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Ar. 40

Beilage zur Fuldaer Zeitung

IS. Februav

Romsahrl eines Fuldaer Fabrikarbeiters.

4] Von M. ®.

Nach der Besichtigung der Katakomben kommen wir wieder zur Via Appia. Dort steht eine alte Kirche des hl. Sebastian aus dem 3. Jahrhundert.

Das Auto brachte uns auf eine Anhöhe, wo wir einen schönen Ausblick auf die Albanerberge und das Meer hatten. Nun kamen wir nach St. Paul. Jeder, der zum erstenmal die St. Pauluskirche betritt, wird etwas vom Wehen dieses die Welt durcheilenden ersten Mis. sionars verspüren. Wir betraten die Kirche durch einen Seiteneingang. Ein überwältigendes Bild stellen die Säulenhallen dar, 4 Reihen von je 20 Säulen aus Gra­nit. Oberhalb der Säulenhalle sind sämtliche Päpste in Mosaikbildern angebracht. Der Fußboden ist fein geschlif­fener Marmor. Die zweite Kapelle links wurde besucht, weil dort unter dem Kruzifix von Cavallini sich ein altes Mosaik-Madonnenbild befindet, vor dem 1541 Ignatius mit seinen ersten Gefährten die Ordensgelübde ablegte. Am Eingang des Chores die Konfestio mit dem Grabe des hl. Paulus; darüber ein kostbarer Tabernakel; rechts und links Kolossalstatuen der Apostelfürsten. Wir knieten in Andacht nieder und dankten dem großenApostel der Heiden" für seinen brennenden Eifer, womit erallen

Erster Fastensonutag (invocabit).

Eingangslied: Ps. 90, 15 und 16.

Invocabit me, et ego exaudiam eum.

Er rüst mich an, und ich erhöre ihn, «Wse ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich will ihn sättigen mit langem Leben. (Pf. ebb. 1.) Wer nnterm Schutz des Höchsten steht, der wohnt in des Himmelsgottes Schirmdach.

Epistel: 2. Kor. 6, 110.

Brüder! Wir ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget. Denn er spricht: Zur Gnadenzeit erhör' ich dich, am Tag des Heiles beit ich dir. Seht, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt der Tag des Heiles. Niemand geben wir irgendwie Anstoß, damit unser Dienst nicht in Verruf kommt; wir erweisen uns vielmehr in allen Stücken als Diener Gottes durch große Ee- duld, in Trübsal, in Nöten, in Aengsten; bei Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, in Nachtwachen, in Fasten; durch Keuschheit, durch Weisheit, durch Langmut, durch Freundlichkeit, im Heiligen Geiste, durch ungeheuchelte Liebe, durch Verkündigung der Wahrheit, durch Gottes Kraft; durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; bei Ehre und Schmach, bei schlech­ter Nachrede und gutem Ruf; für Betrüger gehalten und doch wahrhaftig, unbekannt und doch wohl-» bekannt; als Sterbende,- obwohl wir noch leben, gezüchtigt und doch nicht tot; betrübt und doch immer freudig, arm. und doch viele bereichernd, ohne Besitz und doch alles besitzend.

Der Versucher.

Betrachtung zum Sonntags-Evangelium.

Eigentlich wäre es schön, wenn der Teufel auch heute noch als eine Schreckgestalt mit Hörnern und Klauen vor uns träte, wie es in alten Geschichten erzählt wird. Es wäre dann viel leichter, ihn recht, zeitig zu erkennen und mit ihm fertig zu werden.

Aber du weißt so gut wie ich, daß das alles nur Geschichten sind, daß der Versucher weder mit Schwefelgestank noch mit Pferdefüßen zu uns kommt, sondern in viel feinerer Form, eben nur als ein Gelüst, als eine Begierde, die dazu meist noch sehr unschuldig aussieht.

War es nicht scheinbar ein sehr vernünftiger Gedanke, der nach vierzigtätigem Fasten an den hungernden Mcnschensohn herantrat: gebrauche deine Allmacht und laß diese Steine Brot werden?

