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fen gilt es mit aller Kraft abzuwehren. Dazu verpflichtet uns vor allem unsere religiöse Einstellung. Denn dem Zentrum ist Religion und Christentum nicht Aushängeschild und Vorwand für politische Geschäfte. Es ist ihm Lebensform und gehört zu ihm wie zum Menschen Fleisch und Blut. Und aus ihrem christlichen, ka­tholischen Glauben heraus will die Zentrumspartei auch die harte Gegenwart gestalten. Unser christliches Verant­wortungsgefühl läßt nicht zu, daß wir in der heutigen Notzeit unser ringendes deutsches Volk, unsere deutschen Brüder im Stich lassen. Nein! wir müssen im Zeichen des Christenkreuzes mühsame, verantwortungsvolle Ar­beit mit Selbstverständlichkeit und Freude leisten.

Im Namen der Hanauer katholischen Jugend sprach der Führer des Hanauer Windthorstbundes: Katholische Jugend verlangt von politischen Führern nichi sture Opposition, sondern will sie allzeit an der Arbeit sehen, getragen von ganzem christlichen Geist, als Vorbilder in Pflichttreue und Verantwortungsbewußtsein. Sie glaubt daran, daß das deutsche Volk stark und reis ist, alle Sor­gen, alle Mühe und Arbeit selbst zu tragen Das deutsche Volk kann seine Geschicke selbstoerantwortlich leiten, es ist nicht so unfähig, eines Diktators zu bedürfen, die katho­lische Iungmannschaft ist von der Möglichkeit der D e- m o k r a ti e überzeugt, weil sie den Willen zur Mitarbeit und zur Gefolgschaft hat. Sie überläßt den deutschen Dolksstaat nicht denen, die offen den Umsturz auf ihre Fahne geschrieben hoben: ebensowenig läßt sie ihn denen anheimfallen, von denen sie nur weiß, daß sie schon ein­mal an der Macht waren, und deren politische Kunst so groß war, daß wir als ihre Frucht die Niederlage in dem entsetzlichsten aller Kriege erlebten. Das katholische Jung­volk folgt denen, die in Deutschlands größter Not das Ruder des Staates ergriffen und den deutschen Volks- staat aufbauen helfen aus den Trümmern eines einst großen Reiches, die von den damals Verantwortlichen im Stich gelassen worden waren. Es steht treu hinter dem Kanzler Brüning und verläßt ihn nicht in seinem schwe­ren Kampf. Sein Mahnruf ist:

Katholisches Volk, sei allzeit bereit!

Auch in Großauheim fand sich die katholische Jugend zu einer eindrucksvollen Kundgebung zusammen. Arbeitersekretär G e l l i n g s und Referendar Dr. Dal 1- w i g gaben Zeugnis von dem politischen Wollen des ka­tholischen Jungvolkes. Es erschöpft sich nicht in Gegner­schaft zu anderen Parteien. Nein, es sieht ganz klare politische Ziele, die allerdings keine Wunschgebilde sind. Den handgreiflichen politischen Bewegungen stellt katho­lische Jugend eine große geistige Front entgegen. Sie will Bannerträger einer aus kathol. Glauben geform­ten Politik fein. Sie weiß auch ganz genau: Wenn den reaktionären oder bolschewisirenden Elementen das poli­tische Feld überlassen bleibt, wird es gar bald um die Freiheit der katholischen Kirche geschehen fein. Die katho­lische Jugend will sich würdig zeigen der Kämpfer, die die Zentrumsfahne durch alle Stürme hindurchgetragen ha­ben. Sie ist bereit, diese alte Fahne zu übernehmen und sie hineinzutragen in die neue Zeit.

Diese Gedanken führte in der Aussprache Pfarrer Dunkel weiter: Vor allem tut uns heute not Bekennermut und Gründsatztreue. Die Jugend muß sich zu einem festen, geschlossenen Stoßtrupp für die Zentrumsideale zusammenschließen. Sie muß sich zu gut dünken für i n- nere Haltlosigkeit, wie sie sich gerade in den Wahlergebnissen Großauheims zeigt: 1919 ganz rot, 1924 überwiegend bürgerlich, 1929 halb und halb. Katholische Jugend, gehe furchtlos und fest deine gerade Bahn.

