Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung (Amtliches Sreisblatt)

onntag, den

Ilr. 38

den

weil

bet

V ’

km

y Bi/figsten undbequemster* Bnennstoff^jß^

\^^(einRauch. keinPaß.heinefchlackei^^j^

ferner fierr und Frau Vandermeulen entstiegen. Frank Wilhelm hatte sich mit diesen Ausdrücken des Straf» lecnci ojtLL U ....J ...... ...... —fohton SKtn/fion mr (Hemme dekant»

4

14

-4.

■jT-

100 Zahn Berliner

UMersilälsMlolhek

trug eine Aktentasche unter dem Arm und war sehr mo­disch gekleidet; offenbar hatte die ausländische Umge­bung auf ihn abgefärbt. Geulinx und das Ehepaar Van­dermeulen kamen wie zu einem Rennen oder zu einem

fte J as

t. -'S rei en .t IO» f.i ite i ib, j >r« . J f- .A as j >i< tzt

■t« M

<

gegenwärtigen Handelsvertragssystem der Meist­begünstigung, denn unter diesem System haben wir es jetzt zum größten Fertigwaren-Ex- 3ort von allen Ländern Europas ge­bracht und wir haben damit erstmalig sogar England überholt. Ganz zutreffend hatAbg. Dessauer daraufhingewiesen, daß für die Landwirt- chast kein Volk soviel geopfert hat, wie das deutsche und daß

keine Regierung soviel für die Landwirtschaft getan hat, wie die jetzige.

Umso bedauerlicher ist es, daß ein Vorkämpfer der Landwirtschaft wie Schiele jetzt als Landwirt­schaftsminister aus dem Lager der Land­wirtschaft in heftigster und niedrigster Weise angegriffen wird. Ein Regierungsmit­glied kann sich doch nicht von einseitigen Parteigrundsätzen leiten lassen. Es wäre verhängnisvoll, wenn bei uns die Verantwor­tungslosigkeit ans Steuer der Regierung käme. (Zurufe bei den Kom.: Darum waren Sie für die nationalsozialistische Regierungsbeteili- gung.) Wissen Sie das so genau? Mir ist es unbekannt. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung kann für die jetzige Notzeit nicht verantwortlich gemacht werden. Wir haben jetzt gar keine kapi­talistische Wirtschaft, sondern ein Zwitterding un­ter viel zu starker Beteiligung der öffentlichen Hand. Wir haben einen politischen Lohn und ein politisches Arbeitsrecht. Was wir brauchen, ist die Wiederherstellung der freien Indivi­dualwirtschaft in Deutschland. Dazu gehört eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen den freien Arbeitgebern und den Gewerkschaften. Mit der offiziellen Preissenkung muß Schluß gemacht werden, wenn Wir den Markt wieder beleben wollen. Auch für die Wirtschaft gilt das Wort: „Höchstes Glück der Erdenkinder bleibt doch die Persönlichkeit." Der Redner erklärte noch, es sei allerdings fraglich, ob im Etat nicht zu sparsam verfahren werde, wenn man beispielsweise für die

Slick in den neuen Lesesaal ilniversitälsbibliothek.

Sportfest, von einer Duftwolke umgeben, und begaben sich aus die Plätze im Zuschauerraum, die für sie freige­halten worden waren.

Das Gedränge im Saal war trotz des weiten Raumes sehr groß. Das Gemurmel verstummte langsam, als die Gerichtsherren durch die breite Haupttür eintraten, wür­dig und gemessen in langen schwarzen Talaren durch die Menge schritten und auf dem Podium Platz nahmen.

