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Freitag, den 6. Mürz 1931,

Fuldaer Zeitung (Amtliches Sreisblatt)

Ilr. 54

Die katholische Jugend ist erwacht

Für christlichen

Eine politische Massenkundgebung im überfüllten Sladtsaal

— Gegen Hakenkreuz und Sowjetstern

Aktivismus

k

Zentrum und Angestellte.

Obwohl zur gleichen Zeit im Stadtsaal die Kundgebung der katholischen Jugend vor sich ging, war auch der Einladung des A n g e st e ll t e n - Beirats der Zentrumspartei zu der Versammlung im Gesellenhaus eine stattliche Zahl von Zentrumsanhängern aus der Fuldaer Ange­stelltenschaft gefolgt. Zunächst wurde die Neuwahl des Vorstandes getätigt. Zum Vorsitzenden ge­wählt wurde der Stadtverordnete Kaufmann Jo­seph Ernst; zu Beisitzern: Sparkassen-Angestellter Karl Seifert, Kaufmann Karl Müller, Kauf­mann Eduard Engelhardt, Expedient Paul Pfeiffer, Kaufmann Oskar Bro ns, Kanzle i- gehilfe Joh. Schultheis, Kaufmann Adolf

April-Lehrgang für Schuhpolizeianwörter überfüllt!

Der Bedarf an Anwärtern für den Dienst tn der Schutzpolizei ist für den April-Lehrgang 1931 bei weitem gedeckt, so daß Einstellungsgesuche an die staatlichen Polizeiverwaltungen und die staat­lichen Polizeischulen, die für Entgegennahme der­artiger Gesuche zuständig sind, für diesen Termin keine Aussicht auf Erfolg mehr haben. Für die Einstellung zum 1. Oktober 1931 können Be­werbungen von Mitte April dieses Jahres ab an die vorgenannten Dienststellen eingereicht werden.

Ueberfüllung des kausmannsberuses.

Der Preußische Minister für Handel und Ge­werbe hat an die Regierungspräsidenten folgendes

— Familien-Rachrichlen. Herr Franz F i e h r e s, Kronhofstraße 7, konnte dieser Tage seinen 83. Geburts­tag feiern. Er besucht noch täglich die hl. Messe im Dom. Seit 50 Jahren ist er ein treuer Abonnent unserer Zei­tung.

= St. Kotburga-Verein. Nach dem vielversprechen­den Anfang, den die Exerzitien für b i e katholi­schen Hausangestellten unserer Stadt genom­men hatten, durfte man auch auf eine weitere befriedi­gende Abwicklung hoffen. Die Teilnahme an den Vor­trägen der folgenden Tage hat nun sogar die kühnsten Erwartungen übertroffen. Die Teilnahme hat nicht etwa nachgelassen, sie ist vielmehr anhaltend die denkbar regste geblieben. Wenn vielleicht bei den ersten Vorträgen die einen oder die anderen noch nicht zur Stelle gewesen wa­ren, so hatten auch sie sich nachher eingefunden und blie­ben dann treue Besucherinnen. Die Severikirche war an jedem neuen Morgen um 5,30 Uhr gut besetzt, und abends erwies sich der Kirchenraum als zu klein. Immer mußten sich eine ganze Anzahl mit Stehplätzen begnügen. Alle Achtung vor den Vertreterinnen dieses Standes! Sie ha­ben allen anderen Ständen in unserer Stadt ein Beispiel opserfreudigster Gesinnung gegeben. Die treue Ausdauer in der Beteiligung ging Hand in Hand mit dem pünttli- chen Erscheinen. Und eine ganz besonders erfreuliche Note in dem Gesamtverlauf der Exerzitientagung bildete die zahlreiche Beteiligung gerade der jüngeren Jahrgänge. Kurz, die treuen Gehilfinnen unserer Hausfrauen haben in glänzendster Weise ihren tief religiösen Sinn bekundet. Und man kann es verstehen, wenn sie allgemein nur das eine Bedauern zum Ausdruck bringen, daß die Exerzitien- tage nun schon bald ihrem Ende sich zuneigen. Am mor­gigen Tage, dem ersten Freitage im Monate, soll nämlich mit dem Vortrag in der gewohnten frühen Mor­genstunde der Abschluß der ganzen Veranstaltung statt- sinden. Mit diesem Schlußvortrag wird die Segensmesse mit der Generalkommunion verbunden sein. . _

er seine ganze Kraft noch recht lange im Dienste und zum' Nutzen der Verwaltung einfetzen möge. Das große Los.

