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NILS

15. März

Beilage zur gtalfraet Zeitung

Jtr. 62

Gottesferne

Bemerkungen zu einem Buche.

Von F. H. Schwank-Telfan.

uns

Die Brotvermehrung.

Dekcachkung zum Lonntagsevangelium. Das Wunder der Brotvermehrung wird

Wort Gottes das wahre Brot des Lebens ge­schmeckt haben, schon dies wird uns nicht mehr zu Ruhe kommen lassen und uns vorwärts drängen. Und dann werden wir selber zum Brot, "as sich vermehrt, weil der Friede Gottes von uns auf andere übergreist.

von Johannes mit jener köstlichen Selbstverständ­lichkeit ermhlt, mit der es sich zugetragen hat. Etliche taufend Menschen allein fünftausend Männer lagern im hohen Gras jenes Berges. Es sind nur fünf Gerstenbrote und zwei Fische da. Der Heiland fragt zwar lächelnd die Jünger, wie «an die Menge speisen soll, aber dann spricht er das Dankgebet über die vorhandenen Gaben, und siehe, alle werden satt.

Brauchen wir uns darüber zu verwundern? Dem Gottessohn, der teil hat an der Gottheit, die Jahr um Jahr aus den Samenkörnern der Aus­saat die Ernte des Herbstes zur Sättigung der Millionen werden läßt, dem steht es zu. auch im Augenblick aus wenig Broten Nahrung für viele -u schaffen. Und es bleiben sogar noch zwölf Körbe voll Stücklein übrig, die sorgsam gesammelt wer­den.

Im Evangelium ist noch an anderer Stelle von einer zweiten Brotvermehrung die Rede. Die beiden Geschehnisse unterscheiden sich nur in den Mengenoerhältnisssen. Ein Schriftstel­ler, der das Leben Jesu beschrieb, meint,daß es da sein wird, wo der gemeine Sinn aufspringt". Und es ist wirklich etwas Merkwürdiges habet: Das erstemal waren es fünf Brote ttrb fünf­tausend Menschen; übriggeblieben sind zwölf Körbe voll. Das zweitemal hatte man sieben Brote um zwei mehr; die Zahl der Gespeisten war diesmal viertausend, also um Tausend weniger; vom Ueberschuß wurden nur ^eb»n Körbe voll. Je weniger Brot, desto mehr Gesättigte und desto mehr Ueberbleibsel. Wenn die Brot» noch weni­ger gewesen wären, hätte man doppelt soviel Leute befriedigen können, und es wäre noch mehr übrig geblieben. Wenn man mit fünf für Fünftausend reichte, so hätte man mit einem für fünfmal Mehr gereicht."

Run ist aber das Brot nur die Vorbedin- g u n g d e s Lebens. Für den Heiland ist auch die Brotvermehrung nur ein Geschehnis, das ne­benbei um der Hungernden willen geschieht. Denn dem Teufel gegenüber spricht ja der Heiland in der Stunde der Versuchung, daß der Menlch nicht vom Brot, sondern vom Wort, das aus hem Munde Softes kommt, lebt. In der Wahrheit der Lehre 2eiu ist das eigentliche Brot des Lebens enthal-

Daß die moderne Großstadt für den gläubigen Menschen ein Inferno bedeutet, daß er in ihr lebt wie in einem Fegfeuer, solche Erkenntnis ist dem­jenigen nicht neu, der verstehend den Pulsschlag seiner Zeit fühlt. Leider aber ist dieser Gedanke, diese aufrüttelnde Erkenntnis noch nicht Allgemein­gut aller denkenden Christen geworden, und selbst diejenigen, die um jene Tatsache wissen, ziehen nur ganz selten die unbedingt notwendigen Folgerun­gen aus diesem Erkennen.