Im Anschluß an die Kundgebung gaben Referendar Dr. Dallwig und der Führer des Hanauer Windthorst- bundes Aufschluß über das Wollen und die Arbeit der deutschen Windthorstbünde. Eine große Zahl von Jung­mannen und Mädchen fand sich zusammen, die den Willen haben, in ernster Arbeit sich politisch gründlich zu schulen. Sie schlossen sich zu einem Windthorstbund zusammen. Diese Kundgebung wird also nicht nur ein einmaliges Ereignis bleiben, das man bald wieder ver­gessen haben wird; sie wird ihre Wirkung in die Zukunft in stärkstem Maße ausstrahlen.

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Der Frühling kommt!

Dir wandern singend in das Land hinein, Die Bäume stehen rotbraun übergossen. Aus Feld und Wiese liegt ein grüner Schein.

Die stillen Gärten, fonnenlicht umflossen, Berührt der erste linde Frühlingswind.

Verschlafne Häuser leuchten fiibergrau.

Unö Wolken, die wie leichte Wellen find, $erlieren sich ins klare, sanfte Blau.

Wir wandern singend durch den Sonnenschein, In unsere Herzen zieht der Frühling ein.

Rudolf Marpe.

Jugend, wandere!

Bom Jugendausschuß in Fulda wird uns ge­ichrieben:

Dos deutsche Jugendwandern ist in den Nachkriegs- iohten trefflich in Gang gekommen. Jungen wie Mäd­chen. Schüler, Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Ange- haben entdeckt, welcher Quell der Freude in ihm Mt. Das Wandern stählt den Körper, vertieft das Ge- Aiij, weckt die verborgenen Kräfte des Geistes.

In den deutschen Jugendherbergen stieg die jährliche llebewachtungsziffer auf rund 4 Millionen. Bist auch du dabei? Hast auch du den Weg zur Natur gefunden? Kenn nicht, versuche es ! Keiner wird es bereuen! Ge- hört ihr einem Vereine an, so drängt darauf, daß er jebes Jahr eine größere Anzahl Wanderungen mache; die

Beilage zur Fuldaer Zeitung

häufige Hinkehr zur Natur ist belebend und befruchtend für alles menschliche Tun.

Wer ist berechtigt zur Benutzung der Jugendherber­gen?

1. Jugendliche Einzelwanderer bis 20 Jahre, sowie solche, die in Berufsausbildung begriffen sind bis zu 25 Jahre, die mit Bleibeausweis (Lichtbild) ver­sehen sind (0,50 RM).

2. Führer von Jugend- und Schulgruppen (Mindest- alter 16 Jahre) mit entsprechendem Führerausweis (Lichtbild) (0,25 RM).

3. Wanderer über 20 Jahre mit Mitgliedskarte des Jugendherbergsverbandes (Lichtbild 3. RM).

Auskunft und Ausstellung der Ausweise, sowie Mit­gliedskarten in der Geschäftsstelle der Ortsgruppe Fulda des Gaues Main-Rhein-Lahn-Fulda im Reichsoerband der deutschen Jugendherbergen (Städtisches Jugendamt, zweiter Schloßhof rechts, Zimmer 14).

Wir hoffen, daß die jetzt einsetzende Werbung um Mitgliedschaft im Herbergsverband Erfolg hat. Eine starke Ortsgruppe in Fulda, die um diese M'.tgliedschast wirbt, hat sich die baldige Erstellung einer neuen Herberge in Fulda zum Ziele gesetzt. Nochmals er­geht der Ruf an Schule und Vereine, die körperschaft­liche Mitgliedschaft zu erwerben. Gegen einen Jahres­beitrag von mindestens 5. RM. erhalten diese den illu­strierten WandkalenderDeutsches Wandern", sowie das Reichsherbergsverzeichnis kostenlos.

