20. März
VeUage zur Fuldaer Zeitung
Ilr. 66
Kokest gegen die Propaganda der Gottlosen
rufen ganz besonders gute Aussichten haben, z. B. Mäd- chen, die Stenotypistin werden wollen. Die heute überall in modernen Betrieben angew-endet« Zehnfingerschreibmethode für Maschinenschreiberinnen wird fast nur von Doppelhändern befriedigend und zu letzten Höchstleistungen führend erlernt. Bor einem Vorurteil mutz in diesem Zusammenhang noch gewarnt werden; Linkshändige Kinder sind keineswegs unintelligenter, wie Rechtshänder. Eine ganze Anzahl führender deutscher Männer und Frauen waren Linkshänder, und cs gibt auch heute noch ein« grotze Zahl tüchtiger Menschen, die den linken Arm und die linke Hand bevorzugt gebrauchen. Warnen muß man schließlich noch vor zu großer Strenge in der Erziehung linkshändiger Kinder. Es ist auffallend und schon von vielen Pädago- gen beobachtet, wie wenig man gerade hier mit harten
Geschäftstüchtig. Der Schotte, der sich beim Rasieren geschnitten hat, telefoniert: „Hallo? Ist dort das Krankenhaus? Wieviel zahlen Sie für Bluttransfusionen?" („Everybodys Weekly".)
ten man so häufig schlecht gepflegte, verkrüppelte Obft- bäume und ebensolche Beerensträucher sieht.
In erster Linie sollten daher Frauen unÄ Töch- ter bet Landwirt eben Obst- und Gemüsebau gründlich erlernen, damit sie, so viel in ihren Kräften sicht, beitragen können, die allgemeine Notlage der Landwirtschaft zu vermindern.
Aber auch die Städterin, die Liebe zur Natur besitzt, kann durch die Produktion gärtnerifcher Erzeugnisse einen Lebensberuf finden, entweder im eigenen Betrieb oder als Angestellte auf Gütern, in Anstalten, Privatbesitzen usw. Auf zweierlei Art läßt sich diese erlernen. Man tritt entroeber bei einem Gärtner als Lehrling ein, wozu es keines Abituriums bedarf, oder man besucht eine staatlich anerkannte Gärtnereischule, wo man nach einem Jahr die Lehrlingsprüfung ablegt. Das zweite schließt sodann mit der Prüfung als Gärtnerin. Hierauf kann man sich irgend einem Spezialfach zuwenden. Schmutzige Hände und anfangs Rückenschmerzen gibt es natürlich sowohl beim Gärtner wie in der Schule, denn wenn auch eine gelernte Gärtnerin die groben Arbeiten nicht zu verrichten braucht, so muß sie doch wissen, wie sie ausgeiührt werden.
Doch ist wohl kaum ein anderer Beruf, ausgenom- men der der Säuglingspflegerin, mehr geeignet, die fraulichen Eigenschaften eines jungen Mädchens zu entwickeln wie gerade der einer Gärtnerin. Das Betreuen und Beobachten der jungen Pflänzchen, die Ordnung und Regelmäßigkeit, die fie verlangen, find Eigenschaften, die ganz und gar der Psyche einer mütterlich veranlagten Frau entsprechen. Auch werden alle jene, die ihre Arbeit richtig erfassen, nicht nur eine hohe Befriedigung im idealen Sinne finden, sondern auch mit der Zeit materiellen Nutzen haben sowie unserer Volks- wirt^aft nützen.
Luise Faubel, Diessen, Oberbayern.
Linkshändige Kinder.
Bon Herbert Meister- Wartensels.
