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25. Februar

Beilage zur Fuldaer Zeitung

;r. 46

And dennoch ...

I Ich zwinge dich dennoch, Schicksal, obgleich du mich zu würgen drohst, . . .

jch Hanne euch dennoch, Sorgen, obgleich ihr keine Ruhe mir gönnt . . , ich zwinge dich dennoch Not, die du mein Herz bald zum Stillstand bringst . . Dich aber bitt ich Gott, her Du zum Leben mich riefest, last meine Kraft nicht erlahmen, laß mir die knorrige Faust, laß mir den steifen Nacken, laß nur ein' Lump mich nicht werden bann Du Herrgott dann zwing ich es doch.

Wohin führt unser Weg?

Das Schicksal unserer Generation.

Unser Volk hat den Krieg verloren. Nicht well es zu feige oder zu uneinig war, sondern well es unmöglich eine Welt von Feinden besiegen konnte. Unser Volk mußte die grausame Demütigung von Versailles erleiden, veil unbesonnene und überhebliche Führer es dahin kom­men ließen, daß alle Staaten dem Deutschen Reich feind- lich gegenüber standen.Wir Deutsch« fürchten Goll und sonst nichts in der Welt". Diesem allzu kühnen und stolzen Ausspruch folgend glaubten die kleinen Epigonen eines Bismarck, der das Reich mit unerhörter Zielsicher- heit und Klugheit geschmiedet hatte, von der Außenpolitik dieses großen Staatsmannes abgehen zu dürfen. So mußte der Zusammenbruch kommen, der umso furcht­barer wurde, weil man auch nicht verstanden hatte, den Arbeiter st and-recht in die Volksgemein­schaft einzugliedern.

Was bedeutet der Weltkrieg, besonders well er ner- Kren wurde, für unser Volk? Betrachten wir vorerst nur die wirtschaftliche Seite. Durch den Krieg sind wir zum armen Volk geworden. Und die ehemaligen Gegner wollen uns wirtschaftlich niederhalten: sie pressen jährlich 2 Milliarden aus unserer verarmten Volkswirt­schaft heraus. Durch diese Tatsache hat sich die Lage für unser Volk einschneidend verändert und verschlechtert.

Nicht alle spüren diese Veränderung: noch wenige haben sich bewußt auf die Verschlechterung eingestellt, beseelt von dem Willen, sich und ihr Volk gegen alle Widerstände wieder empor zu arbeiten. Für viele ist diese geistige Umstellung auch sehr schwer. Schwer besonders für die junge Generation, für die Jahrgänge um 1900 bis 1910. Ist diese Generation es nicht, die den Krieg und seine Folgen am stärksten spürt. Das sei ein­mal ganz nüchtern, ohne jammern oder jemand anklagen zu wollen, sestgestellt. Am Anfang ihres bewußten Se­hens stand der Krieg, stand der Hunger und das Elend, stand der Zusammenbruch aller Werte, die man ihr ge­zeigt hatte. Ohne daß sie einen Halt an den Alten finden konnten, mußte sie in dem sie umgebenden Chaos leben. Kaum hatten sich die Jungen einigermaßen zu­recht gefunden, da riß die Inflationszeit sie in ihren tollen Wirbel. Dann kam die Zeit der Beruhigung. Es ging aufwärts in Deutschland. Man vergaß die Not des Vaterlandes. Man dachte nicht daran, daß die gute Konjunktur nur eine Scheinblüte sein konnte: viele lebten besser als in der Vorkriegszeit. Der Staat wirt­schaftete mit den Steuergeldern in unglaublich freigebi­ger Weise. Und doch hätte man daran denken müssen, daß der Verlust des Krieges sich für jeden einzelnen Volksgenossen schließlich einmal schmerzlich fühlbar ma­chen würde.