Hierzu gehört vor allem ein positiver und ak­tiver Widerstand gegen die Idee der modernen Großstadt, ein bewußtes Auf­lehnen gegen den Geist, der vom Menschen her, mit rein menschlichen, diesseitigen Mitteln, Welt und Menschheit beherrschen und regieren will, her den Namen Gottes nicht nur nicht mehr aus­spricht, sondern ihn überhaupt nicht mehr kennt, der nur einen Götzen anbetet, nämlich die Ma­schine und den von Menschenhand ins Gigantische gesteigerten technischen Fortschritt. Diesem kras­sesten Materialismus und schran­kenlosesten Kapitalismus, wie er sich im System der modernen Millionenstadt austobt, wird dann von vorsichtigen Politikern der Man­tel der Menschlichkeit, in deren Namen alles, Ver­brechen und Ausbeutung, geschieht, umgehängt; ihm wird die Maske eines sozialen Wirkens für die Menschheit vorgebunden, um den betrogenen und belogenen Menschen immer wieder Sand in die Augen zu streuen und sie so stets erneut den materialistischen und kapitalistischen Zwecken dienst­bar zu machen.

Das Haitptmittel dieser gottfernen Politik ist das rastlose Tempo der modernen Welt, ein Schlagwort, das heute Begriff geworden. Aus­gehend von der richtigen Erkenntnis, daß die Men­schen nur zu beherrschen sind, wenn man ihre Seelen beherrscht, wird das Tempo erfunden, das mit seinem rasenden Gang alle in Bann schlug, das den Menschen keine Sekunde Zeit läßt, um an die eigene Seele, an den unsterblichen Gottes­funken in ihrer Brust zu denken. Denn selbständiges Denken ist für die moderne Zeil das

Gefährlichste,

ein Ding, das mit aller Gewalt unterdrückt werden muß. Der moderne Kapitalismus holt das Aeu- ßerste an Arbeitskraft aus den Menschen heraus. Das System der Großstadt besorgt den Rest an körperlicher und seelischer Narkotisierung, indem es den von Berufsfron frei Gewordenen durch das Inferno der sogenannten Vergnügungen peitscht. Die'wenigen überbleibenden Stunden ge­

ten. Das Brot aus Korn dient nur der einmali­gen Sättigung, dann ist es eben gegessen,das geistige Brot ist aber von sich aus wundertätig Das Brot der Wahrheit und der Freude, wird nie alle, kann es nie werden. Teilt es an Tausende aus es ist immer noch vorhanden; gebt Millionen davon, und es ist noch nicht angegrif­fen. Jeder bekommt sein Teil davon wie die hungrigen Männer und Frauen in der Wüste; und je mehr davon genommen haben, desto reichlicher ist es noch vorhanden für die, die erst kommen."

Jetzt ahnst du vielleicht, woher die Heiligen die Kraft ihres Lebens geschöpft haben. Sie haben das Brot der Wahrheit gegessen. Aber das Wunder der geistigen Brotvermehrung währt noch immer. Und du gehörst zu jenen, die von diesem Brote essen sollen, um froh zu werden. Vielleicht hast du in einer Stunde der Selbstbesinnung, viel­leicht am Tisch des Herrn, etwas von dem Frie­den Gottes verspürt. Vielleicht var ?s auch in jenem Augenblick, als du einem Menschen ein liebes Wort gesagt oder eine Wohltat erwiesen hast. Nimm diesen Augenblick als Anfang unjb bewahre diesen Frieden des Herzens.

Vielleicht sprichst du mit jener Frau, die ge­rade vom Beichtstuhl kam, daß du wohl einige Tage auf diesem Weg der Freude in Gott wan­deln könntest und auch die Kraft dazu hättest, bann aber zurückfinken würdest.

Ich verstehe dich und weiß das von mir selbst. Aber siehe, schon die Gewißheit, daß wir in dem

schenleben mißachten und mit Füßen treten? So wird ihn eines Tages die Verzweiflung über­mannen und wird di es Leben wegwerfen, da es ihm inhaltlos geworden, da er sehen mußte, daß das Menschenleben heute wirklich sehr tief im Kurs steht. Der vergangene Weltkrieg mit seinem Irrsinn und die in weiten Kreisen heute noch im­mer bestehenden gedanklichen Rüstungen zu einem neuen Krieg tragen zu dieser allgemeinen Gering­schätzung des Menschelebens natürlich das ihre bei.

Sodann wirkt der

Geburtenrückgang

sich glatt als eine Folge der Entchristlichung der modernen Welt aus. Das Verantwortungsgefühl für den Mitmenschen, für den Ehepartner, fehlt, vom Verantwortungsgefühl für das kommende Menschenleben gar nicht zu reden. Genießen, aber nicht die Folgen tragen, leben, sich ausleben, aber keine Hemmungen und noch viel weniger Verant­wortungen kennen, das ist der Zug unserer Zeit. Ehe ist nicht mehr das, was sie ethisch fein sollte, nämlich derWille zweier, das zu schaf­fen, was größer ist als die, die es schufen. Der so sprach, war kein mittelalter­licher Askat, sondern Friedrich Nietzsche!

