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SoalMonspolMk und Rom.

Don unserem römischen Mitarbeiter.

-Der Osservatore Romano" nimmt nicht oft zu taktischen Fragen der Politik Stellung Wenn es *her aeichieht, so kann man dessen gewiß sein, da» >ie Tragweite sorgsam erwogen ist. Namentlich die Auseinandersetzung mit dem Faschismus voll­riebt sich in der abgewogensten, dafür auch un­antastbarsten Form. In den letzten Wochen ist es " einer bemerkenswerten Polemik gegen die von >er Tribuna" geäußerten Auffassung gekommen, als verdanke Italien dem Faschismus allein alle Besserung auf religiösem und moralischem Gebiet, und als sei alles Unheil in der Koalition zwischen katholischen Politikern und Parteien mit soziali­stischen, „freimaurerischen" und verwandten Par­teien begründet.

Der „Osservatore" würde gewiß kaum so grund- •fcb und wiederholt diesen Gedanken aufgegriffen und widerlegt haben, wenn nicht auch ein allge­meiner Anlaß vorhanden wäre. Es ist natürlich im Vatikan vollauf bekannt, daß international von oewi ser Seite in Rom aus, die sich als beson­dere Hüterin des katholischen Ideals ausgibt, lastematisch darauf hingearbeitet wird, daß Katho­liken k-nne politische Verbindung mit solchen Par­teien eingehen dürfen, die das Christentum bekämp­fen oder direkt ablehnen. Verdächtig stimmen muß e« freilich, daß man von dem Lippenbekenntnis des Faschismus und einiger Nationalsozialisten, ja selbst o jen Anhängern der Action Francaise alles frei! erwartet, also Parteien, die zwar eine ge­wisse Christlichkeit aus Staatsraison betonen, die aber mehr oder weniger kein reines und klares katholisches Bekenntnis wollen.

An sich ist die katholische Stellung in dieser Be­stehung naturgegeben, und das Zentrum hat im «ause seiner Geschichte oft genug den Beweis ge­liefert, daß es diese Situation ohne größere Schwie­rigkeit zu meistern vermag. Papst und Kirche ha­ben sich so oft zum Zentrum bekannt und ihre Anerkennung zum Ausdruck gebracht, daß schon darin eine Gewähr für die Bewilligung durch sie '^Man hat im Zentrum immer peinlichst b*auf gehalten, daß mit den anderen Parteien nur po­litische Verbindung gepflegt wurde, und daß kein christlicher Grundsatz, kein Dogma preisgegeben wurde. Das aber ist vom „Osservatore Romano" ausdrücklich als Voraussetzung bezeichnet worden. Er sogt, man mache den.französischen und deut­schen Katholiken zu Unrecht den Vorwurf des Bei­rats an der Kirche- denn sie hätten kein einziges Prinzip des katholischen Glaubens, der Sozial- und Morallehre der politischen Verbindung zum Opfer gebracht. Auch der Heilige Stuhl unterhalte Be­ziehungen zu «katholischen Staaten, und schließlich sei der Erfolg wesentlich maßgebend. Es komme darauf an, ob dadurch erhebliche Verletzungen des christlichen Gesetzes verhindert würden, und ob dem Siegeszug des Bolschewismus dadurch eine Barrikade errichtet werde.

' Aus der Tatsache, daß der Papst dazu bisher geschwiegen habe, folgert der „Osservatore", daß er offenbar keinen Anlaß zum Einspruch gehabt habe. Sehr richtig steht das vatikanische Organ, daß jene um das Wohl der Kirche scheinbar so be­sorgten Nationalisten tatsächlich nur eine religiöse Kulisse vor ihre machtpolitischen Ziele schieben. Sie wollen in Wirklichkeit nicht dem katholischen Ideal dienen, sondern im Gegenteil die volle und rest­lose Verwirklichung desselben verhindern. Der Kirche soll nur so weit ihr Reckst werden, wie sie es für nützlich und ihren staatlichen Zwcken gut halten.

