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Zahrz. 58
Donnerstag, 19. Februar 1931
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Aeste Führung in Spanien.
Monarchistisches Kabinett gebildet.
Die vielen Tendenz-Nachrichten über die Vorgänge in Spanien haben vorübergehend den Eindruck entstehen lassen, als ob dort grundlegende Umwälzungen unvermeidlich seien. Es zeigt sich auch diesmal- wieder, daß int Ausland alles, was mit Spanien zusammenhängt, wenig objektiv gesehen wird. Euerra, der Vertrauensmann der Links-Liberalen, hat schnell einsehen müssen, daß er kein Kabinett bilden konnte, ixe seine republikanischen Freunde Kompromisse ablehnten. Der König trat deshalb wieder mit General Berenguer in Verbindung. Es sollte ein m o- narchistisches Konzentrationskabinett gebildet werden, dem auch Graf Romanones, der führende Konstitutinelle aus dem Rechtslage! angehören sollte. Die Absicht ist geglückt. Das Kabinett wurde unter einem neuen Mann, dem Admiral Aznar gebildet.
Admiral Aznar mit der Kabinettsbildung belrauk.
wtb. Madrid. 18. Febr. (Eig. Meld.) Der König hat den Generalkapitän der Kriegsmarine, Admiral Aznar, mit der Bildung des Kabinetts betraut. Aznar, der Führer der Monarchisten, wurde heute vormittag 10.30 Uhr im Schloß empfangen.
jene Maßnahmen zu berücksichtigen, die eine gesunde Bauernpolitik fördern und den Landwirten der unbedingte Schutz auch bei der Schweineerzeugung zugesichert wird.
Es ist schon während der früheren großen Agrardebatten darauf hingewiesen worden, daß bei jedem Agrarprogramm besonderer Wert gelegt werden muß auf die Umstellung. Nun kann man nicht einfach jedem Landwirt vorschreiben, was und wie er pflanzen soll. Aber Eetreidewirtschafts- betriebe, die sich als unrentabel erwiesen haben, sind im Interesse der Landwirtschaft selbst um- zustellen. Im übrigen darf zu der Agrarvorlaae gesagt werden, daß sie größten Wert legt auf die Selbsthilfe der Landwirtschaft. Das ist auch unbedingt erforderlich. Denn die äußere Handelspolitik kann nur als Teilunterstützung angesehen werden, niemals ist sie ein Allheilmittel, ebensowenig wie die Zollpolitik überhaupt. Nun hat bereits der Reichswirtschaftsminister in einer Denkschrift gegen Einzelheiten der Agrarvorlage Bedenken erhoben, weil er glaubt, daß Industrie und Handel benachteiligt werden könnten. Es ist nun die Aufgabe des Kabinetts, zuerst Bedenken nachzuprüfen auf ihre Richtigkeit, Mittel und Wege vorzuschlagen, wie diese Bedenken zerstreut und wie in gleicher Weise der Landwirtschaft wie der Industrie geholfen werden kann, die beide aufs engste miteinander verbunden sind. Wenn der Be
kämpf so viel versprochen worden, daß sie doch das eine oder andere davon gerne erfüllt oder we. nigstens angepackt sehen möchten. Statt dessen zie- hen die Nazis sich einfach aus dem Reichstag zurück und lassen diesen allein und ungestört alles das machen, was sie doch gerade zu verhindern versprochen hatten. Das kann selbst gutmütigen Wählern nicht imponieren. Es dämmert um den Nationalsozialismus, aber auch den Hugenbergleu. ten geht es nicht besser. Sie haben sich mit ihren Freunden vom Hakenkreuz solidarisch erklärt, weil der Reichstag im Einverständnis mit der Regierung wieder anständige Verkehrsformen int Parlament einführtel Und nun ist die republikanische Presse rücksichtslos, ja boshaft genug, darauf hinzuweisen, daß ganz ähnliche Forderungen, wie sie die Mehrheit der Parteien jetzt verwirklicht hat, früher auch schon von deutschnationaler Seite erhoben worden sind. So hat vor ungefähr 3 Jahren der Abgeordnete Dr. Quaatz im Haushaltsausschuß vor. geschlagen, das Reichskabinett möchte den Grundsatz aufstellen, keine Ausgaben zu machen, die nicht im Haushaltsplan vorgesehen sind bzw. zu denen die Reichsregierung nicht ihre Zustimmung gegeben habe. Das ist nahezu der Kernsatz in den neuen Gefchäftsordnungsbestitnmungen, deinetwegen Hu- genberg den Reichstag verlassen hat. Man sieht also, wie wenig sachlich die Gründe sind, die aus der Rechtsopposition eine Herde von Schmollern gemacht haben.
