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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ar. SS

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild' undBuchendlätter'. '.Rotatinnsbruct und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Donnerstag, 12. Mörz 1931.

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Zahrg. 58.

Sozialdemokraten und Panzerkreuzer.

Der Held des Volkes.

Nachdenkliches vom Tage.

Nus Berlin geht uns von einem besonderen Mitarbeiter folgende nachdenkliche Skizze zu:

Der Held des Volkes!

' grfS Hindenburg, des Reiches Präsident? Neser ehrwürdige Führer der Nation, der als erster -iener des Staates und des Volkes Wesen und Mrken eines echten Patrioten selbst vorlebt?

gst's Brüning, des Reiches Kanzler? Der ztz nichts vom Leben gönnt, der alle seine Kraft verwendet, unser armes von Rot und Sor- ' gebeugtes Volk wieder aufzurichten und ihm -je Hoffnung auf eine besser« Zukunft zu geben? Ider ist's ein anderer, der im öffentlichen Leben oder still zurückgezogen unermüdlich schafft und arbeitet um der Wohlfahrt seines Volkes und fei­ner Heimat willen?

Oder ist es eine heroische Frau, die ihr müt­terliches Herz verzehrt in Sorge um die Jugend und damit um die Zukunft der Nation?

Nein! Es ist keiner von allen, es ist Charlie Thaplin!

Kein Fürst, kein König, kein Kaiser ist kn Ber­lin begeisterter und stürmischer begrüßt und emp- sangen worden als der Filmheld Charlie Caplin. Des Volkes Helden sind heute offenbar Boxer und Filmgrößen. Der Schmeling-Rummel hat inzwi- schm einer Katerstimmung Platz gemacht. Nun verschwendet sich des Volkes Liebe auf Filmdar­steller.

Wir geben ja zu, daß Charlie Chaplin eine eigene Prägung besitzt, und daß er eine Selten­heit im Reiche des Films ist. Sein Humor ist völ­kerverbindend und wirkt befreiend. Seine Grotes­ken, hinter denen die Tragik des Lebens sich ver­birgt, lösen Empfindungen aus in jedem Menschen, unbeschadet der Nation, der er zugehört. Und es liegt in Chaplins Wesen auch gar nicht begründet, s» sehr in den Mittelpunkt der Jupiterlampen der Öffentlichkeit gestellt zu werden, wie das jetzt ta Fall ist. Gerade weil er der Feiern in Lon- iicn überdrüssig wurde, reiste er Hals über Kopf ch aber offenbar kam er, als er nach Berlin fuhr, vonsiRegen in die Traufe. Die Berliner groß- Wtischs Presse überschlägt sich in Schilderungen, üne überspannter als die andere, über den Emp­fang Charlie Chaplins und seinen ,Mnzug in Berlir". Da liest man,, daß sich seine Verehrer und Verehrerinnenwie die Wahnsinnigen" ge­bärdet hätten. Die Polizei hat mehrere Hundert- Ichasten aufbieten müssen, und berittene Mannschaf­ten mußten die Menge auseinandertreiben, um überhaupt den Verkehr der Weltstadt einigermaßen m Ordnung halten zu können. Schließlich mußte '»gar mit dem Gummiknüppel dreinqehauen wer­ben, um die Menschenmauer zu zersprengen.

*

Nicht Charlie Chaplin, sondern der P e r s o - n e,.n k u l t, der mit ihm getrieben wird, muß verur- letii werden. Da ringen und schaffen, kämpfen ff, wrgen die besten Männer und Frauen der

Tag für Tag und buchstäblich auch Nacht M Nacht, um aus der Trostlosigkeit der Gegen- Atrt herauszukommen und neue Wege zu eröffnen !ür eine schönere Zukunft.

