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Dienstag, den 3. Mürz 1931.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Sreisblatt)

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2 Pfg., Mischsendungen, d. h. Drucksachen und Warenproben zusammen, als Wurfsendungen ver­sandt, kosten 5 Pfg.

Deutscher Naturschutztag 1931.

Der diesjährige Vierte Deutsche Naturschutztag findet eom 8.—12. April 1931 in Berlin im gro­ßen Sitzungssaal des Preußischen Abgeordneten­hauses statt. Er ist zeitlich mit der 25 Jahr-Feier der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpslege in Preußen verbunden und wird sich neben einigen speziellen Fragen des Naturschutzes, insbesondere des Vulkanschutzes, vornehmlich den immer drin­gender werdenden Problemen der Landesplanung und Landschaftsgestaltung widmen. Mit der Ver­anstaltung ist eine Naturschutzausstellung in den Funkhallen verbunden. In den Rahmen der Ta­gung gehören zwei größere Ausflüge in das Na­turschutzgebiet Schorfheide in der Uckermark und Bodetal im Harz. Die Teilnahme an der Tagung steht jedem offen. Anfragen sind an die Geschäfts­stelle der Staatlichen Stelle für Naturdenkmal­pslege in Preußen, Berlin-Schöneberg, Grünewald straße 6/7 zu richten.

hell und klar und kalt. In der letzten Wo-che Schnee und Regen, zum Schluß Nebel. Ein zwei­ter Hundertjähriger meldet f ü r d i e e r st e M ä rz- wocke starken Schneefall, dann großes Tauwetter mit Hochwasser, dann wieder Kälte und schließlich für das Monatsende unbeständige Witte­rung. — Beide Hundertjährige stehen sich also wie Feuer und Wasser gegenüber. Bis jetzt scheint der zweite Kalender recht zu haben. Gestern nachmit­tag verwandelte wenigstens ein ungewöhnlicher heu­tiger Schnecsturm das Fuldaer Land in einer hal­ben Stunde wieder in die schönste Winterlandschaft. Doch ist es fraglich, ob die Herrlichkeit von langer Dauer sein wird.

Regiemugspeasideul und Gemeinden.

Bekanntlich spielt bei den jetzigen Haushalts­plan-Beratungen auch die Frage eine Rolle, ob die Regierung Ausgaben, die von der Gemeindevertre­tung als vermeidbar angesehen werden, durch die staatliche Aufsichtsbehörde zwangsweise herbeige­führt werden können, lieber die Auffassung, die m diesen Fragen an maßgebenden Stellen besteht, ist ein Erlaß des Regierungspräsidenten von Breslau bemerkenswert, in dem es heißt:

1. Die Gesamtsumme der Ausgaben in den Hausholtsanschlägen für 1932 und 1933 darf nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen höher sein als in den Haushaltsanschlägen für 1931. Mehreinnahmen sind für Schuldentilgung und Steuersenkung zu verwenden.

2. Mit Wirkung vom 1. April 1931 ab dürfen den Realsteuern der Gemeinden und Gemeindever­bände keine höheren Sätze zugrundegelegt werden, als sie in den Etats für 1931 festgesetzt sind.

Weiter heißt es:

„Die veränderte Wirtschafts- und Rechtslage ist nicht ohne Einfluß auf die Einstellung der Kommu­nen selbst und der Staatsbehörden ihnen gegenüber geblieben- War es bisher oft Pflicht der Behörden, die Gemeinden und Gemeindeverbände anzure- g e n, zu ermuntern, oder sogar zu zwingen, im all­gemeinen Interesse Ausgaben zu tätigen, so müssen sie jetzt jede nicht unbedingt notwendige Ausgabe verhindern. Die uns unterstellten Behörden haben daher in jedem einzelnen Falle eingehend zu prüfen, ob es sich mit der Pflicht der gebotenen Ausgabenersparnis vereinbaren läßt, irgendwelche Maßnahmen zu ver­langen, die den Gemeinden und Gemeindeverbän­den auch nur geringe Kosten verursa­chen. Wenn Ausgaben verlangt werden müssen, so sind sieaufdas Mindestmaß zu be­schränken.".