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Auf die Frage, ob die Deutschnationalen ander Beratung des Wehr-Etats teilnehmen, antworten deren parteiamtlichen „Mitteilungen" unter Hinweis auf den letzten Erlaß des Generals von Hammerstein, die Deutschnationalen stünden der Reichswehrleitung mit absolutemMiß- trauen gegenüber, und sie solle sich an ihre „jetzigen Freunde" wenden, wenn sie Hilfe brauche. Im übrigen hielten es die Deutschnationalen mit dem König von Sachsen: „Macht Euren Dreck a l l e e n e". Das ist ja wohl der G i p f e l des Patriotismus!
An der Grenze der Lächerlichkeit.
Aus Berlin wird gemeldet:
Seit dem Auszug der „nationalen" Opposition aus dem Sitzungssaals hat sich $ie dsutschnationale Fraktion an jedem Sitzungstage int Reichstage ver. sammelt, um nach Prüfung der Tagesordnung zu entscheiden, ob sie an der Plenarsitzung teilnehmen will. Aus diesem Grunde ist auch für Donnerstag mittag eine Fraktionssitzung anberaumt, in der sich die Deutschnationalen darüber schlüssig werden wollen, ob sie die Beteiligung an der um 3 Uhr be-
Mundkokmachung?
Aus parlamentarischen Kreisen wird uns schrieben:
DerFührer derLweralenzurLage
Veichstagsabgeordneter Or. Omgeldey über „Staatsautontöt und Parlamentarismus im heutigen Deutschland-.
Graf Romanones.
Das Kabinett wird wahrscheinlich folgende Zusammensetzung haben: Ministerpräsidentschaft t Admiral Aznar; Auswärtiges: Graf Romanones; Inneres: Marquis Hoyos, Senator und Bürgermeister von Madrid; Justiz: Marquis Alhucemas; Oeffentliche Arbeiten: La Cierva; Armee: General Berenguer; Marine: Admiral Rivera; Arbeit: Herzog von Maura; Un- terricht: Ascon Marin; Finanzen: Bentofo; Wirtschaft: Graf Bugallal.
Am Nachmittag des Mittwoch leistet das Kabinett dem König den Eid,
'chluß des Kabinetts vorliegt, wird man wohl auch nähere Einzelheiten über den Gesamtagrarplan fahren, und dazu Stellung nehmen können.