Die Linkshändigkeit der Kinder ist eine Eigenschaft, die man recht ost findet. Verschiedene Forscher haben Vererbungstheorien der Linkshändigkeit aufgestellt, jedoch ist es bisher noch nicht gelungen positiv nachzuweisen, daß Linkshänder die besonderen Eigenheiten im Gebrauch ihrer Hände ererbt haben. Was ist nun gegen die Linkshändigkeit zu tun, besonders bei Kindern, denn in fortgeschrittenerem Alter wird sie kaum wieder ausgerottet werden können, es sei denn, man greife zu dem Zwangsmittel der Festlegung des linken Armes, die dann dazu zwingt, den rechten Arm zu benutzen. Vor allem beobachte man schon das in der Entwicklung begriffene Kleinkind sehr genau. Stellt sich bei ihm eine Neigung zur Linkshändigkeit heraus, dann versuche man es mit sanften Erziehungsmitteln. Man lasse das Kind rechts greifen, gebe ihm nur einen Lek- kerbiffen, wenn er mit dem rechten Händchen in Empfang genommen wird usw. Vor einem Fehler aber hüte man sich! Die Linkshändigkeit darf nicht völlig ausgerottet werden, sie muß vielmehr so weit eine Abmilderung erfahren, daß an ihre Stelle eine wirkliche Beidhändigkeit tritt, d. h. daß beide Hände ganz gleichmäßig zu den verschiedenen Verrichtungen des menschlichen Lebens benutzt werden können. Das mag im ersten Augenblick schwer erscheinen, aber mit etwas Geduld und fortgesetzter Uebung bringt man die Kinder schon dazu, sich ihrer oberen Gliedmaßen gleichmäßig zu bedienen. Diese Kinder sind dann reinen Rechtshändern gegenüber immer im Vorteil. Sie werden sich zu außerordentlich flinken, rasch zugreifenden und schnell die Sachlage erfassenden Menschen entwik- keln. In diesem Zusammenhang darf auch daran erinnert werden, daß sog. „Doppelhänder" in vielen Be-
Seit geraumer Zeit wird die Oeffentlichkeit lebhaft beunruhigt durch deutsche und außerdeutsche Zeitungsmeldungen, wonach die von der Sowjetregierung geförderte neu gegründete internationale „Zentrale der Gottlosen" ihren Sitz in Berlin aufschlagen soll, um von der Reichshauptstadt aus ihr unheilvolles Wirken über das ganze Reich zu entfalten. Bei dieser Zentrale sollen ständige russische Vertreter angestellt und von der russischen Regierung besoldet werden.
Mit tiefem Schmerz über die Verhöhnung und Gefährdung ihrer heiligsten Güter fühlen sich die Katholiken Deutschlands in ihrem Gewissen seit langem gedrängt, den Kamps gegen das Eindringen des russischen Antichristentums öffentlich aufzunehmen. Unklarheiten und Widersprüche in der Fülle von Zeitungsberichten über die tatsächlichen Absichten Moskaus haben die Geschlossenheit eines solchen Kampfes bis jetzt aufgehalten. Run steht ober fest, daß man, wohl aus taktischen Gründen neuerdings einen Deckmantel für diese „Internationale" gesucht und gefunden hat, indem man das Zentrum der neu entstandenen kommunistischen „Internationale proletarischer Freidenker" unter Leitung des Berliner Kommunisten Hans Heins nach Berlin verlegt hat. Fest steht ferner, daß in dieser Internationale der russische „Gottlosen- V erb and" führend ist. Die außerordentlich gesteigerte antireligiöse Flugblatt- und sonstige Agitation, die Tatsache antireligiöser Schulumzüge (Neukölln 21. 1. 1931), denen Delegierte des Sowjet-Gottlosen-Bundes ooranschritten, die vom sozialistischen und kommunistischen Freidenkertum fanatisch betriebenen steigenden Kirchenaustrittserslärungen, die bekannten gotteslästerlichen Darstellungen in öffentlichen Ausstellungen, die Umzüge mit blasphemischen Inschriften, aus neuester Zeit die schamlose Schändung von Kirchen und Störung von Gottesdiensten, die „Gottlosen- Abende", in denen für die Schändung religiöser Einrichtungen praktischer Unterricht erteilt wird, und zahlreiche andere Vorgänge beweisen, daß trotz aller be- stchenden Unklarheit die russische Sowjet-Regierung von Berlin aus das Gift des Gotteshauses in die Welt zu senden beginnt.
