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Täuschung.

Du siehst in spiegelglatter Runde Befriedigt ruhn das weite Meer Und kannst nicht glauben, daß vorher, Es aufgewühlt war bis zum Grunde. So siehst du stille Seelen auch: gje regt kein Wind, sie trübt kein Hauch; Dir scheint, als ob sie traumlos schliefen, Und doch verging yoch nicht ein Tag, Seit Sturm und Blitz und Donnerschlag Sie hat durchrast in tiefsten Tiefen.

Ludwig Fulda.

Ver Asphattsee auf Trinidad.

! »asser"' auf dem man gehen kann. Menschen ver jitifcn im Asphalt. Ein unerschöpflicher Naturschah.

Bon W. Rolffs-Sperl.

. bituminöser Kalkstein mit einem Asphaltgehalt von Ilechs bis Zwölf Prozent findet sich in verschiedenen Te!» M Europas vor, so auch in Deutschland in der Provinz IWinooer. Asphalt in reiner Form ist dagegen hier un- \ tetatmt Solche Vorkommen sind am Euphrat und in I Knezuela in Verbindung mit Erdölquellen entdeckt wor­den, und auch das Tote Meer enthält unter seinem Sand- Asphalt, der von Zeit zu Zeit an die Oberfläche jefpült wird.

. jie Ergiebigkeit aller dieser Vorkommen wird weit Kertroffen durch die anscheinend unerschöpfliche Aus- ^Mgsmöglichkeit des Asphaltsees auf der englischen ssiftindischen Insel Trinidad. Der Name ist in keiner igtije eine Uebertreibung, denn ein weites natürliches jeden wird hier im wahrsten Sinne des Wortes mit 1 Uphalt ausgefüllt.

2er See liegt ungefähr zwei Kilometer von der West- Me entfernt und bedeckt eine Fläche von etwas mehr als ;?em halben Quadratkilometer. Seine Umgebung gleicht in ihrer Trostlosigkeit der des Toten Meeres, und nur menschlicher Gewerbefleiß bringt Leben in die abgestor- ! jene Natur. Der erste Eindruck ist der eines Sees mit lDarzem glänzenden Wasser, und der Fremde wird sich Widern, wenn er auf der Oberfläche dieses Sees Men- ßen arbeiten und eine Grubenbahn fahren sieht. Sicher idritt er die schwarze Fläche mit unwillkürlicher Vor- stht, bis er entdeckt, daß er auf verhältnismäßig hartem kod-n steht.

Der Inhalt des Asphaltsees setzt sich aus vier Teilen Wall, ll Teilen lehmartiger Erde und 3 Teilen Wasser jujammen. Letzteres sammelt sich in kleinen, unbeweglichen md mit einer trügerischen schwarzen Schicht bedeckten i f Kanälen, an deren Rändern der Asphalt nicht erstarren kann, ft daß sie eine ständige Gefahr für die Arbeiter im UMsee Iniben. Mancher Neger, der mit den Tücken ' ins Warzen Sees noch nicht vertraut war, ist von der f «ihm Masse langsam eingezogen worden. Sein wohl- -chltmer Körper wird vielleicht nach Jahrzehnten ein» entdeckt werden, denn der Asphalt ist ein Einbalsa- s Wmmgsmittel, das man schon im Altertum kannte. Vor Ähren versank auf dem Asphaltsee ein Fuhrmann mit Logen und Pferden, ohne daß er bisher wieder gefun» worden wäre.

I Die Neger, die den Asphalt in harten Brocken mit M hacke heraushauen und in Loren laden, behaupten, See sei über tausend Meter tief. Doch kürzlich wur- im von einer Erdölgesellschaft Bohrungen unternom­men und rund 100 Meter als größte Tiefe festgestellt, jilngesichts dieser verhältnismäßig geringen Ausmaße ei der jährlichen gewaltigen Ausbeute von rund MOOO Tonnen ein merkliches Sinken der Seeoberfläche lGellbar fein. Doch der See füllt sich fast ebenso rasch lieber us, und wo noch zu Beginn der Woche die 2lr» hiter mit Hacke und Spaten tiefe Löcher gruben, ist die Vvorze Masse am Samstag schon wieder bis zu den fönbern gestiegen. Ob dieses emporquellen nur dem Et unterirdischer Gase deren Vorhandensein sich ^rch faustgroße Blasen an der Oberfläche verrät dem Nachdrängen neuer Asphaltmassen aus dem «Innern zu verdanken ist, konnte bisher nicht festge- Mt werden.