Der Iugendherbergsausschutz

I. A.: Tau de l.

Katholische Maspora-Zugend in Front.

Aus Hanau wird uns berichtet:

Allenthalben im Deutschen Reich ruft die katholische Jugend in diesen Tagen und Wochen zu politischen Kund­gebungen auf. Es ist ein großer, gewaltiger Aufmarsch, der sich in unserem Vaterland vollzieht. Es ist A b s a g e gn den Radikalismus, Protest gegen Lüge und hetze, die durch unser Land ziehen, es ist der Aufmarsch gegen alle Umsturzpläne und Diktaturbestrebungen der Rechten und Linken.

Auch ein großer Teil der deutschen Jugend hat sich in diesen Strudel des politischen Radikalismus hinein- reißen lassen. Ja man will uns sogar glauben machen, Deutschlands Jugend stehe restlos im Kampf gegen den heutigen Staat. Das ist aber nicht so.

$or allem die katholische Jugend hat das Denken noch nicht aufgegeben. Mit Mut und Entschlossenheit stellt sie sich der radikalen Sturmflut als fester Damm entgegen. Sie drückt sich nicht um eine Stellungnahme herum; sie bekennt eindeutig Farbe. Nicht nur in den geschlossenen katholischen Bezirken, nein auch auf politisch und »eltanschaulich heiß umkämpften Boden

sie in klarer Front. Davon legten zwei Kundgebun­gen katholischer Jugend in Hanau und Großau­heim Zeugnis ab.

In Hanau sprach vor überfüllter Versammlung sie wurde polizeilich geschlossen Oberbürgermeister Dr. Danzedrin k-Fulda. Er kennzeichnete in knappen Zügen das unwürdige Verhalten der sogen,nationalen Opposition". Die zielbewußte starke Führung der Re- giemng hat sie aus dem Reichstag getrieben. Die Herren von rechts haben sich verrechnet in ihrer Hoffnung, im Parlament die Regierung schlagen und auf diesem Weg die Macht erobern zu können. Um ihre Niederlage nicht oller Welt offenbar werden zu lassen, flohen sie aus dem Reichstag.

Dienationale Opposition" besteht aus Deutschnotio- nfllen und Nationalsozialisten. Die Deutschnationalen sind in der Hauptsache die Vertreter der Junker- klasse und ihre Anhänger, die im alten Preußen einst herrschende Schicht. Sie fühlen sich aus geschichtli- sden Gründen zur Herrschaft berufen. In dem Volks- W sehen sie ihren ärgsten Feind, weil er die Staats­macht an sich nahm, die sie beim Zusammenbruch von 1918 aus der Hand gaben. Auch die Nazi werden wenig­

stens in ihrer Führung wesentlich von diesen Kreisen be­einflußt; ihre Wählermassen sind dagegen sehr wenig ein­heitlich zusammengesetzt. All diesen Leuten kommt es gar nicht darauf an, daß etwas Entscheidendes gegen unsere Notlage getan wird. Sie wollen nichts, als d i e M a ch t im Staate wieder an sich reißen und können nicht sehen, daß heute andere Schichten Träger des Staates sind als vor 1918.

In den Zeiten wirklicher Not haben dieNationalen" noch niemals ernsthafte Vorfchäge zur Besserung der Ge­samtlage gemacht; sie haben nur immer Ansprüche ange­meldet. Die Verantwortung in all den Wirrnissen der Nachkriegszeit haben immer die Parteien der Mitte und vor allem das Zentrum tragen müssen. Gerade es hat sich niemals feige aus der vordersten Linie des politischen Kampfes zurückgezogen; es hat immer die Sorge für die Allgemeinheit mitgetragen. Darum hat es auch das Zentrum nicht nötig, sich von den Radikalen heilsame Lehren erteilen zu lassen. Seine Politik ist ziel­klar und führt Schritt für Schritt aufwärts. Das können heute, in der Aera Brüning, schon, viele nicht mehr ganz ableugnen. Aber diese Politik wird von Katholiken mitbeftimmt und das allein ist für viele schon ein Grund, sie zu bekämpfen.

