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Areikag, 27. Februar 1931

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i . Für die Sozialdemokratie ist es ganz bestimmt g'n leichtes Opfer, schon aus ihrer grundsätzlichen Stellungnahme heraus, den in der Tat .ehr weit- Sehenden, aber nach Lage der Dinge einfad. un­päßlichen agrarpolitischen Forderungen des Ka- dMetts zuzustimmen. Selbst wenn es aber in ^.Mzelheiten bei der Sozialdemokratie zu Gegen- -rmtzen, zu Widerspruch, ja selbst zur Ablehnung t°me, so avürde doch eine Ablehnung des *m Ganzen durch die Sozialdemokratie sucht erfolgen. Das gilt auch für die wehrpoliti- ! ichen Forderungen, in denen die Sozialdemokratie la auch schon früher ein stärkeres Verständnis ge- hat, als es allerdings zuweilen tn ihrer gan-

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* Die Deutsche Renlenbank-Kreditanstalt. Dem Reichstag ist der Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes über die Errichtung der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt zugegan, gen, der den Rahmen für die Tätigkeit dieser An­stalt in dreifacher Beziehung ändert. Zunächst wird die Befugnis der Anstalt zur Gewährung von landwirtschaftlichem Personalkredit um fünf Jahre, bis zum 31. Dezember 1935 verlängert. Sodann gibt der Entwurf der Anstalt die Möglichkeit, sich nicht nur, wie es bisher zulässig war, an der Preu­ßischen Zentralgenossenschaftskasse, sondern auch an anderen, den landwirtschaftlichen Kredit pfle­genden Anstalten zentralen Charakters zu betei­ligen. Zum Dritten läßt der Entwurf zu, daß dis von der Rentenbank - Kreditanstalt auszugebenden Schuldverschreibungen auf den Inhaber nicht nur wie bisher durch Pfandbriefe und Hypotheken ge­deckt werden können, sondern auch durch Schuldver­schreibungen oder Schuldurkunden von juristischen Personen des öffentlichen Rechtes oder von Perso­nen des privaten Rechtes: in letzterem Falle dann, wenn die Schuldverschreibungen oder di« ihr zu­grunde liegenden Forderungen oder die Schuld­urkunden von einer juristischen Person des öflent* lichen Rechtes garantiert werden. Dies» drei Be-

Donnerstag mit 11 gegen 8 Stimmen der sozial­demokratische Antrag angenommen, wonach ab 1. März zur Versorgung der minderbe­mittelten Bevölkernug mit billigem Fleisch wieder ein Kontingent von 50 000 Klgr. Gefrierfleisch jährlich zur zollfreien Einfuhr zuge­lassen wird: Für den sozialdemokratischen Antrag stimmten Sozialdemokraten, Kommunisten und Staatsvartei. Zwei Zentrumsabgeordnete enthiel­ten sich der Stimme, es fehlten die 5 National­sozialisten und die beiden Deutschnationalen.

zen Agitation zutage trat. Auch hier würde die Sozialdemokratie, wenn fie auch in einzelnen Punk­ten sich ablehnend verhalten würde, den gesamten Etat nicht scheitern lassen.

Im übrigen werden in die jetzt durch die Reichs­regierung vom Reichstag erbetenen Ermächtigun­gen sehr weitgehende Sicherungen und Ga- rantien eingebaut. Sie bestehen darin, daß die durch die Notlage der Landwirtschaft erforderlich werdenden Aenderungen des deutschen Zolltarifs nur vom gesamten Kabinett und nur im Einklang mit den handelspolitischen Notwendigkeiten var- genommen werden können. Zum zweiten wird aber und das ist ganz besonders von Bedeu­tung die Einsetzung eines parlamentari­schen Ausschusses, bestehend aus den Füh­rern der einzelnen Parteien, erwogen, der in der auf etwa fünf Monate sich beziffernden Reichstags­pause von Ende März bis Anfang September in engfter Fühlungnahme mit dem Reichskabinett die Notstandsmaßnahmen beraten und bei der Be­schlußfassung über diese Maßnahme bestimmend mitwirken soll.

Bei dieser Sachlage wird sowohl die Aktions­kraft der Reichsregierung gesichert, andererseits aber wird auch Vorsorge getroffen, daß die Inter­essen der Gesamtheit Wahrgenommen werden. Auf dieser Basis wird die Arbeit des Kabinetts Brü­ning nicht gesichert, sondern auch zum Nutzen des Ganzen stabilisiert werden können.

