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Zahrg. 58.

Samstag, 7. Mürz 1931

Ilr. SS

Kem zweiter Geheimvertrag der Reichsbahn mit der Speditionsfirma Schenker. Aus unterrich. teten Kreisen der Reichsbahnhauptverwaltung er­fahren wir, daß die Meldungen verschiedener Blätter über einen zweiten Geheimvertrag zwi­schen der Reichsbahn und der Speditionsfirma Schenker unzutreffend sind.

Reichskanzler Dr. Brüning an Pastor von Bodelschwingh.

Reichskanzler Dr. Brüning hat anläßlich des 100. Geburtstages des Gründers der Bethel-An­stalten, Pfarrer von Bodelschwingh, an seinen Sohn, den jetzigen Leiter der Anstalten, ein per­sönliches Schreiben gerichtet und darin der großen Verdienste seines Vaters gedacht.

Der Zuneumluisler gegen den Radikalismus Eine feste Sprache gegen Nationalsozialisten und Kommunisten. Das Gerede vom Bürgerkrieg ruiniert die deutsche Wirtschaft. Sitzungssreie Tage im Reichstag. Die Freifahrtsscheine der streikenden Reichsboten.

Ein Wehrbeitrag?

Sollen die Bezieher hoher Einkommen einen Sonderzuschlag auf die Steuer für den Bau des Panzerkreuzers auferlegk erhalten? Un­verständliche Abneigung gegen diesen Plan in dennationalen" Kreisen.

Der Schwerpunkt der gestrigen Verhandlungen Mischen den Sozialdemokraten und dem Reichs­kabinett lag in einer Besprechung der Steuersach- vcrständigen. Es handelte sich dabei um die Frage, ob es möglich ist, in Form von Steuerzu. schlagen auf die höheren Einkom­men und Vermög en eine Verständigung über eine Art Wehrbeitrag zu finden, durch den das PanzerschiffB" finanziert werden könnte. In sozialdemokratischen Kreisen verlautet, daß beim Zentrum eine gewisse Geneigt­heit für diese Gedankengänge be­stehe. Wir möchten diese Annahme durchaus be­stätigen. Dagegen finden sie inderFraktion der Deutschen Volkspartei scharfe Ablehnung, die auch in der Fraktionssitzung zum Ausdruck'kam Nach Informationen von lehr gut unterrichteter anderer Seite sind die Aussich­ten für eine Verständigung auf dieser Basis recht gering. Der Kanzler selbst dürfte Wert darauf legen, unter allen Umständen ein langes Feilschen um Zugeständnisse zu vermeiden. Da es um die nationale Sache der Wehrmacht geht, sollte man vermuten, daß Feilschen gar nicht in Frage käme und die Deutsche Volkspartei als Partei unbe­dingter nationaler Zuverlässigkeit, auch in Fragen, die den Geldbeutel berühren, freu­dig Ja sagen würde.

Sinne zu ermahnen. (Beifall.) Dr. Frick hat ge­sagt, über das Weimarer Nationaltheater habe er zu verfügen und nicht ich. Auf "der anderen Seite möchte man aber einen Reichs beit rag für vieles Theater haben. Ich nehme an, daß keine Reichsgelder verwandt werden zum Aufspielen ei­ner solchen Farce (Beif.). An die Baunschweiger Regierung haben wir wegen der bekannten Vor­gänge geschrieben.. Wir warten auf die Antwort und werden sie dem Hause Mitteilen. Wenn die Krise des Parlaments nicht zu einer Staatskrise werden soll, dann müssen wir

mit einer Dahlreform vorgehen. Wenn wir sie so machen wollen, daß keine der jetzt bestehenden Parteien Schaden zu erwarten hat, dann würden wir niemals die Wahlreform zu­stande bringen. ' ' ' ' i