Das päpstliche Blatt erinnert die „Tribuna" daran, daß das faschistisck)e Italien auch mit Sow­jetrußland und der Türkei befreundet sei, und daß es zum Beispiel in Genf beantragt habe, beide zu den Verhandlungen hinzuziehen, obwohl der Fa­schismus den Kommunismus bekämpfe und den Islam ablehne.

Die Tatsache, daß diese Debatte von der Fa­schistenpresse immer wieder heraufbeschworen wird, beweist, daß sich der Faschismus in Italien doch noch nicht so fest im Sattel fühlt, als er es nach außen hin markiert. Man fürchtet immer noch, daß eine Neuauflage der katholischen Volkspartei entstehen könnte, und darum muß dieser „Feind"

immer aufs neue totgeschlagen werden. Unerhört ist es dabei, daß man der „Popolari" unablässig geheime Verbindungen mit Freimaurern, Sozia­listen, der Katholischen Aktion und hohen kirchlichen Stellen unterschiebt, alles im schönsten Gemisch. Dabei erreicht man dann zugleich eine Diskreditie­rung der Kirche und der Katholischen Aktion, der einzigen Größen, die man heute fassen kann.

In Deutschland aber wird man dem „Osserva­tore Romano" Dank wissen, daß er in klarer Weist unmißverständlich gesprochen hat unter direkter Nennung der Gruppen und Parteien, die gemeint sind, einschließlich unserer Nationalsozialisten.

* Ein Aukochauffeur ermordet. Aus der Saar, unterhalb Saarlouis wurde die Leiche eines Man­nes geländet. Es handelt sich um den seit einigen Tagen verschwundenen Taxichauffeur Julius Ser­vet aus Saarlouis, dessen Auto am vergangenen Dienstag auf der Landstraße verbrannt aufgefun­den wurde. Es hat sich jetzt bestätigt, daß Servet einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Schädeldecke war eingeschlagen; da das verein­nahmte Geld und Wertsachen fehlen, liegt offenbar Raubmord vor. Die Leiche wurde von der Staats­anwaltschaft beschlagnahmt. Von dem Täter sehlt noch jede Spur.

* Nach zehn Jahren wegen Gattenmordes ver­haftet. Durch Beamte der Staatsanwaltschaft Köln ist die 51jährige Witwe Schäfer aus Hacken­heim bei Kreuznach wegen Mordverdachts ver­haftet und in das Untersuchungsgefängnis in Bad Kreuznach eingeliefert worden. Sie war vor zehn Jahren mit einem trunksüchtigen und gewalttätigen Polizeibeamten in Köln verheiratet. Dieser Mann wurde eines Morgens mit Leuchtgas vergiftet in seiner Wohnung aufgefunden. Schon damals be­standen starke Verdachtsmomente gegen Frau Schä­fer. Sie vermochte aber durch ein Alibi nachzuwei­sen, daß sie in der Nacht, in der ihr Mann ums Leben kam, in Hackenheim bei ihrer erkrankten Mutter 'weilte. Das Verfahren wurde daraufhin gegen sie eingestellt. Vor einigen Tagen jedoch griff die Staatsanwaltschaft auf Grund eines Ge­ständnisses einer Bekannten von Frau Schäfer die Sache wieder auf. Diese mit der Verhafteten be­freundete Frau hatte auf dem Sterbebette gestanden, daß sie vor zehn Jahren auf Veranlas­sung und zu Gunsten der Frau Schäfer einen

Meineid gele ift ei yuuc, vn das gewünschte Alibi sicherte. Die Täterin hat die Tat inzwischen dem Untersuchungsrichter e i n g e- st a n d e n.

* hauseinstur; bei Neapel. Ein eigenartiger Unglücksfall wird aus einer Ortschaft in der Nähe Neapels berichtet. Ein zweistöckiges Haus war über einer etwa 20 Meter hohen Erdhöhle erbaut wor­den. Das Grottengewölbe, das das Haus trug, stürzte am Freitag mit dem gesamten Gebäude ein. lieber die Anzahl der Hausbewohner, die dem Ein­sturz zum Opfer fielen, ist noch nichts Genaues be­kannt. Bisher find drei Schwerverletzte geborgen.