Dann kam der Rückschlag. Unter dem Einfluß der Weltwirtschaftskrise wuchs die Arbeitslosigkeit ungeheuer. 5 Millionen in der Vollkraft ihrer Schaf­fenskraft stehende Volksgenossen haben keine Möglich­keit, Arbeit und Brot zu finden. Und wieder sind es die­jenigen, die in dem Jahrzehnt vor dem Weltkrieg ge­boren wurden, die die Geißel der Arbeitslosigkell am heftigsten trifft.

Und wie wird die Zukunft werden? E, gibt immer noch Leute, die glauben, daß durch das

Drille oder kommunistische Reich eine plötzliche Wen­dung zum Besseren kommen kann. Aber täuschen wir uns nicht, lernen wir endlich die harte Wirklich­keit sehen! Lassen wir uns von radikalen Agitatoren keine Illusionen vormachen. Wenn wir ihnen nach­laufen, kann sich unsere und des Vaterlandes Lage nur noch verschlimmern. Jeder von uns muß wissen, daß er für ihn feine rosige Zukunft gibt. Wir ha­ben die Folgen des Krieges zu überwinden.

Wird die junge Generation die Auf­gabe meistern? Brüning sagte in einer Rede am 10. Januar 1931 in Neiße:

.Heute werden Sie finden, daß die Jugend vielfach der Phrase nachläust. Wir brauchen aber eine Jugend, die zur Arbeit er­zogen ist, abhold allen Redensarten und opferbereit. Denn nur fo kann di« Grundlage für den Aufbau un­seres Vaterlandes geschaffen wer­den."

Wir brauchen eine Jugend, die abhold ist allen Re­densarten und opferbereit." Nüchternhell, Klarheit, Willenskraft und Opferbereitschaft verlangt unser Vater­land von uns. Die deutsche Jugend wird sich auch ganz einsetzen, wenn sie sieht, daß eine starke Führung da M. wenn sie spürt, daß die Führer selbst zu Opfern bereit sind. Brüning beginnt zwar auch bei denjenigen, die ihn ablehnen, well er Zentrumsmann ist, Vertrauen zu gewinnen. Mer wie ist es mll den vielen anderen. d>e an führender Stelle stehen? Auch sie müßten sich freiwillig einschränken, damit sie merken, wie es den­jenigen geht, die sich bescheiden müssen, ohne auf eine

baldige bessere Zukunft hoffen zu dürfen. Die junge Generation hat das Recht, zu fordern, daß alle, auch die hohen Beamten und Jndustriegewaltigen, owferbereit die Volksgemeinschaft verwirklichen helfen.

Ist die zielsichere Führung da, dann wird feie junge Generation sich durchsetzen gegen die Phrase der nattona» liftischen und kommunistischen Agitatoren, gegen die 33er- zweiflungsstimmung. gegen den Dernichtungswillen der Gegner. Sie wird sich und ihrem Land die Zukunft e r z w i n g e n, die jetzt noch so grau vor uns liegt

Iugend heraus!

In den Augen der Jugend leuchtet das schelmische Feuer. In Spannung und in Traum! Tausend wirre und tausend schöne und tausend wilde Gedanken in Ihren Hirnen. Jugend steht hinter den Zäunen und schaut in die Straßen. Wir aber gehen die Straßen entlang und trommeln. Jugend heraus!

Um unsere Altäre ist es einsam geworden. Einsam von Jugend. Die Jugend steht an den Zäu­nen; an den Extremen des aufbegehrenden, des zit­ternden, des donnernden Landes. Sie marschiert mit heimlich verborgenen und oerbptenen Zeichen. Um glimmende Feuer und um abgrundtief verhüllte Flam­men. Tritt ins Licht. Wandre mit uns bis zu den Sternen! Trage mit uns die jubelnden Banner. Laß auf deinen Schultern, den jugendlichen, den trotzigen, den unverbrauchten Schultern, den ewigen Christus wie­der in fein verlorenes Reich einziehenl Blick auf! Jugend der Zäune! Wir trommeln!

