Ar- bS
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Passionssonntag (Judica).
Eingangslied: Pf 42, 1—2.
J0dica me, Deus ... s
Schaffe mir Recht, o Gott; führe meine Sache a-aen ein unheil'ges Volk. Vom bösen, ränkevollen «rann errette mich; denn du bist mein Gott und meine Stärke. (Pf. ebb. 3.) Send mir dein Licht UIti deine Wahrheit, daß sie zu deinem heil'gen Berg mich leiten und in dein Zelt mich führen.
Epistel: hebr. 9, 11—15.
Sriiber! Christus erschien als Hoherpriester der künftigen Güter. Er ging durch das erhabenere vollkommenere Zelt, das nicht von Menschen- gemacht, das heißt nicht von dieser Welt ist; nicht mit dem Blute von Böcken und Stie- ra], sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle- mol in das Allerheiligste, nachdem er eine ewige Erlösung bewirkt hatte. Denn wenn schon das Blut der Böcke und Stiere und die Besprengung mit der Asche einer Kuh die (gesetzlich) Verunreinigten heiligt, so daß sie leiblich rein werken, um wieviel mehr wird dann das Blut Christi, der im Heiligen Geiste sich selbst als ein unbeflecktes Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken (Sünden) reinigen, damit wir dem lebendigen Gotte dienen? Darum ist er Mittler des Neuen Bundes, damit durch seinen Tod, den er zur Erlösung von den unter dem ersten Bunde begangenen Üebertretungen erlitt, die Berufenen das verheißene, ewige Erbe erhielten in Christus sus, unserem Herrn.
Passion.
Ich muß an die Kanarienvögel denken, die man des Winters öfter im Freien fliegen sah. Ihre Besser hatten sie einfach fliegen lassen, weil kein Geschäft mit ihnen zu machen war. Die Freihei ober ist den Tierchen schlecht bekommen. Dian sieh nW ein einziges mehr, sie sind alle ein Opfer bei Freiheit geworden, mit der sie nichts anzufangen wußten, der sie nicht gewachsen waren.
Was hat das mit dem heutigen Sonntag z> tun? Nun, Christus wollte den Menschen auch di Freiheit bringen, allerdings nicht die äußer« Frei heit, er war kein Prediger der Revolution, keir hetzapostel. Er wollte die Menschen füh- ttn zur inneren Freiheit der Got- tetkindschaft. Er wußte, daß ohne diese innere Freiheit die äußere nichts ist. Was nutzt uns die äußere Freiheit, wenn wir mit ihr nichts anzufangen wißen? Richt mehr als den Vögeln, für die sie sicheres Verderben war. Wer aber die innere Freiheit einmal errungen hat, dem kommt sozusagen wie eine Selbstverständlichkeit auch die äußere Befreiung, sie kann ihm dann gar nicht mehr vorenthalten werden.
Die Botschaft Christi war nichts Aufgezwun- genes, sondern eine freiwillig übernommene heilige Verpflichtung, etwas, das die letzte und tiefste Sehnsucht der Menschenfeele erfüllt und stillt.
Wie nahmen die Menschen seine Botschaft auf? Nun, genau so, wie f?e es heute wohl auch noch tun würden. Im Anfang waren viele begeistert von dem Neuen, Wunderbaren, das sich in Rede und Wundertaten des Herrn offenbarte. Mit der Zeit verlor sich die Begeisterung mehr und mehr
— es würde auch heute nicht viel anders fein. Wer da spricht von dem Recht der Unterdrückten, von der Machtgier der Oberen, von weniger Arbeit und mehr Lohn, ja, der wird des Jubels der Meng« sicher sein. Aber wer da kommen will mit Forderungen, wer gar noch Verantwortung auf- laden will, der wird nur bei Wenigen Verständnis finden.
Wir sehen den Heiland heute inmitten seiner Feinde. Sie sagen, er habe einen Teufel, sie heben Steine auf gegen ihn, und der Heiland gebt aus ihrr Mitte. Es beginnt seine Leidenszeit, die Passion.
Das ist nun bald zweitausend Jahre her. Aber immer aufs Neue wiederholt sich die Passion. Wir
brauchen nur ins öffentliche Leben zu schauen. Jeder Mensch, der wahrhaft im Geist« Gottes zu wirken strebt, der dem Volke die Wahrheit sagt und nicht bas, wos es gern hört, der an die Pflichten mahnt und nicht nur von Rechten spricht, dem wird es allzeit gehen wie dem Heiland, der nach der Meinung der Juden vom Teufel besessen ist und wert, gesteinigt zu werden.