Zum dritten Punkt: der

fiirdienmisfriftsberoegung.

Hier liegen die allgemeinen Gründe auch in her stets fortschreitenden Entchristlichung unserer ?t. Hand in Hand damit geht die

Verrohung auf politischem Gebiet, die nicht wenig zu der heutigen Haltlosigkeit der meisten Menschen in weltanschaulichen Dingen bei­trägt. Nur auf einem Boden, auf hem man den christlichen Gedanken ausrodete, sind Er­scheinungen wie der gegenwärtige Irrsinn der nationalsozialistischen Bewegung möglich, nur ein solcher Boden ist aufnahmefähig für' die Utopien eines landfremden Kommunis­mus und Bolschewismus. Wie sehr diese beiden Parteirichtungen insbesondere zum Austritt aus den christlichen Kirchen aufsordern. ist zur Ge­nüge bekannt. Das Wutgefchrei der National­sozialisten über die Verfügungen des mutigen Mainzer Bischofs ist recht verständlich, denn sie sehen sich von diesem Kirchenfursten in ihren ge­heimsten Absichten, der fortschreitenden Entchrist- lichung Deutschlands, erkannt.

Aber auch innenkirchliche Ursachen hat die Kirchenaustrittsbewegung, die der sehende Katholik nicht von der Hand weifen sollte. Maß­gebend sind auch hierzuerst wieder rein äußere Momente, wie die zu große Ausdehnung der Großstadtpfarreien, die es dem Seelsorger unmöglich machen, mit seinen Pfarr- angehörigen in der ständigen Fühlungnahme zu bleiben, die eine erfolgreiche Seelforgtötigkeit er­fordert. Sodann aber auch heute noch immer stel­lenweise die zu große Weltfremdheit ein­zelner Geistlicher, die kein rechtes Ver­ständnis für die Not der Zeit aufbringen können und deshalb so oft fremd den Seelennöten ihrer Pfarrkinder gegenüberstehen. Zum Glück ist diese Erscheinung durch die moderne und zweckentspre­chende Vorbildung der jungen Geistlichen immer mehr im Schwinden begriffen. Ein weit wichtige- rer Faktor aber ist die religiöse Gleich­gültigkeit, die nicht lebendig in ihrem Glau­ben stehen, die bloße Namenskatholiken wurden und bei denen der geringste Anstoß von außen ge­nügt, um sie auch äußerlich von einer Religions­gemeinschaft zu trennen, mit der sie eigentlich bis­her nur noch der Name verband.

Anregungen zu all diesen Gedanken gab ein Buch, das im Bergstadtverlag erschien: Cosmus Flam,Athanasius kommt in die Großstadt" oberDie 2 i e r g r u b e". Der Rahmen biefes Romans ist etwas utopisch ange­legt, bie technischen Dinge werben in einer Ent­wicklung gesehen, wie sie die nächsten zehn Jahre zweifellos bringen werden, auch die politischen Mo­mente sind bei Verfolgung der gegenwärtigen Li­nie ohne weiteres denkbar. Wesentlich aber zeigt das Werk ein Erfassen der umgebenden Gefahr für den Christusgedanken, für bas Christentum überhaupt, einer Gefahr, die in dem System der modernen Großstadt liegt, daß man geblendet und zutiefst erschüttert aufblickt, wenn man den Deckel des Buches geschlossen hat. Es scheint ein Gang

hören einem totenähnlichen Schlaf, der alles Be­sinnen und Erinnern auslöscht. So wird systema­tisch und unter kluger Berechnung bie Seele im Menschen totgeschlagen.