* Der Kampf gegen die Ehlacogoer Unterwelt. Die amerikanische Regierung hat den ersten ent­scheidenden Schlag gegen die Chicagoer Unterwelt geführt. Arbeitersekretär Dock hat die Deportation von Tony Volpe, allgemein unter dem Namen „Mops" bekannt, nach Italien angeordnet. Volpe hat die hohe Stellung des Hauptleibwäch­ters Al Capones, des Königs der Chicagoer Banditen, inne. Der Präsident der Handelskam­mer von Chicago Randolph führt in einem Artikel aus, daß die Hälfte d er P o lize i von Chi­cago im Solde Al Capones stünde.

Raub am Postfchalter.

Ein junger Mann greift durch das Schalterfenster einen Pack Geldscheine und flüchtet. — Er wird verfolgt und festgenommen.

Im Berliner Postamt N. 54 in, der Lothringer Straße wurde Freitag abend ein dreister Raub verübt. Kurz vor 7 Uhr befanden sich viele Kun­den im Schalterraum, unter ihnen auch ein jün­gerer Mann, der anscheinend eine Postanweisung aufgeben wollte Als die Reihe an ihn kam, griff er plötzlich durch das Schalterfenster nach einemStapel von Geldscheinen. Einige konnte er fassen und damit flüchten. Ein Postschaffner hatte den Raub beobachtet und eilte dem Räuber nach. Auf der Straße kam es zwi­schen beiden zu einem Ringkampf, in dessen Verlauf der Räuber den Beamten heftig in den Daumen b i ß. Vorübergehende über­wältigten den Räuber. Er wurde der Polizei über­geben. Den geraubten Geldbetrag, dessen Höhe noch nicht festgestellt ist, hatte er unterwegs fort­

Ml Miüno für Aufbau und Ordnung!

DiepolMfche Kundgebung des kakhol. Jungvolkes am Mittwoch abend 8.15 Ahr im großen Stadlsaal hat folgendes Programm:

1. „In Treue fest", Marsch ....... von Teile

2. Vorspruch „Wir bauen sie doch . . ."

3. Ouvertüre von Wonnsbacher-Dölk ■

4, Peter Reichensperger spricht über „Brünings Kampf um Deutschlands Rettung"

5. Deutsche Volksweisen.........von Ritter

6. Ansprache von Junglehrer Gesang und Schlußwort.

7. Deutschlandlied.

Katholiken Fuldas, Freunde des Jung-Zentrums, erscheint in Massen!

towm..«.«, ro Pfennig! Katholische Zugeadgemeiaschast, gutoa.

geworfen. Er konnte nicht mehr gefunden werden. Der Räuber, namens Rohrmacher, ist 26 Jabre alt. Er gehört zu dem großen Heere der Arbeitslosen und hat anscheinend keine feste Wohnung.

* Tödlicher Unfall eines italienischen Generals. Wie „Tribuna" aus Florenz meldet, wurde Freitag vormittag an der Eisenbahnstrecke Florenz-Brato die Leiche des Generalleutnants der Miliz und ehemaligen Divisionskommandanten General An­dreas Eraziani aufgefunden. Man nimmt an, daß der 67jährige General das Opfer eines Unfalles geworden ist, wahrscheinlich dadurch, daß sich eine Zugtür plötzlich öffnete. Der General befand sich auf der Fahrt von Rom nach Verona wo sich seine Familie aufhält. General Eraziani war einer der bedeutendsten Organisatoren des Widerstandes nach Caporetto und hat während des Krieges die tschechischen Legionen in .Italien ge­schaffen. ______

Warum tuberkulös?

Von Stabtmebijinalrat Dr. Aschenheim- Remscheid.

