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Amtliches Kreisblatt

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda

Monatlich 1 80 einschließl.

Sonntag, S. März 1931

Nr. 56

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Politische Wochenschau.

letzten Tage waren für die Außenpotttik (nmeit sie den nicht amtlich interessierten Deutschen herübrt Tage wichtigster, zum Teil s e n s a t t o - °^lle r Reden und Erklärungen. Es ist von ver- tAiebenen Männern einiges gesagt worden, was nielleicht nicht ganz neu, ober doch in seiner For­mulierung wegweisend war. Da ist m erster n-nie die Erklärung zu nennen, die der bel­gische Außenmini st er bezüglich eines Mm- L«aktes seines Landes mit Frankreich abgegeben Man erinnert sich an den Cslan,_ mit dem «ufaien sich seinerzeit in den Krieg stürzte. Es «ob «, Eifer und Haß gegen die Deutschen den ^ranwsen nichts nach. Ja, man kann weiter Glien daß dieses winzige Land von den Entente­mächten in einen Großmachtstaumel hineingetrie- ken wurde, der ihm zunächst moralisch, nicht be­kommen konnte. Bei der Frage, ob die deutschen Kreise Eupen und Malmedy bei Deutschland ver­bleiben könnten, nahm die belgische Politik eine Haltung ein, die durchaus französischem oder pol­nischem Chauvinismus ähnlich iah. Heute darf man annehmen, daß sich inzwischen einiges gewan­delt hat. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß Eupen und Malmedy ewig bei Belgien bleiben werden, es sieht vielmehr so aus, als ob die bel­gische Regierung bereits auf ihr Rachgeben gegen­über dem anhaltenden stürmischen Verlangen der deutschen Bevölkerung gefaßt wäre. Das spricht für Belgien Es merkt wohl selbst, baß ihm die Eroßmannsallüren schlecht anstetzen und daß es besser daran tut, sich innerhalb seiner großen Nach­barn ein friedliches, durch Fleiß und Unparteilich­keit geschütztes Verbleiben zu sichern. Das war das Sensationelle an der Erklärung des belgischen Ministers, daß dieses Land nicht, daran denkt, mit irgendeinem Nachbarn einen Kriegs- oder Mili­tärpakt einzugehen. Es beruft sich vielmehr auf den Locarnopakt und andere friedliche Ab­machungen. Es ist davon überzeugt, dabei belfer äu fahren, als wenn es eine Riesenrüstung anzu- -iehen versuchte und sich verpflichtete, etwa Fran"- reich die Kürassierstiefel nachzutragen.

Belgien kommt natürlich nicht aus reinem Idea­lismus zu .dieser Auffassung. Auch in Brüssel und im belgischen Industriegebiet spürt man die W e l t- wirtichaftskrise und sagt sich, daß sich ein friedliches Zusammenarbeiten mit den anderen Säubern Europas umso ertragsreicher gestalten M, je weniger Mittel gleichzeitig für Rüstungs- zwscke verschlungen werden. Anderswo ist man noch nicht durchweg so weit. Allerdings ist der AbMungsgedanke. wenn auch vielleicht auf Um» wegen, in dielen Tagen ein kleines voran« gekommen, vorausgesetzt, daß die Engländer die Wahrheit sagen. Sie versichern nämlich, bei ihren Verhandlungen in Rom sei das WortLandab- rüstung" überhaupt nickt gefallen. Sie hätten also auch den Franzosen keinerlei Konzessionen in dieser Richtung gemacht, glaubten vielmehr, der Abrüstungskonferenz durch den Abschluß des Flot­te n p a k t e s einen Dienst erwiesen zu haben. Ganz st wird es ja wohl nickt sein. Aber wenn die englisch» Regierung an militärilche Fragen unter Berücksichtigung ihrer Ueberzeugung als Arbeiter­partei herangeht, so dürfte in ihrer Erklärung eigentlich nicht einmal ein Schatten von Unwahr- hafiiakeit enthalten sein. Dem einfachen Laien- teritanbe allerdings hätte es mehr eingeleuchtet, Mnn auch die Seefragen groß'ügig und großherzig «r Abrüstungskonferenz überlassen geblieben wä­rm.

