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20. Februar

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Die Mutter

Du und ich und rohr alle find solche Mütter, die auf ein letzter, seliges Wiedersehen warten. . . ,

Die von dem Laien weitaus am meisten gefürchtete Ohrenaffektion ist die Mittelohrentzündung, die gewöhnlich im Anschluß an eine Erkältungskrankheit (Schnupfen, Mandelentzündung) aufzutreten pflegt. Die Hauptsymptome der Erkrankung dokumentieren sich in Schmerzen, Fieber, vermindertem Hörvermögen und bei der eitrigen Form auch in Ohrenlaufen. Um allen Ver­schlimmerungen zu begegnen, die sich aus einer Mittel­ohrentzündung entwickeln können, ist es wichtig, schon den allerersten Anzeichen der Entzündung die größte Beach­tung zu schenken, da es nur so noch gelingen kann, die Erkrankung in ihrem Anfangsstadium aufzuhalten. Bei längerer Dauer und besonders dann, wenn man sie unbe­achtet läßt, besteht die Gefahr, daß die Entzündung und eine nachfolgende Eiterung auf den benachbarten Knochen übergreift und sich eine sogenannte Warzenfortsatzentzün­dung entwickelt. In bösartigen Fällen kann es zu einer Beteiligung der Hirnhäute, sowie zu einer Allgememasfek- tion kommen.

Ein nicht zu seltenes Vorkommnis ist das Uebergehen einer vernachlässigten akuten Mittelohrentzündung in das chronische Stadium. Man muß bedenken, daß bei vielen Menschen eine chronische Miittelohreiterung besteht, ohne daß sie sich infolge der geringen Beschwerden dessen bewußt sind. Erst eine zufällig vorgenommene Ohren­untersuchung gibt Ausichluß über den wahren Sachver­halt, wobei es sich vielfach zeigt, daß der Beginn der Er­krankung bis in die Kindheit zurückreicht.

Und doch kann die chronische Mittelohrentzündung recht ernste Folgen nach sich ziehen. Eine allmählich stärker werdende Beeinträchtigung des Gehörs bis zur völligen Taubheit stellt eine, wenigstens für das Leben, noch verhältnismäßig harmlose Folge dar. Viel gefähr­licher sind die manchmal ganz plötzlich auftretenden Kom­plikationen von Seiten des Gehirns und des inneren Ohres, die einen blutvergiftenden Charakter annehmen können.

beriefe, We spätere Königin von Hannover. Diese ent- deckten im Hofe des Goethe-Hauses eine Wasserpumpe, für die beiden Hochgeborenen ein unbekanntes reizvolles Ding Mit Erlaubnis der Frau Rat stürmten die bei­den Backfische in den Hof und pumpten nach Herzens­lust trotz des Einspruches der Frau Oberhofmeisterin, die von der Mutter Goethe resolut in ein Zimmer ge­sperrt wurde:denn ich hätte mir eher den ärgsten Ver­druß über den Hals kommen lassen, als daß man sie in dem unschuldigen Vergnügen gestört hätte, das ihnen nirgendwo gegönnt war, als in meinem Haufe: auch hecken sie mirs beim Abschied gesagt, daß sie nie ver­gessen würden, wie glücklich und vergnügt sie bei mir waren."