Cs ist verwunderlich, wie wenig die Menschen auch heute noch über das Wesen der Tuberkulose wifsen, wie alte Anschauungen sich in. der Gedan­kenwelt der Laien behaupten. Im Vordergrund steht im allgemeinen heute noch die Anschauung, daß die Tuberkulose eine vererbbare Krankheit ist. Manchmal müssen auch soziale Ansichten zur Klä­rung der Tuberkulose herhalten. Kein Arzt wird bestreiten, daß beide genannten Momente für Ent­stehung und Verlauf der Tuberkulosekrankheit vcn Bedeutung sind; was aber bei der Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit das wichtigste ist, nämlich daß die Tuberkulose eine ansteckende Krankheit, eine Seuche ist, das ist viel zu wenig in das Bewußtsein der Massen eingedrungen. Und doch ist es gerade der Punkt, von dem aus die Tuberkulose am wirkungsvollsten bekämpft werden kann. Zur Bekämpfung der Ansteckungsgefahr kann auch durch Aufklärung und Mitarbeit eines jeden außerordentlich viel geleistet werden. Ohne Vorhandensein des Erregers der Tuberkulose, des Tuberkelbazillus, kann bei noch so empfänglicher Körperbereitschaft, bei noch so elenden sozialen Verhältnissen keine Tuberkulosekrankheit entstehen. Diese Wahrheit muß unser ganzes Tun und Han­deln beeinflussen. Der Tatbestand von häufig und immer wiederholten Ansteckungen kann auch von entscheidender Bedeutung sein, ob jemand nur mit Tuberkulose angesteckt wird oder an Tuberkulose er- krankt. Wir wissen ja heute, daß sehr viele Men- lchen mit Tuberkulose angesteckt werden, daß aber meistens der Körper den eingebrungenen Feind besiegt, ohne je Krankheitserscheinungen zu zeigen. Nur eine Minderzahl erkrankt an der Tuberkulose­krankheit. Mag hierbei auch Körperbeschaffenheit und Ernährungszustand von Einfluß sein, wichtiger ist es doch, ob ein empfänglicher Körper einmal ei­nem Feuerüberfall von Tuberkulosebazillen ausge­setzt ist oder in dauerndem Trommelfeuer liegt; letz­terem erliegt schließlich auch der widerstandsfähigste Körper, ohne also auf andere Dinge, z. B die Milch tuberkiilöser Kühe, einzugehen, deren Be­deutung nicht gering beachtet wird, muß doch bet der Bekämpfung der Tuberkulose im Vordergrund die Tatsache stehen, daß die Tuberkulose als an­steckende Krankheit vorwiegend direkt von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Aufdeckung und Ausschaltung der Änsteckungsguelle ist eine Arbeit, die die Kenntnis des Seuchencharakters dieser Krankheit beim Publikum voraussetzt. Jnsbeian­dere beim Kinde, dessen Berührungskreis mit Frem­den im ganzen gering ist, sollten Eltern und Leh­rer sich dieser Tatsache stets bewußt fein und ihre Kinder von der Berührung mit hustenden Tuber­kulösen möglichst fernhalten.

Tagessprüche.

Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muß auf Wechsel gefaßt sein. (Goethe.)

Erziehen heißt, aufwecken vom Schlaf, mit Schnee reiben, was erfroren ist, abkühlen, was brennt.

(Hippel.)

Weise ist, wer nicht traurig ist über das, was ec nicht hat, vielmehr froh über das, was er hat.

(Epiktet.)

Rolande wird gellebk

Roman von Pierre L'Ermite

Autorisierte llebersetzung aus dem Französischen von Thea Kara.

Copyright by Karl Köhler u. Co., Berlin-Zehlendorf.

9J -----------

„Du glaubst nicht, daß?--

.-Ich glaube nicht, daß!--"

»Du fürchtest nichts?"

,,3d) fürchte nichts mehr!"

«Dennoch hast du neulich ein böses Gesicht gemacht. Leugne es nicht! Du haft ein böses Gesicht gemacht —."

-Hch habe mir hinterher Vorwürfe gemacht. Ich wie- oerhole dir: du hast mir so offen, so reizend gezeigt, daß >ch Unrecht hatte. Ich will niemals wieder Unrecht wen. Hörst du, niemals wieder!"

Seine Augen ruhten liebevoll auf ihr, lange sieht er ne an in dem kleinen Gäßchen, wo sie ganz allein sind.