Leider sind wieder peinliche Steuerungen aus Frankreich zu berücksichtigen. Der französische Kriegsminister M a g i n o t hat es für richtig ge­lten, den Rüftungsgedanken mit der Kriegs- Mldlüge in Verbindung zu bringen und zu be­haupten, Deutschland könne nicht militärische Gleich­berechtigung beanspruchen, weil es seinerzeit mut- vulig den Krieg begonnen habe. Abgesehen da- van, daß es uns fraglich erscheint, ob ein amtie- renber französischer Minister tatsächlich an Deutsch- »nbs Kriegsschuld glaubt, muß auch hervorgeho- "m werden, daß an Herrn Maginot offenbar die W« Jahre eines atemlosen Ringens der beiden Mker um Verständigung spurlos vorübergegan- stn sind, und es ist bezeichnend, daß heute noch W der französischen Regierung ein Mann sitzen , bsi der so wenig aus den Kämpfen dieses Jahr- »eynts gelernt hat, Maginot hat selbst vor eint»

Zeit einmal gesagt, das Aufrüsten müsse zum irtschaftlichen Ruin der Völker füh- Qber es scheint so,« als habe er damit nur "*euten wollen, daß zwar auch Frankreich lieber Rutger Geld für Rüstungen ausgeben möchte, a5 es aber selbstverständlich die militärische Hege- rfoaJ11 Europa für sich beanspruche. Mit fol= J91« ,^nWun9en wird der Friede nicht gefördert, p 'st erfreulich, daß der deutsche Außenmini- ,rAr- Eurtius bet seinem Besuch einen Presse- P,a2j-S in der deutschen Gesandtschaft dazu be- üL-ml-t ' Um $ie Ausführungen Maginots zurück- ber9Tun,r ®r stot dabei zu dem, was wir von hi- Abrüstungskonferenz erwarten, alles Rotwen- r.^ gesagt. Dieselbe Sicherheit, die Frankreich für S? beQinhrud)t, verlangen auch mir. Sie bttrn^tLgewährleistet, solange unsere Nach- .ubmmungslos aufrüsten, während wir auf fittem . 8riedensdiktates gezwungen sind, bei $ x? minimalen Heer zu verbleiben. Außerdem br i ,lCc Abrüstung der andern für uns ein d e r= t.n ,!es Recht, auf das mir nicht oerzich- t'onnen.

teäiifc hat sich ebenfalls zu diesem Gegenstand fato sm' ?ber er hat nicht nur nicht die Auffas- Ziriots geteilt, sondern sie geradezu zu- kts . Brianb hat und das ist wohl fente rl sE 1918, daß ein Staatsmann der En- ht8n -sich so geäußert geradezu gesagt, daß Bxsz, y,r. bas Bemühen des deutschen Volkes, oie Üiitnoh ber Angreifer gewesen zu sein, kab- M?ren, Verständnis haben müsse. Da-

./w er zwar nicht die Grundlage des Versail­

ler Vertrages erschüttert, aber doch viel mehr zu­gegeben, als bisher von irgend einem Vertrags­partner aus geschehen ist.

In der deutschen Innenpolitik dieser Woche haben die braunschweigischen Kommunalwahlen den meisten Anlaß zu Erörtenmgen gegeben. Das Wahlergebnis wird selbstverständlich ganz ver­schieden beurteilt, und das ist darum möglich, weil genaue Vergleichszahlen fehlen. Trotzdem scheint aber festzustehen, daß der Gewinn der Na­tionalsozialisten nur gan z gering ist und vielleicht schon einem Stillstand gleichkommt.

während der Erfolg des Kommunismus sich kaum leugnen läßt und die Schlappe der So­zialdemokratie ziemlich offen zutage liegt. Ganz unbezweifelbar ober ist der Zusa m m en k> ruch der bürgerlichen Parteien. Sie müssen sich darüber klar sein, daß sie durch ihr Nachgeben gegenüber dem Radikalismus rechts, ihre Nieder­lage selb st verschuldet und dadurch mittel­bar dem Kommunismus in die Arme gearbeitet haben. Denn am Ende der Hitlerschen Ideologie wird nicht das Dritte Reich stehen, sondern d i e Diktatur der Sowsets.