(Dr. Carl Sonnenschein.)

fen sie zu geschlossener Gemeinschaft Disziplin und Treue zu den Führern. Wo Windthorstbunde bestehen, arbeiten politisch aktive Jungmänner mit

Die Führerschaft ruft alle Jungmännervereine auf, ihr Bestes einzusetzen im Kampf für Deutschland. Sie will eine breite und starke

Bolfsfronf der ganzen katholischen Jugend

und erwartet, daß gemeinsame Aktionen von allen Verbänden der katholischen Mannes- und grauen- fugend in treuer Gerne inschaft getragen werde ir.

Am Geburtsorte des Gesellenvaters Kolping im Schulungsheim ,Lolp!ngswerk" zu Kerpen, tagte am 15. und 16 Februar 1931 das Deutsche Seniorat des |

SakhoNschen GeseNenvereins.

In 2tägigen ernsten und eingehenden Beratungen behan« betten die jugendlichen Laienführer der einzelnen Diöze- sonverbände, die sich für den Gesellenverein aus seinem Wesen und Programm ergebenden Pflichten und Segen* wart sauf gaben. Insbesondere befaßte sich das Deutsche Seniorat mit wichtigen aktuellen Zeitfragen und nahm Stellung zu bestimmten politischen Strömungen.

Das Ergebnis der Beratung und Stellungnahme fand feinen Niederschlag in folgenden Erklärungen, die vom Deutschen Seniorat einstimmig angenommen wur, den.

l.Det katholische Gesellenverein und die wehr- R sormation.

Gegenüber den hier und dort zutage getretenen Be­strebungen, Wehrformationen zu errichten, die sich aus den Kreisen der katholischen Jugend rekrutieren sollen, ertlärt das Deutsche Seniorat daß es diese Wehrforma­tionen schärfstens ablehnt.

Es sieht in diesen Bestrebungen nur neue Gefahren für die so notwendige Einheit des deutschen Volkes und Staates, des,'en Schutz Aufgabe der rechtmäßigen Macht­mittel des Staates ist. ,

Die Erziehung zur Manneszucht, Diszi­plin und geschlossenem Auftreten im ®e- sellenverein sst die sicherste Gewähr dafür, daß der Ge­sellenverein gegen gewaltsame Angriffe Widerstand zu leisten allzeit bereit sst.

Wir erwarten darum, daß unsere Mitglieder als treue Kolpmgssöhne allen Wehrformationen fern blei­ben.

r. Set katholische Gesellenverein und Me National­sozialistische Arbeiterpartei.

Das Deutsche Seniorat, als die verantwortliche Jung* iührerschaft im Katholischen Gesellenverein, erklärt daß das Wollen des Katholischen Gesellenvereins, so wie es in seinem Programm und seinem Wiener Manifest (Fa­milie, Demokratie und Völkerfriede") niedergelegt ist, sich nicht mit den Bestrebungen und Zielen der Nationalsozia­listischen Arbeiterpartei vereinbaren läßt.

Deshalb kann ein Sohn Adolf Kolpings nicht M gleicher Zeit Gefolgsmann Adolf Hitlers fein.

3. Ser katholische Gesellenverein und die kalhol.

Zagend Deutschlands.

Das Deutsche Seniorat des Katholischen Gesellen« er- eins bekennt sich zur Gemeinschaftsarbeit mit den übrigen katholischen Jugendverbänden, die jedoch nicht die Selbst­tätigkeit und Selbstverantwortung der einzelnen Jugend, verbände einschränken darf.

Besonders sind diese Selbsttätigkeit und Selbstver­antwortung auf dem politischen Gebiete zu bewahren und können nicht von einer Zusammenfassung der katho­lischen Jugendverbände unter dem NamenKatholisch« Jugend" übernommen werden. |

Einige Bemerkungen zu dieser Stellungnahme der! beiden größten Verbände der katholischen Jungmann« schäft behalten wir uns vor.

Verantwortlich fürDas Blatt der Jugend": Dr. oec« publ Joseph Sauer- Fulda.

Das kakhollsche Jungvolk in Deutschlands Schilksalsstuude.

