Ssergel Iwanowitsch
Fünf Minuten Denksport
Eine Ver'obungsanzeige.
pe, ra, re, rent, ri, ri sa, fe, se, sek, sis, so, ta, te,
pa.
gänzlich unvorbereitet, eine Holt gebietet In solchen philosophieren, ba^ es eine nur ein Russe. Der Russe
das nitfit, wenn man die
Klara Suse Men Ared-Kurk Ranos glühen als Verlobte
beobachten, was gejchehen würde.
(Fortsetzung folgt)
harte, kühle Vernunft ihm Zeiten kann er stundenlang Lust ist. So philosophiert Dostojewskis. Karamasoff.
Am Podium denkt man Nachtigalltöne seines leicht
gedreht aus Fäden eines kleinen Pitzes, gebleichten Blattresten und anderem Gemüll. Diese wird nun von der Königin ausgespien und bildet die erste Grundlage für einen kleinen Pilzgarten. Es bildet sich eine weih- Hrf>e bis graue Masse, einem Schimmelüberzug gleich, aus der bald die ersten Pilzköpfchen sprießen, die Kohlrabi der Ameisen.
Indessen legt die Königin einige Eierchen, denen Larven entschlüpfen. Sie werden von ihr mit anderen zerbissenen Eiern gefüttert, wie auch sie sich selbst zunächst nur von solchen ernährt.
Nach etwa 40 Tagen schlüpfen die ersten jungen Arbeiterinnen hervor, di« sich nun von den indessen gereiften Pilzköpfchen ernähren. Sie befreien sich zunächst aus dem Gefängnisse, indtm sie den von der Königin vermauerten Eingang wieder freilegen, und holen nun von der Außenwelt frische Blätter und Blattrest« herbei Die Nestameisen zerbeißen und zerkrümeln dies« und schassen damit neuen Humus für die Pilzanlage, die sie mehr und mehr vergrößern. Die Anlage wird rein und sauber gehalten und mit flüssigen Exkrementen gedüngt. Geschlecht auf Geschlecht reift heran, und Höhle entsteht neben Höhle, in jeder ein neuer Pilz garten, in« öem die Pilzföden, das Micelium, von einem in den anderen Garten übertragen werden. Ja, selbst an die Oberwelt werden diele Gärten von den Ameisen verlegt und dort unter Büschen betreut wie unter der Erde Unö ist eine solche Pilzanlage etwa nicht mehr ergiebig genug, so wird sie fortgeräumt und eine Neuanlage geschaffen.
Treibt so, wie geschildert, die Atta-Ameis« Südame- rikas die Pilzgärtnerei für Ernährungszwecke, fo züchtet auch z. B. die einheimische Holzameise in ihren Nestern ein« Pilzart; doch scheint dies mehr zum Schutz der Wände ihres Baues zu geschehen, da sie chre Gänge nur in morsches Holz gräbt.
Andere Ameisenarten wieder, die im Ueberschwem- mungsgebiete des Amazonenstromes auf Bäumen leben legen sich hängende Gärten von reich wuchernden Schlingpflanzen auf ihren Wohnbäumen an, indem sie di« Samen solcher in ihren Bau tragen und die zarten Wurzeln der keimenden Sämlinge sorglich mit Erde umgeben. Mit fortschreitendem Wachstum« schaffen sie ihnen immer mehr Humus herbei und pflegen sie sorgsam, daß sie selbst zur Zeit der Dürre wenn die anderen Schmarotzerpflanzen der Bäume schon längst abgestorben sind, noch in schönstem Purpur prangen. Die Ameisen aber schützen diese Gärten um ihre luftigen Nester in den hoben Kronen vor Wind und Wetter, vor nässendem Regen und sengender Sonne.
Die Ameise allo ein Gärtner? — Ja, noch viel mehr: I Sie treiben auch Ackerbau, Viehzucht und Weinkelterei.
ti, trans, un, Der, wur, wurs, ze, zel, sind 20 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach Unten gelesen, einen Spruch (ch-ein Buchstabe.)
