NILS
15. März
Beilage zur gtalfraet Zeitung
Jtr. 62
Gottesferne
Bemerkungen zu einem Buche.
Von F. H. Schwank-Telfan.
uns
Die Brotvermehrung.
Dekcachkung zum Lonntagsevangelium. Das Wunder der Brotvermehrung wird
Wort Gottes das wahre Brot des Lebens geschmeckt haben, schon dies wird uns nicht mehr zu Ruhe kommen lassen und uns vorwärts drängen. Und dann werden wir selber zum Brot, "as sich vermehrt, weil der Friede Gottes von uns auf andere übergreist.
von Johannes mit jener köstlichen Selbstverständlichkeit ermhlt, mit der es sich zugetragen hat. Etliche taufend Menschen — allein fünftausend Männer — lagern im hohen Gras jenes Berges. Es sind nur fünf Gerstenbrote und zwei Fische da. Der Heiland fragt zwar lächelnd die Jünger, wie «an die Menge speisen soll, aber dann spricht er das Dankgebet über die vorhandenen Gaben, und siehe, alle werden satt.
Brauchen wir uns darüber zu verwundern? Dem Gottessohn, der teil hat an der Gottheit, die Jahr um Jahr aus den Samenkörnern der Aussaat die Ernte des Herbstes zur Sättigung der Millionen werden läßt, dem steht es zu. auch im Augenblick aus wenig Broten Nahrung für viele -u schaffen. Und es bleiben sogar noch zwölf Körbe voll Stücklein übrig, die sorgsam gesammelt werden.
Im Evangelium ist noch an anderer Stelle von einer zweiten Brotvermehrung die Rede. Die beiden Geschehnisse unterscheiden sich nur in den Mengenoerhältnisssen. Ein Schriftsteller, der das Leben Jesu beschrieb, meint, „daß es da sein wird, wo der gemeine Sinn aufspringt". — Und es ist wirklich etwas Merkwürdiges habet: „Das erstemal waren es fünf Brote ttrb fünftausend Menschen; übriggeblieben sind zwölf Körbe voll. Das zweitemal hatte man sieben Brote — um zwei mehr; die Zahl der Gespeisten war diesmal viertausend, also um Tausend weniger; vom Ueberschuß wurden nur ^eb»n Körbe voll. Je weniger Brot, desto mehr Gesättigte und desto mehr Ueberbleibsel. Wenn die Brot» noch weniger gewesen wären, hätte man doppelt soviel Leute befriedigen können, und es wäre noch mehr übrig geblieben. Wenn man mit fünf für Fünftausend reichte, so hätte man mit einem für fünfmal Mehr gereicht."
Run ist aber das Brot nur die Vorbedin- g u n g d e s Lebens. Für den Heiland ist auch die Brotvermehrung nur ein Geschehnis, das nebenbei um der Hungernden willen geschieht. Denn dem Teufel gegenüber spricht ja der Heiland in der Stunde der Versuchung, daß der Menlch nicht vom Brot, sondern vom Wort, das aus hem Munde Softes kommt, lebt. In der Wahrheit der Lehre 2eiu ist das eigentliche Brot des Lebens enthal-
Daß die moderne Großstadt für den gläubigen Menschen ein Inferno bedeutet, daß er in ihr lebt wie in einem Fegfeuer, solche Erkenntnis ist demjenigen nicht neu, der verstehend den Pulsschlag seiner Zeit fühlt. Leider aber ist dieser Gedanke, diese aufrüttelnde Erkenntnis noch nicht Allgemeingut aller denkenden Christen geworden, und selbst diejenigen, die um jene Tatsache wissen, ziehen nur ganz selten die unbedingt notwendigen Folgerungen aus diesem Erkennen.
