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KoInln^SÖhnß *1 MM» MU Kundgebung _ WM^ Jl Sonntag, den 15. März, nachmiltags 4 Uhr im kath. Gesellenhause.

Die Diözesanleifung

Reidisfagsabgeordnefer Winkler-Köln spricht.

auf den gütigen Vater im Himmel vertrauen, ferer menschlichen Schwachheit Kraft verleihen

der un- möge.

Verantwortlich fürDas Blatt der Jugend": Dr. oee. publ Joseph Sauer-Fulda.,

Zwar wissen wir sehr wohl, wirtschaftliche und politi­sche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um dem werk­tätigen Volke den Weg zu ebnen zu einer sorgenfreieren Zukunft. Der Lesellenverein hat erklärt, daß er In Ge­meinschaft mit christlicher Gewerkschaft und poiittfchen Parteien an dieser gewaltigen Aufgabe mithelfen will. Aber wir erkennen auch, daß mit wirtschaftlichem Kampf­geschrei und politischem Sturmgesang die Jugend in der ungeheuren Kompliziertheit allen Wirtschaftsgeschehens niemals erfolgreich die Aufgaben einer Neugestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung lösen kann. Zur persönlichen Tüchtigkeit zu gelangen, die der tragende Grundpfeiler des eigenen und des Volkes Glück ist, scheint uns erste und ernste Pflicht. Im Gesellenoerein haben sich Handwerks- und Jndustriege- sellen seit über 80 Jahren zusammengefunden, um in die­sem Streben zur persönlichen Tüchtigkeit sich zu helfen.

In vielen zehntausenden Lebensschicksalen hat der Ge­sellenverein unter Beweis gestellt; daß er wirklich Schule ist zurMeisterschaft des Lebens". Wenn du diese Meisterschaft des Lebens erringen willst, dann komm zu uns, dem Gesellenoerein, dem Bund der Handwerks- und Jndustriegesellen.

Komm zu uns! Im Gesellenverein findest du Hilfs­mittel für die Vervollkommnung deines beruflichen Kön­nens und deiner Arbeitstüchtigkeit: Kurse und Fachabtei­lungen, Werkstätten und Fachbibliotheken. Die berufliche Wanderschaft wird bei uns gepflegt als Weg zur Berufs­ertüchtigung und als Mittel zur Arbeitssuche, auch in un­serem Jndustriezeitalter. Keine andere Gemeinschaft kann dir diese Ausbildungswanderschaft in dem Maße ermög­lichen wie der Gesellenverein.

Doch denke nicht:Was muß der Gesellenverein doch für eine furchtbar ernste Sache sein!"

Wir sind im Gesellenverein bei allem ernsten Streben eine frohe Jugendge­meinschaft. Gerade weil wir unserer Gemeinschaft ein ernstes und erstrebenswertes Ziel gesteckt haben, dür­fen wir auch recht froh fein. Jugendlust und Jugend­freude haben bei uns immer Heimatrecht gehabt. Nichts, was das ernste Arbeitsleben schmückt und schön macht, wird von uns verschmäht. Unser Gesellenvater Kolping, der selbst Lehrling und Geselle war, hat uns auch den Frohsinn und Scherz der Jugendzeit in seinem Verein als Vermächtnis übergeben. Lied und Musik, Theater und Spiel, Turnen und Sport werden bei uns gepflegt. Doch alles das ist uns nicht Selbstzweck. Wir treibens nicht, um darin Rekorde und Preise zu gewinnen. Vielmehr soll all das uns dienen, um für unser tägliches Arbeits­leben froh, gesund und stark zu machen. Wir hassen darum alle selbstzufriedene Gemütlichkeit, die sich selbst genug ist und das wertvolle Kapital unserer Jugend, Jugendkraft und Jugendzeit, in spießerischer Dumpfheit vergeudet.

