NILS
Verlage zur Fuldaer Zeitung
Ar. 56
«Malisches Ehe-Wal uni) Mrklichkeil.
wollen, wenn in der Kölnischen Zeitung" vom 4. Februar „ein ernstes Wort zur Eheenzyklika" geäußert wird, und zwar von „katholischer Seite". (Gegnerische Blätter lassen sich ja im= wer gerne katholikenfemdliche Dmge von „katholischer Seite" berichten. D. Schriftllg.) Der Kritiker beugt sich zunächst vor der.chezwingenden Logik", mit der die grundsätzliche Seite der Ehefrage behandelt sei. Auch müsse rückhaltlos anerkannt werden, daß bei aller Betonung des streng kacholischen Standpunktes die religiöse Betrachtung der Ehe in anderen Bekenntnissen und Religionen voll gewürdigt sei.
Aber nun setzt ein scharfer Angriff ein. Flüchtige Leser haben vielleicht den Eindruck, es handele sich hier um Ausstellungen nur zu einzelnen Punkten der Enzyklika: Gcburtenrationie- rung, medizinische Indikation. Schwangerschafts- unterbreckmng Eugenik, Verhältnis von Mann und Frau, Ehescheidung. Sm Grunde aber ist diese Kritik eine mehr oder weniger völlig« Ablehnung des päpstlichen und damit auch des kirchlichen Standpunktes und ein Weckruf zum Festhalten am persönlichen Gewis- lensurteil. „Die Enzyklika sieht nur die Prinzipien, nicht dis gegenwärtige Problemlage, nicht die tiefgreifende soziologische Wandlung der Geschlechter
Der Papst spricht über die Ehe, und die ganze zivilisierte Welt wurde sein Auditorium. Denn hier handelt es sich nicht bloß um irgendeine konfessionell-religiöse Angelegenheit, sondern u m Z u- kunftsfragen der Menschheit. Kein Wunder, daß die Presse aller Länder schon sehr bald Stellung zu dem päpstlichen Dokument genommen hat. Ablehnende Stimmen voll Gehässigkeit wie z. B. aus dem kommuni st ischen Lager, andere vorsichtiger abwartend, auf katho- lischer Seite Zustimmung. Im allgemeinen wird, besonders auch auf akatholischer Seite, der Mut Pius XI. bewundert, mit dem er an schwierige Lebensfragen herangetreten ist; nicht weniger die logische Geschlossenheit der katholischen Weltanschauung. Die englische Zeitung ,Llhe people" gesteht: „Wir gehören zwar nicht zur Partei des Vatikans, aber wir können unsere Bewunderung nicht zurückhalten angesichts des entschiedenen Ja oder Nein, das Rom in heiklen Kontroversen spricht. Wir wissen, daß in unseren Zeiten die Welt eine starke Führung nötig hat. Deshalb halten wir es für eine Restauration der Gesellschaft, wenn wir einen so resoluten Dogmatismus proklamiert hören."
i Um so erstaunlicher und peinlicher wirkt es, ohne das Recht einer gesunden Kritik bestreiten zu
Die eine handest von dem heiligen Franz von AM, von dem du wohl auch schon gehört hast. Bald nach seiner Bekehrung ging der für seine Armen betteln und kam auch in ein Gasthaus, in dem viel« seiner ehemaligen Freund« waren Es mag dem Heiligen nicht leicht gewesen sein, jetzt als Bettler unter denen zu stehen, die früher sein« Freunde waren. Aber er ging ruhig von einem zum andern, bis er zu einem kam. der vielleicht im Spiel verloren halt« oder aus irgend einem Grunde ärgerlich war. In feiner Auflegung ließ er sich dazu verleiten, dem Heiligen eine Ohrfeige zu geben. Was aber tat der? Es ist wohl möglich, daß ihm das Blut zu Kopfe stieg und .feine Fäuste zuckten. Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Aber er hielt nur seinen Teller hin und sagte mit heiterer Stimme: ,^>as war für mich, nun gib mir auch etwas für meine Armen." Worauf der Jähzornige in tiefster Beschämung sein ganzes Geld dem Heiligen gab und später einer feiner treuesten Anhänger wurde.