Oesterreich und Brüning.

Viens Bedauern über die abgesagte Reise des Kanzlers.

wtb. Wien, 26. Febr. (Eig. Meldg.). Das Neue Wiener Tageblatt" schreibt: Die Wiener Be­völkerung vernimmt mit aufrichtigem Bedauern, daß der deutsche Reichskanzler Dr. Brüning durch die Obliegenheiten seines schweren Amtes verhin­dert wird, seinen Besuch bei der österreichischen Regierung in der nächsten Woche zu machen. Wien hätte gern Anlaß genommen, dem Leiter der deut­schen Regierung, Dr.Brüning, die große Wert­schätzung zu bekunden, die er in der gan­zen österreichischen Oessentlichkeit erworben hat. Der gegenwärtige deutsche Kanzler hat in der Zeit sei­ner Amtsführung den Beweis erbracht, daß er zu den markanten staatsmännischen Figuren des heu­tigen Europas gezählt werden darf. Vor allem hat ihn ein ungewöhnliches Verantwortungsbe­wußtsein und ein alles Persönliche zurückdrängen- 6er entschlossener Mut, der auch vor unpopulären Maßregeln nicht zurückscheut, wenn sie dem Staat und dem Volke dienen, die Achtung der Welt er­worben. Die Wiener Bevölkerung hofft, daß Dr. Brüning in absehbarer Zeit in der Lage sein wird, unserer Stadt doch den jetzt aufgeschobenen Besuch abzustatten.

Die Agrardebatte im Reichstag.

Reichstagspräsident Löbe eröffnet die Reichs­tagssitzung am Mittwoch um 3 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung fordert Abg. Schröter-Merse­burg (Komm.) unter Hinweis auf die Blutopfer die sofortige Beratung eines Antrags aus Z u r ück- ziehung des gegen Berliner D emon- strationen eingesetzten Polizeiauf­gebotes, auf Aufhebung des Demonstrations- oerbotes und Amtsenthebung des Berliner Polizei­präsidenten.

Der sofortigen Beratung des Antrags wird wi­dersprochen.

Die zweite Beratung des Haushalts des Reichs- ernährungsministeriums wird fortgesetzt. Die Deutschnationalen und Nationalsozialisten fehlen.

Abg. Renten (Christi. Soz.) betont die enge Schicksalsverbundenheit von Bauernschaft und Ar­beiterschaft. Der Christlich-Soziale Volksdienst stelle sich bewußt auf die Seite desErnäh» rungsministers. Die Landwirtschaft könne mit Recht verlangen, daß ihr die Rentabilität ge­währleistet und daß in Deutschland Nationalwirt- 'chaft getrieben wird. Dieses berechtigte Verlangen dürfe nicht durch schwächlichen Wirtschafts-Pazifis­mus durchkreuzt werden. Die Christlich-Sozialen feien mit dem Ägrarprogramm der Regierung ein­verstanden. Sie hätten nur den Wunsch, daß die Minister Schiele und Treviranus sich im Kabinett kräftig durchsetzen.

Abg. Freybe (WP.) weist auf die Verschärfung der Weltagrarkrise hin. Den Vorwurf des Protek­tionismus müssen wir zurückweisen. Ohne gesunde Zollpolitik werden wir vorläufig bei der Verschie­denartigkeit der Produktionskosten, bei der Unter­schiedlichkeit der Kultur- und Lohnhöhe und bei der Vorbelastung mit inneren und äußeren Lasten nicht auskommen. In den Zollrevisionsmaßnahmen ist die Erhöhung derFettzölle zu vermissen; bereits in der nächsten Zeit wird sich ein Tiefstand für Fettpreise ergeben, der sich bann in noch nie­drigeren Schweinepreisen auswirken wird. Zu ei­ner gesunden Agrarpolitik gehört vor allem die Aufhebung der Zwischenzölle sowie der Bindung für Fette im Vertrag mit Schweden und die Er­höhung der Fettzölle. Die Preissenkungs­aktion durch den mehr oder weniger gelinden Druck der Reichsregierung muß in Handel und Gewerbe schärfste Zurechtweisung er­fahren; wenn die Behörden selbst nicht mit gutem Beispiel vorangehen, haben sie auch keinRecht, vom Zwischenhandel Preisabbau zu fordern. Wirklicher Preisabbau ist nur bei gleichzeitiger Senkung der Steuern und Abgaben möglich.