Nein, der Versucher braucht nicht in einer be­sonderen Gestalt an uns heranzutreten, wir alle tragen ihn in uns. Man spricht von altersher von der dreifachen, bösen Lust im Menschen, der Au­genlust, Fleischeslust und Ho ffsart, mit anderen ^Worten von der Begierde nach Besitz, nach Genuß und Macht. Jeder wahrhafte Mensch kennt diese dunklen Mächte in sich und weiß, so wie sein Leben lang mit ihnen kämpfen muß, so wie der Heiland selbst mit ihnen ringen mußte. Und nur in dem Maße werden wir wirklich freie Men­schen sein, wie wir uns steizuhalten wissen von der dreifachen Gier.

Meinst du, ein Mensch, der von der Gier nach Geld besessen ist, könnte ein rechter Familienvater sein oder ein treuer Freund? Und ein Genüßling, ein Mensch, dem Essen und Trinken über alles geht, wird der das Reich Gottes erwerben?

Und ich brauche dich nur an das öffentliche und politische Leben zu erinnern, um zu zeigen, wie die Gier nach Macht und Herrschaft alles wahrhaft Gedeihliche erstickt und verkümmern läßt.

Da sagte mir neulich einer:Es sieht doch wahr- hastig fo aus, als ob wirklich der Teufel in der West regiere und nicht der Herrgott." Ja, es s^eht beinahe so aus. Die Sucht nach Geld, Genuß und Macht triumphiert scheinbar, sodaß sich fast fe­der als Narr betrachten muß, der nicht in diesem Triumphzug mitläuft.

Das ist aber weder eine Anklage an die West oder eine Entschuldigung für dich oder mich, das alles ist Sache Gottes. Unsere Sache ist der Kampf gegen den Versucher in uns, gegen alles, was Gier und und Sucht heißt.

Wir sind in der Fastenzeit. Die Hot nicht nur zu tun mit den Enthaltsamkeit inbezug auf die Speisen, sie ist auch eine Zeit seelischer Besinnung. Nicht umsonst steht das Evangelium von der Ver­suchung Christi am Anfang der Sonntage. Nur durch den Kampf mit dem Versucher in und um uns und durch den Sjeg über ihn kommt unsere Seele zur Glorie der Auferstehung, deren Sinn­bild für uns die Herrlichkeit des Ostertages ist.

Kapitalismus und Christentum.

Von Anton Worlitscheck.

Einer Neuerscheinung, die aus der Wirrnis unseres sozialen Lebens klar und zielsicher Wege weist (WorlitscheckSoziales Christentum". Ca. 224 Seiten. Leinen ca. M. 6.. Verlag Küsel u. Pustet, München), entnehmen wir di« folgende beachtenswerte Darlegung.

Das Christentum ist es feit den Tagen seines Stifters gewohnt, Zielscheibe der Verdächti­gungen von rechts und von links zu sein, und zwar nicht selten diametral entgegen­gesetzter, einander widersprechender Beschimpfun­gen. Bezichtigen es die einen als proletarierfreund­lich im Übeln Sinn, als Parteigänger und Protek­tor derkleinen Leute", so diskreditieren es die anderen alsKapitalistenreligion", als Schutz­truppe, Handlanger undHauskaplan" des Ka­pitals, als Schildknappen und Lakai kapitalistischer Mächte und Interessen . . . Eine zähe, unausrott­bare Anschuldigung, die nicht von der Tagesord­nung verschwinden will, eine Lieblingswaffe mit großer Einschlagskraft in den breiten Massen, die dem Christentum schon schwerste Entfremdungen und Verluste verursacht hat . . .

Kapitalismus ist ein richtigerWortmar- iyrer" der Gegenwart, mißbraucht und verge­waltigt zu allen denkbaren Deutungen. Aber mit blindem Drauflosreden, mit wahlloser, willkürlicher Wortschillerei und »fpielerei ist in diesem Fall nichts anzufangen und auszumachen. Hier ist sau­bere, behutsame, scharfe Begriff sfasfung und -formulierung unumgängliche Voraussetzung für jede Verständigung und fruchtbare Ausein­andersetzung.

Kapitalismus und Kapitalismus ist nicht einer­lei. Mindestens läßt Kapitalismus eine zwei- facheFassung und Wertung zu: Kapitalismus im weiteren und im engeren Sinn.