In den Gesamtplan sollen nicht nur die Ge- Aeidezölle des letzten Jahres, die nur bis zum 31. Sanuar 1931 in Kraft bleiben sollten, um ein weiteres Jahr verlängert werden, vielmehr soll auch die Zollpolitik auf dem Gebiet der Be r e d l u n gs- produktion fest gelegt werden. Bon grundsätzlicher Bedeutung ist die Forderung der labilen Zölle, eine Forderung, durch die es in das "fntesssn der Reichsrsgierung gestellt werden soll, ®ie jemals die Höhe der einzelnen Zölle der Wirt-
«er Führer der Deutschen Volkspartei Dr. T-irraelben sprach int Rahmen der „Vereinigung wr Kandel und Industrie bei der Deutschen Volks- ^tei" über „Staatsautorstät und Parlamentarismus im heutigen Deutschland". Haß und Ver- «Ltung von draußen, so führte er aus, un- -iträgliche Umgangsformen drtnnen iinterqraben seit einiger Zeit die Autorität des Parlamentarismus. Der Versuch einer Vermal)-
sozialistischer Romantik und sozialistischen Machtbewußtseins mit einer kapitalistischen Wirt- ickastswelt brächte eine verhängnisvolle Vermehrung der Krisenerscheinungenher- vor. Es ist unsere Aufgabe, uns von dieser Verfälschung der parlamentarischen Aufgaben fteizu- machen und damit zugleich vom Begriff des Wohlfahrtsstaates, vom Großgrundbesitzer und Industriellen bis Hinab zum kleinsten Staatsbürger. Verfassungsänderung scheint das einzige Mittel der Wiederherstellung des Parlaments als des verantwortlichen Faktors — ein Ziel, das int allgemeinen Interesse erstrebt werden muß. Unter den großen Problemen steht die Tributfrage sicherlich voran. Sie ist nicht durch Demonstration und Propaganda zu lösen, ohne daß zuvor die größte Steigerung der deutschen Exporttätigkeit das Feld bereitet. Das ist zugleich der Weg zu einer Besserung der Arbeitslosenfrage. Das starre System eines „Grabenkriegs des Wirtschaftslebens" muß möglichst int Zusammenwirken mit den Gewerkschaften beseitigt werden. Es ist erfteulich festzustellen, daß Dr. Brüning «nd Steg er Wald wirksam bestrebt sind, die beiden Parteien des Arbeitsvertrages unter Klarlegung der Realitäten andenVerhandlungs- tisch zu bringen. Die Arbeitszeitverkürzung als ein Mittel zur Einschaltung neuer Menschen , in den Arbeitsprozeß wird in diesem Rahmen nicht nur als bloße Wirtschaftsfrage, sondern als eine Frage der Ruhe und Ordnung im Staate bedeu- ttmgsvoll.
Die Notlage großer industrieller Gemeinden unter den Wohlfahrtslasten ist ein anderes Problem dieser Art. Eine Einwirkung des Reiches ist erforderlich, um eine tatsächliche Kontrolle der Finanzgebarung zu schaffen.
In der Tributfrage ist die von manchen Seiten, nicht nur von den Radikalen, empfohlene Zah- lunaseinstellung ein Wahnwitz. Man braucht nur auf Verkettung der Tribut- mit der Kreditfrage zu verweisen, auf die fast unvermeidbare Konsequenz einer Flucht aller kurzfristigen Gelder, die den Zusammenbruch aller mittleren und kleinen Betriebe zur Folge haben würde. Gegenüber diesem ungangbaren Weg empfehlen sich drei Dinge: Die schon erwähnte Förderung der Exportpolitik, weiter die starke methodische Propagandatätigkeit von Regierung und Wirtschaft, um die Gleichgültigkeit im Auslande zu überwinden, und schließlich die Erkenntnis, daß eine endgültige Lösung von Amerika her nur dann kommen kann, wenn die Gewißheit geschaffen ist, daß freiwerdende Gelder nicht für neue Rüstungen verwendet werden.
Das Parlament scheint gegenüber diesen außerordentlich schweren Aufgaben schon wegen der rein zeitlichen Erfordernisse l e i st u n g s u.n f ä h i g, und es wäre erwünscht, daß es gelänge, ihm das Eingeständnis einer freiwilligen, etwa einhalb jährigen Pause zugunsten der Regierungsarbeit abzugewinnen. Ersparnisse am Etat, über die besonders von der Deutschen Volkspartei verhandelt worden ist, erfordern eine diskrete Vorbereitung und ein schnelles Handeln im gegebenen Zeitpunkt, erfordern weiter das Vertrauen zum Reichskanzler, daß er sie zur Zeit durchführt. Die Voraussetzungen hierfür sind durchaus gegeben; die Aufgabe der Äeichsregie- rnng ist, mit Energie und Verantwortungsfreude ihre Maßnahmen durchzuführen.