Hierzu gehört vor allem ein positiver und aktiver Widerstand gegen die Idee der modernen Großstadt, ein bewußtes Auflehnen gegen den Geist, der vom Menschen her, mit rein menschlichen, diesseitigen Mitteln, Welt und Menschheit beherrschen und regieren will, her den Namen Gottes nicht nur nicht mehr ausspricht, sondern ihn überhaupt nicht mehr kennt, der nur einen Götzen anbetet, nämlich die Maschine und den von Menschenhand ins Gigantische gesteigerten technischen Fortschritt. Diesem krassesten Materialismus und schrankenlosesten Kapitalismus, wie er sich im System der modernen Millionenstadt austobt, wird dann von vorsichtigen Politikern der Mantel der Menschlichkeit, in deren Namen alles, Verbrechen und Ausbeutung, geschieht, umgehängt; ihm wird die Maske eines sozialen Wirkens für die Menschheit vorgebunden, um den betrogenen und belogenen Menschen immer wieder Sand in die Augen zu streuen und sie so stets erneut den materialistischen und kapitalistischen Zwecken dienstbar zu machen.
Das Haitptmittel dieser gottfernen Politik ist das rastlose Tempo der modernen Welt, — ein Schlagwort, das heute Begriff geworden. Ausgehend von der richtigen Erkenntnis, daß die Menschen nur zu beherrschen sind, wenn man ihre Seelen beherrscht, wird das Tempo erfunden, das mit seinem rasenden Gang alle in Bann schlug, das den Menschen keine Sekunde Zeit läßt, um an die eigene Seele, an den unsterblichen Gottesfunken in ihrer Brust zu denken. Denn selbständiges Denken ist für die moderne Zeil das
Gefährlichste,
ein Ding, das mit aller Gewalt unterdrückt werden muß. Der moderne Kapitalismus holt das Aeu- ßerste an Arbeitskraft aus den Menschen heraus. Das System der Großstadt besorgt den Rest an körperlicher und seelischer Narkotisierung, indem es den von Berufsfron frei Gewordenen durch das Inferno der sogenannten Vergnügungen peitscht. Die'wenigen überbleibenden Stunden ge
ten. Das Brot aus Korn dient nur der einmaligen Sättigung, dann ist es eben gegessen, „das geistige Brot ist aber von sich aus wundertätig Das Brot der Wahrheit und der Freude, wird nie alle, kann es nie werden. Teilt es an Tausende aus es ist immer noch vorhanden; gebt Millionen davon, und es ist noch nicht angegriffen. Jeder bekommt sein Teil davon wie die hungrigen Männer und Frauen in der Wüste; und je mehr davon genommen haben, desto reichlicher ist es noch vorhanden für die, die erst kommen."
Jetzt ahnst du vielleicht, woher die Heiligen die Kraft ihres Lebens geschöpft haben. Sie haben das Brot der Wahrheit gegessen. Aber das Wunder der geistigen Brotvermehrung währt noch immer. Und du gehörst zu jenen, die von diesem Brote essen sollen, um froh zu werden. Vielleicht hast du in einer Stunde der Selbstbesinnung, vielleicht am Tisch des Herrn, etwas von dem Frieden Gottes verspürt. Vielleicht var ?s auch in jenem Augenblick, als du einem Menschen ein liebes Wort gesagt oder eine Wohltat erwiesen hast. Nimm diesen Augenblick als Anfang unjb bewahre diesen Frieden des Herzens.
Vielleicht sprichst du mit jener Frau, die gerade vom Beichtstuhl kam, daß du wohl einige Tage auf diesem Weg der Freude in Gott wandeln könntest und auch die Kraft dazu hättest, bann aber zurückfinken würdest.
Ich verstehe dich und weiß das von mir selbst. Aber siehe, schon die Gewißheit, daß wir in dem
schenleben mißachten und mit Füßen treten? So wird ihn eines Tages die Verzweiflung übermannen und wird di es Leben wegwerfen, da es ihm inhaltlos geworden, da er sehen mußte, daß das Menschenleben heute wirklich sehr tief im Kurs steht. Der vergangene Weltkrieg mit seinem Irrsinn und die in weiten Kreisen heute noch immer bestehenden gedanklichen Rüstungen zu einem neuen Krieg tragen zu dieser allgemeinen Geringschätzung des Menschelebens natürlich das ihre bei.
Sodann wirkt der
Geburtenrückgang
sich glatt als eine Folge der Entchristlichung der modernen Welt aus. Das Verantwortungsgefühl für den Mitmenschen, für den Ehepartner, fehlt, vom Verantwortungsgefühl für das kommende Menschenleben gar nicht zu reden. Genießen, aber nicht die Folgen tragen, leben, sich ausleben, aber keine Hemmungen und noch viel weniger Verantwortungen kennen, das ist der Zug unserer Zeit. Ehe ist nicht mehr das, was sie ethisch fein sollte, nämlich derWille zweier, das zu schaffen, was größer ist als die, die es schufen. Der so sprach, war kein mittelalterlicher Askat, sondern Friedrich Nietzsche!
