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Samstag, den 14. Februar 1931.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Sreisblatt)

-tr. 37

Sie geplanten Neuerungen in der WohnungswiMafl

Winterwanderung in der Rhön

Die Grippe geht um.

Von Dr. meb. Curt Kayser-Berlin.

In vielen Orten des Reiches ist in den letzten Wochen eine stärkere Häufung fieberhafter Erkäl­tungskrankheiten aufgetreten, die man gemeinhin mit dem Namen „Grippe" bezeichnet Ob alle diese Erkrankungen im streng wissenschaftlichen Sinne den Namen Grippe verdienen, muß bahmgetteltt bleiben, sie sind aber sämtlich gekennzeichnet durch das plötzliche Einsetzen von Schnupfen, Hutten, mehr oder minder hohes Fieber. Gliederschmerzen usw. Wenn auch die große Mehrzahl der Erkran­kungen leichterer Natur mar, fo läßt sich dock von einer solchen grippeartigen Erkrankung nur in pen seltensten Fällen Sorausseben, welchen Verlauf sie nehmen wird. Gerade die Grivpe ist ausgeicich- net durch die Neigung zu Rückfällen, die oft schwe­rer sind, als die Ersterkrankung Ferner fck lev^l sich an die Gripve nicht selten verschiedene Nach­krankheiten an. Von ganz besonderer Bedeutung ist die Tatsache, daß ruhende oder bisher "cht m die Erscheinung getretene tuberkulöse Lunqen'prr- zenerkrankunqen nicht selten durch die Grivve von neuem entfacht werden oder erstmals in Erschei­nung treten. Daher ist es notwendig, wder. ins­besondere mit Temperaturerhöhung emhergeyen- den, grippeartigen Erkrankung die notwendige Beachtung zu schenken und vor allem so rasch wie möglich einen Arzt zu Rate zu Ziehen. Die Be­handlung des Kranken wird naturgemäß der 8wZt zu leiten haben, gegen die Weiterverbrertung der

Schützt die Raubvögel!

Aus allen Gegenden wird eine starke Ver­minderung der unter gesetzlichem Schutz stehenden Raubvögel gemeldet. Aus Gewinnsucht, ost auch aus Mordlust, stellen minderwertige und unreife Burschen diesen nütz­lichen Tieren nach. Kein Mittel ist zu roh: mit Tellereisen, eisernen Spannfallen usw. werden die Alten am Horst gefangen, so daß ihnen fast immer die Bemknocken grausam zerschmettert werden. Ist es zur Zett der Brut, so werden die Jungvögel aus dem Nest gerissen, ihr Ende ist dann qual­volles Verhungern im Käfig. Die Vernichtung der Raubvögel aber bedeutet vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus eine unverantwortliche Schädi­gung der Landwirtschaft. Mit Recht hat sich der Gesetzgeber dieser Geschöpfe angenommen, denn es ist einwandfrei festgestellt, daß der Bussard rund 80 Prozent seiner Nahrung in Form von Mäusen verzehrt, rund 85 Prozent die Turm­falken und bis zu 95 Prozent unsere Eulen- arten. Eine Bussardfamilie vertilgt in emem Jahr 7—8000 Mäuse. Dies sind Zahlen, die keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß ein ge­sunder Bestand dieser billigen Helfer des Bauern die Mäuseplage durch dauernde vorbeugende Ar­beit unterdrücken kann. Wenn aber Gewinnsucht, Unverstand und Schießwut zur baldigen Ausrot­tung zusammenhelfen, werden sich die kleinen Feinde des Ackers ins Ungemessene vermehren, dann kann höchstens noch das Gift helfen. Es fehlt dann auch etwas Schönes in der Hennat- landschast, und unwiederbringlich ist das herrliche Flügelspiel des edlen Raubvogels, sein Kampf­und Liebesruf aus dem blauen Frühlingshimmel verloren.

Schon wieder Schweinezählung.

Auf Anordnung des Reichsministers für Ernäh­rung und Landwirtschaft findet im Einvernehmen mit dem Statistischen Reichsamt und den. Statisti­schen Landesämtern a m 2. M ä r z 1931 die nächste Zählung der Schweine und der „nichtschaupflich- tiqen Hausschlachtungen" für die Zeit vom 1. Dezember 1930 bis 28. Februar 1931 statt. Die

während die Häuser wie geduckt unter der Schneelast in der weißen Stille des Sonntagmorgens stehen.