Die andere Geschickte hat sich jüngst erst zugetragen und wurde kürzlich in einer Zeitschrift aus Österreich berichtet. Dort fuhr ein Bischof in der Eisenbahn. Reben ihm laßen zwei Männer, die ihrer Kleidung nach dem Arbeiterstande angehörten. Die Zeitungen, die sie während der Fahrt lasen, und ihre Aeußerungen dabei zeigten dem Bischöfe mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, daß er zwei Freidenker vor sich hatte, die ihn haßten aus tiefster Seele. Fing der Bischof vielleicht ein belehrendes Gespräch mit ihnen an? Rein, das tat er nicht. Aber als sie aussteigen wollten, half er dem einen den Mantel anziehen. Der Mann, aufs äußerste uberraM und betroffen, wußte sich nicht genug zu bedanken und verabschiedete sich in größter Höflichkeit.
Wenn wir Menschen es fertig brächten, das Böse weniger zu bekämpfen durch harte Reden, durch Gereiztheit und kaltes Verurteilen, als vielmehr es zu überwinden durch die Kraft der Güte, den Finger Gottes, meinst du nicht auch, daß wir damst weiter kämen, wie der heilige Franz und jener Bischof?
„Das ist wohl möglich. Aber bringst du das denn fertig, immer so gelassen und freundlich zu bleiben, wenn einem die Galle überlaufen will?"
Ehrlich gesagt: Nein, ich bringe eg auch nicht immer fertig. Aber ich bemühe mich darum, und m an chmal gelingt es mir. Mehr brauchst du auch nicht zu tun — versuch es einmal!
Arbe'kerstMd M ksltzMcher Priester.
In dem Werk „Der Katholizismus in Oesterreich" (erscheint im Frühjahr 1931 bei der Tyrolia) schreibt darüber Mons. Handloß, Regens des Prie- ckerfeminars in Wien: „Was die Herkunft des Priesters — und Ordensnachwuch'es aus den Familien anlangt, so zeigt sich wohl eine Der Schiebung gegen die Vorkriegszeit. Emst hielt es der 'Sa ue r für eine Ehre, einen feiner Söhne dem PriesterllA, schenken zu dürfen. Die schwierigen sozialen VerhälMisse des Bauernstandes haben manche alte Ueberlieferung gestürzt. Politisch erschütterten manche Parteien auch das warme katholische Leben, rechnen wir dazu die traurigen Ergebnisse der Geburtenbeschränkungen auch am Lande vielerorts, so werden mir begreifen, daß der Bauernstand dort, wa er nicht mehr tiefgläu- biq ist. in bezug auf den Priester- und Ordens- nachwuchs versagt. An feine Stelle treten immer mehr Söhne von Kleinbauern, Gewerbetreibenden, Angestellten, auch in letzter Zeit aus Proletarrer- freijen, wenigstens vereinzelt. Vielleicht ist dreie Umstellung, die allerdings erst am Anfänge steht, nach Gottes Plan, denn wie der Bauernsohn, der im Boden wurzelt, seine Bauern versteht, so begreift das entrvurzelte Proletarierkind mehr dre Not seiner Klosse. — Auch mehren sich in den lebten Jahren die Fälle, da Söhne aus religiös gleichgültigen oder sogar feindlichen Familien sich ganz aus eigenem Zuge dem geistlichen Stande zuwenden."
' Die Mission im Jahre 1930.
Von P P. Charles S. I., Löwen.
Dank des regelmäßigen Nachrichtendienstes d§r Fideskorrespondenz und der zahlreichen Missions- Zeitschriften ist es heute, vorbehaltlich kleiner Irr- tümer. möglich, fast Monat für Monat die Mif- fionsaktivität der Kirche zu verfolgen. Immerhin bleibt etwas Schematisches und Unvollständiges bei solchen Ueberblicken. Wenn man jeden Fortschritt ermähnen, jede Prüfung berichten wollte, gäbe es eine Chronik und keine Skizze. Man möge deshalb notwendige Auslassungen und flüchtige Durchblicke entschuldigen.
In den letzten 12 Monaten gab es Fortschritt in vier Punkten trotz einer dreifachen, stets beun« ruhigenden Drohung.
Fortschritte.
1. Die Schaffung neuer kirchlicher Verwaltungsbezirke durch Zergliederung bestehender Vikariate hat im selben Rhythmus wie früheren Jahren unter der energischen Leitung der Propaganda fortgebauert China und Süd- md'en hatten besonderen Vorteil von diesen Maßnahmen. Die Vermehrung der Sprengel bracht« Natürlich auch ein Wachstum der Personalbestände und Hilfskräfte mit sich. Jeden Monat ungefähr entsteht ein neuer Verwaltungsbezirk. Die Dele- Muren wurden ausgebaut. Der Apost Visitator lur Afrika, Mfgr. Hinsley, wurde zum Delegaten ernannt Velg'sch-Kongo erhielt in der Person von ^far. Dellepiane einen Päpstlichen Delegaten. Die - usswnsorganifatiön war nie so vollständig und ■ s° ttark wie zur Zeit.