grobnatur* so nannte Goethe selber, was seine Mutter chm mitgegeben.Ihr Alter ist weder an chrem Geist, noch an ihrem Körper merklich . . . Wo sie erscheint, entspringt Leben." Diese so von ihrem Enkel gerühmte Lebensfreude war nicht der Ueberfluß eines großen Lebensglückes. Fünf ihrer sechs Kinder starben vor ihr. Dies sonnenhafte Wesen leuchtete aus ihrem Glauben an den allgütigen Gott.Der Glaube an Gott! Der macht mein Herz froh und mein Ange­sicht fröhlich", bekannte sie 1807. Sie wußte, was sie damit sagte.Wenn ich meine eigene Erfahrung zur Hand nehme und denke, was ich alles vor Narrenspoffen gewünscht . . . und wie, wann es so gekommen wär-, die herrsiche Epoche meines jetzigen Lebens garnicht hätte erscheinen können, im Gegentheil, alles wäre ver­dorben und verhuntzt geworden so Hobe ich heilig ge­schworen, mich mit meinem Maulwurfsgesicht in gar- nichts mehr zu mengen, es immer einen Tag dem an­deren sagen lassen, alle kleinen Freuden auszuhaschen, aber sie garnicht zu anato-mieren". So öffneten sich chre Äugen für das nicht Alltägliche im Alltag.Ach es gibt doch viele Freuden in unseres Herrgotts seiner Welt! Nur muß man sich aufs Suchen verstehen, sie finden sich gewiß. Und das Kleine garnicht verschmähen! Wieviel Freuden werden zertreten, well die Menschen meist nur in die Höhe gucken und, was zu chren Füßen liegt, nicht eichten". Da mochte die französische Revolution Kriegsnot, Bombardemente und Einquir- tierung nach Frankfurt bringen, die Frau Rat verlor den Kopf nicht. Wir wollen es uns von ihr gesagt sein lassen:Unsere jetzige Lage sit in allem Betracht fatal und bedenklich doch vor der Zeit sich grämen oder gar verzagen, war nie meine Sache. Auf Gott ver­trauen den gegenwärtigen Augenblick nutzen fein eigenes werthes- Selbst vor Krankheit (denn so etwas wäre jetzt sehr zur Unzeit') zu bewahren da dieses alles mir von jeher wohl bekommen ist, so will ich dabey bleiben." Von Büchern aber und gelehrten Leuten hielt sie nicht viel:denn", meinte die 76jährige,eigentlich Leben kann man ihr Thun und Lassen nicht nennen: da jst kein Fünkchen, wo man nur ein Schwefelhöltzchen anzünden könnte, sie sperren die Mäuler über jeden Ge­danken, der nicht im ABC-Buch steht". Roch weniger wollte sie wissen von denModernen", denFraßen und Afsengesichtern". Wieder, als ob sie zu uns spräche: Da ist nun ein Gekreische von unserem Jahrhundert, von erleuchteten Zeiten usw. und goch ist bey denen Her- ren und Damen alles so schal, so elend, so verschoben, so verschrumpst, daß sie kein Stück Rindfleisch kauen und verdauen können Milchbren. gefrorene Sachen, Zucker­plätzchen, Hogout, das ist ihr Labsal freilich verderben sie sich den Magen dadurch immer mehr." Dem hielt sie entgegen Natürlichkeit. und das war für sie immer das Einfach«. Es ist das schönste Wort der Mutter Goetbe:Täglich mehr in den Kind-rsinn hineingehen, das ist summa fitmmarum doch das Wahre. Wozu mir bann Gott seine Gnade verleihen wolle, Amen."

Von Hedwig Krauskopf.

Hygiene des Ohres.

Von Dr. Hanns Schaefer.

In unserem modernen, auf Hygiene so stark eingestell­ten Zeitalter erscheint es auffallend, wie oft auf dem Ge­biet der Hygiene des Ohres gegen die allgemeinen For­derungen verstoßen wird.

Jucken und Kitzeln find höchst lästige Empfindungen, die besonders dann unangenehm werden, wenn sie an schwer erreichbaren Körperstellen auftreten. Wie nahe liegt da die Versuchung, sobald das Ohr etwas juckt, m i t dem Finger in den Gehörgang einzugehen, um sich Erleichterung zu verschaffen! Man überlegt dabei nicht, wie man leicht hierdurch, vor allem mit einem scharfen Fingernagel, Verletzungen der Gehörgangshaut derbeiführen und eine Wunde schaffen kann, in die Bak­terien eindringen und eine Entzündung, ja eine Furunku­lose des Gehörganges Hervorrufen. Eine Gehörgangs­entzündung kann unangenehm hartnäckig fein, den Betref­fenden durch dauernde Rückfälle belästigen und das All­gemeinbefinden in hohem Grade beeinträchtigen.

