Mrg. 58.
Sonntag, 22. Februar 1931
wglisch-smnzWschezlollendesprechungen
Die schwierige Agrarfrage
Reichs-
Bergleute sind noch eingeschlossen. Der Rest ist aus* gefahren.
Zehn Mann haben sich mit Gasvergiftungen im Krankenhaus gemeldet. Vermutlich ist der Herd der Explosion ein blinder Schacht, der nicht zu Tage herausgeht, sondern lediglich eine Verbindung zwischen einem größeren Abbau und der 600 Meter-Sohle, auf der sich das Unglück ereignete, bildet. Dieser kleine Blindschacht ist wahrscheinlich zu Bruch gegangen.
wtb. London, 21. Febr. (Eig. Meld.) „Daily Telegraph" läßt sich aus Paris melden, daß die Besprechungen zwischen dem Vertreter des englischen auswärtigen Amtes, Craigie und den Vertretern des Quai d'Orfays, sowie des französischen Marineministeriums über eine Beschränkung der französischen Flottenrüstungen entschiedene Fortschritte gemacht hätten. Craigie sei nunmehr in der Lage, dem englischen auswärtigen Amt und der Admiralität b:e Skizze eines Entwurfs für ein Abkommen zur Genehmi- Sg vorzulegen, dessen Gültigkeit indessen von der timmung Italiens abhängig gemacht werden müsse. Es sei zu erwarten, daß die grundsätzliche Entscheidnug der britischen Regierung in einigen Tagen bekannt werde. Wenn es auch noch
zu früh sei, um Einzelheiten zu geben, dürsten doch folgende Bestimmungen in dem Abkommen enthalten sein:
1. Der Tonnengehalt der französischen Flotte, wie er in London von der französischen Delegation festgelegt worden sei, würde eingeschränkt werden und zwar insbesondere U-Boot-Tonnage. Dagegen werde Frankreich das Recht geltend machen, zum Ausgleich eine größere Anzahl von Zerstörern zu bauen.
2 Frankreich werde seine Zusttmmung dazu geben, daß die französischen und die italienischen Lauprogramme wahrend der nächsten fünf Jahre so durchgsführt werden, daß Frankreich 1936 150 OCO Tonnen mehr an modernen Einheiten besitzt als Italien.
Reichs- Unpäß- gefeffelt
wtb Lfchweiler, 21. Febr. (Eig. Meld.) Auf der jg, Nothberg bei Efchweiler gelegenen Grube E f ch- geiler- Reserve fand heute früh eine Schlagwetterexplosion statt. Nach den bis jetzt vorliegen- fcn Nachrichten handelt es sich um eine örtliche Schlagwetterentzündung. Bisher sind zwei 5R(jnn als tot und mehrere alsverletzt gemeldet.
Bis 11.40 Uhr wurden nach dem amtlichen Bericht 2 5 Tote und 4 Verletzte gemeldet. Einige
Reue Kabinetlsfihung. — Teilnahme des kanzlers.
CNB. Berlin. 21. Febr. (Eig. Meld.)
kanzler Dr. Brüning ist von einer leichten lichkeit, die ihn am Freitag ans Zimmer _ . .. hatte, wieder hergestellt. Unter seinem Vorsitz hat heute um 9 Uhr die vorgesehene Kabinettssitzung begonnen, in der die Agrarfragen weiter beraten
Rosenberg auf dem Rückzug? „Mythus des 20. Jahrhunderts" und Katholizismus»
Von unserem besonderen Mitarbeiter.
Vene schwere Schlagwetter-Explosion
25 Todesopfer geborgen.
Attentat in Wien.
Der AdZutank des Königs von Albanien erschossen.