Die Wörter bedeuten: ITeil der Pflanzen, 2 Waffenlager, 3 Untergegangene biblische Stadt, 4 Berühmter Wasserfall in Amerika. 5 Ansteckung, 6 Untergestell der Motorwagen, 7 Durchscheinendes Bild, 8 Wilde Pferdeart, 9 Europ. Staat, 10 Genossenschaft, 11. Engl. Königin, 12 Wettfahrt auf dem Wasser, 13 Kleines Höhlentier. 14 Wissenschaft! Versuch, 15 Bischofsmütze, 16 Krankheitserkennung. 17 Türk. Titel, 18 Brtt.-amerik, Insel im Atlant. Ozean, 19 Religiöse Gemeinschaft, 20 Sternbild.
| Denn er ist ein Falke. Sein erstes und letztes ist ihm seine Freiheit, für sie geht er über Leichen, völlig kalt I und grausam Selbst von seinen Leidenschaften gepackt, I nicht ohne eine gewisse dämonische Sicherheit.
Er verliert diese, wenn der Fatalismus des östlichen I Menschen über ihn kommt. „Nitschewo" — bann lohnt I es nicht, gegen diese am meisten tragische aller rustischen I Elementarmächte anzugehen. Dann versinken sie für I eine Weile in eine unlösbare Passivität, aus der ihn auch wieder nur fein gutes Raubtiermittel rettet Zeitweise. Alles ist hier zeitweise . . .
Nur eines nicht. Rußland. Mit ihm das Zarentum I — das Geheimnis Gottes — das Unerforfchliche — das Dunkel. Dies tft nicht allein tiefstes Heiligtum, es ist ruhig Selbstverständliches. Der Urgrund von allem, ohne Wandel, Schwanken, noch Stimmung. Es ist das Fun-
I bament für ©fergei Iwanowitsch. Sein Haß gegen den 1 I Bolschewismus ist eiskalte Verachtung. Aber tödlich«.
Sein« Zarentteue ist von ruhiger Unerbittlichkeit, ohne das geringste Zugeständnis an „moderne Ideen". Eine völlig innerliche Leidenschaft. Gott — Rutz.and — der I Zar, eine einzige Verschmolzenhett.
Es ist eine schwere, düstere Trauer, die sich über die beweglichen Züge, die geschmeidigen Bewegungen dieses durchaus aus Verschiedenstem zusammengesetzten, wand- iungssähigen Rufsenmenschen senkt Das Verloren« Das Heilige. Das Ewige. Das, wofür man in den Tod I geht, ohne nachzudenken. Anders als der Deutsch« in I den Tod geht. Viel weniger überlegt und bewußt. Und das lst der beste Teil in Ssergei Iwanowitsch. Es ist fein Unveräußerliches. Er hat feine Worte dafür, bedarf ihrer nicht.
Und hier ist das Leid das furchtbare um dieses Verloren«, gänzlich gebändigt bei diesem so viel Ungebändigten. Hier ist es schwerste Tragik, eine Tragik, die er und seine Brüder in der Fremde tragen, wie eine verborgene Krone. Höchster Stolz, tiefster Gram.