Es ist bekannt, daß auch Pius XI. schon Gelegenheit genommen hat, seine Stimme eindringlich dagegen zu erheben, daß die antikirchliche und antireligiöse Propaganda des russischen Gottlosen-Verbandes nach Deutschland übertragen werden soll, um hier und von hier aus in den anderen Ländern christliche Kultur und Tradition zu vernichten. Dies wäre gleichbedeutend mit der Vernichtung der staatlichen Autorität und somit des staatlichen Bestandes. Zur Entscheidung steht zunächst für Deutschland nicht minder aber für ganz Europa die ernste Frag«: Christentum oder Barbarei?
Auf das entschiedenste schließen sich die ka t h o l. Frauenberufsoerbände Berlin • B r ii - der st raße den Protesten an, die bereits von amtlichen wie kirchlichen Stellen und von Vereinigungen erfolgt sind, indem sie auch gegen eine verschleierte „Internationale der Gottlosen" in Berlin und gegen die Einmischung einer fremden Macht in Deutschland Einspruch erheben. Mit Recht ist von anderer Stelle betont worden, wie tief das Empfinden der überwiegenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung damit verletzt wird. Noch lange nicht jeder, der durch unglückliche Zeitumstände den Glauben an Gott verloren hat, wird sich zudem berufen fühlen und anmaßen, den öffentlichen Kampf und Haß gegen Gott zu organisieren. Alle jene, denen christliches Erbgut und das Wohl unsere» Volkes am Herzen liegt, bitten wir, durch fortgesetzte Proteste und treue Mitarbeit an der Erhaltung christl. Kultur und Staatsordnung zu beweisen, daß das deutsche Volk in seinen wertvollsten und staatserhaltenden Vertretern ein christliches Volk ist. Mit ihnen allen appellieren wir an die Verantwortung der deutschen Behörden, die, entsprechend der Reichsverfassung, die Pflicht haben, für den Schutz der Religionsgemeinschaften einzustehen. Dankbar begrüßen wir jede bisher geschehene oder eingeleitete Abwehrmaßnahme von feiten der Regierung, so vor allem die polizeiliche Schließung der „Gottlosen-Ausstellung" am 13. März im Norden Berlins und die anberaumte M i n i st e r k o n f e r e n z, von der wir tatkräftige, wirksame Gegenmaßnahmen erwarten. Wir erhoffen von den zuständigen Stellen, daß sie, falls der Schutz der Verfassung nicht ausreicht, auf gesetzlichem Wege so rasch wie möglich diese sich beängstigend steigerndep Versuche des Bolschewismus, in christliches Kulturgebiet einzudringen, unterbinden werden.
Wir sind uns bewußt, daß wir erst am Beginn die- ses überaus ernsten und verantwortlichen Kampfes gegen den Ansturm der Gottlosen stehen. In diesem Kampfe wollen und dürfen wir nicht ermüden; wir wollen uns gern mit allen jenen zusammenschließen, die, wie wir, nach wie vor mit Gott für Volk und Vaterland kämpfen und so die verantwortlichen Stellen in Reich und Ländern in ihren Abwehrmaßnahmen unterstützen.
Die katholischen Arauenbetusrverbände, Berlin € 2, Brüderstraße 2.
(Verband katholischer Vereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands, Katholischer Verband der weiblichen kaufmännischen Angestellten und Beamtinnen Deutschlands, Berufsverband der kacholischen Hausgehilfinnen Deutschlands, Katholischer Iugendbund werktätiger Mädchen Deutschlands.)
Feierabend.
Don Rosa Frei-S ch e r r e r, St. Gallen.
So nenn ich aus der Alltagsarbeit in die Stille gehn, Abendleuchten in die goldne Ferne sehn,
Und statt das Herz mit Bitterkeit zu kränken, Nur an die Freuden seines Lebens denken. Die erdgebundcnen Gedanken von sich streifen Und nach der himmelsnahen Schönheit greifen, Die müde Hand mit Dank zum Himmel strecken Und seine Welt mit Lieb und Frieden decken!
M Erwerbszweig für Frauen.
Ausland hat man schon längst erkannt, daß sich gebildete Frau für den Gartenbau eignet, in Ame- 5L gibt es große Musterplantagen, die ganz und gar
Frauen geleitet werden und in Montana liegt fast ?*, aeiamte Landwirtschaft in ihren Händen. In Cng- dem Lande der Industrie und des Handels, war schon vor dem Krieg zur Einsicht gekommen, daß nLt und Gemüse notwendiger sind, als unrentable «oltz- und Wiesenflächen. Daher sind überall in der »She der großen Städte Gartenbauschulen für gebildete ^auen ins Leben gerufen worden, die sich eines regen Attaches erfreuen.