Für den Angeklagten war eine Bank an der Seite des Podiums hergerichtet. Als Wilhelm, begleitet von zwei Wachtmeistern, durch eine kleine Nebentür eintrat, wur­den alle Hälse länger. Wilhelm würdigte die Menge keines Blickes, setzte sich auf die Bank und betrachtete un­verwandt die Herren am Verhandlungstisch. Der Staats- anwalt, ein Mann in den besten Jahren, mit rundem, blühendem Gesicht, trug ein Monokel von mattem Glas. Vermutlich hatte er ein Auge im Kriege verloren Wil­helm heftete an diele Erscheinung seine eigenen Gedan­ken. Er war der Gegner, den er niederzukämpfen haben würde, er und sein Verteidiger, der mit gestraffter Miene neben Wilhelm sitzend, in seinen Akten blätterte. Der Vorsitzende, ein großer, sehr stattlicher und sehr würdiger Herr mit zartrotem Teint und dünnem, aber fast schnee­weißem Haar, ließ die klugen, gütigen Augen über die Versammlung schweifen, so daß die Brillengläser — fte waren ohne Einfassung und hinterließen den Eindruck großer dahinterliegender Klorhest — hell aufleuchteten.

Die Feststellung von Wilhelms persönlichen Verhält­nissen brachte den Zuschauern und Zuhörern nichts Neues. Fast alle kannten sie feine Mutter, die meisten waren mit ihm groß geworden, hatten mit ihm auf der Schulbank gesessen und hörten darum kaum zu als der Vorsitzende den Personalbogen oberflächlich vorlas und Wilhelm die Angaben betätigen ließ, was dieser durch ein leichtes Kopfnicken besorgte.

Man spitzte indes schon die Ohren, als der Vorsitzende mit satter Baritonstimme alles das in einem kurzen Satz zusammenfaßte, besten Wilhelm angeklagt war: ein Verbrechen gegen Leib und Leben des Nächsten, also nicht nur ein mit Zuchthaus bedrohtes Sprengstoff-Verbre­chen, sondern eine mit Todesstrafe belegte vorsätzliche Tötung. i

sozialisten aus dem Reichstag eine „frisch-fröh­liche R e i t e r a t t a ck e".

Viele von uns waren doch auch im Krieg! Aber daß eine „frisch-fröhliche Reiterattacke" nach hin­ten losgeht, haben wir bisher noch nicht gewußt!

Die militärischen Kenntnisse des Dr. Goebbels ind also nicht weither. Woher sollten sie auch ge­kommen sein? Wenn aber seine politisch-parla­mentarische Strategie ebenso gescheit ist, wie die kindliche Naivität und Primitivität seiner miltta- rischen, dann braucht man sich freilich über nichts mehr zu wundern!

Reichstag und Wirtschaft.

die Jugend, die heute am lautesten schreit, ist viel zu jung, als daß sie vor dem Feind gestanden haben könnte.

In den Ausführungen des deutschnationalen Parteiführers Hugenberg zeigte sich eine zynische Leichtfertigkeit

gegenüber der Not, unter der unser Volk leidet. Wir sind gegen eine völlige Abkehr von unserem

Leipziger Messe überhaupt keine Mittel mehr be- willige.

Abg. Freiherr von Thüngen (Landvolk) bedauert, daß Staatssekretär Trendelenburg an dem Meistbegünstigungsprinzip bei der Handels­politik festhalten will. Leider hat der Vertreter der Deutschen Volkspartei diese Tendenz unterstützt und verlangt, daß der agrarische Einfluß im Kabinett zurückgedämmt werden soll. Angesichts der Preis­schere zwischen Agrar- und Jndustrieproduften dürfe die Preissenkungsaktion nicht auf die landwirt- fchaftlichen Produkte ausgedehnt werden. In den Dörfern und kleineren Landstädten sollten gewisse Ausnahmen vom Sonntagsladenschluß zugelassen werden, damit auch die Bauern ihre kleinen Em- käufe besorgen können. Die Ueberrationaüfterung hat dazu geführt, daß die Produktion im Miß- verhältnis steht zur Absatzmöglichkeit. Die Mfllio- nen Subventionen haben zwar erreicht, daß es der Landwirtschaft nicht noch schlechter geht, aber sie haben nicht erreicht, daß es ihr besser geht. (Leb­hafte Rufe: „Wie geht es denn den anderen, die nicht subventioniert werden?")

Wir bedauern die Radikalisierung der Landwirtschaft,

aber sie ist ein Symptom für den Todeskampf, in dem sich die Landwirtschaft befindet.

