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FuldaerZettung

^^Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

58. Zahrg

Sonntag, 15. Februar 1931

Die Nationalsozialisten können es nicht leugnen, daß sie die Diäten, auf dis sie zugunsten der Aermsten der Arbeitslosen verzichten wollten, für den Monat Februar bereits selbst eingesteckt haben. Sie rechnen jetzt aus, was

Mit großer Spannung sah das deutsche Volk, sah die ganze Welt, der außenpolitischen Debatte im Reichstag entgegen. Leider aber fand diese große Stunde nicht jene geschlossene Fronte die den nationalen Befreiungswillen aufzeigen mußte. Innen- und parteipolitische Gegensätze trüb­ten das Bild. War es nicht schon immer so, daß wir uns in Deutschland in entscheidenden Phasen unserer Geschichte nicht zusammenfindcn konnten, daß nicht jene große Einstellung zu den vaterlän­dischen Notwendigkeiten vorhanden war, wie sie in anderen Ländern immer in vorbildlicher Weise zu erkennen ist?

Die Außenpolitik ist richtung- und ans- Maggebend für die Zukunft unseres Volkes, für das Schicksal unseres Reiches. Schwerste Jahre harten Kämpfens um die Freiheit unseres Volkes liegen hinter uns, Jahre, die uns Erfolge brach­ten, die uns Hoffnungen geben, daß wir vorwärts- kommen, jene Freiheit und Gleichberechtigung un­ter den Völkern erringen, die das Ziel der deut­schen Außenpolitik sind und bleiben. Wir über­gehen die betrüblichen parlamentarischen Begleit­erscheinungen. Dafür wird das Volk selbst zu ge­gebener Stunde urteilen und entscheiden. Unsere Aufgabe ist es, zu prüfen, was geschehen, zu ur­teilen über Ziele und Wege, uns vorbereiten jur die kommenden ebenso schweren Aufgaben.

Mit Reden allein schaffen wir keine erfolgreiche Außenpolitik. Zur Rede gehört die mutvolle Tat. Eine Tat, die von festem Willen zeugt, die Rea­litäten in der Politik betont, die Möglichkeiten scharf unterscheidet von den Uebertreibungen und

In derTäglichen Rundschau" rechnet Graf v. Westarp, der fricher Vorsitzende der Deutfch- nationalen Partei vornehm, aber gründlich mit Hugenberg ab. Er schreibt:Obstruktion Mer Art, die sich nicht durchsetzt, wird zur Nieder­lage und zur Lächerlichkeit." Weiter sagt er, daß für ihn in der FrontHitler-Thalmann- Hugenberg" kein Platz sei und daß der Verzicht auf Teilnahme an den Reichstagsarbelten P f l i ch t v e r s ä u m n i s" darstelle. Die Deutsch­nationalen seien nur ein Anhängsel der, National­sozialisten und stünden in einem Verhältnis un­bedingter Gefolgschaft zur Hitler-Partei!

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Prälat Kaas hat in Kassel den Nationalsozia­listen in einer Versammlung den Rat gegeben, Urlaub von ,Ü e r Politik" zu nehmen. Abgeordneter Joos hat im Reichstag dazu bemerkt, das seiein guter Rat und es würde mancher red# tun, wenn er ihn befolgen würde, ehe er sich vollends ausgefchrieen hat".

Schneller als man ahnen konnte, haben die Nationalsozialisten von diesem Rat Gebrauch gemacht. Hoffentlich gereicht er ihnen zum Nut­zen.

Unüberlegtheiten. .

Das größte Ziel unserer Außenpolitik ist die Erringung der nationalen Freiheit, sowie der moralischen und materiellen Gleichberechtigung Deutschlands auf dem Wege des Friedens, unter Ablehnung einer Politik der Abenteuer.

Das ist eine Zielsetzung, der das ganze deutsche Volk zustimmen kann und muß. Auf welchen We­gen wir zu diesem Ziele kommen, darüber kön­nen ruhig verschiedene Ansichten laut und verschie­dene Wünsche und Forderungen angemeldet werden.