Die großen Jungmännerverbünde zu volkspolittschen Fragen.

Am 14. und 15. Februar waren die Bezirksleiter, am 16. und 17. die Bezirkspräsides des

katholischer» AungmSnnerverbandes

der Diözesen Köln und Aachen unter Leitung von Diö- zesanpräses Clemens und Diözesanleiter Fritzen im Haus Altenberg zu zwei Tagungen versammelt.

Neben den Angelegenheiten der Arbeitslosenhilfe und der Junglandarbett wurde, in Verfolg des zweiten Leit­satzes im Fuldaer Devbandsgrundgefetz (Heranbildung ,^u der Mannespflicht in Familie, Beruf und Volk") vor allem die volkspolitisch« Ausgabe und Aktion be­sprochen. In sehr lebendigen und frischen Aussprachen wurde auf beiden Tagungen einmütig folgende Stellung­nahme erarbeitet:

1. Die Jungmännervereine haben heute mehr denn je eine eigene volkspolitische Aufgabe. In einer klaren politischen Haltung, die aus katholischen Grund­sätzen und katholischer Tradition, aus einer unbedingten, gläubigen fttngabe an Volk und Reich herauswächst, wollen sie durch planmäßige politische Bildung, Erweckung und Aktion ber Jungmannschaft

neue junge Kräfte für Deutschland,

sein Volk und fein Reich, für Politik und Parteien heraufführen.

2. Die Katholischen Jungmännervereine

lehnen den Nationalsozialismus entschlossen ab

aus religiösen und kulturellen, aus volks- und staats­politischen Gründen. Die Mitgliedschaft im Jungmän- neroeretn ist unvereinbar mit der Zugehörigkeit zu einer der nationalsozialistischen Organisationen.

In ihrem pädagogischen' Vorgehen sind die Jung­männervereine bestrebt, Irrende und Schwankende durch die Kraft imb gestraffte Zucht des Gemeinschaftslebens, durch Schulung und Bildung in ihre und des Verbandes weltanschauliche und politische Front einzugliedern. Ge­gen Jungen und Jungmänner, die in einer ihnen ge­währten Frist sich von der Notwendigkeit einer inneren

und äußeren Abkehr von der nationalsozialistischen Be­wegung nickst ehrlich überzeugen lassen, muß die Maß­nahme eines zeitweisen oder völligen Ausschlusses aus Verein und Verband verhängt werden.

Wie gegen den Nationalsozialismus, so stehen die Jungmännervereine nach wie vor gegen andere rechts­radikale Verbände, wie z. B. gegen den Stahlhelm In den Folgerungen Liefer Ablehnung hinsichtlich der Mit­gliedschaft gilt solchen Verbünden gegenüber das Gleiche wie bei den nationalsozialistischen Organisationen.

Insgesamt kam auf den beiden Tagungen stärksten« der Wille zum Ausdruck, die Reihen der Katholischen Jungmännervereine rein und geschlossen zu halten. Ihre eigene politische Haltung und die Zeitaufgaben lassen cs nicht zu, daß junge katholische Menschen in gegnerischen oderneutralen* Organisationen stehen. Sie verlangen

Linheiklichkeik. Irene und Geschlossenheit der Jtonf katholischer Jugend.

3. Ablehnung finden die neueren Bestrebungen zur Bildung uniformiertet Formationen

katholischer Jugend (Kreuzschar u. a.) Die Jungmänner­vereine und chre Mitglieder beteiligen sich nicht daran Den Einsatz politischer Kraft erstreben sie in eigener Tat und Aktion und in der kraftvollen Bekundung des po- littschen Willens der gesamten katholischen Jugend. Sie kämpfen für Anstand und Sauberkeit im öffentlichen Le­ben, für Wahrhaftigkeit und Ordnung. Wo es im poli­tischen Kampf Ordnung und die Freiheit der eigenen Be­wegung zu schützen gilt, setzen sie sich tatkräfttg ein. Da­bei stehen sie, wo notwendig, für Bereitschaft und Saal­schutz aktiv zur Verfügung.

