Welcher Vogel singt am besten?
Don Dr. Curt Floerickc.
Der Durchfchnittsdeutsche wird auf diese Frage ohne weiteres antworten: Nun natürlich die Nachtigall, die man doch nicht umsonst als Sängertönigin bezeichnet. Für West- und Mitteldeutschland ist das auch ganz richtig, aber in den nordöstlichen Teilen unsere» Vaterlandes erwächst ihr ein gewaltiger Mitbewerber in dem Sprof- s e r, der übrigens ein naher Verwandter von ihr und gleichfalls in ein schlichtes, graubraunes Federkleid gehüllt ist. Welcher von beiden Arten man die Sängerkrone reichen will, ist schließlich Sache des persönlichen Geschmacks. Das Lied der Nachtigall ist süßer, weicher, schmelzender, reicher an sanftklagenden Tönen. Das des Sprossers ausgezeichnet durch schmetterndes Fortissimo, wahrhaft majestätische Tonfülle und feierlichen Vortrag. Die^ meisten Liebhaber geben heute dem Sprosser den Vorzug.
Gehen wir aber über Europas Grenzen hinaus, so treffen wir auch in den Tropen, entgegen der landläufigen Meinung, ganz hervorragende Sänger, die es mit Sprosser und Nachtigall sehr wohl aufnehmen können. Hierher gehört vor allem die in d i s ch e S ch a m a d r o s s e l, ein auch farbenschäner, langschwänziger und elegant gebauter Vogel. Sie gleicht in der Fülle und Schönheit ihrer Strophen dem Sprosser und der Nachtigall, mengt allerdings auch manchmal weniger schöne und weniger reine Töne dazwischen, übertrifft jene aber dadurch, daß sie nicht nur Sängerin, sondern auch Dichterin ist. Während unsere E.^änger einen festgegliederten Schlag haben, bet dem die einzelnen Strophen in ziemlich bestimmter Anordnung aufeinander folgen, weiß man bei der Schama nie genau, was jetzt kommt, ja oft überrascht sie durch ganz neue, bisher nie gehörte Melodien, eine schöner als die andere. Allerdings findet man gerade bei der Schama sehr oft auch recht minderwertige Sänger, die himmelweit hinter den Meistern der gleichen Art zu-
Frankfurter Börse.
rückstehen. Es mögen dies jung aus dem Nest entnommene, künstlich aufgezogene Vögel fein, die nie Gelegenheit hatten, dem Sang ihrer freilebenden Artgenosfen zu lauschen und an ihm zu lernen. Im übrigen ist bekanntlich die gesang'iche Begabung auch innerhalb der gleichen Art sehr verschieden. Es gibt überall erbärmliche Stümper neben begabten Künstlern.
— Operationen vor zweihundert Jahren. In früheren Zeiten, da man den menschliche Körper noch nicht so genau kannte wie heute und zudem noch keine unempfindlich machenden Mtztel kannte, waren Operationen viel gefährlicher und fchmerzhafter als heute. Dor 200 Jahren waren aber schon erhebliche Fortschritte zu verzeichnen, denn in der Geschichte der Medizin wird berichtet, daß im Jahre 1731 der Arzt Henri Francois Le Dran den Steinschnitt und die Behandlung der Schußwunden verbesserte. Ferner erwarb sich ein anderer französischer Arzt Louis Petit, große Verdienste um die Amputation. Er beschrieb die Vorgänge der natürlichen Blutstillung bei verletzten Arterien und gab dadurch die Anregung zu vielen Forschungen auf diesem Gebiete. Im selben Jahre 1731 begründete er die chirurgische Therapie bei der Erkrankung der Gallenwege. Er empfahl bei Stauung der Galle die Entleerung der Gallenblase durch Punktion (Einstich), bei durch Steinbildung veranlaßten Leiden Eröffnung der Gallenblase durch den Schnitt zur Entfernung der Steine. kos.