Eine andere, besonders bei alten Leuten weit verbrei­tete Unsitte ist das W a t t e t r a g e n i m O h r. Die Idee, di« dieser Handlungsweise zu Grunde liegt, basiert auf der Vorstellung, einer etwaigen Erkrankung des Ohres am sichersten dadurch vorbeugen zu können, daß man das Ohr gegen die äußere Luft abschließt. Diese Ansicht ist irrig, wie folgende Ueberlegung lehrt. Das Trommelfell, eine feste, häutige Membran, bildet die Grenze zwischen äußerem Ohr (Gehörgang) und Mittelohr (Paukenhöhle) und bietet daher, solange es unversehrt bleibt, dem Mit­telohr einen ausreichenden Schutz gegen die Schädlichkei­ten von außen. Ein künstlicher Schutz ist überflüssig, im Gegenteil, die Wattepfröpfe können auf die Gehärgangs- wandung einen Reiz ausüben und, besonders wenn sie längere Zeit liegen bleiben, eine Gehörgangsentzündung Hervorrufen.

Noch dazu werden die Wattestücke manchmal so tief in ben Gehörgang hineingeschoben, daß sie als Fremdkörper wirken und das Ohr verstopfen. Immer wieder mutz be­tont werden, welche Gefahr darin liegt, bei allen Fremd­körpern im Ohr (Watte, Infekten; bei Kindern: Erbsen, Perlen, Knöpfe) selbständige Entfernungsversuche zu ma­chen. Die Folgen solcher Exttaktionsversuche können, wie äie Erfahrung lehrt, abgesehen von den verursachten Schmerzen, unabsehbar sein. Verletzungen des Trom- welsells, völliger Verlust des Gehörs, ja sogar Todesfälle find hiernach beobachtet worden. Das Ratsamste ist es, in einem solchen Fall sofort einen Arzt aufzusuchen, der die notwendigen Matznahmen ergreifen wird.

Es dürfte wenig bekannt sein, datz gerade das gestei- gerte Reinlichkeitsbedürfnis des Menschen eine Erkran­kung der Ohren veranlassen kann. Bei unzweckmäßigen Säuberungsversuchen wie z. B. mit dem Handtuchzipfel wird ein mechanischer Reiz auf die Gehörgangswand aus- Seübt, der sich den dort befindlichen Drüsen mitfeilt und diese zu erhöhter Produttion ihres Sekretes, des Ohren­schmalzes, anregt. Allmählich bilden sich Ansamm­lungen von Ohrenschmalz, sog. Ohrenschmalzpfröpfe, die im Gehörgang liegen bleiben, möglicherweife durch un- gefchicktes Hantieren tiefer in den Gehörgang hineinge- fchoben werden, austtocknen und verhärten. Die durch die Ohrenschmalzpfröpfe verursachte Schwerhörigkeit macht !ich jedoch erst in dem Augenblick bemerkbar, wenn beim laschen ober Baden Wasser in das Ohr hineingelangt, und der eindringende Wassertropsen die letzte, noch vor­handene Deffnung des Pfropfes, die für das Hör­vermögen eben noch ausreichte, vollständig verschließt.

Deshalb ist unbedingt davon abzuraten, eine unsach­gemäß Säuberung der Ohren mit dem Handtuchzipfel vorzunehmen: es genügt völlig, die Ohrmuschel und den °u&eren zugänglichen Teil des Ohres mit einem feuchten Seifen-Schwamm ober -Lappen zu waschen, wo­bei daraus zu achten ist, daß kein Wasser in die Tiefe des Gehörganges gelangt. Eine Reinigung der inneren Par­ken P überslüfsig und schädlich!