Der Weg ist auch in der Zukunft hart und stei­nig. Seine Ueberwindung bedarf der größten Kraftanstrengunq der Regierung 'und aller Par­teien, die die vor uns aufgezeigte Befreiungspolitik unentwegt und tatentschloffen in der nächsten Zeit betreiben wollen. Dieser Weg führt uns natur- . endig zu jenem bereits in der ganzen Welt

Der Iuftizelat im Reichstag.

fite Osth'lfe vom Sabine« verabschiedet. Ein neuer Erfolg der Regierung.

sie im M o n a t M ä rz für Opfer zu bringen ge­willt sind. Allerdings ist da auch noch ein Häkchen. In einer Versammlung in Frankfurt erklärten die Nationalsozialisten, wenn im Reichstag etwa be­schlossen werden sollte, den N a t i o n a l s o z i a l,- ft en die Freikarte zu entziehen, bann würden die nationalsozialistischen Abgeordneten i m selben Moment wieder in Berlin er­scheinen und auf diese Weise einen solchen An- fchlag verhüten. Die nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten würden aber diese Frei­karte dazu benutzen, das deutsche Volkaufzu­klären."

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In der nationalsozialistischen Berliner Kund­gebung hatte es der Führer der nationalsoziali­stischen Preußenfraktion Kube vor allem auf den Reichsinnenminister Dr. Wirth abgesehen. Wer Kube kennt, weiß, daß dieser angebliche Politi.er am allerwenigsten geeignet ist, Kritik an einem Zentrumsminister und an der Zentrumspartei zu üben. Er erklärte u- a.:

Im Parlament von heute sind die Natio­nal s o z i a l i st e n der Kopf, die Deu t sch- nationalen der Rumpf, das Zentrum aber ist die Verlängerung des Rückens nach unten." Weiter sagte er:

Das Zentrum, das heute mit gleißnerischer Bie­dermannsmine von einer Säuberung der poli­tischen Sitten und einer Reinigung des öffent­lichen Lebens spricht und von der nationalsozia­listischen Mordhetze faselt, gehört mit zu jenen Gruppen, die den Mord an Andersdenkenden in das politische Leben eingeführt haben . . ."

Jeder Kommentar zu dieser Auslassung würde nur die Wirkung abschwächen.

diskutierten Problem der Revision. I

Diesen Revisionsgedanken rücken wir in den Vordergrund unserer außenpolitischen Erörterun­gen. Wir werden noch deutlicher wie bisher oo. der ganzen Welt unseren Standpunkt vertreten, daß die Wurzel allen Uebels auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet allein in jenem Zwangs- diktat von Versailles zu sehen ist. Darum fordern wir eine Vertragsreoision, die das große Unrecht, das uns im Versailler Vertrag zugefügt worden ist, beseitigt, die ferner die einzig mögliche Aufbau­basis schafft für ein neues friedliches Europa in dem die Völker gleichberechtigt sich zu vertrauens­voller Zusammenarbeit finden können. ,. .

Unsere Reichsregierung hat gerade dieses Ziel deutlich und klar aufgezeigt und wird in ihrem Be­streben den Beifall und die Unterstützung des ge- fomten Volkes finden. Die Revifftmsforderung muß jedoch auf das sorgfältigste vorbereitet wer­den. Noch ist die europäische Atmosphäre vergif­tet, noch finden wir jenen Geist von 1919 bei vie­len Regierungen, noch ist die Zeit nicht reif für eine große Entscheidung. Die Zeit für uns zu nut­zen, die europäische und Weltatmosphäre zu ent­giften, jene Basis für die erfolgreiche Durchfün- rung unserer Forderungen zu schaffen, das ist die große Aufgabe, vor die sich nun Regierungspar teien und Volk gestellt sehen. Bei der Revision gibt es unzählige Teilforderungen, die aber alle immer für sich betrachtet und auch einzeln erhoben werden können, damit nicht das Gesamtziel, das wir uns gestellt haben, gefährdet wird.