Wie aus Berlin gemeldet wird, ist in der Nach­mittagsziehung der Preußisch-Süddeutschen Klas- senlotierie am Mittrvoch das große Los in Höhe von 500 000 Mark auf die Losnummer 141328 gezogen worden. Das Los wird in der ersten Ab­teilung in Achtellosen in Hessen-Nassau und in der zweiten in Viertellosen in Hessen gespielt. Wer mögen die Glücklichen fein?

Das Dersicherungsaml der Stadt Fulda.

Durch das Versicherungsamt der Stadt Fulda wurden im Jahre 1930 erledigt: 1. Krankenver­sicherung: 19 Streitsachen wegen Mitgliedsckzaft und Kassenleistung; 6 Strafsachen. 2. Unfallversiche­rung: 75 Detriebsanmeldungen und Veränderungs­anzeigen; 4 Unfallanmeldunqen; 2 Anmeldungen von Berufskrankheiten. 3. Invalidenversicherung: Bewilligt wurden 73 Anträge auf Invalidenrente, 40 Anträge auf Witwenrente, 16 Anträge auf Waisenrente, 4. Arbeitslosenversicherung: 6 Streit­sachen wegen Versicherungspflicht. Ouittungskar- ten wurden in 1930 ausgestellt: für die Jnvaliden- verfcherung — 7 839 Stück, für die Angeftellten- verficherung = 1555 Stück.

Ablauf wichtiger Aufwerlungsfriften.

Wichtige Aufwertungsfristen laufen am 31. März dieses Jahres ab. Anträge auf Umschreibung der noch in Papiermark eingetragenen Aufwer- tungshypotheksn in Goldmark sowie Anträge auf Wiedereintragung gelöschter Hypotheken müssen spätestens am 31. März dieses Jahres bei dem zuständigen Grundbuchamt eingeaangen sein. Ist der Antrag nicht rechtzeitig gestellt, so ersticht die aufgewertete Hypothek und wird die alte Papier­markeintragung von amtswegen gelöscht. E s gibt keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Der Gläubiger verliert sein Recht durch Versäumung der Frist endgültig. Grundstückseigentümer können den ihnen durch das Aufwertungsgesetz gewährten Rangvorbehalt ebenfalls nur noch bis zum 31. März ausnutzen. Es empfiehlt sich dringend, die Anträge rechtzeitig zu stellen und nicht bis zum letzten Tage zu war­ten.

Schreiben gerichtet: „Ich weise darauf hin, daß in­folge der fortschreitenden Arbeitslosigkeit der kauf­männischen Angestellten jeder Anreiz zum Besuche von öffentlichen unt> privaten Handels, uno hö­heren Handelsschulen zu vermeiden ist. , Ich er­suche Sie daher, auch die Inhaber der kaufmän- Nischen Privatschnlen anzuweisen, sich möglichst je­der Werbetätigkeit zu enthalten. Die derzeitige Wirtschaftslage legt allgemein die Verpflichtung auf, auch auf eine Einschränkung der kaufmän­nischen Privatschulen hinzuwirken. Es wird da­her auch die Errichtung weiterer kaufmännischer Privatschulen möglichst zu unterbleiben haben. Ich ersuche, vor der Erteilung der Genehmigung zur Errichtung kausmännischer Privatschulen eingehend zu prüfen, ob ein dringendes Bedürfnis dafür vor­liegt und ob die Schule zweifellos lebensfähig fein wird Jedenfalls wollen Sie sich größte Zu­rückhaltung bei der Genehmigung neuer kaufmän» nischer Schulen auferlegen."

Stand der Viehseuchen in Hessen.