Nach Schluß der Vorstellung in der Oper rour3e auf den krankheitshalber in Wien weilenden König von Albanien, als er mit großem Gefolge das Opernhaus verließ, ein Attentat verübt. Der Adjutant des Königs wurde tödlich getroffen. Er starb sofort. Ein weiterer Begleiter des Königs wurde verletzt. Der König blieb unversehrt. Die beiden Täter wurden am Ort der Tat gefaßt. Es sind albanische Emigranten. Noch im Laufe der Nacht wurden weitere albanische Emigranten verhaftet und in ihren Wohnungen Haussuchun- gen vorgenommen. Die beiden verhafteten Täter» frühe re albanische Offiziere, erklär- ten, daß sie nur aus politischen Grün, den gehandelt hätten. Der eine der Täter, Gjelossi, behauptet, daß er das Attentat ohne Einvernehmen mit anderen Personen begangen habe. Der andere Täter, Kamis, erklärte, daß er gemeinsam mit Gjelossi bereits Tage vorher beschlossen habe, ein Attentat auf den König auszuüben. Im Besitze Samis wurde ein Trommelrevolver gefunden dessen 7 Patronen sämtlich abgeschossen sind, bei Gjelossi eine Mauserpistole, aus der zwei Schüsse abgegeben worden sind. _____
zu können, bis durch finanzielle Schwierigkeiten des Reiches derartige Maßnahmen notwendig werden. ___
Im „Völkischen Beobachter" Nr. 48 vom 17. Februar dieses Jahres ergreift Alfred Rosenberg in einem Artikel: „In eigener Sache" das Wort zu den Ausführungen, die in letzter Zeit von katholischen und Zentrumskreisen über sein Buch „Der Mythus des 20 Jahrhunderts" gemacht worden find. Es ist kein Geheimnis, daß Rosenberg mit diesem Buch seiner Partei einen „Bärendienst" geleistet hat. Im Rechtsausschuß des Reichstags fxrb peinliche Zitate aus seinem Buche gegen seine eigenen Parteifreunde angeführt worden. Die national- sozialistische Parteileitung findet die kulturphilosophischen und kulturpolitischen Ausführungen Rosenbergs mehr und mehr als unbequem. Rosenberg sieht sich infolgedessen genötigt, in öffentlichen Erklärungen sich zu seinem Buch zu äußern. Er versucht die Wirkungen seiner vom christlichen Standpunkt aus unhaltbaren kulturphilosophischen Betrachtungen abzuschwächen und damit den opportunistischen und propagandistischen Notwendigkeiten seiner Partei genüge zu tun. Es verwundert uns dabei nicht, daß er das Aufklärungsmaterial der Zentrumspartei als eine Fälschung abtun will.
In seiner Erklärung vom 17. Februar wirft Alfred Rosenberg in sehr eigenartiger Weise die Feststellungen des parteiamtlichen Materials mit irgendwelchen anonymen Vorwürfen, die Rosenberg nach seiner Behauptung der Zentrumspresse entnommen haben will, durcheinander. So ist z. B. in dem amtlichen Zentrumsmaterial gegen den Nationalsozialismus nicht behauptet worden, in dem Buch .Der Mythus des 20. Jahrhunderts" sei der Satz enthalten: „Die Lehre vom Dritten Reich wird keine Duldung der katholischen Kirche, nur den Mythus vom Hakenkreuz im Kamps gegen das Ehristentum kennen". Dieser Satz ist kein Zitat aus Rosenberg, sondern ein zusammenfassendes Urteil über die unduldsame und feindselige Haltung Rosenbergs gegen die katholische Kirche und ihre Einrichtungen und seine kulturpolitischen Forderungen an das künftige Dritte Reich, wie sie sich mit leichter Mühe aus den verschiedenen Kapiteln seines Buches anführen lassen. Die bei diesem >»atz erwähnte Seitenziffer 646 bezieht sich auf die G e- genüberstellungdesHakenkreuzesge- gen das Christenkreuz. Sie tollte beweisen, daß Rosenberg das Symbol des Hakenkreuzes in polemischer Weise dem Symbol des christlichen Kreuzes gegenüberstellt. Auf Seite 646 lesen wir:
„Einst bewirkte das hochgehaltene Kruzifix dre plötzliche Ummagnetisierung tausender, dies
Was die Woche brachte.