Mit die größte deutsche Revisionsforderung ist die nach Ermäßigung unserer Zah­lungsverpflichtungen. Es würde uns wirklich wenig nützen, wenn wir hier gewaltsam ans Werk gingen, ohne im eigenen Innern alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche SBertretung unseres Standpunktes geschaffen zu haben. Wir reden niemals einer Erfüllungspolitik um bden Preis das Wort. Aber eines ist doch gerate Jur uns, die wir eingeengt sind in unferrn Handeln durch die Verträge, besonders ausschlaggebend, daß wir auf uns allein angewiesen sind, auf unsere Kraft auf unseren Mut, auf unsere kluge und weitschauende. Politik. Wir erfüllen, jedoch nur bis zu der Grenze, die uns gesteckt ist durch bi» Möglichkeiten aus unserer eigenen Wirtschafts­und unserer eigenen Finanzkraft heraus. Diese Grenze ist erreicht, wenn nicht schon überschritten. Darum fordern wir eben von unserer Regiert! g,

daß sie nach der Durchführung der Sanierungs­aktion im Innern den richtigen Zeitpunkt aus­wählt, um ihre Revisionsforderungen auf dem Gebiete der Zahlungsverpflichtungen auch nach außen laut und deutlich vor der Welt zu ergeben. . Dieser Zeitpunkt ist nicht mehr fern, kann nicht mehr fern fein. Ein Blick auf den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt aller Staaten zeigt uns, daß heute schon eigentlich jeder Staat das größte Interesse daran hat, jene sich als unmöglich erwiesenen Zah­lungsbestimmungen abzuändern, weil sonst einem deutschen Chaos das europäische Chaos auf dem Fuße folgen wurde.

Der gesunde nationale Befreiungswille in un­serem Volke ist lebendig. Er erfaßt alle Berufe und Schichten unseres Volkes Ihn nutzbringend und erfolgreich einzuspannen in die Befreiungs­aktionen des Kabinetts ist von größter Bedeutung. Dieser Befreiungswille wendet sich heute auch wie­der gegen das schreiendste Unrecht, unter dem wir seit Versailles zu leiden haben. Er wendet sich ge­gen die Kriegsschuldlüge. Die objektiven und neutralen Richter und Gelehrten erkannten schon lange den seit Versailles stets vertretenen deutschen Standpunkt an, daß diese Bestimmung aus dem Versailler Vertrag unbedingt auszumer- zen ist, weil sie jedem Rechtsempfinden Hohn i spricht. Wir erwarten deshalb, daß, wie es ja auch bereits geschehen ist, die Regierung erneut vor das Weltforum tritt und eine neue und ge­rechte Entscheidung in dieser Frage fordert, weil die Kriegsschuldlüge für unsere ehemaligen Feinde nach wie vor die Hauptwaffe ist für ihre Unter» drückungs- und Gewaltmaßnahmen gegen Deutsch­land Hat doch P o i n c a r e feiner- Zeit selbst er­klärt, daß eine abgeänderte Kriegsschuldthese auf die deutsche Reparationspflicht nicht ohne Räckw''r- kung bleiben könnte. Das ist richtig gesehen. Und

I darum auch unsere entschiedene Forderung auf bal­digste Abänderung dieser Kriegsschuldthese, damit alle Hindernisse beseitigt werden, können für die von uns zu erkämpfende politische und moralische Gleichberechtigung Deutschlands unter den Vollem Europas. _ t .

Ebenso klar ist der deutsche Standpunkt in der Frage der Abrüstung. Wir stehen ja in­mitten der Vorbereitungen für die große allge­meine Abrüstungskonferenz. Wir haben einen Rechtsanspruch aus dem Versailler Vertrag per. daß die übrigen Staaten, die diesen Vertrag nut I unterzeichnet haben, nach dessen Bestimmungen a b- 1 r ü st e n, zumal Deutschland schon seit langen val)» I ren seine Verpflichtungen bis zum letzten erfüllt I hat. Niemals werden wir uns mit einer noch längeren Verzögerung der Erfüllung unseres An­spruchs auf allgemeine Abrüstung zufrieden ge­ben, ' sondern wir fordern denselben Grad von Sicherheit, den die anderen Staaten für sich irt Anspruch nehmen. .