Heue Senkung der Hirnen beantragt.

Dr. Wirth s große Mehrheit. Schlange-Schöningen sagt:Die Sozialdemokraten sollten Geheimrat Hugenberg ein Denkmal setzen-. Reichstags-Wochenend.

Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums wurde in der Sitzung am Freitag beendet.

Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen den Reichsinnenminister wurde mit 271 gegen 66 Stimmen bei 38 Enthaltungen abgelehnt. Wirtschaftspartei und Landvolk enthielten sich der Stimme, Von den vielen weiteren kommunisti­schen Anträgen auf Streichung der Polizeikosten­zuschüsse an Thüringen und Braunschweig, auf Mißbilligung der Erklärungen des Innenministers zur Freidenkerbewegung usw. fand nur die Ent­schließung die Unterstützung der Sozialdemokraten und damit die Mehrheit, die eine Neuregelung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche, Kirche und Schule verlangt. Abgelehnt wurde auch die Ausschußentschließung auf Einführung eines neun­ten Schuljahres. Zum Verbot des Remärgue- Films wurde nach Ablehnung weitergehender kom­munistischer Anträge ein sozialdemokratischer An­trag angenommen, der 'das Filmverbot für nicht begründet erklärt und die Erwartung ausspricht, daß die Regierung alle Vorbereitungen trifft, um die Prüfung des Bildstreifens zu beschleunigen, wenn dieser durch den Hersteller erneut börgelegt wird.

Aus der Debatte ist noch eine Rede des frühe- ren deutschnationalen Abgeordneten Schlangen- Schöningen hervorzuheben. Er sagt: Angesichts der leeren Bänke auf der Rechten sind wir hier eine zahlenmäßig schwache Opposition. Die Sozialdemokraten können eigentlich eine Sammlung veranstalten zu einem Denkmal für Ge­heimrat Hugenberg. (Sehr gut.) Wir werden in unserer vorwärtstteibenden sachlichen Opposi­tion die- konservativen Gedanken vertreten, die zunächst von den ewig Gestrigen immer verlacht worden sind, und die sich in der geschichtlichen Entwicklung immer als richtig erwiesen haben. Ein Bürgerkrieg hat oft in der Geschichte den Völkern einen neuen Aufschwung gegeben, wer aber in unserem von außen und innen so schwer bedrängten Volk mit dem Gedanken von Bürgerkrieg und Katastrophe spielt, der hat den furchtbaren Ern st unserer Lage noch gar nicht erkannt. (Lebhafte Zustim­mung.) Ein Unglück war es ja auch, daß unser Volk während des Weltkrieges nicht über den furchtbaren Ernst der Lage aufgeklärt wurde. (Sehr wahr.)

Witzig war . ' -

ein Rededuell

zwischen dem Zentrumsabgeordneten Schlack und dem wirtschaftsparteilichen Abgeordneten Schnei­de w i n d. Abg. Schlack (Ztr.) schilderte den schlech­ten Ernährungszustand der Arbeiterbevölkerung und kam in diesem Zusammenhang auf die beim Ernährungsetat von dem Abg. Schneidervind ge­haltene Rede zurück, Herr Schneidewind habe be­hauptet, daß bei ihm in Köln ein Pfund gutes Ochfenfett 30 Pfennig koste. Da Köln sonst als eine der teuersten Städte bekannt fei, habe er sich telegraphisch über diese Angaben informiert und von Köln aus folgendes Antworttelegramm bekommen:Bei Schneidewind (laut Reichstags- HandbuchMetzgermeister in Köln" kostet ein Pfund Nierenfett 60 Pfennig (Heiterkeit). Ein Pfund Blutwurst billigste, 60 Pfennig (große Hei­terkeit und Rufe:Stop"), ein Pfund Leberwurst 60 Pfennig, ein Pfund Suppenfleisch mit Kno­chen hundert Pfennig, alles geringe Qua- li t ä t." (Große Heiterkeit.) Herr Schneidewind hat, so fuhr Abg. Schlack fort, eine Attacke gegen die Konsumvereine geritten, aber er steht mir ei­gentlich nahe, denn ich bin Vorsitzender des Reicksverbandes der deutschen Konsumvereine, dem in Köln der KonsumvereinEintracht" angehört. Mir wird aus Köln telegraphiert: .Karl Schneide­wind ist seit 1925 Mitglied derEintracht" unter Nummer 81407". (Große Heiterkeit.) Schneidewind hat bei uns fünftausend Mark Spargeld eingezahlt." (Stürmische Heiterkeit.) Herr Schneidewind, ick rate Ihnen, in Zukunft bei der Wahrheit zu bleiben