Katharina Elisabeth Goethe,

dieFrau Rat", wurde vor 200 Jahren, am 19. Febr. 1731, als Tochter des Schultheiß Joh. Wolfgang Textor in Frankfurt a. M. geboren. » w- *

Zum 200» Geburtstag

der Arau Rat Goethe am 19. Februar

Läuten um Mitternacht.

Don Gerhard Menzel.

Um Mitternacht, in tiefem Schlaf hört' ich die Glocken läuten.

Fremd war der Klang, als käme er aus ungeahnten Weiten.

Ich ward so froh.

Jäh floh der Schlaf, blieb eine heil'ge Schwere. Die Seele, in Klarheit aufgelöst, verlor sich im Sternenmeere.

Gott läutet, läutet ohn' Unterlaß.

Wir schlafen in dumpfen Räumen.

Und wenn uns der Klang im Ohr erwachst, bann glauben wir, wir träumen . . .

Die praktische Hausfrau.

Wie prüft man Hefe.

Einsitzengebliebener" Kuchen ist eine böse Sache. Meist liegt es an der verwendeten Hefe. Man prüfe sie auf ihre Triebkraft, indem man sie in ein Glas Wasser wirft. Steigt sie in die Höhe, ist sie verwendungsfähig» bleibt sie am Boden liegen, tut man gut, andere Hefe zu besorgen.

Das ist für uns Heutige nicht die lebensvolle Be­deutung dieser seltenen Frau, die Mutter unferes größten Dichters gewesen zu fein. Wohl hat sie als solche ihren Namen bekommen, schon zu Lebzeiten über Deutschlands Grenzen hinaus. Schon 1786, nach einer Aufführung desGötz", bei der er des Dichters Mutter traf, meinte Wieland: ,Nun begreife ich, wie Goethe der Mann geworden ist". Ebenso nannte der Großherzog von Mecklenburg siebie Frau, von der es mich n i e gewun­dert hat, daß sie uns Goethe gebar". Sie selbst jedoch schrieb bescheiden an ihren Sohn:Da nun ein großer Teil Deines Ruhmes ... auf mich zurückfällt, und die Menschen sich einbilden, ich hätte etwas zu dem großen Talent beigetragen, so kommen sie denn, um mich zu beschauen." Sie wies Lob zurück mit Worten, di« uns diese Frau erst eigentlich lieb und wert machen mtt dem Bekenntnis zu ihrer gottgesegneten Mutterschaft:Ich weiß gar zu wohl, wem das Lob und der Dank gebührt. Denn zu Deiner Bildung im Mutterleibe, da alles schon im Keime in Dich gelegt

wurde, dazu habe ich wahrlich nichts getan. Vielleicht ein Gran Hirn mehr oder weniger, und Du wärst ein ganz ordinärer Mensch geworden . . .": so wolle sie dennmit Fug und Recht Gott die Ehre geben". Das alles ist das Geheimnis dieser rätselhaft starken Frau: das Glück, sich im Dienste eines höheren zu wissen, eben Mutter schlechthin zu sein.

Ihre Ehe mit dem nüchternen kaiserlichen Geheimrat als schon bald Vierzigjähriger führte er bas junge siebzehnjährige Mädchen heim war nicht eben glücklich Ihr Sohn war ihr einziges Glück. Aber nie, baß sie deshalb auch nur einmal Forderungen an ihn gestellt hätte.Es würde Torheit von mir seyn, auf öftere Briefe von Dir Prätention (Anspruch) zu machen erfahre ich nur von Zeit zu Zeit etwas von Deinem Wohlbefinden sei es, durch wen es wolle es genügt mir und ich verlang« nichts weiter" (1801). Menschen aus der Umgebung ihres Sohnes mußten sie für fein seltenes Kommen entschädigen: sie aber schickte unver­drossen Briefe und Geschenke nach Weimar. Noch nicht mal da hören wir einen Laut des Vorwurfs, als der vielbeschäftigt« Dichter und Staatsmann sie 13 Jahre hintereinander nicht besuchte, 1779 bis 1792, ja sie von 1792 bis zu chrem Tode, also ganze 18 Jahre nicht mehr sah. Das war eben ihr Wesen: sich an andere zu ver­schenken.