Wir verlassen die Straße und schlagen einen Wiesen- psad ein, dessen deutlich getretene Spur quer über die Wiese läuft. Auf einem Brett überschreiten wir einen Bach, dessen eilig fließendes Wasser fast schwarz erscheint Im Dorf sind vereinzelte Kirchgänger auf den Straßen, und als wir weitergehen, kommen uns die Kirchgänger aus dem nahen Filialdorf truppweise entgegen. Zuletzt kommen noch einige Schlitten, an denen die Ackergäule schwerfällig traben. Die Leute in ihnen halten die Ge­sangbücher auf dem Schoß und schauen kaum zu uns herüber, die wir in den tiefen Schnee am Straßenrand ausweichen. Melodisch klingeln die Schellen am Ge­schirr, die Gäule prusten und stoßen weiße Dampfwol­ken aus den geblähten Nüstern.

Wir verlassen auch das Filialdorf und schreiten scharf bergan. Eine einzige Fußspur läuft auf der Straße vor uns her, der Form nach muß sie von einem Schulmäd­chen sein. Der Wald rückt näher und säumt die Straße, tiefverschneite Fichten stehen am Wege, lautlos still ist es. Das feine Zirpen der Meisen und das Knarren des Schnees unter unseren Tritten sind die einzigen Laute. Immer noch läuft die Spur des schmalen Kinderfußes getreulich vor uns her. Der Weg führt jetzt in Win­dungen auf die Höhe. Wir nehmen einen Pfad, der geradewegs hinaufführt. Tief sinken wir in den lockeren Schnee ein, bücken uns vor tiefhängenden Fichtenästen und stehen aufatmend oben.

„Hier sind wir auf der Wasserscheide zwischen Fulda und Werra, und hier verlassen wir jetzt das dritte Reich", sagt mein Freund und zeigt auf einen Grenzstein. Es waren die ersten Worte seit langem, die zwischen uns fielen. Wir sehen uns an und lächeln, was geht uns das alles jetzt an! —

sckränkunq des Wohnraumes, der Mieten und vor allem der Ausstattung. Hierdurch werden die Ueberpreise auf dem Gebiete des Baugewerbes herabgesetzt.

Gleichzeitig soll die Wohnungszwangs- wirtfchaft bis Zu bestimmten Zeitpunkten ab- aebaut werden. Bei dem engen Zusammenhang zwischen Zwangswirtschaft und Neubautätigkeit wird dies allerdings erst dann möglich sein, wenn der Neubau so gefördert ist, daß der Bedarf an Wohnungen ohne wesentliche Mitwirkung der öf­fentlichen Hand befriedigt werden kann. Die Not­verordnung bestimmt dafür eine Uebergangszett bis zum 1." April 1936. Mit diesem Zeitpunkt stil­len grundsätzlich Reichsmietengesetz und das Ge­setz über Mieterschutz und Mieteinigungsämter au­ßer Kraft treten und schon mit dem 1. April 1934 soll das Wohnungsmangelgesetz seine Wirksamkeit verlieren. Eine Reihe von Einzelbestimmungen und Erleichterungen bereiten die Aufhebung bei Zwangswirtschaft vor. Um das anstelle der ver­kürzten Hauszinssteuermittel benötigte Privat­kapital heranzuziehen und zwar auch aus den bisher für die 2. Hypothek verschlossenen Quellen, erhält das Reich durch. Kapttel 2 der Notverord­nung die Ermächtiguna zur Uebernahme von Bürgschaften. Durch stärkere Heranziehung von Privatkapital ist auch eine starke Betätigung der privaten neben der gemeindlichen Bouwirtschast im Wohmmasneubau zu erwarten. Die gemein« nühiaen Bauherrsckaften w-rden im übrigen durch Vorschriften des Kapitels 3 unter verstärkte Aufsicht bezüglich ihres gemeinnützigen Charak­ters gestellt. _____________ •-________