Der Asphaltsee auf Trinidad wäre in der Lage, das ochnfache des heutigen Weltbedarfs zu decken. Deshalb Meckt sich die Ausbeutung nur auf einen geringen Teil Oberfläche. Der gewonnene Rohasphalt wird in

Beilage zur Fuldaer Zeitung

15. März

einer Raffinerie zwischen See und Meeresküste gereinigt und in Fässer gefüllt. Letztere schasst eine Drahtseilbahn an den Verladekai.

Den Vermutungen der Geologen zufolge ist der As­phaltsee früher wirklich ein Seebecken gewesen, aus dem das Wasser durch unterirdische Oelquellen verdrängt wurde. Erdöl findet sich heute noch in reichlichen Men­gen auf der Insel, ebenso wie auf dem gegenüberliegen­den Festlande von Venezuela, das auch einen Asphaltfee, freilich geringeren Ausmaßes, besitzt. Wahrscheinlick besteht zwischen beiden ein unterseeischer Zusammen­hang.

Obwohl der Asphaltsee auf Trinidad jeglichen Pflan­zenwuchses entbehrt, und auch seine Ufer nur spärlich be­wachsen sind, so wird er doch von Tausenden von Vögeln ausgesucht. Was die Tiere dorthin treibt, ist bisher un­bekannt. Nahrung können sie dort sicher nicht suchen, und es wäre ein wenig gewagt, wollte man die Vermu­tung aussprechen, daß der menschlichen Nasen durchaus^ nicht unangenehme Geruch des frischen Asphaltes sie lockt.

Der Tod an der Anschlagsäule.

Von Stefan Musius.

Es mar ein nebeliger Tag. Ein leichter Regen war niedergegangen, die Asphaltstraßen glänzten in der Nässe. Langsamer und vorsichtiger als sonst fuhren die Autos, denn nasser Asphalt ist gefährlich. Dort aber kam eins herangeprescht, als gälte es einen Rekord zu erringen. Man sah förmlich, wie der Wagen hin und her schleuderte, die Lichter an ihm zuckten aufgeregt nun galt es, ein langsamer fahrendes Auto zu überholen scharf bog der Wagen zur Seite und schlug einen Bo­gen. Doch da, wie die Vorderachse wieder die Straßen­mitte zu erreichen suchte, ging die Hinterachse nicht mit, sie schwang zur Seite, und die Karosserie schlug mit har­tem, kurzem, knatterndem Laut an die Anschlagsäule, die am Straßenrand stand.

Schreien, Rusen, Entsetzen überall. Von allem Sei­ten eilten Passanten herbei. Der Wagen war auf die Seite gefallen und lag zerschmettert auf dem Straßen­damm. Ein entsetzliches Stöhnen drang aus seinem In­nern. Zehn, zwanzig Personen sprangen hinzu, die Tü­ren wurden aufgeriffen, die Fenster von den wenigen übriggebliebenen Glassplittern befreit. Einer rief:Alar­miert die Feuerwehr! Und die Rettungsstelle!"

Wenige Augenblicke, dann trug man aus dem In­nern des Wagens zwei blutende junge Menschen heraus, einen Mann und eine Frau. Unaufhörlich rann das

Blut aus großen Kopfwunden.Einen Arzt!" schrie je­mand.Ist nicht ein Arzt da?"

Da Hilst kein Arzt mehr," sagte ein anderer.Scho delbruch! Bei beiden!"