Das Reichsoberhaupt muß sich nicht nur in S Presse, sondern auch in der Oeffentlichkeit her- .'uerziehen lassen, weil er es ablehnt, seine Per- M und seine Stellung einseitig zu gebrauchen.

s^mge Mann, auf dessen Schultern eine ^tbare Verantwortung ruht, wie sie noch nie- wis ein Staatsmann in den letzten Jahrzehnten

Europa zu tragen hatte, wird, wenn er ourch persönlichen Augenschein von den Nöten wx ,-?.en öes .^lkes überzeugen will, geschmäht lleiaitert, wird angelchrieen und ausgepfiffen!

r harrt aus auf dem Posten, und, wie tjtn "'chi- geschehen wäre, setzt er seine Arbeit unbekümmert um den Lärm und die Feind- W der Gasse.

Volkes Held! Es ist noch nie derjenige iehkt i>er öen Mut zur Unpopularität Jvbt hat. Populär zu werden, ist einfacher, ist ä/V1 un'3 l>ringt reiche Lorbeeren. Aber diese retl billig und verwelken rasch. Das ü* ist die Tat! Aber die sie vollbrachten, schon unter der Erde, ehe man ihr /"lMen zu würdigen, ja oft genug auch nur zu / Steifen verstand!

Mehr Würde! Mehr Selbstbesinnung! Mehr zn ? Partei!! Für keine Zeit galt diese ENlynung mehr, als für die Gegenwart.

T- Ende der Kreuzzeitung? Wie dasB. bg. nr/5?re haben will, wird die Kreuzzeitung, ;>n so Berliner Blatt der Rechten, das jetzt sch-i» h^ange steht, am 1. Juli d. I. ihr Er- btm _ e n e t n ft e [ I e n. Zu diesem Termin ist ren iinhQsm-xen Blatt zufolge sämtlichen Redakteu- biot mri Mitarbeitern mit der Begründung gekün- zu, borden daß weitere Verlagsmittel Nick Fortführung des Unternehmens %Iatt o r h a n d e n feien. Versuche, dos

mit einem anderen len aber ohne eigene Redaktion zu erhal- ein noch Gegenstand von Verhandlungen- des fnfn deutliches Zeichen für den Niederbruch Slen hCtDat*t,en Bürgertums, der durch Hu- e r 9 sicherlich beschleunigt worden ist.

Nn Trol Hermann Keyserling hielt Montag abend Nest m. , 'n Paris den ersten seiner drei vorgesehe-

-«-ortrage überDie Aera der Maschine".

Debatte über die Reichsmarine im Haushattsausschutz des Reichstages.

VDZ. Berlin, 11. März. (Gig. Meld.) Die Be­ratung des Marineetats im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde eingeleitet durch den Bericht des Berichterstatters S t ü ck l e n (Soz.). Dann sprach als Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion der Abgeordnete Hünlich. Er wandte sich gegen na­tiv y a l ßo zi a 1 ist i sch e Propaganda in der Reichsmarine und warnte vor einem übereilten Abbau der Deckoffiziere. Auf den Ma­rinewerften müsse die Arbeitszeit verkürzt werden. Zur Panzerschiff-Frage verlas der Redner fol­gende Erklärung:

Es ist Ihnen bekannt, daß die sozialdemokrati­sche Fraktion den bisher angeforderten Raten für den Bau des Panzerschiffes A. ihre Zustimmung versagt hat und sachlich liegt für sie keinerlei Ver­anlassung vor, gegenüber dem Panzerschiff B. eine andere Stellung einzunehmen. Don allem an­deren abgesehen erinnert sie aber an die Erklärung, die der Herr Reichswehrminister bei der Beratung des vorjährigen Haushalts seines Ministe­riums am 6. Mai 1930 in diesem Ausschuß abge­geben hat. Der Herr Reichswehrminister stellte da­mals fest, daß er auf die Einsetzung einer ersten Rate für das Panzerschiff B. in Anbetracht der be­sonders angespannten Haushaltungslage o e r z i ch- t e t habe, nachdem vom Reichskabinett in einer be­sonderen Entschließung festgelegt worden sei, daß mit dem Etat 1931 em Schiffsbau-Ersatz-PIcm, der auch den Ersatz der Linienschiffe enthalten sollte, vorgelegt würde. Die Haushaltslage des Jahres 1931 ist noch angespannter als die des Jah­res 1930 und es wäre also nach Ansicht der sozial­demokratischen Fraktion für die Regierung alle Veranlassung gegeben, auch diesmal auf die Inan­griffnahme des Panzerkreuzers B. zu verzichten. Wenn nun von fetten der Regierung und der bür­gerlichen Parteien in diesem Zusammenhänge auf die innerpolitische Gesamtlage hinge­wiesen wird, so verschließt sich auch die sozialdemo­kratische Fraktion nicht der Erkenntnis, daß alle an der_ Aufrechterhaltung des demokratischen Regie­rungssystems und der Abwehr des Faszis«

mus interessierten Parteien aus der gegenwärti­gen Situation gewisse politische Schlußfolgerungen zu dienen habe. Sie hat aber gerade deshalb unter allen Umständen das Recht, zu verlangen, daß, wenn überhaupt der Flottenbau nach den Plänen der Regierung vorgenommen wird, zum mindesten

die finanzielle Belastung, die durch das Flottenbauprogramm erfolgt, durch eine entsprechende Entlastung der arbeitenden Be­völkerung ausgeglichen wird. Zu diesem Zweck wird sie bestimmte

steuerpolitische Anträge

einbringen und sie erwartet gleichzeitig ein Ent­gegenkommen an ihre Forderungen auf sozialpoli­tischem Gebiete. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann eine endgültige Stellungnahme der sozialdemokratischen Fraktion zu den angeforderten Schiffbauraten erfolgen. Wir werden uns deshalb bei der Abstimmung über die angeforderte 1. Rate für den Bau des Panzerschiffes B. im Ausschuß

der Stimme enthalten.

Für die Staatspartei gab dann Abg. Dr. Külz folgende Erklärung ab: Die Marine ist integrieren­der Bestandteil der deutschen Wehrmacht. Sie ist nach der geographischen, politischen und handels­wirtschaftlichen Lage Deutschlands eine Lebens- Notwendigkeit für das deutsche Reich. Daraus ergibt sich die Pflicht, auch die Marine in­nerhalb der gegebenen Grenzen und Möglichkeiten auf der bestmöglichen Leistungshöhe zu erhalten. Der Marineetat steht im Dienste dieser Gedanken. Auch das Ersatzbauprogramm der Marineleitung enthält nur das Mindestmaß dessen, was notwen­dig ist, um die Zweckbestimmung der Marine als Küstenschutz und als Korrelat unserer Handelsschiffahrt zu gewährleisten. Die hierfür aufgemenbeten Mittel sind produktiver Natur. Wir werden sie deswegen bewilligen ohne politische Kompensationen auf. anderen Gebieten hiermit in Verbindung zu bringen.

Rückkehr der Industriellen ans Rußland.

Der Kanzler empfängt -le Zurückgekehrten.

wtb. Berlin, 11. März. (Eig. Melbach Die deutschen Industriellen, die sich einige Tage in Rußland zum Studium aufgehalten haben, trafen heute vormittag auf dem Schlesischen Bahnhof ein, mit ihnen der Referent des Rußland-Ausschusses der deuffchen Wirtschaft, Dr. Veit. Der Führer der Delegation, Geheimrat Dr. Peter Klöckner, ist bereits nach dem Westen weitergereist.