Wir Katholiken aber dürfen stolz fein auf das, was bei den allerschwierigsten Verhältnissen in der Nachkriegs­zeit unter wesentlicher Mitarbeit unserer politischen Ver­treter im Reichstag und in der Regierung geschaffen wurde. Deutschland ist auch von den letzten Resten der Besatzung frei. Stellte man das noch vor wenigen Jah­ren den Herren auf der Rechten als zu erwartendes Er­gebnis unserer Politik hin, so verlachte man uns.

Das größte Werk der Nachkriegszeit ist der glanzende Ausdau unferer Sozialpolitik. An ihr dür­fen wir nicht rütteln lassen. Gewiß zeigt sie manche Miß­stände; diese müssen im Interesse der Sozialpolitik selbst beseitigt werden. Nur mit Hilfe der Sozialpolitik z. B. war es möglich, das Heer der Arbeitslosen durch den schweren Winter hindurchzubringen. Im Großen gesehen ist sie aber so vollkommen, wie sie nur sein kann. Ge­rade in ihrem langsam aufgebauten System sehen sehr viele Vertreter der Rechten eine Errungenschaft der Re­volution, der sie heftigsten Kampf geschworen haben. Die-

Ms jumpet, «flieget unö jaget In M-Amerika.

Von Bernhard Schroeder-Wiborg.

Reine Kopfwunde war noch nicht ganz verheilt und killweise noch sehr emvfindlich, besonders an den noch n® Stuften behafteten Stellen. Der scharfe, kalte Nacht- «md ließ mich das ganz besonders fühlen, was natürlich Mcht dazu angetan war, meine Stimmung zu heben, j diese Oelspritzerei in der Rumpelkiste! Fortwäh- *** mußt« ich mir di« Brillengläser abwischen!

®s war so schon wirklich dunkel genug! Dann durch- es mich plötzlich wie ein elektrischer Schlag. Bei ^wfchnellen Abstiegen hatte ich mich nicht an den Sitz W»nallt! Das hatte ich bei dem anderen Nachtflug unterlassen, und das hätte mir damals beinahe das eeben gekostet!

Run begann eine schwierige Arbeit. Hatte ich den kt von links vorn, dann rutschte er von rechts zurück, Z? ®enn ich es umgekehrt machte, ging es mir genau so gWngetot. Eine Hand aber mußte ich am Steuer n«"- Schließlich gelang es mir dennoch ich war ^geschnallt!

J-tzt wurde ich ganz ruhig, weil ich mir sagte, daß ich vurch Kaltblütigkeit unser beider Leben retten konnte. boni»Ul-&em Paramo tagen einige alte Kano ne n- ruhu* °*e b°s 8tuer auf uns eröffneten! Doch das beun- EJfc uns "ich!. Wir hatten jetzt eine gewisse Höhe (ICR <T,r und der Himmel war inzwischen dunkler gewor-

Kilometer landeinwärts in Argentinien ging ich zu . j*ur Landung. Nahe am Fluß schien mir das fertELu* Z i>cnn ber Feind von den Schiffen hätte es ®*ktan3ugrvf'5' *** 65 roar- airf argentinischem

^dboden näher kommend und emsig die Der» Waid k'8r,1Ie wischend, konnte ich doch erkennen, wo birat ®°. Komp war. Wie Diele Gefahren aber rotem nLL.tneinem hohen Gras: die mannshohen, aus barten ^bauten, steinharten Termitenhügel, die unö evrachopfosten jener gewaltigen Einzäunungen ün 5Rnmx elk9lll!?er olles Ursachen, die dem Flieger können &er Landung Ueberlchlag und Tod bringen teb^bL mr^skscheid Wald und Kamp und wollte ge« icheinenden ouf einem, mir ohne Hindernisse er- Fe'» ausschweben lassen, als ich plötzlich

gewahrt«, daß ich nur etwa einen Meter über einer ga­loppierenden mächtigen Rinderherde dahinflog. Sofort gab ich Vollgas und nahm die Kiste wieder auf.