Ueiber diesen todwunden Tiefen aber klingen Rauschen der Wolga, Winde und Schneestürme, Läuten alter Kirchenglocken. dazwischen Troikaschellen — Anheulen ferner Wölfe — Knabenlachen — Schwirren eines in Not und Verbannung nicht an die Ketten zu legenden Wildvogels
Einmal war es über ihn gekommen, ein einziges Mal in seinem Leben, in etwa, das der bürgerliche Mensch Brutalität nennen würde. Nicht er. Im Gegenteil. Für ihn war es Absolutes. Wenn schon er tast daran zerbrach, dieser Starke. Das war zur Zeit des Krieges gewesen, noch in Moskau. Er hatte kurzen Urlaub, denn er liebte eine Frau. Hart und hinaegetzen, wie alles bei ihm. Und dann kam plötzlich der Moment, wo er sie als Spionin empfand, vielleicht empfinden mußte. Sie war das Stärkste in seinem Leben. Aber das war einerlei, vielleicht gerade darum ... Er gab sie an, er wies auf die Spuren und „Beweise" hin, — sie schienen zu stimmen. Eines Nachts verhaftete er — mit feinen Gewährsmännern die Ahnungslose, sie würbe ins Gefängnis geschleppt — ein kurzes Verhör — und nach 48 Stunden standrechtliches Erschießen. Er war zugegen — es war kein Tropfen Blut in seinem Gesicht
„Voila gui fair d'une jeune bete fauve" — sagte eine junge Wienerin, mir leise ins Ohr, als sie ©fergei Iwanowitsch zum ersten Mal auf seinem Podium mit feiner kleinen Russenkapelle sah. Der französische Aus- druck gab es am besten wieder. Nicht Raubtier, auch nicht „wildes Tier", aber junge Bestie. Aber auch das nicht ganz. Es war etwas anderes. Etwas, das nur wir wissen, das der Westlet aber fühlt. Ein junges Step, pentter. Wolf — Luchs — Elch — das ist gleich, auch wildes Pferd, immer aber ungezähmt, immer von der Steppe. Umso stärker, je beherrschter er vor dem Publikum war. Enorm beherrscht. Ein« geschmeidig« und kräftige Behendigkeit der Glieder, Muskeln, in jeder Bewegung des schlanken, aufrechten Körpers. Wenn er sich nach dem großen Applaus des Wolgaliedes oder Stenka Rasin's lächelnd verbeugte, war es ganz lässige, beühei- ben stolze, em klein wenig gleichgültige Anmut, werin er sich erhob, um in einer Pause schnell vorn Podium herunter in die Hinteren Räume zu verschwinden, zu einem Schluck, einer Zigarette, einem Bissen, dann war diese schnelle lauttose Bewegung von raubtierchafter Gewandtheit eines jungen Tigers. Er wußte das alles nicht. Wußte auch nichts von feinem Gesicht. Dem ein wenig kleinrussischen, ein Atom tatarischen und ganz und gar russischen Gesicht, mit dem etwas stärker entwickelten Kiefer, der slawischen Nase und den verblüftenden Augen. Schlechtweg verblüffend, hellgrau, falkenscharf e ne Skala von Ausdrucksmöglichkeiten, metallkalt, dann auch wohl ganz dunkel, wie in die schweren Abgründe seiner verlorenen Heimat sinnend und — selten zwar — kinderweich von einer ihm gänzlich unbewußten elementaren Zärtlichkeit. Darüber die feinen, beweglichen, sehr schräg gestellten Augenbrauen, die eigentlich das Typische an seinem Gesicht waren. Aus ihnen erriet man immer, was er meinte.
Der Vater gefallen. Zwei Brüder ermordet. Bolfche- roismus! Der Mann der jungen, einzigen Schwester rm Kerker, weit hinten in Rußland. Das Gut verloren und aufgeteilt. Die Mutter allein drüben, selten eine Nachricht von ihr. Sein Gesicht wurde blaß und seine Stimme leise, fpratf) er von ihr, selten und sparsam. Er wurde wortkarg, redete er von den Dingen, die sein Tiefstes anrührten. Eine scheue, stolze Schamhaftigkeit verlöschte dann alles Naturfeuer dieses wandelbaren Gesichts. Wandelbar in dem einen, dem russischen Sinn.
Denn in Ssergei Iwanowitsch waren alle Gestalten seiner großen Dichter. Sie waren sein Ich.
Vor allem Dostojewski. Die intuitiven Dunkelheiten, das chaotische, das infernalische Zickzack, die von ihm
Die Ameise als Gärtner.
Don G. I. Dotzauer-Wien.
Aus glänzendem Himmel fällt ein kleines geflügeltes Ansekt, Es ist ein Ameisenweibchen, eine Ameisenkönigin. Erschöpft, mit zitternden Flügeln sitzt sie da, wie um sich zu besinnen. —
Es war ein herrlicher, sonne'-durchglühter Tag, »en die geflügelten Ameisenprinzeßchen zu ihrem Hochzeüs- fluge benützt hatten. Voll Jubel und Jugendluft tum- melten sie sich irn warmen Aecher, bis die Ermattung sie wieder zur Erde niederzwang.