Außenpolitische Amfchau. — Das Echo der autzenpolitifchen Debatte im Reichstag und feine Lehren für uns. — Unveränderter deutscher Standpunkt. — Die Krisen in der Welt. — Spaniens Tragik.
Don unserem parlamentarischen Mitarbeiter:
rücksichtslos durchgeführt wird. Was sich jetzt in Spanien abspielt, sind wieder nur Krampfversuche. Wenn wir das neue Kabinett, das nach größten Mühen eben noch so notdürftig gebildet werden konnte, uns ansehen, dann stellt es nichts anderes dar als eine verschleierte Militärdiktatur, gegen die sich aber eine große Mehrheit des spanischen Volkes schon jetzt austehnt und die nur dazu geschaffen ist, die republikanischen und sozialistischen Parteien noch mehr zu stärken.
König Alfons war schlecht beraten, als er sich zu diesem Spiel verleiten ließ. Er durfte nicht Verhandlungen aufnehmen lassen mit den noch in den Gefängnissen sitzenden republikanischen und sozialistischen Führern, um sie für einen Eintritt in das Kabinett zu gewinnen, wenn er das nicht auch ehrlich wollte. Jetzt sind diese Kreise erst recht stutzig geworden, die Sozialisten haben bereits den Generalstreik proklamiert, die Revolutionäre im Lande sind am Werke, und das Einsetzen einer Militärmacht wird die Volksstimmung nicht beeinflussen können, es wird auch nur vorübergehend den offenen Aufruhr eindämmen und die Erreichung des Zieles, nämlich den Sturz der Monarchie, für eine gewisse Zeit verhindern.
Noch etwas anderes lehrt uns der Zustand in Spanien. Wir sehen deutlich, in welchen Abgrund ein Volk sinken kann, das parteipolitisch zerklüftet ist, das nicht die Kraft aufbringt zur Sammlung, zur nationalen Frontbildung, um einzig und allein zu arbeiten für das eigene Wohl und damit für das Wohl des Vaterlandes. Immer ist und bleibt die Zerrissenheit eines Volkes auch seine Tragik.
werden.
Im Vordergründe der Erörterung, an der auch der Reichsbankpräsident teilnahm, standen vor allem die genossenschaftlichen Probleme. Für Anfang der nächsten Woche ist eine eingehende Aussprache der zuständigen Stellen mit dem Ziele der Zinsverbilligung in Aussicht genommen. Die agrarpolitischen Beratungen des Reichskabinetts werden Montag vormittag festgesetzt.
Keine Ivprozentige Gehalkskürzung für Beamte.
ERB. Berlin, 21. Febr. (Eig. Meld.) Der deutschnationale Abg. Laverrenz hat gestern in einer Beamtenkundgebung gesagt, daß mit einer weiteren lOprozentigen Gehaltskürzung für die Beamten zu rechnen sei. Von zuständiger Stelle erfahren wir dazu, daß keine weiteren derartigen Gehaltskürzungen geplant sind. — Die Deutsch- nationalen scheinen es gar nicht avwarten
Es wird ernst gemacht.
Gegen Verleumdungen.
Gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Goebbels sind im Reichstag inzwischen weitere fünf Strafanträge eingegangen und zwar einer wegen Beleidigung, zwei wegen Beleidigung durch die Presse, einer wegen Beschimpfung der Reichsfarben und einer wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten durch die Presse.
Die Nationalsozialisten beantragen, diese Strafanträge aufzuheben. Die Tatsache dieser neuen Anträge und ihr Inhalt liefern nur einen neuen Beweis für die Richtigkeit der Maßnahmen des Hauses, die es nicht mehr dulden konnte, daß unter dem Schutze der Immunität straffrei drauflos beleidigt wird.
