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Anzeiger für die Staöf Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk

Sonntag, 15. März 1931

Zahrg. 58

fapitaüjtijdjen Wirtschaft zu halten vermöge.

Vertreter dieser Niedergangstheorie, so fuhr Dr. Brüning fort, haben sich gründlich geirrt.

zialversicherung müsse durch diese Notzeit hindurch gerettet werden.

Um 7 Uhr wurde die Weiterberatung auf Samstag, 10 Uhr, vertagt. Auf der Tagesord­nung steht weiter die Genfer Handel s-K o n- v e nt i o n.

hältnis zwischen ihm und feinen Auftraggebern zu kräftigen,

durch billige und solide Arbeit

zu Bestellungen anzuregen, dann erwirbt es sich ein Verdienst um die Gesundung der wirtschaft­lichen Lage. Dann dient es am besten und wirk­samsten dem wohlverstandenen eigenen Interesse.

Der Präsident des deutschen Handwerks- und Eewerbekammertages Magdeburg, Ernst Pslug- m a ch er, dankte dem Reichskanzler für seine Worte, die er als ein Zeichen dafür bezeichnete, daß die Reichsregierung bereit ist, das deutsche Volk

mit festen Händen durch die Vertrauenskrise der Wirtschaft zu innerer Gesundung zu führen.

Richt minder sei dem Reichstage und den Parla­menten der Länder dringend ans Herz zu legen, daß auch sie die Fragen des Handwerkes unvor­eingenommen und sachlich behandeln. Mit dem deutschen Volk verlange das Handwerk nach sach­lichen Entscheidungen in allen Fragen der Gesetz­gebung und Verwaltung. Die Ansprache klang aus in ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Reichs­präsident von Hindenburg, den Ehrenmeister des deutschen Handwerks und Schirmherrn der Reichs­handwerkswoche.

wtb. Berlin, 14. März. (Gig. Meld.) Reichs­präsident von Hindenburg, Ehrenmei- fter des deutschen Handwerks, empfing aus Anlaß der heute beginnenden Reichshandwertswoche eine Abordnung des deutschen Handwerkes, bestehend aus dem Vorsitzenden des Reichsoerbandes des deutschen Handwerks Berlin, dem Präsidenten des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages Pflugmacher, dem Präsidenten der Handwerkskam­mer Berlin Ludwig und den geschäftsführenden Präsidialmitgliedern Dr. Meufch und Hermann. Die erschienenen Herren berichteten dem Herrn Reichspräsidenten über Ziele und Zweck der heute eröffneten Reichshandwerkswoche und über die wirtschaftliche Lage im deutschen Handwerk. Am Sckluß der Besprechung gab der Herr Reichsprä­sident seinem besonderen Interesse für das deutsche Handwerk und seinen besten Wünschen für einen guten Erfolg der Reichshandmerkswoche Ausdruck.

Eröffnung der Relchshandwerks-Voche

Bemerkenswerte Rede des Reichskanzlers.

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bett äußern, noch nicht voll entwickelten Kreisen der

Die

Schlichtungswesen in dieser ernsten Zeit viel Unheil verhütet habe. Die Theorie vom „politischen Lohn" sei leider kein' bloßes Schlagwort, sondern eine von sozialdemokratischer Seite oft ausgestellte Forderung. Handwerk und Gewerbe wehren sich mit Recht gegen die starre Bindung des Lohnes durch Zwangsmaßnahmen. Ebenso schädlich wirke aber beim Einkauf der Rohstoffe und Halbfabrikate die starke Preisbin­dung durch Kartelle, Syndikate und Truste. Der gewerbliche Mittelstand wird unter diesen Um­ständen nur zum Objekt der Wirtschaft, statt als Subjekt zu wirken. Ohne die Beseitigung dieser starren Bindungen auf der Lohn- und Preisseite kann die gegenwärtige Wirtschaftskrise nicht über­wunden werden. Viele Zweige des Handwerks leiden unter der Krise außerordentlich schwer. Es ist nicht richtig, daß das Handwerk im allgemeinen ein Interesse an höheren Löhnen habe. Diejeni­gen Handwerkszweige, die nicht für den unbeding­ten lebensnotwendigen Bedarf arbeiten, werden durch steigende Löhne in ihrer Produktion ein­geengt. Die Kundschaft bedient sich leider bei sol­chen Lohnverhältnissen immer mehr der Sch w a r z- arbeit von Arbeitslosen. Das Handwerk muß an alle, die es angeht, den dringenden Appell richten, von solcher Schwarzarbeit Ab­stand zu nehmen. Der Lehrling soll nicht zum Objekt des Arbeitskampfes gemacht werden. Das Arbeitsschutzgesetz begrüßen wir, aber wir wollen l»ns nicht aus alle Einzelheiten des Was­hingtoner Abkommens festlegen lassen. Die 40- Stundenwoche wird in manchen Industrien und Gewerben auf dem Wege freiwilliger Verständi­gung eine gesunde Reform bedeuten, aber ihre allgemeine Einführung durch gesetzlichen Zwang wäre für Handwerk und Kleingewerbe ganz un­möglich. Wir lehnen das kollektivistische Denken ab, aber wir wollen, daß der Mensch, der Arbeit­nehmer wie der Arbeitgeber, wieder Freude an seiner Arbeit haben kann.