Mutter war sie allen, die ihr sigendwie nahe traten. Außer denen, die unter meinem Herzen gelegen, habe ich das Glück, noch Diele Söhne und Töchter zu haben." Für sie alle hatte sieden Seele und Leib erfreuenden Mutter-Namen".Du sollst mich Mutter heißen in Zukunft für alle läge, die mein spätes Alter noch zählt, es ist ja doch der einzige Name, der mein Glück umfaßt", schrieb sie an Bettina Brentano. Mit diesem Recht nannte die Herzogin von Weimar sie einfach:Liebe Mutter. . . mein Herz sagt mir, daß Frau Aja ewig die liebe, gute Mutter ist und blecken wird". Frau Aja diesen Namen von der Mutter der Hairnonskinder hatte sie sich ja selber gewünscht. Dem entsprach ihre Wirkung auf die Umgebung:Ich habe die Gnad« von Gott, daß noch kein« Menschenleele mißvergnügt von mir gegangen ist, wes Standes, Alters u. Geschlechtes sie auch gewesen ist. Ich habe die Menschen sehr lieb . . . suche immer die guten Seiten auszuspähen und überlasse die schlimme dem, der den Menschen schuf und der'es besser versteht, die scharfen Ecken abzuschleifen ..." Ein beglückendes Beispiel für die Wahrheit dieser ihrer Worte an di« Frau von Stein bietet der köstliche Vorfall aus dem Jahr« 1790. Anläßlich der Kaiserwahl waren die beiden Prinzesiinnen von Mecklenburg Gäste chres Hauses: Luise, die nachmalige Königin von Preußen, und Frie-

Der FrühZohrshut.

Von Franziska Sieber t-Berlin.

Nachdem die neuen Frühjahrsmodellkleider längst Revue passiert sind daß draußen in der Natur noch Eis und Schnee liegt, spielt dabei gar keine Rolle hat ich jetzt der Frühjahrs- und Sommerhut in den großen Modellausstellungen in Berlin, Frankfurt, Leipzig und Wien präsentiert und allen eine Ueberraschung be­reitet, denn die Hutmode des Sommers 1931 wird sich von der seither üblichen und gerne getragenen ganz wesent­lich unterscheiden. /

Vor allem ist es aus mit dem sogenannten konfektio­nierten Hut, den man allenfalls noch auf der Reise ober wer Zeit dazu hat, auch zum Sport, tragen kann, wobei man unter konfektioniertem Hut all die Modelle zu ver­stehen hat, die in Massen hergestellt wurden, einer wie der andere aus Filz, oder ähnlichen Stoffen. Die Putz­macherin, die viele schon tot gesagt hatten, weil man jahrelang ihre Dienste entbehren konnte, wird fröh­liche Auferstehung feiern, denn der neue Frühjahrshut bringt Garnituren über Garnituren. Blumen und Schleifen aus allem mög­lichen Phantafiematerial, Seide und Taffet werden in verschwenderischer Füll« auf den riesigen Hüten verarbei- tet. Einzig und allein der großeHutbeherrfcht die Mode. Er ist ein wahres Wunderwerk an Formen und Material, es gibt darunter ganz groteske Schopfun- gen, bei denen vielfach Phantafiegeflechte vorherrschend sind.