für die Schüler Sparmaßnahmen feien, die pädagogisch am wenigsten bedenklich wirkten Da- bei müsse freilich das Schicksal der Anwärter für den Stilbienratsberuf angesichts ber drohenden Ueberfüllung ernst bedacht werden. Die Aufbauschulen, deren Wert in der Aus­sprache verschiedentlich angezweifelt worden ei, hätten, wie er aus persönlicher Erfahrung wisse, Erfolge aufzuweisen, die den durchschnittlichen Lei­stungen der grundständigen höheren Schule in kei­ner Weise nachstünden. Der Minister kündigte die Herausgabe eines Erlasses an, ber eine schärfere Auslese in ben höheren Schulen zur Pflicht macht. In bie unterste Klosse ber höheren Schule weck? von Ostern ab bie Aufnahme nur noch un­ter Vorbehalt ber Bewährung in dem erften halben Jahr erfolgen. Auch für die weiteren K.a- fen feien neue Vorschriften getroffen, bie eine a r« tere Auslese ber Schüler gewährleisten. Aus der Grunbschule wirb nur noch ber Aus­schuß aus Volksschullehrern und Studienräten die Aufnahmeprüfung entscheiden. Als Korrelat Zu die­sen mehr negativen Auslesemaßnahmen bedürfe es positiver Förderung, besonders auch der Be­ga b u n g e n, die für theoretische und wissenschaft­liche Schulung nickt geeignet seien. In diesem Zu­sammenhang sei die Frauenoberschule zu sehen, die für einen bestimmten Typus von Be­gabungen bestimmt sei. vorläufig aber noch an ei­ner zwiespältigen Zielsetzung kranke. Die Frage der Berechtigungen für dielen Schultypus m'üfe nunmehr praktisch gelöst werden.

Bunte Zeitung.

— Da, Atter der Vögel. Einem Doge! sieht man es nicht an, ab er sehr alt, oder noch ziemlich jung ist. lieber das tatsäck^iche Alter von Nägeln hat man folgende Er­gebnisse nachgewiesen: Eine Nachtigall wurde 15 Jahre, eine Drossel 17. ein Stieglitz 23, eine Feldlerche 24, Ra­ben 50 Jahre alt. Ein grauer Papagei brachte es auf 52, eine Eule sogar auf 69 Jahre Von den Wasser- vögeln erreichte ein Reiher 60, ein Schwan 72 und eine Gans 80 Jahre Vögel, die in der Freiheit leben, brin­gen es gewöhnlich nicht zu einem so hohen Atter. Der Kamps ums Dasein reibt sie frühzeitig auf.

In kurzen Windungen führt die Straße steil bergab, wir schneiden die Kurven wieder ab und fallen dabei in gemächlichen Lauf, springen über Gräben und stolpern über Ackerschollen. Wir biegen um eine Waldecke und sind wieder in einem Dorfe, das wie ausgestorben er­scheint. Die Bewohner sind wahrscheinlich schon im näch­sten Pfarrdorfe im Gottesdienst, den wir auch besuchen wollen, da heißt es sich tummeln. Aber wir kommen noch recht. Gerade ist das Staffelgebet beendet, als wir in die Kirche treten, die uns angenehm warm erscheint. Ein paar Leute drehen die Köpfe nach uns und schauen dann wieder in die Gesangbücher. Die Orgel beginnt: ,,©ott soll gepriesen werden", wir fingen mit. Mein Nach­bar hält mir das Gesangbuch hin, ich schüttele mit dem Kopf, denn ich kann das Lied auswendig.

Bald nach der Kommumsn Mrfaffen wir als erste die Kirche, wir müssen um daranhaften, wenn wir unser Ziel rechtzeitig erregen wollen. Ein Schlitten ist vor uns, mit Milchkannen beladen. Der Fuhrmann im grauen Soldatenmantel sieht auf der Schlittenkufe und liest die Zeitung, seine mageren Gäule klimmen mühsam bergauf. Der Fuhrmann fragt uns nach dem Woher und Wohin. Wir geben Bescheid und gehen vorbei.

Allmählich meldet sich der Hunger, lieber drei Stun­den sind mir schon unterwegs, und vor dem Ausbruch haben wir kaum etwas genossen. Aber wir haben nur noch eine Stunde Marsch vor uns, und die werden wir noch zwingen.

Wieder ein Dorf. Kein Mensch ist auf der Straße zu sehen, am letzten Hause nur steht ein Mann im Hof und füttert die Hühner, und ein zahmer Rabe hüpft zwischen dem gefieberten Volke umher.

