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Nr. 54

Verlage zur Auldaer Aelkung

6- Alärz

allgemeinen gesund, die verschiedenartigen Tätig- manchmal die sogenannte

Hausfrauenarbeit ist im vielfache Bewegung bei den keiten im Haus ersetzt sogar Ausgleichsgymnastik, die bei

Eine ganz bekannte Hausfrauenkrankheit ist zum Beispiel die Schultergelenkentzündung, die der Arzt beinahe täglich in der Sprechstunde beobach­ten kann. Wo hat sie ihre Ursachen? Einfach in der »u starken Beanspruchung des Schultergelenkes durch die ,-ausfrauliche Tätigkeit. Denn nicht nur beim Keh­ren, Beim Waschen und Putzen wird daS Schulter- gelenk in Mitleidenschaft gezogen, sondem auch beim Tragen von Körben, beim Wickeln der Kinder, bei der Gartenarbeit, beim Bügeln, kurzum bei fast allen hausfraulichen Verrichtungen. Das Schultergelenk der Hemsfrau leistet mehr an körperlicher Arbeit wie jeder andere Knochen des menschlichen Organismus, und Dr. Hans Storck von der orthopädischen Universitätsklinik in Berlin hat schon recht, wenn er behauptet, daß dis Schultergelenkknochen eines Maurers, Tischlers, Schrei­ners oder irgendeines anderen Handwerkers lange nicht in dem Maße beansprucht werden, wie die der Haus- fr<m. Meist merkt sie nun die Ueberanstrengung erst, wenn das Schultergelenk weh tut, wenn stechende, Schmerzen die geregelte Arbeit unmöglich machen. Dann ist es höchste Zeit, daß mit Massagen, Heißluftbehand- lung usw. die beginnende Versteifung bekämpft wird. Jede Frau wird deshalb gut daran tun, nach ange-

Herrenwort leiten lassen:Suchet zuerst das Reich Got­tes und feine Gerechtigkeit, so wird euch alles übrige hin­zugegeben werden." Wir wollen auch im politischen Le­benablegen die Werke der Finsternis und anziehen die Werke des Lichtes", wollen mit diesen Waffen kämpfen für Wahrheit, Freiheit und Recht. Gewiß wollen wir in der Politik von den Männern lernen, ober nur um unsere Schwäche auszugleichen, nicht um unsere Stärke zu opfern. Die Waffen des Lichtes, die ich meine, das find alle jene politischen Tugenden, die sich mit unserer weib­lichen Eigenart wohl vereinen lassen, ja, zum Teil gerade durch sie bedingt sind: Klugheit und Wahrheit, glühender Eifer und abwartende Mäßigung, großmütige Weither­zigkeit und unbedingte Selbständigkeit, Verständnis für andere Art, Rücksicht auf fremdes Recht, heilige Verant­wortlichkeit, planvolle Energie und die stärkste Waffe der Frau: mütterliche Liebe. Denn das Wort der Anti­gone:Richt mitzuhassen, mitzulieben bin ich da", gilt auch für die politisch tätige Frau, die ihre vornehmste Aufgabe darin erblickt, die Grundsätze des Ehristentums auch im öffentlichen Leben wieder zur Geltung zu brin­gen und dadurch die politische Atmosphäre zu entgiften. Unser lebendiges Beispiel muß zeigen, daß die Politik unfern Charakter nicht verdirbt, sondern im Gegenteil veredelt.

Groß und schwer ist die Aufgabe, klein erst die Zahl der Frauen, die zu ihrer Lösung berufen sind. Aber sie hoffen dabei auf die Hilfe ihrer Mitschwestern, denn nicht in den Parlamenten allein wird das Geschick des Volkes entschieden, die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, die geistige Propaganda, die von fraulicher Tätigkeit aus ins Leben bringt und neue Maßstäbe für alle Kultur­arbeit aufstellt, ist ein mächtiger Bundesgenosse der klei­nen Schar, die zum Segen für unser Volk immer mehr wachsen möge. Dr. Maria Faßbinder.

Aichk mutlos fein

Don Franz Cingia -Schramberg. Legt manchmal auch ein Schatten sich Auf deine Straße, kühl und schwer. BalÜ blickt die Sonne inniglich Und tröstlich wieder zu dir her.