Kapitalismus im allgemeinen Sinn ist die eingebürgerte bestimmte technisch-rationelle, ökonomische Wirtschaftsform, m welcher das (im­mobile und mobile, vorzüglich aber das Geld-) Ka­pital in größtmöglichen Mengen als Haupt mittel und ausfchlaggeben- desJnstrument benützt wird zum Betrieb großer, umfangreicher wirtschaftlicher Unterneh-

mungen und zur großzügigen systemcrtilfchen Gü­tererzeugung und -Vertreibung. Dieser ökonomisch« Kapitalismus ist sozusagen der äußere, materielle Apparat und Rahmen der heutigen Wirtschafts- verfasiung.

Wohl von ihm zu scheiden und zu unterscheiden ist der engere, spezifische, wenn wir so sagen wol­len, der krass«, reinrafsige, klastisch«, der Welt- anschauungs. oder Gesinnungskapi­talismus bester Mammonismus, dessen treibendes Motiv und beherrschendes Prinzip die absolute Erwerbssucht ist: Erwerb um des Erwerbes willen, Geldoerdienen um des Verdie­nens willen, Gewinn um des Gewinnes willen mit Außerkurssetzung aller außergeschästlichen Rücksich­ten, Wcksichten auf Gott, Gottesgesetz, auf das Wohl des Nächsten, der Geifellfchaft, die höheren Güter des Geistes . . . Kurz: sinnlose, hemmungs­lose, rücksichtslose Erwerbsgier im Wirtschafts­gebaren.

Wenn wir diesen Kapitalismus noch näher auf feine einzelnen Komponenten und Wurzeln unter­suchen, so ist zu sagen: er ist sachlich Wesen vom Wesen des (praktischen) Atheismus oder Pa­ganismus, infoferne ihm der Reichtumser­werb und Gewinn das summum bonum ist, das höchste Gut, das ihm Gottes Stelle vertritt; der Tresor der Altar, vor dem er Weihrauch streut; die Gotteswelt und das Gottesreich eine verach­tenswerte, unterwertige, weil nicht verrechenbare Größe, höchstens nur soweit beachtet und gewertet, als sie sich fiir Geschichte und Gewinn als Mllte! verwerten, verwirtschaftlichen, kapitalisieren läßt.

Dieser reinrassige Gesinnungskapitalismus ist Stoff vom Stoff des waschechten Materialis­mus, weil ihm die Nachwerte und Nutzwerte, die münzbaren und zählbarenWerte" die Fülle und Höhe aller Werte, Spitzenwerte sind, denen gegen­über die idealen die geistigen oder gar geist­lichen Werte versinken im wesentlichen Schein nicht zählen.

Er ist Schlag vom Schlag des Jnnnoralismus, der in seiner Eigengesetzlichkest sich über die Normen der sittlichen Weltordnung hinwegschwingt, sichjenseits von Gut und

alles zu fein" und alle Menschen zu Christus zu führen suchte.

Wir kamen auch zur Kapelle des hl. Denediktus und an das Grab der hl. Cäcilia.

Unsere Rückfahrt nach der Stadt führte uns an dem kleinen KirchleinQuo vadis" vorüber, wo nach der Le- gende der Heiland dem aus Rom fliehenden Apostel Pe­trus erschien, der den Herrn erschüttert fragte:Wo gehst du hin?" _ , _ ., ,

Wir gelangten bann zur Titelkirche des Kardinals Schulte (von Köln)Zu den vier gekrönten unbekannten Märtyrern. Die Kirche ist um 400 erbaut, wurde beimNor- manneneinfall zerstört und durch Papst Paschalls II. tn kleinerem Umfang erneuert. In der Siloesterkapelle am ersten Vorhof sieht man noch Wandgemälde aus dem 12. Jahrhundert. Neben der Kirche steht ein Kloster der Anbetungsschwestern. , Dann gingen wir an der alten Rommauer entlang zum Standbild des hl. Franziskus und noch einmal zum Kolosseum, um am Nachmittag zu unserem Hotel zurückzukehren.

Am 22. Juni, dem Feste der Apostelfürsten, hatten wir drei Mitglieder unserer Pilgergruppe .die den Vor­namen Paul trugen, durch Blumensträuße am Früh­stückstisch überrascht. Um 7 Uhr morgens waren wir schon alle bei St. Peter, wo uns besondere Einlaßkarten Zutritt zur Feierlichkeit verschafften. Im Mittelschiff des Do-

Wie stehl das Schulprogramm der Aalionalfozialisken aus?