Vorbei ist's nun mit Lust und Tanz: es beginnt die Pflicht. Bedächtig beißt die Königin sich die zarten Flugelchen fort und putzt sich fein säuberlich die letzten Stümpfchen ab. Sie begarf ja ihrer nicht mehr. Ihr Leben gehört von jetzt an nur dem Dunkel im Schöbe der Erde; nie wieder kehrt sie ans Licht zurück. Ihre Aufgabe ist nun, ihrer Art zu dienen, indem sie möglichst viele Eier ablegt, um aus diesen das arbeitende Jungvolk zu erziehen, zu emsiger Tätigkeit, zu unermüdlichem Schaffen, damit ein herrliches, stolzes Ameisenreich erstehe, dem sie als Königin gebietet.
Noch ist sie einsam, ganz aus sich allein angewiesen. Doch sie säumt nicht, an die Arbeit zu gehen. Eifrig gräbt sie sich in die lockere Erde ein. um den Eingang die ausgeworfene Erde wie einen Krater aufhäufend Mühsam schaffte sie. Erdklümpchen auf Erdklümpchen, immer rückwärts herauskriechend, aus dem Erdfchachte, ben sie fo eng anlegt, daß sie sich nicht einmal darin um- drehen kann. In geschützter Tiefe aber macht sie eine geräumige Höhle, oft 18 bis 20 Zentimeter weit: ihr erstes Brutnest. Wohn- und Kinderzimmer. Ist sie soweit, so wird zum Schutze des begonnenen Nestes der Eingang mit kleinen Erdklümpchen vollständig verschlossen, so daß sie sich selbst lebendig eingemauert hat. Sie bedarf der Außenwelt vorläufig nicht mehr.
Wohl vorbereitet liegt in ihrem Munde eine kleine, ein halbes Millimeter messend« Kugel, locker zusammen-
Bald darauf wanderte ein merkwürdiger Zug durch den triefenden Wald: Erik voran mit einer Azetylenlampe, und am Schluß Colt mit seiner Bootlaterne. Der dicke Drakenborch wurde bald ziemlich atemlos, redete aber trotzdem fortwährend.
»Eine Materialisierung wollen mir nicht versuchen," sagte er unter anderem, „die sind immer das Aeußerste und Schwerste. Meine Tochter ist ein Trance-Medium und hat, wie andere Medien, einen Leiter — was wir einen control nennen: es ist eine junge Kreolin namens ffllarie, die im Jahre 1791 auf Haiti getötet wurde."
„Was?" rief Reynold erstaunt aus. „Tritt die etwa sichtbar in Erscheinung?"
»Gott bewahre! Aber wenn Dolores in Trance verfällt, spricht Marie durch sie — und auch andere. Aber heute abend werden wir den Mann vom Meer nicht zu uns sprechen lassen, denn wir kennen ihn ja nicht. Wir werden eine Kette bilden, uni falls er da sein sollte, wird der Tisch uns Bescheid geben ... bas ist ganz leicht. Manche Menschen lachen über solche Phänomene, weil sie ihnen lächerlich erscheinen, — wie eine Spielerei. 21ber selbst der Telegraph kommt unwissenden Leuten wie Spielzeug und Gaukelei vor. Die Psychischen Kräfte haben ja manche Aehsilichkeiten mit den elektrischen. Un« fere Kette ist eine Leitung für psychische Ströme. Und was ist der Tisch? Eine Zufälligkeit, ein Etwas, worin Signale ertönen. Wenn wir die Kette bilden, ist Dolores die — wie nenn' ich es nur? — die sensibelste unter uns. Sie ist ein Magnet, und wenn unsere Kräfte stark sind, verfällt sie zeitweise ganz von selbst in Trance . . . Ist das die Kajüte? Ja! Dann sind wir also zur Stelle." Drakenborchs Stimme hatte sich verändert, er sprach scharf und abgerissen und feine großen Katzenaugen flammten.