Reicht manchmal auch die schwere Zeit Aus ifjrem Kelche Leidenswein.

Sei mutig nur und tatbereit, Dann schenkt sie wieder Glück dir em.

lange Zeit schlaflos zugebracht haben und fürchten sich vor dem Ermüdungsgefühl am nächsten Tag«.

Im allgemeinen wird man daran festhalten müssen, daß das Abhalten aller Sinnesreizungen den Eintritt des Schlafes und fein gutes Fortbestehen begünstigt. Dazu gebärt auch, daß das vorher gut gelüftete Schlaf­zimmer ausreichend verdunkelt wird. Bei vielen ist nach dem Zubettgehen das Spiel der Gedanken noch sehr erregt, und es fallen Urnen immer neue Gefichspunkte für ihre Unternehmungen der nächsten Zeit ein. Es ver­schafft dann eine große Erleichterung, wenn man ein sogenanntes Nacht-Notizbuch leicht erreichbar neben dem Bett liegen hat, in welches man die neuen Gedanken kurz einschreibt. Es fällt dann die Angst weg, sie schnell wieder zu vergessen.

Daß man stets im Interesse eines ungestörten Schla­fes einen scharfen Kampf gegen eventuelle Insekten führen muß, ist selbstverständlich. Letztere fühlen sich am behaglichsten unter den großen, schweren, weichen Oberbetten, die unhygienisch sind, und durch Wärme­stauung, Schweißerzeugung und mangelnde Hautah- dunstung zu Schlafstörern werden können.

auch. Er ißt manchmal drei Tage in der Woche nichts, liegt im Bett, um Geld und Feuerung zu sparen. Seine Kleider sind im Versatzamt. Und er will Arbeit, was immer es fei, nur arbeiten, damit das Hungern aui- höre. rate ihm, da fein Vater Rektor einer rheini­schen Schule ist, nach Hause zurückzukehren. Ich will chm das Fahrgeld besorgen. Er lehnt es ab. Im Elend geht er nicht nach Hause. Er hatte damals gegen den Willen des Vaters den Posten verlassen, um sich höher ZU arbeiten. Seither leistet er nur mit Unterbrechungen Aushilfsarbeit. Sein Stolz bäumt sich auf, er wird un­wirsch, wenn ich nur vom Daterhause spreche.

Ost gehe ich noch hin. Wir werden schließlich Freunde, der Bankbeamte und ich, der Student. Ich spreche von dem Vertrauen auf Gott, das uns alle tra­gen muß, dann wird alles wieder gut. Ich schreibe sei­nem Vater, bitte für den Sohn. Der Vater verzeiht ihm, ich bin voller Freude, besorge noch die Fahrkarte, be­zahle die Mietschulden. Als ich nach Tagen hinkomme, ist er schon auf dem Wege in die Heimat. Meine Se­genswünsche begleiten ihn.

Der Alke (Prag, Dezember 1930).

Er schrieb der Fürsorgestelle, er wohne in Prag in einem Obdachlosenheim, fände keine Arbeit und bitte um eine Beihilfe. Also wieder das Lied, das man als Für- forger täglich hunderte Male hören muß, das einem das Herz schwer macht ob all der Not. Ich werde ge­beten, mit dem Herrn m Fühlung zu treten. Allo be- suche ich ihn, gehe in die Kanzlei des Heimes und laste mir den Herrn rufen. Unterdessen stche ich in der Kanz­lei und erlebe in den wenigen Minuten Menschenschick- swle von ungeheurer Plastik und Wucht. Was da an Menschen um Nachtlager bittet! Familienväter, deren Familie vor dem Tore wartet. Ledige, die ihre ganze Habe auf dem Leibe tragen, Arbeiter, Akademiker, Stu­denten. Menschen, die sich ttotz der Not nicht unter» kriegen lassen wollen, deren schäbiger Rock peinlich sauber ist. Menschen, die die Not zum Trinker gemacht hat, denen der Alkohol wenigstens die Illusion sorgen­losen Daseins bereiten muß.