— Do schneit es am meisten und wo am wenigsten in Deutschland? In Osterode (Ostpreußen) zählt man im Durchschnitt 56 Tage nut Schneefall, in Tilsit 55, auf dem Brocken 111, auf der Schneekopoe 124. Am wenigsten schneit es in Neuwied mit 17, Trier mit 18, Friedrichshafen mit 19 sowie Westerland (Sylt) und Emden mit je 20 Tagen. Weiße Wintertage, an denen die Schneedecke liegen bleibt und an denen Wintersport getrieben werden kann, gibt es in Westerland (Sylt) am wenigsten, nämlich nur 28. Darauf folgen Aachen und Emden mit je 29, Köln mit 30 Tagen. Der Brocken hat 161 weiße Tage, der Feldberg-Schwarzwald 196 und die Schneekoppe 201. Natürlich erleiden diese Zahlen in besonders milden und besonders strengen Wintern eine entsprechende Veränderung.
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London
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Paris
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Spanien
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Italien
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Dänemark
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— Das Dort Chemie ist seht 1500 Jahre alt. Zoll mos von Panopolis (Oberägypten), der 430 lebte, hatte der chemischen Forschung einen großen Aufschwung gegeben, indem er die Destillation und die metallurgischen Prozesse. verbesserte. Durch ihn kam die Bezeichnung „Chemie" in allgemeinen Gebrauch.
Die Fahrzeit durch den Suez-Kanal beträgt durch- schnitlich 16 Stunden 54 Minuten.
Einer neuen Zählung zufolge gibt es auf der ganzen Erde 672 Vulkane, aber nur 270 derselben sind noch tätig.
In Japan finden alljährlich im Durchschnitt 66 Erdbeben statt.
Alle Volksstämme des Kaukasus zeichnen sich durch auffallend große Nasen aus.
Bis zum Anfang des 9. Jahrhunderts gab es keine deutsche Schriftsprache. Die tn Latein abgefaßten Aufzeichnungen der deutschen Mönche begannen erst zu Anfang des 8. Jahrhundert.
von den Hochschulen.
— Der Ehrendoktor für Marie Luise Gokhein. Die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg hat Frau Marie Luise Gothein, der Witwe des berühmten Nationalökonomen der Heidelberger Universität, die Würde des Doktors der Philosophie ehrenhalber verliehen. Im Diplom heißt es: „Die Verleihung geschieht an die in seltener Weise vielseitige und fruchtbare Schriftstellerin, die die verschiedensten wissenschaftlichen Gebiete befruchtet, in ihren Uebersetzungen künstlerische Interpretationen großer Dichter geboten und in der Lebensbeschreibung ihres Mannes ein Stück deutscher Kultur- und Geistesgeschichte lebendig gemacht hat."
Gewerkschaftliches.
— Die Folgen nationalsozialistischer Listen bei der 23 e- triebsrätewahl. In Halle hat bereits am 2. Januar die Neuwahl des Betriebsrates bei der städtischen Straßenbahn ftattgefunben. Die Mitgliederverhältnisse lagen so, daß ein Sitz im Betriebsrat den christlichen Gewerkschaften hätte zufallen müssen, den sie auch in den vergangenen Jahren innehatten. In diesem Jahre verlangten die
Nationalfoziallsten eine gemeinsame Liste mit den christlichen Gewerkschaften und als Spitzenkandidat einen ihrer Leute Darauf konnten sich natürlich die christlichen Gewerkschaften nicht einlassen, da für sie eine Betriebsräte- wähl nach politischen Gesichtspunkten nicht in Frage kommen kann. Daraufhin hatten die Nationalsozialisten eine eigene Liste aufg stellt und erreichten damit, daß weder die christlichen Gewerkschaften noch sie selbst durch die Zersplitterung der Kräfte einen S'tz im Betriebsrat bekamen. Dieses ungewerkschastliche und unbesonnene Verhalten der Nationalsozialisten hatte den Erfolg, daß nunmehr per Betriebsrat der Halle'chsn Straßenbahn restlos von den sozialdemokratischen Gewerkschaften besetzt ist. Die Nationalsozialisten, die vornehmlich den Kampf g gen den Marxismus führen wollen, haben hier durch ihr Verhalten den Marxismus gestärkt.