Der Redner stellte zum Schluß für die Verfassungsreform folgende Forderungen auf: 1. Sch a f- fung einer Ersten Kammer, 2. Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten und der Reichsregierung; 3. Heraufsetzung des Wahl alters.
Das Agrarprogramm.
Nach der Fertigstellung des Osthilfegesetzes tritt nunmehr das Reichskabinett in die Beratung über die Agrarvorlage des Reichsernährungsmini st ers ein, die mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Eine Agrarvorlage im eigentlichen Sinne ist es im Augenblick noch nicht, sondern es handelt sich um jene etwa 30 Seiten lange Denkschrift, die auch jenen zwischen dem Reichskanzler und den Führern der Grünen Front vereinbarten Gesamtplan zur Rettung der Landwirtschaft enthält. _
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zu geben. Solche Agitationen haben immer dann einen umso größeren Erfolg, je größer die Not im Lande ist.
Es ist unerklärlich und läßt sich nur mit vollkommener politischer Verblendung erklären, daß die Deutschnationalen sich gegen diese Regelung wehren, die sie selbst schon vor Jahren als eine dringende Notwendigkeit bezeichnet haben. Abgeordneter Hergt hat schon im Februar 1926 auf die schweren Gefahren dieser Anträge hingewiesen, und der deutschnationale Abgeordnete Quaatz hat int März 1927 int Haushaltsausschuß des Reichstags verlangt, daß der selbstverständliche Grundsatz: „Keine Ausgaben ohne Deckung" ^durchge- führt werde; das sei eine Frage der Selbstbeschränkung des Reichstags, nicht eine Frage des Budgetrechts. Und der deutschnationale Abgeordnete Graef-Thüringen, der jetzt, so wild im Land herumtobt und sich vor Aerger gar nicht fassen kann, hat selbst am 1. Mai 1929 erklärt: „Wir alle seufzen unter dem unbeschränkten Ausgabenbewilligungsrecht", und er sprach die Mahnung aus, „daß die Stellung von neuen Anträgen, die mit Lasten und Ausgaben verknüpft sind, in diesem Maßstab nicht weitergehen kann.
Heute stehen die Deutschnationalen in „nationaler" Opposition gegen das, was sie früher selbst verlangt und gesagt haben!
Nicht int geringsten wird auch nur ein einziges Recht der Opposition berührt. Sie kann Anträge stellen, wie sie will, nur eben nicht mehr solche, die sich zwar recht populär ausnehmen, die aber unwahrhaftig sind, geradezu einer Vorspielung falscher Tatsachen gleichkommen, weil man dem Volk etwas vorgaukelt, was in Wirklichkeit gar nicht durchgeführt werden kann. Und wenn sich die Deutschnationalen so furchtbar gegen diese Bestimmungen wenden, so muß man ihnen sagen, daß diese Bestimmungen schon seit Jahr und Tag wörtlich in der preußischen Geschäftsordnung stehen, wo sie unter Mitwirkung der gleichen Deutschnationalen zum Nutzen für Staat und Parlament gehandhabt werden.
Wenn des weiteren in der Geschäftsordnungs- Reform bestimmt ist, daß der Entzug des Vertrauens nur auf dem eindeutigen und klaren Wege des allein in der Verfassung vorgesehenen Mißtrauensvotums möglich ist, wenn also Schluß gemacht wird mit nicht ernstgemeinten Vertrauensanträgen, und wenn ferner verlangt wird, daß Interpellationen sachlich sein und keine Beleidigungen enthalten dürfen, so ist das auch keine Mundtotmachung, sondern wiederum Selbstver- ständlichkeit.
Reibungslose Ekalsberakung.
Wie das „B. T." schreibt, Hai die Reichsregierung sich erfolgreich bemüht, die Etatsberatungen weiter zu fördern und zu beschleunigen, so daß man hofft, den Etat schon gegen Mitte, nicht erst Ende März in dritter Lesung verabschieden zu können.