Wir sehen hier zum erstenmal bunte Plakate an den Häusern Heben, ein Zeichen, daß wir uns einer Stadt nähern. Auf den aufdringlich bunten Dingern steht bi: Einlabung zu trgenb ein»r Operette, die von irgenb« einer Gesellschaft im Dorfe gespielt wurde und die hier­her paßt wie die Faust aufs Auge.

Der 7. Teil der Notverordnung will be- kannttick»versuchen, das Wohnungswesen und zwar sowohl die Neuherstellung von Wohnun­gen, dir Bewirtschaftung des Alt woh­nungsraumes, wie die ganten Rechtsverhält­nisse 'im Wohnungswesen allmählich wieder i n den Rahmen der allgemeinen Wirt­schaftsordnung zurückzuführen. Vor allem sollen die Gesamtausgaben für den Woh­nungsbau sich wieder in den Rahmen der gesam­ten Finanzaebarung unserer Volkswirtschaft em= gliedern. Wie hierzu Ministerialrat im Reichs- arbeitsministerium Wölz auf einer von der Ber­liner Verwaltungsakademie veranstalteten Vor­tragsreihe über die Notverordnung des Reichsprä­sidenten vom 1. Dezember 1930 ausführte, ist der nach Kriegs- und Inflationszeit überstarke Wohnunqsbedarf zum Teil getilgt, andererseits drängt die heutige Wirtschaftsnot ihn aufs stärkste zurück. Daher ist der Umfang des Wohnungs­baues auch einigermaßen beschränkt worden. Aller­dings bedeutet das eine sckwere Gefährdung der Bauarbeitersckaft wie des Baugewerbes auf dem Arbeits- und Wirtickaftsmarkt. Andererseits aber ist dies das alleinige Mittel, um die U e b e r a n- sprüche an Dauerkapital zurückzu'chrau- ben den Realkredit zu verbilligen und auch» na­mentlich die Inanspruchnahme der öffentlichen Hand für den Wohnungsbau in gewissem Umfang zu sanieren. Wege hierzu sind u a. die Festset­zung einer Höchstgrenze für die mit offentlicken Mitteln zu unterstützenden Wohnungen, Beschrän­kung der Heranziehung öffentlicher Mittel für die Wohnungen der einfachsten Bevösterunoskrelfe. Be-

Schlag zwölf hängen wir unsere Mäntel in ber wohlig burchwärrnten Gaststube ab und bestellen uns ein Mittagessen. Es wäre nicht viel da, aber wenn wir mit bem vorlieb nehmen wollten, was sie gegessen hät­ten? Jg, wir wollen, unb so gibt es benn Nudelsuppe mit Markklößchen, bann Rindfleisch mit Meerettich und Preißelbeeren. Wir essen, unb bie gesprächige Wirtin leistet uns Gesellschaft; mütterlich besorgt will sie auf- ft"*yt unb mehr holen, als bie Schüsseln leer sind. Aber wir banken unb wehren ab, benn wir sind beide satt unb bitten nur noch um eine Tasse Kaffee.

Dann trennen wir uns. Mein Freunb, um zu Fuß roieber zurückzukehren, ich, um bie nächste Bahnstation zu erreichen, von ber aus mich ber Zug nach Hause bringen soll. Zwei Stunden Marsch habe ich noch bis dorthin.

Als ich am Abend aussteige, sinkt bie Dämmerung herab. Langsam schreite ich den hochgelegenen Weg nach meinem Heimatborse. Eine lange Reihe von Schlitten kommt mir entgegen. Enggepackt wie bie Heringe sitzen die Menschen in ihnen, Schellengeläut unb Gesang klingen auf und verwehen. Dann liegt das Dorf unter mir. Die ersten Lichter sind wach und blicken mit goldenen Augen burch ben Abenb, unb eben klingen bie letzten Schläge ber Abenbglocke. -W.

Es war noch dämmerig, als wir aus bem Haufe tra­ten. Die Mutter bes Freunbes, bei dem ich bie Nacht verbracht hatte, stand unter ber Haustür und rief uns nach: „Kommt gut wieder heim! Daß ihr aber auch gar nichts mitnehmen wollt!"

Wir aber winkten noch einmal zurück und schritten davon. Kaum regte sich das erste Leben im Dorf, eine Stalltür klappte, ein Eimer raffelte. In die winterliche Morgenstille aber klangen hier unb da aus einem Haufe bie jubilierenden Triller ber Kanarienvögel, bie hier zahlreich gehalten werben wie überall in der thüringi­schen Rhön, unb ihr schmelzendes Lied klang eigenartig durch bie kalte Frühe.