Mitte Februar herrschte in 23 Gemeinden des Bezirks Kassel, einer Gemeinde des Be­zirks Wiesbaden, in 12 Gemeinden der Provinz Starkenburg, 10 Gemeinden der Provinz Rhein­hessen und 5 Gemeinden der Provinz Oberhessen die Maul- und Klauenseuche. Schweinepest wurde in 3 Gemeinden der Provinz Hessen-Nassau und 6 Gemeinden des Landes Hessen festgestellt.

Reifeprüfung am Staatlichen Gymnasium.

Unter dem Vorsitz des Herrn Studiendirektors Dr. Müller begann gestern am hiesigen Staat- lichen Gymnasium die mündliche Reifeprüfung. Von der Oberprima a bestanden 20 Schüler, davon 5 mit Gut: Ballmeier, Willi, Hünfeld (Theologie): Busold, Arthur, Eiterfeld (Psycho­logie); Dallwig, Ferdinand, Wickers (Theolo­gie); Fink, Aloys, Oberufhausen (Pädagogik); Fleck, Bernhard, Fulda (Theologie); Harnier, Rudolf, Künzell (Reichswirt); Höfler, Theobald, Altenmittlau (Theologie); Kircher, Willi. Dip­perz (Pädagogik); Ludwig, Rudolf, Hünfeld (Jura); Metzler, Willi, Gersfeld (Theologie); Pütz, Willi, Bad Salzschlirf (Polizei); Sachs, Karl, Bad Orb (Mittl. Beamten-Laufbahn); Scheller, Adelhard, Oberufhausen (Mittl. Be­amten-Laufbahn; Steinmetz, Friedrich, Fulda (Kaufmann); Vogel, Joses, Petersberg (Theolo­gie); Wehner, Richard, Malkes (Bankfach); Weß, August, Niederkalbach (Jura); Wiegand, Hermann, Kirchhasel (Mittl. Beamten-Laufbahn): Zeitz, Kurt, Hanau (Theologie); Zöller, Willi, Aufenau (Zahnarzt). — Die Oberprima b legt deute ihre mündliche Reifeprüfung ab.

40 3atjre im Dienst.

Am 3. ds. Mts. feierte, fo schreibt man uns, der in weiten Kreisen Fuldas bekannte Reichs­bahn-Werkmeister Josef <5 o b o tta sein 40jähri- ges Dienstjubiläum. Er trat am 3. 3. 1891 bei der Hauptwerkstätte Fulda als Schlosser ein und wurde wegen seiner vorbildlichen Tüchtigkeit schon nach drei Jahren zum Lehrmeister bestellt. In dieser Tätigkeit hat er 37 Jahre unter schwierigen Verhältnissen verbracht und 396 Lehrlinge zu brauchbaren Mensen und tüchtigen Arbeitern und Beamten ausgebildet, die ihm heute noch zu gro­ßem Dank verpflichtet sind. Dor dem-Kriege hat er bei mannigfachen Gewerbeausstellungen Erzeug, niffe feiner erstklassigen Arbeitsleistungen vor Bugen geführt und überall größtes Erstaunen ulld Bewunderung feiner Fähigkeit hervorgerufen. Während des Krieges hat er als Notstandsmaß­nahme eine Reihe weiblicher Kräfte in Handwerks- mäßiger Tätigkeit ausgebildet. Nach dem Kriege hat er auf dem Gebiet der Normastsierungsorbei- Een Hervorragendes geleistet. Die Reichsbahn- Verwaltung hat feine Verdienste besonders an- erkannt und ihm aus Anlaß feines 40jährigen Dienstjubiläums die Glückwünsche, den Dank und die Anerkennung des Herrn Reichspräsidenten, des Herrn Generaldirektors der Reichsbahn-Hauptver­waltung und des Herrn Präsidenten der Reichs­bahn-Direktion Kassel übermitteln lassen. Don fei. ten des Ausbesserungswerkes Fulda ist ebenfalls m schlichter Feier des Tages gedacht worden. Auch von feiten der Beämtenvertretunq und der Be- triebsoertretung und der . ehemaligen Lehrlinge wurde der Jubilar in gebührender Weife geehrt. Wir wünschen dem hochgeschätzten Beamten, daß