Zum dritten Punkt: der
fiirdienmisfriftsberoegung.
Hier liegen die allgemeinen Gründe auch in her stets fortschreitenden Entchristlichung unserer ? ’t. Hand in Hand damit geht die
Verrohung auf politischem Gebiet, die nicht wenig zu der heutigen Haltlosigkeit der meisten Menschen in weltanschaulichen Dingen beiträgt. Nur auf einem Boden, auf hem man den christlichen Gedanken ausrodete, sind Erscheinungen wie der gegenwärtige Irrsinn der nationalsozialistischen Bewegung möglich, nur ein solcher Boden ist aufnahmefähig für' die Utopien eines landfremden Kommunismus und Bolschewismus. Wie sehr diese beiden Parteirichtungen insbesondere zum Austritt aus den christlichen Kirchen aufsordern. ist zur Genüge bekannt. Das Wutgefchrei der Nationalsozialisten über die Verfügungen des mutigen Mainzer Bischofs ist recht verständlich, denn sie sehen sich von diesem Kirchenfursten in ihren geheimsten Absichten, der fortschreitenden Entchrist- lichung Deutschlands, erkannt.
Aber auch innenkirchliche Ursachen hat die Kirchenaustrittsbewegung, die der sehende Katholik nicht von der Hand weifen sollte. Maßgebend sind auch hierzuerst wieder rein äußere Momente, wie die zu große Ausdehnung der Großstadtpfarreien, die es dem Seelsorger unmöglich machen, mit seinen Pfarr- angehörigen in der ständigen Fühlungnahme zu bleiben, die eine erfolgreiche Seelforgtötigkeit erfordert. Sodann aber auch heute noch immer stellenweise die zu große Weltfremdheit einzelner Geistlicher, die kein rechtes Verständnis für die Not der Zeit aufbringen können und deshalb so oft fremd den Seelennöten ihrer Pfarrkinder gegenüberstehen. Zum Glück ist diese Erscheinung durch die moderne und zweckentsprechende Vorbildung der jungen Geistlichen immer mehr im Schwinden begriffen. Ein weit wichtige- rer Faktor aber ist die religiöse Gleichgültigkeit, die nicht lebendig in ihrem Glauben stehen, die bloße Namenskatholiken wurden und bei denen der geringste Anstoß von außen genügt, um sie auch äußerlich von einer Religionsgemeinschaft zu trennen, mit der sie eigentlich bisher nur noch der Name verband.
Anregungen zu all diesen Gedanken gab ein Buch, das im Bergstadtverlag erschien: Cosmus Flam, „Athanasius kommt in die Großstadt" ober „Die 2 i e r g r u b e". Der Rahmen biefes Romans ist etwas utopisch angelegt, bie technischen Dinge werben in einer Entwicklung gesehen, wie sie die nächsten zehn Jahre zweifellos bringen werden, auch die politischen Momente sind bei Verfolgung der gegenwärtigen Linie ohne weiteres denkbar. Wesentlich aber zeigt das Werk ein Erfassen der umgebenden Gefahr für den Christusgedanken, für bas Christentum überhaupt, einer Gefahr, die in dem System der modernen Großstadt liegt, daß man geblendet und zutiefst erschüttert aufblickt, wenn man den Deckel des Buches geschlossen hat. Es scheint ein Gang
hören einem totenähnlichen Schlaf, der alles Besinnen und Erinnern auslöscht. So wird systematisch und unter kluger Berechnung bie Seele im Menschen totgeschlagen.