Cs hatte leicht geschneit in ber Nacht, bie Spuren bes Vortages waren von einer bünnen Schneeschicht bebeckt. Hasenspuren kreuzten bie Straße unb liefen gerabe unb bogig durch bie Aecker unb Wiesen zu beiben Seiten. Auf manchen Aeckern waren sie so zahlreich, als ob bart in der Nacht eine Hasenversammlung gewesen wäre. Stber bie Kratzspuren unb bie grünen Halme, bie durch ben Schnee lugen, beuten an, daß bie hungergeplagten Löffelträger sich in ber Nacht kümmerliche Nahrung aus bem Schnee gescharrt hatten.

Polternd erhebt sich eine Kette Rebhühner hart am Strafjenranbe, daß wir unwillkürlich zusarnrnenfahren. Geraden Fluges streichen die braunen Vögel über bie Wiese, fallen ein unb sink) noch eine Weile als dunkle Punkte hastig laufend auf bem Schnee sichtbar.

Inzwischen qt es Tag geworden. In blenbenbem Weiß glänzt ber Schnee gegen ben Nebel, ber wie ein grauer Vorhang bie Ferne verhüllt. Wie ein Singen kommt es zu uns her. Wir bleiben stehen unb horchen; es sind die Glocken bes nächsten Dorfes. Beim Weiter­schreiten sehen wir den barocken Zwiebelturm ber Kirche, der sich klar heraushebt aus der grauen Nebelwand,

Krankheit aber kann der Einzelne sich und feine Umgebung wirksam schützen durch Beachtung der wichtigsten Grundregeln der Gesundheitspflege: Vor allem vermeide man allzu nahe Berührung mit dem Kranken und halte auf Armeslänge Ab­stand von ihm. Ferner sorge man dafür, daß der Kranke beim Husten und Niesen das Gesicht ab­wendet oder ein Taschentuch vor den Mund hält Ganz besonders wichtig ist diese Maßnahme überall da, wo eine größere Anzahl von scheinbar gesun­den oder leicht kranken Menschen sich zusammen­findet, z. B. in den öffentlichen Verkehrsmitteln, Straßenbahn, Stadtbahn, Untergrundbahn usw. ferner in Theatern, Kinos usw. Häufiges Hände­waschen, zumal nach irgendeiner Berührung mit dem Kranken oder den von ihm benutzten Gegen­ständen wird fönst noch geeignet sein, der Wttter- verbreitung der Krankheit wirksam zu begegnen.

£iti unvergeßlicher Augenblick.

af.jrf, die wichtigste Arbeit konnte wohl gestern ... am geistigen Leben unserer Zeit teilnehmenden mu,nkcken nickt abhallen, um %5 Uhr am Rund sitzen, wo sich etwas vollzog, was sowohl reiner Erstmaligkeit, aber auch seiner Bedeutsamkeit Ln fast Hirn und Herz überwältigte. Der Hl. «mer in Rom richtete durch die neue Radiostation ^Vatikans dasWortandieganzeWelt

Übertragung verzichtete auf alles äußere Ge- »ränae Gleichwohl war der Eindruck stark und »Ickend. Don Wien aus wurde deutlich vernehm- .„erst eine Erklärung des Vorgangs in Rom Kloben Für Minuten ist nichts zu hören als das «raufen des Wellenäthers. Dann englische Worte, ualienische,französische. Schließlich ein sich näherndes Gemurmel von Unterhaltung und das ruhige Jta- u7nilch des Grafen Marconi, der den Heil. Vater Lmüßt - jetzt erst spricht der P ° p st selbst durchs Mikrophon: eine milde, leicht bewegte Stimme, ameinisch, aber für uns klingt es wie Italienisch; ber Atem dieser Greisenstimme ist deutlich zu spu­ken manchmal gleitet sie unerhört lebhaft über ibre Worte. Es zittert eine gewisse Erregung na­mentlich im Anfang mit. Man muß sich das Unge- wohnte der Lage für den Redner vorstellen. Ohne bie Warte genau verstehen zu können, weiß man I ihren Sinn: der Papst begrüßt zum erstenmal burch das Mikrophon die Gläubigen, alle Men- kcken der Erde. Ganz deutlich wird die Stimme zum Schluß. Der Heilige Vater erteilt unter An- Nifung der hl. Dreifaltigkeit der „Stadt und dem Weltkreis" feinen Segen. Als es dann wieder für einige Augenblicke ruhig wird im Wellen- Aether, sitzt man ergriffen und weiß, daß das em Augenblick war, in dem die Technik einen gewalti­gen Sieg erfochten und gleichzeitig der Macht des Geistes ein neues Feld und ein neues Mittel auf- I gegangen ist. #