„Freund, das Leben ist genau besehen für jeden Meirichen eine Passion, besonders für den, der seine Mitmenschen wahrhaft liebt. Es muß so sein, denn Liebe ist Hingabe, und Liebe ist nur dann rein und groß, wenn sie die Hingabe des Lebens bedeutet, fei es in rastloser Arbeit und Mühsal, sei es in Verfolgung, Leiden und Tod.
Sowjeldeittschland?
Was sagt Ihr dazu.
Von Friedrich Muckermann S. I.
Man darf wohl behaupten, daß es nur wenige Deutsche gibt, denen bei der Betrachtung ber deutsch - bolschewistischen Geschäfte wohl ums Herz wäre. Die Problematik, die für das christliche Gewissen damit verbunden ist, wird freilich nur kaum da und dort empfunden. Auf ein« sehr spitz« Formel hat sie Bertram Schmitt wiederholt in seinem „West- östlichen Weg" gebracht, einer ausgezeichnet redigierten kleinen Monatsschrift. Bertram Schmitt sagt kurz und bündig, daß di« Sowjetregierung wesentlich atheistisch eingestellt sei, daß also ihre Handlungen bestimmt sind durch das leitende Motiv des Kampfes wider Gott und Religion des Vernichtungskampfes gegen die heiligsten Kulturgüter, im Gefolge auch gegen die euro- ätsch« Zivilisation. Infolgedessen sei jede aktive Mitarbeit positive und — wie der Fachausdruck ' eißt, formale — Teilnahme an einer in sich mo- alisch verwerflichen Aktion. Es wäre wohl an der Zeit, daß sich unsere Fachmoralisten zu die- er Sache einmal äußerten, Ist es doch zunächst licht einzusehen, was man gegen eine solche Aufastung oorbrlngeflofönnte. Allerdings könnte nur in sehr kühner Optimist erwarten, baß berartige Gedankengänge das politische Drama der Gegenwart stark zu beeinfluffen vermöchten.
Immerhin zittert wenigstens eine dunkle Ahnung auf, als seien diese heiklen Geschäfte doch nicht ganz sauber. Jedenfalls sucht man sich zu entschuldigen damit, daß man sagt, wenn wir Deutschen diese Geschäfte nicht machten, bann täten es die Amerikaner und überhaupt die anderen. Diese Entschuldigung verliert jedoch immer mehr an Boden, nachdem sich Kanda u- Jugoslawien der russ. Einfuhr widersetzt haben und während in Amerika, in England und nun auch in Frankreich die Stimmen jener immer zahlreicher werden, die sich vom europäischen Gewissen her scharf gegen jede Unterstützung Sowjetrußlands wenden. Wenn diese Stimmen nun mit erhabenem Pathos auf die deutsche Unmoral Hinweisen, so könnte man ihnen gewiß antworten, daß dies nicht frei von Unwahrhafttgkeit fei. Zweifellos wäre Deutschlands Weg viel leichter zu finden, wenn man uns so behandelte, daß wir
volles Vertrauen auf die europäische Solidarität hab en könnten, und wenn man uns so entgegenkäme, daß die russische Karte für uns ihren Wert verlöre. Wenn wir also anklagen, so kann diese Anklage nicht in erster Linie sich wider Deutschland richten, sondern sie muß vor allem jene treffen, die Deutschland zu solcher Art Notwehr beinahe zwingen. Je länger man nämlich über diesen ganzen Handel nachdenkt, umsomehr treten seine geringen wirtschaftlichen Vorteile zurück gegenüber dem Unheil, das nun einmal tragisch damit verbunden ist.