Gottes Wille ist es, daß die Menschen sich die Erde dienstbar machen. Gegen Gottes Gebot aber ist eine Ueberfteigentng dieser Dienstbarmachung, eine Umkehr des Mittels zum Selbstzweck. Heute ist bie Technik nicht mehr Mittel, sondern Allherr­scher. Die Maschine ward her Götze der modernen Welt und die Entwicklung steht heute bereits auf her Stufe, auf der das menschliche Erzeugnis, das bie Maschine doch darstellt, zum Herrn über den ward, der sie schuf. Gott und Ewigkeit haben in diesem System keinen Platz mehr, man kennt sie nicht, ober wo man noch Erinnerungsreste daran bat, lacht man über sie. Das Tempo peitscht die Menschen in einen stets tolleren Geschäftstaumel, die Arbeitslosigkeit wächst unter solcher ungesun­den Arbeitspolitik und die unmoralisch erworbe­nen Vermögen steigen auf der anderen Seite ins Märchenhafte. Die früher tragende und gei­stige Mittelschicht ward in diesen Zeitläu­fen zerrieben.

Eine Göttesferne entstand in der modernen Welt, als man das Kreuz durch die Maschine er­setzte. Film, Rundfunk, Lichtreklame, Hupenschrei und Hochbahngekreisch find die Kennzeichen einer Hölle, die das Wort Gottes nicht mehr hört, die feinen Nomen nicht mehr kennt, und die den Mahnrufen feiner Diener Hohn lacht.

Zwangsläufige Folgeerscheinungen dieser Got­tesferne sind vorzüglich drei: Selbstmordepi- b emi e, Geburtenrückgang und Kir­chenaustrittsbewegung. Diese drei Punkte zehren an unserem Volke in erschreckendem Maße, ihnen muß vorzüglich der Kampf gelten, wenn aus einer Zeit der Gottesferne wieder eine solche der Eottesnähe, der Gottesfreundschaft wer­den soll. Die stets ansteigende Kurve der Selbst­morde resultiert aus der stets abfallenden und sich vermindernden Ehrfurcht vor dem Menschenleben, dessen göttlichen Ursprung und dessen übernatür­lichen Wert man nicht mehr anerkennt. Man sieht im Menschen innerhalb der modernen Zeitpolitik nur bie Nummer, das Arbeitstier, höchste,is den Faktor einer Fortvsianzung des menschlichen Ge­schlechts. Man gesteht ihm weder eine Pflege sei­ner Seele, noch eine Würde seiner Menschlichkeit zu. Wie kann man also vom primitiven, einfach denkenden Menschen Ehrfurcht vor dem Leben ver­langen, wenn dieser primitive Mensch tagtäg­lich sehen muß, wie die für ihn höchsten Autoritä­ten, Staat wie Gesetz wie Wirtschaft, bas Men- .

Hirlenschrewen über die soziale Frage.

Der greife Prager Erzbischof Kordac hat erst vor kurzem durch seine scharfen Aeuße.-ungen gegen Mammonismus und Kapita­lismus weithin Katholiken und Nichtkatholik.'.'i aufhorchen lasten. In seinem Fastenhirte-ibrief wendet er sich nun scharf gegen Kommunis­mus und Bolschewismus, betont 'eich­zeitig bie freiwillige Armut Christi, her so zum Vertreter der Besitzlosen geworden fei. Zum Schlüsse erhebt der Erzbischof beschwörend seine Stimme:Wird der Weltkranke, die Menschheit, in seiner Lebensgefahr noch länger bie ergebe» tene Hilfe bes göttlichen Arztes ab» weisen? Wenn schon das alte Geschlecht ver­loren sein soll, bann soll wenigstens der Nach­wuchs, bie Schuljugend, gerettet werden! Wir appellieren an unsere Patrioten und Staats­männer: Rettet unserem Volke feinen Nachwuchs! Und deshalb schnellstens weg mit dem Un» gla-ubenausderSchule, daß man uns nicht mit denselben Grundsätzen wie in Rußland Bol­schewiken erzieht!"

Vierter Fastensonntag (Laetare).

Eingangslieb: 3f. 66, 10 u. 11.

Laetare, Jerusalem: ....

«reue dick, Jerusalem. Versammelt euch alle, hie ihr es liebt; seid fröhlich in Freuden, die thr Trauer wäret; ihr sollt frohlocken und euch satt

S to »ruft. bi. -Uch ftUlt. <W. 121.1.) q* freue mich, daß man mir sagte: Wir gehen zum HaMe des Herrn.

Epistel: (Gal. 4, 2231.)