*

Die Gemeinden dürfen nach dieser Erklärung wohl erwarten, daß gegen ihren Willen irgend­welche Ausgaben wohl nicht durch Aufsichtsbehör­den erzwungen werden, sondern die Aufsichtsbe­hörde denjenigen Gemeinden, die durch sparsame Ausgabenwirtschaft ihre Finanzen in Ordnung hal­ten, ihr allerhöchstes und uneinge­schränktes Wohlgefallen ausspricht.

Der erste März

dieses Jahres, der zweite Fastensonntag, bot in meteorologischer Hinsicht ein ungewöhnliches Bild. Zeitweilig schien Sonne, und man glaubte schon: da guckt ja der Frühling durch eine Spalte des Himmels. Aber schon zog etwas heran, das mit dem Junker Lenz nicht die geringste, mit des alten Herrn Winter grimmen Zügen aber größte Aehnlichkeit hatte. Der Himmel verfinsterte sich und eine Schneemasse ging über die erstaunten Menschen nieder, wie sie selten zur Beobachtung kommt. Eis und Schnee war wieder im Besitz der Macht. Dazwischen heulte ein wilder Wind. Krise in der Wetterlage! Hoffentlich ist es die Gesun- dungskri'se und blühen am St. Josephstag auch in diesem Jahre die Veilchen.

Der März im Hundertjährigen.

Dem hundertjährigen Kalender darf man dies­mal das Zeugnis ansftellen, daß er das Wetter für Februar, von Kleinigkeiten abgesehen, richtig vorausgesagt hat. Für den März prophezeit er nun folgende Witterung: Beginn windig und reg­nerisch. Dor Monatsmitte rauh. Rach dem 15.

In der Harmonie hielt am Sonntag nachmittag die K r e i s v e r e i n i g u n g Fulda in der kom­munalpolitischen Vereinigung der Deutschen Zen­trumspartei eine Tagung ab, in der man sich ins­besondere mit dem außerordentlich ernst geworde­nen Problem der kommunalen Fi­nanzen beschäftigte. Der Vorsitzende, Haupt­lehrer Vogel -Künzell, der die Versammlung un­ter Hinweis auf den Volkstranertag mit einem Ge­denken der Gefallenen eröffnete, konnte in feiner einleitenden Ansprache u. a. den Landtagsabgeord­neten Amtsgerichtsrat R h i e l, die L a n d r ä t e von Fulda und Gersfeld, den Oberbürger­meister der Stadt Fulda, den Kommunalland- tagsabgeordireten Rektor Sondergeld-Hünfeld sowie einige Mitglieder der städtischen Zentrums­fraktion und der Zentrumsfraktion des Kreises Hünfeld als Gäste begrüßen.

Zunächst legte Diplom-Volkswirt Kamp­mann von der Geschäftsstelle der kommunalpoli- schen Vereinigung in Köln in einem längeren Re­ferat die Bedeutung der Bestimmungen der Notverordnung vom 1. 12. 1930 für die Haushaltspläne der Gemeinden dar. Die genannte Notverordnung sieht bekannt­lich eine Verkoppelung der Bier- und Bürger st euer mit der Höhe derReal- steuern vor. Sind die Realsteuersätze in einer Gemeinde im kommenden Etatsjahr höher als der Landesdurchschnittssatz ober überschreiten die Ge­werbesteuersätze im kommenden Etatjahr die von 1929, dann ist die Gemeinde verpflichtet, die Dier- und 'Bürgersteuer einzuführen. Die voraus­sichtlichen Landesdurchschnittssätze

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für Preußen sind bei der Gewerbeertrags, steuer 531 Prozent, bei der Gewerbekapitalsteuer 1142 Prozent, bei der Lohnsummensteuer 1714 Prozent und bei der Grundvermögensteuer 260 Prozent.

Daneben besteht ein Zwang, die Realsteuern zu senken, wenn die Sätze über den Landesdurch- schnittssätzen liegen. Die Senkung beträgt bei her Gewerbesteuer 20 Prozent, bei der Grundoermö- genfteuer, soweit es sich um landwirtschaftlich ge­nutzte Grundstücke handelt, 10 Prozent. (Bei stadtl. schein Hausbesitz ist eine Senkung der Havszms- fteuer mit 3 Prozent vorgesehen.) Die betreffenden Gemeinden erhalten für den Einnahmeausfall aus Mitteln der Hauszinssteuer sowie aus einem be- sonderen Fond eine gewisse Entschädigung. Ins- gesamt werden 145 Millionen Mark vom Reich für diesen Zweck bereitgestellt.