Schule und Volksbildung.
— Kylfhäufsr-Technikum in 23ab Frankenhausen. Der Stadtrat in Bad Frankenhausen hat zum Direktor des Kysthäufer-Technikums den bisherigen Leiter, Professor Huppert, n^cht wieder gewählt, da nach Ansicht der Stadtverwaltung in dem Verhalten des Prof. Huppert nicht mehr die Gewähr für eine weitere Entwicklung der Anstalt erblickt werden konnte.* An seine Stelle wurde der Dipl.-Jng. Winkelmann zum Direktor des Kysf- häuser-Technikums berufen. Direktor Winkelmann genießt großes Ansehen in der deutschen Eisen- und Ma- schinen-Jndustrie. — Eine Errungenschaft besonderer Art für die Weiterentwicklung des Kyffhäuser-Tech- nikums bedeutet der Neubau eines Hochspannungslaboratoriums, das mit allen Mitteln modernster Technik ausgestattet wird. Die Flugwissenschaftliche Vereinigung am Kyffhäuser-Technikum verfügt über vier Flugmaschinen, so daß auch Gewähr für eine praktische Ausbildung geboten wird.
Bäder und Kurorte.
— 23ab Nauheim im Sommer 1931. Die Bade- und Kurverwaltung g:bt jetzt das für Bad Nauheim im bevorstehenden Sommer geplante Unterhaltungs- programm bekannt. Als Kurorchester ist für dieses Jahr bekanntlich das Mainzer städtische Orchester verpflichtet worden, in dessen Leitung sich Generalmusikdirektor Bon- gartz-Meiningcn und Musikdirektor Naue teilen. Vorgesehen ist eine große Anzahl von Opern- und Operettenaufführungen sowie von Sinsoniekanzerten, eine Nordische Woche im Mai, ein „Amerikanischer Komponistenabend" sowie ein Chorkonzert unter Mitwirkung des Musikvereins Friedberg. Sehr reichhaltig ist das Sportprogramm, das zwei internationale Wurftauben- schießen, ein internationales Tennisturnier und ein Golfturnier vorsieht. Wie im Vorjahre findet auch wieder eine internationale Tanzwoche statt.
Technik und Verkehr.
— Italienische Bewerber ums blaue ’l.iDigaitone Generale Jtaliana hat bei ber Di. . "saldo einen 47 000 B.R T.-Dampfer 1
ien Bau nunmehr auf Ansuchen der itakienilck^H« 1 rung so stark beschleunigt wird, daß das Sch »; ; I naten fertig gebaut sein soll. Damit würde L, lo gleichen Werft beim Bau des 35000 ART w °n der Sampfers „Roma" für die gleiche Gefell,chaft'o„Mnen. Rekord um 2 Monate gedrückt, lieber 3500 SUt9^te!Ite blech sind bereits eingebaut. Das Schiff erhält famtlänge von 265 Meter, eine größte Breit. ®ne ®t* Meter und soll die Prüfmeile mit über 27 ani?f°n 29,5 ren. Als normale Uebersahrtsgeschwindigkeit
24 bis 25 Knoten in Frage, so daß die ganze
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für Ihre la chenlampe u ib Ihren Radwappg^
Genua—Newyork in 7 Tagen zurückgelegt würde^ä?- Schrkf erhält 10 Decks, eines davon ausschließlich Sportzweck- mit einem Zwerggolf-Spielplatz unh großes offenes Schwimmbad mit darum 'anaelem. Strand. An Einbauten wären zu nennen ein ri*b„ Theater, eine Kapelle und große öffentliche Gaststätte« i dem bereits für die Dampfer „Roma" und „August»- angewendeten Stile. Berühmte italienische Plätze ftn» als Muster dafür dienen. Die Schiftsbesatzung wird . Mann stark. Die Unterbringung genügt für 5007;abro- t.