Die Katholische Iugendgemein- schäft Fulda hatte gestern abend zu einer poli­tischen Massenkundgebung in den großen Stadt­saal eingeladen. Die Fuldaer katholische Jugend war dem Rufe ihrer Führer so zahlreich gefolgt, daß der Saal überfüllt war und polizeilich ge­schlossen werden mußte, wodurch manche Nachzüg­ler gezwungen waren, wieder umzukehren. Diese Schwierigkeit hätte sich vermeiden lassen, wenn man, wie das früher in ähnlichen Fällen geschah, die Türen des Roten Saales geöffnet haben würde Auf diese Weise wären noch einige Hundert wei­tere Besucher leicht unterzubringen gewesen.

Die Kundgebung stand unter dem Motto: „G e - gen Hakenkreuz und Sowjetstern". Der außerordentlich starke Besuch bewies, daß die katholische Jugend Fuldas nicht daran denkt, den Radikalen von rechts und links das Feld, zu räu­men und sich an die Wand drücken zu lassen. Wie überall in diesen Tagen in unserem deutschen Va­terland, so stellt sich auch in Fulda die katholische Jugend in die Abwehrfront gegen die Prediger des Hasses und der brutalen Gewalt, gegen die Feinde des deutschen Lolksstaates, gegen die To­tengräber der Volksgemeinschaft und der christ­lichen Kultur. Aber sie begnügt sich nicht mit rei­ner Defensive. Mit schmetterndem Fanfarenstoß bläst sie zum Angriff. Festgegründet auf dem sicheren Boden ihrer Weltanschauung, will sie ihren Gegnern in offener Feldichlacht entgegentreten. Etwa verlorenes Terrain soll zurückerobert, ge­schwächte Positionen sollgn neu gefestigt werden.

Im Mittelpunkt der gestrigen Kundgebung stand ein grohangelegtes Referat Peter Reichens- pergers aus Koblenz. Der Redner, bekannt­lich ein Enkel des Mitbegründers der Zentrums­partei, zeigte in eindrucksvoller Weife die Gefah­ren des Radikalismus für Religion, Staat und Volk. Er rief die katholische Jnngmannschaft zum Kampfe gegen diese extremen Elemente auf. Dem heidnischen Nationalismus und Rassefanatismus der Nationalsozialisten, dem religionsfeindlichen Kommunismus der Bolschewisten setze die katho­lische Äugend den christlichen Aktivismus entgegen. Im weiteren Teil feiner Ausführun­gen gab der Redner eine kurze Schilderung der stolzen Geschichte der Zentrumspartei, die in den nächsten Tagen auf ihr Mjähriges Bestehen zurück, blickt. Den Schluß des Referats bildete eine Dar­legung der Aufgaben und Z'ele des Windthorst- bundes. Die eineinhalbfftindigen Ausführungen des Redners fanden bis zum Ende eine aufmerk­same Zuhörerschaft, die am Schluffe lebhaften Bei­fall spendete.

Umrahmt war die Kundgebung, die mit einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden der katholischen Jugendgemeinf'choft Fulda, Dr. Sauer, eingelei­tet wurde, durch musikalische Darbietungen der Mandolinenabteilung des Gesellenvereins, die star­ken Anklang fanden. Ein dem Charakter des Abends angepaßter Prolog, wirkungsvoll vorge­tragen von Herrn Fickert in der kleidsamen Tracht der Neudeutschen, leitete zu dem Hauptrefetat des Abends über.

Nachstehend geben wir' das Referat in seinem Hailptinhalt wieder:

Kaum jemals in der Geschichte ist ein Volk von solcher Höhe an Reichtum und Macht so jäh in die Tiefe

Rulanb und Kaufmann Heinrich Hartmann. Die Herren Ernst, Seifert, Müller und Engelhardt gehören dem Ausgleichs-Ausschuß an.

