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Samstag, den 14. März 1931

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)

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Schneestürme in ganz Europa

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Litauischer VaWlschungsskändal.

Umfangreiche Paßfälschungen, die bis in das Jahr 1924 zurückreichen, find in Litauen aufgs» deckt worden. In das Verfahren sind etwa 3OOPerfonen verwickelt, darunter auch einige Beamte. Der ehemalige Polizeichef von Telschi, Rapecka, und drei weitere Personen, die die Paß­fälschungen betrieben haben, sind bereits verhaf­tet worden.

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* Massenzeugenaufgebot im Kürtenprozeß. In dem Prozeß gegen den Massenmörder Kürten, der am 13. April vor dem Düsseldorfer Schwurgericht ueginnt, sind nicht weniger als 2 50 Zeugen und etwa 15 Sachverständige geladen. Die Verhandlung wird etwa 8 bis 10 Tage in Anspruch nehmen. Mit Rücksicht auf die Art der Straftaten Südens und zur Vermeidung einer allzu sensationellen Berichterstattung hat das Ge­richt beschlossen, im Gerichtssaal das Zeichnen und Photographieren zu verbieten.

Eckener, itte ein» iber eine tzes von ertigstel- n neuen )r. Ecke- er Lust» nes ge- für den Amerika, über die - lieber» gstellung leutschen i ist, die terkehrs- -If wird.

nicht darauf angekommen ist, die von ihm geführte Partei in Stücke zu schlagen, wird er auch nicht davon zurückscheuen, die berufsständische Bauern­organisationen zu spalten. Ihm geht es darum, mit allen Mitteln die Opposition gegen Brüning aufzuputschen. Mit allen Mitteln; hat doch in einer schlesischen Landbund-Versammlung jemand erklä­ren dürfen, der große Misthaufen Berlin, wie es in der gepflegten Sprache Ostelbieus heißt, müsse legal oder illegal, ausgeräumt werden.

Mit solcher Gesinnung stehen auch die Machen­schaften in Einklang, die von deutschnationaler Seite, wobei selbstverständlich die Hitlerleute Hilfs­stellung leisten, jetzt angezettelt werden, um eine einheitliche Feier des deutschen Abstim- mungsgedächtnistages in Oberschle­sien zu sabotieren. Dabei tut sich auch der Stahl­helm hervor, der sich gegen einen republikanischen Charakter der Feier wendet. Hoffentlich bleibt diese Haltung dem Reichspräsidenten nicht unbekannt. Man will keinen Zentrumsmann re­den lassen, man bedroht den Reichsinnenminister Dr. Wirth in selbstverständlich anonymen Briefen mit Todschlag, wenn er nach Oberschlesien komme. Die Hitlerleute sorgen für weitere Verschärfung der Stimmung. So haben f'e in Gleiwitz den ö st e r r e i ch i s ch e n Heimwehrabenteurer ff ü r st S t a r h e m b e r g sich als Hauptredner verschrie­

ben, im übrigen aber mit den Deutschnationalen von Berlin aus den Befehl erhalten, sich nicht ge­meinsam mit anderen Parteien des Gedenktages und der Ereignisse vor 10 Jahren zu erinnern, sondern Gegenkundgebungen zu veranstalten.

Alle diese Vorbereitungen zu einer großen Of­fensive gegen Brüning und seine Freunde ent­stehen aus der Erkenntnis, daß etwas geschehen muß, um die Früchte des 14. Septem­ber nicht verfaulen zu lassen. Die Na­zidämmerung in Deutschland, ganz besonders aber im Ausland, schreitet. Seitdem die Rechts­opposition den Reichstag verlassen hat, wird sie in steigendem Maß nicht mehr ernst genom- m e n. Hitler gilt, nachdem die Weltpresse eine zeitlang seine politischen Meinungen interessiert abdruckte, nüeder als der Schwadroneur, a's den man ihn früher angesehen hat, während das An­sehen des Reichskanzlers Dr. Brüning immer grö­ßer wird. In einem amerikanischen Rundsünk- vortrage hat ein angesehener Politiker Brünings Aufstieg und Hitlers Abstieg festgestellt und er­klärt, daß heute Brünings Regierung eine der stärksten in Europa sei. Hugenberg sieht seine Felle davonschwimmen und versucht es mit einer neuen Offensive. Es wird an uns liegen, an un­serem klaren Verstand, an unserem festen nationa­len Willen, an unserer Liebe zu Volk und Vater-