Im politischen Tagesgetriebe tauchte ein Brief­wechsel allzusehr unter, den dieAllgemeine Deutsche Lehrerzeitmig" in ihrer Nummer 48 vom 27. 11. 30 wiedergab. Es ist zweckmäßig, sich jetzt seiner zu erinnern, da wieder und wieder auch in katholischen Kreisen die Frage nach der Regie­rungsfähigkeit der Nationalsozia­listen aufgeworfen wird.

Ein Leser der A.D.L. hatte sich an Dr. I. Goebbels mit einer Reche Fragen wegen der Schulpolitik der NSDAP, gewandt. Er wurde von Goebbels an Studienrat D r. Löpel - mann, M. d. R., Friedenau, Hertelstr. 3 als die für die Bearbeitung von Schul- und Erzie­hungsfragen zuständige Stelle verwiesen. Dieser Herr Studienrat gab unter dem 15. 11. eine Ant­wort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Der Brief lautet nach der A.D.L. folgender­maßen (Sperrungen von uns):

Sehr geehrter Herr!

Ihre verschiedenen Fragen möchte ich dahin be­antworten, daß wir in der Zukunft eine gründ­liche Umformung des SäMwesens vornehmen werden. Voraussichtlich werden wir eine 8jährige Grundschule einrichten, deren Besuch für alle Kinder verbindlich ist. Darauf wird fixt) an Stelle der heutigen höheren Schule eine 4jährige Berufsschule aufbauen, die als eine Art Volksuniversität zu denken ist. DasKonkordat lehnen wirab und werden reine Son» fes sionsschulen nicht anerkennen; vielmehr sollen die ftaatlichen Schu­len auf christlicher Grundlage auf. gebaut werden und der Religions­unterricht den einzelnen Konfessio­nen überlassen fein. Die Lehrerausbil­dung wird voraussichtlich an einer Universität er­folgen müßen; Standesunterschiede zwischen den

Lehrern des nationalsozialistischen Schulsystems werden nicht bestehen. Bezüglich der Junglehrer und ihrer Not habe ich wiederholt im Berliner Rathaus Anklage erhoben und Wege zur Beschäf­tigung dieser Leute vorgeschlagen. Leider blieben diese Anklagen unberücksichtigt, weil die Sticht Bers lin ihr Geld verschwendet hat. Wir sehen im Leh­rer selbstverständlich auch den Beamten und wün­schen in Zukunft ein gut vorgebildetes, unbestech­liches Beamtentum. Ueber Besoldungsfragen sich heute zu unterhalten, ist überflüssig, da der Staat bankrott ist. Die Schulpolitik des Ministers Fran­zen in Braunschweig wird selbstverständlich von der Partei gebilligt, weil dadurch das marxistisch« Gesindel der Iugendverseucher an die frische Luft befördert wird und zweitens, weil in finanzieller Beziehung die Länder vom Reich abhängig finit und ihren Etat entsprechend einrichten müssen, auch auf dem Gebiet der Schule. Wenn Sie da von Schulabbau und Kulturabbau sprechen, so ist da­für die Politik der Reick-sregierung verantwortlich zu machen. .

Mit vorzüglicher Hochachtung

gez. Dr.. Martin Löpelmann, M. d. R." I Aus die allgemeinen Programmpunkte wollen mir hier nicht näher eingehen. Wichtig ist uns nur die Ablehnung des Konkordats, sowie der kaufest sionellen Schulen und die mit der allgemeinen Grundschule verknüpfte Preisgabe der mühsam ge* leiteten konfessionellen Prioatschulen. Davon wär«, den besonders unsere Diaspora-Gemeinden schmerz- lich betroffen werden. Wie die allgemeine christ­liche Schule aussehen wirb, läßt sich nach den Programmpunkten des Herrn Feder und den noch deutlicheren des Herrn Rosenberg in seinemMy­thos des 20. Jahrhunderts" mühelos vorftellenk Wenn es sein muß, wissen wir uns noch einmal zu wehren!

Bös" stellt, vonmoralischer Säure" frei weiß, sich zu faloleren sucht mit dem Motto:Mit Sit­tensprüchen baut man keine Bahnen, Danken und Fabriken!" Das Sittengesetz ist einHemmschuh" für Wirtschaftsentwicklung. Er ist Art von der Art des nackten Egoismus oder Individualismus: das kaufmännische, lukrative Privatinteresse steht ihm über den Fremd- und Allgemeinintereffen von Familie, Volk, Staat und Menschheit.