Die Regierung hat sich vergewissert, daß sie sowohl von der Deutschen Volkspartei wie auch von den Sozialdemokraten bei der Erledigung des Etats keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zu befürchten braucht. Die Deutsche Volkspartei ist mit der schnellen Erledigung des Etats einverstanden, nachdem ihr die Zusage einer Sparermächtigung gemacht worden ist, die der Regierung erteilt werden soll. Die Sozialdemokratie ist insofern beruhigt worden, als sie davon unterrichtet wurde, daß der Volkspartei keine Zusagen darüber gemacht worden sind, Ersparnisse an bestimmten Stellen, insbesondere etwa vornehmlich am Sozialetat durchzuführen Die Regierung wird vielmehr selbständig prüfen, wo die Ersparnisse am besten und zweckmäßigsten gemacht werden können. Wie das Blatt wissen will, dürfte sie dabei auch nicht am Wehretat vorübergehen, während auf der anderen Seite ka u m zu befürchten sei. daß die Sozialdemokraten von sich aus durch selbständige Sparanträge den Wehretat in einer Weise beeinträchtigen würden, die den Interessen des Reiches nicht dienlich märe.
Die Dämmerung.
Es läßt sich gar nicht verkennen, daß dem Rechtsradikalismus die mit seinem Auszug aus dem Reichstag verbundenen Folgeerscheinungen außerordentlich unangenehm sind. Was namentlich die Nationalsozialisten jahrelang gefordert haben, daß Deutschland erwachen solle, beginnt Wirklichkeit zu werden. Dem deutschen Michel, der auch auf den Hitlerschen Leim kroch, gehen allmählich die Augen auf. Der Umstand» daß an bestimmten Universitäten die jüngeren Semester der Studentenschaft aus unklaren Vorstellungen heraus noch für das „Dritte Reich" und Herrn Hitler sich begeistern, kann nichts dagegen beweisen.
Ein im Grunde so naiver Mensch wie Dr. Goebbels freilich glaubt das noch nicht. Er kündigt eine neue Versammlung im Berliner Sportpalast an mit dem Thema „Wenn wir regieren '. Wir — das sind die Nazis, und er will an Hand der Taten in Weimar und Braunschweig zeigen, was alles sie verbessern, wenn sie nur eift die Macht haben. Nun waren die Meinungen über die Taten in Thüringen schon immer sehr geteilt. Man erinnert sich an die nicht ganz selbstlose Pen- sionsangelegenheit des Ministers Dr. Frick. Man hat auch noch nicht vergessen, was die Naziwirt- schaft in Gotha dieser guten Stadt eingebrockt hat. Diese und andere unerfreuliche Dinge fallen den Hakenkreuzwählern vorn 14. September jetzt wieder ein. Wenn schon in Thüringen nicht viel los ist, wenn schon mit dem nationalsozialistischen Minister Dr. Franzen in Braunschweig kein Staat gemacht werden kann, bann ist es um so peinlicher, daß die 107 im Reichstag jetzt einfach die Brocken hingeworfen und sich entschlossen haben, nur wieder, wie vor ihrer Parlamentszeit, im Lande herumzulärmen. Das war schließlich doch nicht die Absicht der Wähler. Ihnen ist im letzten Wahl-
Aus allen Opposstionsecken, aus allen Ovpo- sitionsgazetten hört man dieses merkwürdige Wort und in allen nunmehr angekündigten tausenden von Versammlungen im Lande wird mit aller Lungenkraft geschrien werden: „Wir sind „mundtot" gemacht!"