Erik ließ den Schein seiner Laterne über Strand und Waldsaum spielen, bevor er als erster die Kajüte betrat. Sowohl draußen wie brinnen war es leer unb öde. Der Regen strömte hernieber, unb ber Sturm heulte. Tobias stellte mit unbeweglicher Haushofmeistermiene bie Stühle zurecht.
„Soll Tobias hierbleiben?" fragte Märta.
„Stein, nein, schicken Sie ihn sofort nach Hause. Da
brachen worben märe. Und diese ehrwürdige Tradition der Woche sollen wir nunmehr vernichten lassen — um einen amerikanischen Mechanismus auch in der Zeitberechnung einzuführen? Damit jedes Jahr mit dem glei- djen Wochentag beginnt, soll ein „unbekannter" Schalttag erngesuhrt werden? Man möge das Osterfest festlegen, wann man will, man möge sonstige Verbesserungen einführen, aber bie alte Tradition der Woche soll man ohne Storung weiterführen, sie ist in all den Kalenderwirren das einzig«, was von Bestand geblieben ist.
Dr. Hermann Schuchert.
AufWnZeu aus der festen Sonukagsnummer.
Auflösung des Rätsels.
Maske, Rabe — Maskerade.
Aaslösung des Silben-Rätsels.
Prachtausgabe.
und sie hart und ausdruckslos. Er machte fofo- einige Zage sah ihn niemand mehr, bann brach ~ fi Urlaub ab und war wieder an der Front. , nie davon, aber es war für ihn skrupellose ständlichkeit — Rußland — Pflicht — sßerrtrf Frau war unschuldig gewesen. ™
Er hat nie mehr eine Frau ernsthaft gesteh» . * aber war unerläßlich und unproblematisch [Qr $ Jjti er gelitten ging Keinen was an. — ’ ' <$a«
Das war das Gesicht von Ssergei Iwanowitsch. Helene Hoerschein«^
kann er ja auf uns warten. Ist sonst hier auf der Insel noch jemand draußen?"
„Sicherlich nicht!" erwiderte Erik.
„Gut!" Drakenborch unb Colt traten an ben Tisch heran: es war ein altmodisches Möbel mit gedrehten plumpen Beinen und Querleisten. Sie hoben ihn auf. «Zu schwer," sagte Colt.
„Ach nein," murmelte ber Kubaner. „Das hat nichts zu sagen. Wir beabsichtigen ja keine Levitation. Es wird schon gehen."
Tobias entfernte sich mit Eriks Laterne, und Drakenborch schloß sorgfältig hinter ihm die Tür. Die Boots- lampe wurde auf eins von den staubigen Wandborden gestellt, und ihr schneidendes Licht verlieh dem Ganzen eine frappante Aehnlichkeit mit einer Filmszene, bis Dolores sie mit ihrem Spitzenschleier verhüllte.
Nachdem jeder seinen Mantel und Hut aufgehängt hatte, wo es eben ging, nahm man auf einen Wink von Drakenborch am Tisch Platz. Erik saß rechts von Dolores, an feiner andern Seite Drakenborch, Reynold, Colt und Märta.
„Ich werde jetzt kurz erklären: Die Hände bitte ganz leicht auf ben Tisch legen, ohne die Muskeln anzustrengen. Wir bilden eine Kette — sehen Sie wohl? — indem jeder bie Hand seiner Nachbarn berührt. So, nun ist ber Kreis geschlossen, ber psychische Strom pulsiert — magnetisch — in einer Kreisbahn ..." Er senkte bie Stimme. „Gedulb — unb Schweigen! Körper und Seele in Ruhe, an nichts anderes denken, ben Willen ja nicht bemühen . . ."
Sie saßen jetzt mit ausgebreiteten Fingern. Nach einer Weile fühlte Erik ben Puls der schönen Kubanerin vibrieren.