Wir möchten heute nur auf einen Gedanken aufmerksam machen, der bisher in der internationalen Debatte nicht laut geworden ist. Merkwürdige Parallelen werden nämlich auf einmal sichtbar und erschrecken uns bis ins Innerste. Es tritt nämlich mehr und mehr eine
erstaunliche Aehnlichkeit zwischen den beiden Partnern, dem westlichen individualistischen Kapitalismus und dem östlichen bolschewisti-
schen Kollektivismus
hervor. Schon die übersteigerte Rationalisierung, dazu die ungesund voranschrei- tende Bürokratisierung unserer Industrie läßt uns an die s o wj et isti s che Planwirtschaft denken, die ganz durchrationalisiert ist und vollkommen bürokratisiert. Der Sache nach unterscheiden sich die fiihrenden deutschen Industriellen, die für ganz Deutschland Geschäfte machen und Aufträge für die verschiedensten Werke irgendwie vermitteln oder anregen, kaum noch von einer russischen Handelsvertretung, die im Namen eines Kollektivums spricht. Soll der Staat 70 Prozent des Risikos garantieren, so haben wir hier eine Verbindung von Staat und Wirtschaft, die eigentlich nur noch 30 Prozent vom Sowjetsystem entfernt ist. Bon der Wirtschaft her zeichnen sich also schon für bi« nächste Zukunft Strukturen und Konturen ab, die eine
verblüffende Aehnlichkeit der kapitalistischen Entwicklung mit der sowjetistischen
anschaulichst vor Augen führen. Kann man nicht
22. Würz
geradezu reden von einem werdenden Sowjet- deutschland? Die Machthaber im Kreml sind kluge Lute. Zweifellos dürften sie mit ihrem Geschäft sehr zufrieden fein. Die beiden Firmen gleichen sich einander an. Ein Haus wird gebaut, an dem bie sowjetistische Apparatur in aller Stille bie alt« verdrängt. Es paßt durchaus dazu, was bis auf den heutigen Tag in den Köpfen mancher „Kapitalisten" über bas Los bes Arbeiters gedacht fein wird. Es könnte bas vorläufige Ende dieser Entwicklung fein, baß eines Tages die Elbe, oder die Weser, oder der Rhein tatsächlich bie Grenze Mischen Europa und Asien würden. . .
Wir legen diese Gedanken vor, nicht so sehr in dem Glauben, daß es die letzten endgültigen über dieses Thema seien. Wir wären glücklich, wenn sich dagegen kräftiger Widerspru ch erhöbe, und wenn dieser Widerspruch wirklich begründet werden könnte. Für ihre Richtigkeit spricht inzwischen noch die allgemeine Erwägung, daß bie immanente Logik des rein wirtschaftlichen Denkens zwangsläufig vom Kapitalismus über Trust und Konzern hin zum Kollektivismus führt, daß die von allen kulturellen Bindungen gelöste wirtschaftliche Freiheit mit einem allgemeinen wirtschaftlichen Zwang enden muß, daß geistig- seelisch betrachtet der Bolschewismus der echte Erbe des Liberalismus ist. Was wir in diesem Artikel getan haben, ist lediglich die Aufzeiung dieser logisch zu erwartenden Vorgänge in einer geradezu sensationellen Aehnlichkeit der beiden Photographien, der von Sowjetrußland und der vom kommenden Sowjet« deutschland.
Sie lächeln einander an wie Vater und Sohn, < wie ein religiös indifferenter einen Religions- I veriichSsr ... * i
Wetterleuchten.
Von Dr. W. S ch u w e r a ck.
Im Oktober des letzten Jahres gingen in Wies, baden Vertreter der wissenschaftlichen und praktischen Pädagogik unverrichteter Dinge auseinander. Sie hatten die Aufgabe gehabt,
die weltanschaulichen und bildungspolitischen Gegensätze in der Gestaltung des deutschen Schulwesens
gegenseitig abzuwägen, das Gemeinsame heraus- zuheben und vielleicht eine Annäherung zu erreichen. Für jeden Beteiligten mar es bereits nach dem ersten Verhandlungstag klar, baß bie zu Tage tretenden Gegensätze nie zu einer Einheit, auch nicht zu einer Annäherung gebracht werden konnten. Die Ablehnung einer christlichen Erziehung unserer Jugend jedoch sand bemerkenswerterweise eine gewisse g et schlossen« Einheit.
Den Wiesbadener Kongreß könnte man heut« vielleicht abtun als eine Versammlung von Pädagogen, wenn diese nicht im politischen Leben ihre Ansichten zu verbreiten suchten. Die Entchrist- lichung der Jugenderziehung, die auf dem Kongreß angedeutet wurde, sucht auf parlamentarischem Wege eine Verwirklichung. »
Der Reichstag kann nach Auszug der Rechtsparteien keine Mehrheit mehr bilden, die christ-
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Set Aufbruch einer Heinen Seele.
Von Ilse von Stach.