Abg. Drewitz (Wirtschaftspartei) erklärt, es sei politisch von großer Bedeutung, daß ein starker Mittelstand vorhanden sei, der in dem scharfen Kampf zwischen Arbeit und Kapital als Mittler wirken kann. (Beifall bei der Wirt­schaftspartei.) Wenn wir nach dem Kriege spar­samer gewirtschaftet hätten, dann hätte unserem Volk die viel zu hohe Steuerlast erspart werden können, die zum großen Teil die große Arbeits­losigkeit gebracht hat. Die hohe Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen ist sehr einfach zu erklären. Die Kosten für Handel und Klein-

zu den Belgiern aufdecken würde. «

Der 21. März, ein verheißungsvoller, warmer Früh­lingsanfang, war als erster Gerichtstag festgesetzt. Man hatte die Aula der Hochschule für die Verhandlungen wählen müssen, da der große Schwurgerichtssaal nicht ausreiche, um den Gerichtshof, die Sachverständigen, die zahlreichen belgischen, holländischen, französischen und na­türlich auch deutschen Journalisten zu fassen. Die Neu- dorfer und die aus der Kolonie, die vielen Zeugen und noch mehr Neugierige waren schon einige Stunden vor Beginn der Verhandlungen in der Stadt. Sie hatten sich fast wie von selbst in zwei Lager gespalten: die einen gingen für Frank durch dick und dünn; sie wußten genau, was sie vorzubringen hatten. Die anderen machten durchweg ein langes Gesicht, waren verängstigt und ner­vös. Sie hatten sich gelegentlich auf eine bestimmte Aus­sage festgelegt und wußten nun nicht, ob sie alles unter Eid wiederholen konnten.

Man hätte noch eine dritte Gruppe zusammenstellen können, die wenigen nämlich, die allmählich zur Einsicht gekommen waren, wie schändlich Frank sie mißbraucht hatte. Wenn auch nicht alle zu den Freunden Wilhelms oehörten, so war in ihnen doch ein grimmiger Haß ge­gen Frank wach geworden. Zu diesen Leuten gehörte Grabowfti, der in den Tagen des Streiks an Wilhelms Stelle in den AS-Rat eingetreten war. Dieser Mann mit dem Bulldoggengesicht, rannte noch kurz vor Beginn der Verhandlungen in einer Seitenstraße nahe der Hoch­schule allein auf und ab, offenbar einen grimmigen Kampf mit sich selbst ausfechtend, ob er feinen Freund im Stich lassen sollte oder nicht. Frank selbst sah man zunächst nicht. Aber kurz nach neun Uhr, als alle Ge­ladenen sich bereits in den Gerichtssaal begeben hatten, fuhr ein eleganter Wagen vor, dem Frank und Geulinx,

16. ;

er- ’>! 2s

ge ■ 4 nd "1 in. . -s

erwiderte kurz und bündig:

„Ich habe mit den mir zur Last gelegten Dingen nichts zu tun, ich bin unschuldig."

Er gab diese Erklärung wie eine auswendig gelernte Formel ab und fügte sich st der Anweisung seines Ver» teidigers und seiner eigenen Vernunft, wenngleich sein Temperament wie ein verwundetes Wild losbrechen wollte.

Mit dieser Erklärung war dem Gericht die Aufgabe gestellt, den Beweis zu führen; die Verhandlung kam damit in vollen Gang. Die Zeugen wurden nacheinan» der hereingerufen und vereidigt, wobei sich der ganze Gerichtskonvent vom Platze erhob. Zunächst einige ältere Leute, die über die Jugendentwicklung Wilhelms Aus­sage machen sollten, der alte Lehrer, ein Geistlicher ein Obersteiger nud der Polizeikommissar. Niemand wußte etwas Nachteiliges zu berichten. Der Arzt, der Wilhelms Kopfwunde nach der Rückkehr aus dem Felde behandelt hatte, gab ein kurzes Gutachten ab, wonach bei dem An­geklagten von einer stärkeren Sensibilität, aber nicht von einer Störung des Gedankenablaufs die Rede fein könne. Der Gefängnisarzt, der Wilhelm während der Unter» suchungshaft beobachtet hatte, stellte ihn als geistig durchaus gesund und für seine Handlungen voll oerant» wörtlich hin.