Zwangsvorführungsbefehl gegen den Abgeordneten Studienrat Dr. Löpelmann.
Vor der Grüßen Strafkammer des Landgerichts II in Berlin sollte gegen den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Stu bi en« rat Dr. Löpelmann wegen Beleidigung des Innenministers Grzesinski verhandelt werden. Dr. Löpelmann war aber nicht erschienen und das Gericht beschloß, den Angeklagten zum nächsten Termin zwangsweise vorführen zu lassen und gab der Staatsanwaltschaft Auftrag, bte entsprechende Genehmigung zu dieser Zwangsmaßnahme beim Reichstage einzuholen.
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Symbol anschauender Menschen . . . Aber ein neues Symbol ist bereits emporgehoben und ringt mit allen anderen: das Hakenkreuz . . . Das Symbol der organischen germanischen Wahrheit ist heute bereits unumstritten das schwarz« Hakenkreuz."'
Der Hinweis auf die Sätze der Seite 646 sollte es dartun, daß Rosenberg als letzte Konsequenz seiner gegen die katholische Kirche und gegen das geoffenbarte positive Christentum gerichteten Auffassungen das schwarze Hakenkreuz dem christlichen Kruzifix entgegengestellt. Diese Tendenz Rosen.» bergs ergibt sich übrigens noch deutlicher aus folgenden Sätzen seines Buches, die sich auf Seite 577 befinden:
„Aus der inneren Neueinstellung zum Jesus« bilde aber ergibt sich auch eine unbedingt notwendige scheinbar nur äußerliche Aenderung: der Ersatz, der die quälende Kreuzigung darstellen- den Kruzifixe in Kirchen und auf Dorfftraßen. Das Kruzifix ist das Gleichnis der Lehre vom ge. opferten Lamm, ein Bild, welches uns den Nre- derbruch aller Kräfte vors Gemüt führt und durch die fast immer grauenhafte Darstellung des Schmerzes innerlich gleichfalls Niederdrucks „demütig" macht, wie es die herrschsüchtigen Str« chen bezweckten."
Was als „Ersatz für die chrisllichen Kruzifixe dienen soll ergibt sich aus dem Vorhergehenden von selbst: das schwarze Hakenkreuz.
Zusammenfassend war über die Tendenz des Rosenberg'schen Buches geurteilt worden: i m Dritten Reich werde die katholische KirchekeineDuldungfinden. Diese Behauptung ist trotz einiger Einwendungen von Rosenberg, er habe in seinem Buche mehrfach di« Anwendung der Staatsgewalt gegen die Kirchen abgelehnt, berechtigt, wenn wir nachstehende Ausführungen von Rosenberg aus feinem Buche zugrunde legen:
„Gesiegt aber haben heute die Mächte bet Plutokratie und die Römische Kirche. Mitten im furchtbarsten Zusammenbruch erwächst jedoch die alte nordische Rassenseele zu neuem, höherem Bewußtsein. Sie begreift endlich, daß es ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener — sich notwendig ausschließender — Höchstwerte nicht geben darf, wie sie es einst in großherziger Weise zu ihrem heutigen Verderben glaubte zugestehen zu können. Sie begreift, daß süh rassisch und seelisch Verwandtes eingliedern läßt,
fen für eine gerecht« Revision dieses Vertrages, die dann naturnotwendig auch eine Revision aller anderen Verträge auch der über die Reparationsverpflichtungen nach sich führen wird. Bevor nicht diese Revision erreicht ist, hat es gar keinen Zweck, sich über ein neues Europa zu unterhalten, bevor nicht in der Kriegsschull)frage und in der Abrüstungsfrage die gerechten deutschen Forderungen erfüllt sind, können wir trotz allen ehrlichsten Wollens und Willens nicht zu einer europäischen Befriedung und zu einem Wiederaufstieg der europäischen Wirtschaft kommen. Die Eisrinde, die sich heute noch zwischen europäischen Völkern aufbaut, die die Sonnenstrahlen eines neuen friedlichen und auf verständnisvoller Zusammenarbeit unter den Völkern ausgebauten Europas nicht durchdringen lassen will, die zur Stunde noch die europäischen Völker durch dunlle Nacht wandern läßt, wird schmelzen, wenn die neue politffche Generation in allen Ländern, die bereits mit den Gewaltmethoden und der Gewaltsprache der ersten Nachkriegsjahre gebrochen hat, für dieses neue Europa kämpft und streitet. Für ein Europa, das nicht mehr Sieger und besiegte Staaten kennt, sondern nur Völker mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten.