Ohne sich ihr zu nähern, ohne auch nur ihre Hand M erfassen, singt er leise das Lied, das er neulich ge­spielt hatte:

„O Magali, meine Heißgeliebte, Zeige dein Köpfchen am Fensterlein!"

Dann verläßt er sie. — —

Rolande sieht ihm nach. Wird er sich noch einmal Ilmwenden?

Aber er wendet sich nicht um.

Ltolze Naturen legen keinen Wert auf solche Kleinig- "etten.

Warum solltest du dich umwenden, Filbert?

, Warum dein Geheimnis der Neugier der Vorüber­gehenden ausliefern?

Warum? Du bist deines Besitzes sicher! Mit dieser ^wißheit im Herzen kannst du warten!

Elftes Kapitel.

Nach einer Viertelstunde kam der junge Bewohner er alten Krabbe mit zwei Eimern bewaffnet zurück. « ?ie Tür war halb offen geblieben, offenbar für ihn.

r °f{nete sie vollends, er befand sich in demselben Haus­

flur, vor demselben Faraud, der diesmal, da er bereits vorgestellt war, nicht bellte.

In dem Augenblick, als der junge Mann überlegte, ob er weiter vordringen könne, erschien Rolande, eine ganze Blumenlast im Arm tragend.

Blumen! Blumen — und wieder Blumen! Ec war die Beschäftigung, fast das Amt Rolandens, drei- bis viermal am Tage ausgeübt, bald für irgendein Zimmer des Hauses, bald für Gäste, bald für die Kirche, die Mut­tergottes-Kapelle oder für die Kapelle der im Kriege gefallenen rrongehörigen.

Heute waren die Blumen für die Kapelle der alten Krabbe bestimmt.

Sie erschien dem jungen Pariser, der mit seinen sechsundzwanzig Jahren hier auf der Insel gelandet war, der sich nach Schönheit, nach Liebe sehnte, wie ein Bild aus einer anderen Welt.

Der Abbe hatte Rolande heute morgen ebenso ge­sehen. -V

Aber der Abbe war der Abbe! Er sah diese Sachen mit anderen Augen an. Er stand über aller mensch­lichen Bewunderung, über der menschlichen Liebe. Er hatte nur mit Beschämung an die vergessenen Kochtöpfe gedacht und daß er und seine fünfzig Schützlinge von der Güte anderer abhängig waren.

Aber für den jungen Mann, dessen Herz frei war, bedeutete der Anblick Rolandens Liebe auf den ersten Blick, über die diejenigen so gern spotten, die sie niemals kennen gelernt haben.

Wenn er die Hände vor diesem wundervollen Bilde nicht faltete, dann nur, weil er höchst prosaisch zwei riesige Stalleimer trug. Holzeimer mit Eifenreifen, von denen jeder einige Kilo wiegen mochte. Gegenstände, die nichts mit poetischen Gefühlen zu tun haben.

Das Schweigen währte ein wenig lange. Rolande, die trotz ihres madonnenhaften-Aussehens die Sachlage begriffen hatte, eröffnete die Unterhaltung mit der geist­reichen Frage:

„Sie kommen wohl wegen des Wassers?"

„Ja, mein Fräulein."

„Sind Sie allein?"

„Ja, mein Fräulein."

Er hätte hinzufügen können: Sie sehen ja, daß ich

nen.

.Bitte, Rolande, zeige dem jungen Manne den Brum Für wen sind die Blumen?"

ir Zur Bereitung

L von Suppen und Soßen

allein bin! Sie werden doch nicht glauben, daß ich so dumm wäre, gerade jetzt einen Kameraden mitzubringen.

Glücklicherweise öffnete sich die Tür, und Tante Cä­cilie erschien.

Ste bemerkte sofort, daß die jungen Leute befangen waren. Ohne es zu wissen, wiederholte sie dieselbe un­nötige Frage, die Rolande vorhin gestellt hatte und sagte dann:

Das wäre wirklich schade. Sie sind so fein angezogen. Nehmen Sie die Blumen, die sind weniger schwer."

Rolande legte ihre Last dem jungen Manne in die Arme.

„Du hättest sie ein wenig ordnen sollen," meinte die Tante.