„Es ist zu hell!" klagte Dolores. „Der Raum ist ft klein, und ich fühle, baß starke Kräfte —"
»Still, Kindl. Den'e nicht an bas L'cht Stell' JÜt vor, baß es schwächer wirb . . . immer schwächer . . "
Erik hätte sich gern bie Augen gerieben. Es kam ihm vor, als ob der Lichtschein wirklich abnähme. Ec biß die Zähne Übereinander un" beschloß, sich allen Suggestionen zu widersetzen. Er wollte klar und bewußt
frucht, 12 Schnürleibchen, 14 Teil des Grases, 15 Alles Längenmaß, 16 Fluß im Harz. 19 Fluß im Westen Europas, 22 Zeichengerät, 23 Muscheltier, 25 Waren, raum, 26 In der Mode: Jahreszeit, 27 Held der Karo, lingischen Sage, 28 Verneinung, 29 Abschiedsgruß.
Don oben nach unten: 1 Wild, 2 Beleuchtungskörper 3 Palast des Sultans, 4 Gabe, 5 Kurzer Windstoß, 6 Kleine Insel nahe der Küste, 7 Nährmutter, 8 Teil des Hauses, 11 großer geschlossener Raum, 13 Prophet, 16 Land in Asien, 17 Musikdrama von Richard Strauß, 18 Persönlicher Schwung, 19 Erzählung aus alten Zeiten, 20 Göttin der Morgenröte, 21 Vergeltungsakt, 22 Lotteriezettel, 24 Teil des Wagens.
Silben-Häffel.
Aus den Silben: a, a. ar, band, beth, bra, chais. dH di, dom, e, e, ex, fek, fen, ful, fund, ga, garn, gat, gn» in, in. land, li, maul, ment, nal, neu, ni, o, on, an,
gerutf;. Er verachtet das Leben ein wenig, auch dessen tiefere Wahrheiten können ihm oft nebensächlich sein. Sem russischer Verstand ist zugleich geschlftfen und chao- ttsch. Sprunghaft die liebergänge vorn einen zum andern. Stimmung, Impuls, Eingebung sind sein Selbst- verständliches. Cs gibt keine Ausschreitung, keinen. Sprung, keine cmfkochende Leidenschaft, die bei ihm nicht Naturgewalt ist. Ob es zeitweise zu intensives Trinken, völliges Zigeunerdasein, schweifende Gel übe in F-rnen und Ungewöhnlichkeiten sind — ob gefährlich« Waghalsigkeiten, die ihm feine paar Groschen, Gesundheit, Schlaf, Nervenkraft rauben — der Impuls rettet alles. Er wird zur Leidenschaft, deren Herr er sich dünkt, deren Sklave er ab und an wird, bis — plötzlich wie ein kaltes scharfes Messer, " '
unb als ich auf den Gedanken verfiel, die Nacht in einer unbewohnten Lilla zu verbringen, wußte ich, daß du dich weigern würdest, wenn bas Ganze nicht ein gewöhnlicher etubentenftreid) wäre. Ich wußte ja nichts weiter von ber Villa, als baß sie leer stand. Und ein Künstler —? Sla, wir hatten ja ziemlich viel getrunken, und das hatte meine Phantasie wohl beschwingt. Aber in Ansehung aller folgen muß man wohl sagen, baß es besser gewesen wäre, wenn wir an dem Abend zeitig und nüchtern im Hotel 3u Bett gegangen wären. Ich kann nicht mehr tun, als bas zuzugeben. Eigentlich dachte ich, du müßtest begriffen haben, daß ich ein' Mann bin, ber niemals irgend etwas bereut."
„Ach habe jedenfalls gelernt, wie gefährlich es ist, dich zum Freund zu haben!" rief Erik aus.
„Unb doch ist es vielleicht noch gefährlicher, mich zum Feind zu haben", sagte Colt und trat ins Haus.
III.
Adam Drakenborch tat dem im Saal aufgetischten leichten Souper alle Ehre an, während feine Tochter nichts anrührte. Die Stimmung war keineswegs unbefangen. 3m Gegenteil, es lag Spannung in der Stift. Erik merkte, ba{} selbst Colt feine eisige Ruhe heute nicht zu bewahren vermochte. Es kam ihm sogar vor, als ob man sich auf fjamra auf irgendeine Weise verunreinigt habe. Etwa über die „Seance"?