Aus unserem ernsten Berufsstreben und frohen Ju­gendleben wächst tiefe, echte Gemeinschaft. Wir nennen uns Kolpingsfamilie, nennen uns olle Kol - pings br über und sagen zueinander das herzliche Du". Das hat doch noch einen tieferen Sinn als das Du aüf der Arbeitsstätte. In ihm liegt der Wille, sich zu helfen in allen Schwierigkeiten und Bedrängnissen des Jugendlebens. Darin liegt, daß wir in brüderlicher Liebe und Eintracht uns unterstützen in unserem ge­meinsamen Streben, uns stützen auf dem gemeinsamen Weg ins Mannesalter und wie in einer rechten Familie in Freud und Leid zusammenstehen.

Du darfst glauben, solche Gemeinschaft wie bei uns findest du selten nur, und sie wird dir, wie vielen, vielen vor dir, als liebe (Erinnerung dein ganzes Leben hin­durch zur Seite stehen.

Wenn du nun zu uns kommst in unsere stolze und frohe Jugendgemeinschaft, so wirst du dir fetzt bewußt fein, daß du nicht eintrittst in einen Verein schlechthin.

Wir sind im Gesellenverein eine ka- tholische übernationale Gemeinschaft! Aus dem Boden katholischer Weltanschauung gewachfen, durchglüht von der elementaren Kraft katholischen Glau­bens und katholischer Liebe, hat der Gesellenverein feine

In der Tat, lieber Freund, wir warten auf dich. Sei darob nicht verwundert, denn du gehörst jetzt zu uns. Deine Lehrzeit ist beendet. Aus der Enge der Lehre tust du den ersten Schritt hinaus in die Freiheit des Lebens. Früher, im romantischen Mittelaller, war der Tag der Freisprechung ein gar festlicher Tag für die ganze Berufs, gemeinfchaft. Auch heute noch hat sich in den Handwer­kerinnungen der schöne Brauch erhalten, und die Lehr­werkstätten der großen Betriebe haben einen festlichen Tag, wenn aus ihnen frische Gesellen heroorgehen. Aber die Nüchternheit unseres Wirtschaftszeitalters und feine vielseitige Not überschatten die Freude, die den Tag des Gesellewerdens durchstrahlt.

Trotz allem, lieber Freund, wir rufen dir herzlich und mutvoll unseren Gruß entgegen:Gott segne bas ehrbare Handwerk". Du denkst vielleicht, das ist ein veralteter Gruß. Keineswegs. Wir denken bei unserem Gruß nicht nur an den geschichtlichen Begriff Handwerk. Vielmehr grüßen wir in ihm jedes ehrliche Werk der schas­senden Hand.

Nicht ohne Grund klingt unser Gruß der schassenden Arbeit. Sie ist es, die jeden Menschen aufs engste mit dieser Erde verbindet. In dem werktätigen Schaffen ist der Mensch wurzelfest mit seiner irdischen Lebensaufgabe verbunden. Mit seiner Hände Arbeit baut er sein Seberts- glück auf. Sie ist fo der Mittelpunkt seines Lebens. Dos ist es, was wir im Gesellenoerein besonders betonen und weshalb wir unseren Gesellengruß sprechen, auf daß jede Arbeit getragen und geheiligt sei vom Segen dessen, der uns an unseren irdischen Arbeitsplatz gestellt hat, des Herrgotts, unseres höchsten Arbeitgebers selber.

Wir sind darum stolz darauf, junge Menschen der Arbeit zu fein. Unsere Arbeit ist uns nicht Lost und nicht tägliche Sorge nur, sondern soll uns freudiger Lebensinhalt sein. Ich frage dich, lieber Freund: Willst du, der du drei Jahre mühselig und oft mit zusammenge­bissenen Zähnen die Lehrzeit durchgemacht hast, bas, was bu bir errungen, Berusswissen unb Berufskönnen, als lästige, unfrohe Last von bir werfen? Als Geselle giltst bu als einer,ber was kann". Arbeitsfreude und Berufs­können dir zu erhalten, öffnet dir der Gesellenvereine feine Tore.

Wer erwartet dich im Gesellenoerein?

(Eine stolze, selb st bewußte Schar jung er Männer, diedenMuthaben, etwasaussich im Leben zu machen.