Gottes Wille ist es, daß die Menschen sich die Erde dienstbar machen. Gegen Gottes Gebot aber ist eine Ueberfteigentng dieser Dienstbarmachung, eine Umkehr des Mittels zum Selbstzweck. Heute ist bie Technik nicht mehr Mittel, sondern Allherrscher. Die Maschine ward her Götze der modernen Welt und die Entwicklung steht heute bereits auf her Stufe, auf der das menschliche Erzeugnis, das bie Maschine doch darstellt, zum Herrn über den ward, der sie schuf. Gott und Ewigkeit haben in diesem System keinen Platz mehr, man kennt sie nicht, ober wo man noch Erinnerungsreste daran bat, lacht man über sie. Das Tempo peitscht die Menschen in einen stets tolleren Geschäftstaumel, die Arbeitslosigkeit wächst unter solcher ungesunden Arbeitspolitik und die unmoralisch erworbenen Vermögen steigen auf der anderen Seite ins Märchenhafte. Die früher tragende und geistige Mittelschicht ward in diesen Zeitläufen zerrieben.
Eine Göttesferne entstand in der modernen Welt, als man das Kreuz durch die Maschine ersetzte. Film, Rundfunk, Lichtreklame, Hupenschrei und Hochbahngekreisch find die Kennzeichen einer Hölle, die das Wort Gottes nicht mehr hört, die feinen Nomen nicht mehr kennt, und die den Mahnrufen feiner Diener Hohn lacht.
Zwangsläufige Folgeerscheinungen dieser Gottesferne sind vorzüglich drei: Selbstmordepi- b emi e, Geburtenrückgang und Kirchenaustrittsbewegung. Diese drei Punkte zehren an unserem Volke in erschreckendem Maße, ihnen muß vorzüglich der Kampf gelten, wenn aus einer Zeit der Gottesferne wieder eine solche der Eottesnähe, der Gottesfreundschaft werden soll. Die stets ansteigende Kurve der Selbstmorde resultiert aus der stets abfallenden und sich vermindernden Ehrfurcht vor dem Menschenleben, dessen göttlichen Ursprung und dessen übernatürlichen Wert man nicht mehr anerkennt. Man sieht im Menschen innerhalb der modernen Zeitpolitik nur bie Nummer, das Arbeitstier, höchste,is den Faktor einer Fortvsianzung des menschlichen Geschlechts. Man gesteht ihm weder eine Pflege seiner Seele, noch eine Würde seiner Menschlichkeit zu. Wie kann man also vom primitiven, einfach denkenden Menschen Ehrfurcht vor dem Leben verlangen, wenn dieser primitive Mensch tagtäglich sehen muß, wie die für ihn höchsten Autoritäten, Staat wie Gesetz wie Wirtschaft, bas Men- .
Hirlenschrewen über die soziale Frage.
Der greife Prager Erzbischof Kordac hat erst vor kurzem durch seine scharfen Aeuße.-ungen gegen Mammonismus und Kapitalismus weithin Katholiken und Nichtkatholik.'.'i aufhorchen lasten. In seinem Fastenhirte-ibrief wendet er sich nun scharf gegen Kommunismus und Bolschewismus, betont 'eichzeitig bie freiwillige Armut Christi, her so zum Vertreter der Besitzlosen geworden fei. Zum Schlüsse erhebt der Erzbischof beschwörend seine Stimme: „Wird der Weltkranke, die Menschheit, in seiner Lebensgefahr noch länger bie ergebe» tene Hilfe bes göttlichen Arztes ab» weisen? Wenn schon das alte Geschlecht verloren sein soll, bann soll wenigstens der Nachwuchs, bie Schuljugend, gerettet werden! Wir appellieren an unsere Patrioten und Staatsmänner: Rettet unserem Volke feinen Nachwuchs! Und deshalb schnellstens weg mit dem Un» gla-ubenausderSchule, daß man uns nicht mit denselben Grundsätzen wie in Rußland Bolschewiken erzieht!"
Vierter Fastensonntag (Laetare).
Eingangslieb: 3f. 66, 10 u. 11.
Laetare, Jerusalem: ....
«reue dick, Jerusalem. Versammelt euch alle, hie ihr es liebt; seid fröhlich in Freuden, die thr •Trauer wäret; ihr sollt frohlocken und euch satt
S to »ruft. bi. -Uch ftUlt. <W. 121.1.) q* freue mich, daß man mir sagte: Wir gehen zum HaMe des Herrn.
Epistel: (Gal. 4, 22—31.)