Anschließend sprach vom Reichsangestellten-Beirat der Deutschen Zentrumspartei in Berlin Herr Köhlen. In sachlicher und bestimmter Weise kennzeichnete er die Zielpunkte, denen durch die Beeinflussung der gesetzgebenden Instanzen zuge­strebt werden müsse. Hilfe für die älteren Ange­stellten, Maßnahmen gegen die Doppelverdiener, Pensionskürzungsgesetz, Schutz der Angestellten bet Betriebs-Stillegungen, die Chiffre-Anzeige, Ar­beitszeit-Recht, Berufsausbildungs-Gesetz, Reform der Arbeitslosenversicherung mit dem Ziel der Zulassung von Ersatzkassen, die Frage der Ersatz- Kassen in der Krankenversicherung, Anregungen zur Angestelltenversicherung, Sicherung des Mo­natsgehalts für den Angestellten, das alles waren interessante Cinzelftagen, auf die der kenntnis­reiche Redner einging. Anschließend erörterte er die Einrichtung der Fachbeiräte in der Zentrums­partei, die im Einklang mit der Parteileitung der Vertiefung des Gedankengutes der Partei dienen und geschulte, gegen Schlagworte und oberfläch­liche Redensarten gefeite Wähler heranbilden und dem Zentrum erhalten sollen.

Eine lebhafte Aussprache schloß sich an. Der Vorsitzende der Fuldaer Partes hatte von einer Reise der Versammlung beste Grüße gesandt. Als Mitglied des Fuldaer Parteivorstandes der Zen­trumspartei wies Schriftleiter Dr. Kramer auf die Bedeutung der Zentrumspolitik für die g r u n d - legende Sicherung des allgemeinen, des wirt­schaftlichen und sozialen Wohles des deutschen Vol­kes und damit auch der Angestelltenschaft h:n. Er zeigte, wie gerade in der richtig verstandenen Demokratie die Menschenwürde gesichert ist gegen­über den Gefahren, die dieser Menschenwürde bet Einbruch anderer Staatsformen drohen. Herr Ruland, ein bewährter Mitarbeiter der Zentrurns- Angestelltenschaft, gab praktische Winke für die be­rufsständische Mitarbeit. Der neue Vorsitzende, Herr Ernst, verbreitete sich über das kommende Arbeits­programm. Nach einem anfeuernden Schlußwort des Referenten aus Berlin konnte der Versamm­lungs-Leiter die wohlgelungene und. sicher für den Zentrums-Gedanken in Fulda wertvolle Veran­staltung mit einem Treuegelöbnis zur Zentrums­partei schließen.

seinen großen Worten die Tat folgen lassen kann. JBßit es aber mit der Politik der Nationalsozialisten in Thu» ringen aussieht, das hat uns kürzlich der Führer der Thüringer Deutschen Volkspartei, die bekanntlich mit dem Nationalsozialismus eine Koalitionsregierung bilder, Dr. Witzmann, verraten. Er nennt die

riußenpolitik de« Nationalsozialismus Illusionspoli- . fit, ihre Auffassung des Völkischen einseifig und eng­herzig, da« nafionalsozialisfische Bildungsideal eine . Enfgeistigung unseres Volkslebens, ihre Wirtschafts­gedanken naiv und undurchführbar.

Ja, meine verehrten Anwesenden, wenn Wirtschafts­fragen und namentlich Wirtschaftskrisen durch Verba e und Reglements sich so einfach beheben ließen dann hätten wir in Deutschland den Weltkrieg nicht verloren.