Dann suchte ich mir ein anderes Gelände und ging vorsichtig herunter. Ich besah mir, so gut ich es ver­mochte, die Gegend, machte, wieder umkehrend, eine Vollkurve, nahm Gas weg, glitt tiefer und tiefer, rollte, kaum fühlbar dreißig Meter über den Boden. Die Kiste stand.

Mein Beobachter, der gute Weiler, fiel mir einfach um den Hals. Sprechen konnten wir beide nicht. Erst nach einer Weile stammelten wir einige Worte. Weiler hatte zum erstenmal das erlebt, was ich schon häufiger erfahren hatte und worüber ich hier nicht sprechen will.

Die Nacht über hockten wir im Apparat und mach­ten eine ganz merkwürdige Beobachtung, die bei beiden völlig gleich war. Wenn wir nämlich auf die Flügel unseres Flugzeuges sahen, war es uns, als ob der Appa­rat schwebte und sich in der Luft bewegte.

Um uns herum war tiefe Stille, welche nur ab und zu von dem dumpfen Trommeln des Straußes unter­brochen wurde. Einmal brüllte in der Ferne ein Ja­guar.

Dann gegen Morgen schwieg auch jegliches Getier. Als bann der Tag anbrach, warf Weiler den Propeller an. Der Motor lief, aber was sahen wir mm? Kaum fünfzehn Schritte von uns entfernt ein verkrautetes Wasserloch! Wenn wir gegen das Ufer gelandet wären, würden mir wohl nicht daran gedacht haben, jetzt weiter zu fliegen; wer wußte, ob wir über­haupt noch gedacht hätten?

Wir drehten dann den Apparat herum und flogen in den jungfräulichen, sonnigen Morgen hinein nach Po­sadas.

Hier landeten wir in der Nähe der Stadt, worauf das Flugzeug gleich von der argentinischen Polizei beschlag­nahmt wurde. Wir aber gingen frei aus. In Posadas trafen wir auch Scheerer an, welcher uns einem ar­gentinischen Major vorstellte, der Distriktskommandeur des Wehrkreises und ein großer Freund und Anhänger des Obersten Chiriffe war.

Dieser Major bat uns, am Nachmittag in seine Wohnung zu kommen. Wir nahmen die Einladung gern an, und als wir dann bei ihm waren, erzählte er uns, daß er bestimmte Nachrichten habe, Chiriffe sei durchge­brochen und befinde sich auf dem Marsch zu den para­guayischen Missiones.

Sind Sie gewillt, in der Nacht gegen drei Uhr mit mir aufzufliegen, um zu versuchen, wieder bei den re­

volutionären Truppen zu landen?" fragte mich der Major bahn. Und ich war bereit.

Nachdem wir zusammen Kaffee getrunken hatten, gingen Weiler und ich wieder in unser Hotel. Wir spra­chen dann noch mit Scheerer, welcher mit der Sache ein­verstanden war, und begaben uns darauf um sieben Uhr abends wieder zu dem Major,

Auf dem Wege dorthin jedoch bemerkten wir, daß man uns unauffällig verfolgte. Wir mußten sehr aus der Hut sein, denn der paraguayische Konsul in Posa­das war unser erbitterter Feind. Und eine Kugel ist so billig! Wir sahen auch, daß ein Auto in einer Nebenstraße immer auf gleicher Höhe mit uns blieb.

Im Hause des Majors sprachen wir denn auch hier­von. Der Major sagte nun, er wollte meine Flieger- Meibung aus dem Hotel herschaffen lassen. Weiler und ich sollten in seiner Wohnung bleiben. Ferner wollte er dafür sorgen, daß Benzin und Del zum Flugzeuge gebracht wurde. Dann ließ er uns Wein und ein gutes Abendessen servieren und ging mit dem Versprechen, gegen zwei Uhr morgens wieder da zu fein, von uns Wir aßen, tränten und rauchten.

Wie der Major nur mit der Polizei fertig wird?", meinte Weiler dann nachdenklich.

Ja, das ist auch mir ein Rätsel!" entgegnete ich ebenso.