Auch bei uns waren vor mehr als dreißig Jahren Seftrebimgen im Gange, um die Aufmerksamkeit des wsÄlichen Geschlechtes auf dieses Gebiet hinzulenken. Schr viel in Wort und Tat hat vor allem Fran Dr. Eb>ira Castner geleistet, die schon 1894 eine Garten- tauschule für Frauen in Friedenau bei Berlin eröffnete (Diese wurde später nach Marienfelde verlegt). Sie mar es auch, die die Einrichtung von Schulgärten in Stadt und Land befürwortete und ihnen nicht nur großen erzieherischen Wert, sondern auch wirtschaftlichen Nutzen zuschrieb. Versuche sind damals in verschiedenen Städten gemacht worden, aber das Ganze wurde näht so ausgebaut, wie es Dr. Castner vorschwebte. In Oesterreich dagegen hatte der Landesschulrat schon 1873 bestimmt, daß Schulgärten, enthaltend einen Gemüsegarten, eine Baumschule, ein Versuchsfeld für landschaftliche Kulturpflanzen und ein Bienenhaus für Ke systematische Unterweisung von Knaben und Mädchen hn Anschluß an die Schulen eingerichtet werden sollten.
Während des Krieges sind in Deutschland allerdings viele Ansätze im Interesse unserer Ernährung zur besseren Ausnutzung des brach liegenden Bodens durch die Arbeit tüchtiger Frauen gemacht worden, ich erinnere nur an die Bebauung einer großen Fläche am Tel- iswkanal mit Gemüse, das dann in einer eigenen Filiale in Berlin verkauft wurde, aber diese Bemühungen wurden nicht fortgesetzt, weil eben der wirtschaftliche unb materielle Nutzen des Gartenbaues noch lange nicht zemigend anerkannt ist. Wäre dies der Fall, so wurden wir nicht im Jahre 1929 für 597 Millionen gärtnerische Produkte vom Ausland eingesührt haben. In der Hauptsache handelt es sich bei dieser Einfuhr um Frühgemüse und edles Obst, was beides bei uns genau fo gut gezogen werden hiimtc wie in Holland und Dänemark. Denn die Einwände, daß unser Klima den Obstbau nicht begün- ftige oder die Bodenverhältnisse keine guten seien, sind schon längst von berufener Seite widerlegt worden. Es handelt sich bei Obst- oder Frühgemüse nur um die richüge Pflege. Edles, von gepflegten Bäumen geerntetes Obst wird stets verlangt werden und auch gute Preise erzielen, dasselbe gilt von den Frühgemüsen. Gartendirektor Gaucher in Stuttgart hat einmal vor vielen Jahren gesagt: „Der deutsche Obstbau scheint mir gerettet, wenn die Frau sich fciner annimmt." Dieser Ausspruch galt wohl zunächst für die Frauen aus dem Lande, in deren Gcir-
Erziehungsmaßnahmen erreicht. Das deutet auf gewisse geistige Zusammenhänge mit der Linkshändigkeit hin, ohne das es bisher der Wissenschaft gelungen wäre, auch hier exakte Forschungsergebnisse festzustellen« Nur soviel ist sicher, daß die Linkshändigkeit von geroif* sen Vorgängen im Bewegungszentrum des Hirns hervor^ gerufen wird und daß sie ärztlicher Beratung und S8e« Handlung bedarf, wenn sie sich auf weitere Körperpartien auÄehnt. Dann liegt nämlich der Verdacht auf eine geistige Störung vor.
Die Frau als Leserin.
(Zum lag des Buches am 22. März.)
Von Professor Dr. Gerhard Menz, Leipzig.