Abg. Schneidewind (Wirtschaftsp.): Ich habe absolut nicht gesagt, daß es bei mir zu diesem Preise Wurst gibt. Mein Sparguthaben bei der Eintracht" ist durch die Inflation aufgezehrt wor­den. Ich bin lediglich derEintracht" beigetre­ten, um einmal zu kontrollieren, wie es die Genossenschaft des Herrn Schlack verstanden hat, am Mittelstand zu verdienen.

Nach Verabschiedung kleinerer Vorlagen ist der, Etat des Innenministeriums erledigt. Die auf der Geschäftsordnung stehenden Anträge auf Strafvoll­streckung gegen Abgeordnete werden dem Geschäfts­ordnungsausschuß überwiesen.

BDZ. Berlin, 7. März. (Gig. Meld.) Am Samstag eröffnete der Reichstagspräsident Lobe

die Reichstagssitzung um 10 Uhr. Auf der Tages­ordnung steht die zweite Beratung des Haushalts des Reichstages.

Die Aufwandsentschädigungen für die Reichs­tagsabgeordneten betragen mehr als vier Millionen Mark. Der Präsident des Reichstages erhielt bis­her Aufwandsgelder, die bas Vierfache der Auf­wandsentschädigungen der Abgeordneten ausma­chen. Er soll von jetzt an nur noch den dop­pelten Betrag erhalten. Neu angefordert wenden für bas Neubeziehen der Sessel im Sitzungssaal des Reichsrates 8000 Mark. Die Wirtschaftspartei beantragt, diesen Be­trag auf 10 000 Mark zu erhöhen und den Mehr­betrag den Summen zu entnehmen, die du ich Ab­wesenheit von Abgeordneten eingespart wer­den.

Abg. Dr.Weder (Staatspartei) begründete den Antrag der Staatspartei, der eine Klarstellung von Art und Umfang der wirtschaftlichen Tätigkeit der Abgeordneten erreichen will. Angabepflichtig soll für den Abgeordneten sein jede Unternehmertätig­keit für eigene oder fremde Rechnung, jede Stei­lung als Vorstandsmitglied einer privaten ober öffentlichen Erwerbsoesellfchaft, als Syndikus, Se­kretär ober sonstiger "Leiter eines Interesse-, Fach; ober Berufsverbanbes, insbefonbere auch jede re­gelmäßige Schiedsrichter- und Gutachtertätigkeit für bestimmte Verbände ober Firmen, sowie jedes Aufsichtsratsnzanbat. ^er Reimer führt zur Be- grünbung bes Antrages aus, es müsse endlich ein­mal -

durch völlige Klarstellung dem Gerede von .' 8er Korruption im Reichstage ein Ende ge­macht werden.

Dr. Weber schlägt weiter vor, daß während der sitzungsfreien Zeit die Abgeordneten von ihren Diäten wenigstens 20 Mark im Monat zugunsten des während dieser Zeit stellungslos werdenden Personals opfern.

Abg. Holzamer (Wirtschaftspartei) beantragt, die Mittel für die Neubeziehung der Reichsrats- sefsek um 2000 Mark zu erhöhen und den Mehr­bettag den Summen zu entnehmen, die durch Ab­wesenheit von Abgeordneten eingespart werden.

Abg. Esser (Zenttnm) bedauert, daß Pr. We­ber seinen Vorschlag zugunsten der Angestellten in öffentlicher Sitzung gemacht habe. Der Reichs­tag lasfe seine Angestellten nicht hungern. Der Redner beantragt Üeberweisnng der Anträge an den Aeltestenrat.

Abg. Hainig (Soz. Dem.) begrüßt den Antrag Weber. Der Reichstag müsse durch Klarstel­lung der Verhältnisse den Korrup- tionsschnüfflerndas Handwerk legen.