Wir erwarten Dich!

Vom Kat hol. Gesellenoerein wird schrieben:

Die erwerbstätige Jugend.

Der Reichsregierung und den Fraktionen des Reichs­tages ist soeben eine Eingabe des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände, der Spitzenorganisation von mehr als hundert Reichsjugendverbänden aller Richtun­gen zugeleitet worden . Unter Beifügung eines ausführ­lichen statistischen Materials wird darin ein beschleunigter gesetzlicher Sonderfchutz für jugendliche Arbeitnehmer verlangt. Dor allem wird die Herab­setzung ber Arbeitszeit erroerstätigcr Jugendlicher bis zu 18 Jahren und ein striktes Verbot aller Nachtarbeit ge­fordert, ferner die Einführung des Samstag-Frühfchluf- fes, das Verbot der Sonntagsarbeit und die Gewährung eines bezahlten Mindefturlaubes von 21 Kalendertagen für jugendliche Arbeitnehmer unter 16 Jahren und von 14 Kalendertagen für Arbeitnehmer vom 16. bis zum vollendeten 17. Lebensjahr.

Die Forderungen der hundert Reichsjugendverbände verdienen die wärmste Unterstützung durch die Oeffentlich- teit. Wer weiß heute, daß jeder dritte Jugendliche mehr als 48 Stunden in ber Woche arbeitet, jeher achte Jugend­liche Sonntagsarbeit leisten muh, jeder zweite Jugendliche keinen Wochenendfrühschluß hat und jeder vierte Jugend­liche überhaupt keinen Urlaub erhält? Man kann ein» wenden, früher ist es noch schlimmer gewesen.

Aber der Gefundheitszustand unserer jungen Menschen ist im Durchschnitt weit schlechter als der früherer Gene­rationen. Befonders in den Großstädten herrscht ein Elend, das viele soziale Helfer geradezu verzweifeln läßt.

Wieviel Jugendliche liegen heute er­werbslos auf der Straße! Fast ein Drittel ber Arbeiter von 18 bis 21 Jahren ist ohne Arbeit. In Ber­lin beträgt bie Zahl ber jugenbl. Erwerbslosen im Aller von 14 bis 21 Jahren 45 000 bis 50 000. Davon entfallen auf bie Altersklasse 14 bis 17 Jahre 910 000 unb auf bie 18 bis 21jährigen 3640 000. Diese großen Erwerbs­losenzahlen bürfen nicht zu einer schärferen Ausnutzung ber beschäftigten jugendlichen Arbeiter führen. Es ist im Gegenteil zu fordern, daß alles getan wird, um für not­wendige Arbeiten aus dem Kreise dieser mehr ober weni­ger auf ben Straßen Ijerumlungernben Menschen Hilfs­kräfte heranzuziehen.

Die beste Unterstützung für bie Forderungen der Reichsjugendverbände bilden schließlich die Statistiken über ben Gesunbheitszustand der noch nicht arbeitsfähigen Schulkinber. Sie offenbaren einen fo hohen Prozentsatz von Krankheiten, daß man auch schon aus diesem Grunde einen verstärkten Schutz der jugendlichen Arbeiter fordern muß. Wenn diese Generationen in das bürgerliche Er­werbsleben übertreten, müssen die Schutzb estimmungen bereits in Kraft sein. Wenn sie erst bann eingeführt wer­den sollen, ist es bereits zu fpät.

Fahne hinausgetragen weit über Deutschlands Grenzen. In 15 Staaten ber Erbe klingt heute unser Gruß in ver- schiebenen Sprachen. Junges Werkoolk aus Werlstät- ten unb Fabriken bekennt sich stolz unb froh zu ihm. Du, der bu zu uns kommen willst, brauchst bich nicht des Ge­sellenoereins zu schämen als einer unbebeutenben neben« fächlichen Organisation. Kolpingswerk unb Kolpings- programm genießen heute überall guten Ruf. Hoch klingt das Lied vom Gesellenoerein als einer starke« Volks­bewegung für die (Erneuerung von Familie unb Volk. Wir wollen durch unsere jungstarken Arme eine bessere, schönere Zukunft ans Licht tragen.