Frauen haben als Leserinnen von jeher ihre Bedeu- *unS gehabt und für die Literatur immer ihre Rolle ge- iptelt. Man denke an die Zeit des Minnegesangs, mehr an die höfische Gesellschaft der Renaissance und des bsolutismus. Der hier aufkommende Salon hat noch in der Zeit der Romantik maßgeblichen Einfluß aus« Stabt und damals eine Wiederauferstehung in bürger- >lher Sphäre gefeiert, die das literarische Leben erneut >cf beeinflußte. Seit dem 18. Jahrhundert ist vor allem och der Zeitschriften zu gedenken, die sich vornehmlich weibliche Leserinnen wenden, und zwar hier eben- ;°} s in orster Linie zunächst in der werdenden bürget» ‘"fcn Gesellschaft.
Sis zur Mitte des 19. Jahrhunderts aber bildete die- ''Frauenzimmer" eine Welt für sich. Es handelte iriv*^E* a^e*n um die Frau der gehobenen Gefellschafts- be stT Durch Lektüre nahm diese teil an allem, was ett ?es Mannes angehörte und ihr sonst Der« tafi° 'Sn Lesend erlebte die Frau in der Phan- Eannf ®oran. f’e unmittelbar handelnd sich nicht beteiligen an hf L^nd eignete sich die Frau auch die Bildung die' et*6 °er Mann entwickelte und erweiterte. Dabei war !erin>tQU °Is Mutter vor allem auch weitgehend die Mitt- wirtt Vätern und Söhnen. Im selben Sinne ,e ,Ie als Bewahrerin der lleberlieferung. In dem j[)reBmUn? äcr Art aber, wie die Frau als Leserin hier ihita» Zuwandte, dort dagegen vorenthielt, beein- Mjeibe h ^gleich die literarische Geschmacksbild'mg ent» Stelfi ’ Bas 9a6 aktiv und passiv der Frau eine n9. die sie als Leserin wie als Mitträgerin der
literarischen Entwicklung überhaupt sehr deutlich kennzeichnet.
Heute sind jene scharfen Grenzen zwischen Männerund Frauenwelt so gut wie ganz verschwunden. Die zunehmende Gleichstellung von Knaben und Mädchen in der Erziehung, von Mann und Frau im Erwerbsleben wie in Unterhaltung und Zerstreuung haben die früheren Schranken fallen lassen oder ihnen wenigstens die Un- überfteigbarteit genommen. Unterschiede und Eigenheiten bleiben natürlich. Aber es werden nicht mehr dieselben Folgerungen wie stüher daraus gezogen. Die Verallgemeinerung der Bildungsmöglichkeiten und die Verbilligung des Lesestoffes haben ferner bewirkt, daß als Leserin durchaus nicht nur mehr die Frau der gehobenen Gesellschaftsschichten in Frage kommt. Als Leserin ist sie heute ein das Volksganze erfassendes Massenproblem. In dieser Gesamtmasse aber haben Verstädterung und Erwerbstätigkeit, dazu in den letzten Jahren vor allem noch die wirtschaftliche Umschichtung weitere soziologische Wandlungen nach sich gezogen, die ein verändertes Bild ergeben.
Deutschland zählt heute rund 33 Millionen Frauen. Läßt man die Kinder und Jugendlichen bis zu 16 Jahren außer betracht, so bleiben rund 25 Millionen Übrig. Davon sind rund 11.5 Millionen, d. h. 47 Prozent hauptberuflich erwerbstätig und 8,8 Millionen = 36 Prozent Ehefrauen. Die acht Millionen Mädchen bis zu 16 Jahren spielen als ßeferinn-:: r-at"rqemäß ebenfalls eine Rolle. O..f !: :;;i Büchermarkt erscheinen sie aber noch nicht selbständig. Ihre Vertretung übernehmen in erster
Linie die fast neun Millionen Ehefrauen, die damit die eine wichtige Gruppe bilden. Zahlenmäßig noch stärker ist die Gruppe der 1114 Millionen eigentlich erwerbstätigen Frauen. Seit 1907 ist die erwerbstätige Bevölkerung Deutschlands um 27.2 Prozent gestiegen. Wo früher vier standen, stehen also heute fünf bis sechs. Der Anteil der Frauen machte aber 1907 erst 3014 Prozent aus, heute dagegen über 3514 Prozent. Diesem überdurchschnittlichen Anwachsen entspricht naturgemäß auch ein gesteigertes Gewicht dieser Frauen als Leserinnen.