Da kam schon der Rettungswagen. Eine Bahre wurde herbeigetragen, die beiden blutenden Leiber wur­den nebeneinander gebettet und in den Wagen gestellt, woraus es langsam von dannen ging. Auch die Feuer­wehr war unterdessen schon erschienen und räumte das zertrümmerte Auto hinweg. Die Mannschaften ver­gaßen nicht, die Straße von der Blutlache zu säubern die da lag. Es mochte kaum eine Viertelstunde vergan­gen sein, da war von dem ganzen Unfall nichts mehr als ein kleines Häuflein Menschen, die darüber berieten wie das Unglück hatte passieren können und was alles hätte geschehen müssen, um es zu verhüten

Ja, und noch etwas war übrig: die gewaltige Bäule in der Anschlagsäule. Sie war tief eingeknickt, und da wo der Knick am schärfsten war, lief ein Riß im Zickzack hin und her. Ein unschöner Riß, der durch rostiges Me­tall in ein hohles Inneres blicken ließ. Papierfetzen hingen herum. Da flatterte einer mit der großen In­schrift:Bar", dort hing ein halb abgerissenes Bein; von einer Frauenfigur war an der Säule nur ein hochgereck- ter nackter Arm vorhanden In das grellbunte Plakat eines Nachtkabarett hatte der Wagen hineingeschlagen, ihm zur Seite, gleichfalls noch beschädigt, klebte eine nicht minder grelle Kinoplakette an: ..Mord am . ." Mehr war nicht zu lesen. Unten drunter pries ein Dc- tektivbüro seine Dienste für diskrete Ueberwachungen, Hilfe bei Verbrechen, und ähnliche Fälle an

Mir schien es, als hätte ich nie in meinem Leben eine Anschlagsäule mit so schauerlicher Deutlichkeit vor Augen gesehen wie diese; eine Säule, gegen die ein Auto gestoßen war; aber mehr noch: gegen die Tag für Tag und Stunde für Stunde Menschenfeelen stießen, alte und junge, kranke und gesunde, gute und böse, schuldige unb unschuldige. Und wer will sie zählen, all die, die durch diesen Stoß an ihrer Seele krank, wund, kbüppelhaft geworden, ja getötet worden sind?

Der Unfall schien mir nicht nur mehr Zufall, Unvor­sichtigkeit, nein, er schien mir ein Symbol. Räumt nur schnell die Spuren hinweg, räumt! Reißt die zerfetzten Papiere ab, repariert die Säule!

Ihr hättet viel zu tun, wolltet ihr auch die Spuren der unsichtbaren Unglücksfälle Hinwegräumen, die um eure Anschlagsäulen Berge von Seelenwraks anhäufen.

Heute habe ich ihn erkannt: den Tod an der An­schlagsäule!

Auf Fischfang im Indischen Ozean

Von Rudolf S e n h t e.

Der Verfasser, der vielen unserer Leser kein Unbekannter ist, siedelte vor einigen Monaten von Fulda nach K i g o m b e (ehemaliges Deutsch- Ostafrika, heute englisches Mandatsgebiet Tan- ganyika), seinem früheren Wirkungskreis, über. Er sendet uns aus feiner neuen Heimat, wo es ihm recht gut gefällt, nachstehende Skizze und läßt alle Fuldaer Freunde bestens grüßen. D. Schriftl.

Der Morgen dämmert herauf. Fern am Horizont, wo sich Ozean und Himmel zu berühren scheinen, schie­ßen helle Lichtstreifen empor. Die Sonne beginnt ihre Tagesreise. Eine frische Brise weht vom Land zur See. Mein kleines Wohnhaus auf hoher felsiger Klippe bietet eine entzückende Aussicht über das weite, freie Meer. Ich steige hinab zur sandigen Flachküste, wo die mit Palmblättern gedeckten Lehmhütten des Fi­scherdorfes Kigombe die sanft geschwungene Bucht um­säumen. Der alte Hamsa und fein Neffe Bakari er­warten mich schon. Die Auslegerboote schaukeln auf den Wellen. Diese sogenannten Ngalawas roerben aus dem Stamme des Mango- ober des Mvulsbaums mit der Krummaxt, dem Dächsel, ausgshauen. Die Arbeit nimmt, je nach dem Eifer der Leute, 3 bis 5 Wochen in Anspruch. Die Länge der Boote schwankt zwischen 4 und 7 Metern, sie sind bis 60 Zentimeter tief und so breit, daß ein normalgebauter Mann eben noch darin sitzen kann. Ueber dem Vorder- und Hinderteil des