So kam man zur Sache selbst. Als erster Zeuge wurde der Bergmann Frank auf gerufen auf dessen Aus­sage sich hn wesentlichen die Anklage stützte. Er wieder­holte alles, angesangen von der -geheimen AS -Rat Sitzung, bei der Wilhelm Drohungen gegen die Arbeiter ausgestoßen haben sollte, bis zu einer Begegnung unten in der Zeche, bei der er Wilhelm in einem Stollen allein mit einer Kiste Dynamit angetroffen habe Frank machte feine Aussagen nach seiner Vereidigung; er sprach schnell und nervös, ohne zu stocken und wie einer, der eine guteinstudierte Rolle hersagt. Als er geendet hatte, war sein Gesicht aschfahl. Der Vorsitzende stellte noch einige Fragen, die Frank prompt beantwortete. Es folgte der Polizeikommissar mit seinem Bericht über den Fund des Planes im Westenfutter Breuers. Der Plan und die Weste lagen auf dem Tisch, die Zeichnung war groß und für alle sichtbar auf einer schwarzen Tafel mit Kreide wiedergegeben. Der Vorsitzende fragte Wilhelm, ob er den Plan als fein Werk anerkenne."

(Fortsetzung folgt.) ßiaßl

*2,<f

rg.

on , it=

-M en ' in»

Reichtagspräsident Lobe eröffnete die Reichs­tagssitzung am Freitag um 3 Uhr. _

Zunächst wurden mehrere Anträge auf Straf­verfolgung verschiedener Abgeordneter wegen Be­leidigung des Reichstages dem Geschästsordnungs- ausschuß überwiesen.

In der Fortsetzung der Aussprache über

gesetzbuches in den letzten Wochen zur Genüge betont« und vertrautgemacht, um jetzt nicht zu erschrecken. Er

Vor hundert Jahren, Februar 1830, stiftete Friedrich Wilhelm HI. die Bibliothek für Die Berliner Universität, die heute eine der größten Büchersamm­lungen Deutschlands darstellt.

Abrechnung mit Hugenberg.

heuffdjnalionale Führer versteckt sich hinter SchMer-ZUaten. surr ist der Schmerz und ewig ist die Freude". — Ein Mitglied »er deutsche« velkspartei rech«-, im «elchskag mit Hugenberg ab. — Sachliche Arbeit im «eichsparlament.

34s ---------

Die nun aus den Zeitungen hervorging, die Wilhelm nach seiner Verurteilung lesen durste, reiften für Frank fast hn ganzen Rheinland die Früchte seines ruchlosen Treibens. „Die rheinische Republik" war allenthalben auf dem Marsche. In der Eifel, in der Pfalz, am ganzen Rhein zwangen bewaffnete Horden die vaterlandstreue Bevölkerung, sich zur Republik zu bekennen. Da und dort tauchte der Name Frank, wenn nicht an führender Stelle, so doch in Verbindung mit belgischen Hintermän­nern auf. Wilhelms Verteidigungsplan für den kommen­den Prozeß war bereits fertig, als die drei Monate zu Ende gingen. Es mußte der Anschein erweckt werden, als ob der Brief Franks gar nicht mehr existiere, damit Frank sich-in Sicherhest wiege und zur Verhandlung er- scheine. Sonst wäre damit zu rechnen, daß er sich recht- zeitig in Sicherheit bringe. Mit Gertrud stand Wilhelm daher so wenig wie möglich in Briefwechsel. Auf münd­lichem Wege erfuhr er jedoch von anderer Seite, daß sie feine Mutter in die Villa aufgenommen habe, und daß auch sie sich langsam von ihrem Schmerz erhole.

Weihnachten ging vorbei, und das Frühjahr brach an, bis daß die Vorbereitungen für die Hauptverhandlung begannen. In Neudorf und in der Kolonie wurden vom Postboten die Ladungen der Zeugen beftellt. Fast jeher, der mit Wilhelm in irgendeiner Beziehung gestanden hatte wurde geladen, dazu einige Sachverständige. Der Verteidiger Wilhelms, ein junger, ehrgeiziger Rechtsan­walt von ungewöhnlicher Tatkraft, hatte es durchzu­fetzen gewußt, daß auch Gertrud als Zeuge hinzugezogen wurde.