Drakenborch blickte sich unsicher im Kreise um unb fagte: „Wir sind sechs, bas ist eine günstige Zahl. Sie kommen doch alle mit nach ber Kajüte?"
„Gewiß! Alle miteinander", antwortete Reynold. „3ft es Zeit?"
„3a, lassen Sie uns gehen. Es ist dicht vor ber Zett, ZU ber er nun schon zweimal gesehen wurde. Gibt es einen Tisch in ber Kajüte?"
„Freilich, aber er ist sehr schwer."
„Nun, wir werden schon sehen. Es wird wohl gehen. Und Stühle?"
,r3mei sind da, und Tobias wird noch vier hintragen." „Gut, Feld- oder Gartenstühle genügen ja. Unb brauchen Sott £aterne aus bem Boot werben wir
/ ©in russischer Mensch.
fetfrft kaum geahnten Widersnrücb« und Unergründlich- keiten. Unb die Dämonen. Nacheinander, mitetnanber, durcheinander. Ein Labyrinth. Gefährliches unb Edles dicht beieinander.
Ssergei Iwanowitsch ftt aus gutem Geschlecht klein- russischen Blutes. Es ftt Herrenblut, aber mit bem Erd-
Die Wörter bedeuten von links nach rechts: 1 Stabt Bayern, 3 Hilferuf des Schiffes in Not, 5 Fisch. 7 Betätigung, 9 Interpunktionszeichen, 10 Laubbaum-
. _ .- vibrierenden, schwingenden
Tenors hört, ebenso natuchaft wie alles bei ihm bei aller Süßigkeit des Timbre, autf, nicht, wen er knabenhaft wild und luftig tobend die Refrains seiner heimatlichen Lieder herauslacht und jauchzt — dicht daneben hockt ja die Traurigkeit, die nnergründliche des Rusten. , Aber Slergei Imanowitich ftt in seiner verschloffenen Männlichkeit gefühlsgebändigt, trotz aller feiner Impulse. Er kennt seine Weichheiten zu gut und er hält sie mit festen Zähnen und geballten Fäusten an der Kandare, wie ein russischer Pferdelenker fein Steppen- Pferd. Dann kann er völlig stumm dafitzen, ab und an ein kurzes, nicht leicht wiegendes Wort, ein Achselzucken, Schweigen, die hellen Raubtieraugen starren dann in sich hinein, als seien sie auf der Wacht vor einer Hohle.
Aber manchmal ist er ein Knabe. Wenn er von feinen Pferden und Hunden, seinen Morästen und Wäl- dern seiner Jagd spricht! Dann vergißt er für «inen Atemzug, daß alles das unwiederbringlich ist. Vergißt sein elendes Schlepperdafein in der Verbannung, die Fron täglichen Brots, die verhaßte, mit statischem Gleich- mitt getragene. Em Jauchzen fliegt durch feine Stimme, I und Brust und Glieder recken sich als wollte er fliegen. I
Tagessprüche.
Die Menschen sind nicht nur zusammen,
* Me stamm en sind; auch der Entfernteste, der Abgesch^.^ Ie6t UNS.
Die Freuden, die man übertreibt, die Freude» Schmerzen. (Justin Verch^"
Was Unglück und Sorge dir bringen, es ftt nitf# gebens: immer aus dunklem Grunde springen bie n len des Lebens. (Fr. Sobenftebt)
Der Mensch muß das Gute und Schon« wollen ’ das übrige hängt vom Schicksal ab. (A. o. Humboldt f*
Das Leben ist nichts als ein Weg, um etwas werben. (Gött.)
Innere Schätze beglücken. Dir tm Inneren Gold und Edelg-siein; da grabe in den Grüften. außen selbst suchst Du ewige Ruhe vergebens. (Herder j
Heiteres.