Auch du bist ein Stück Zukunft, auch du trägst Ver­antwortung, nicht nur für dich, sondern für dein Volk unb für bie ganze Menschheit in bir. So grüßen wir bich als einen, ber mit uns schaffen unb wirken will an ber Gestaltung ber Zukunft.

Vieltausenbe Bruderhände strecken sich dir entgegen, ber bu als Neumiiglieb zu uns kommst. Sie bieten bir, Neumitglieb, herzlich

Drndergruß unb Handschlag!

festhält, unb nicht mutlos wirb, obwohl er von ben- jenigen verlassen würbe, bie ihn am stärksten hätten unterstützen müssen.

wir wollen mit dem Radikalismus um die Seele jedes jungen Deutschen ringen,

um alle Jungen zu gewinnen für bie praktische Ar­beit für unser deutsches Vaterland. Auch bei uns sind Hunderttausende arbeitslos. Aber wir wollen uns des­halb nicht der Verzweiflung in die Arme werfen. Wir glauben an Deutschlands Zukunft trotz des verlorenen Krieges,, trotz der Wirtschaftsnot, trotz des drohenden Kommunismus. Wir glauben, daß über uns eine gü­tige Vorsehung maltet, bie alles zum Guten lenken wirb, wenn wir uns als würdig erwiesen haben. So fühlen wir, daß es auf uns ankommt, auf jeden einzelnen. Wir wissen, daß nicht Geschrei und Gerede, sondern nur Dpferroille, Arbeit unb si111iche Tüchtigkeit unser Volk gesund unb stark machen kann. Drum wollen wir an uns arbeiten, daß wir Menschen werden, die dieser ungeheuren Aufgabe ge­wachfen sind, linier Schlachtruf in jeder Not:Unb wir bauen sie boch, bie Zukunft unseres Volkes, wir die Jungen!" Wir werben nicht klein beigeben, well wir

jfrb wir bauen fie doch!" ,Unb wir bauen sie doch, bie Zukunft unseres Volkes, wir, bie Jungen!"

go begann ber Vorspruch zu ber machtvollen Kund- aebung ber katholischen Jugenb Fulbas öm vergangenen Sonntag im großen StabtfaaL Das mar ein kühnes, opferfrohes Bekenntnis; bas war bie inhaltsschwere Erklärung, baß bie katholische Jugend sich von niemanben in ber Liebe zu unserem Volk unb Herland übertreffen läßt. Freilich äußert sich bie Be- reitidjaft ber jungen Katholiken, ihre ganze Kraft für bie ©efunbung Deutschlands einzusetzen, anders als man cs von denjenigen gewohnt ist, die sichn a t i o na l" nennen. Dort wird jeder Volksgenosse, ber anberer Meinung ist, beschimpft und beleidigt. Vor allem die Jugend, die sich bewußt und stolz katholisch nennt, wird von den Leuten, bie mit bem Wortna­tional" Schinbluder treiben, in der schändlichsten Weise alsundeutsch" verdächtigt. Wir regen uns zwar über bie Volksgenossen, bie sonational" daher reden, nicht auf, sondern haben höchstens Mitleid mit ihnen, weil sie, soweit sie ehrlich überzeugt fifib, engstirnig und verbohrt sind. Aber: wir jungen Katholiken halten es für unsere Pflicht, offen unb entschieden den Hetzern entgegenzutreten, die die Volksgenos­sen gegeneinander treiben, statt darauf hinzuarbeiten, baß in einer Zeit der höchsten Not alle volklichen Kräfte . zulammengefaßt werden können. Wir sehen keinen Un- l-rschied zwischen den Nationalsozialisten mit ihrem beulschnationalen Anhängsel, der sog .nationalen Op­position" und den Kommunisten. Beide Gruppen wol­len zerschlagen, ohne bie Gewähr bieten zu können, daß sie aufbnuen können. W i r sink» aber entschlossen, diese Liastrophe zu verhüten, well es ein Unding ist, noch einmal zu zerstören und Unordnung zu schaffen, nach- Ws4O der Krieg schon so vieles vernichtet hat. Auch ist es unmöglich, daß unser Volk zum zweitenmale so schnell den Zusammenbruch und bie Revolution überroinben wird, wie es noch 1918 in bewun­derungswürdiger Weise geschehen ist. Der gesunde Men­schenverstand muß jedem sagen, daß der Kommunismus auf der Lauer liegt, um die Früchte einer von vielen Nationalen, die dieSchwarzen" aus Berlin vertrei­ben möchten, so heiß ersehntennationalen Revolution" einzuheimsen. Und wer muß bei allen Kämpfen bie Zeche zahlen: bie breiten Massen, die es gewohnt sind, im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot zu verdienen. Und was wird schließlich aus Deutschland werden???