1. Klasse, 300 2. Klasse, 25 Touristen-KIasse ünd tzU
Winterfpor.
Eine Ski-Langlaufbahn vom Großen Feldberg. 1
Die Gemeinde Niederreifenberg i. T., die sich erst in, Sommer letzten Jahres durch die Verbesserung der Un- terkunftsoerhältnisse auf dem Großen Feldderg be(on- bere Verdienste erworben hat, tritt jetzt mit einem neuen Projekt hervor, das eine ausgezeichnete Förderung des in diesem Winter besonders stark entwickelten Winter, sports im Taunus, speziell des Skisports, darstellt. Die Gemeinde beabsichtigt, eine Ski-Langlaufbahn vom (Bro- ßen Feldberg bis ins Tal hinab nach Niederreifenberg zu schaffen. Die Bahn hätte bei starkem Gefälle eine Länge von etwa 5 Klm. Die schon jetzt am Nordhang des Großen Feldberg bestehende Sprungschanze soll m das Projekt mit einbezogen werden, so daß sich die An- läge auch vorzüglich zur Abhaltung von Wettbewerben eignen würde. Die Abholzung des für die Linien- führung in Frage kommenden Streifen Waldes soll, vorbehaltlich der forstbehördlichen Genehmigung, so rechtzeitig erfolgen, daß die Bahn für die kommende Win- terfportfaifon fertiggestellt ist.
Die modernste Luxus-Nacht der Welt.
Stapellauf der „Savatona“ auf der Werst Blohm & Botz.
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Das 5000 t-Schiff gehört zu den größten und modernsten Luxusyachten der Welt. Es soll vor der Hoheitsgrenze der Verei.nigtenStaaten verankert werden, wo es als Restaurant mit Alkoholausschank ewgerichtet werden wird. Boote werden den Passagierverkehr mit dem Ufer vermitteln.
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Sie müssen sich vor dem Einseifen mit Nivea-Creme einreiben, jedoch nicht zu stark, ■ .?, damit die Schaumerzeugung nicht beeinträchtigt wird. Sie werden dann sehen, dass
auch tägliches Rasieren Ihre Haut nicht angreift. Sie werden nicht mehr unter V'T*} Rötungen u aufgesprungenen Stellen zu leiden haben Sie werden gleichzeitig feststellen, /jgf' dass Ihr Aussehen jugendlicher, straffer und gepflegter wird
QH ] Zu ersetzen ist Nivea-Creme nicht, denn nur sie enthält das hautpfle-
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Aus dem Lande der kopsjSger.
primitives Rittertum auf Timor. — heutzutage genügen die haare'
Don W. A. P e n a r d (Java).
In den schönen Tagen von ehemals, als sich das lästige und alles beaufsichtigende holländische Gouvernement noch nicht um die sportlichen Vergnügen der Bevölkerung auf der Insel Timor kümmerte, war das Kriegführen der Stämme untereinander die beliebteste Zerstreuung.
Nun muß man beim „Kriegführen" nicht sofort an etwas wie den Weltkrieg denken; es ging in Timor einfacher und gemütlicher zu. Hauptsache des .Lrieges" war das Erlangen von Köpfen; wer ein Mitglied der Gegenpartei dieses unentbehrlichen Gegenstandes zu entledigen wußte, hatte einen Sieg daoon- getragen und war sofort ein Kriegsheld. Er konnte bann den Titel „meo" beanspruchen, was so viel wie Ritter bedeutete, und gehörte ii. Zukunft zu den adligen Vorfechtern des Fürsten. Zuerst, wenn er nur ein oder zwei Feinde getötet hatte, wurde er ein Klein-Ritter — ein Junker, oder, wie die Timorefen ihn bann betitelten, ein „meo ana", ein Ritterkind. Aber zeichnete er sich bei folgenden Gelegenheiten wieder aus, dann rückte er mit dem dritten Kopf einen Grad höher und wurde ein „meo baoen", ein echter Ritter, etwa Baron oder Graf. War er so ehrgeizig, daß er noch höher steigen wollte, dann wurden die Anforderungen schwerer, denn erst wenn er mehr als zehn grausiger Siegeszeichen aufweisen konnte, erfolgte die Beförderung zum „meo naek", einem Herzog, der Anführer von Heeresscharen wurde.