Schließlich kommt der Herr. Weißhaarig. Er ist 55 Jahre. Seit 1923 in keiner festen Stellung mehr. Wer nimmt auch heute einen allen Mann auf, der im Betriebe nicht mehr fo schaffen kann wie ein Junger?

strengter Arbeit durch eine leichte Massage der Schul, terpartien die Knorpel zur Ausscheidung der notwendi­gen Gelenkflüssigkeit zu veranlassen. Auch eine regel­mäßige gymnastische Durcharbeitung des Köppers kann nichts schaden, umsomehr, als er dann gegen Arbeits­einflüsse unempfindlicher wird.

Was vom Schultergelenk gilt, ist gleichzeitig audj für die Beckenknochen und für die Fußgelenke richtig. Die Hausfrau steht heute viel zu viel. Es gibt Hausfrauen, die glauben eine bestimmte Tätigkeit nicht ausführen zu können, wenn sie nicht dabei stehen dürfen. Das ist ein glatter Unsinn und eine Versündigung am Körper. Gewiß wird man nicht soweit gehen wie manche Gesnndheitsfanatikerinnen, die behaupten, man könne auch im Sitzen recht gut bügeln, aber andererseits ist es schon richtig, daß sich manche Haushaltsarbeiten min* bestens so gut im Sitzen wie int Stehen erledigen lassen. Deshalb immer sitzen, wenn es möglich ist. Beim Sitzen wird nämlich das bet der stehenden Frau auf dem Becken ruhende Körpergewicht gleichmäßig auf Becken, Oberschenkel, Unterschenkel und! Füße verteilt, waS anatomisch eine Entlastung des GesamtkörperS bedeutet. Die vielen Fußknoche nentzündungen, die oft nur mittels schwieriger Operationen ausgeglichen werden können, ferner die meist chronischen Entzündun­gen int Ballengelenk, die verschiedenen Ballenerlrankun. gen usw. sind meist auf das Ian ,e Stehen zurückzusühren, dazu noch vielfach in Schuhen, die aus Gründen bet Eitelkeit möglichst klein gewählt sind und deren Absätze oft so hoch getragen werden, daß die gesundheitlich noch einigermaßen verttetbare fünf Zentimeter Absatzhöhe bei weitem überschritten wird. Darf sich eine solche Frau dann wundern, wenn sie in reiferen Jahren von Fußleiden aller Art gequält wird?

Vie Vielseitigkeit des Herings.

Gesalzene Heringe zu braten.

Man nimmt schöne gesalzene Heringe und legt sie drei Tage in Wasser, das man täglich erneuert. In Butter oder Pflanzenfett gebraten, erhält man eine gut schmeckende, billige Fleischspeise. Man kann Kar­toffeln dazu essen, auch wird in manchen Gegenden Sauerkraut dazu gereicht .

Geräucherte Heringe.

Gut gewässerte Heringe werden abgettocknet, einige Stunden an die Lust gehängt, daß sie lufttrocken wer­den und dann einige Stunden in den Rauch gehängt. Um sie hängen zu können, zieht man einen Faden buitfj den Kopf der Heringe, nachdem man die Kiemen entfernt hat. Da wohl nicht alle, die dieses Räuchern einmal probieren möchten, eine Rauchkammer zur Der- fügung haben, so sei hier mitgeteilt, wie man in einem

verdirbt Politik den Charakter?

In diesem Wort wird bas allgemeine Bewußtsein von den außerorbentlichen Versuchungen bes politischen Le- bens ausgesprochen, bie ganz zweifellos vorhanden sind. Aber es ist ein sehr gefährliches Wort. Dahinter ver­birgt sich bie Anschauung, baß im politischen Beruf bas persönliche Gewissen zu schweigen habe, bie Anschauung des slorentinischen Staatsmannes Machiavelli:Wir brauchen Menschen, bie ihr Vaterland mehr lieben als ihre Seele". Ist dies denn wahr? Oder gilt das Wort Gladstones:Was moralisch falsch ist, kann gar nidjtpotitifdjridjtig fein !"? Lebt letzten Endes nicht auch das Vaterland von der Unbestechlichkeit der Seelen, auch wenn diese Unbestechlichkeit nicht immer Augenblickseffekte und greifbare Möglichkeiten einbringt? 3a, bie fittlidjen Kräfte finb st aal s erhal­te nb e erster Ordnung. Das Gewissen, das man auf biefem Gebiet für überflüssig halt, wirb allmählich auch auf anderen nicht mehr beachtet werden. Man kann also mit Recht bas Schlagwort umkehren:Der Charak­ter, unb zwar der schlechtere, oerbirbt bie Politik."