Abg. Dr. Fehr (Bayr. Bauernbund) wendet sich gegen die Ausführungen des Geh. Rat Duisburg- Köln, der sich nicht gerade freundlich mit der Landwirtschaft beschäftigt habe. Die auch von den Abgeordneten Tempel unb Dessauer aufgestellte

Von national-oppositioneller Seite werden siisientlich beunruhigende Mitteilungen über politische Gosamtsituation verbreitet. Es wird so­gar schon wieder mit Krisengerüchten operriet, und man stellt die Dinge so dar, als wenn der Sturz der Regierung Brüning, sei es einerseits durch die sozialdemokratische Ablehnung der agrar- und wehrpolitischen Vorlagen des Kabinetts, fei es durch Aufkündigung des Vertrauens durch die noch Im Reichstag verbliebenen Parteien der Rechten, mir noch eine Frage der Zeit fei.

An all dem ist kein Wort wahr. Die politische und parlamentarische Situation des Kabinetts Brü- uing ist absolut gefestigt. Eine Gefährdung des Kabinetts steht nicht in Frage, weil die im Reichs­tag verbliebenen Parteien, unbeschadet von Mei­nungsverschiedenheiten oft recht ernster, ja sogar grundsätzlicher Art, das große Ganze im Auge Malten und sehr wohl wissen, daß es jetzt daraus unkommt, alle wirklich nationalen und wirklich fufbaubereiten Kräfte zusammenzufas- [e*i, um den gegenwärtigen Notstand zu überwin­den.

Zur Lage vom Tage.

Von parlamentarischer Seite wird uns ichrieben:

CNB. Berlin, 26. Nov. (Eig. Meldg.). Wie mir erfahren, empfing der Reichspräsident heute vormittag um 11.30 Uhr in Gegenwart des Reichs- orbeitsminifters die Führer der Gewerkschaftsver­bände und zwar der freien Gewerkschaften, der christlichen Gewerkschaften und des Gewerkschafts- dnges. Es ist anzunehmen, daß die Gewerkschafts­vertreter dem Reichspräsidenten ihre An­schauungen über dieArbeitslvsigkeit unb die Notwendigkeit, ihr durch energische Maßnah­men zu begegnen, vortrugen. Außerdem dürsten auch die Fragen der Lohnsenkung zur Sprache ge­bracht worden sein. In Gewerkschaftskreisen steht Man auf dem Standpunkt, daß die Lohnsenkungs- pOr"f sobald wie möglich zum Abschluß gebracht MS -XV muß.

Ae Gewerkschaftsführer bei Hindenburg Wegen Arbettslosigkett und Lohn-Senkung.

Behauptung, daß der Landwirtschaft jährlich 34 Milliarden direkt oder indirekt an Subventionen gewährt würden, sei nicht zutreffend. Wenn dazu, wie es auch in einer Schrift des Hcmsabun- des geschieht, die Zollmaßnahmen eingerechnet werden, dann könnte man für die Industrie eine Gegenrechnung aufmachen, und beispielsweise sa­gen, daß jeder Käufer eines deutschen Automobils damit der deutschen Automobilindustrie eine Sub­vention von 1 500 Mark gibt. (Sehr gut!) Milch, Eier und andere Agrarprodukte sind kaum in ei­nem anderen Lande so billig, wie in Deutschland. An wirklichen Subventionen für die Landwirtschaft kommen jährlich nur36Mill. Mark her­aus und diese Summe bleibt weit zurück hinter den Subventionen, die der Wirtschaft und auch den sozialen Einrichtungen der Arbeiterschaft zu­fließen. Es darf auch nicht übersehen werden, daß Subventionen zur Agrarpolitik aller Länder ge­hören. Der Landwirtschaft wäre es viel lieber, wenn sie durch Wiederherstellung ihrer Rentabili­tät in der Lage wäre, auf solche Subventionen zu verzichten. (Sehr richtig!) Nachdem die Parteien der äußersten Rechten in Verkennung der Verant­wortung, die ihre Abgeordneten mit der Annahme der Wahl übernommen haben, der Reichstagsarbeit fernbleiben, müssen die Sozialdemokraten zeigen, ob sie wirklich der Landwirtschaft helfen wollen.