So stellt sich unsere Außenpolitik m ,eder tform vktiv dar. Wir haben neue Wege beschriften, uns große Ziele gesteckt, haben die Welt nicht im Un­klaren darüber gelassen, daß die Zeit des Zurück­haltens und Abwartens vorüber ist. Aber, wenn wir diese Ziele erreichen wollen, dann müssen wir in der Innenpolitik endlich einmal zu gesunden Ver­hältnissen auf allen Gebieten kommen, die, Par- I teizerklüftung bekämpfen, damit eine große «tund» 1 auch ein großes Volk findet. Das Ziel ist aufge­zeigt. Der Weg ist gewiesen. Gehen wir ihn m dem Vertrauen auf Deutschlands Zukunft, dann wird auch nach harten Jahren der Prüfung und schwersten Leidens die Sonne der Freiheit über I unserem Vaterlande erstrahlen.

Was die Woche brachte.

An der Schicksalswende der deutschen AutzenpolMk. Fester Rurs und klare Zielsetzung. Für Deutschlands Freiheit. ,

Zur Rriegsstbuldfrape.

wtb. Newyork, 14. Febr. (Gig. Meld.) Herold Tri­büne beschäftigt sich in einem Leitartikel mit dem Be- schluß des Reichstags, eine Klärung der Kriegsfchuldfrags herbeizuführen. Das Blatt bemerkt u. a., die Alliierten hätten es für notwendig befunden, eine moralische Recht­fertigung für ihre Reparationsansprüche zu formulieren und hätten deshalb den Artikel 221 dem Friedensvertrag eingefügt. Die Deutschen verfielen in ihren Angriffen auf die Kriegsschuldlüge jedoch in die Fehler der Alliier» ten, indem sie sich einbildeten, daß geschichtliche Ereignisse durch Abänderung einer Formel revidiert werden könnten. EsgäbeabernurwenigeLeute, die g l a u b t e n, daß der Artikel 221, der inmitten der Lei- denschaft und des Elends von 1919 entstanden sei, von der Nachwelt als eine unbeeinflußte Feststellung von un­zweifelhafter Wahrheit hingenommen werde. Anderer, seits würde ein internationaler Ausschuß, der sich mit der Kriegsschuldfrage zu befassen hätte, schwerlich zu einer Einigung kommen. Gefühlsmäßig werde Der Artikel 221 stets umstritten bleiben.

Staaisfefrefär Joel erklärt.

das Ministerium werde mit dem Reichsfinanzmini- sterium über die Einstellung einer neuen Plan­stelle für einen Strafvollzugsbeamten in den näch­sten Etat verhandeln. Zur Gutachtertätigkeit bedür­fen die Richter der Genehmigung des Reichs­gerichtspräsidenten und diese Genehmigung will der Präsident, wie er uns mitteilt, nur in den selten­sten Fällen erteilen Die Schiedsrichtertätigkeit kann nach dem Beamtengesetz nicht eingeschränkt werden. Ich betrachte mit der Mehrheit des Rechtsausschusses diese Schiedsrichtertätigkeit als Unerwünscht und halte an dieser Auffassung auch fest trotz der entgegengesetzten Meinungs­äußerung des Reichsrichtervereins. Diese Fragen werden ivir bei der Neuordnung des Beanuenreck nc

tes regeln müssen. Bezüglich des Falles Buller- jahn kann ich nur wiederholen, mir liegt einzig und allein barn, daß der Fall der Wahrheit ent­sprechend klar gestellt wird. Im Falle Jorns muß mit aller Entschiedenheit der Vorwurf zurückge­wiesen werden, daß das Reichsgericht etwa dos Urteil schon vorher fertig gehabt und erst nachträg­lich die Begründung dazu gemacht habe. Wir müs­sen auch dem Reichsanwalt Jorns genau denselben Anspruch auf Gerechtigkeit zubilligen wie jedem anderen Staatsbürger. Dazu gehört, daß wir erst mal das Urteil abwarten, das in der Bornstein- Sache ergangen ist. Wenn das einen Herrn Jorns. belastenden Inhalt hat, wenn es sagt, daß in der Tat begründete Vorwürfe gegen ihn zu erheben sind, dann wird sicherlich alles geschehen, um zu verhindern, daß ein etwa nicht zur Vertretung der Anklage beim höchsten Gericht geeigneter Beamter, an dessen Ehre irgendetwas gemindert ist, im Amte bleibt. Aber diese Voraussetzung muß erst erfüllt werden.