Von den Sozialdemokraten ist inzwischen eine Entschließung eingegangen, in der verlangt wird, daß von der Jndustriebelastung (Ausbringüngsum- lage) jährlich mindestens 50 Mill, für Zwecke der Knappschaftsversicherung bereitgestellt werden.

Abg. Thiel (D. V. P.) führt aus, in allen Parteien, die nicht das jetzige Wirtschaftssystem zerstören wollen, fei heute die Erkenntnis vor­handen, daß aus der bedrängten deutschen Wirt­schaft weitere Steuermittel nicht mehr herausgepreßtwerden könnt en, daß viel­mehr nur eine Wiederbelebung der Wirtschaft helfen könnte. Durch den Uebermut der Sieger­staaten, durch das Versailler Diktat sind Störungen hervorgerufen worden im Kapitalblutumlauf der Welt. Wer die Weltwirtschaftskrise überwinden will, muß deshalb die Revision des Versailler Ver­trages fordern. In der Innenpolitik hat sich ge­zeigt, wie falsch die Rechnung jener politischen Kreise war, die mit der Wegsteuerung der großen Vermögen und Einkommen den minderbemittelten Schichten helfen wollten. Wir kommen nicht wei­ter Mit einer Gleichmacherei. Auch derjenige, der nichts besitzt, hat kein Interesse an einer Politik, die die Privateigentumsrechte beschränkt. Wir müssen an dem privatkapitalistischen Wirtschafts­system in Deutschland festhalten, denn wir brau­chen Auslandskapital zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft. Die Rationalisierung darf nicht in Bausch und Bogen verdammt werden, aber aus den begangenen Fehlern sollte man lernen. Wir begrüßen die Erklärung des Reichsarbeits- ministers, daß er in der Arbeitszeitfrage im Augenblick noch nicht mit gesetzlichen Maßnahmen eingreifen will, weil jetzt in der Krisenzeit leicht größerer Schaden entstehen könnte. Wir hoffen aber, daß der Appell des Ministers an die Un- terpehmer Erfolg haben wird; aber es muß auch davor gewarnt werden, von der Arbeitsstreckung zu viel für die Linderung der Arbeitslosigkeit zu erwarten. In einer ganzen Reihe von Industrien ist jetzt schon die Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden und weniger wöchentlich freiwillig durchgesührt worden. Die gesetzliche Einführung einer 40-Stunden-Woche ist jetzt noch nicht spruch­reif. Deutschland hätte am wenigsten Interesse an einem Wettlauf um die billigsten Löhne und die längste Arbeitszeit. Ein soziales Dumping wird in Deutschland nicht eintreten, wenn es nicht von unseren Reparationsgläubigern herbeigeführt wird. Die Verkürzung der Mittel für den Wohnungsbau hat weiter die erhoffte Wirkung einer Senkung der Realsteuern noch nicht gehabt. Das ganze Bauvorhaben ist aber gestört worden und die Län­der haben zur Selbsthilfe gegriffen, z. T. in einer den Reichsrichtlinien widersprechenden Weise. Die Wirkung ist eine Arbeitslosigkeit im Baugewerbe, die 500000 über dem Stande des Vorjahres liegen wird. Um zu retten, was zu retten ist, sollte unter Zurückstellung aller bürokratischen Hem­mungen mindestens die Fertigstellung aller ange­fangenen Bauvorhaben gefördert werden. Es wird alles getan werden müssen, um das Privat­kapital in stärkerem Maße als bisher für den Wohnungsbau heranzuziehen. Daneben muß dahin gewirkt werden, daß größere Altwoh­nungen zu Kleinwohnungen umgestal- tet werden. Der Weg der politischen Bestim­mung des Mietpreises muß verlassen werden.