Ein solcher Kampf fordert zähe Ausdauer, eine Riesengeduld. Aber er muß durchgekämpft werden bis zum Enderfolge, sonst bricht eines Tages über ganz Europa ein unheilvolles Chaos herein. Dieses Chaos wird aber nicht haft machen vor den Grenzen Europas, es wird hinüberreichen in andere Weltteile. Die Vorläufer eines solchen Chaos erkennen wir schon in den für einzelne Länder geradezu katastrophalen Folgen der Weltwirtschaftskrise. Sie zeigen sich uns vor allem auf dem Gebiete der Arbeitslosigkeft, von der jetzt auch Frankreich betroffen ist, obwohl es sich bemüht, die Welt über den wahren Stand auf dem Wirtschafts- und Arbeitsmartt durch eigenartige Statistiken zu täuschen.
Diese Wirtschaftskrisen beeinMssen sehr stark die Politik in den einzelnen Ländern. Genau wie bei uns. Für die meisten Staaten wird es allgemach unmöglich, einen geordneten Etat aufzustellen, weil die Fürsorge für die Arbeitslosen beinahe von Monat zu Monat alle Berechnungen umstößt. Don allen Seiten kommen die Hilferufe. Jeder Stand seufzst unter den Lasten, die ihm der Staat auferlegen muß, um die Gelder flüssig zu machen für die Fürsorge. Nun, ist es doch so, daß es genug Regierungen gibt, die nicht den Mut haben, dem Volke die Wahrheft zu sagen und deshalb besonders in der Außenpolitik immer wieder die alten Märchen erzählen, die schon längst durch die Tatsachen überholt sind und kaum mehr geglaubt werden. Dieses Verlegenheitsgestammel finden wir in London, finden wir in Paris, finden wir aber auch in Amerika. Und es ist geradezu unverständlich, daß man weiter sinnlos experimentiert, statt die Dinge beim rechten Namen zu nennen und einzugestehen, daß man in der Vergangenheit bis hinein in die Gegenwart falsche Wege in der Politik gmg und jetzt sich zu einer Umkehr entschließen muß.
Wenn diese Umkehr nicht freiwillig kommt, dann wird der Zwang, dem kein Land entgeht, das Erwachen der Völker selbst bringen. Wie gefährlich ein derartiges Experimentieren ist, sehen wir doch am besten an ben Zuständen z. B. in Spanien. Dieses Land hat schon viele Systeme durchlebt, von der Republik über die Diktatur, zur Monarchie und umgekehrt, aber es konnte nicht gesunden und wird nicht gerettet, wenn nicht von Grund auf eine Aenderung in der Gesamtpolitik
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda." Amtliches Kreisblatt.
Für die weitere Vorbereitung unserer außenpolitischen Befreiungsaktion ist die Nachprüfung des Echos, das die außenpolitische Reichstagsdebatte in der Weltpresse gefunden hat, wertvoll und auf- schlußreich. Während man in London und in Washington sich bemüht, objekiv und einigermaßen gerecht zu urteilen, über die deutschen Forderungen auf Revision, wie sie in der Erklärung des Reichsaußenministers aufgezeigt wurden, sich sachlich auszusprechen, bleibt die Pariser Presse bemüht, aus der Reichstagsdebatte für die Chauvinisten und Militaristen Frankreichs Kapital zu schlagen.