Er ist Geist vom Geist des Brutalismus: die Grundsätze von Gerechtigkeit und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben find ihm lächerliche Begriffe, Senti­mentalitäten, Zwirnsfäden, über welche er nicht stolpert.

Er ist Blutsverwandter des radi­kalen Liberalismus oder Autonomismus: Los will er fein von allen Bindungen, Schranken» Instanzen und Autoritäten . . .

Cs erübrigt sich, nach der Bloßlegung der Wur­zeln dieses Kapitalismus noch in der Breite di« Wirkungen aufzudecken, die in seinem Gefolge chreiten. Er ist der Kapitalschuldige und -ver­antwortliche für eine Unzahl heutiger Krisen und Kalamitäten. Er hat auf fein Konto zu buchen eine Unsumme von Minusposten: den Untergang zahlloser kleiner und mittlerer Existenzen, Nah­rungsmangel, Wohnungselend, Raubbau an Men- schenkrast, den ganzen Pauperismus der Gegen­wart. Er hat zu verantworten die Zerschneidung der sozialen Bande, die Auflösung und Vergiftung des Familienlebens, die Spaltung und Spannung zwischen den Ständen, das Hochkommen des Marxismus mit feinem Klaffenkampf, die Reibungen und blutigen Streitigkeiten zwischen den Völkern, so ziemlich alle Kriege der letzten Zeit ... Er ift Ser Kapitalverantwortliche für ungeheure Defizite an Gesundheit und Kraft, an Lebens- und Arbeitsfreude, an Vertrauen der S-c- lenkultur, Glauben, Hoffnung. Moral und Reli­gion. Er ist der Hauptschuldige für den beinahe völligen Bankrott der heutigen Welt . . .

Muß nun nach diesem Befund wirklich noch für einen begriffsklaren, halbwegs verständigen Men­schen auseinandergesetzt werden, in welchem Ver­hältnis dieser Kapitalismus zum Christentum steht? ' Eine einfache Gegenüberstellung genügt:

Hier wesensmäßiger Atheismus dort Mo­notheismus, die Verehrung des einen, persönlichen Gottes. Hier Materialismus in bester Form dort Spiritalismus, die Religion des Geistes mit Vorzug. Hier Jmmoralismus dort die Hut der lautersten, idealsten und strengsten Moral. Hier der offene Individualismus dort die Hochwarte des Altruismus und Solidarismus. Hier der Bru­talismus dort das grundsätzliche Evangelium der Humanität und Brüderlichkeit. Hier der Auto­nomismus dort das Prinzip der Autorität und

Autoritätsstärkung ... DieAbrechnung" ist zwin-. gend: Kapitalismus und Christentum sind ausge­machte Antipoden und Gegenpole, die einander ausschließen zmd nach allen Gesetzen ein Kompro­miß, einen Pakt, eine Freundschaft nicht schließen können, sich nimmer innerlichaffociteren", in Kompagnie" zueinander treten können. Das klas- sffch« Wort des Herrn bleibt in restloser Geltung^ Niemand kann zwei feindlichen Herren dienen! Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!

Sowenig im Ernst ein Kompromiß geschlossen werden kann zwischen dem freundlichen Licht und der unheimlichen Finsternis, zwischen dem sengen­den Feuer und dem löschenden Wasser, zwischen Schönheit und Häßlichkeit, Güte und Bosheit, der Himmelstochter Ordnung und der Höllenbraut Un­ordnung, so wenig ist ein Pakt möglich zwischen Christentum und Kapitalismus. Wie es ehrlicher­weise kein Schielen und Schwanken, kein Pendeln und Lavieren geben kann zwischen dem nieder- reißenden Radikalismus und dem cufbauenben Christentum, zwischen dem pessimistischen Buddhismus und dem optimistischen Christentum, dem wahngläubigen Okkultismus und dem gosundgläubigen Christentum so kann keine Koalition sein zwischen zwei Welbanschau- ungen, die durch eins Welt voneinander getrennt sind- Kapitalismus und Christentum.

Einchristlicher" Kapitalismus in dieser Form ist eine innere Unmöglichkeit, eine glatte Unsinnigkeit, gehört in die Rubrik der Umwertung! der Werte, in die Kategorie des hölzernen Eisens, des kalten Feuers, des eckigen Kreises, des dies-! feitiaen Jenseits.