Besondere Beachtung verdient noch die Verteilung der Frauen auf die verschiedenen Schichten der Bevölke- rung. Man rechnet von den Erwerbstätigen samt ihren Angehörigen auf die Oberschicht rund 800 000 Menschen, auf den Mittelstand rund 27% Millionen und auf die abhängigen Schichten in Stadt und Land rund 28.14 Millionen. Unter diesen insgesamt 56% Millionen befinden sich rund 1914 Millionen erwerbstätige Frauen und Ehefrauen, lieber die Hälfte von ihnen gehört dem Mittelstände an (rund zehn Millionen). Die Oberschicht ist zahlenmäßig sehr schwach (etwas über eine halbe Million), aber zahlungskräftiger. Beachtlich bleibt noch, daß unter den Frauen des Mittelstandes der Anteil der Ehefrauen (rund 314 Millionen) verhältnismäßig geringer ist (nur 13.3 Prozent der Gesamtmenge statt 25.1 Prozent in der Oberschicht und 15.0 Prozent bei den Abhängigen. Hier Überwiegen also die hauptberuflich erwerbstätigen Angehörigen. Die Hauptmasse der Frauen des Mittelstandes entfällt mit rund vier Millionen (40 Prozent) auf den landwirtschaftlichen Mittelstand. Dann folgt mit fast drei Millionen (29.5 Prozent) die Angestelltenschaft, mit etwas über zwei Millionen (21.8 Prozent) der gewerbliche und kauftnännische Mittelstand, endlich mit fast % Millionen (7.4 Prozent) der gebildete Mittelstand. Der Rest (1.3 Prozent) verteilt fi* -if kleinere Gruppen.
Es stellt sich nun g—:d lüu selbst die Frage, ob diese Frauen, namentlich doch wohl die des Mittelstandes, als
Leserinnen noch die Stellung einnehmen, die früher bezüglich der Frau bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts angedeutet wurde. Die Frage wird unbedingt zu einem Teil zu verneinen, zu einem anderen Teil aber doch wohl noch zu bejahen sein. Dann jedoch kommt es auf die Herausarbeitung dessen an, was sich gewandelt hat und was geblieben ist. Des weiteren muß die Frage gestellt werden, in welcher Gestalt und bis zu welchem Umfange sich die Literatur dieser veränderten Lage bereits angepaßt hat. Spiegelt die Differenzierung der Literatur die Differenzierung der weiblichen Leserwelt, die ja unbedingt besieht, und wie spiegelt sich eines im anderen? Ist hier schon ein gewisser Gleichgewichtszustand erreicht oder noch alles im Werden? Welche Aufgaben für die Zukunft deuten sie an? Ist sich die Frauenwelt der Lage und ihrer Erfordernisse überhaupt schon genügend klar bewußt? Hat sie bereits ihre Forderungen angemeldet? Wie lauten sie etwa? Interessant sind die Antworten, die wenigstens zum Teil auf diese Fragen kürzlich in einem öffentlichen Diskussionsabend des Seminars für Buch- handelsbettieb an der Handelshochschule zu Leipzig gegeben wurden. Es kam da zum Ausdruck, daß nach Beobachtungen in Volksbüchereien die Ehestauen des Mittelstandes wie der abhängigen Schicht eine einheitliche Gruppe darstellen, die in ihrem Leseinteresse weitgehend übereinstimmt. Für die Frau der Oberschicht wurde ein starkes Interesse an allen Neuerscheinungen festgestellt. Man will hier über die Literatur mit dem Leben Schritt halten; es soll nicht an einem vorüber gehen. Die erwerbstätige junge Weiblichkeit greift gern auch nach dem prakttschen Buch, bas ihre Lebensertüchtigung zu förberrt geeignet wäre. Auf jeden Fall vertritt die Frau als Leserin zahlreiche Varianten. Immer aber scheint sestzu- stehen, daß gerade sie «in sehr lebendiges literarisches Interesse zeigt. Neben dem "..ch spielen dabei Zeitschrift und Zeitung eine große Rollc.