Wir kennen diese Sprache schon längst. Solche Urteile nehmen wir nicht mehr tragisch. Denn an dem deutschen Rechtsstandpunft wird dadurch nicht das geringste geändert. Keine französische Regierung kann in der nahen und fernen Zukunft an den Tatsachen, wie sie jetzt vorliegen, mehr vorübergehen. Diese zwingen zu einer Entscheidung, die keineswegs nur im deutschen Interesse gelegen ist, sondern ebenso im französischen wie im europäischen. Wenngleich Frankreich heute in Europa allein noch finanzstark ist, so drängen immerhin die wirtschaft- Achen Krisen zu einer Umkehr in der politischen Auffassung mit der entsprechenden Rückwirkung auf die Wirtschaftsgestaltung und Wirtschaftsführung.
Auf keinen Fall wird sich die deutsche Regierung von dem von ihr als richtig und notwendig erkannten Weg, den sie in der Außenpolitik zu gehen entschlossen ist, durch solche Stimmen des Auslandes abdrängen lassen. Sie wird ihre Befrei- ungsattion weiterhin vorbereiten und in dem Augenblick durchführen, der ihr als der günstigste erscheint, nicht mit Sentiments und Resentiments, auch nicht mit Methoden der Gewalt, sondern in dem ehrlichen Bestreben, auf dem Boden des Rechtes sich Geltung und Achtung und damit Anerkennung der deutschen Forderungen zu erringen. Es gibt auch bei uns politische Gruppen und Kreise, die glauben, daß wir mit einem Losstürmen aus gewisse Ziele schon die Erfolge in der Tasche hätten. Das ist politische Blindheit, die alle Realitäten unberücksichtigt läßt und statt mit gegebenen Möglichkeiten geradezu mit Phantomen rechnet und spielt.
Wenn wir uns über die wirklichen Gründe zu der von uns aufgezeigten flanzösischen Kritik an der deutschen Außenpolitik einmal sachlich unter- balten, dann finden wir, daß diese Kritik vor allem Plrückzuführen ist auf eine große Nervosität, die tn ganz Europa herrscht. Diese Nervosität durch- tränft auch die Politik, sie legt sie oft ht den Fragen lahm, die eigentlich schon zur Lösung reif sind. Zu dieser Nervosität kommt aber noch das Fehlen eines Vertrauens der Völker untereinander und zueinander. Und das ist das schlimmste Uebel, das zuerst zu beseftigen ist, wenn wir jemals in Europa vorwärtskommen wollen auf den Wegen Kur Gesundung und zur völligen Befriedung. Gerade wir Deutschen haben in dieser bitterschweren Seit allen Anlaß, durch unsere eigene Kraft, durch unseren festen Willen im eigenen Lande für Ruhe und Ordnung zu sorgen, dieses Vertrauen des Auslandes zu Deutschland wieder zu erringen, es KU stärken, denn dann erst können wir mit einer Bestimmtheit auf außenpolitische Erfolge rechnen.
Unsere Ziele bleiben stets die gleichen, ob wir die Revision oder die Befreiung unseres Volkes von der Kriegsschuldlüge meinen. Und beide wieder whren zurück auf das sich immer mehr als unhatt- dar erweisende Versailler Zwangsdittat, dessen Un- rerschrift man uns in einer Zeit des Niederbruchs wrt barbarischer Grausamkeit abgezwungen hat. Menn es noch ehrliche Politiker in der Welt gibt — ttnb sie sind da — bann müssen sie mit uns kämp-
— Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: .Tie Welt
a A im Bild" und „Buchenblätter' Rotationsdruck und Verlag Jlt» *4 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::