In Unterredungen äußerten die Herren sich sehr befriedigt über ihre Reffe. Sie beur­teilen die Aussichten des Rußlandgeschäftes durch­weg recht optimistisch und erklären, daß Rußland tatsächlich einen sehr st a r k e n B e d a r f an Maschinen und anderen Produktionsmit- teln habe und daß sich hier für die deutsche In­dustrie zweifellos Möglichkeiten bieten, die angesichts der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit be­sonders wertvoll fmd. Man bedauert, daß die von Rußland eingeladenen Bankiers an der Reife nicht teilnehmen konnten, da sie durch die Bilanzvorbereitungen verhindert waren. Deshalb konnte über die Kredit- und Finanzierungsfragen noch nicht gesprochen werden; man glaubt aber, daß dieser Teil der Verhandlungen durchaus in Berlin geführt werden kann, zumal das Urteil der deutschen Industriellen über die Verhältnisse der russischen Wirtschaftsorganisation eine sach­liche Grundlage bilden würde. Die Industriellen äußern sich übrigens auch sehr anerkennend über den herzlichen Empfang, den die russischen Behör­den und Wirtschaftskaktoren ihnen bereitet haben. Gleich bei der Ankunft an der Grenze waren zwei neue Schlafwagen und ein Sveisewagen zur Ver­fügung gestellt worden, die sie auch später wäh­rend ihrer Besichtigungsreise innerhalb des Lan­des benutzten. Alle Behörden gaben sich die er­denklichste Mühe, den Gästen ihre Aufmerksam­keit ?u zeigen. Die zurückgekehrten Herren wurden um 12 Uhr in Gegenwart des Reichsaußenmini- sters. des Reichswirtschafts- und des Reichsarbeits­minister vom Kanzler empfangen, um auch hier Bericht zu erstatten. Auch der Reichs­finanzministers und der Reichsbankpräsident nah­men an der Besprechung teil.

Rußland und die Wett.

In feiner Rede vor dem Sechsten Rätekongreß der UdSSR, kam der Vorsitzende des Volkskom­missariates, M o l o t o f f, nach der Erklärung, daß die Antffowjet-Kampagne dem Wirtschaftsboykott der Sowjetunion den Weg ebnen und eine Staffel der Jnterventionsvorbereitung gewisser kapitalisti­scher Staaten darstellten, auf außenpoli­tische Fragen zu sprechen. Molotoff ver­wies darauf, daß Frankreich in den eben gekenn- zeichneten Bestrebungen eine besondere Aktivität entwickele. Die auf Initiative Briands geschaffene Paneuropa-Kommission, so führte er aus, soll nach dem Plan ihrer Urheber in dieser Beziehung eine besonders große Rolle spielen. Zu den Arbeiten der Vorbereitenden Abrüstungskommission betonte Molotoff: Die Kriegsgefahr hat sich nach vierjähri­ger Tätigkeit der Abrüstungskommission verstärkt. Die Sowjetunion macht sich keinerlei Illuswnen über Richtung und Arbeit der künftigen Inter- nationalen Abrüstungskonferenz. Die Erfahrungen bet Washingtoner * und der Londoner Konferenz

zeigen, daß diese Konferenzen Kriegsoorbereitun- gen nicht hinderlich sind. Die Sowjetunion hält ihre Teilnahme an der bevorstehenden Konferenz für möglich, falls diese tatsächlich die Abrüstung, oder einen Teilabbau der Rüstungen anstreben wird. Dabei wird die Sowjetunion nicht dulden, daß man ihr Beschlüsse aufoktroyiere, die angenom­men wurden, ohne daß sie an ihrer Erörterung teilnahm.