3m Rundfunk

lassen wir alle Richtungen zu Worte kommen, auch die Opposition. Es geht freilich nicht an, daß am Schlüsse einer durch den Rundfunk übertrage­nen Freidenkerveranstaltung angedeutet wird, die Konsequenz müßte der Austritt aus allen' Kirchen sein. Es muß in solchen Veranstaltungen der Geist wahrer Toleranz gewahrt werden, wenn sie öffent­lich übertragen werden sollen. Die Polemik des Abgeordneten Schmidt gegen die Auswüchse der nationalsozialistischen Agitation war etwas kurz geraten. Was sich hier an sogenanntem Neuem regt, ist doch bedenklicher Natur. Der national­sozialistische Führer Rosenberg schreibt in einem dicken Wälzer, »

die3dee der nationalen Ehre vertrage keine \ Kraft neben sich, weder die christliche Liebe, | noch die Humanität, noch die römische Philo- l fophie". '

Dieses geschundene, geplagte Volk bedarf doch wirklich der christlichen Bar m- Herzigkeit, die von den Nationalsozialisten ab­gelehnt wird. Was in den nationalsozialistisch ver­hetzten Kreisen der Studentenschaft sich bei so vieleni Gelegenheiten zeigt, das ist nicht frischer Jugend- geist, sondern eine Verrohung, die mit dem deut­schen Kulturgut, nichts zu tun hat (Sehr wahr!)« Es ist dringend notwendig, die Schulen und Uni­versitäten wieder zu entpolitisieren.

Der Minister wendet sich dann scharf

gegen die kirchenfeindliche Agitation der { Kommunisten

und kündigt die Anwendung der staatlichen Macht­mittel gegen solche Propaganda an. Don de« Kommunisten werden diese Ausführungen mit lauten Protestkundgebunaen begleitet. Minister Dr. Wirth antwortet:Wenn Sie das nicht Horen können, dann gehen Sie doch an die frische Luft! Wg. I a d a s ch (Kom.) protestiert in lauten Zu­rufen argen diese Bemerkung und wird nach wie­derholten erfolglosen Ruhemahnungen von dem Präsidenten Löbe aus der Sitzung verwiesen. Nachdruck hervor, müssen so schnell wie möglich be- Nachdruck hervor, müffe so schnell wie -möglich be­seitigt werden. (Lebhafter Beifall Händeklat­schen. Lärm bei den Kommunisten und Zuruf: Einen so rohen Menschen wie Sie gibt es ja gar nicht!" Der kommunistische Zwischenrufer er­hält wegen des Zwischenrufes zwei Ordnungsrufe).

Wenn gerade in letzter Zeit in steigendem Maß« in den sogenannten gottlosen Abenden Priester tnt Ornat mit dem Kreuz nicht nur schmählich behan­delt werden, sondern ihnen alles heruntergenssen wird, so muß ich schon sagen, daß unsere bisheri­gen gesetzlichen Bestimmungen nicht genügt haben, um diesen Aussichten barbarischer Roheit entqe- gen^utreten. (Lärm bei den Kommunisten). Da» uns vorliegende Material umfaßt Angriffe gegen alles, was an religiösen Werten überhaupt vor­handen ist. Ich glaube auch im Namen eines gro­ßen Teiles der Arbeitslosen zu sprechen, dre sich diese Art und Weise der Beschimpfung des Ann- (täten Glaubensgutes und der christlichen Sitte nicht länger gefallen lassen wollen. (Soetfall)__

(Lebhafte Zurufe von den Kommunisten). Sw (zu den Kommunisten! können sich auf gesetzlicher Grundlage um Verbesserung der Sage der ar­beitslosen bemühen so viel sie wallen. a_er h'er geht es ia um etwas ganz anderes. Die Verhalt- niste in Rußland liegen durchaus nicht so, w,e sw Herr Torgler gestern hier daraestellt hat. -Dort gilt da- Prinzip, daß ein ^istlicher Temvel über- Haupt keinen Platz mehr haben soll- (Fortgesetzte Zurufe bei den Kommunisten). Ich werde an die Länder das Ersuchen richten, nut allen Mitteln vorzugehen, um dielen erbarmlnben Verletzungen in den Gottlosen-Abenden ein Ende zu bereiten, (Händeklatschen, großer Lärm bei den Kommuni­sten Ordnungsruf des Präsidenten). Wir wer­den mit aller Eneroie einschreiten gegen diese Un­kultur' (Erneuter Beiiall). In einemTischgebet wird der Heiland in einer Weise behandelt, daß es mir nicht möglich ist, die Verse hier vorzulesen. Er bandelt sich um einen barbarischen Einbruch tn das Geistesleben unseres Volkes! (Abg. Torgler (Kom.) Hören Sie bloß mit Ihrem Geistesleben auf. Zu­rufe bei den Kommunisten). Die Entscheidung über die Frage der freundschaftlichen Zusammen­arbeit mit dem russischen Volk steht in dieser Stunde nicht zur Debatte (Lachen bei den Kommu­nisten). Das ist Sacke des Außenministers Tat- fache ist, daß die in Deutschland vorhandene Oppo­sition gegen politische Zusammenarbeit mit Sow- jet-Rußland von den deutschen Kommunisten nicht nur erschwert wird, sondern daß diese die Oppa»