Abg. Schmidt-Kassel vom Christlich-So- zialen Volksdienst sah in der jetzigen Wirt­schaftskrise die entscheidende Auseinandersetzung zwischen Mensch und Maschine. Die Inflation der Maschine verdränge den Menschen, und es komme jetzt alles darauf an, eine Lösung zu finden, die dem arbeitenden Menschen gerecht wird. In diesem Notjahr muß die Beschäftigung polnischer Wanderarbeiter verboten werden. Wir bitten auch um erneute Prüfung des Gedankens eines freiwilligen Arbeitsdienst- j a h r e s. Der Redner ersucht dann um Förde­rung des Wohnheim st ättengefetzes. Die Arbeitszeitverkürzung werde unter schonender Berücksichtigung der verschiedenen Ver­hältnisse durchgeführt werden müssen. Die So­

I Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Sie Weit tm Bild" und „Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- •: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.

Sei der Eröffnungsfeier der Reichshandwerks- ■ wn(£.e hie in Berlin am Samstag im Gebäude des Rsickswirtschaftsrates vor sich ging, begrüßte der «arlikende des Reichsverbandes des deutschen Randwerts Hannover, Friedrich D e r l i e n, im Namen des Reichsverbandes des deutschen Hand- — und des Deutschen Handwerks- und Ge­werbekammertages, die erschienenen Staatsmänner ’ «nb Führer der Wirtschaft, vor allem den R e i chs- lanzler Dr. Brüning. Er bezeichnete als «nn und Zweck der Reichshandwerkswoche, das Ätsche Volk an fein Handwerk und das Handwerk W« feine Aufgabe in der Wirtschaft und Gemein- - waft des Volkes zu erinnern. Als Mittelstand, Ms heißt als Berufsstand inmitten anderer Stände und Klassen, habe das Handwerk nach allen Seiten hin auszugleichen und einer SIam» mer gleich die Volksgemeinschaft zu­sammenhalten zu helfen. Das könne nur ge­schehen, wenn die wirtschaftliche Grundlage fest ge­nug sei, das Handwerk in der Mitte zu halten. Seine soziale Pflicht bestehe darin, jedem Be­triebsangehörigen die Möglichkeit des Aufstieges zu geben. Sie fei zugleich die beste Form, für sozialen Ausgleich zu sorgen. Sie beruhe aber nicht auf dem Fürsorgegedanken, sondern auf dem alten Spruch: Jeder istseinesGlü ckes Schmied.

Reichskanzler Dr. Brüning

überbrachte die Grüße der Reichs- und preußischen Staatsregierung. Er sprach die Ueberzeugung aus, daß das Handwerk trotz der gegenwärtigen Krise nicht in müder Resignation zu verzagen brauche. Der Reichskanzler erinnerte daran, daß das Hand­werk schon einmal in seiner Geschichte — beim Auf­kommen von Fabrik und Eisenbahn im vorigen Jahrhundert — eine Krise durchmachen mußte, die noch mehr als die gegenwärtige seinen Fortbestand in Frage stellte. In den neunziger Jahren sei der Verein für Sozialpolitik zu dem Ergeb­nis gekommen, daß bei der fortschreitenden Technik und bei der gewaltigen Konzentration des Kapi- -tch und der Produktionsmittel der selbständige hondwerksstand völlig aufgesogen werden müsse M daß die handwerkliche Vetriebsform sich nur in