Sodann kennzeichnet Molotoff die Beziehun­gen der Sowjetunion zu einzelnen Staaten. Die Beziehungen zu Deutschland, erklärte er, zerfallen in zwei Perioden; von Ende 1929 bis Anfang 1930 war Deutschland von der Welle des sowjetfeind­lichenKreuzzuges" erfaßt. Mitte 1930 trat eine günstige Wendung ein, die ich mit beson­derer Befriedigung feststelle. In der letzten Zeit waren die Beziehungen getragen von dem Streben nach dem Ausbau einer ersprießlichen Zusammen­arbeit im Interesse beider Länder. Der Aufenthalt emer einflußreichen Delegation deutscher Industriel­ler in Moskau ist ein weiterer Beweis für das Verständnis, das leitende Kreise Deutschlands in bet Frage der Besserung und Entwicklung der Be­ziehungen an den Tag legen. Ich bin überzeugt, daß der Besuch dieser Delegation und die Ver­handlungen, die sie mit dem Obersten Volkswirt- schastsrate gepflogen hat, zu günstigen Ergebnissen führen und der Festigung der Wirtschaftsbeziehun­gen beider Länder dienen werden.

Die Beziehungen zu Italien entwickelten sich normal und günstig. Auf dem Gebiete der Han­delsbeziehungen ist eine günstige Wandlung wahr­zunehmen. Durch den sowjet-italienisc!)en 'Vertrag vom 2. August 1930 über Kredite für Sowjetliefe­rungsaufträge sind die Voraussetzungen für eine erhebliche Erweiterung unterer Aufträge geschaf­fen. Gleichzeitig macht sich in Italien wachsendes Interesse für die Einfuhr von Sowjetkohle, Sow­jetholz usw. bemerkbar. Die Entwicklung der Wirt- schaftsbeziehungen zu Italien find der beste Be­weis dafür, daß der Ausbau solcher Beziehungen

P

Molotow,

-er Vorsitzende des Rats der VÄkskommissare,

selbst bei voller Gegensätzlichkeit der sozialpolitische« Ordnung vorteilhaft und möglich ist.

Die Beziehungen zu Großbritannien bieten alle Voraussetzungen für eine weitere Ent­wicklung. Gewisse Erfolge sind bereits erzielt wor­den. So ist die Sowjeteinsuhr aus England von 9,9 Millionen Pfund im Jahre 1929 auf 15 Mil­lionen Pfund im Jahre 1930 gestiegen. Als gün­stige Tatsache ist ferner die Tätigkeit der sowjet- englischen Gemischten Kommission in London für die Regelung der gegenseitigen Ansprüche zu er­wähnen. Angesichts der im englischen Parlament und in der Presse neuerdings häufiger geworde­nen sowjeffeindlichen Aeußerungen kann die Sow­jetregierung nicht umhin, den Rätekongreß auf dis Notwendigkeit hinzuweisen, mit größter Aufmerk­samkeit die Lage der Dinge in England zu ver­folgen, da einflußreiche Kreise der Konservativen Partei die Zerstörung der englisch-sowjetrussischen Beziehungen anstreben.

In den Beziehungen zu Frankreich haben sich seit der letzten Session des Zentralexekutiv­komitees im Januar, wo ich nkich eingehend mit ihrer Charakteristik beschäftigte, keine wesentlichen Aenderungen vollzogen. Neuerliche Aeußerungen Briands über die Notwendigkeit der Bekämpfung der internationalen Gefahr des Bolschewismus be­weisen, daß die leitenden Kreise Frankreichs in ihrer sowjeffeindlichen Einstellung verharren.

Die Beziehungen zu Amerika zeichnen sich in der letzten Zeit durch ein Anwachsen der sow­jetfeindlichen Tendenzen aus, die fxb in der Ent­wicklung des Handels, der in den letzten Jahren sehr große Ergebnisse erzielte, ungünstig auswir­ken. Der Bericht der Kommission Fish läßt er- kennen, daß in den einflußreichen amerikanischen Kreisen die Neigung wächst, an der Spitze des Sowjeffeldzuges zu marschieren.

Sodann erwähnte Molotoff den V a t i t o n , dessen Vertreter in den verschiedenen Ländern be­harrlich auf die Vorbereitung der Intervention hinarbeiten würden. Molotoff verlas den inoffi­ziellen Bericht des Vertreters des Vatikans in Oe­sterreich, der die Einberufung eines internationa­len Kongresses in Wien zur Schaffung einer Ein­heitsfront gegen die Sowjetunion empfiehlt.