* Der Gesundheitszustand Poincares soll sich in den letzten Tagen wieder verschlechtert Haden.. Es soll aber zuletzt wieder eine merk­liche Besserung eingetreten sein.

Der grotze Redner.

-in der französischen Kammer hat der Außen- nitter wieder einmal einen Erfolg errungen, m Ln ihn mancher seiner europäischen Kollegen Reiben durfte. In Paris gilt noch wenigstens ^ Parlament, der große Redner. Briand ver- feine Unentbehrlichkeit, die ihn nun seit me- u» fahren in jedes Kabinett geradezu zwingt, le.L mletzt seiner großen Kunst, das, was er sagen S und vielleicht auch das, was er unter allen Umständen verschweigen möchte, so vorzutragen, auf alle Fälle für die Zuhörer em a st h e 11. (A e sBerg nti gen daraus wird. Man staunt Redekunst dieses Mannes an, man bewundert 7.L Findigkeit, feine Courage, die Eleganz seiner Unbildung, die Schönheit und begriffliche Fatz- SXit feiner Bilder und Vergleiche und jubelt iS m ist überredet im vollsten Sinne des Wor- ?' Minutenlang, so melden die Pariser Bericht­erstatter, hat die Kammer ihm applaudiert, er hat mieder Ruhe zur Arbeit, er hat den Abgeordneten aus der Seele gesprochen.

In Deutschland ist etwas derartiges seltener, einzige wirklich große Redner des gegenwär­tigen Kabinetts ist Dr. Wirth. Er hat seit 1918 im Reichstag, namentlich während seiner Kanzler- ieit einige Reden gehalten, an die man noch heute zurückdenkt, so beim Tode Walter Rathenaus. Aber guÄ Wirth ist als Redner nicht immer her Gleiche, fr ist nicht unabhängig von Stimmungen und Verstimmungen und vielleicht fühlt er sich, wenn er acr einer vieltausendköpfigen Volksversammlung steht, im ganzen wohler, als wenn er im Reichs­tag spricht, was man 'hm nicht verdenken kann. Ganz anders verhält es sich mit dem Reichskanz­ler Dr. Brüning. Er ist nicht wie Wirth, Redner von Haufe aus, er ist Denker, Grübler, Forscher, Organisator, auch Diplomat. Das öffentliche Reden bat er erst erlernen müssen. Aber er hat es er­lernt. Wenn er spricht, lauscht der Reichstag an­gespannt. Nicht nur, weil es sich um den Kanzler, den vDdntworttichsten und einflußreichsten Führer, handelt, sondern auch darum, weil Brüning, bei aller Schmucklosigkeit, ja Härte seiner Sätze, im­mer etwas Neues zu sagen oder etwas schwieriges klar zu formulieren weiß. Brüning ist heute ein Sprecher von hohen Graden, aber nicht eigentlich ein R-dner. Er imponiert und überzeugt als Per, fönlichkeit, der Zuhörer spürt, daß hier hinter dem Dort ein Gedanke und hinter dem Gedanken ein Mann steht.