Die Verhandlungen lmRelchskag

C.N.B. Berlin. 14. März.. (Eig. Meld.) In politischen Kreisen hat man ben Eindruck, daß die Entspannung ber parlamentari­schen Lage weitere Fortschritte macht. Es wirb zwar damit gerechnet, baß bei der 3. Le­sung des Etats noch gewisse Kampf­momente auftreten können. Sie dürften aber kaum ausreichen, ‘um die ordnungsmäßige Ver­abschiedung der Vorlagen irgendwie zu gefährden. Im wesentlichen wird die Situation augenblicklich von drei Punkten beherrscht. Das ist einmal die Frage der von der Sozialdemokratie geforderten Erhöhung des Steuerzuschlages auf die Einkommen über 20 000 Mark. Bei der deut­schen Volkspartei machte sich in den letzten Tagen eine gewisse Verstimmung bemerkbar, weil die Enthaltung des Zentrums im Ausschuß die An­nahme des sozialdemokratischen Antrages möglich gemacht hatte, während dem Abg. Dingeldey von Regierungsseite gewisse Zusagen gegen die Zu­schlags-Erhöhung gegeben worden waren. Wie nun verlautet, wird das Zentrum bei der Abstimmung in der Vollsitzung voraussichtlich die Erhöhung a b= lehnen. Die Schwierigkeiten, die sich aus die­ser Frage für die parlamentarische Lage ergeben, wären dann also beseitigt. Freilich ist es immer noch möglich, daß eine Mehrheit von Sozialdemo­kraten und Kommunisten für den sozialdemokrati­schen Antrag zustande kommt. In diesem Falle erwartet man in parlamentarischen Kreisen, daß ber Reichsrat ebenso Einspruch erhebt wie er das gegen den Gefrierfleisch-Antrag bereits getan hat.

Es bleibt dann noch übrig, eine Verständigung über die Dauer der Reichstagsver­tagung und über die Durchführung derSpa r- ermächtigung zu erzielen, die bekanntlich vor einiger Zeit zwischen Regierung und Deutscher Volksparier vereinbart worben ist. Die Regelung dieser beiden Punkt? wird die Aufgabe ber kom­menden Woche fein.

*

Reichstagspräsident Löbe eröffnet am Freitag die Reichstagssitzung um 3 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Frau Himm­ler (Komm.) die sofortige Beratung des Antrags auf Aufhebung des § 218 des Strafgesetz­buches. Der sofortigen Beratung wirb wider­sprochen.

Die zweite Beratung des Haushalts des Reichs­arbeitsministeriums wird fortgesetzt.

Abg. Schröter-Merseburg (Komm.) wendet sich gegen die Methoden des staatlichen Schlichtungs­wesens. Die Hungerregierung Brüning könne ihre Maßnahmen gegen die Arbeiterschaft nur durchfüh­ren, weil die Sozialdemokratie sich für Brüning und gegen die Arbeiter entschieden habe. Den deutschen Arbeitslosen werde die wirksamste Hilfe durch die Aufträge Sowjeirußlands gewährt. Die Sozialdemokratie agitiere dennoch, gegen die Aus­führung dieser Aufträge.

Abg. Hermann (WP) stimmt den Ausführungen des Ministers über die traurige Wirtschaftslage zu und erkennt auch an, daß das staatliche I

Am Samstag wurde um 10 Uhr vormittags die zweite Beratung des Genfer Handels­abkommens begonnen in Verbindung mit der Besprechung eines Antrags der Landvolkpartei auf Ablehnung der Genfer Abmachungen übet den Zollfrieden. Der Ausschuß schlägt die Annahme des Gesetzentwurfes vor. ’ Von den Verpflichtungen, die Deutschland mit dem Abkommen übernimmt, kommt die größte Tragweite dem Verzicht auf die Kündigung der mit den anderen Teilnehmerstaaten abgeschlossenen Handelsverträge zu. Richt ausge­schlossen ist die Äenderung bestehender vertraglicher Abreden im Wege der Vereinbarung mit den jeweiligen Vertragspartnern, allerdings vorbehalt­lich des Kündigungsrechtes betroffener dritter Staa­ten.

Abg. H ö r n l e (Komm.) nennt die Vorlage ein Meisterbeispiel vom Völkerbund getriebener Heuche­lei. Mit diesem Abkommen solle die Illusion er­weckt werden, als ob der Wirtschaftsfriede erstrebt wird, während tatsächlich in allen Ländern, so auch in Deutschland, die Zollmauern immer höher auf» getürmt werden.