Das sind die Gründe, weshalb die katholische Ju­gend sich erhoben hat, um einzutreten

für Aufbau und Ordnung.

Deshalb stellt sie sich hinter den Reichskanzler Brüning, der als entschloffener Kapitän das Steuer des von wilden Sturmfluten geschüttelten Staatsschiffes

Jugend, wach auf!

Jugend wach auf!. Mahnend Gebot zur Stunde.

Du hast ja noch Kraft, Du hattest auch Macht.

Führtest das Wollen Du nicht nur im Munde Jetzt -st es Zeit Mach Dich bereit!

So tönt es rings in der Runde.

Jugend wach auf!

Der Weckruf gilt allen,

Zu richten den Kiel, «u allem Ziel: Wieder ein freies Deutschland zu gestalten. Wit junger Saat

Zur Ernte der Tat, Treu zu alten Fahnen zu halten!

Otto Klüber.

Hier wurden wir einem Triumphge-

bas durchschossene Flugzeuges. Was

landete bann auf unterem Flugplatz, von Offizieren und Mannschaft mit heul empfangen.

Ich ober blieb ernst und besah Tragdeck und den Rumpf meines

zweite Hemmung bekam, hielt er kaltblütig dem wieder einmal ganz nahe heransausenden Feinde mit weit her­ausgestrecktem Arme die nicht schießende Waffe entgegen trotz des rasenden Maschinengewehrfeuers des Geg­ners.

Dann ließ der Feind plötzlich von der Verfolgung ab und ging im Gleitflug zurück.

Ich flog noch etwas über der Front auf und ab und

Dann lag ich tagelang mit einem Preßverband über der zugenähten Wunde. Ich durfte nur Milch mit Ei zu mir nehmen. Einmal hörte ich im Nebenraum den deutschen Major zu Evers sprechen:Wollen Sie doch bitte die Papiere von Schroeder an sich nehmen, Sie kennen ja seine Mutter, und der Arzt weiß noch absolut nicht, wie es dem Kranken gehen wird!"

Es ist doch ein recht eigenartiges Gefühl, wenn man so über sein eventuelles Leben reden hört.

Einige Tage darauf war ich sehr erstaunt, als ich beim Frühstück Glasfvlitter in meiner gezuckerten Eier­milch vorfand. Der Wirt yar nämlich regierungsfreund­lich war heimlich als Spion verschrien, vielleicht be­kam er auch etwas dafür, wenn ich statt wieder zu flie­gen, in die Erde geschaufelt würde. Trotzdem geschah dem Manne nichts wegen dieser Tat. Der Führer mei­ner Partei wollte nicht öffentlich mit ihm brechen. Er war Argentinier und besaß großen Einfluß.

Nun zur Fliegerei zurück. Evers flog in letzter Zeit wenig. Er hatte Fieber. In diesen Tagen verflog sich auch der Italiener und machte eine Notlandung in Ar­gentinien, wo der Apparat natürlich feftgehalten wurde.

Nach vier Wochen war ich wieder fo weit, daß ich mit leichtem Kopfverband nach Buenos Aires zur Er- hotung fahren konnte. Ich hatte Dufel gehabt die Schädelknochen waren nur geschrammt, nicht gebrochen gewesen. Ich hatte mit dem Kopf den Hilfsbenzintank eingedrückt.