Proben persönlicher Tapferkeit waren für diesen Ritterschlag nicht Bedingung. Es wurde mehr nach dem Siegeszeichen selbst als nach der Art gefragt, wie man diese bekommen hatte. Uebrigens, der Timorese sagt bis selbst in dem so glühend begehrten Titel; bas Wort „meo" heißt, nach seiner Erklärung, „Katze", und weist daraus hin, daß der Träger dieses Ranges es verstanden hat, feinen Feind zu überwinden, wie eine Katze
eine Maus fängt: indem er sich unbeweglich in einem sicheren Versteck auf die Lauer legt und fein Opfer plötzlich anfpringt.
Und ebensowenig wie es darauf ankam, wie der eroberte Kopf erbeutet worden war, wurde Wert darauf gelegt, was für ein Kopf es war. Konnte man keinen Mann finbefi, um an diesem die Kraft seines Kopfjägerschwertes zu erproben, bann war eine einsam in den Feldern arbeitende Frau auch gut, und sogar das „Ueberwinden" eines halberwachsenen Knaben gab das Anrecht auf den Titel der Tapferen. Es war nicht einmal immer nötig, daß der Kopf des Besiegten triumphierend gezeigt werden konnte. Frauen zum Beispiel wurden oft nicht geköpft; man begnügte sich damit, ihnen das Haar abzuschneiden und sie dann wieder frei« zulqssen. Solch ein abgefdjnittener Haarschopf stempelte den Helden auch zum „meo". Wahrscheinlich wirb der Timorese. wenn er unsere heutigen Schönen mit dem Bubikopf sieht, mit Neid an all die Männer denken, die dadurch ihren Ritterschlag verdient haben!
Später als die holländische Verwaltung sich auf Timor niederließ und sehr streng gegen die Kopfjäger- Kriege auftrat, wurde es für den ehrbcgierigen Timo- refen schwieriger, seinen Adelsbrief zu erobern. Aber er fand etwas anderes. Denn von alters her stand es fest, daß auch derjenige, der einem bereits gefallenen Feind den Kopf abschlug, durch solch eine Heldentat der Ritterschaft würdig wurde. Also zogen die Helden- Aspiranten hinter den holländischen Truppen her, wenn diese einen Angriff machten. Und wenn der Kamps beendet war, suchten sie das Terrain eiligst nach niedergeschossenen Feinden ab, um sich ihrer Köpfe zu bemächtigen und damit zu Hause bas Recht auf den „Meo-Titel" nachzuweifen. Das wurde ein sehr vorteilhafter Handel, denn wer selbst keinen Wert auf einen Adelsbrief legte, konnte den eroberten Kopf sofort für ein paar Gulden an ehrgeizigere Dorfgenossen los werden, so daß im Anfang der Timor-Expedition ein sehr lebhafter Handel in derartigen unheimlichen Trophäen aufkam.
Glücklicherweise erfuhr die holländische Verwaltung sehr rasch von diesem Treiben und machte chm ein Ende.
Aber keine Sorge — als die Köpfe nicht mehr geschlagen werden durften, begnügte sich der Ritter-Anwärter mit den Haaren
So geschah es vor ziemlich kurzer Zeit, daß zwei Kampongs (Dörfer) über eine Bodenfcage in Streit gerieten. In früheren Jahren ein casus belli ersten Rangs. Einer Gruppe Tapferer des einen Kampongs gelang es, einige Bewohner des anderen Kampongs zu überfallen. Sie schnitten allen den langen Haarschopf ab, auf den diese so stolz waren. Die'Besiegten dursten mit Schande bedeckt heimwärts ziehen, die Sieger, geschmückt mit aus dem eroberten Haar geflochtenen Z er- bändern, wurden als Helden gefeiert und zum „meo" geschlagen!