Nun ging das Geranne und Getufchel den ganzen Tag: Bist du auch geladen? — Ja, du mich? — Was wirft du denn sagen? — Was du? — Danke, werd mir nicht die Schnauze verbrennen; was geht mich der Frank an. — Und der und die sollen auch geladen fein. — Und der soll gesagt haben, ich hätte gehört, wie Wilhelm sagte Und der Grabowski soll ja schon seine Aussage zurück­gezogen haben. — Sooo? — Hat sich mit Frank verkracht. — Paß mal auf, schließlich steht der Frank allein da. — Und wenn auch, so em gerissener Hund wird sich schon zu helfen wissen, . ;. _

hieg |

'!h W V;d) I fiel- W ter I sich, 1 MH 1

reu | ein.' A be». 1

nst."H >en. .D feie.■ j

'-che I ab- wie-ID liqt 1 der > der .. utg . ra- ige. tntz; i ion ■ >ri-

len J er* ■'! ca.

die ■ S| >en ■ für 1 er- ist- ie«. ■*! 13.

Das Herz in der Faust

Roman eines jungen Menschen.

Von Peter Heinrich Keuler«.

Etat des Reichswirtschaftsministeriums erklärt

Abg. Albrecht-Hannover (DDP),

seine Freunde würden dem Etat zustimmen, er sparsam aufgestellt sei. Ein Beimischungszwang für deutsches Weizenmehl sei wirtschaftlich untrag­bar. Ungeheure Arbeitswfigkeit ist das soziale und wirtschaftliche Problem der Gegenwart schlechthin. Die Schrift der Harburger Oelwerke über eine andere Arbeitsteilung zur Be­hebung der Arbeitslosigkeit hat auf mich einen großen Eindruck gemacht, aber diese Regelung lätzt sich nicht schematisch überall durch­führen. Es kommt darauf an, die Ursache 5er Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Dabei spielt eine große Rolle das Mißverhältnis, das zwischen Pro­duktion und Arbeitsmarkt besteht. Die Ver- größung des Verteilungsapparates in der Nach­kriegszeit ' ist darauf zurückzuführen, daß das kau­fende Publikum viel anspruchsvoller geworden ist.

Politische Gründe tragen wesentlich zu unserer Wirtschaftsnot bei. Es muß da zu einer Erschütte­rung des ausländischen und inländischen Marktes führen, wenn die zweitstärkste und die drittstärkste Partei des Reichstages, die Nationalsozia­listen und die Kommunisten offen den Um­sturz der gegenwärtigen Staatsform propagieren, und wenn in der gestrigen Kundgebung der deutsch­nationale Parteiführer Hugenberg sagte: „Die Jugend verlangt von uns, daß wir die Verhält­nisse von Grund aus umkehren müssen." Ich frage: „Seit wann ist es die Einstellung des deutschen Volkes, sein Handeln nach den Forde­rungen von Jünglingen zu richten? (Sehr gut.) Ist etwa der Aufbau nach dem Niederbruch von 1806-07 durch die überschäumende Jugend, oder ist er herbeigeführt worden durch reife Män­ner tote Stein und Gneifenau? (Zurufe der Kom­munisten.) Ich gehöre zu denen, die mit Hurra­rufen gegen den Feind stürmten, aber

«, ;st schwer ernst zu bleiben bei Betrachtung . La-ae in die die Deutschnationalen sich unter Anaenbergs „Führung" hineingebracht haben. In ^ner Versammlung in Berlin wollten ihre Haupt- kvrecker die Gründe für den „Auszug" darlegen. Ne Versammlung ähnelte vollständig den natio- nalsozialistischen Kundgebungen Man horte Znu- wXufe wie bei Nazis und Kommunisten, z. B. Rufe nach dem Galgen für die Minister, aber auch Vertreter des Papstes". In dieser Versammlung s'i^ack auch M a r t i n S p a h n, der vor allem ge-