Das in den letzten Jahren von der Regierung verfolgte System der Agrarpolitik hat trotz aller gehässigen Angriffe der äußersten Rechten viel

Segen für die Landwirtschaft gespendet.

vor allem durch das, was damit verhindert worden ist. Die Bedeutung des Exportes für unsere Wirtschaft ist in früheren Jahren maßlos über­schätzt worden. Eine Folge dieser falschen Wirt­schaftspolitik ist die große Arbeitslosenzahl. Wir begrüßen demgegenüber die Erklärung des Mini­sters Schiele für die Stärkung des inneren Marktes. Die deutsche Landwirtschaft, besonders die süddeutsche, sieht in Mini st er Schiele ihren Vertrauensmann.

Abg. He r n l e (Kam.) nennt den Minister den Ernährungsminister der Hunger-Republik. (Vize­präsident von Kardorf rügt diesen Ausdruck.) 5 Millionen Erwerbslose hungern in Deutschland, während in Nahrungsmitteln eine Ueberprobuh Hon besteht. Die RedensartHat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt" ist eine volkswirtschaftliche Lüge. Richtig ist aber der Satz:Arbeiternot ist Bauerntod". Die Agrarpolitik des Kabinetts Brü­ning saniere nur den Groß-Grundbesitz auf Kosten der Kleinbauern.

Abg. Meyer zu Belm (D. V. P.): Die Männer, die wirklich der Landwirtschaft helfen, fitzen nicht in den Reihen derer (nach rechts), die jetzt den sachlichen Verhandlungen fernbleiben und es vorziehen, durch parteipolitische Agi­tation den Radikalismus in den Reihen der Landwirte zu schüren. In der Handelsvertragspolitik muß ein gerechter Aus­gleich zwischen den Interessen der Landwirtschaft und der Industrie gefunden werden. Besonderer Fürsorge bedarf die notleidende landwirtschaftliche Vdredlungswirtschaft. Die Landwirtschaft muß sich auf den gewandelten Geschmack des Publikums umstellen, aber das kostet Geld. Die landwirtschaft­lichen Betriebe, die in dieser Beziehung frühzeitig vorangegangen sind, leiden heute unter einer schwe­ren Schuldenlast, weil heute die Relation zwischen Bodenzinsen und Kavitalzins ganz anders ist als früher. Trotz vieler Fehlschläge in den letzten Jah­ren führt der beste Weg zur Selbsthilfe für den Bauern über die Genossenschaften. Auch die Hilfe der Verbrauchergenossenschaften ist nicht zu entbehren. Der Generalbebauunasplan kann für die Beratung des Bauern großen Wert haben, aber Zwangsmaßnahmen sind auch auf diesem Ge­biet vom liebel. Die deutsche Volkspartei steht den Bestrebungen des Ministers grundsätzlich wohl­wollend gegenüber und wünscht durchaus eine stär­kere Berücksichtigung der bäuerlichen Interessen. Sie verlangt aber einen gerechten Ausgleich der Interessen der einzelnen Berufsstände und behält sich ihre endgültige Entscheidung vor, bis die Vor­lagen der Regierung vorliegen.

Abg Hillebrand-Schlesien (D. Bauernpart.) tritt für die Interessen der bäuerlichen Wirtschaften ein.

Es sprach bann ein zweiter sozialdemokratischer Redner, der Abgeordnete Dobber t. Er betonte, daß die Arbeiterschaft stets Verständnis für die Nöte der Landwirtschaft aufgebracht habe. Was das Landvolk aber in seinen Anträgen verlange, grenze an Agrarradikalismus. Es sei die Aufgabe der Politik, den gerechten Ausgleich zwischen Produzenten- und Verbraucherstandpunkt zu fin­den. Entschieden abrücken müsse man allerdings von den Methoden, wie sie der Landbund beliebe und wie man sie noch auf der Grünen Woche habe erleben müssen. Der jetzige Staat habe, so viel für die Landwirtschaft getan, daß er eine andere Wertschätzung verdiene.