Fahrzeuges sind zwei armdicke Balken mit Stricken be­festigt. An den Enden dieser Balken sitzt je ein schräg nach außen und unten führender Knüppel, und diese vier Knüppel tragen wiederum die beiden Bretter, die in einem Winkel von etwa 70 Grad schräg auf der Was­serfläche stehen und das Boot auch bei starkem Wel­lengang einigermaßen im Gleichgewicht halten und nicht kentern lassen. Der 4 bis 5 Meter hohe Mast trägt die lange Bambusrahe mit dem dreieckigen Segel. Au­ßerdem sind ein Steuer und zwei kurze lanzettförmige Paddelruder vorhanden. Als Anker dient ein dicker durchlochter Kalkstein, der mit dem dazugehörigen Tau im Vordersteven liegt.

Ich steige ins Boot und nehme auf einer teeren Pe­troleumkiste Platz. Infolge des gewölbten Schifssbodens liegt sie zwar schief, aber es ist immer noch angeneh­mer, auf solch einer Unterlage statt auf einem Knüp­pel stundenlang ausharren zu müssen. Das Segel fliegt hoch, die haltenden Kokosstricke werden festgemacht und durch die sich kräuselnden Wellen schießt die schlanke Nglawa hinaus in die See.

Bakari sitzt vorne, ich in der Mitte, und Hamsa be­dient das Steuer. Das Handwerkszeug meiner Fischer besteht heute ausnahmslos aus geteerten Schnüren ver­schiedener Stärke mit großen und kleinen Angelhaken. Sie hängen wohlgeordnet und griffbereit auf Stäben die quer über dem Boote liegen.

Nach halbstündiger Fahrt kommen wir in die Nähe einer Sandbank. Aus einen Befehl Hamsas refft Ba­kari das Segel. Mit der Rahe geht es nieder und ruht auf dem linksseitigen Auslegerbalken. Der An- ferftein fliegt über Bord, und unser Boot liegt schau­kelnd auf den Wellen. Meine beiden Schwarzen neh­men ihre Schnüre zur Hand, die Köder werden befe­stigt, und mit geschicktem Schwung fliegen die Haken 15 bis 20 Meter weit hinaus in die See. Manche Schnur trägt zwei und drei Haken, die in gewissen Abständen befestigt sind. Als Senkblei diente eine kleine Eisen- fchraube. Es dauert nicht lange, da haut Hamsa ober Bakari mit kurzem Ruck an, und die Beute wird ins Boot aezogen. Oft hängt an ledern Eren der Scknur ein Fisch. Es sind in der Mehrzahl handlange Barsche, hellgelb mit schwarzen Querftreifen, die man hier Songoro nennt. Eine größere Art, hellbraun mit 'chwarzen kleinen Flecken, heißt Chewa. Der Fische reichtum des Indischen Ozeans ist sehr groß. Auf den Märkten unserer Haupthafenstädte Tanga, Daressalam, Bagamoyo usw. können mir Meeresbewohner aller Größen und im prächtigsten Farbenkleide bewundern. Diese eignen sich zum Kochen, jene zum Braten. Da sehen wir z. B den armlangen bunteiroten Kungu, bett silberglänzenden Kikotwe, den hellgrünen schwarzgetüp- felten Kangu Auch der kleine Grundhai ist für manchen ein Leckerbissen. Andere Fische wirken durch chr Aus­sehen ganz komisch; sie haben krumme verbogene Schnauzen und hervorquellende Augen, als wären fit versehentlich durch die Walzen einer Mühle gegangen.

Als Köder dient hauptsächlich das in Streifen ge­schnittene Fleisch des. Tintenfisches. Von dieser Lock­speise haben wir nur noch einen kleinen Vorrat Fri­schenChambo" (Ködert muß herbeigeschafft werden. Bakari nimmt einen der kleinen, noch lebenden Barsche zur Hand, zieht ihm die Angelschnur durch die Kiemen und wirft ihn weit hinaus