Eine „Meoschaft", die in diesem Falle sehr teuer erkauft wurde, weil die Regierung streng gegen derartige Heldentaten auftrat und die Schuldigen schwer bestrafte.
Es wurde also für den Timorefen immer schwieriger, auf ehrl'che Art den Adel zu erwerben. Deshalb kommt es langsam in Mode, daß man die „Mcoschaft" als erblich betrachtet, so daß die Söhne mit dem Ritterschmuck und den Ritteramuletten ihrer tapferen Väter auch deren Titel tragen.
Aber das ist doch n:d)t das Richtige, und mit stiller Wehmut denken die Tapferen zurück an die goldene Zeit, als man einfach j-manb den Kopf ab schlagen konnte, um Rittertugenden und Rittermut zu beweisen.
Banfe Zeitung.
— 6:ü wann gibt cs gebundene Bücher? Wer jetzt Bucker kauft, denkt wohl nicht daran, daß e3 vor etwa 80 Jahren in Berlin nicht immer möglich war, in einer Buchhandlung die gewünschten Bücher gleich fix und fertig im „geschmackool'en Einband" mitzunehmen. Vielmehr mußte damals oft ein Buch erst vom Verleger verschrieben werden, worauf man c5 in großen, völlig unhandlichen Druckbogen erhielt. Dem Käufer lag es dann ob, das Buch vom Buchbinder einbinden zu lassen, und so vergingen gewöhnlich Wochen, bis man in den Besitz des Werkes gelangte, namentlich da die Druckbogen aus einem förmlichen Löschpapier
bestanden und daher „planiert" werden mußten, bevor sie üjrer Bestimmung zugeführt werden konnten. „Zur Ansicht" des Publikums ftellte zuerst in Deutschland der Hamburger Buchhändler Perthes (geb. 1772) gt* Bunbene Bücher in seinem Verkaufslokal auf, wodurch er es ermöglichte, wenigstens flüchtig vor einer Bestellung in neue literarische Erscheinungen Einblick z> nehmen.
— Der Schall im geschlossenen Räume. Wohl jeder, der schon einmal eine leerstehende Wohnung betrat, hat die Beobachtung gemacht, daß hier seine Stimme auffällig lauter schallt, als daheim im bewohnten Zimmer .Auch der Trift der Füße, besonders von lärmende« Kindern, ist viel vernehmbarer. Sind in einem sonst leerstehenden Zimmer nur erst Gardinen angemacht, so klingt der Schall schon viel gedämpfter, bedeutend mehr noch, wenn die Möbel eingeräumt sind. Tie Ursache liegt darin, daß alle Gegenstände mehr oder weniger den Schall „verschlucken". Nach neueren Untersuchungen geben schon die einfachen Mauerwände zwei« einhalb Prozent der Schallwellen nicht zurück. Glas« scheiben brauchen dreeinhalb Prozent, ein Holz fuß« toben sechs Prozent, ein Linoleumfutzboden 12 Prozent, Gardinen 23 Prozent, Polstermöbel, Wandbilder usw« 28 Prozent, wollene Teppiche 29 Prozent! Mit anbe* ren Worten: Um den gleichen Schall zu erzeugen, muß man zum Beispiel in einem mit Gardinen, Teppichen und Möbeln usw. versehenen Zimmer 50 bis 70 Prozent lauter sprechen als in einem teeren Zimmer oder einem, das ziemlich leer ist. Schauspieler, Redner, Prediger usw. wissen das alles schon aus ihr«- Praxis. ■ 1 1
Heiteres.
Segen den Zwischenhandel. „Haben Sie Ihre Fr«* nicht durch ein Heiratsbüro?" — „Nein, direkt von den Eltern! Für den verteuernden Zwischenhandel bat ich nicht!" („Fliegende Blätter.)
Unmöglich. „Dann möchte ich noch in mein üteftanumt ausgenommen haben, daß an meinem Grabe drei i räle gespielt werden." — „Jawohl, welche wünsche« Sie zu hören?" _ , , „ . . -•-*