Wir Frauen wollen uns im politischen Leben nicht durch Aussprüche falscher Propheten, sondern durch bas

Mutter darf nicht krank sein!

Von Emmy Ficus.

Das Kind hängt den Kopf; es fiebert ein wenig, und hat sich den Magen verdorben:Mutter, hilf! Mir ist so schlecht!" Und die Mutter nimmt es an ihr Herz, sorgt und wacht Tage und Nächte, hält Unbill und Schmerzen fern nach besten Kräften. Mutter ist immer da.

Vater hat den Schnupfen und ist schlechter Saune: Mutter halt mir bie Kinder vom Hals! Ich brauche Ruhe!" Und die Mutter nimmt auch dieses größte Kind in ihre Obhut. Sie sorgt dafür, daß der ganze Haushalt auf Zehenspitzen geht. Sie überwacht die Spiele der Kinder und die Zimmertemperatur, den Grog für den Hausherrn und feinen Schlaf. Sie pariert fein Mißvergnügen, seine Nervosität und der Kinder Uebermut. Mutter ist immer da.

Dann aber ist eines Tages die Mutter krank. Ihr ist so elend zumute. Der Kopf, Ohren, Zähne und alle Glieder schmerzen. Eine Grippe scheint sich aus­zubilden:Ach, könnte ich nur mal im Bett bleiben!" Jedoch gerade heute muß Vater unbedingt Radio hören; er bastelt an allen Stationen herum. Die Ueberschneidungen gellen fürchterlich in Mutters Ohren. Die Kinder lärmen und tollen; es geht ihnen gerade heute so gut, daß sie vor Lebensfreude kein Ende finden können. Sie zerreißen sich Strümpfe und Schürzen:Mutter hilf schnell, bevor es Vater merkt!" Keiner denkt, sorgt, bangt um Mutter. Keiner nimmt ihr eine Arbeit ab, ober tut ihr nur eine Handreichung. Das Leben geht seinen Gang weiter: Mutter muß ja da sein!

Bis Mutter fest zu Bett liegt und nicht mehr I aufstehen kann. Bis der Arzt ein bedenkliches Gesicht macht. Dann steht das lautlose, gut geölte Räderwerk des Haushalts still. Dann läuft die Familie hilflos und verzweifelt ein und aus wie eine Herde ohne Hirte.

Und Vater nimmt einen dicken Blaustift und schreibt mit Riesenbuchstaben als Motto auf den Wandkalender: »O lieb, so lang Du lieben kannst!"

Mutter lächelt auf ihrem LeidenSlager....

Arbeitslose.

Drei Schicksalen von vielen.

Der junge Mann (Berlin-Norden).

5n der Fürsorgestelle höre ich von ihm. Ein junger Bankbeamter, der fließend englisch und französisch spricht, ausgezeichnet qualifiziert rft, ist schon zwei volle Jahre postenlos in der Großstadt. Er erhält Unter­stützung, nur 12 Mark bie Woche. 7 Mark muß er für die Wohnung bezahlen. Es bleiben also zum Leben, zum Mensch-fein 5 ganze Mark. Er hat eine Leidenschaft, er raucht viel, vielleicht auch, um den Hunger zu be­täuben. Um 5 Mark wirb man sieben Tage lang nicht satt. Da muß man ben Hunger drosseln. Er sucht Ar­beit, arbeitet, von schwächlicher Konstitution, im U- Bahn-Bau. Er schleppt Schienen, schiebt Karren, schuf­tet unter Tag, bis er zusammenbricht. Er versucht es wieder. Arbeit bringt Brot. Er hält nicht durch. Wie­der arbeitslos, schreibt er Bettelbriefe an bie, denen Hunger ein unbekannter Begriff ist, die ihr Einkommen selbst gar nicht verzehren können. Die an einem Abend soviel ausgeben, daß 2 Familien bescheiden eine Woche lang leben könnten. Nur solchen schreibt er und schil­dert seine Lage. Sie verweisen chn an eine Fürsorge- stelle. Wozu haben wir denn auch solche? Wofür zah­len wir Steuern? Da könnte jeder kommen unb privat betteln.