Die einschneidenden Bestimmungen der Notver- ordnung bezüglich der Finanzgebarung der Kom­munen, werden bei vielen Gemeinden ein erheb­liches Kassendefizit zur Folge haben. Nur bei strengster Prüfung des Haushaltsplans und rigoroser Streichung aller nicht lebensnotwendigen Aufwendungen wird eine Bewältigung der finan- chellen Schwierigkeiten möglich fein. Im Interesse der Selbstverwaltung wäre es wünschenswert, wenn die Eemeindekörperschaften von sich aus die notwendigen Beschlüsse fassen und es nicht zur Be­stellung eines Staatskommissars kommen lassen würden. Wie der Redner mitteilte, denkt man seitens der Regierung bereits daran, notfalls ei­nen Arsikel 48 für die Gemeinden zu schaffen, der den Bürgermeistern und Gemeindevorstehern das Recht geben soll, von sich aus die Steuern einzu­führen, wenn das Gemeindeparlament versagt.

Die Gestaltung des kommenden Haushaltsplans in den Kommunen wird auch entscheidend sein für das Jahrs

kommunalpoMlsche Tagung in Fulda Die Finanznok der Gemeinden.

Die Jagd im März.

„Märzschnee tut den Saaten weh", aber auch den Hasen: so lautet eine alte, ins Jagdliche über­tragene Bauernregel. Der Februar hat in fast allen Revieren noch reichlichen Schneefall gebracht, nachdem der diesjährige Winter im allgemeinen ein reckst milder war. Hoffentlich bringt nun ber März nicht noch mehr Schnee oder starke Nieder­schläge. Dann wird man, wie die illustrierte Jagd­zeitung „Wild und Hund". Berlin SW. 11, schreibt, auf ein gutes Iogbjahr rechnen können. Kommt auch Heuer wieder der im März gesetzte Ist n g- hase durch, so wird die Besserung unserer Niedec- wildbestände, die im vergangenen Jahr zu beobach­ten war. angehalten Denn ein trockener Lenz­monat ist nicht nur für Mümmelmannes Sippe günstig, sondern er fördert auch das Paar- und Brutgeichäft unseres Flugwildes. Allgemein tritt in diesem Uebergangsmonat das Jagdliche vor dem Hegerischen in den Hintergrund. Bei Revier­gängen führt man jetzt am besten die Klemkaliber- büchse ober den Drilling und säubert damit nach Möglichkeit die Wildbahnen von zwei, gerade in ber nahenden Blutperiode gefährlichen Feinden: von wildernden Hunden und umherstreunenden Katzen. Bei solchen häufigen Hegegängen in der „stillen" Jahreszeit wird man im übrigen auch etwaigen Wilderem und Schlingenstellern am besten auf die Finger sehen können

Unferm Schalenwild bringt ber natürlich be­dingte Aesungswechiel mancherlei Gefah­ren. Nach den Wintermonaten zeigt es ein ge­steigertes Aesungsbedürfnis. Nimmt es dann zu­viel von den frifch sich bestockenden Roggenichlägen und Wiesen auf, so treten leicht Verdauungsstörung gen ein. Daher darf vorläufig noch nicht die künst­liche Fütterung von Trockenfutter aufhören. Das gibt einen guten Aefungsausgleich. Auch das Be­dürfnis nach mineralischen Stoffen, die nicht nur der Geweih- und Gehörnbildung, sondern auch dem ganzen Tierorganismus förderlich sind, ist eben­falls ein großes. Daher sollte man frühzeitig be­ginnen, die Salzlecken nachzusehen, bezw. neue änzulegen. Die Einrichtung von Salzlecken ist eine fast mühelose und mit ganz gerin­gen Kosten verknüpfte Hegearbeit, von ber sich kein Revierinhaber ausschlußen sollte.