Zunächst eine Feststellung: die Minderheit km Reichstag, die sich gegen die Reform der Geschäftsordnung mit Zähnen und Klauen wehrte und die nur etwa 150 — einschließlich der Kommunisten — gegenüber 300 Mitgliedern, also der doppelten Anzahl zählte, brachte folgendes Kunststück fertig:
Von der zwölfstündigen Sitzung vom Montag, den 9. Februar, gingen etwa zwei Stunden allein für unfruchtbare Geschäftsordnungsdebatten drauf, eine Stunde wurde nutzlos vertan durch die erzwungene Pause. Daneben waren dreizehn namentliche Abstimmungen durchzuführen, für deren jede man etwa 20 Minuten benötigte, das sind 260 Minuten oder über vier Stunden. Im Ganzen wurde von den zwölf Stunden allein für die Obstruktion der Minderheit benötigt: sieben bis siebeneinhalb Stunden.
In der betreffenden Sitzung haben die Natio- nalfozialisten allein dreiundzwanzigmal das Wort ergriffen. Darunter befanden sich viele große Reden. Die Kommunisten sprachen des weiteren in der gleichen Sitzung neun mal, und die Deutsch- nationalen fünf mal, und auf die Reden aller anderen Parteien zufammengenommen entfielen nur, außer dem Berichterstatter, 8 Sprecher, nämlich v. Kardorff von der Deutschen Volkspartei, Nippel von dem Christlich-Sozialen Volksdienst, Lemmer und Heuß von der Deutschen Staatspartei und Döbrich vom Deutschen Landbund, Rauch von der Bayerischen Volkspartei und Dittmann von den Sozialdemokraten außer dem Zentrmns- berichterstatter. Diese benötigten für alle ihre Reden zusammen knapp Isis bis höchstens 2 Stunden.
So sieht die Mundtotmachung der „nationalen" Opposition aus.
Das ist aber noch nicht alles. Man muß sich einmal aus dem stenographischen Bericht zusarn- menstellen, wieviel Ordnungsrufe, wieviel Rügen und wieviel allein in die Dutzend gehende lärmende Unterbrechungen anderer Redner durch die Natio- nalfoziallsten sich zugetragen haben, während die anderen Parteien in absoluter Ruhe die Opposition sprechen ließen. Der Abgeordnete Rippel, der ganz besonders schroff, ja geradezu brutal in seiner Rede gestört worden war, mit dem offenbaren Ziel, ihn zum Schweigen zu bringen, hat nachdem ihm mühsam wieder der Präsidertt das Wort verschaffen konnte, gesagt:
„Das also ist die Mundtotmachung, und dann verlangt man, daß wir uns wie die Lämmer alles bieten lassen sollen!"
Und wie es sonst mit der Mundtotrnach ung aussah, ergab sich aus dem Zwischenfall, als der Abgeordnete Lemmer von der Staatspartei zu Worte kam. Da machte der nationalsozialistische Abgeordnete Wolkersdörfer den Schimpfruf: „Lausejunge", parlamentsfähig!
Das also ist die „Mundtotmachung"!
Es kann aber nicht oft genug zur Aufklärung gesagt werden, um was es sich denn eigentlich bei der Eeschäftsordnungsreform handelt.
Um dieses: Es sollen in der Hauptsache demnächst keine Anträge mehr zugelassen werden, die Unsummen fordern, für deren Deckung man aber nichts zu bieten weiß.
Ist das Mundtotmachung? Das ift eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wir haben es manchmal erleben können, daß Anträge gestellt wurden, zu deren Ausführung Milliarden notwendig gewesen wären, für die sämtliche Steuern zusammengenommen nicht ausgereicht hätten' und die zum absoluten Bankrott des Reiches hätten führen müssen.
Die „nationale" Opposition ging aber im Lande draußen hin und erzählte, was sie alles gefordert hätte, aber die anderen hätten sich geweigert, das
sine jemals die Hohe Der einzelne ichastslage anzupassen sein wird.
5m Hinblick auf die Sage am SBettgetreibemarft glaubt man, daß über die Getreidezölle selbst recht "lild eine Einigung erzielt werden kann. Wohl Werden die Forderungen auf Verbilligung der yuttergerfte bei gleichzeitiger Abnahme von Eosin- 5,°ggen eine Rolle spielen. Bei den Zöllen auf ■^ere und tierische Erzeugnisse aller Art sind alle