Das wahre Gesicht des Nationalsozialismus erkennen mir aber nicht nur aus feiner praktischen Betätigung, son­dern wir erkennen es vor allem auch aus seiner Presse, die ihren Stolz darein zu setzen scheint, selbst dte kom- munistische Presse an übler Kampsesweise rote an Ver. leumdung noch zu übertreffen. Wenn Graf Revent» low für den Nationalsozialismus tn Anspruch nimmt, daß dieser stets nur mit ehrlichen und sauberen Waffen kämpfe, so ist das ein trauriger Beweis dafür, in welchem Umfang diesen Herren das Gefühl für die Art ihre» Kampfes verloren gegangen ist. Dabei verschanzen sich die Nationalsozialisten hinter df Immunität, die sie als Abgeordnete genießen. Emer der wenigen Führer, der sich bisher bon persönlichen Ver­unglimpfungen frei gehalten hat, ist bezeichnenderroene Adolf H i t l e r: der sitzt nämlich in keinem Parlament und ist deshalb vor dem -Strafrichter nicht geschützt. Gott sei Dank hat sich der Reichstag auf seine Würde besonnen und kürzlich in über 400 Fällen der Strafverfolgung ge­gen Kommunisten und nationalsozialistische Abgeordnete wegen Verleumdung und Beleidigung zugestimmt. Mtt dieser AufhebungderJmmunität, über die letzt so viel Geschrei gemacht wird, ist eine Forderung erfüllt, die früher von den Nationalso­zialisten selbst erhoben wurde. Damals wo- ren sie allerdings erst ein kleines Häuflein. Kem Gerin­gerer als K ofen berg, der bekannte Chefredakteur de. Völkischen Beobachters, schrieb damals von Abgeordne- ten, die unter dem „Schutze der unsittlichen Immunität ständen", u. er erklärte wörtlich: „Die Immunität der An­gehörigen der Parlamente ist selbstverständlich abzuschaf- fen". llnb der Nationalsozialist Feder schrieb tn her gleichen Zeit: „Der nationalsozialistische Staat wird die Immunität der Abgeordneten aufheben und nut rückwir­kender Kraft werden sie sich für ihre Taten zu verant- warten haben".

Wenn die Vögel, von denen Graf Reventlow gestern hier gesprochen hat, ihm demnächst die von mir angeführ­ten jitate ins Ohr zwitschern werden, dann wird er die Richtigkeit meiner Ausführungen nur bestätigen können.

Größte Irreführung bedeutet auch die Bezeich­nung „Nationalsozialistische deutsche Arbeiter-Partei". Mit welchem Recht bezeichnen sich diese Herren als Arbei­terpartei? Die Massen der Arbeiter sitzen ganz wo anders. Sie sind auch keine soziale Partei, sonst würden sie nicht die Groß-Industriellen und ehemaligen Fürsten zu ihren Hauptgeldgebern zählen können. Oder wollen etwa die Nationalsozialisten ihr soziales Gefühl damit dokumentieren, daß sie bereits abgehobene Februar-Diäten mit einer großen Geste für d i e Erwerbslosen zur Verfügung stellen, wäh­rend gleichzeitig ihr Adolf Hitler u n ö e r t tau­fe n b e in seinen Prunkparteipalast in Mün­chen hineinsteckt, ohne auf bie große Not seiner deutschen Volksgenossen zu achten. Auch als nationale Partei können die Nationalsozialisten nicht angesprochen wer­den, wenigstens nicht insofern, als sie damit ein beson­deres Deutschtum für sich beanspruchen wollen. Es ist eine Schande, welches Schindluder heute in Deutsch­land mit dem Worte national getrieben wird. Ich frage Euch, meine lieben jungen Freunde, ist

Iolda, den 5. März 1931.

Aus der Diözese Fulda.