Vierzehn Tage später ließ ich mich von einem deut­schen Arzt neu auf Fliegertoualitbkeit untersuchen und ging mit ber fast ausgeheilten Wunde wieder' nach Para­guay. Ich mußte eben wieder fliegen ich konnte nicht anders!

Wieder bei ben Revolutionären angetangt, fand ich Evers und den Mechaniker auch nicht mehr vor. Dafür war jedoch ein italienischer Pilot, der schon Im Anfang dort gewesen war, zurückgerufen worden.'

Als ich wieder einige Zeit geflogen war, wurden wir unerwartet vom Feind im Rücken und von allen Seiten angegriffen. Wir waren umzingelt!

Einen Tag daraus schloß sich ber Ring immer mehr, und leider erhielt ich erst gegen Abend die (Erlaubnis, mit meinem Apparat nach Argentinien zu fliegen.

Darauf eilten mein Beobachter und ich zu dem nahen Flugplatz. Dieser wurde aber bereits vom Feinde be­

wußten diese Menschen von ber Fliegerei! Daß wir überhaupt wiebergekornmen waren, konnte ich mir nur so erklären, daß der feinblidje Beobachter wahrscheinlich ein großer Neuling war und in der Angst um das eigene Leben das Maschinengewehr so schlecht bedient hatte. Die plötzliche Abkehr des Feindes konnte nur auf einen Mo- torbefeft zurückzuführen fein. Aber mein Beobachter und ich waren fortan gemachte Leute!

In ben revolutionären Zeitungen schrieb man rüh­mende Artikel über uns. Man war begeistert, well wir ben ersten Luftkampf in Südamerika ausgefübrt hatten.

Bald darauf führte ich auch ben ersten Nachtbomben- flug aus. Beim Landen streifte ich iedoch eine Baum« fpitze, ber Apparat gehorchte dem Steuer nicht mehr, flog schräg über die (Erbe unb überschlug sich.

Ich dachte nur an bie vielen Brände bei unglück­lichen Landungen unb kroch schnell, wie ein Wiesel unter dem Apparat hervor. Trotzdem sah ich fast nichts, da mir heißes Blut in die Augen lief unb in meinem Gehirn das Trommelfeuer von Flandern tobte.

Mein Beobachter war in hohem Bogen aus dem Apparat herausgeschleudert worden unb hatte sich nur die Nase aufgeschlagen Es schien ihm wohl so, als ob er mich stützen müßte, denn er faßte mich unter ben Arm und ging mit mir den immerhin fünf Minuten langen Weg zu dem Hotel, in bem wir wohnten.

Hier lag ich noch eine halbe Stunbe, bis der Arzt kam. Dieser meinte bann, in noch einer halben Stunde wäre ich glatt verblutet. Meine Kopfhaut war in Drei­eckform aufgeriffcn unb nach hinten geklappt. Das gab einige Arbeit für ben Arzt, unb unserem Mechaniker würbe übel habet

schassen. Sein Mechaniker, noch irgendeiner von den Revolutionären war hier noch zu sehen. Trotzdem warf mein Beobachter ben Propeller an, unb wir flogen, ohne den Motor erst abzuttenenn, in die anbrechende Nacht hinaus.

Ich war aber, da man bereits von der anderen Seite des Flugplatzes auf uns schoß, zu früh gestartet. Denn der Motor war noch nicht auf seiner Tourenzahl, unb es war fast ein Wunder, daß ich nicht in ben Bäume« hängen blieb, die ben Flugplatz umgaben. Endlich aber war der Motor warm, und der Kahn stieg normal.

Es war Nacht geworden. Höhe zu gewinnen, war zwecklos, well, wie ich es nur zu deutlich sah, die rings um bas Dorf stehenden Feinde wie toll nach mir schoßen.

Der Himmel war auch noch zu hell, als daß ich in einigen Hundert Meter Höhe, ben Blicken der Feinde ent­schwunden wäre. Hinzu kam, daß die alte italienische Sam-Maschine nur ganz langsam stieg.