2. Mit derselben unbeugsamen Konsequenz, die uach durch das programmatische Rundschreiben des neuen Propagandasekretärs, Msgr. Salotti, unter.
Ein kritisches Werk zu einer Kritik der Ehe-Enzyklika Don Dr. Max Sterbaum.
stichen wurde, hat der Hl. Stuhl das wesensnotwendige Werk des einheimischen Klerus entwickelt. Bezirksstminare entstanden zu Tokio, Hongkong, Uidoh (Westafrika), im Bafutoland (Südafrika), zu Nam Dinh (Tongking), Tananrivo (Madagaskar). Die Diözesen Kottar und Kumbakonam wur. den einheimischem Klerus anvertraut. Die erste erhielt einen indischen Bischof (Msgr. Pereira), die zweite einen Apost. Adminaftrator (Msgr. Xavier). In China wurden zwei Vikariate und eine Präfektur chinesischen Prälaten anoertraut.. Die Zahl der einheimischen Bischofssitze ist letzt auf 12 gestiegen. Für Afrika kann man hier den ersten äthiopischen Bischof. Msgr. Cassa, hin-uzäh- len, dessen Gebiet freilich nicht der Propagandakongregation untersteht. Dieses Jahr sah die Ent- st-hung des ersten Benediktinerklosters am Kongo. Die SnlpiZianer übernahmen in Hinterindien den Unterricht in Priefterseminarien. Die einheimi chen Franenkongregationen dehnten sich nach Ozeanien, Afrika, Asien aus.
3. Die Uebertrittsberoegung ist, wie immer, in den einzelnen Ländern lehr verschieden. Verlangsamt, aber nicht zum Stillstand gekommen ist sie in China, sehr langsam in Japan (3000 bei jährlicher Bevölkerungszunahme von einer Million), beträchtlich in Zentralafrika, wo allem für Belgisch-Kongo zurzeit 22 Missionssprengel be- stehen. Die Zahl der Tauchewerber tft hier außerordentlich groß. Massenkonversionen gab es in dem bisher kaum aufgerüttelten Haidarabad (Indien). Der Uebertritt eines schismatischen Bischofs und seines Koadjutors bei den Ia k obit e n in S ü d i n d i e n hat dort eine groß« Heimkehrbewegung zum Katholizismus ausgelöst.
4 Endlich hat die Ausbr «itung desUn- t er richt s in mehreren Ländern einen intensiven Gebrauch der Presse als eines Mittels der Ge- dankenpropaganda und der konservativen Beem-
flussung gestattet. Südafrika meldet ein neues Dr« aan für Einheimisch«, die Gilbertinseln sehen eine Menge von Veröffentlichungen, in Japan versuchte man' mit Erfolg Flugblatt, und Sebriftenpropa« ganba, am Kongo entstand eine neue Monatsschrift, zu Hongkong beginnt man bedeutsame Presseunternehmungen.
Lesen Kuder noch Hewgevgeschichkeu?
Don Liktor Marcy.
Man kann das katholische Volk — besonders die Eltern, die Seelsorger und die Lehrer gar nicht oft und nachdrücklich genug an die so gut ausgedachten, durchdachten und auch gut durchgeführten Helligeng-schichten für Kinder von heute erinnern, die bei Herder (Freiburg im Breisgau) erscheinen. Gewiß — unsere Kinder würden den lockenden Stimmen mancher bedenklichen Jugendfreunde, den unvermeidlichen Gefahren der Straß«, der Presse, des Kinos ufm. — wozu sie immer wieder aufzählen? — und selbst den Stürmen und Anfechtungen des späteren Lebens mit ganz anderem, mit erprobtem geistigem Rüstzeug entgegentreten, wenn sie wüßten, wie unsere Heiligen den Dersuchungen ihrer Zeit, di« nicht geringer waren, widerstanden haben.