Die Sonne ist inzwischen höher gestiegen und brennt unbarmherzig auf uns herab Den Kopf des Europäers schützt der Tropenhut aus Kork ober Gummi, ber der Lust freien Durchzug gestattet und den Kopf kühl hält. Die Eingeborenen fragen den roten Fez oder ein als Turban zusammengeschlungenes Tuch. Es sind Moham­medaner. Ruhig liegt die See in ber Mittagsglut, leise hebt und senkt sich ihre hellgrüne Wogenbrust. In ber Ferne zieht ein Dampfer seine Bahn nach Süben. Von der Küste winken die schlanken Kokospalmen mit langen Wedeln herüber. Zwischen ihnen stehen gewaltige Affenbrotbäume wie Giganten ber Vorzeit. Auf hoher Felsenklippe ragt das zweistöckige weiße Herrenhaus mei­nes Gastfreundes. Frieden weit und breit. Hier merkt man nichts von den Sorgen und Nöten, dem Hader und Parteigezänk, unter dem die Heimat seufzt und leidet.

Wir halten unsere Schnüre in den Händen. D?e Hitze drückt auf den wachen Geist. Die Unterhaltung schlummert ein. Nur ab und zu wird mit scharfem Ruck angehauen, die Leine eingezogen und ber vom Haken aeläfte zappelnde Fisch ins Boot geworfen.

Da sehe ich, wie Bakari gespannt nach seinem leben­den Köder blickt. Die Angelschnur hat sich gefpannt. Vorsichtig zieht er die Seine ein. Langsam kommt das Ende in Sicht. Ein merkwürdiges Tier hängt daran. Nini, was ist das?"Ngisi.bwana, ein Tintenfisch, Herr." Jetzt kann ichs deutlich unterscheiden: Ein seit- fam gestaltetes Geschöpf nähert sich in flugähnlichen Wellenbewegungen gezwungenermaßen unferm Boot. Der alte Hamsa ist aufgeftanben. In ber Hand hält er eine gerollte dicke Angelschnur, an deren Ende ein drei­teiliger Haken sitzt. Der Fischer schätzt die (Entfernung, und mit geschicktem Schwung fliegt der Haken und fällt kurz hinter dem Gefangenen ins Wasser. Ein Ruck, und das scharfe Eisen bohrt sich durch dessen Schwanzteil. Der Kopfsüßer wird ins Bott gehoben. Er ist etwa 50 bis 60 cm. lang und 30 cm. breit. Die Färbung der Rückenfläche ist gelblichbraun und punktiert, in ber Er­regung aber wechselt sie bauernd. Die Bauchseite ist grauweiß, die großen hervorstehenden Glotzaugen schil­lern blaugrün. Am Kopfe trägt ber Ngisi acht r ofenrote Fangarme, bie auf ber weißen Unterseite dicht mit Saugnäpfen besetzt sind Der arme kleine Köderfisch ift davon fest umschlungen. In der kurzen Zeit des ge- waltsamen Heranziehens hat der grausame Räuber fein Opfer schon halb aufgefressen. In der Mitte des wei­chen, gallertartigen Kopfes sitzt versteckt das Maul. Es gleicht dem harten hornigen Schnabel eines Papageies.

Der Mann vom Meer.

Von Julius Regis.

Ertragen aus dem Schwedischen. ®. Müller-Beilag. München.

IM dem ersten Schreck verwandelte sich Eriks Stirn» bald, und er fühlte sich immer mehr zu diesem Ian» gelassenen Menschen hingezogen, ber ihm allmählich 7">er mehr Vertrauen abgewann. So begann er denn * seinen Erkundigungen in Amsterdam zu erzählen, Z"ei er sich nicht immer ganz einig war, wie weit er R auf diese verwickelte Sache einlassen sollte. Aber schon wenigen Sätzen fiel sein Zuhörer ihm ins Wort: richtig! Die Reynoldsche Erbschaftsgeschichte. Das Igj. es ja, wonach ich mein Gedächtnis durchsuchte, so- «ie Ihren Namen nannten. Die Sache müssen wir v<er für sich erörtern. Hier ergeben sich mehrere- jV ®e ich sehe." Er forderte Erik durch eine Hand- egung zum Fortfahren auf und lehnte sich im Stuhl . Dann und wann warf er eine erläuternde Frage 'ö 3 jedoch auf den verhängnisvollen Donners» ei>?. ÜU sprechen kam, richtete er sich kerzengerade Ijt®16 sagte kein Wort, bis Erik beschrieb, wie Coll den ttoJ1 untersucht hatte. Dann nahmen bie grauen Augen 'n anberen Ausdruck an.