Der Major war indessen zur verabredeten Stunde wieder da. Doch fein Gesichtsausdruck zeigte Enttäu­schung und Wut.

Dieser paraguayische Konsul hat tatsächlich die Poli­zei aufgehetzt!" berichtete er in höchster Aufregung: Den einen Posten hätte ich ja bestochen, aber nun ist er verdreifacht worden, und das Auto mit dem Benzin und Del ist unterwegs von einem starken Polizeikom­mando beschlagnahmt worden!"

Aus dem Fluge wurde also nichts!

Wir schliefen die Nacht im Hause des Majors, und am nächsten Tage trennte ich mich von meinem lieben Weiler. Er fuhr in den Ehaost, wo ein Schwager von Majordomo war, und mich trug der Zug nach Buenos Aires.

Da ich plötzlich Sehnsucht nach der Heimat bekam, fuhr ich, schnell entschloffen, nach Deutschland.

Hier traf ich es schlecht. Die Inflation machte mich bald wieder arm, da ich meine paar Pfennige in Mark angelegt hatte.

) Territorium in Nordargentinien, Waldgebiet.

18. März

Christentum und soziale Frage.

T h r a f o 11 schreibt in seinem Buch über Karl Son­nenschein:

Ich schäme mich, in diesem Norden und Nordosten (Berlins) die zehn Gebote zu predigen, wenn ich nicht in rastloser Tätigkeit helfe, daß sie erfüllt werden kön­nen. Die Predigt der kinderfrohen Familie fordert un- abläffige Sozialreform. Die Mietkaserne ist ein Verrat an den zehn Geboten Gottes. Das Armenviertel der Großstadt eine Abschnürung der christlichen Kultur. Der Atem der Gesundheit und des Christentums weht nicht um Hinterhäuser und Ouergebäude. Alles übernatürliche und gnadenhafte Leben hat das natürliche zur Voraus­setzung! Darum neue Verbindung schaffen zwischen Religion und wirtschattlichem Heben. Darum soziale Arbeit. Nicht als Spielerei Sondern es ist unablässige Pflicht des ganzen Volkes, besonders des gottgläubigen Volkes, mittelbar und unmittelbar die Seelsorgeraufgabe der heutigen Zeit erfüllen zu helfen. Willst du aber ein zufriedenes, in sich selbst glückliches Volk schaffen helfen, ein Volk, das in treuer Arbeit auf heimatlicher Scholle sich des Segens Gottes erfreut, f o gib i h m Anteil an den Rechten, an den Gütern, deren Besitz Gott allen Menschen ausnahmslos an- vertraut hat und für deren Verwaltung er jeden einzelnen zur Rechenschaft ziehen wird. Wenn die neue Republik nicht das Unrecht gut macht, das an den ent­eigneten und entwurzelten Proletariern begangen worden ist, so wird dieses Unrecht auch gegen sie auf­treten und sie überwinden. Wir warten schon lange auf die große iat, die dieses Unrecht beseitigt. Es handelt sich hier nicht um Arbeitslosenunterstützung, sondern um die Rückgabe verlorenen Eigentums an die von Gott bestimmten Besitzer, an die Familien der Armen!"

Spatz mutz fein!

Es ist eine Erholung, wenn man einmal herzhaft lachen kann. Das kommt heute so selten vor, daß man den Grund, worum man sich freut, feinen Mitmenschen, besonders den Pessimisten, unbedingt mitteilen muß. Wir leben zwar in der Fastenzeit, aber am Samstag vorSätare" ist mir ein Blatt in die Hände gefallen, bas sich wie eineFastnachtszeitung" las. Bei der amüsanten Lektüre stellte sich die Genugtuung ein, daß der Stadtsaal voll katholischerWickelkinder" dem Gra­fen Reventlow aus Potsdam und feinem Bundesgenos­sen aus Hünfeld doch schwer auf den Magen gefallen fein muß. Wir haben Verständnis für die Gemütsverfassung der radikalen Herren. Aber die politische Lage ist heute zu ernst, als daß wir unsere Zeit mit dummen Witzen vertrödeln könnten. Darum Spaß bei Seite und nur einige kurze Erklärungen.