3n der Fürsorgestelle höre ich also von ihm. Ich besuche ihn. Er will, als er hört, daß ichamttich" komme, nichts von mir wissen. Er verleugnet sich. Ich lasse eine Karte bei ihm, auf der ich ihn von Mensch zu Mensch um Aussprache bitte. Ich besuche chn wieder, urck» sein ganzer Gram gegen bie amtliche Fürsorge bricht aus. Er beklagt sich über die unpersönliche Sachlichkeit, mit der man die Menschen in man­chen amtlichen Stellen behandelt. Ein Unglücklicher will indivchuell behandelt fein, man muß Verstehen zei­gen, man muß fein Herz gewinnen, bis es sich öffnet und man altes erfährt. Ganz vertraut muß man schließlich mit ihm werden. Sein Schicksal muß bas un­sere sein.

Ich höre alles an. Man muß schweigen können, still resümieren und ganz behutsam und zart helfen wollen. Ich erfahre seinen Setbensroeg. Seine Entbehrungen. Er kann nirgends hingehen und sich erholen. Wie sichere

bitte ihn, durch Einsatz aller seiner Kräfte die Meimmg über ihn Lügen zu strafen. Er verspricht es, er bemüht sich. Nach Weihnachten ist er wieder bei mir und zeigt mir seine ersten Erfolge. Sie sind freilich noch beschei­den. Aber er arbeitet, das ist die Hauptsache. Ich bin ihm freilich in den letzten Tagen auf eine Unwahrheit gekommen. Aber veranlassen, abweisen werde ich ihn deshalb nicht. Wenn man von einem Menschen bas Beste hält und es ihm auch immer zu verstehen gibt, muß der Mensch sich ändern. Soweit verhärtet ist nie­mand. Sa wollen wir beide es schaffen, der Student und der Arbettslose, der Alte, dessen Leben sich neigt, und der Junge, der mit beiden Händen das 2eben er­greifen unb meistern will.

Unb noch ein junger Mann (Prag, Januar 1931).

Gestern abenb läutet das Telephon.Hier Akademisch* Vincenzkvnferenz." Das Fräulein von der Karitasstelle fragt an:Hätten Sie in ihrem Kleiberlager einen Win­termantel? Einen Wintermantel für einen nicht sehr großen jungen Mann." Ich denke nach. Vor Weih­nachten hatten mir in unterem Kleiderlager, bas uns liebe Menschen immer wieder beschicken, 2 Wintermäntel. Doch jetzt? Wir haben zu Weihnachten fast ausgeräumt, geschenkt, geholfen, wo nötig war, nun ist bie Kleider­kiste leer.Einen Augenblick, ich will gleich mal nach- sehen", ich lege ben Hörer beiseite und suche im Schrank nach. Gott sei dank, ba ist ja noch ein Mantel,Bitte, schicken Sie ben Herrn am besten herunter, er kann ib gleich probieren!" Nack» wenigen Minuten fragte ein junger Mann nach mir. Das Elend schaut chm aus ben Augen, unrasiert, bei dieser Kälte ohne Mantel, in einem fadenscheinigen, abgerissenen Rock erscheint seine schmale Gestalt noch schmächtiger. Ich bitte ihn in unser Zimmer, biete ihm Platz an, lasse ihn erzählen. Er ist stellen­loser Handlungsgehilfe, Vollwaise, ohne Verwandte, krank. Dabei schiebt er den Aermel bes Rockes hoch unb zeigt bie Narben geschlossener tuberkulöser Fisteln. Ich bringe ben Mantel, leider paßt er nicht, er ist viel M lang unb zu breit für seinen schmalen, kraftlosen Leib. Er sieht selbst ein, baß er in biefem Mantel nicht Stel­lung suchen kann. So muß ich ihn wieder gehen lassen. Doch nicht umsonst. Er wird einen Mantel erhalten. Eine kleine Geldspende für die bitterste Not drücke ich ihm noch m die Hand. ®- *

___ Frauen mit mehr sitzen­der Tätigkeit unbedingte Notwendigkeit ist. Trotzdem gibt es aber auch bei der Hausfrauenarbeit Tätig- feiten, die leicht zu dauerndem körperlichen Schaden führen können, wen« nicht rechtzeitig die Fehlerquelle erkannt wird.