„Du hast Recht, aber ich hatte keine Zeit."

Mit der Rosenschere schnitt Rolande geschickt die überflüssigen Blätter ab, entfernte die Dornen und ord- nete die Blumen, die der junge Mann in feinen Armen

MAGGI5

Fleischbrühe

„Für die Kapelle der Ferien-Kolonie."

„Das ist ein glücklicher Gedanke, liebe Rolande. Das freut mich." Und bann zu dem jungen Mann gewandt:

„Bitte, hierher, mein Herr." Durch verschiedene Wege führte die Tante nun den jungen Mann selbst zu dem Brunnen, der sich in der Mitte des Gartens befand.

Die Tante beobachtete ihren Begleiter, der einen eleganten grauen Anzug trug und eine weiße Mütze mit der Kokarde der Pfarrei.

Sie fand diesen Angehörigen der Kolonie sehr destin- guiert, aber ungeachtet dieses guten Eindruckes mußte sie ihm doch jagen, daß er das Wajjerfchöpfen nicht ver­stand, aber ganz und gar nicht.

„Rolande, zeige ihm doch, wie man den Eimer in den Brunnen läßt, um das Wasser nicht zu trüben."

Rolande, die die Sache amüsant fand, erklärte dem jungen Manne, daß er unmöglich mit feinen vorsintflut­lichen Eimern Wasser schöpfen könne und füllte sie dann aus einem leichten Eifer mit dem klarsten Wasser.

„Mein Fräulein, ich bin ganz beschämt . . . wirklich gebemütigt . . ."

„Ach, diese Pariser! . . . Können Sie sie wenigstens bis zur alten Krabbe tragen?“

„0, mein Fräulein, was denken Sie von mir?"

Der junge Mann, der mehr nervig als robust war, hob mit anscheinender Leichtigkeit die beiden Eimer auf.

Glücklicherweise für ihn tarn die gutherzige Philo- mele herbei. An solche Arbeit gewöhnt, nahm sie mit ihren starken Fäusten die Eimer aus den weißen Hän­den des jungen Mannes und mit dem Zartgefühl, das man oft bei den einfachen Leuten findet, sagte sie:

„Mein lieber Herr, lassen Sie mich die beiden Kübel tragen, Sie würden ganz durchnäßt drüben ankommen.

hielt.

Tante Cäcilie beobachtete die Szene mit listigem Lä­cheln.

„Sie bleiben länger auf der Insel?" fragte sie end­lich.

„Emen Monat, So lange findet man Aufnahme in der Kolonie. Sie können sich denken, mein Fräulein, daß mir diese Erholung nottut. Das Pariser Leben wird immer aufreibender, nervenzerrüttender, mit all den Bahnen, Autobussen, Automobilen, Telephonen. Um 8 Uhr morgens muß ich im Dienst fein, besonders da ich eine verantwortliche Stellung einnehme."

„Sie haben schon große Verantwortung?"

„O ja, so ziemlich. Ich bin Prokurist in einer be­deutenden Bank."

„So jung?"

„Ich bin sechsundzwanzig Jahre alt. Ich bin jung eingetreten, und der Direktor der Bank ist mein Onkel. Und dann--," der junge Mann errötete leicht, „ich

glaube, ich fülle mein Amt aus, wenn ich auch noch nicht mit dem Ziehbrunnen umzugehen weiß. Aber ich werde das auch noch lernen! Denn ich werde morgen abend wieder kommen — wenn Sie cs erlauben? Mir ist bas Wassertragen übertragen worben. Ein Amt, bas, wie ich jetzt schon sehe, mir mehr als angenhem fein wirb."

„Also, mein Herr, wir werben öfter bas Vergnügen haben, Sie zu sehen? Wollen Sie, bitte, dem Herrn Abbe wieberholen, baß, wenn er irgend etwas braucht, wir ihm mit dem größten Vergnügen aushelfen werden. Ich hoffe nicht, daß es indiskret ist, wenn ich Sie frage, mit wem ich bas Vergnügen habe zu sprechen?"

I (Fortsetzung folgt)