Nack der Einreihung des Kommissariates Hei- s-miadt und des Dekanates Erfurt in unsere Dtozele ^lkbft nun die Diözese Fulda insgesamt 4 11 Prte- »- r davon find 22 im Ruhestande bezw. außer riknft In den 26 Dekanaten sind 231 Pfarrer ?->,m Pastores, 29 Vikare bezw. Pfarrvikare 20 Suraten bezw. Kooperatoren und 61 Kaplane Äia Rund 50 Priester sind in der Dtozefanver- malmnq am Priesterseminar und an sonstigen oThranftalten tätig. Nach P r i e st e r, a hr e n o-bt der Diözesan-Oberhirt, der Hochw. Herr B t - 'ck o f Dr Joseph Damian an 8. Stelle; von diesen ^Pr Fern leben 3 im Ruhestände . Der älteste nnh rualeid) der älteste amtierende Prtester tft Oer Pfanherr von Dipperz, Wilhelm N e y, der am 30. «!>ril d Js auf 6 0 Prie st erfahre zuruckbltk- S kann und am 9. August in sein 85 ßebcnsial)r eintritt Die mit Pfarrer Ney geweihten 6 Pne- finb ickon lange in die Ewigkeit abgerufen KrtS & so’W alt Rn» »er Seifrütat S ck i ck (82), wohnhaft in Saffig, und der Ehren- tomberr Dr. Weber (81), wohnhaft zu Marburg. Mn Alter von 70 bis 77 Jahren haben 8 Priester erreicht. 6 Priester der Fuldaer Diözese konnten tick schon mit dem goldenen unb 186 J?nefter mit dem silbernen Jubelkranze schmucken In Äem Jahre kann nur ein Priester sein 5 0 j a h - riaes IubiIäiiIN begehen: der im 77. Lebens- iahre stehende Definiter und Pfarrer Karl H e r z- b e r g in Beuren (Heiligenstadt) am 31. Juli. Die onM her Silberjubilare betragt 10: am 6. Z°ril 1906 erhielten die hl. Priesterweihe der Propst Dr. Joseph greusberg an der Dom- vfarrei Erfurt und der Pfarrer Karl H e l b , n g ch Wachstedt-Hagis (Heiltgenstadtst Wetter wurden vor 25 Jahren am 29. Juni zu Pnestern geweiht hie Herren Biermann tn Rasdorf, B raun in Schröck, Siege in Mittelkalbach, Fuhr Pfarrer a- D.) in Eckweisbach, L arb i g (Pfarrer « D) in Bad Soden, Lauer in Mardorf und Zentgraf (Rektor a. D.) in Eichenzell. Der am felben Tage geweihte Priester Peter D ö r r wetft studienhalber außerhalb der Diözese. Am 4 Aprll kann Rektor und Religionslehrer Dr. Joseph Adrianin Erfurt auf ein 25jähriges Wirken am dortigen Oberlyzeum zurückblicken.

Die klösterlichen Niederlassungen in der Diözese Fulda haben sich nach dem Konkor­datsabschluß und dem Zuwachs an Gebietsteilen ebenfalls entsprechend vermehrt. Ma nner- klö ster bestehen 7 in unserer Diözese: die F r an» xiskaner in Fulda, Salmünster, Dingelstädt und Hülfensberg bei Geismar (Eichsfeld), die Ob - taten in Hünfeld, die Rede mptoristen m Heiligenstadt, die Weißen Väter in Groß- krotzenburg, die Barmherzigen B r u d e r tn Fulda, die Maria nist en m Fritzlar, die Sckulbrüder in Erfurt. — Frauenklöster haben in der Diözese Fulda Niederlassungen: Arme Schulschwestern in Allendorf, Groß­auheim und Hanau, Benediktinerinnen in Fulda, Dienerinnen des hl. Herzens Jesu in Hersfeld, Englische Fräulein in Fulda und Geisa, Franziskanerinnen m Lengenfeld u. St., Erfurt und Dingelstädt, Graue Schwestern v. d. hl. Elisabeth in 16 Orten des neu hinzugekommenen Diözesanteiles, Schwe - stern der christlichen Schulen in 6 Orten, Töchter der christlichen Lielbe -des hl. Vinzenz von Paul in Küllstedt, Ur f ul in en in Erfurt und Fritzlar, Barmherzige Schwe­stern von den Mutterhäusern in Fulda Hildesheim und Paderborn in 58 Orten bezw. 78 Wirkungs­kreisen, davon 10 in Fulda.

geschleudert worben, wie das unserem deutschen Volke durch den traurigen Ausgang des großen Völkerringens befchieden war. Mit jedem Jahre spüren wir mehr und mehr, was es heißt, einen verlorenen Krieg, eine Revo­lution hinter uns haben. Besonders schwer getroffen ist die deutsche Volkswirtschaft. Bis tief in bie Familien hinein verspüren mir bie große Not des Tages. Var allem auch bie beutfche Jungmannschaft ist von dem Ge­spenst der Arbeitslosigkeit hart getroffen. Trotz dem vielen Dunkel, das uns so überschattet, dürfen wir uns die Freude am neuen Reich nicht verküm­mern lassen, dürfen nicht das Gute und Befreiend» übersehen, was bie letzten elf Jahre gerade der deutschen Jugend gebracht haben.