Brüder! Es steht geschrieben: Abraham hatte Söhne, einen von der Magd und einen von Sr Freien. Der von her Magd ist auf dem Wege zL Fleisches geboren, her von her Freien aber traft her Verheißung. Das ist bildlich gesprochen;

bedeutet die beiden Testamente. Das eine, E Berge Sinai, gebiert zur Knechtschaft; es wird Agar bargcftellt. Der Berg Sinai liegt Mmlich in Arabien; er steht in Beziehung zum iefüqen Jerusalem, das mit seinen Kindern in Knechtschaft ist. Jenes Jerusalem aber, bas von oben stammt, ist bie Freie, und sie ist unsere Mut- ter. Steht doch geschrieben: Freue dich, Unfrucht­bare die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nie in Wehen liegst, denn Zahlreicher sind die Kinder her Vereinsamten als bie Kinder derer, bie einen Mann hatte. Wir, meine Prüder, sind wie Isaak Kinder her Verheißung. Wie aber damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geiste Geborenen verfolgte, so auch jetzt. Doch was fagt bie Schrift? Verstoßt bie Magd mit ihrem Sohne; denn der Sohn der Magd soll nicht Erbe sein neben dem Sohne der Freien. So sind auch wir, meine Brüder, nicht Kinder ber Magd, sondern der Freien traft der Freiheit, bie uns Christus geschenkt hat.

Vater Erich Wasmann S. J. f.

-".Nun ist auch Pater Erich Wasmann gestor- , jagte ich beim Empfang her Nachricht einem lungeren Studenten.Wasmann?" antwortete Er,wer ist Wasmann?" ... Ich habe den jungen -Jlann nur angeschaut und gesagt:Schämen Sie Ha) und habe für mich bann gedacht, wie un- »E heu er tief ber Bruch burch die Ge­er a t i o n geht. Als wir vor über 25 Jahren «isjunge Menschen in Blyenbeck die Exerzitien machten, war Pater Wasmann für uns eine Se­henswürdigkeit. Wir waren stolz, wenn ber kleine r?anP/ der sein wissenschaftliches Rüstzeug umge- a-nali; hatte, uns ansprach. Das war ber Am»i- inpater, ber feine Nester besuchte. Blyenbeck

1Q e>n Heideschlößchen, so recht in einer Ge- »eno, bie mit ihren kleinen Tannenwäldern den r ^^^Enkufturen alle Vorteile bot. Dieser 2lmei=

er mar damals einer ber populärsten Er» b^'e-l tUnflen katholischen Deutschland unb weit

sn'&er hinaus.

di-W<wmann gehörte zu ben Naturforschern, er Z*. nur Tatsachenmaterial häufen, obgleich ck»- - m3en Spezialarbeiten feines engsten Fa- hm » nrC ungeheure Zahl erreicht hat. Es ging um bie geistige Durchdringung bes öer psychologischen unb nach der **? Seite hin Psychologisch hat Erich unh'qanH bie 8inie zwischen Intelligenz bpnnir n *.n k t scharf herausgearbeitet. So lie» ihrpr in das Treiben ber Ame"en unb ffiro» 18 . versenkte, so wußte er hoch um bie

n3en, bie hem Instinkt gesetzt sind unb um bie

wesenhaft höheren Fähigkeiten, bie den mensch­lichen Geist auszeichnen. Philosophisch hat ihn besonders ber Fragenkreis beschäftigt, ber durch das Wort Deszendenztheorie gekennzeich­net ist. Er war einer ber ersten großen Vertre­ter bes Entwicklungsgedankens, der seitdem mit andern unb mit neuen Beweisen gestützt zu immer größerer Herrschaft gelangt ist. Daß bei einem Forscher solchen Ranges und bei einer Siebe zur Natur, wie sie aus jeder feiner Zeilen spricht, alles Denken und Sinnen zu Gott füh­ren mußte, versteht sich von selbst. Wenn Erich Wasmann ein durch und durch religiöses JBnft) über den Monismus schrieb, so war das wirklich nicht verwunderlich. Es war zudem eine große apologetische Tat, das Stück Monismus aufzumci- sen, das auch in ber christlichen Religion verbor­gen liegt.