Der Spazierfkock. Japp schenkt Jupp einen Spazier» stock zum Geburtstag. Der Stock ist für ben Heinen Jupp zu groß. Was mm? Japp rät: „Abschneiden>' Oben geht's nicht, wegen ber Krücke. „Also unten!* meint Japp. Jupp außer sich: „Wozu beim? Unten p°ßt er doch!" („Brummbär".)
Verschiedene Beratung. Die Amme kam: „Baby will nicht schlafen." Madame sagte: „Ich werde hingehen, ihn, etwas vorfingen." — Die Amme erwiderte: „Damit habe ich ihm auch schon gedroht, gnädig« Frau!"
(„Der wahre Jakob".) s * i
Der hirnlose Frosch. Der berühmte Philosoph« Karl Ludwig hatte einmal bei einer Vorlesung einen, Frosch den größten Teil des Großhirns entfernt, um bie reflektorischen Leistungen des vorn Gehirn getrennten Rückenmarks zu zeigen. Da machte plötzlich der hirnlos gewordene Frosch einen unerwarteten Sprung unb landete hn Gesicht eines in der Nähe sitzenden Zuhörerz, der darüber nicht wenig erschrak und enftetzt zurück- prallte. Das ganze Auditorium brach in Gelächter aus. Aber der schlagfertige Professor sagte ruhig: „Sie scheu, meine Herren, wie wenig Gehirn dazu gehört um ein ganzes Auditorium zum Lachen zu bringen."
Eine Verlobungsanzeige, wie alle die anderen. Nur mit dem Unterschied, daß man aus den Namensbuch- jtaben ber Verlobten bie Heimatstädte beider zusammen stellen kann. Woher stammt sie? Woher stammt er? — Das sollen die Leser herausfinden.
Kreuzworr-RLkfer.
— Ich war in Rorrtälje . . . Hier sind allerlei Zeitungen . . ."
Zwischen ihren geschickten Fingern rollten die grünen Beeren unablässig in die Schüssel hinab. Endlich war sie fertig, faltete die Hände auf dem Schoß und blickte ihn an.
„Darf ich eine Frage stellen, Grit?“ sagte sie mit ihrer warmen, ruhigen Stimme. „Liegt etwas vor, was dich beunruhigt?"
„Durchaus nicht! Was sollte das wohl fein? . . . Ich glaube, die tiefe Stille hier draußen macht mich ein bißchen nervös. — Und . . . nun, du weißt ja, Papas Kummer wegen Sä gar ö ... 6s ist ja nicht alles, wie man es haben möchte."
«Nein, das ist es nicht", sagte sie.
II.
Dolores Drakenborch war während Eriks Abwesenheit dagewesen, unb man war übereingekommen, die Sitzung noch am selben Abend zu veranstalten. Der Himmel hatte sich bezogen, und als der kleine Scheinwerfer des Motorboots kurz nach acht Uhr auf dem Sund herannahte, reg- nete es bereits heftig. Erik hals Colt beim Vertäuen, wahrend Drakenborch unb seine Tochter an Land steigen. Während die beiden jungen Männer ihnen bann folgten, fragte Colt: ,F>ast du die Zeitungen gelesen?"
„3a", erwiderte Erik kurz.
^ „Das Gewitter zieht sich zusammen," fuhr Cott fort. ,,©ie werden bald herauskriegen, wer er war, und dann wird die Sache ungemütlich werden."
„So?" Erik blieb stehen. „Kanntest du ihn etwa?"
„Unfinn! verfemte ber andere sichtlich gereizt.
Erik war im Begriff, zu fragen, ob Colt denn meinte, daß Direktor Haber etwas von dem Zusammenhang ahnen könne, als plötzlich eine Erinnerung in ihm warf? wurde „Golt! Du behauptetest, den Besitzer zu kennen. Du sagtest, er wäre ein Künstler, unb nanntest einen Ua- men — aber der Name war nicht Haber... Du loaft also!"
„Du hast viel Zeit gebraucht, eh' du dahinterkamst!" „Aber weshalb logst du? Sag' es mir! Weshalb?" „Wie wenig du mich kennst. Da kenn' ich dich denn doch weit besser. Du steckst voll bürgerlicher Skrupel,