Aber wo sind die Kinder von heute, die noch Heiligen- geschichten lesen? Run — überall! Im Dorf, in der Kleinstadt, in der Großstadt: überall, wo Eltern, Lehrer, Seelsorger ihnen, den Kindern, die Bände dieser neuen Herderschen Reihe von Heiligengeschichten in die Hände geben. Er gibt bis jetzt sieben Bände. Sie erzählen von der heiligen Elisabeth, vom heiligen Aloysius, vom heiligen Stanislaus, vom heiligen Philipp Neri, von der kleinen heiligen Theresia, vom heiligen Tarcistus und der neueste Band vom heiligen Franz Xaver, dem tapferen Mann.
Solche Heiligengeschichten lesen di« Kmder. Bei Herder in Freiburg — erfahren wir — kommen beinahe jeden Tag von Kindern selbst geschriebene Post- karten und Brieschen an, höchst verschieden und oft ge-
weil fx von dem höchsten Lehrer der Kirche kam- men und „bedeutende ncrtüvlitbs und übernatürliche Bürqichastcu ihrer Wahrheit besitzen, mit innerer religiöser Zustimmung anzunehmen." F. Diekamp, Katholische Dogmatik, 1930, Bd.1,®- 67.)
Um die Wende des zwecken christlichen Jahrhunderts muh sich ein lertuUian gegen den Vorwurf wehren, daß hie christliche Religion w-e l t - fremd fei. Dieser Vorwurf ist auch der Kern und Sinn des Artikels der „Kölnischen Zeitung . Tertullian aber antwortet: „Non sumes -exules Vitae. Wir find nicht weltfremd, wir verschmähen keine Frucht der Werke des Schöpfers, nur halten wir Maß, um uns ihrer nicht übertrieben oder in verkehrter Wei e zu bedienen/' Wenn das Weltfremdheit fein sollte, dann tft sie allerdings in einer bebenerletten Welt, wie ein österreichischer Krckiker urteilt, das einzige Zeichen von Gesundheit und Kraft!
nug recht unbekümmert in ihrer Wertung von Stil, Rechtschreibung und Zeichensetzung (manchs würden unter dem zürnenden Auge, unter der mit roter Tinte bewehrten Hand eines gewissenhaften Lehrers ein recht farbig belebtes Aussehen annehmen!), aber alle einig im Urteil: „Das Buch vom heiligen Aloysius (von der heiligen Theresia, vom heiligen Stanislaus . . . ufw.) hat mir sehr gut gefallen. Ich habe es schon zweimal gelesen . . usw.
Warum aber lesen die Kinder diese Heiligengeschch- ten? Weil in diesen Bänden — in ollen! — nicht immer nur von unnachahml'chen, unbegreiflichen Glaubensheiden die Rede ist. von Aizeten, Büßern. Märtyrern, dis nur deshalb so leben und wirken konnten, weil sie eben Heilige waren. Hier lesen die Kinder von — Kindern, die fröhlich und munter und, ganz wie heute, oft genug auch ziemlich ungezogen waren, aber die Augen offen hielten, vieler sahen, vieles lernten und fleißig dachten und deswegrm mit Gottes Gnade auch vorankamen und etwas leisteten, große Männer und Frauen mürben, Führer und Helfer ihrer Mitmenschen und schließlich — heilige. Aber Heilige, die einem nicht immer nur zum Bewußtsein bringen, wie klein man ihnen gegenüber ist: heilige, die man nicht — bestenfalls — bloß bewundert: sondern Heilige, die schon zum Kinde und in seiner Sprache vertraut und sieundlich sogen: „Versuchs nur auch! Es ist nicht gar so schwer, ein rechter Mensch zu werden. Und von einem rechten Menschen zu einem Heiligen ist der Weg nicht allzu weit." — Diese Bände alle treffen den To.i, den die Kinder gern hören.
Darum lesen die Kinder diese Heiligengesch'chten. Sie sind modern, im guten Sinne. In diesen Bänden — in allen — gibt es Handlung Spannung von Anfang bis zu Ende. Und dann: diese Bücher sehen auch gut aus. Sie sind schön gedruckt, haben ein gutes Papier, gute, lockende Einbände und — vor allem viele Bilder: lauter feine, muntere Federzeichnungen, überall verstreut. Wie gesagt: solche Heiligengeschichten lesen die Kinder mit Vergnügen, und sie haben etwas davon.
„Erziehung und presse**.