War bas Leben Wasmanns, ber 1859 zu Me­ran geboren wurde, der 1875 in den Jesuitenorden eintrat und 1885 zum Priester geweiht wurde auch alles in allem der stillen Forscherarbeit geweiht, so trat er doch im Kampfe ber Weltanschauungen, sowohl als Redner als auch als Vubliffft hervor. War es bas Erbe des Vaters Rudolf Friedrich Was­mann, des Hamburger Malerkonvert^- ten, jedenfalls besaß Erich Wasmann auch die Kunst ber Form. Die tiefsten Gebanken konnte er so ausfvredien, baß jedermann sie t>»rftanb, wie es denn überhaupt ein Genuß war, ihn zu lesen oder ihn zu hören. Mit solchen Fähigkeiten ausge­rüstet, schlug er an erster Stelle mit die große Entscheidungsschlacht, bie bamats gegen den Heckel- schen Materialismus geschlagen werben mußte. Er

war auch einer der Durchbruchsmänner bei der kulturellen Emanzipation ber deut­schen Katholiken. Als Gelehrter von Welt­ruf und doch immer auch ein katholischer Charak­ter von ber Fußsohle bis zum Scheitel, ging er kühn in bas Lager seiner Gegner, diskutierte öf­fentlich in Berlin und anderen großen Städten, machte Schluß mit aller Sleinbürgerei un b mit derAengstlichkeit, bie so manch­mal fromme Haltung vortäuscht, wo es im Grunde Fd) nur um Mut handelt, gewisse Jnferio-itäts- komvlere mannhaft zu überw'nden. In seinem persönlichen Leben war Erich Wasmann ein vor­bildlicher Priester und Ordensmann, ein lebendiges Zeugnis für bie Harmonie zwischen Glauben unb Wissen, zwischen Beten und Forschen, eine wan­delnde Apologetik mit dem leuchtenden Nachweis, daß man zu Unrecht bie mobeme Naturwissenschaft gegen ben katholischen Glauben ausgespielt hat, wo sie hoch im Grunde beide herrliche Offenba­rungen des persönlichen Gottes sind . F. M.

Der kathottsche Komiker.

Das klingt sonderbar nicht wahr? Und doch ist es nichts Besonderes. Gerade die katholische Weltanschauung ist weit genug, um jedem ehrlichen Beruf Raum zu geben. Sie ist nicht puritanisch, nicht ängstlich, nicht engher- z i g. Auch 011oReu11er, ber einmal ber größte unter ben Koupletsängern bes beutschen Varitees war, fand in ihr fein Genügen unb jetzt auf dem Friedhofs feiner Vaterstadt Gardelegen feine ewige

Ruhe. Neuster hat nie ein Lied versaßt ober einen Vers gelungen, dessen er sich als Katholik hätte schämen müssen. Auch er dichtete unb reimte, wie ihm ber Schnabel gewachsen war, aber ber war ihm eben so gewachsen, daß er niemanden verletzte und niemandes Ueberzeugung kränkte. Das nimmt ihm noch nach seinem Tode bieRote Fahne" übel. Er war ihr zu bürgerlich, unb er hat niemals gehetzt. Nun, er war eben, ohne ba» von allzuviel Aufhebens zu machen, Katholik und sah namentlich in feinen Aftersjahren bie Menschen und die Welt, an denen er sich unb an» bere belustigte, in einem friedevollen, nicht aber in einem hoffnungslosen Humor. So konnte er über die europäischen Varitee- unb Zirkusbühnen als ein lächelnder Weiser ziehen, der Hunderttau» fenben Freude brachte, weil er keinem Witz aus­wich, aber auch niemals vergiftete Pfeile ab schoß. Daran hinderte ihn auch gewiß feine Art, aber sicher nicht weniger seine Weltanschauung, in ber er zufrieden war und bie ihn niemals davon ab» gehalten hat, die Dinge so zu sagen, wie er sie sah. Neuster wurde so. zumal auch bei den gro­ßen Ehrungen, die man ihm an seinem Grabe er­wies, eine Mahnung für jenen leider nicht allzu seltenen Typ von Menschen, bie glauben, um vorwärts kommen zu können, müßten sie zuerst ben Glauben ihrer Kinberjahre über Borb werfen Aber daraus kommt es nicht an. Wer etwas kann und Charakter hat. ber fetzt sich durch Der Charakterlose aber wird schließ­lich überall verachtet.