Der Staatssekretär bezeichnet weiter den Vor­wurf als unbegründet, daß das Reichsgericht in Hochverratssachen die Nationalsozialisten besser behandle als die Kommunisten. In der von Dr. Warum angezogenen Erklärung des früheren Reichsjustizministers Dr. Bredt zur Frage des literarischen Hochverrates sei gleich betont worden, daß das Ministerium nicht in die Rechtsprechung des Reichsgeftchtes eingreifen könne. Man könne auch dem Oberreichsanwalt nicht zumuten, seine Rechtsauffassung auf Grund einer politischen Erklärung zu ändern. Zu dem Brief des Reichsgerichtsrates Georg Müller an den völkischen Verleger Lehmann er­klärt Staatssekretär Joel: die Mehrheit wird mit mir dann übereinstimmen, daßdiegrößte Zu­rückhaltung in diesen politischen Streitfragen auch bei den höchsten Richtern als das Zweckmäßige er acht et werden muß. Wenn jemanb an der höchsten j Stelle der Justiz wirkt, so soll er sich bewußt sein, | daß eine große Zurückhaltung in sol- I chen politischen Streitfragen seine

Pflicht ist. (Beifall.)

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Diese Zurechtweisung hat Herr Georg Müller redlich verdient. Er hat der deutschen Justiz einen schlechten Dienst geleistet.

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Wieder vernünftig!

DieGrüne Front" hat eine Erklärung heraus­gegeben, die von Brandes, Graf K a l k r e u t h (dem Führer des Landbundes, der sich ,üngst tm Zirkus Busch sehr radikal gebärdete), Hermes und Fehr unterzeichne itft. Die immer schwle- riger werdende Lage gerade der bäuerlichen Land­wirtschaft und der Veredlungswirtschaft erfordere, daß die praktisch wirksamen Maßnahmen, über die am 30. Januar zwischen der Regierung und der Grünen Front" grundsätzliche Uebereinftimmung erzielt worden sei, nunmehr unverzüglich durchgeführt würden. Bei ihren Forde- runge nfei sich dieGrüne Front" stets der Schick­salsverbundenheit des deutschen Bauerntums mit den übrigen Be­rufsständen bewuckt. Eine rechtzeitige Ver­wirklichung der Forderung der Grünen Front wäre für die deutsche Landwirtschaft von unschätzbarem Vorteil gewesen, währenddie verspätete Einsicht und die unzulängliche Tatbereitschaft gewisser Stel­len, die über die Arbeit der Grünen Front nach rote vor unsachlich urteilen, der deutschen Landwirtschaft teuer zu stehen gekommen" selten seien undgletch- zeitig die Interessen anderer Berufsstände gsschae digt" hätten.

«b Berlin, 14. Februar. (Eig. Meld.) Wie & erfahren, hat das Reichskabinett in seiner heuti­gen Sitzung, die gegen 2 Uhr nachmittags zu Ende «ina die 3 Gesetzentwürfe über die Oft» bilfe verabschiedet. An der Kabinetts- sitzung nahmen auch Vertreter der zuständigen preu- ßischen Stellen teil. Wie wir hören, ist es gelun­gen, eine vollständige Hebet m- nlnng herbeizuführen.

Reichstagspräsident Loebe eröffnete . s- tog die Sitzung um 10 Uhr. Ohne Ausipru^ ge­nehmigte das Haus zunächst den deuisch- amerikanifch en Auslieferungsvertrag. Ein deutsch-tfchechisches Abkommen über dre Hitfe- leiftung der Sicherheitsorgane geht an den Rechts- ausfchuß. Ein Gesetzentwurf über die weitere Zu- laffung von Hilfsmitgliedern im Reichspatentamt wird in allen drei Lesungen angenommen. Der Saushalt des Neichsjustizministeriums kommt dann -ur zweiten Beratung. Verbunden damit wird die dritte Lesung der Vorlage Zur Aen- berung des Pressegesetzes, wonach Abge­ordnete nicht mehr v erantwor tlrch e Re­dakteur e sein dürfen, sowie ein von den Kom­munisten eingebrachter Gesetzentwurf, der ine Ab­schaffung des Schnellverfahrens fordert.