Das wird auch in steigendem Maße von solchen Seiten anerkannt, die mit dem Zentrum und sei­nen ideellen Zielsetzungen sonst nichts zu tun ha­ben wollen. Der aufmerksame Leser, der.Zeitun­gen, sa sogar der Witzblätter, stößt immer häufi­ger auf Wendungen und Situationszeichnungen, die in Verbindung mit dem Kanzler nur möglich sind weil er als politischer Arbeiter, als schöpferischer Staatsmann anerkannt ist. In derVossischen Zeitung" stand dieser Tage über Max Reinhardt lesen, er gälte bei seinen Altersgenossen als der Brüning des Theaters. Ein hohes Lob für Brüning, denn daß Reinhardt für bas Theater eine geschichtliche, vielleicht, trotz allem, säkulare Erschei­nung ist, wird wohl nirgendwo geleugnet. Und im 'Simplinffimus", derMünchener satirischen Zeitschrift", mit der scharfen bissigen Zunge, sieht man Kiebitze um einen Wachtmeister herumstehen intb der Text zu diesem Bilds lautet, selbst in ge­fährlichster Situation sich zu stellen, als mache es nichts, habe der Meister von Brüning gelernt.

Wir haben also in Deutschland den interessan- ien Fall, daß trotz aller Zerspaltung, das For - n» a t eines Mannes anerkannt wird. Das Gleiche vstd auch fiir Briand gelten. Auch Briand ist nicht etwa der Redner, oder gar nur Causeur. Auch £ sieht, wie Brüning, Wirth und andere in Deutschland und anderswo, die Dinge in großen Zusammenhängen. Gerade seine jüngste Rede be­weist es. Briand betrachtet das Verhältnis seines Landes zu uns nüchtern, aber nickst ohne Sympa-

Er ist Franzose durch und durch, doch auch r o p ä e r genug, um anderen ihren Watz zu tWnnen. Freilich kommt bei ihm immer und un- «r ollen Umständen zuerst Frankreich, dann die ehemaligen Bundesgenossen und dann erstz vermut- N« weitem Abstande, Deutschland. Aber er er- f>mt, daß dieser Abstand überbrückt werden muß. f steht die Gefahren, die in einer ewigen Der- sM n "a. der beiden Nachbarn natumotm'enbig be- darum sucht er uns soweit entge- . nzukommen wie es absolut notwendig ist, damit ' onkreich keinen Schaden erleidet. Eine solche i»,2nr-un9 kann uns nicht begeistern, aber man "WB sie anerkennen.

j%S.enn ®ran& ist unter den Raden in der fran- IWn Politik sicher derjenige, der die hellste einmrMaginot, der Kriegsminister, hatte In« a flre2rten vernünftigen und beinahe friedlichen u,,; ^ver als er wieder ins Kabinett berufen ben> ' ,Der9a6 er ihn, und heute redet er wie- w' als befänden wir uns noch mitten im beX ® [eP Sommer 1919. Da ist Briand ein an- oeK.I ,ps- Was gewesen ist, mag er nicht Der« , er s'ekst auch, was sich entwickelt hat. lickpi» refemann empfand er wohl wirklich auf» erh>J\Un3 euch in dessen Nachfolger Dr. Curtius yQ-xnt er den ehrlichen Staatsmann, der für fein jkJ5 arbeiten hat und von dem man nickst die m ? französischer Interessen verlangen kann.

Er» " t r.l°n^ feinen Kollegen im Parlament solche in G-k fe 3um besten gibt, ist er allemal noch dem s . veswegen ausgepfiffen zu werden. Trotz- fojn ,am er, was er für notwendig hält, und das ßevm" mir anerkennen. Der französische Au- run« l er hat, aus eigener vielfältiger Erfah- ' ein sn>-er-au5, ein volles Begreifen dafür, wie sich t^-thniiter zu verhalten hat, der für ein Der» ein und entrechtetes Land kämpft und dem r,, hemmungslose, wüste Opposition gegenüber»

Als Frankreich noch in dem Wahn lebte, es ste ihm besonders schlecht, hat ja auch Briand

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Reichstagspräsident Lobe eröffnete die Reichs­tagssitzung am Donnerstag um 3 Uhr.

Abg. Chwalek (Komm.) forbert die sofortige Beratung eines Antrages, der fick gegen den Lohn­abbau bei Reichs^, Staats- und Gemeindearbeitern wendet und Lohnerhöhungen verlangt. Der sofortigen Beratung des Antrages wird wider­sprochen.