Die Presse als Organ der Oeffentlichkeit kann zu einem wirklichen Bilbungsmittel gemacht werben, ihre H t n- einziehungindieSchularbeitiftnichtmehr i u umgehen, sie ist teilweise schon Tatsache, und wir müssen angesichts einer unaufhaltsamen Entwicklung uns verständigen über erzieherische Möglichkeiten und gangbarste Wege."
In dieser Erkenntnis gipfelten die Tortrage und^Aus- fprachen der kurzen Tagung, die bas Kölner ff or- schungsinstitutfür int er n o t, o n al e s P r e si je wesen dieser Frage gewidmet hab ff",l,ch nahm Professor Aschaffenburg. Köln, die Gsfahrlrchkeit der Presse, insbcsonbere einer weitverbreiteten <5en|a- tionspresse, überaus ernst, angesichts der Frühreife unserer Jugend, die sie sexuell und kriminell sehr gefährdet, und er stellte keine günstige Prognose für die Zukunft. Dr. Stephan, vom Kölner Lokalanzeiger, verkannte diese Kehrfeite nickt: im übrigen forderte er von der Presse bewußtere Pflege der staatsbürgerliche und volks- bilbnerilchen Ausgabe. Studiendirektorin Engelmann dc- richtete aus der Praxis an einem Dutzend Berliner näheren Schulen, welche die Zeitung im Unterricht als Mate- riat verwenden und kritisches Urteil, Sinn stir Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit, Festigung gegen Schlagworte, Sensation und Hetze herauszuholen wissen. Akadenne- direktor Prof. Raederscheidt, Bonn, verspricht sich von der planmäßigen Hineinzifhuna der Zeitung in die Schul- arbeii wertvollste erzieherische Wirkungen.
und des Sinns der Ehe, sie unterschätzt die wirt* schafttichen Schwierigkeiten, geht an den medizinischen und eugenetisch«n Erkenntnissen der Gegenwart vorüber usw. . . . Der Papst stößt offene Türen ein."
Aber, so muß man fragen, fällt nicht der Kritiker in denselben Fehler, den er dem Papste vor- wirft? Der Kritiker scheint nur den Widersprach zwischen Ideal undWirklich- t eit zu sehen, der allerdings häufig vorhanden ist; er empfindet in peffimistifcher Seelen Haltung zu tief die Schwierigkeiten, die mit der Beobachtung christlicher Grundsätze verbunden sind; er verliert sich an zeitgeschichtlich bedingte Erscheinungen. Aber für das andere größere ist sein Blick verfchleiert und getrübt. Unb das ist dis es: E s gibt absolute Werte und Forderungen von u nein g ef <f>r än t ter @ e11ung; nach dielen hat sich das tägliche Leben zu richte», aber nicht die Grundsätze nach der Wirklichkeit. „Gar sehr abweichend vom Ideal", sagt einmal Carlyle, „sind die Zustande der meisten Zetten. Und dennoch, so lange ein Ideal lebt und wirkt, so lange ist der Zustand erträglich. Anders, wenn es verschwunden tft — auf dieser Stufe der Unvollkommenheit können menschliche Dinge nicht anhai- tend fortbestehen". Ferner, diese Werte und Forderungen. die und wir sie vom Papst protlamiert werden, sind nicht eine Laune des menschliche» Ge- letzgebers, auch nicht Willkürlichkeiten des Schöpfers, sondern sie sind mehr oder weniger in der Natur des Menschen begründet, vor allem die drei Güter der Ehe. Sie sind das Normale und Naturgemäße, von dem Gesundheit, Kraft und Leben abhängen. Das ist ja eines der eigentümlichen Stigmata dieser Enzyklika. Es gibt wenioe päpstlich« Dokumente, wo so oft G o 11 und das Gesetz der Natur in einem Atemzuge zur Begründung genannt werden. Es werden auch nicht nur Forderungen aufgestellt, sondern angesichts der großen wirklichen Hindernisfe Wege gewiesen. die dem Menschen die Erfüllung der Pflicht leichter machen. Wege der natürlichen und vor allem auch der übernatürlichen Ordnung, die Gno- denmittel der Kirche, das Leben aus dem Glauben.