Als Material verwendet man ganz feine italienische Strohgeflechte, ferner Sisol und Pedaline, ebenso Panama und die oben schon genannten Phantafiegeslechte. Un-

endlich groß ist die Farbenskala. Neben ausgesprochen herben Tönen, reinweiß scheidet fast ganz aus, also grellrot, giftgrün, leuchtendblau, orange usw., sieht man auch viel Pastellfarben in diskreter Harmonie, sehr be­liebt sind zwei- und mehrfarbige Hüte, bei denen sich Kopf und Rand in der Farbe ergänzen oder auch einen Gegensatz bilden. Gerade auf diesem Gebiet sah man geschmackvolle Lösungen mit reicher Bandgarnierung, die oft in riesigen Schleifen und mächtigen mehrfach Den fchlungenen Bändern ihre Erfüllung sehen.

Auch dem Wo sch Hut scheint eine neue Hochblüte bevorzustehen, denn man sah sehr hübsche kleinere Mo- delle in Waschleinen mit Madeirastickerei, ebenso gab es Waschhütchen mit Lacklederverarbeitung in bunten Fan ben, die sich sehr gut ausnahmen.

Die Hutmode versteht es in diesem Sommer aus« gezeichnet, sich der Wirkungen der verschiedenartigsten exotischen Geflechte zu bedienen, die sich so leicht und geschmackvoll einfärben lassen, dabei aber von einer Dauerhaftigkeit sind, die ihren etwas teuren Preis er- trä glich werden läßt.

Ein wesentliches und zwar günstiges Moment für die neue Hutmode scheint auch in ihren Preisen zu liegen. Bei der riesengroßen Auswahl gibt es für jeden Geldbeutel etwas. Man ist keineswegs ge- zwungen, die ganz teuren Modelle zu kaufen, wenn man etwas kleidfames tragen möchte, auch im billigeren Genre gibt es wirklich geschmackvolle, entzückende Hüte, die jeder Frau gefallen werden. Die Modeindustrie hat nämlich aus gewissen Erfahrungen gelernt und weiß jetzt, daß man zum geschäftlichen Erfolg auch die fog.kleine" Kundschaft nicht entbeh­ren kann.

Winterliche Gerichte.

Roggenmehlspeise.

Rogaenmehl wird mit kaltem Wasser gut verquirlt. Wasser läßt man nut Butter und Salz kochen, gießt das angerührte Mehl dazwischen und kocht unter ständigem Rühren solange, bis ein dicker Brei entsteht. Wenn dos Gericht gar ist. tischt men es mit gebratenem Speck und braun gerösteten Zwiebeln auf.

Buchweizengrütze.

Die Buchweizengrütze wird einige Mal lauwarm ab- gewafchen dann in kochendem Wasser aufgequirlt und mit etwas Butter und Salz gut ausgequollen. Man muß öfter umrühren, da die Grütze leicht anbrennt. Braun geröstete Zwiebeln und Butter oder ausgebratene Sveckwürfel werden dazu gereicht ober auch lauwarme, frische Milch.

Grünkohl mit Kaldaunen.

Grünkohl wird sauber gewafchen. von den Stengeln befreit und in Salzwasser ab gekocht. Auch Kaldaunen oder Kuttelfleck genannt werden gesäubert und mit Fleifchgewürz in Wasser abgekocht. Der Kohl wird dann mit reichlich Fett wieder aufgesetzt, di« Kaldaunen werden fein geschnitten zu dem Grünkohl gegeben und alles zu­sammen weich gekocht. Man läßt das Gericht kurz ein­kochen, schmeckt mit Salz ab und nimmt nicht zu wenig Fett, da Grünkohl sehr viel Fett braucht, um nicht trocken zu fein.

Aus Wiedersehen, Mutter!

Skizze von Emmy Ficus.

Mfs zwei Krankenwärter Mutters letzten Sohn em- J2,ben um ihn sorglich gebetet treppab in den Kran- Äen zu tragen, war er noch bei Besinnung. Er ^nbte sich an der Türe zurück, wie er es in gefunden Sn jeden Morgen beim Fortgehen getan hatte, und f ihr über die Schulter der Träger hinweg zu:Auf kMi-derfehen, Mutter!" , .. ,

® dieses Wort drang ihr wie ein feiner Nadelstich tief .. Aen und hinterließ eine rastlos schmerzende Wunde, ml« ein Widerhaken fraß sich dieses Wort in ihre Ner- ® ein und bohrte in ihrem Hirn:Auf Wiedersehen bat er gesagt. Er wird genesen und heimkehren. Eines Taaes muß er wiederkommen."