Darauf wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenmini st e- r i u m s fortgesetzt. ......

Abg. Schmidt-Düsseldorf (DVP.) betont, daß die politische Gesamthaltung des Innenministers Dr. Wirth mit den Zielen der Deutschen Volkspar­tei keineswegs übereinstimme. Wenn die Partei in diesem Augenblick die politische Konsequenz dar­aus nicht ziehe, bann fei dafür die Rücksicht auf die politische Lage maßgebend. Der Thüringer Poli- zeikostenstreit habe zu einer nur mühsam verhüllten Niederlage des Ministers geführt. Gegen ähn­liches Vorgehen in Braunschweig habe die Volks­partei rechtzeitig beim Reichskanzler intervenieren können. Andererseits habe sich der Minister bei der Aufklärung gewisser Vorkommniste in der vre.l- ßischen Polizei außerordentlich zurückhaltend be­nommen. Der Redner wendet sich bann gegen den Wahlreformentwurf des Ministers.

Line wirkliche wahlreform

dürfe an Grundfragen wie Wahlalter u. Verhält­niswahlsystem nicht vorübergehen. Praktisch teufe der Entwurf auf eine Mundtotmachung der Bür­gerlichen Mitte hinaus. Der Redner verlangt, baß der kommunistischen Gefahr nachdrücklichst entge­gengetreten werde.

Zum Nationalsozialismus erklärte er, daß man die glühende nationale Lei­denschaft und. ideellen Momente in dieser Bewe­gung nicht verkennen könnte. Sie fei zudem

eines der festesten inneren Bollwerke gegen­über dem Kommunismus. . ,

(Leider kann man für diesen zweifellos im volks- parteilichen Lager gehegten Wu n s ch, die Na­tionalsozialisten möchten diese Rolle über­nehmen, in der Praxis keinerlei Geroähr erblik- ken. D. Schriftl.) Der Redner begründete weiter einen volksparteil. Verfassungsantrag, und bittet, ihn dem Rechtsausschuß zu überweisen. Den gegen­wärtigen politischen Zustand in Preußen empfinde die DVP. als unerträglich. Sie werde sich deshalb nachdrücklichst für das vom Stahlhelm eingeleitete Volksbegehren einsetzen. Der Reichsinnenminister müsse als Verfassungsminister über die ungestörte Durchführung des Volksbegehrens ein wachsames Auge haben.

Reichsinnenminister Dr. Wirth:

Ich habe mit meinen Ausführungen gewartet bis zur Rede meines verehrten Mitarbeiters Schmidt. (Heiterkeit). Ich bin ihm dankbar, daß er anerkannt hat, wie gewissenhaft ich mich an die Richtlinien der. Politik gehalten habe, die nach der Verfassung der Reichskanzler auffteQt. in diesem Rahmen liegt auch mein Verhaften in der Thüringer Polizeiaffäre. Der A^a. Schmidt nimmt zu diesen Dingen eine andere Stellung ein als fein Parteifreund von Kardorff, von dem das Wort von derThüringischen Zwangsehe" stammt und der auch gesagt hat. es tue ihm in der Seeft weh, wenn er feine politischen Freunde in Thü­ringen in dieser Gesellschaft sehe. (Sehr gut.) Ich habe die Polneigeldsperre gegen Thüringen auf» gehoben und bin deswegen von links und auch einem Teil der Mitte anoegriffen worden. Ich habe es getan, nochbem in dem Vergleich mit Thü­ringen uns ber Thüringer Staatsminister Baum die nötigen Zusicherungen gemacht hat. Die Herren von ber äußersten Rechten haben die Flucht aus ber Bolitik vollzogen, ein Kollektivschritt, ber nur im Volk der Dichter und Denker möglich ist.