Die Rothirsche werfen im März, sofern das noch nicht im Vormonat geschah, ihr Geweih ab. Etwas später ber Damhirsch. Die Jagd daraus ist nun gottlob überall geschlossen, und dem passio­nierten Weidmann liegt es nur noch ob, für mög­lichste Ruhe während der Wiederaufbguzeit zu for- gen. Die Rehböcke haben zumeist schon fertig gehoben: unter schützendem Bast reift bas neue Gehörn heran. Den Ricken steht man zumeist schon das Beschlagensein an. Also auch hier: Ruhe und nochmals Ruhe!

Auch das S ch w a r z w i l d, zu dessen Bejagung der Februarschnee noch günstig kam, sollte man nun in Ruhe lassen, auf jeden Fall aber die kurz vor dem Frischen stehenden Bachen schonen. Da die Sauen im allgemeinen bisher nicht Not litten, ]o kann man sich durch den Abschuß eines Keilers oder Ueberläufers dort schützen, wo sie zu Schaden gehen.

Nach dem Gesetz ist in einigen Ländern die Jagd auf Auerhähne sowie Schnepfen auf. Wer es mit seinem Revier gut meint, beginnt die Jagd aber nicht zu frühzeitig. Auf Schnepfen keine Frühjahrssuche! Ein mäßiger Abschuß aus dem Strich zur Uhlenflucht ist zu verteidigen und bietet dem Weidmann Freude, für die er dankbar sein soll. Auch den Trapvhahn, ber in fast allen ßänbern im März Schußzeit hat, kann man in einzelnen Eremplaren erlegen, wo er noch leidlich vertreten ift — Einem echten Weidmann zur „stil­len Zeit" Weidmannsheil wünschen, heißt: ihm Be­friedigung in der Erfüllung der hegerischen Pflich­ten wünschen. In diesem Sinne: Weidmannsheil im Monat März!

Erledigte Oberförsterstelle.

Die Oberförsterstelle Hersfeld-West im Regierungsbezirk Kasse! ist zum 1. Juni 1931 ju besetzen. Bewerbungen müssen bis zum 20. März 1931 eingehen.

Bestandene Prüfung.

Die Prüfung als Maschinen-Jngenieur bestand an der höheren Technischen Staatslehran­stalt in Nürnberg Herr Paul ©tegmaier aus Fulda.

Staatliches Gymnasium.

Es wird aufmerksam gemacht auf die in unserer Sonntagsnummer erschienene Anzeige, die die An- melbe- und Aufnahmebestimmungen des Staat­lichen Gymnasiums enthält. Für die zur Sexta angemeldeten Grunbschüler findet eine Aufnahme­prüfung nicht mehr statt.

Das Fuldaer Stadtgebiet.

Die Größe des Fuldaer Stadtgebiets einschließ­lich des früheren Gutsbezirks Ziehers beträgt 1111,54,63 Hektar. Im Eigentum der Stadt Fulda stehen hiervon 252,03,92 Hektar. 123 Hektar städtisches Eigenland und 13 Hektar Domänenpacht­land, zusammen 136 Hektar, sind an etwa 1000 Pächter abgegeben. Im Erbbaurecht sind bis jetzt rund 14,5 Hektar städtisches Gelände an 140 Erbbauberechtigte abgegeben. Alle Erbbau­berechtigten haben bereits die Grundstücke be­baut.

Vom St Notburga-Verein!

Die Exerzitien für die weiblichen katholischen Haus­angestellten.

Gestern, Sonntag abend, fand im Saale des Marienheimes die angetünbigte Eröffnung der Exerzitien für die hiesigen weiblichen Hausange­stellten statt. Der Einladung des Notburga-Vereins war in größter Vollzähligkeit Folge geleistet wor­den. Dor dem bis auf den letzten Platz besetzten Saale konnte um 8.30 Uhr der Exerzitienleiter, Pater Willems aus Köln, die hl. Hebungen be. ginnen. Seine Ausführungen bekundeten ein fei­nes Einfühlungsvermögen in die geistige Haltung des Hausangestelltenstandes. Mit gespanntester Auf­merksamkeit folgten alle Anwesenden der dringen­den, nachhaltigen Aufmunterung zur rechten Pflege der Besinnlichkeit, zu harmonischem Ausgleich des Martha- und des Mariendienstes. Tiefe religiöse Ergriffenheit erfaßte sichtlich alle Zuhörerinnen und hielt sie während der ganzen Ausführungen im Banne. Kein Wunder, daß nach diesem so wohl- gelungenen Anfang auch zum zweiten Exerzitien- vortrag heute früh um 5.30 Uhr die Severikirche dicht besetzt war. Die Opferfreudigkeit und das religiöse Interesse ber Teilnehmerinnen kann man nicht genug bewundern. Gewiß werben sich da­rum auch diese Gnadentage für die Beteiligten und, sagen wir ruhig, auch über ihren Kreis hin­aus recht segensreich auswirken.