Abg. (getan (Bay. V. P.) bekämpft die Vor­lage. Das Abkommen bedeute eine schwere Schä­digung für den deutschen Hopfen-, Obst- und Ge­müsebau, der das größte Interesse daran habe, end­lich von den Bindungen frei zu kommen, die ihm in den bestehenden Verträgen auferlegt sind.

Abg. Hemeker (Landvolk) begründet den An» trag ber Landvolkpartei auf Ablehnung der Gen­fer Abmachungen über den Zollfrieden. Dieses Abkommen greife tief ein in die Verhältnisse ber deutschen Landwirtschaft. Der jetzige Ernährungs- Minister Schiele könne nicht verantwortlich gemacht werden für das Abkommen, das schon von seinem Amtsvorgänger und dem früheren Finanzminister Hilferding eingeleitet worden sei. Trotz aller schö­nen Erklärungen auf ber Genfer Wirtfchaftskonfe- renz hätten bie übrigen Sänber ihre Zölle erhöht. Bei biefer Lage laufe bas Abkommen daraus hin­aus, Deutschland zugunsten bes Auslandes zu schä­bigen. Es sei nur ein Stück ber Völkerbundspoli- tik, bie Deutschland belogen und betrogen habe. Wie Deutschland militärisch durch das Versailler Diktat einseitig abgerüstet wurde, so soll es durch das Genfer Abkommen auch wirtschaftlich entwaff­net werden. Sollte das Abkommen dennoch eine Mehrheit im Reichstag sinken, so erwarten wir von der Reichsregierung, daß sie keinen Gebrauch oon der Ermächtigung macht, die ihr das Abkom­men gibt:

Abg. Dr. Schneider-Berlin (D-V.P-): Das Gen. fer Abkommen hat nur eine geringe prak­tische Bedeutung. Es ist mehr eine schöne Geste. Wenn wir ihm zustimmen, so besteht auch für bie Laub wirtschaft kein Grund zurAusregung. Wir machen bamit eine Ver­beugung vor dem Geist ber Handelsvertragspolitik, aber wir entfernen uns bamit nicht von der agrarischen Schutzzollpolitik, die wir heute in einem Maße treiben, wie niemals vorher. Unsere Getreidezölle stehen heute viel höher, als ber Inlanbsprets und selbst der Welt» marktspreis. Angesichts dieser Verhältnisse ist es eine starke Uebertreibung, wenn man dem Genfer Abkommen eine schädigende Wirkung für die deutsche Landwirtschaft zuschreibt. Die übergroße Mehrheit meiner Fraktion wird dem Abkommen zustimmen

Abg. Graf von Westarp (Volkskonservativ): Es ist bedauerlich, daß die beiden Parteien der Rech­ten, die gerade dieses Abkommen zu heftigen An­griffen gegen die Regierung benutzen, uns auch jetzt im Kampf gegen dieses Abkommen im Stich lassen. Trotz aller einschränkenden Bestimmungen kann das Genfer Abkommen uns doch große Hem­mungen bereiten in ber Durchführung ber im In­teresse unserer Landwirtschaft notroenbigen Zoll­politik. Durch den Ausschluß des Kündigungs­rechts wird unsere taktische Lage bei den Verhand­lungen verschlechtert. Wenn das Abkommen gegen unfern Wunsch hier angenommen wirb, so müssen wir von der Regierung erwarten, daß sie von ber ihr erteilten Ermächtigung keinen Gebrr,ch macht, bevor nicht seststeht, daß sämtliche übrigen Staaten das Abkommen ratifizieren. Wir brauchen die Ueberroeifung des Abkommens an den Aus­wärtigen Ausschuß.

Abg. Freybel (Wirischastspartei): Die Ten­denz des Abkommens könnten wir begrüßen, aber die Handlungsfreiheit, die wir durch das Er­mächtigungsgesetz für Aararzölle haben wollten, wird durch das Genfer Abkommen wieder aufge­hoben. Die ganze Fassung des Abkommens läßt den Verdacht aufkommen, daß von den Partnern einer den andern bemogeln will. Wir können diesem Abkommen nicht zustimmen.