Folgendes kleine Rechenexempel sandte uns Frau Emmi S.. Kettwig:

Oben: Schneesturm über der Londoner City.

Unten: Endlich Notstandsarbeit für die Berliner Arbeitslosen.

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Michsrat die Osthilfe abgelehnt haben, so geschah das darum, weil sie dem Reichskanzler auf Eehoiß tzugenbergs Schwierigkeiten bereiten wol­len. Hugenberg sieht in Brüning seinen starken tzegner. Weil der Kanzler es abgelehnt hat, auf den Austritt feiner Parteifreunde aus der preu- Wen Koalition hinzuwirken, darum kommen die wirklichen Leistungen des Kabinetts ni ch t mehr in Betracht. Reich und Osthilfe sind den Zeutschnationalen gleichgültig, wenn sie nicht Preußen in ihre Gewalt bringen können. Un­ser diesem Gesichtspunkt sind auch die Auseinan­dersetzungen im Reichs-Landbund zu beurteilen. 'Hier stehen sich die Anhänger Hugenbergs, die aber schon sehr stark zu Hitler hinneigen, und die

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völlig anormalen Schneefälle, die über ganz Europa niedergegangen sind, haben den Menschen, namentlich in den Städten, allerhand Schwierigkeiten gemacht. Jetzt verschwindet der Schnee allmählich. Er kann der Märzsonne keinen Widerstand leisten.

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iber. Die Entschließung vom Dienstag bedeutet scher noch nichts Endgültiges. Der Kampf wird 'eitergehen, und es ist durchaus möglich, daß der 'eichs-Landbund sich spaltet. Da es Hugenberg

* Goldmacher Kurschildgen erhält Bewährungs­frist. Die Justizpressestelle in Düsseldorf teilt mit: Der Goldmachen Kurschildgen wird am 1. April aus der Strafhaft entlassen, nachdem er elf Monate im Gefängnis zugebracht hat. Für den Rest seiner Strafe wurde ihm Bewährungsfrist zuerkannt.

* Massenprozeß wegen Raufhandels in Königs­berg. Vor einem Königsberger Erweiterten Schöffengericht begann heute die Verhandlung ge­gen Richel und Genossen wegen Raufhandels in Mahnsfeld (Landkreis Königsberg), bei dem ein Schwerkriegsbeschädigter so schwer ver­letzt wurde, daß er st a r b. Auf vier Bänken sitzen 25 Angeklagte, darunter zwölf Kommuni st en und elf Stahlhelmer. Zu Beginn der Sit­zung begrüßten die kommunistischen Angeklagten ihre Gesinnungsgenossen im Zuhörerraum mit einem dreimaligen „Sturmbeceit!". Aus dem Zu­hörerraum wurde dieser Ruf erwidert. Der Vor­sitzende ließ darauf den Saal räumen; die Polizei mußte eingreifen. Vor dem Gerichtsgebäude halten sich große Menschenmassen angesammelt, unter de­nen sich auch ausgewiesenr Zuhörer befanden. Die Polizei sperrte den Zutritt zum Eerichtsgebäude, das nur mit Ausweisen betreten werden kann.