. einem Kriegsteilnehmer wird uns l'Wteben: Wenn wir, wie gestern, an den Grä- unserer Kameraden aus dem Wellkrieg stehen ttnrfi J?ännlicher Ernst in den Gesichtern der heute so beherrschten alten Soldaten merken

Einen begeisterten Empfang

bereiteten gestern abend viele Hunderte von Fuß­ballanhängern den um 9 Uhr aus Göttingen sieg­reich heimkehrenden Borussen. Die Bahnhofshalle, ber Bahnhofsplatz und die halbe Bahnhofstraße waren schwarz von Menschen, die die 11 Mann mit freudigen Rusen begrüßten. Der Jubel war berechtigt. Endlich ist es Borussia gelungen, sich auf dem grünen Rasen und gegen den grünen Tisch durckMsetzen. Die Genugtuung der Fuldaer ist um so größer, weil man sie in der vergangenen Woche von Kassel her mit von Tag zu Tag anders lautenden Meldungen an der Rase herumgeführt hatte. Jetzt hat sich die Fuldaer Mannschaft eine klare Entscheidung erkämpft. Wegen des Volks­trauertages hatte man davon abgesehen, die Sieger in der üblichen Weise mit Musik vom Bahn­hof abzuholen. Hoffentlich kann die Fuldaer Sport­gemeinde die Borussen am Abend des kommenden Sonntag nach dem Spiel gegen 03 Kassel mit Mu­sik durch die Straßen führen.

Krastposl Fulda—Brückenau.

Der vom 27. Februar ab auf der Teilstrecke Motten—Brückenau eingestellte Kraftpostverkehr wird von heute ab wieder voll aufgenommen.

Vas wird mit 4 pfg. frankiert?

Durch den am 1. März in Kraft getretenen neuen Tarif für die Versendung von Drucksachen ist die Anferttgung einer Briefmarke zu 4 Pfg., die es bisher noch nicht gab, veranlaßt worden. Druck­sachen in Form einfacher, ohne Hmschlag versandter Karten, auch mit anhängender Antwortkarte, ko­sten 3 Pfg. Jrn übrigen kosten Drucksern Im Ge­wicht bis zu 20 Gramm 4 P,g., bis 50 Gramm 5 Pfg., bis 100 Gramm 8 Pfg. Postwurfsendungen in Form von Drucksachen bis zu 50 Gramm kosten

fangSabteilung des Katholischen Gesellenvereins einen Chor von Benecken. Die Ansprache hielt ber Vorsitzende des Reichsverbandes, Stadtrat Otto Heydt. Er gedachte der edlen Gesinnung,, in ber unsere Soldaten hinausgezogen sind zum Schutze der Heimat und des Volkes. Und Millio­nen haben ihr Leben in treuer Pflichterfüllung für diese hohen Güter lassen müssen. Schwerer noch ist vielleicht das Los derjenigen gewesen, die den gefallenen Gatten, Bruder, Freund in der Heimat beweinten. Ein Stoorn von bitteren Tränen und von wildem Schmerz knüpft sich an die Grabhügel, die auf den Schlachtfeldern in der weiten Welt und auf den Ehrenfriedhöfen in der Heimat sich erheben. Ms nach Schluß der Ansprache die Musik das: „Ich hÄt' einen Kameraden" anstimmten, senkten sich die Fahnen und die Versammlung stand in ehr­fürchtigem Schweigen. Es wurde dann zu dem stattlichen Kranz, mit dem von der Stadt Fulda das Mal der Gefallenen geschmückt worden war, wettere Kränze niedergelegt von dem Jungdo, den bereinigten Militärvereinen, dem Reichsban­ner und dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Das Opferlied von Beethoven schloß die ernste Feier, die zu Ende war, ehe ein wilder Schnee- sturm einsetzte.