Die auf den beiden Tagungen versammelte Führer­schaft der Diözesanverbände, die Bezirkspräsides und Bezirksleiter, erwarten von allen Jungmännervereinen unbedingtes Einstehen für die ausgegebene Losung. Alle Vereine, vor allem ihre Jungmannschaft, und alle chre Gruppen, wie Sturmschar und Deutsche Jugendkraft, tu-

Mittwoch, den 4. März, abends 8.15 Abr

Jugend Fuldas

im großen Skadkfaal. «Mik Vrüning für Ordnung und Aufbau-

Es spricht peter Reichensperger, der Enkel des Mkbegründers der Ienkrumsparkei. WmdkhorskbUNd Fulda.

Dem Parlament.

Wortführer des Volkes, was ist eure Pflicht?

Daß ihr nicht redet bloß zum Staat,

Sondern zur gemeinsamen Tat, Daß ihr zusammen ein Beispiel gebt. Wie die Eintracht alle Kräfte hebt!

Daß ihr an den menschlichen Eigensinn rührt. Und chm zum Sinn der Menschheit führt!

Daß endlich auf der ganzen Erde Volksstimme Gottesstimme werde.

Richard D « h m e l.

Heimabende im Dorfe.

Ein Rückblick.

Wir begannen mit ihnen hn November. Als geeig­neter Raum stand uns nur das Schulzimmer zur Ver­fügung, m dem dann auch alle Zusammenkünfte ftatt- fitiben.

Grundgedanke war, die langen Winterabende in ir­gend einer Weise für die Jugend geistig nutzbar zu ma- chen. Irgend eine Bindung inbezug auf Form und In­halt der Zusammenkünfte bestand nicht. Beides sollte aus dem Geiste des Auivmmenseins zwanglos erwachsen, nichts sollte als aufgezwungen empfunden »erben.

Gewöhnlich fangen wir zu Beginn des Heimabends. Das Singeschiff leistete uns dabei treffliche Dienste. Dann unterhielten wir uns über irgend einen Gegen­stand, für den gerade Teilnahme vorhanden war. So sprachen wir an den ersten Abenden über Hexen- und Gespensterglauben, über Geistererscheinungen und ihre

Wahrscheinlichkett. Mehrere Abende gaben wir einen regelrechten Anstands kursus mit praktischen Hebungen, einmal lasen wir die Gemeinderechnung und suchten dabei einen Einblick zu geroinenn in den Ge­meindehaushalt. Zum Schluß wurden gewöhnlich Mär­chen und Geschichten erzählt ober vorgelesen. Außer den Märchenbüchern leisteten folgende beiden Bücher hierbei gute Dienste:Der Narre nbaum" von Heinrich Mohr (Herder) undWir sind jung", von Zimmer- mann (Jugendhaus, Düsseldorf.)

Der Besuch war bis Weihnachten durchaus zufrieden­stellend, 30 bis 40 Jugendliche waren durchschnittlich zugegen. Dann fiel die Besucherzahl bis Ende Februar, am letzten Abend waren noch 14 Jungen anwesend. So wett die nüchternen Tatsachen. Wie stellten sich nun die Jugendlichen zur Sache?

Die meisten kamen sicher mit der Absicht, sich unter­halten zu lassen. Die si.ch wirklich lebendig an den Aussprachen beteiligten, das waren nur sehr wenige. Die Hebrigen begnügten sich mit dem Zuhören. Man muß schließlich zur Ueberjeugung kommen oder wenigstens zu der Annahme, daß u n f e re Jugend geistig sehr anspruchslos ist. Als wir gelegentlich die Hrfache für die sinkende Besucherzahl besprachen, meinte einer, die säßen daheim und spiel­ten Karten ober liefen auf der Straße umher, das wäre ihnen lieber. Sicher ist wohl das: es wird nie gelingen, die Mehrzahl der Jugendlichen für derartige Abende zu gewinnen. Wir werden uns wohl begnügen müssen, die geistig Regsamen zusammenzufafsen und mit ihnen zu arbeiten. Die dürfen natürlich nicht ausgesucht werden, und das ist auch nicht nötig, sie finden sich schon zusammen.