Der Antrag Holzamer (Wirtschaftspartei) wird angenommen.

Der Antrag Dr. Weber (Staatspartei) wird dem Aeltestenrat überwiesen, ebenso ein Antrag Döbrich (Landvolk) auf

Kürzung der Abgeordneten-Diäten.

Danach sollen alle Diäten um weitere zehn Prozent gekürzt werden, die der Abge­ordneten in Beamtenstellung um zehn Prozent darüber hinaus, die der in Berlin ansässigen Abgeordneten um weitere zehn Prozent. Wenn der Reichs­tag nicht tagt, so sollen die Diäten für die sitzungsfreie Zeit um die Hälfte gekürzt werden.

Der Haushalt des Reichstages wird in 2. Be­ratung bewilligt.

Es folgt die 2. Beratung des Gesetzes über bie Entschäbigung bet gewerbsmä­ßigen Stellenvermittler.

Der sozialpolitische Ausschuß hat die Regierungs­vorlage vollständig umgestaltet unb im Sinne volksparteilicher Anträge bestimmt, daß bie Stel­lenvermittler rür Haus- unb Gastwirtspersonal die Wahl haben, ob sie den Betrieb bis zum Lebens­alter bes Inhabers fortführen ober den Betrieb gegen Entschädigung aufgeben wollen.

Abg. Frau fiunert (Soz.-D?mokratin) beantragt im Gegensatz zur Ausschußfassung bie Aufhebung aller Betriebe der gewerbsmäßigen Stellenvermitt- ter gegen Entschäbigung. Von gewissenlosen Ver­mittlern weiblichen Personals werbe gerabezu ein Hanbel mit Menschenfleisch betrieben.

Weitere Wortrnelbungen liegen nicht vor. Die Abstimmung wirb vertagt.

Ohne Debatte wirb bann das Zusatzabkom­men zum deutsch-französischen Han­delsabkommen in 2. unb 3. Beratung an­genommen. Der Notenwechsel zum beutsch-rumäni- schen Abkommen und bas Genfer Handelsabkom­men werden dem handelspolitischen Ausschuß über­wiesen.

Um 11 Uhr vertagt sich das Haus auf Don­nerstag 3 Uhr: 2. Beratung des Haushaltes des Reichsarbeitsministeriums.

Mr mehr Reichswehr.

In Karlsruhe trug der zweite Bundesführer bes Stahlhelm, Oberstleutnant a. D. Düst erber g, feine Forderungen zur politischen Lage vor. Wir verlangen, so erklärte er, minbesteirs zur Wahrung der bewaffneten Neutralität die Vermehrung ber Reichswehr auf 3 0 0 0 0 0 M a n n, Verkürzung ber Dienstzeit und Ausrüstung mit modernen Kampfmitteln. In diesem Sinne müß­ten unsere Staatsmänner eine aktive Außenpolitik treiben. Die Jugend sei in den Dienst der militärischen Erziehung zu stellen. Der Redner setzte sich für. die nationale Sammlung ein unb sagte in diesem Zusammenhang, solange Preu­ßen unb auch Baben voninternational-marxistisch eingestellten Persönlichkeiten" beherrscht würden, sei uori nationaler Sammlung keine Rede. Das Volks­begehren bes Stahlhelms sei eine überparteiliche Aktion. Er wünsche, baß sich ber Kampf, ber jetzt für Preußen entfesselt werbe, auch auf Baden gusdehne. Dieser Kampf sei ein Entscheidungs- kampf, ber zum ersten.Male seit 12 Jahren eine klare Front gegen ben Marxismus unb für ben Na­tionalismus schaffe. Ohne ben Sieg bes nationalen Gedankens versinke Deutschland in ewige Sklaverei.

Dernationale Gedanke" im Sinne Düsterbergs hat sicherlich bis zum Jahre 1914 in Deutschland geherrscht. Er hat bas traurige Los im No­vember 1918 nicht azurnenben vermocht. So ein- fad), wie ber Herr Oberstleutnant mit ben Schlag­worten: Marxismus Nationalismus bie Welt­probleme lösen will, geht es nicht.