Mit Erlaubnis der Verlages Köfel u. Pustel München, bringen wir in Folgendem eine kleine Szene aus dem soeben neu aufgelegten Werk von Ilse von Stach „Non servimn" (304 Seiten. Leinen 6 M) zum Abdruck. Ilse v. Stach ist eine der markantesten Frauen, deren geistiger Anteil an den wichtigsten Fragen der Zeil sehr groß rst. Man hat eine gute Wahl getroffen, als man sie in diesem Jahre in den Ehrenausschuß zum deutschen Buchtage „Frau und Buch" rief.
Maja hatte das vierte Jahr ihres Lebens noch nicht erfüllt, als sie in Krankheit, die zum Tode sein sollte, oarnicüerlag. Die reinen, geistigen Züge des frühreifen Kindes sahen in ihrer Blässe wissender aus, wissender die letzten, verborgenen Dinge, die niemand weiß, mr sie es taten, solange noch dar Leben und der werch- M 'ende Lebenswille das Kind gerötet hatte.
, Tine heimliche Sehnsucht nach unverzüglichem Au'- vruch lag auf Majas Gesicht, eine Sehnsucht, die Asta erkannte und g-ühend liebte, die irgendwie festzuhatten zur Stillung ihrer eigenen Sehnsucht 2tfto auf das leb tz knschaftlichste begehrt«.
» beschwor das Kind, daß sie nur seinen Anblick k verlöre: „Nicht sterben, Maja, nur nicht sterben!" Das Kind lächelte.
Asta kniete nieder und küßte es auf den schmalen, 1- 3? eeten Mmck ... Da strömte ein Ruch wie von yrrhen aus der Seele des Kindes in Astas eigene eeje und erfüllte sie so sehr, daß den Augen chre ranen versiegten und die Seele nur strebte, stillezu- wilen der neuen zwangvollen Belehrung.
unAn Krankenzimmer hockten noch Vorkert und Heinz • tn7R®rätmer- Ruth kam und ging auf leisen Sohlen, "wand zeitweilig Anuschka von der Wartung der
Knäblein, daß auch sie dem geliebten Kinde und seiner Mutter nahe wäre — in der großen Stunde.
Asto winkte Heinz zu sich heran. „Wenn ich einen Maler wüßte — seschalten, nur festhalten , . . ."
„Du hast mir einmal von einem jungen Maler erzählt, bei den „Kommenden" hattest du ihn getroffen."
„Und das ist auch der richtige", sagte Asta, „den mußt du mir holen; er wird sicher kommen; es ist ja sein Handwerk, andern etwas zuliebe zu tun."
„Du sagtest, er werde der Nazarener genannt. Aber unter diesem Namen kann ich chn nicht finden, mitten in Berlin."
Asta lächelte traurig. „Es ist wahr, ich weiß seinen Namen nicht. Aber seine Adresse weiß ich; die diktierte er Bankowitsch ins Notizbuch — und mir ins Gedächtnis —, damals bei Telfchow — Frobenstraße 16 171; dort frage nur nach dem jungen Maler, der aus Mittelsinn in Unterfranken stammt und zudem Christ ist — Katholik natürlich!"
Ein paar Stunden waren vergangen, da kam Heinz aus der Stadt zurück, und mit ihm trat der junge Maker ins Kinderzimmer ein. Fast unverändert lag Maja m ihrem Bettchen. Nur wärmte jetzt ein Strahl der Abendsonne das Zimmer, wichrend das Gesicht des Kindes noch um einen Lkhein blasser, schmächtiger, in Morren unbeschreiblicher geworben war. Vielleicht, daß der Pinsel halten könnte, was sonst einzig dem Gedächtnis der Seele als treuem Tabernakel vertraut blieb.
Asta löste ihren Blick erst von seiner kostbaren Weide, als schon der „Nazarener" vor ihr stand, um ihr die Hand zu drücken. Sie sahen einander an uni) erkannte jeder im Gesicht des andern die Hand dessen, der während Jahren des Lebens darin geschrieben hatte. Es war die klare Hand Gottes im Gesicht des Nazareners, es war die Wider-Gotteshand mit ihrer herben, ruhelosen Schrift in Astas Antlitz. Preisgegeben ist das Menschenangeflcht dem Rhythmus der Seele, die hinter ihm wohnt.