Das sinnlose Gerede von einem Bürgerkrieg ist geeignet, die schwere Wirtschaftskrise noch zu verschärfen, unter ber unser Volk leibet. Es ist nun der phan­tastische Plan erörtert worden, ein Parlament ber nationalen Opposition in Weimar aufzumachen. Wenn bie .Herren ber nationalen Opposition zu­sammen tommen wollen, so haben mir nichts da­gegen. Dazu stehen ihnen auch die Säle im Reichs­tag zur Verfügung. Etwas anderes ist es aber, wenn Herr Dr. Frick als Minister eines Landes vor die Jugend hintritt und mit dem Gedanken an ein Parlament in Weimar fnielt. Wenn dieser Gedanke zu vorbereitenden Handlungen führen sollte, so wäre das

eine, revolutionäre Tot

und gegen diese revolutionäre Tat müßte das ein­gesetzt werden, was schon einmal gegen Thüringen eingesetzt worden ist. (Abg. Mörike <Kowm.) ruft: Ach, Sie Schwächling! Abg. Mörike erhält einen Ordnungsruf.) Uns ist darum zu tun, die Ord­nung im Volke aufrecht zu erhalten. Darum wer­den wir nachdrücklich gegen jede Vorbereitung re­volutionärer Handlungen einschreiten. Man sollte in Thüringen daraus achten, daß nicht die Grenze überschritten wird, über deren Einhaltung bie Reichsregierung zu wachen hat. Es wäre gut, wenn Abg. Schmidt mit feinem Freunde v. 'Kar­dorff eine Expedition nach Thüringen unter­nehmen würde, um die Herren dort in diesem

FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Zu Vodelschwinghs Geburtstag

Telegrammwechsel zwischen der Gemeinde Bethel und dem Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 6. März. (Eig. Meld.) AuS An- laß der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Friedrich von Bodelschwinghs hat die Gemeinde Bethel ein Telegramm an den Herrn Reichspräsi­denten gerichtet, in dem sie ihm ihren ehrerbietigen Gruß entbietet.

In dem Antworttelegramm des Herrn ReichS- pxäsidenten heißt es u. a.:Mögen die Werke der Liebe und Barmherzigkeit, die der verstorbene große Volksfreunb und Seelsorger Friedrich von Bodelschwingh in christlicher Fürsorge für alle Mühseligen und Beladenen geschaffen und fest in vielen langen. Jahren geleitet hat, auch in Zukunft mit Erfolg weittt wirken Und ein sicht­bares Zeugnis dafür sein, daß der Bruder­geistchristkicher Hilfsbereitschaft auch in der gegenwärtigen Notzeit wach ist"

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: Me Welt im Bild' undBuchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, oernrufe: edjrift» :: leitunq 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.

es oft genug erlebt, daß die nationalistische Meute über ihn herfiel wenn er aus Genf oder sonst wo her nach Paris zurückkehtte. Solchen Schich­ten, die Rache und Vertragsbruch wollen, kann kein Minister es recht machen.

Verständigung ohne Liebe.

Aus her Senatsdebakte in Frankreich.

Aus der Diskussion ber Gesetzentwürfe über die allgemeinen Schiedsgerichtsakte im Se­nat sind folgende Sätze bemerkenswert: Senator Lucien Hubert sagte in seiner die Gesetzentwürfe befürwortenden Rede, bas könne nicht ab­geleugnet werden, daß ein Zusammen­bruch Deutschlands große Gefahren nach sich ziehen würde. Frankreich wolle darum an der Losung dieses materiellen Problems Mit­arbeiten. Cs wolle auch, wie Graf d'Ormesfon vorschlage, die moralischen Fragen, die die beiden Länder trennen, nachprüfen. Man könne miteinander verhandeln. Um sich zu ver­stehen, brauche man sich nicht zulie­be n.

Aus der Rede des Berichterstatters Senator de Jouvenel ist folgende Stelle nicht ohne Interesse: Die Ratifizierung der Schiedsgerichtsakte durch Frankreich werde Frankreich das Recht geben, die Ratifizierung auch von anderen Ländern zu ver­langen, bie an ber Abrüstungskonferenz teilneh- men. Frankreich werbe bissen Ländern bann sa­gen können: Wenn ihr bie Rüstungsgleichheit wollt, bann müßt ihr* auch bie Gleichheit im Schlichten annehmen. Dann werde man den Völkerbund fra­gen können, wieweit es mit der Organisie­rung einer internationalen Streit« traft stehe.