Mtt der Faust!

Politische Schlägerei in Bad Reichenhall.

wtb. Reichenhall, 7. März. (Eig. Meld.) Bei ei­ner gestern abend veranstalteten Versammlung der Nationalsozialisten, kam es wahrend der Rede des nationalsozialistischen Landtagsabgeord­neten W a g n e r zu heftigen Zusammenstößen zwi- kchen ben uniformierten Hitlerleuten und anwesenden Sozialdemokraten unb K o m» m u n i st e n , bie Zwischenrufe machten. Es ent­stand eine schwere Schlägerei, bei der «t w a 3 0 Personen verletzt wurden. 13 wurden durch bie Sanitätskolonne ins Krankenhaus ge<< h rächt.

* Ehrung Dr. Brauns. Die Treuhanbstelle für Bergmannswohnstätten teilt mit, baß die neue Sieblung in Herrin gen lLanbkreis Hamm) zu Ehren bes früheren Reichsarbeitsministers Dr. Brauns wegen seiner hervorragenden Verbienste um bie Errichtung von Bergmannsheimstätten Brau n s h o f" genannt worden ist. .

* Gebenktelegrmnme zum 100. Geburtstag von Friedrich v. Bodelschwincch. Der Reichsinnenmini, fter Dr. Wirth unb Reichsarbeitsminister St. Stegermalb haben aus Anlaß bes ipO. Ge­burtstages des Pastors Friedrich v, Bodellchwingh an dessen Sohn in Bethel bei Bielefeld Telegramme gerichtet, in denen des reinen, uneigennützigen La­stens Bobelfchwincchs im Dienste an den unter inneren unb äußeren Nöten leidenden Menschen unb fein erfolgreicher Wille zur helfenden Tat als Snmbol reinster Nächstenliebe hervorgehoben wer- den. _

Wieder ein Grubenunglück bei Eschweiler.

Zwei Tote, fünf Verletzte.

wtb. Eschweiler, 7. März. (Eig. Meld.) Heut« früh gegen 5 Uhr ereignete sich auf Grube Maria des Eschweiler Bergwerksvereins in Mariadorf ein schweres Grubenunglück. Eine Bauarbeiter» gruppe von 7 Mann war beim Abteufen des Sour. monb-Schachtes mit bem Einsetzen eines Ringes de. schäftigt Dabei schlug ein Arbeiter mit ber Spitzhacke in einen fte<f eng e bIieb e. nen Sprengschuß. Der Schuß explodierte und zwei Arbeiter würben getötet, bie übrigen 5 würben zum Teil schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. . . .

* Der Preußische Landtag verabschiedete am Freitag endgültig den Finanzausgleich und bte Realsteuern, wurde aber bei der Abstimmung über den Vertrag mit der Volksbühne durch die Rechts. Parteien und die Kommunisten beschlußunfähig gemacht. Am Samstag wurde über dasBerlin- Gesetz" verhandelt.

Der Frieden in Indien.

wtb. Puna. 7. März. (Eig. Meld.) Die erste Truppe politischer Gefangener, bte sich keiner Gewalttat schuldig gemacht ba­ten, 65 Frauen, wurde heute früh gemäß dem Abkommen zwischen Gandhi unb dem Dizekönig f r e i g e I a f sen.

Wiedereinführung des Käppi im französischen Heere. Das Journal teilt mit, das Kepi, dessen Wiedereinführung als Kopfbedeckung der franzö- scheu Truppen bekanntlich beschlossen worden war, werde zum ersten Mal wieder bei dem National- fest am 14. Juli angelegt werden. Bei dem Vorbeimarsch würden die Truppen statt des Stahlhelms das .wiedereingeführte Kepi tragen. !

* Schnellzug BukarestBerlin entgleist. Der Schnellzug BukarestBerlin stieß Freitag normst» tag in ber Station Duca (Rumänien) mit einem Frachtzug zusammen. Fünf Wagen entgleisten. Der Passagiere, bie noch schliefen, bemächtigte sich eine Panik. Jeboch trat Beruhigung ein, als man efftftetlte, baß ein größeres Unglück nicht einge- treten unb niemand verletzt war. Der Sachschaden ist bebeutenb.