„Wollen Sie mir das Kirch malen, Herr ., ,T
„Schwaiger", flüsterte der Maler, — „ich heiße Gabriel Schwaiger; ist es Ihnen recht, das Kinderköpfchen in Pastell? — Nicht wahr, es ist das Kind, dessen Geburt Sie damals entgegensahen, al« wir vor vier Jahren mit Bankowitsch im EasL saßen?"
Asta nickte.
„Was für ein feines Gesicht!" sagte der Nazarener, ,das male ich gern."
Er hatte einen am Morgen des Tage« für ein anderes Modell bespannten Holzrahmen mitgebracht und sing an, sich mit Hilfe eine, Notenpultes so etwas wie eine Staffelei herzurichten.
Erst jetzt kam ihm ein. daß er diese» feine Besicht malen sollte, weil es bald, unter einem kleinen Sargdeckel geborgen, den Augen der Mutter entzogen fein würde.
Aber noch lebte des Kind — und er selbst — ein Malersmann — verstand sich nicht auf Prognose; er fügte, wie er empfand:
,Liebe Mutter Asta" — die „gnädige machte schon im Alltag des Lebens feinen Lippen Beschwerde; jetzt, in der Erwartung des großen Gastes, war die Mutter in Asta das, was das Herz einzig anredete , . . — „liebe Mutter Asta, vielleicht wird dieses Bild eine» Tages nur die Erinnerung an eine schwere Mun&e fein — aber die Stunde geht vorüber, und das Kind lebt."
„Es stirbt", sagte Asta trostlos.
„Wie Gott will . . ."
Der Nazarener wußte nichts aoberes zu sagen, aber er wünschte in diesem Augenblick glühend, das Kind möchte leben, leben und feine herbe Dichterin-Mutter beglücken — Asta von Suchen.
Noch schwang ihm ein Nachtklang im Ohr, wie sie so dunkel tönend gesprochen hatte: Non feroiam.
Sollte sie jetzt willig fein, Gott zu dienen, indein sie ihm das Kind zurückgab? Gottes Willen zu tun hatte sie ihm mit Erbitterung geweigert — würde sie Gottes Willen an sich geschehen lassen — ohne Erbitterung?
Gabriel malte und malte. Asta indesien kniete an dem kleinen Bett und küßte Major myrrhe-duftenden Mund, einmal krampfte sie ihre Hände ineinander und stöhnte: „Ich gebe eg nicht her . . ."
Da wußte Gabriel, daß Gott auch viesmal vergeblich an Astas Seele rührte. Heinz wußte, daß sie auch diesmal keinen Trost annehmen wurde, keinen mütterlichen Gottertrost-
Wer sonst aber als Gott hätte Asta tröffen sollen, da ihr geliebtes Kind zum Sterben kam . . . Edgar Dor» kert? — Er fühlte ein herzliches Erbarmen mit feiner Frau, aber mitten in das Erbarmen hinein flüsterte eine Stimme: Wird ihr Besitz nicht hoffnungsvoller fein, wenn dieses Kind — es ist so schön, es ist so sonderlich schön — nicht länger vor UNS steht? Ralf Hagens Kind; schwer, schwer ist es, Asta aufrichtig zu trösten in dieser schauervollen Stunde.
Als draußen die grünen Kiefern anfingen schwarz zu werden, legte Gabriel f-ine Stifte beifelw und trat ehr- fllrchilg neben das Bett: seine Hände gurten sich, und fern Herz Hub an zu beten.
Aber die Erinnerung an jenes harte non feroiam, in dem Astas Gottesfeindschaft dunkel getönt hatte, hielt den Rauch seines Gretes nieder, als wäre es der Rauch eines mißfälligen Opfers.
Da zuckte ein neuer Gedanke in feiner Seele auf, und der nächste Augenblick sah seinen Mund dicht, dicht an Astas tief gesenktem Haupt. „Mutter Asta" —> Gabriels Herz klopfte laut hinein in die Stille der Stunde — und still, still war die Stunde geworden, feit Asta schweigend, kaum mehr atmend, ihren Schmerz In beiden Händen hielt, um die Ankunft dessen nicht zu stören, der nahe war. „Mutter Asta", flüsterte Gabriel — „ist das Kind getauft?"
Asta wandte den Kops und sah den leidenschaftlichen Sprecher an mit chren großen, erstaunten, kühlen Augen.
„Stein, Herr Schwaiger, warum hätte ich das Kind