|ej2°"en Sie also sagen, daß Sie seitdem ber festen stnd, jenen Mann getötet zu haben",

Etjj$a ~~ was soll ich darauf antworten?" erwiderte "®icin Verstand war überzeugt, aber mein Ge- niemals! Ich empfinde keine Spur von Schuld - k£ie Ian9e haben Sie diese Anfälle von Somnam- JJS gehabt?"

kjx.5 .^'nd zeitweise ganz häufig. Sie hörten auf, ;jn,6r,5ef)n Jahre alt wurde."

MH n nicht ganz? Ms Erwachsener haben Sie einige ungemütliche Derartige Erlebnisse ge» die das?"

| glaube, daß sich sowohl Ihr Gefühl wie Ihr '°nst in jener Nacht geweighrt haben würde.

zuzugeben, daß es Ihre Hand war, bie dort im Korridor bie Waffe geführt hatte. Kein Beweis der Welt würde Sie überzeugt haben, wenn nicht zuvor eine Möglichkeit bestanden hätte."

Sie haben recht", murmelte Erik erschüttert. Dann berichtete er über den Vorfall in Upsala und setzte sehr erregt hinzu:Sie sehen, daß alle Umstände gegen mich sprechen!"

Auf gewisse Weise wohl," entgegnete Wallion,aber Sie übertreiben. Der Fall ist seltsam, aber durchaus nicht einzigartig. Denn Gewalttaten im somnambulen Zustand kommen vor. Und sie unterliegen nicht dem Strafgesetzbuch. Wenn Ihr Somnambulismus bewiesen werden kann, liegt die Entscheidung nicht beim Richter, sondern beim Arzt."

Ich mache mir keine Illusionen! Was kann ich denn beweisen? Muß die Polizei nicht annehmen, daß ich lüge, um mich zu retten?"

Und Sie haben nie einen Arzt zurate gezogen?"

Nein, niemals."

Die alte Geschichte!" Wallion schüttelte den Kopf. Aber verzeihen Sie die Unterbrechung und fahren Sie fort!"

Erik beschrieb, wie Colt alle Spuren beseitigt hatte, bevor sie bie Villa verließen. Als er bann noch über die geplante Flucht berichtet hatt^, die ihn aber zur Heim­reise veranlaßte, verstummte er, während Wallion eine neue Zigarette anzündete und den Rauchwolken gedan­kenvoll mit den Augen folgte.

Sind Sie auch in Brüssel gewesen?" fragte er schließlich.

Ja, einen Tag um die Stadt kennenzulernen."

-Haben Sie dort irgendwelche Bekannte?"

Nein."

Und Sie erlebten da nichts Besonderes?"

Nein, nichts dessen ich mich erinnere."

Gestatten Sie mir eine Frage, die Sie mit genaue­ster Ueberlegung beantworten müssen, selbst wenn sie verletzend wirken sollte. Halten Sie es für ausgeschlossen, daß Sie in Brüssel einen Anfall von Somnambulismus gehabt haben?"

Ja . . . Ich wohnte in einem Hotel. Das . . . Nein, das ist nicht möglich."

Haben Sie jemals den Namen Emile Delplace ge­hört?"

Nein. Wer ist bas?"

Ein belgischer Polizeibeainter. Er war einer ber be­gabtesten Detektive in Brüssel,"

Er mar?" flüsterte Erik.

Er ist schon am Montag identifiziert worben, ob­wohl bie Polizei uns nicht gestattet, es zu veröffentli­chen."

IV.

Wenn Erik Wallions Methoben gekannt hätte, würde er begriffen haben, daß er ihn auf die Probe gestellt hatte und mit dem Ergebnis zufrieden war, denn er lächelte flüchtig.

Die so völlig unerwartet hervorgeschleuderte Neuigkeit zertrümmerte eine von Eriks letzten Verschanzungen. So lange er sich hatte einreden können, daß der Tote ein Dieb gewesen sei, hatte ihm dieser Umstand eine Art von Erleichterung verschafft. Und jetzt ein belgischer Detektiv! Es kam ihm vor, als ob Wallions Frage eine versteckte Bedeutung habe, bie er voller Entsetzen von sich wies:Sie sprechen, als ob Sie dächten, daß er mir nachgespürt habe?"