(Die Sitzung dauert an.) *

Eine Stellungnahme der Reicksregierung gegen bie Hugenberg-Presse.

wtb. Berlin, 14. März. (Eig. Meld.) Amtlich» Die wiederholt zurückgewiesene, auf freier Er­findung beruhende Behauptung, daß die Reichs­regierung und der Oberpräsident Lukafchek das Auftreten gewisser Redner bei der Ost Markenkundgebung des alldeutschen Verbandes durch die Drohung mit Entziehung von Unterstützungsgeldern für die Provinz Oberfcklesien zu verhindern suche, wird abermals von dem Ber­liner Lokalanzeiger und der Deutschen Zeitung vorgebracht. Die Verbreitung berartiger Unterstellungen trotz erfolgter eindeutiger Klar- stellung kann nur durch den Wunsch erklärt wer­den, die Ab st immun g,s feiern um jeden Preis zu stören und selbst diese Gelegen­heit für Parteizwecke auszunutzen.

Das Handwerk lebt als gleichberechtigtes, gesundes, entwicklungsfähiges und lebensberechtigtes Glied unserer Gesamtwirtschaft. Weder die sprunghafte kapitalistische Entwicklung in der Vor- und Nach­kriegszeit, noch die dem Handwerk besonders ab­träglichen Bedingungen der Kriegs- und Jnfla- tionsjahre haben es in seinem Bestände zurück- iämmen können. Eineindrittel Millionen Hand­werksbetriebe bestehen im Reich, mehr als 3% Mill. Menschen sind im Handwerk tätig und mehr als 8 Millionen leben in Deutschland vom Handwerk. Und das ist gut so! Denn Staat und Wirtschaft smd

auf die Erhaltung einer breiten Mittelschicht

Md deshalb auf die Erhaltung eines kräftigen Yandwerksstandes angewiesen. Der gewerbliche Mittelstand hilft Gegensätze überbrücken, die sonst Nvischen Großkapital und Arbeiterschaft in weit stärkerem Maße aufeinandertreiben. Der Hand­werksmeister ist in seiner Person der ausgleichende

Mittler zwischen Kapital und Arbeit.

heute bietet das Handwerk Aufstiegsrnöglich- keiten, in dem es dem Strebsamen" verhilft, Dr Selbständigkeit zu gelangen.

^Dazu kommt, daß das Handwerk in der Heran- mldung des gewerblichen Nachwuchses erst eine in »er Zukunft sich auswirkende Arbeit leistet, die der Fachwelt, insbesondere auch der Industrie, zugute kommt. Neben diese Aufgaben tritt

die soziale Mission

^ Handwerks. Ihr Kern liegt in dem seelischen Verhältnis des handwerksmäßig schaffenden Men- l^en feiner Arbeit. Noch heute geben zwei Merk- «wie dem Handwerk das charakteristische Gepräge: r!?5 grundsätzliche Uebertoiegen der menschlichen über die mechanische Arbeit und die allseitige Be- oerrschung bes Arbeitsgebietes durch die im Betrieb ^eichastigten Menschen. Die gegenwärtige schwere «pfe würde sich noch anders und noch tiefer aus- P'n> pienn sich nicht ein erheblicher Teil unserer yrobuftion noch immer auf Betriebe stützte, die qC 6en Charakter des Handwerkes erhalten haben.

es sind nicht materielle Dinge allein, rAöcn Gang des Wirtschaftslebens beeinflussen, 1 „ ™ im hohen Maße auch geiftige Strömun- 2.n;, Es ist das besondere Verdienst des Hand- imK x es der Wirtschaft nicht nur fachliche fonbern auch geistige Kräfte

Lieber wie im vorigen Jahrhundert klopft Ni-, an die Türen der Handwerksstätten. Eine ist dieses Mal eine Not des ganzen Volkes an bie Regierung ist bestrebt, alles, was

M tun, um dieser Not zu steuern und ftnnx/r’SKdje zur Erhaltung und Förderung des sou „ krks beizutragen. Alle staatliche Förderung ftärf», fann aber immer nur Beihilfe fein, die unb wertvolleren Kräfte, die ein Be- tL ' Alb aus sich selbst entfaltet, anzuspornen. fid> ,, 4?verband des deutschen Handwerks hat b$5 As Selbsthilfe bekannt. Seine Bestrebungen, 'im Seine lü? Milderung der Nöte des Handwerks Ap„,A9enbIick beizutragen, finden die wärmste Hondw n^ng. der Reichsregierung. Wenn das -:3die Forderung der Zeit erkennt, wenn r all seinen Teilen wieder bemüht ist, das Ver­