Im heutigen Rationalisierungsbetrieb findet er keine Betätigung mehr. Denn eine einzige Buchhaltungs- maschine leistet ja mehr als zwei solcher alter, lang- famer Männer. Und schließlich muß ja ein älterer Mensch besser bezahlt werden als ein junger, den man bei höheren Lohnforderungen immer gegen neue Ange­stellte auswechseln kann.

So rft er also arbeitslos. Schon viele Jahre. Man kann sich ganz gut denken, daß jahrelange Arbeitslosig­keit das Arbeiten überhaupt verlernen läßt. Die Ge- wohnhett macht viel! Leute mit gesunden Gliedern sind heute arbeitslos. Die arbeiten wollen und nicht können.

wende mir nicht ein, daßmancher schon Arbeit finde, wenn man nur arbeiten wolle". Heute liegen Männer auf der Straße, deren Weib unb Kind zu Hause hungern, bie sich die Füße wund laufen nach der Arbeit. Und dann, nicht jeder Mensch ist für alle Arbeit geeignet. Es sind viele Dinge zu betrachten, eh« man das harte Wort vomFaulenzer" spricht.

Der (rite Herr erzählt mir. Er versucht es jetzt m'r Inseratenwerbung. Das Ht ein dackflosenheim wohnt er mit dreißig anderen in einem Baume um einen verhältnismäßig hohen Mietzins, muß das Obdachlosenheim um 6 Uhr früh verlassen, um vor 6 Uhr abends nicht wiederkommen zu können: Seine dürftige Hab« schleppt er mit sich umher. Wo sollte er sie auch lassen? Wenn feine Schlafkameraden täglich wechseln? Sein Ziel ist nur eine Wohnung in Unter­miete, damit er in feinem Beruf vorwärts kommt. Es gibt ja manches zu erledigen, manches zu schreiben. Ich verspreche chm, alles zu pernnlaffen. Ich hole Auskunft über ihn ein. Sie lautet nicht günstig Er schreibt nämlich Bettelbriefe. Bittet die, bie mehr haben als er, um Unterstützung. Das können manche Leute nicht ver­tragen. Sie wollten nicht direkte, .persönliche" Be­ziehungen zuverkörperter Not" haben. Sie tun ja sanft viel. Man kann »es verstehen. Aber ebenso kann man es verstehen, daß ein Mensch feine Mitmenschen um Gaben bittet. Hunger tut weh.

In der Fürsorgestelle stoße ich aus Widerstand. Ich weiß, daß manche Hilfesuchende «affiniert sind, unter allen Umständen etwas erreichen wollen.

®ir haben uns seither oft getroffen, jede Woche min­destens einmal. Er hat Vertrauen unb erzählt mir alles. A«h ich sage ihm ruhig, wie man über ihn denkt, und

Blumenkohlsalak. (Für 4 Personen.) Zutatent 1 Blumenkohl, Salzwasser, 3 Eßlöfsel Del, 2 Eßlöffel Essig, % Teelöffel Salz, 1 Zwiebel, 10 Tropfen Maggf, Würze, % Liter saurer Rahm, gehackte Petersilie. Z u- I bereitung; Die Blumenkohlröschen werden abgelöst, I gewaschen und in Salzwasser weich gekocht, sie dürfen aber nicht zerfallen. Man schüttet sie ab, die Brühe verwendet man zur Suppe unb mengt sie nach dem Erkalten in der gut verrührten Salatsoße an. O. W.

Schlaflose Röchle.

Von Geh.-Rat Dr. Bruno Schaefer- Berlin- C Harla ttenburg.

