uns allen feine Vertretung des Reiches in Genf, wo er ritterlich und entschlossen die Verantwortung übernahm, für den erkrankten Außenminister einzutreten, und wo er in mutigen und unvergeßlichen Worten das Recht Deutschlands auf Gleichheit und Sicherheit verteidigt bat. Sein Name ist auch unvergeßlich in die Geschichte eingetragen, weil er das schwere Opfer gebracht hat, das Diktat von Versailles, das so schwer auf unserem Volke lastet, zu unter­schreiben. In der Uebernahme dieses Opfers zeigte sich der ganze Mann. Ohne an fein persönliches Geschick zu denken, hat er sich für bas von ihm als richtig erkannte, unbe­

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FuldaerZettung

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manns vom Weimarer Parteitag 1919 zusammen Mit Wels zum Vorsitzenden- der Partei bestimmt. Ebenfalls feit 1919 war er Führer der Reichstags- fraftion und feit 1920 Abgeordneter für Franken.

Nach dem Rücktritt Brockdorff-Rantzaus wurde Hermann Müller im Juni-1919 . Außenminister unb hatte als solcher zusammen mit dem damali­gen Reichsminister Dr. Bell für Deutschland den Versailler Friedensvertrag zu unterzeichnen- Atz Nachfolger Bauers bildete er zum ersten Male als Reichskanzler im März 1920 eine Regierung, die drei Monate später dem bürgerlichen Kabinett Fehrenbach Platz machen mußte.

Als die Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 6er Sozialdemokratie einen starken Mandatszu- wachs gebracht hatten und das Kabinett Marx zu­rückgetreten war, wurde Hermann Müller wie­derum mit der Kabinettsbildung betraut, die ihm nach langwierigen Verhandlungen schließlich auf der Grundlage der Großen Koalition ohne frak­tionelle Bindung gelang.

In Hermann Müllers zweite Kanzlerschaft sie­len zahlreiche für das Geschick des Deutschen Reichs bedeutsame Ereignisse. Anfangs Septem­ber 1928 begab sich der Reichskanzler für den erkrankten Reichsaußenminister Dr. Strefemunn nach Genf und vertrat dort mit Nachdruck Deutsch­lands Forderungen nach wirklicher Abrüstung. Seine Genfer Vereinbarungen mit den Repara- sionsglöubigern bildeten bekanntlich den Aus- aangspunkt der Verhandlungen, die zum Poung- Plan und zur Rheinlandräumung führ­ten.

Im Sommer 1919 hatte der Reichskanzler be­reits unter einer schweren Attacke der Gallen- erkrankung, die jetzt feinen Tod herbeigefübrt hat Su leiden. Die letzten Monate seiner Kanzlerschaft brachten die Neubesetzung des Außenminister­postens, den Kampf um das Volksbegehren, die Annahme des Poung-Plans und der Polenvei- trage und schließlich den Rücktritt des Reichsbank- Prafibenten Dr. Schacht. Das Kabinett stürzte, wie "och m allgemeiner Erinnerung, im März 1930 über ben parlamentarischen Schwierigkeiten, die ourch bie Molbenhauerfche Finanzreformvorlage entstauben waren.

s» Zig." bezeichnet Müller in ihrem

/lamruf als einen „geraben Mann", ber aufrecht ln 'Ewer Haltung unb Gesinnung, ehrlich im Re- p^n unb im Hanbeln war.

r ®.a5 "Derl. Tagebl." spricht von einer Persön.

jmt starken menschlichen Qualitäten, und nem Manne, ben bie Stunbe aus ber Region ItIc. -parteipolitischen ins Staatsmännische wachsen 2 ?' Der Name Hermann Müller bleibe für alle Et ber Geschichte bes Kampfes um bie Wei- bestehen^ Un& $'e Zukunft bes deutschen Volkrs n<,*eI."®erPPer Dörsencourier" unterstreicht, daß i $ me politischen Gegner Müllers ihn als einen mtPxrrr 101 en Unterhändler schätzten, i,' dessen Wort sie sich unbedingt verlassen konn- lei einer der wenigen politischen Führer ra f;e,en' deren lauteres Wollen unb ehrenhafte •frfirx1»11110 in allen Parteilagern ohne jebe Ein- Mrankung anerkannt worden sei.

bi- die „E e r rn a n i a" weist barauf hin, baß len Dom Tobe Hermann Müllers in al-

gea*-»^1 Kreisen aufrichtigem Bebauern be- f*mipr;rb <„®er Verstorbene sei in ber Zeit ber p9'ten Regierungsarbeit immer ein loyaler r ' r gewesen, ber ebenso gegenüber seiner eige-

Moncttlich 1.80 einschließl. Postgebühr (48 Psg,) ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bel Wiederholungen Rabatt. Postschecks Frankl a M 4051

wtb. Wien, 21. März. (Eig. Meld.) Die österreichi­schen Blätter beschäftigen sich eingehend mit den zollpoli­tischen Vereinbarungen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich und betonen durchweg, daß es sich bei den Abmachungen um ausschließlich handelspolitische Ge­sichtspunkte handele und in den Verhandlungen kei­nerlei Spitze gegen einen anderen Staat zu erblicken sei. Die „Neue Freie Presse" weist darauf hin, daß die beiden Staaten nichts anderes wollten, als mit dem Briandschen Plan eines Paneuropa den Anfang zu machen. Das Streben der beiden Län­der ging dahin, gewissermaßen einen Kern, einen Mit­telpunkt zu schaffen. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß sich aus der Initiative von Oesterreich und Deutschland noch Verhandlungen mit Ungarn, Rumänien und Italien ein größeres Ganze herauskristallisiere, ge­wissermaßen eine wirtschaftliche Symbiose. Im gleichen Sinne äußert sich das „Neue Wiener Tagblatt", das noch hinzufügt, daß von dem Tempo der laufenden Ver­tragsverhandlungen es abhängen werde, ob die Han­delsvertragsverhandlungen durch die deutsch-österreichischen Vereinbarungen beeinflußt wer­den. Der „Wiener Tag" führt dazu noch aus, daß zu­nächst eine Art deutsch-österreichisches Zollbündnis in Kraft treten würde, wenn sich außer den beiden Staa­ten kein anderer zum Beitritt zu einem Zolleuropa ent­schließen könne.

Unter den Gründen, die zu der Vereinbarung ge­führt haben, ist vor allem maßgebend gewesen, daß die Wirtschaftskrise in beiden Ländern dazu drängt, neue Wege zu gehen. Durch die Vereinbarungen wird der innere Markt Deutschlands um 10 Prozent, der Oesterreichs natürlich in sehr viel stärkerem Maße ver - g r ö ß e rt. Bestimmend war auch, daß die Bemühun­gen des Völkerbundes auf handelspolitischem Gebiet bis­her gescheitert sind:

Wie die Parteiführer unb bie Vertreter bet deutschen fiänber durch ben Außenminister unter­richtet wurden, wird die Vereinbarung im Laufe des Samstags unb bes Montags auch ben Regie­rungen aller an Deutschlanb unb Oesterreich an­grenzenden Länber bekannt gegeben. Es ist anzunehmen, baß bie Verhanblungen über den endgültigen Vertrag sofort nach Ostern beginnen.

Durch die Vorbesprechungen sind sie bereits so weit gefördert worden, daß man auf bie Unter­zeichnung in etwa 2—3 Monaten rechnet.