* Kassenbote einer Ortskrankenkasse unterschlägt 5000 Mark. Bei den Abschlußarbeiten für das Rechnungsjahr 1930 ergab sich im Abrechnungsbuch bei der Ortskrankenkasse Andernach für die Monate November und Dezember 1930 ein Fehl­betrag von 130 Mk., der in früheren Monaten ni l» bestanden hatte. Bei den angestellten Nachprü­fungen wurden Unterschleifen aufgedeckt, die sich auf insgesamt 5000 Mark belaufen. Der am 1. Januar pensionierte Kassenbote hat diesen Betrag lm Laufe der Zeit unterschlagen und durch falsche Buchungen verdeckt. Der Betrüger ist flüchtig. Auf sein Wohnhaus und einige Grundstücke wurde eine gerichtliche Zwangseintragung vorgenommsn, wodurch der Fehlbetrag gedeckt ist.

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ftnI Vorkriegszeit, von ihrem Standpunkt ® «erlich mit Recht, sehr wohl gefühlt, und di» a,stände von damals möchten sie wieder haben, o"! rx damit Unmögliches fordern, geht in ihre ^eltauffassung nicht hinein.

stuqenbergs Brief an den Reichskanzler aus

Mitte des Oktobers v. I., den die Deutschnatio­nale Pressestelle soeben veröffentlicht, ohne daß m geht, weshalb sie das eigentlich tut, zeigt ganz kar diese Einstellung, die für Menschen mit offe- en Augen und Ohren unmöglich sein sollte. Hu- mberg und seine Hintermänner Huben in ihren Stij^n Ueberlegungen einen einzigen Kom- L. Preußen. Wären sie da am Ruder, wäre Laicht ein sozialdemokratischer Ministerpräsident, „Mterie da nicht eine republikanische Koalition, so :-jre das ist ihre Meinung, alles in Ordnung.

würden die Verwaltung mit ihren ergebenen sienem besetzen, sie würden aus der Polizei eine beglich preußische Reaktionstruppe machen, sie vürden z. B. das Reichsbanner verbieten, die chwarz-rot-goldene Flagge verstecken, und was Jer Keulenschläge und der Nadelstiche gegen die Erfassung mehr wären. Sie würden freilich licht eine bessere Osthilfe machen, als sic das Reichskabinett jetzt unter entscheidender Mitwirkung ter preußischen Regierung eingebracht >at. Das könnte niemand in Deutschland. Denn liefe Osthilfe geht in ihren Maßnahmen hart !bis an Grenze desüberhaupt Denk­baren. Würde sie noch ein wenig weiter ausge­dehnt oder vefftärkt, so würde uns das die Er­schütterung des Handelsvertragssystems und Zoll- , kriege an allen Grenzen einbringen.

Wenn trotzdem deutschnationale Vertreter im

err stee- '«Mäßigten Vertreter einer ehrlichen und förder- ichen Landwirtschaftspolitik gegen-

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gffenftoe gegen Brüning.

I Bus Berliner Zentrums-Kreisen schreibt man r|I,S<Lnn man den Mann sucht, der des gegenwär- I TNeichskanzlers erbittertster Feind ist so wird |iigen mobl nicht Thälmann oder Hitler — die klei- lmanoeiiie wie Goebbels und andere kommen na» ln6I!-2 nirfit in Betracht — nennen müssen, son- Imrlich Alfred Hugenberg, den Vor- Ider" ^ "tzer Deutschnationalen Vdlkspartei. Er ist als eigentlicher Parteiführer nicht sonderlich „/bewerten. Seine Fraktion hat nur noch «m* “ Stärke. Aber er ist der Prototyp aller LSi-niaen Ostelbier,, die den Weltkrieg und feinem Gefolge eingetretenen Umwälzungen ' »ine Episode, fast möchte man sagen, a l s mili täriftfyes Manöver betrachten, e ‘n jn-ar unheilvoll zu Ende ging, aber eben hin- werden muß. Die einem solchen Ereig- wnewohnenden weltgeschichtlichen Kräfte er-

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