Es ist verfrüht, die Frage zu stellen, ob die Heim­abende überhaupt irgend etwas erreichten oder ob sie vollkommen zwecklos waren. Wir tappen noch allzusehr im Dunkeln in diesen Dingen, und Jeder, der hier einen Versuch macht, kann sich in der Hauptsache nur auf sei­nen guten Willen und sein Fingerspitzengefühl ver­lassen. Heimabende in unseren Dörfern sind Dinge, die chre eigene Gesetzmäßigkeit haben. Die aber muß noch ergründet werden. Es ist leicht, in irgend einer Form Betrieb" zu machen, sei es durch Theater oder Verein«. Wer

die neue Form" des geistigen Gemeinschaftsleben» zum Entstehen und Wachsen zu bringen, bas erfor­dert Geduld und Behutsamkeit.

Der Deharrungstrieb von Jahrhunderten her muß hier umgelenkt werden, und alles, was neu entstehen soll, muß von dem Derantwortungsbewußffein der beteiligten getragen werden, oder aber es schwebt in der Lust.

Heberhaupt: Verantwortungsbe wußtsein tmb Verantwortungsbereitschaft es steht nicht gut damit, nicht nur im Reichstag. Was ist den Jugendlichen der Verein? Vorläufig noch eine Ge­legenheit zum Fußballspiel und zum Schimpfen über den Vorstand und die anderen Letter. Daß ein Verein mir bestehen kann in der Treue feiner Mitglieder, dies« Er­kenntnis muß erst noch wachsen. Allerdings nicht nur bei den Jugendlichen.

Was bleibt, sst vielleicht der eine ober der andere Schwank, ein Märchen oder eine Erzählung, Dinge, die hie und da in abendlicher Unterhaltungen gelegentlich auftauchen werden. Vielleicht sst es auch hier das eine oder andere aus den Aussprachen, Sicher aber bleiben

ein halb Dutzend und mehr Lieder, und das sst für den Anfang genug.

Darum soll das alles nicht ein Klagelied fein oder ein hoffnungsloser Verzicht. Nein. Nur ein Ab­rechnen mit der nackten Wirklichkeit. Anders werden w:r der Gegenwart nicht mächtig, und die Gegenwart brauchen wir, um die Zukunft zu gewinnen. Die trü- gerische Selbstzufriedenheit und die schöne Geste haben schon allzuviel geschadet.

Vielleicht ist bas alles zu schwarz gesehen. Mag sein. Wesentlich ist, daß in uns wach bleibt ber W-lle zur Arbeit und der Glaube ans Gelingen trotz alledem.

Zum Schluß noch ein Wort an alle, die es angeht. FürdieArbeitderangedeutetenArtfehls uns im Fuldaer Land der geistige Mittel­punkt. Wir brauchen ein Heim, eine Stätte, welche der zerstreuten Arbeit Einzelner Zusammenhang und Kraft gibt eine Schulungsgelegenheit für alle die, welch« berufen und bereit find zur ArbeitanderJugendundamDolke in neuem Geiste, also Einrichtungen, wie sie in Allenberg ober im Franz-Hitzehaus bestehen. Wir wollen keinen neuen Verein, der alten sind es längst mehr als genug, und die Kirche sst unserVerein". Es güt, die zerstreuten Kräfte zu sammeln, und bas sst nur möglich, indem man ihnen im Mittelpunkt, also in Fulda, eine Heimat gibt Dort wäre ber Platz, um unsere Sugenb, männliche wie weib­liche, tm Winter zu schulen und die Führer heranzu­bilden, nach denen so sehnsüchtig gerufen wird.

Einstweilen müssen wir unsere Leute in die Fremde schicker:. Wie lange noch?