Als letzter Redner erklärte der Zentrumsabge­ordnete Beck (Oppeln), das Schicksal der Ost­politik sei von den Erfolgen der Agrarpolitik ab­hängig. Die Not der Landwirtschaft im deutschen Osten sei so groß, daß viele Landwirte in diesem Gebiet allen Hetzereien zugänglich seien. Leider werde diese Stimmung ausgenutzt von gewissen Führern, die aus der landwirtschaftlichen Organi­sation eine Hetzorganisation machten, die Miß­trauen gegen die Hilfsmaßnahmen der Regierung predigten und so' aus parteiagitatori­schen Gründen Verrat an der Bauern­schaft übten. (Sehr wahr!) Bei der Zucker­kontingentierung müsse den Bauern der nötige Einfluß gesichert werden. Die Erfolge der Regie- rungspolüik der letzten Jahre für die Landwirt­schaft könnten trotz aller gehässigen Angriffe nicht geleugnet werden. Das Absatzproblem fei unge­heuer wichtig. Es könne erst gelöst werden, wenn die Landwirte eine gewisse Standardisierung in ihrer Produktion herbeiführen.

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VDZ. Berlin, 26. Febr. (Eig. Meld.) Im han­delspolitischen Ausschuß des Reichstages wurde am

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Fulda erZertung

: Anzeiger für die Stabt Fulda und denOandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Für die Gewerkschaften sprach der Vorsitzende des allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, Theodor Leipart, der dem Reichspräsiden­ten unter anderem folgendes erklärte: Bei aller Würdigung der schwierigen Lage anderer Berufs- ichichten bleibt unbestreitbar, daß Not und Elend nirgends so gr sind wie bei den 5 Mil­lionen Erwerbslosen und bereit Familien. Unsere Hauptsorge ist bie um das Schicksal der Unfreiwillig-Arbeitslosen. Nicht zuletzt in Auswirkung der bie Kaufkraft verringernden Lohnsenkung ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen. Die Einstellung der von den deutschen Unter­nehmern und amtlicherseits getriebenen Lvhn- senkungspolitik ist eine der ersten Voraussetzungen zur Gesundung der Wirtschaft und zur Beruhigung der deutschen Arbeitnehmer. So weit der Abbau der Preise in Frage kommt, vollzieht er sich lang­samer als die Senkung der Löhne und Gehälter. Auf weiten Gebieten ist ein Zurückgehen der Preise noch kaum sichtbar. Die Erhöhung des Jn- lündverbrauches bedingt eine kaufkräftige Land­wirtschaft, deren Schutz aber innerhalb der Gren­zen zu bleiben hat, die von der Rücksicht auf unse­ren internationalen Import und auf die Lebens­haltung der breiten Massen gezogen werden müssen. Wir müssen aber darauf Hinweisen, daß die gegen­wärtig vorliegenden agrarpolitischen Pläne über diese Grenzen teilweise weit hinausgehen und abgelehnt werden müssen. Bis zur vollen Be­schäftigung des deutschen Produktionsapparates muß die Arbeitszeit wesentlich verkürzt, möglichst auf regelmäßig 40 Stunden wöchentlich gesenkt wer­den. Als eine unbedingte Notwendigkeit sehen wir die Erhaltung eines rechtlich gesicherten Anspruches auf ein Existenzminimum für bie arbeitslosen Kolksgenossen an. Mit besonderem Nachdruck er­lauben wir uns, die Aufmerksamkeit auf die An­griffe zu lenken, die gegen die tarifvertragliche Regelung der Arbeitsverhältnisse, das Schlichtungs­wesen einschließlich der Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen und gegen die Sozialversiche­rung geführt werden. Die deutsche Arbeitnehmer­schaft kann und darf nicht dulden, daß ihr Mit­bestimmungsrecht bei der Gestaltung der Arbeits- Verhältnisse und das Anrecht auf gesetzlich ge­währleisteten Sch utz im Falle unverschuldeter Leistungsunfähigkeit angetastet wird. Die deutschen Arbestnehmer haben seither stärkste Opfer gebracht. Sie müssen es aber als dem Gesamtwohl entsprechend ablehnen, in Mißverhältnis zu an­deren Volksschichten über ihre Kraft hinaus mit den Folgen der Wirtschaftskrisis belastet zu werden.