Bester Herr Reynold, darüber konnte ich mir un­möglich irgendeine Meinung bilden. Bevor Sie herkamen und mir berichteten, besaß ich ja kaum irgendwelche An­haltspunkte in bezug auf Sie und Soll. Ich kehrte am Montag aus Kopenhagen zurück, und da sagte mir mein Adlatus Lang, daß dies Drama in der Haberschen Billa ganz rätselhaft sei. Ein Hotel hatte erst eben gemeldet, daß einer seiner Gäste seit Donnerstag abend vermißt werde, und seine Beschreibung stimmte mit dem Signale» ment in den Sonntagszeitungen überein. Eine Konfron­tation ergab, daß man nicht mehr nach dem Herrn aus Brüssel zu suchen brauchte. Er war gefunben. Er hatte sich im Hotel alsEmile Delplace, Offizier" eingeschrie­ben, was sowhol Offizier wie Beamter bebeuten konnte. Ich kannte den Det°ktiv Delplace nicht persönlich, aber von Hörensagen, und teilte ber Polizei mit, baß es mög­licherweise dieser sein könne. nr"f eine telegraphische An­frage in Brüssel erfa.y.c noch um selben Abend Antwort. Delplace war tatsächlich nach Schweden gereift, wenn

auch nicht auf direktem Wege von Brüssel aus. Er war seit einiger Zeit mit einem selbständigen Auftrag betraut worben, so daß nichts Näheres mitgeteilt werden konnte. Dennoch war jeder Zweifel ausgeschlossen. Von hier aus wurde nun ausführlich per Draht nach Brüssel berichtet, und heute morgen erfuhr ich, daß man hier in den näch­sten Tagen die Ankunft eines höheren Polizeibeamten aus Brüssel erwartet." Wallion verstummte und lächelte belustigt.Es sollte mich nicht wunhern, wenn es der brave Jourdan wäre", murmelte er wie im Selbstge­spräch.Liber das ist eine andere Geschichte! Ich kam leider einige Tage zu spät nach ber Haberschen Villa hin­aus und bezweifelte, baß es dort noch etwas Neues zu entdecken geben würde. Aber ein Umstand ist mir auf­gefallen, als ich Delplaces Kleider untersuchte. Es mar deutlich zu sehen, daß er nicht lange zu Fuß gegangen war, und einige Anzeichen deuteten darauf hin, daß er per Motorrad hingelangt sei. Ich entdeckte denn auch bald eine Stelle außen am Staket, wo kürzlich unter den Büschen ein solches Rad gestanden hatte. Es war eine ungewöhnliche Stelle, aber es konnte sein Motorrad ge­wesen sein. War eine Person per Auto hingekommen und von Delplace verfolgt worden? Ober waren beide gleichzeitig angekommen? Ich wollte mir den Kopf nicht mit Rätseln verwirren und fuhr deshalb nach dem Hotel. Delplace war am Donnerstagmorgen mit dem Kontinentalzug angekommen, und den Tag über in sei­ner stillen verschwiegenen Art aus- und eingegangen. Gegen Abend saß er lange in der Halle, als ob er jemand erwartete. Kurz nach Mitternacht gegen halb eins stand er draußen auf der Treppe und rauchte. Mit einem Mal rannte er so wie er da stand, ohne Hut und Mantel, nach ber Garage, holte sein Motorrad heraus und fuhr blitzschnell von bannen. Das war das letzte Mal, daß man ihn lebend gesehen hat. Cs ist natürlich klar, daß er jemand verfolgte, vermutlich das geheim­nisvolle Auto, bas auch bei ber Haberschen Villa auf« tauchte. Und bas führt mich sozusagen automatisch zu ber Schlußfolgerung, daß zwei Personen im Auto saßen, zwei Personen, die ungebeten die Haberschen Fremdenzimmer benutzten. Und als: Delplace bann un­vorsichtig ins Haus einbrang, wurde einer von ihnen fein Mörder, worauf dieser entfloh und dasorrab im