Wie wohltättg und heilsam der Schlaf ist, bas weiß am besten, wer an Schlaflosigkeit leidet. Viele schlafen I deswegen nicht, weil sie am Tage sich zu wenig bewegt haben, sodaß sie gar nicht richtig müde werden konnten. Sie haben den Tag über herumgesessen, zwischendurch auch etwas schlafend geruht, und es fehlt ihnen daher der Hauptanreiz zum Schlafen in der Nacht, die richttge Müdigkett. Wer ben Tag über nur sitzende Beschäfti­gung hat, der sollte nicht versäumen, sich wenigstens für eine kurze Zeit im Freien zu ergehen und während des Tages öfter einmal einige Leibesübungen vorzunehmen.

Die schlimmsten Feinde, des ruhigen Schlafes sind aber Kummer und Sorge unb der Kaufmann, der sich nicht in gewagte Spekulationen eintaffen will, hat recht, wenn er bas bamit begründet, daß er mehr Wert darauf legt, gut zu schlafen als gut zu essen. Leider fft ger- rabe bei großem Kummer der Schlafder Balsam kranker Seelen" besonders schwer in seiner vollen Wirk­samkeit zu erzielen, ebenso wie bei körperlichen Schmer­zen und bei Fieber. Hier wirb am besten der Arzt hel­fen unb in den meisten Fällen zu einem passenden Schlafmittel greifen müssen. Wichtig zu wissen ist es auch, daß man bei Neigung zur Schlaflosigkeit weder starken Kaffee noch starken Tee vor der Schlafenzeit frinfen soll. Diese Getränke benutzt man ja auch beson­ders bann, wenn man aus irgendeinem Grunde sich bes Nachts wachhalten muß. Viel« werden ärgerlich und verstimmt, wenn sie lange nicht ein schlafen können. Sie fallen sich bann bemühen, die schönsten Erinnerungen ihres Lebens sich zurückzurufen unb genau zu Überben- len, unb fo ben Zug der Gedanken in das richtige Gleise zu schieben.

Die sogenannten nervösen Menschen sind auch in der Nacht nervös und häufig schlaflos. Sind sie endlich ein« geschlafen, dann stört sie das geringste Geräusch wieder aus dem Schlaf. Hören sie eine benachbarte Turmuhr schlagen, bann stört sie nicht nur das Geräusch an sich, sondern es entsteht auch schon die Angst vor dem näch­sten Schlagen, es entsteht die sogenannteErwarttmgs- Neurose". Sind sie besonders ängstlich, auf ihr Mahl bedacht, bann ärgern sie sich auch darüber, daß die Turmuhr ihnen anzeigt, daß sie schon wieder eine zu |

Fasse räuchern kann. In den Boden des Faff-s ;*<- man Nägel zum Aushängen der Heringe. Aus ben i r Deckel macht man von Sägespänen ein Rauchs- " hängt die Heringe an die Nägel und stülpt bas ~!l über das Feuer. Eine gehäufte Schaufel SäoelnS? langt zu einer Räucherung. Solche Arbeit nimmt am besten auf dem Hofe vor. Die Heringe müll^ dunkelgelb werden. Frisch geräucherte Heringe sind angenehm zu Butterbrot und halten sich, kalt o-rli, mindestens 14 Tage frisch. 8elt9t>

Hering mit Tunke.

Eine kleine Obertasse saure Sahne wird unter Bei. gäbe von einem gehäuften Teelöffel Senf, einem fffc. löffel Salatöl, einem Eßlöffel Essig, einer kleinen qtiiZ denen Zwiebel und etwas Pfeffer gut gerührt. Drei entgrätete, gewässerte Heringe, denen man sorgfältig die Haut abzieht, schneidet man in zweifingerbreite Stücke und mischt sie gut in der Tunke durch. Man aibt Butterbrot und Tee dazu.

Heringe zu marinieren.

Die Heringe werden geschuppt, ausgeschnitten und 12 Stunden in frisches Wasser gelegt. Dann kommen sie nochmals 12 Stunden in frisches Wasser. Hierauf legt an sie in eine Schüssel, gibt reichlich Zwiebeln 23 Lorbeerblätter, auch Pfefferkörner dazu, zerrührt die Heringsmilch mit gutem Essig und gießt sie mit Milch vermischt über die Heringe. Einige Zittonen- scheiben und kleine Gurken nebst einem Löffel Salatöl vervollständigen die Zutaten.

Gesundheitliche Schädigungen der Frau im Haushalt

Von Dr. med. Friedrich Moser, Berlin.