Dieser Kapitalismus in Reinzucht ist objektives Antichristentum, modernes Heidentum. Je­derChrist" widerlegt, exkommuniziert, dementiert sich selbst, der dieses System bejaht und betreibt, Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!*

Dieser Auffaffung hat das Christentum in sei­ner tonangebenden Autorität zu allen Zeiten, ml allen Lagen standhaft und konsequent verfochten» in der vorkapitalistischen, frühkapitalistischen und hochkapitalistisckien Zeit, von den Kirchenvätern! Chrysostomus, Ambrosius u. a., über die mittel­alterlichen Theologen hinweg bis zu L e s XlII und dem neuesten klassischen Dokument der öster­reichischen Bischöfe über die soziale Frage, worin sich wahre Keulenschläge dagegen finden, bis ztt den jüngsten Katholikentagungen.

Es gibt darum, soweit nicht blamable Unwiffen- beit oder bankrotte Gedankenlosigkeit entschuldigt, kaum eine größere Unaufrichtigkeit und Ungerech­tigkeit als die Anklage gegen das Christentum, es (et Kapitalistenreligiön, die Schutztruppe des Ka­pitalismus. Zwischen dem Geist des Kapitalismus und dem Geist des Christentums gibt es keine Ver­söhnung.

mes waren Schranken gezogen, um die Menschenmenge zurückzuhalten. Es begann der Aufmarsch päpstlichen Militärs, das Spalier bildete. Bilder der Heiligen, die bei der Feier heilig gesprochen werden sollten, wurden verteilt. In dem prächtigen Zuge wurde die große Pyramide und drei Fahnen getragen, auf denen das Le­ben dieser Heiligen verzeichnet war. Ich zählle 80 Bischöfe in dem Zuge, dann kamen die Kardinäle und andere geistliche Würdenträger. Als der Heilige Vater auf dem Tragsessel erschien, brach die unübersehbare Menschen­menge in laute Hochrufe aus.

Es begann die Papstmesse. Unter feierlichen Zeremo­nien ging die Heiligsprechung vor sich. Zur hl. Wand­lung fpielten Posaunen. Die Feier endete erst gegen 1 Uhr.

Dann fuhren wir mit dem Auto zum Hotel zurück, wo wir des Abends schon zur Abreise rüsten mußten.

Die schönen Tage, die wir in Rom verleben dursten, werden uns für das ganze Leben in Erinnerung blei­ben.

Am Montag, dem 30. Juli, hieß es nach dem Besuch der Kamilluskirche Abschied nehmen von Rom Assisi, die Stadt des hl. Franziskus, ist unser nächstes Ziel. Wir fuhren in einem von südlicher Sonne durchglühten Mor­gen durch ftuchtbare italienische Landschaft. Gegen 10 Uhr waren wir in Assisi Zu Fuß gehen wir nach S.

Maria Degli Angeli, einem Flecken, der die Portiuncula. Kapelle mit der Basilika S. Maria Degli Angeli birgt. Innerhalb der großen Kirche steht die kleine Kapelle, di« der hl. Franz nach Verzicht auf allen irdischen Besitz, als seinTeilchen" behalten wollte, da er hier die Worte ver­nommen hatte, die sein Leben fortan beherrschten:Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Geld in eurem Gürtel tragen, weder eine Reisetasche, noch doppelte Kleidung, noch Schuhe noch einen. Stab haben".Das ist's", s» rief er aus,wonach ich mich sehne und was ich so herz­lich verlange". Neben der Kapelle legte er sich dann eine kleine Hütte an mit einem Gärtchen, an dieser Stätte ift er auch im Jahre 1226 gestorben. Die über der Kapelle erbaute große Basilika wurde im Jahre 1832 durch ein Erdbeben zerstört. Wie durch ein Wunder blieb aber diS Kapelle des hl. Franz unbeschädigt.

Von der Porstunkula-Kapelle wurden mir mit AutS nach der Stadt Assisi gebracht, die seit dem 13. Jahrhun­dert durch den Kaustnannssohn Franzesco Bernardone weltbekannt geworden. Wir gelangen zur Doppelkirche San Franzesco, in der das Grab des Heiligen ist, das anstoßende Kloster ist vor kurzem den Franziskanern wieder übergeben worden, nachdem es Jahrzehnte lang als Erziehungsanstalt gedient hatte.

(Schluß folgt)