Brüder! Es steht geschrieben: Abraham hatte Söhne, einen von der Magd und einen von Sr Freien. Der von her Magd ist auf dem Wege zL Fleisches geboren, her von her Freien aber traft her Verheißung. Das ist bildlich gesprochen;
bedeutet die beiden Testamente. Das eine, E Berge Sinai, gebiert zur Knechtschaft; es wird Agar bargcftellt. Der Berg Sinai liegt Mmlich in Arabien; er steht in Beziehung zum iefüqen Jerusalem, das mit seinen Kindern in Knechtschaft ist. Jenes Jerusalem aber, bas von oben stammt, ist bie Freie, und sie ist unsere Mut- ter. Steht doch geschrieben: Freue dich, Unfruchtbare die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nie in Wehen liegst, denn Zahlreicher sind die Kinder her Vereinsamten als bie Kinder derer, bie einen Mann hatte. Wir, meine Prüder, sind wie Isaak Kinder her Verheißung. Wie aber damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geiste Geborenen verfolgte, so auch jetzt. Doch was fagt bie Schrift? Verstoßt bie Magd mit ihrem Sohne; denn der Sohn der Magd soll nicht Erbe sein neben dem Sohne der Freien. So sind auch wir, meine Brüder, nicht Kinder ber Magd, sondern der Freien traft der Freiheit, bie uns Christus geschenkt hat.
Vater Erich Wasmann S. J. f.
-".Nun ist auch Pater Erich Wasmann gestor- , jagte ich beim Empfang her Nachricht einem lungeren Studenten. „Wasmann?" antwortete Er, „wer ist Wasmann?" ... Ich habe den jungen -Jlann nur angeschaut und gesagt: „Schämen Sie Ha) und habe für mich bann gedacht, wie un- »E heu er tief ber Bruch burch die Geer a t i o n geht. Als wir vor über 25 Jahren «isjunge Menschen in Blyenbeck die Exerzitien machten, war Pater Wasmann für uns eine Sehenswürdigkeit. Wir waren stolz, wenn ber kleine r?anP/ der sein wissenschaftliches Rüstzeug umge- a-nali; hatte, uns ansprach. Das war ber Am»i- inpater, ber feine Nester besuchte. Blyenbeck
1Q e>n Heideschlößchen, so recht in einer Ge- »eno, bie mit ihren kleinen Tannenwäldern den r ^^^Enkufturen alle Vorteile bot. Dieser 2lmei=
• er mar damals einer ber populärsten Er» b^'e-l tUnflen katholischen Deutschland unb weit
sn'&er hinaus.
di-W<wmann gehörte zu ben Naturforschern, er „ Z*. nur Tatsachenmaterial häufen, obgleich ck»- - m ‘3en Spezialarbeiten feines engsten Fa- ’hm » nrC ungeheure Zahl erreicht hat. Es ging um bie geistige Durchdringung bes öer psychologischen unb nach der BÄ**? Seite hin Psychologisch hat Erich unh'qanH • bie 8inie zwischen Intelligenz bpnnir n *.n k t scharf herausgearbeitet. So lie» ihrpr in das Treiben ber Ame"en unb ffiro» 18 . versenkte, so wußte er hoch um bie
n3en, bie hem Instinkt gesetzt sind unb um bie
wesenhaft höheren Fähigkeiten, bie den menschlichen Geist auszeichnen. Philosophisch hat ihn besonders ber Fragenkreis beschäftigt, ber durch das Wort Deszendenztheorie gekennzeichnet ist. Er war einer ber ersten großen Vertreter bes Entwicklungsgedankens, der seitdem mit andern unb mit neuen Beweisen gestützt zu immer größerer Herrschaft gelangt ist. Daß bei einem Forscher solchen Ranges und bei einer Siebe zur Natur, wie sie aus jeder feiner Zeilen spricht, alles Denken und Sinnen zu Gott führen mußte, versteht sich von selbst. Wenn Erich Wasmann ein durch und durch religiöses JBnft) über den Monismus schrieb, so war das wirklich nicht verwunderlich. Es war zudem eine große apologetische Tat, das Stück Monismus aufzumci- sen, das auch in ber christlichen Religion verborgen liegt.