* Der König von Spanien wird am Sonntag in London eintreffen, um feine Schwiegermut­ter zu besuchen. Somit kann wohl die Krise in Spanien als endgültig beseitigt betrachtet werden.

* König Zogn von Albanien ist von Wien ins Ausland abgereist. Es war auf ihn während sei­nes Wiener Kuraufenthaltes bekanntlich ein Atten­tat verübt worden, das feinem Adjutanten das Le­ben kostete.

Ein peinliches Selbstzengnis.

In seinem Buch:Mein Kampf" (Volksausgabe 1930, S. 667/668) erzählt Hitler von den großen Schwierigkeiten, ,chie einzelnen Parteibetriebe der Kritik und dem Hineinreden von soundso vielen Aus­schußmitgliedern zu entziehen." Er hat da ein proba­tes Mittel zur Hand. Hören wir:Das beste Mittel, solche Ausschüsse, die nichts, taten oder nur prak- tisch undurchführbare Beschlüsse zusammenbrauten, unschädlich zu machen, war allerdings das, chnen eine wirkliche Arbeit zuzuweisen. Es war zum Lachen, wie lautlos sich dann solch em Ver­ein verflüchtigte und plötzlich dann ganz unauffind. bar wurde. Ich gedachte dabei unserer größten derartigen Institution, des Reichstags. Wie wur­den da plötzlich alle verduften, wenn man chnen nur statt des Geredes eine wirkliche Arbeit zu­wiese; und zwar eine Arbeit, die jeder einzelne die. ser Schwadroneure unter persönlichster Verantwor. tung zu leisten hätte." .

Gar wunderbar hat sich Hitlers Weissagung erfüllt an seinen tapferen 107 Mannen tm Reichstag, die sich alle verflüchtigten, als es galt, an Stelle von Radau und Farce einmal prat. tische Arbeit zu schaffen. Das muß man Hitler lassen: er kennt seine Pappenheimer.

Die bayerischen Presseverbande zum Landtags- ' zwischenfall vorn 5. Marz.

Aus München wird gemeldet: Der Verband der bayerischen Landtagsjournalisten gibt zu den Vorgängen, die sich am 5. März auf ^r Journa­listentribüne des Landtags abgespielt haben, eine Erklärung ab, in der der tiefften Entrüstung über die Mißhandlung des Redakteurs Schwingen st ein durch die nat ton also- zialistischeu Abgeordneten Wagner und Streicher und der Ueber$eugung Aus- druck gegeben wird, daß die gröblichs Ausschreitung der beiden Abgeordneten die Mißbilligung des Aeltestenrates finden werde. Der Vorstand des Landesverbandes der bayerischen Presse hat sich dieser Erklärung voll Inhalt-

*2111 e^Journalisten, die auf Ehre halten, Eilten mit den ihnen zu Gebote stehende Mintteln dem nationalsozialistischen Rückfall in das Faustrecht em Paroli bieten _______

Gröners Echo in Paris.

Die Rede des deutschen ReichswehrministersDr. (Sroener ocr dem Houshaltsausschuß des Reichs­tages wird von der französischen Presse in mehr oder minder umfangreichen Auszügen wiederge- «eben. Von der Linkspresse nimmt kein Blat» dazu Stellung. Ebenso hält sich die große Nach­richtenpresse mit ihrem Urteil sehr Zurück. Dage- gen beschäftigt sich bas nationalistischeEcho de Paris" mit den Ausführungen des Reichswehr­ministers. ..

Das Blatt schreibt: General Groener wird hm. sichtlich der Ausgaben für die Reichswehr bas tun, was er für richtig hält und keine Partei denkt daran, im Reichswehrbudget Einsparungen vorzunehmsn. Unter diesen Umständen sei jede De­batte vollkommen überflüssig gewesen, darum Habs