Abg. Dr. Marum (Soz.-Dem.)

begrüßt es, daß der Fall Bullerjahn jetzt in ein Stadium gelangt sei, das den Sieg der Gerechtig­keit und die Befreiung Bullerjahns erwarten lasse. Im Interesse der Gerechtigkeit und Menschlichkeit fei zu hoffen, daß den wichtigsten Zeugen Nicht die Aussage-Genehmigung versagt wird. Das Ur­teil des Reichsgeftchtes im Fall Jorns fordert zur schärfsten Kriftk heraus. Das Reichsgericht hat in die em Falle zu Gunsten des Reichsanwaltes Zorns die Grundsätze verlassen, die es seit dem Helfferich-Prozeß immer betont hat. Im­merhin stellt auch das letzte Urteil in diesem Pro­zeß fest, daß Jorns mindestens objektiv und fahr- käffig seine Amtspflichten verletzt habe. Die einzige Entschuldigung für Jorns ist, daß er Nicht aus bösem Willen, sondern aus Dummheit und Unfähigkeit gehandelt hat. Ich hoffe, daß der Urlaub des Herrn Jorns endgültig ist und daß gegen 'ihn ein Disziplinarverfahren eingelettet wird (Beifall). Bet 'den Hochverratsverfahren zeigt sich noch immer eine ganz verschiedenartige Behand­lung zugunsten der Nationalsozialisten. Wie steht es mit dem nun schon seit länger Zeit schwebenden Hochverratsverfahren gegen Dr. Goebb els? In letzter Zeit haben wir erlebt, daß durch Zu­stimmungserklärungen zu dem gegen die Justiz gerichteten Pamphlet des Mofttz-Zarnow nicht nur der frühere Reichsgerichtspräsident Simon die Reste seines früheren Ansehens aufs Spiel ge­fetzt hat, sondern daß auch der aftive Reichsgerichts­rat G. Müller einen zustimmenden Brief an den völkischen Verleger Lehmann gerichtet hat. (Lebhaftes Hört, hört!) Der Redner tritt ein für einen von den Sozialdemokraten eingebrachten Ge­setzentwurf zur Entschädigung der im Wiederauf­nahmeverfahren Freigesprochenen.

Abg. Aluntau (christlich.-foz. V.D.),

der dann das Wort erhält, wird vom Abg. Torg- ler (kom.) mit dem Ruf empfangen:Sie können uns doch etwas erzählen von der Rolle, die ©je bei der Weihnachtsfeier in der Strafanstalt Celle gespielt haben!"

Präs. Löbe: Das ist eine Verwechslung, Herr Torgler, Sie haben nicht das Wort, sondern Herr Muntau. (Heiterkeit.) Ab. Muntau beschäftigt sich mit dem Strafvollzug. Bei aller notwendigen Hu­manität müsse doch der Eindruck verhindert wer­den, daß die Gefangenen ein besseres Leben führen als die Freien. (Lärm, bei den Kommunisten.) Glauben Sie, daß jeder Arbeitslose in derselben Weise wie die Gefangenen abends Kakao mit be­legten Broten hat?

Auf weitere Zurufe der Kommunisten antwor­tet Abg. Muntau: In Ihren Reihen wirkt als Ver­teidiger ein Mann, dem ich beigefprungen bin da­mit er als Strafgefangener feine Studien fortsetzen feinen Referendar machen konnte. (Höft! Hör:') Der Redner beantragt auch in personeller Bezie- und seinen Referendar machen konnte. (Hört! Hört!) in der Justizverwaltung. Eine Reichsstatistik für den Strafvollzug sei notwendig. Wir Christlich-Sozia­len lehnen eine politische Beeinflussung des Rich­terstandes ab. Darum sind wir auch gegen h1 e Gutachter- und Schiedsrichtertätig­keit der Richter, besonders der Richter am Reichs­gericht. Das System der Einzelrichter halten wir für bedenklich. Die große Masse der Rechtsanwälte ist in großer Not, die noch gesteigert wird durch die Ueberfüllung des Rechtsanwaltsberufes.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt tm Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Itt, do der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernrufe: schrlft. *>v .. teitunq 1152 Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::