War bas Leben Wasmanns, ber 1859 zu Meran geboren wurde, der 1875 in den Jesuitenorden eintrat und 1885 zum Priester geweiht wurde auch alles in allem der stillen Forscherarbeit geweiht, so trat er doch im Kampfe ber Weltanschauungen, sowohl als Redner als auch als Vubliffft hervor. War es bas Erbe des Vaters Rudolf Friedrich Wasmann, des Hamburger Malerkonvert^- ten, jedenfalls besaß Erich Wasmann auch die Kunst ber Form. Die tiefsten Gebanken konnte er so ausfvredien, baß jedermann sie t>»rftanb, wie es denn überhaupt ein Genuß war, ihn zu lesen oder ihn zu hören. Mit solchen Fähigkeiten ausgerüstet, schlug er an erster Stelle mit die große Entscheidungsschlacht, bie bamats gegen den Heckel- schen Materialismus geschlagen werben mußte. Er
war auch einer der Durchbruchsmänner bei der kulturellen Emanzipation ber deutschen Katholiken. Als Gelehrter von Weltruf und doch immer auch ein katholischer Charakter von ber Fußsohle bis zum Scheitel, ging er kühn in bas Lager seiner Gegner, diskutierte öffentlich in Berlin und anderen großen Städten, machte Schluß mit aller Sleinbürgerei un b mit derAengstlichkeit, bie so manchmal fromme Haltung vortäuscht, wo es im Grunde Fd) nur um Mut handelt, gewisse Jnferio-itäts- komvlere mannhaft zu überw'nden. In seinem persönlichen Leben war Erich Wasmann ein vorbildlicher Priester und Ordensmann, ein lebendiges Zeugnis für bie Harmonie zwischen Glauben unb Wissen, zwischen Beten und Forschen, eine wandelnde Apologetik mit dem leuchtenden Nachweis, daß man zu Unrecht bie mobeme Naturwissenschaft gegen ben katholischen Glauben ausgespielt hat, wo sie hoch im Grunde beide herrliche Offenbarungen des persönlichen Gottes sind . F. M.
Der kathottsche Komiker.
Das klingt sonderbar nicht wahr? Und doch ist es nichts Besonderes. Gerade die katholische Weltanschauung ist weit genug, um jedem ehrlichen Beruf Raum zu geben. Sie ist nicht puritanisch, nicht ängstlich, nicht engher- z i g. Auch 011oReu11er, ber einmal ber größte unter ben Koupletsängern bes beutschen Varitees war, fand in ihr fein Genügen unb jetzt auf dem Friedhofs feiner Vaterstadt Gardelegen feine ewige
Ruhe. Neuster hat nie ein Lied versaßt ober einen Vers gelungen, dessen er sich als Katholik hätte schämen müssen. Auch er dichtete unb reimte, wie ihm ber Schnabel gewachsen war, aber ber war ihm eben so gewachsen, daß er niemanden verletzte und niemandes Ueberzeugung kränkte. Das nimmt ihm noch nach seinem Tode bie „Rote Fahne" übel. Er war ihr zu bürgerlich, unb er hat niemals gehetzt. Nun, er war eben, ohne ba» von allzuviel Aufhebens zu machen, Katholik und sah namentlich in feinen Aftersjahren bie Menschen und die Welt, an denen er sich unb an» bere belustigte, in einem friedevollen, nicht aber in einem hoffnungslosen Humor. So konnte er über die europäischen Varitee- unb Zirkusbühnen als ein lächelnder Weiser ziehen, der Hunderttau» fenben Freude brachte, weil er keinem Witz auswich, aber auch niemals vergiftete Pfeile ab schoß. Daran hinderte ihn auch gewiß feine Art, aber sicher nicht weniger seine Weltanschauung, in ber er zufrieden war und bie ihn niemals davon ab» gehalten hat, die Dinge so zu sagen, wie er sie sah. Neuster wurde so. zumal auch bei den großen Ehrungen, die man ihm an seinem Grabe erwies, eine Mahnung für jenen leider nicht allzu seltenen Typ von Menschen, bie glauben, um vorwärts kommen zu können, müßten sie zuerst ben Glauben ihrer Kinberjahre über Borb werfen Aber daraus kommt es nicht an. Wer etwas kann und Charakter hat. ber fetzt sich durch Der Charakterlose aber wird schließlich überall verachtet.