den Prälaten Kaas wütete (!!). Aufsehen »rreate vor allem die Ansprache des alten ost- vreußischen Rittergutsbesitzers und Königlichen Kammerherrn Oldenburg » Ianuschau, ter auch diesmal aus feinem Herzen keme Morder- L2,,be machte. Er sprach von seinem Royalrsmus. L ihn nicht gehindert habe, die Politik der vor­revolutionären Regierungen zu befehden. „Und wenn ich heute gegen die Regierung kämpfe, so hat das nichts zu tun mit meiner Liebe und Dereh- rnna die ich dem Generalfeldmarschall v. Hin­denburg entgegenbringe. Er ist ein großer Sol­dat und ein großer, vornehmer Charakter (m der sonst so beifallsfreudigen Versammlung rührt sich kaum eine Hand). Seine Stellung zu den National­sozialisten faßt Oldenburg in die Worte zusammen:

Wenn ich nicht Alexander wäre, m ö"ch t e i ch D i o g e n e s s e i »."„Wenn ich nicht Deutschnational wäre, möchte ich Nazi sein. Für das Wirtschaftsprogramm der Hitler-Leute gelte freilich der Satz: „Dunkel ist der Rede Sinn." Dann machte er eine Verbeugung vor =tri(f der in Thüringen die Schulgebete eingefuhrt und die a l t e n H e r z o g bilder wieder ange­bracht hätte. Hoffentlich käme auch bald wieder die Zeit wo man in Preußen wieder die alten Konigsbilder zu Ehren brächte. Der Kern­punkt seiner Rede lautete: „Der Regierung ist un­ser Avsmarsch ebenso unangenehm wie uns selbst; und als staats erhaltenden und kon­servativen Elementen liegt es et» aentlich nicht, etntrberartige Demon­stration mitzumachen. Wir tun es nur, weil wir keinen anderen Ausweg aus der Schweinerei sehen." Diese Worte un­terstreichen, was die Eingeweihten schon wissen, daß nämlich Oldenburg die leere Demonstration vom Montag nicht billigt und daß er Herrn Hugenberg, als dieser für ein Rumpfparlament der Rechten in Weimar plädierte, klipp und klar gesagt hat: „Herr G eheimrat, nach Wei­mar gehen Sie alleine." Dann polemi­sierte er nodi gegen das „perverse" Biindnrs zwi­schen Sozialdemokratie und Zentrum und gegen die Parteibuch-Wirtschaft. Man müsse den Her­ren Braun und Genossen eröffnen: „Für jeden Mann, den ihr jetzt noch herausfetzt, schmeißen wir später hundert Parteibuch-Leute hinaus!

Nur widerstrebend gab Herr Hugenberg dem Drängen seiner Getreuen nach, die von ihm noch ein paar kräftige Parolen verlangten. Er sagte u. a.: „Die Dinge stehen aus des Messers Schneide ... Die Entscheidung naht . . . Nimm alle Kraft zusammen . . . Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude . .

♦

Im Reichstag ist gerade die letztere Aeußerung Hugenbergs als eine „zynische Leichtfertigkeit gegen­über der "Rot unseres Volkes" von dem Redner der Deutschen Volkspartei am Freitag trefflich gekennzeichnet worden.

♦

Goebbels nannte in der Berliner nationalsozia­listischen Kundgebung den Auszug der Rational-

Die Unruhe unter den Leuten wurde größer mit jedem Schritt, den die Zeit dem Gerichtstermin näher rückte Die Zeitungen kündigten einen Riefenprozeß an, der vor-' aussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen würde. Etwa 100 Zeugen feien zu verhören., die Sachverständi­gen hätten ein Modell des Unglücksstollens gebaut, um den Hergang der Katastrophe dem Gericht vor Augen zu führen Der Verteidiger, Rechtsanrvall Dr. Hölscher, habe sich zuversichtlich Presseleuten gegenüber geäußert. Das Interesse an diesem Prozeß stieg auch in der politt- schen Welt mit jedem Tage da es ein offenes Geheimnis war, was für Frank auf dem Spiele stand, wenn Wil­helm feine Unschuld nachweisen und Franks Beziehungen

,fjr

,-f I