An diese Ausführungen schloß sich eine kurze Aussprache an, in der noch einzelne Punkte dieser Erklärung näher erläutert und besprochen wurden. Daran beteiligte sich auch der Reichsarbeitsmini- fter Dr. Stegerwald. Der Reichspräsident sicherte den Gewerkschaftsführern sorgfältigste Be­achtung ihrer Darlegungen zu und versicherte sie, daß alles nur Mögliche geschehen werde, um unser Volk aus der schwierigen Notlage heraus- zusühren.

VDZ. Berlin. 26 Febr. (Eig Meld.) Reichstags- präfibent Löbe eröffnete am Donnerstag die Sitzung um 12 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangen bie Kommunisten bie sofortige Beratung eines Antrages, der sich gegen Lohn- und Gehalts- abbaumaßnahmen in den Duisburger Stahlwerken richtet. Der Antrag wird ohne Debatte dem Haus­haltungsausschuß überwiesen.

Die 2. Beratung des Haushaltes des Reichs- ernährungsministeriums wird fortgesetzt.

Abg. Dr. Weber (Staatspartei) tritt für die bekannten agrarvolitischen Anträge feiner Fraktion ein und betont, daß die Rettung der Landwirtschaft auch möglich sei, ohne daß bie bewährten Bahnen der bisherigen Handelsvertragspolitik verlassen werden.

Schiele an Kalkreuth.

Reichsernährungsminister Schiele hat sich tn einem Schreiben an den Vorsitzenden des< Reichs­landbundes Graf Kalkreuth gewandt und ihn drin­gend ersucht, seinen Einfluß aufzubieten, daß die parlamentarischen Vertreter der Jnteresien des Reichslandbundes wieder im Reichstag erscheinen und die Annahme des der heimischen Landwirt­schaft schädlichen Antrages der Sozialdemokratie auf ein Gefrierfleischkontingent von 50 000 To. ver­hindern. Der Ton des Briefes ist DemBörfen- Courier" zufolge sehr entschieden gehalten.

Die Ainanznok der Gemeinden.

Der Haupt- und Gemeindeausschuß des Preu- ßischen Staatsrates trat heute zu einer gemein­samen Sitzung zusammen, um in einer Aussprache die Finanznot der Gemeinden und die notwendigen Hilfsmaßnahmen zu erörtern. Die Regierung war durch Innenminister Severing und Finanzminister Dr. Hoevker Asckoff vertreten. Oberbürgermeister Jarres legte in längeren Ausführungen das Zah­lenmaterial dies deutschen Städtetages über die finanziellen Schwierigkeiten der Kommunen fort. Hierauf schilderte das Zentrumsmitglied Kaschny- Beuthen die besonderen Schwierigkeiten des ö]t- lichen Gebiets.

Die See-Abrüstung.

Die Flotten-Berhcmdlrmgen in Rom.

wtb. Rom, 26. Februar. (Eig. Meld.) Heute vormittag um 11 Uhr begannen im Palazzo Chigi die Verhandlungen zwischen dem Staatssekretär des Aeußern Henderson und dem britischen Lord Admiral Alexander mit dem italie- nischen Außenminister Grand! und dem italienischen Marineminister Sirianni sowie den italienischen Sachverständigen. * >

Zu den Verhandlungen zwischen Staatssekretär Henderson, dem Ersten Lord Der Admiralität, Alexander, Briand und dem französischen Manne- minifter verlautet in Berlin von unterrichteter Seite, daß a m 11 i ch über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen nichts bekannt ist. In politi­schen Kreisen begrüßt man selbstverständlich vom allgemeinen Abrüstungsgedanken aus jede Verein- barung über eine Herabsetzung der Flottenstarren der in Frage kommenden Mächte. Für ebenso selbstverständlich hält man es aber, daß eine der- artige Vereinbarung ferne Rückwirkung auf die Landabrüstung haben und daß sie keine Verzöge­rung der allgemeinen Abrüstung darftellen darf.

Neuer Iinanzskandal.

wtb. Paris, 26. Febr. (Eig. Meldg.). In der Kammer brachten die Sozialisten eine Interpel­lation betr. den Schutz der Sparer ein, um einen neuen Finanzskandal aufzudecken. Ein Bankier soll aus seinem Industrieunternehmen, das einen Wert von 1,5 bis 2 Mill. Francs darstelle, durch Börsenspekulationen und unerlaubte Operationen 120 Mill. Gewinn gezogen und ein anderer Ban- fier soll die Sparer um 300 Mill, betrogen haben.