Auf politischem und anderen Gebieten ist heute der Jugend ein viel größeres Mit- und Selbstbestim­mungsrecht eingeräumt als je. Alles in allem g'lt, daß heute der junge Mann und das junge Mädchen ganz anders als Persönlichkeit gewertet werden, sich ganz anders entfalten können als früher. Mit jedem neuen Rechte sind aber auch ernste neue Pflichten verbun­den. Da müssen wir nun das beschämende Beispiel er­leben, daß ein großer Teil der deutschen Jugend in den entscheidenden Stunden des Vaterlandes völlig versagte, sich von radikalen Phrasen einfangen ließ. Graf R e - d e n 11 o ro hat sich gestern abend sehr heftig dagegen verwahrt, daß etwa die Nationalsozialisten diejenigen seien, die mit Phrasen und Geschrei hausieren gingen. Wenn er aber zu behaupten wagte, daß die deutschen Regierungen, mit dem Zentrum als bestimmendem Fak­tor. die Versklavung unseres Volkes durch das inter­nationale Kapital nicht nur ganz natürlich fänden, lon- bern daß sie diese Versklavung sogar wünschten, so ist das freilich mehr als eine Phrase, — das ist eine Perfidie, gegen die man sich nicht verteidigt, die man niedriger hängt. Wir wollen gewiß nicht leug­nen, daß auch auf der Gegenseite ideale Kräfte mit am Werke sind, aber diese Ideale sind überspitzt und wirk- lickkeitssremd und das Gute wird überwuchert und er­drückt von der Brutalität und der unoerhüllten Roheit, womit von den beiden radikalen Flügelparteien, den Na­tionalsozialisten und den Kommunisten, der Kampf ge­führt wird, llndeutsck bis ins Mark hinein ist die Form dieses Kampfes. Das ist der klarste Beweis, daß es sich unmöglich um eine hohe, heilige Sache handeln kann.

Die Nationalsozialisten haben es verstanden, in einem Schwall von Phrasen und militärischem Tamtam auch weite Kreise der katholischen Jugend zu umgarnen unb für sich zu gewinnen. Gar zu gern verwechselt ja die Jugend Freiheit mit Ungebundenheit, läßt sich verlocken durch Abenteuerlust, treibt lieber Soldatenspielerei, Äs daß sie den verwickelten wirtschaftlichen Problemen der Nachkriegszeit ernste Aufmerksamkeit zuwendet.

Doch müßte es genügen, zwei Antipoden ge­genüber zu stellen, um der katholischem Jugend die Augen für wahren Wert und währe Größe zu öffnen:

Adolf Hitler und Brüning.

In Hitler sehen wir den Mann, der unheimlich faszinie­renden demagogischen Phrase und der Selbst­verhimmelung In Brünjng dagegen sehen wir das Ur­bild eines wahrhaft deutschen Menschen in des Wortes höchster Bedeutung, den Mann der ruhigen, selbstlosen und entsagungsvol­len Arbeit, den Mann, der im täglichen Beispiel an Uneigennützigkeit und ehrlichem Wollen das vorlebt, was er von den anderen verlangen muß. Und wir sind stohz darauf, daß dieser, dem in schwerster Stunde da« Geschick des deutschen Vaterlandes in seine starken Hände gelegt wurde, einer der Unfrigen ist. Daß er auch über den engen Rahmen der Partei hinaus sich Anerkennung und Gefolgschaft zu verschaffen weiß, das haben bie Reichstaasoerhandlungen der letzten Wochen in kaum erhofftem Ausmaße erwiesen.

Dem Nationalsozialismus ist in Thü­ringen Gelegenheit geworden, darzutun, wie weit er