Deshalb flog ich, um aus diesem konzentrierten Feuer des Feindes herauszukommen, gleich nach dem Start quer über die Bäume unb ben Feind hinweg in der Rich­tung Argentinien.

Ich wollte jetzt auch gar keine Höhe, im Gegenteil, ich drückte noch meine Maschine mit Vollgas und holte so eine anständige Geschwindigkeit heraus, welche alle Kugeln hinter mir Vorbeigehen ließ. Unterschätzt doch ber Infanterist fast immer die Geschwindigkeit eines Flugzeuges.

Hlchen die Kerls gepfeffert als ich in etwa hundert­fünfzig Meter Höhe über ihnen hinwegbrauste!

Da spürte ich einen heftigen Schlag an ber linke« Kopffette. Ich glaubte, ich wäre von einer Kugel ge­troffen. Doch nein es war nur ber Knops von mei­nem Kopsschützer! Nun pumpte ich erst mal nach Gut­dünken Druck auf den Benzintank sehen konnte ich ja nichts in dem Kahn und knöpfte mir bann ben Kopffchützer zu.

Der Feind war nun hinter uns. und wir sahen be­reits ben silbrig aufleuchtenden Alto Parawa. Dahinter lag Argentinien. Dort waren wir gerettet!

Die Landung aber? Vor acht Wochen erst war mir eine Nachtlandung auf bem bekannten Flugplatz mißglückt, wie sollte das jetzt auf bem mir gänzlich unbe­kannten Gelände werden?

(Fortjetzung folgt.)

AK jumpet, Flieget und Zöget in M-Ametika.

12] Von Bernhard Schroeder-Wiborg.

2 # Nun bekam auch ich meinen Apparat und machte - Bomben- unb Beobachtungsflüge. Als Beobachter er- l->klt ich einen tollkühnen Deutsch-Paraguayer.

.Da auch ber Feind Flieger besaß und ich gehört hatte *®d die paraguayische Regierung Prämien für den Ab- lchuß eines revolutionären Fliegers ausgesetzt harte, Ersuchte ich es bei meiner Partei zu erzwingen, daß ich Maschinengewehr bekam. Doch ich erhielt teins. Das ®eIb schien knapp zu werden.

I (fr Aus Vorsicht ließ ich meinen Beobachter bei jedem wuge zwei deutsche Armeepistolen und achtzig Patronen mitnehmen. Was ich ahnte, traf wirklich ein.

auf einem Bombenfluge, bei welchem ich etwa in ®Wenb Meter Höhe unb vielleicht fünfzehn Kilometer umter der Front des Feindes flog, wurde ich plötzlich einem Regierungsflugzeug, das mit einem kleinen ^fnpfon-Mafchinengewehr ausgerüstet war, ange» Stiien!

Die feindliche Maschine war genau doppelt fo schnell meine. Tiefer konnte ich nicht gehen, bann kam t.In bas Mafchinengewehrfeuer ber feindlichen Jnfan- ma($,te Vollgaskurven, rutschte über ben Flügel

9 bie Kiste sofort wieder, ließ sie taumeln, schwimmen versuchte eben alles, was angetan war, um dem ueUb ein schlechtes Ziel zu bieten.

tabei mußte ich alle Augenblicke bie Hanblustpumve

enen, da der Druck auf bem Benzintank nicht hielt, ner war ich gezwungen, mir fortwährend die Schutz- EsJ 3U säubern, da ber mit Hochdruck arbeitende ^Muftn Oel ins Gesicht spritzte. Es war

®.e'n$ fam von allen Seiten herangezischt. Ich Cb-,u EH ben Schützen mit bem Maschinengewehr.

B° der Feind bemerken, daß wir kein solches ft.;, . . batten. Seine Angriffe wurden immer frecher. ' . ÖQB er uns rammte.

et . P,e'n Beobachter? Der schoß wie wild, so daß Die p 6ei meinen Kurven aus dem Apparat fing.

r einmal eine Pistole leergeschossen hatte und bie