1. Der Gegensatz zwischen Katholizis­mus und Nationalsozialismus ist nach den eindeutigen Erklärungen der Bischöfe so klar, daß sich jede weitere Debatte erübrigt. Es gibt nur ein Ent­weder ober.

2. Wenn Graf Reventlow unsere Flugblätter lügen­haft nennt, so strafen ihn bie Tatsachen selbst Lügen. Schon bie Tatsache, baß auch in Fulda bie katholische Jugenb beim erstenVersuch einer politischen Kund- gebung sich siegreich burchsetzte, beweist die Richtigkeit unserer Behauptung, daß die katholische Ju­gend weder daran denkt, au- der Kirche auszu­marschieren, noch sich im deutschen Volks- ftaat an bie Wanb brücken zu lassen.

3. Die politische Bewegung der katholschen Jugend steht erst am Anfang. Ihr gehört aber die Zukunft, weil bei ihr um mit dem Führer der kath. Gesellen zu sprechen bie Reserven des Geistes sind.

4. Alle Hetze ber Rabikalen kann nicht verhindern, daß wir an dem Ausbau einer Front der Ver­nunft arbeiten, und daß diese Front von Woche zu Woche fester wird.

Verantwortlich fürDas Blatt der Jugend": Dr. oee. publ Joseph Sauer-Fulda

Kaum vier Wochen war ich in der Heimat, da trug mich der nächste Dampfer schon wieder nach Argenttnien zurück.

Hier stand ich bald vor dem Nichts. Meine Bemü­hungen, bei ber argentinischen Fliegerei unterzukommen, waren vergeblich. Eine deutsche Fluggesellschaft mit «» genen Flugzeugen existierte damals in Buenos Aires noch nicht. Es kam so weit, daß ich Kleider und Sachen verkaufen mußte, damit ich zu Weiler, der mich einge­laden hatte, in den Chao fahren konnte.

Der Dampfer aber hielt gerade zur Nachtzeit dort, wo ich ausfteigen sollte. Und ich schlief so schön hörte nichts davon.

Am nächsten Morgen war ich natürlich ein wenig ärgerlich. Die nächste Haltestelle war die winzige Haupt­stadt in dem wilden, schwachbevölkerten Formosa. Aber ich hatte keinen Centavo mehr! Wie sollte ich um di« Nachzahlung herumkommen? Doch es ging glatt. In Formosa kamen viele Boote heran. Und ich passierte nicht die kleine Falltreppe, sondern sprang hinten von Bord in einHnot unö log dem $rsnt' vor. ich hätte Bekannte an Land, welche ihn bezahlen würden. Unterwegs aber sagte ich ihm die nackte Wahrheit, er begriff meine Not und forderte nichts mehr.

So also gelangte ich noch Formosa. Was nun wei­ter tun? Ich ging auf den kleinen Marktplatz und setzte mich auf eine kleine Bank.

Viele Stunden mag ich fo gesessen haben, als ich plötzlich mit den Worten angerebet wurde:Sind Sie nicht der Flieger Schroeder, waren Sie nicht bet Chi­riffe?"

Jawohl!" antwortete ich überrascht. Vor mir stan­den drei paraguayische Offiziere. Chiriffisten.

Oh, unser Aviator!" riefen sie darauf, höchst er­freut Dann faßten ste mich unter den Arm und nah­men mich lachend mit, als ich ihnen gesagt hatte, wie es mir ergangen war. Sie führten mich in ein Hotel, das Ober nicht den Namen verdiente, und dort traf ich noch mehrere Chiriffisten, Flüchtlinge Versprengte!

Nun hatte ich wieder Brot, nicht im Ueberfluß, aber was sie hotten, gaben sie mir auch.

Jetzt schrieb ich an Weiler, er möchte doch kommen, da ich nächstens mit hundertzwanzig Paraguyern über den alten Paraguay ginge, um die Stabt Pilar einzu­nehmen. Weller versprach mir beim auch, bald zu kommen.

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