Der Sohn lag wochenlang mit schleichender, heim­tückischer Krankheit in der Klinik. Er spürte keine Schmerzen, er kannte keinen Menschen mehr: Sein Ab- jchiedswort an die Mutter war fein letztes, bewußtes Ljebeswort gewesen. Nun dämmerte er dahin, bis fein Erenzzustand in den ewigen Schlaf hinüberwechselte.

Die Mutter hatte ihren Sohn verloren.

Eie vermochte es nicht zu fassen. Sie glaubte nicht haran Sie bedurfte einer zeitlich endlosen Spanne, um das einzusehen. Ihr selbst erschien diese Zeitspanne ge- ringfügig; denn sie füllte ihre Stunden und Tage mit Sßarten: Sie wartete auf des Sohnes Wiederkehr. Er hatte ihr ja zugerufen:Auf Wiedersehen, Mutter!"

Eines Tages kam ihr der starre, kalte Grabhügel auf hem Gottesacker zum Bewußtsein. Sie fühlte zutiefst, was Kreuz und Scholle verbargen: Des einzigen Sohnes ird''che Hülle, die ihr unwiderbringlich verloren war.

Seine irdische Hülle! Ja, dort ruhte sie. Aber sein Herz, seine Seele, fein Fühlen und Sieben? Die Mutter meinte eine ganze Nacht und einen vollen Tag. Sie ergoß den Quell ihrer Schmerzen durch diesen Tränen­strom in die Schale ihrer Mutterliebe, die rein und klar unb unverletzlich blieb trotz aller bitteren Tropfen.

Dann richtete die Mutterliebe sich neu empor und funkelte in allen Regenbogenfarben, wie ein Tautropfen, ben am Rande des Kristallkelches die Sonne küßte. . . . Und die Mutter lächelte vor sich hin:Mein Sohn ist nicht tot. Sein Herz unb seine Siebe warten meiner. Sein Fühlen ist um mich unb gibt mir die Kraft zum Warten. Bald ruft er mich heim, in die ewige Heimat. Er hat es mir gesagt: Aus Wiedersehen, Mutter!"

Frau Rat Goethe an ihren Sohn

Den 24. Mai 1799,

Sieber Sohn!

Sage meiner lieben Tochter vielen und herzlichen Dank vor bas vorttesfliche Exmplar von Hermann und Dorothea das Merck verdient solcher Verschönerungen denn es ist ein Meisterstück ohne gleichen! Ich trage es herum wie die Katzen ihre Jungen biß Sontag nehme ich es mit zu Stocks die werden krehen und jublen ferner hat mir meiner Sieben Tochter ihr Brief große Freude gemacht weil du jetzt mit Kutsche unb Pferden gesegnet bist unb baburch bir nach Leib und Seele viel vergnügen machen kannst auch hat der Siebe August mir wieder ein dickes heft seiner Frühlings-Er- gätzlichkeiten überschickt, bas ich mit großem Vergnügen gelesen habe bancke Ihm hertzlich bavor. Da ich nun aus eben dem Brief ersehen habe, daß du und alle die deini­gen bey Jena auf dem Sand« in einem Garten den Frühling genüsiest, so habe gegenwärtiges an Herrn Hoff­rath Schiller Adressiert da es dir denn wohl zu Händen kommen wird Uebrigens freue ich mich, daß du wieder in ober um Jena bist da gibt- wieder so einen Her- mann ober bergleichen Gott segne dich und erhalte dich gesund und froh! Lebe wohl! Grüße deine Sieben aber auch Schiller den ich von Hertzen liebe und ver- ehre Behaltet alle lieb.

Cure treue Mutter

E. ethe.