Wenn, allerdings die „katholische Seite" der „Kölnischen Zeitung" zu denen gehören sollte, die religiös unterernährt find, dann klingt die Rede de? Pavstcs besonders hark. Der Kritiker übersieht endlich auch, daß die Wirklichkeit doch etwas anders ist, als er sie schildert. In der „Dofsi chen Zeitung" vom 25. Januar bekennt jemand unter der Ueberschrift: „Die Enzyklika ist Leben": „Für Millionen gläubiger Menschen sind die Grundsätze der Enzyklika, die sich ja durchaus innerhalb der Tradition der Kirche, halten, nicht nur ,F)deaI , Tonbern wirklich „Leben". Unzählige katholische Ehen sehen so aus, wie der Papst es für alle wünscht. Diesen Men'chen hilft allerdings eines, das verständnisvolle Kritiker nicht üb-rfehen sollten: ein starker religiöser Glaube.
Zum Schluß folgt die individualistische Zurückziehung auf das Urteil des eigenen Gewissens! Der Kritiker unterscheidet richtig zwischen unfehlbarer Lehrendchei- bung und ber ordentlichen gewöhnlichen Lehrbeta- tigung des Papftes. Mit Recht wird auck hervorgehoben, daß nicht alle Telle der Enzyklika unfehlbaren Charakter an sich tragen. Wenn aber nun mit Hilfe dieser Unterscheidung der Schluß gewaen wird, der Papst könne sich in manchen Punkten der EnWklika, die sicher keine unfehlbare Lehrentscheid,mq darsteklen, irren, und deshalb sei man letzten Endes auf das eigen« Gewissen angewiesen, so wird damit d-e Wirksamkeit der En- zvttika untergraben urb Verwirrung cmczeltiftet. Das ist aber um {o unheilvoller in einer Sache, wo es sich nicht in erster Linie um Individual- mteressen, ländern um das Gemeinwohl der menschlichen Gesellschaft handelt. Es heißt auch den seltenen Fall verallgemeinern, wo jemand gegenüber e'ner gewöhnlichen Lehrverkündiounq nach gewissenhafter Prüfung und auf Grund befanderer Fähigkeiten einen Irrtum glaubt feftftellen ?u müssen. Der Katholik denkt und handelt im allgemeinen doch anders. Lehrverkündigungen find, auch wenn sie nicht Kathedralentscheidungen darstetten.
Dritter Fasteusouutag (Oculi).
Oculi mei semper ad Dominum . . ,
Eingangssied: Pf. 24, 18—16.
Meine Augen sind allzeit auf den Herrn ge- er wird meine Füße aus der Schlinge z,e- Xm 'Schau auf mich und erbarme dich meiner; Lnn einsam bin ich und arm. (Pf- ebd. 1—20 Qu dir erheb' ich meine Seele, mein Gott, auf dich pertraue ich; des werd' ich nicht erröten.
Epistel: Epb. 5, 1—9.
«rüber! Ahmet Gott nach als seine vielgelieb- ton Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch sskrisrus uns geliebt und sich für uns Gott als Vergabe zum lieblichen Wohigeruche hingegeben
Unzucht aber und jede-Unreinigkeit ober Geiz Wien unter euch nicht einmal genannt werden, me es sch für Heilige ziemt; ebensowenig Scham- fniiateit, törichtes Gerede und Possen, die sich mchl lckicken- statt dessen vielmehr Lobpreis. Denn das Met wohl und versteht, daß kein Unzüchtiger yder Unreiner oder Geiziger, der ja nichts anderes ist als ein Götzendiener, Anteil hat am Reiche Christi und Gottes. Laßt euch von niemand mit nchtssagenden Worten verführen; denn solcher Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Werdet also nicht deren Genossen. Ihr wäret einst Finsternis, nun aber seid ihr Sicht im Herrn. Wandest als Kinder des «totes. Die Frucht des Lichtes aber besteht in der Uebung aller Güte und Gerechtigkeit und Wahrhell.
Die Aeberwindung des Dösen.
Den Teufel durch Beelzebub austreiben, das ist so eine Redensart, die besagen nrill: etwas Schlim- ni«s durch noch Schlimmeres bekämpfen. Wenn du so nach Hause kommst vom Acker oder von der Arbeit und die Frau ist ärgerlich wegen der Kinder aus einer anderen Ursache, und du meinst, du müßtest nun noch ärgerlicher werden, um den Aerger der Frau zu bekämpfen, so daß vielleicht gus nichtiger Ursache ein Hausstreit entsteht, so hast du eben versucht, den Teufel durch Beelzebub cuszutreiben, und wie das gelingt, brauch« ich dir nicht zu lagen.
Es gibt auch noch eine andere Art, des Dösen Herr zu werden. Davon will ich zwei Geschichten erzählen.