In Fulda war die Anteilnahme an dem Ge­denktag auch in diesem Jahre wieder sehr ftarl. Tuben Gottesdiensten der verschiedenen Be­kenntnisse wurde der Gefallenen, entsprechend der jeweiligen religiösen Auffassung, ehrenvoll gedacht. Die meisten Gebäude des Reiches, Preußens und der Stadt Fulda hatten die Fahnen auf Halbmast aeietzt Zu der Gedenk-Stunde, die vor­mittags 11 Uhr aus dem Ehrensriedho f statt- scmd, hatten fast alle Fuldaer Vereine Fahnen- aborbnungen entsandt. Außer den Spitzen der Fuldaer Behörden, darunter Oberbürgermeister, Landrat, Kommandeur des 5. Artillerie-Regiments, hatten sich viele Angehörige gefallener Soldaten eingefunden. Der Musikverein Dioneck leitete die Feier, die auch in diesem Jahre von der Orts­gruppe Fulda des Reichsverbands Deutscher Kriegs- beschädigten und Kriegerhinterbliebenen veranstaltet wurde, stimmungsvoll ein. Dann sang die Ge- Katholischen Gesellenvereins

Julba, den 2. März 1931.

Sin Zag der Befilmung.

-nie aefetzlichen Bestimmungen über den Tag des „ 9a„ dem Deutschland ber zwei Millionen

^r«5'unb ber noch größeren Zahl berjemgen ge- $D hie schwer beschädigt aus dem Weltkrieg zw öAJmm?nfinb, Wen noch. Zwischen Reich rU?Sern ff! über die Durchführung des Volks- un\rmaes ber von einer privaten Drgani- än dern Dolksbunb Deutscher Äriegsgraberfut- jattorir _ geben gerufen worden ist, noch nichts ab» tAfoftenbes vereinbart. Ilm in 3ufunft aber em >!^ttliches Vorgehen von Reich und Landern zu e,nJSetften will die Reichsregierung über die ß- ne der Festsetzung und Gestallung eines Gedenk- K für bie der bes Weltkrieges bis zum nach- 09 qlhre eine gesetzliche Regelung her- ^ifübren Sie wirb gut daran tun. (Einem hefge- -ÄA Bedürfnis des Volkes kommt fte nämlich suh/ten 8«• ton s Festlegung dieses Erinnerunas- mit 9^aen Das ze »die Anteilnahme, die der

tagrs entg ge^ ,to^tnd)e Anerkennung gefunden pf9 Siegen viele Anregungen zur Ausgestaltuna

Tages vor. So regt Ernst S^affer an, auch Lund Radio in den Gedanken des Dolkstrauer- mib Besinnungstages zu stellen.

Man zeige einen Film (einen stummen, aber tennod) . "u.AtnV den Auszug der Truppen Mit Lachen, Blumen, und überblende diese Silber mit Aus- Ämen der Friedhöfe von Flandern u Frankreich, von und Dolen, von Serbien und Sibirien, und wo ^„oÄuK liegen. Man zeige die Ausfahrt ber Loni»n Flotte unb überblenbe sie mit Bildern fintenber AWffe mit Hunderten von ertrinkenden Menschen. Und Ehrlich es gibt genug zu sehen, man zeige nur bas 6. fflräberfelb „Maison blanche" an ber Straße Arras- Örai wo 36 500 deutsche Offiziere und Soldaten be- fieaen Kreuzesreihen an Kreuzesreihen, schier unübersehbar! Man zeige die zerfallenen deutschen Fried- khf? die es auch gibt. Will man zum Schluß — zeit- _ noch etwas Tonfilm bringen, so führe man den Stoen Trompeter vor, ber heute noch allabendlich bei dem Stadttor von Ypern den Zapfenstreich bläst, an dem an dessen Wänden die Namen von 58 000 allem an dieser Stelle vermißten englischen Solbaten emgemelßelt *in®enn am Volkstrauertage jedes Kino nur solche 'filme zeigen dürfte, der Rundfunk seine Darbietungen Äümlid) auch daraus abstimmt und geeignete Feiern » die breite Masse veranstaltet würden, bann müßte bfefer Tag allmählich zu einem Volkstrauertag im wahr- «en und edelsten Sinne werden, an dem alle unserer teu- ren Toten gedenken und wenigstens einmal den inneren Hader ruhen lassen."

läßt- die kennen den Krieg und kennen den grau­samen Schlachtentod, sie sind frei von billiger und falscher Romantik, dann meldet sich der Gedanke: was erfährt die I u g e n d, die vor 10 bis 15 Jah­ren noch nicht da war oder noch nicht zum Gebrauch der Vernunft gelangt war, vom Wesen und Kern eines Krieges? Die Männer, die durchwogt von bitteren Erinnerungen an den Gräbern der Kriegs­opfer stehen, fragen sich: Warum steht eigentlich so wenig Jugend neben uns an diesen Grä­bern. Man hört so viel, daß namentlich die Jugend aus den h ö h e r en S ch u l e n heute weit lebhafter als früher an den Fragen des Tages aktiven Anteil nehme und von der Schule dazu angeleitet werde. Und man fragt sich gerade deshalb: Wo sind denn diese Jugendlichen, wenn an den Gräbern der toten Soldaten, die mit Einsatz von Gut und Blut Deutschland vor der Vernichtung retten halfen, die Erinnerung an den schweren vaterländischen Opfer­gang geweckt und vertieft werden soll. Wenn auf der Leinwand im Kino Fahnen wehen und im Stechschritt die Statisten vorbeimarschieren, so mag das auf Jungen einen starken Eindruck machen. Aber ist anzunehmen, daß der wertvollere Teil dieser Jungen weniger empfänglich sein könnte, wenn er an den Gräbern gefallener Soldaten steht und der gewaltige Ernst des Todes und der Schmerz des Opfers und die Heimsuchung der Völ­ker spürbar wird? Mögen doch recht viele Väter, die den Krieg erlebt haben, sich nicht auf die Schule verlassen, sondern ihren Kindern das sür's Leben nach Möglichkeit selbst vermitteln, was sie vom Krieg halten. Mag die Schule auch ihr Mögliches tun, man kann ihr nicht alles zumuten. Mag die Oeffentlichkeit auch vieles tun, sie kann nicht ver­hindern, daß Heimkrieger schlimmster Art, von populären Wellen getragen, häufig das große Wort führen. Wollen wir ihnen das Feld wi­derstandslos überlassen und die Zukunft, statt sie in das Zeichen der Wahrheit zu stellen, der Phrase überantworten?

Um 12 Uhr erhoben von allen Kirchen der Stadt die Glocken zum Gedächtnis der Toten des Welt­krieges ihre Stimme. Reminiscere!

Deutschland hat 2.050000 Gefallene und 4247105 Verwundete zu beklagen. Frankreich 1358872 Gefallene und 2560000 Verwundete. England (ohne Kolonien) 743 703 Gefallene und 1693262 Verwundete. Italien 494 921 Gefallene und 949 576 Verwundete. Dazu kommen die nicht «Untlich gezählten Verluste Rußlands und Oester­reichs an Toten und Verwundeten, die die Ziffer von etwa 5 Millionen erreichen.

Erschütternd wirkt immer noch die Zahl der Kriegskrüppel in aller Well. Der Weltkrieg M etwa 20 Millionen Menschen mehr oder minder Ichwer verwundet und etwa 5 Millionen zu Krüp­peln gemacht.

Nach den letzten Mitteilungen des Hauptver- Ivrgungsamts Berlin betrug die Gesamtzahl der tontenbezugsberechttgten Kriegsbeschädigten in Deutschland immer noch 761 492, die Zahl der ^negerwitwen 372 000, die der Kttegswaisen <97 531 und die Zahl der Ettern-Rentenempfänger «51229.

Ueber die Art der Verletzung der Kriegsbeschä- usgten, die noch voll und ganz vom Staat erhalten "erden müssen, macht das statistische Reichsamt *D[genbe Mitteilungen: Geschädigte durch Blindheit »s chädigte durch Lungentuberkulose ^e.chädigte durch Geisteskrankheit

Zädigte durch Verlust von 1 Bein

-?f$}Ste durch Verlust von 1 Arm Zeigte durch Verlust von 2 Beinen

^schädigte durch Verlust von 2 Armen