Später wurde die Rede des Hl. Vaters über- ftßt Er ging aus von den Worten der Schrift: Ehre fei Gott in der Höhe und den Menschen, die outen Wlilens sind. Er wünschte allen die Erleuck- ttmg des Heiligen Geistes. Er richtete seine Worte an die gesamte Kirche und forderte die Katholiken auf, im Glauben zu verharren, er ermahnte die Missionare, in ihrem Werk nicht müde zu werden und wandte sich schließlich auch an die Andersgläu­bigen. Er gedachte der großen Bedeutung der so- «alen Ordnung. Die Reichen sollen sich ihrer gro- ßen Verantwortung bewußt sein, die ihnen im- durch gegeben ist, daß sie mehr besitzen, und sie sollen ihre Liebe ihren ärmeren Mitbrüdern yj= wenden. Die Armen erinnert er daran, daß auch Jesus Christus arm gewesen sei. Den Regierenden empfahl er Gerechtigkeit und christliche Liebe, den Untertanen Gehorsam, allen aber Ge­rechtigkeit und geaenseitige Unterstützung. Das sei besonders auch dem Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu wünschen. Der Papst ver­sprach zu beten für den Erfolg aller Bemü­hungen um Frieden und Menschen­liebe und verwies auf die Worte Jesu: Kommet fier zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Er spendete zum Schluß der Stadt Rom und dem ganzen Erdkreis den apostolischen Segen.

Dom Diözesanklerus.

Ernannt wurden mit Wirkung vom 14. Februar: Kaplan Alovs Vogt in Künzell zum Kavlan in Hauswurz, Kanlan Hermann Hahner in Haus­wurz zum Kavlan in Eichenzell, Kavlan Paul Hartmann in Eichenzell zum Kaplan in Künzell. Eisenbahn-Jubilar.

Der Vorschreiner Alerander Kern kann heute auf eine 25jährige Dienstzeit im hiesigen Reichsbahn-Ausbesserungswerk zurückblicken. Der Jubilar, der auch zugleich 25 Jahre Mitglied des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes ist., wurde von seinen Kollegen in althergebrachter Weise geehrt.

(Erneuter Schneefall

setzte in der Nacht auf Freitag ein. Da die Tempe­raturen etwas niedriger lagen als am Vortage hielt sich der Schnee, der auch noch zeitweilig recht kräftig am Freitag vormittag fiel, besser.

Zur Frage der Ueberfüllung der höheren Schulen.

Nachdem der preußische Kultusminister, wie zu einer gestrigen Meldung noch nachgetragen sei, erklärt: Die Frage sei, solche Sparmaßnahmen zu vermeiden, die pädagogisch und bildungspolit's h schädlich seien wie etwa Erhöhung der Klassenfre­quenzen und ber Pflichtftundenzahlen. Es sei eriyt zu prüfen, ob nicht ein mäßiges Hinaus- schieben der Altersermäßigung -n und eine H e r a b s e tzung der Wochen stunden

Schweine haltenden Landwirte selbst haben das größte Interesse daran, daß die gestellten Fragen m richtiger und zuverlässiger Weise beantwortet werden. Dafür wftd ihnen auf der anderen Seite die unbedingle Sicherheit gewährleistet, daß ihre statistischen Angaben geheim gehalten werden und keinesfalls zu steuerlichen Zwecken Verwendung finden.

Rennst Du die Vaterstadt?

Begrüßenswerte Arbeiten des Fuldaer Photoklub».

Es ist nickt einem jeden gegeben, Beobachtungen zu machen, die einem künstlerischen Auge, oder dem suchenden Blick eines Interessierten nicht lange ner- borgen bleiben. Gemeint sind in diesem Falle die kunsthistorischen Schätze Fuldas und seiner Umge­bung, solche, an denen man vielleicht täglich vor­übergeht, ohne sie zu beachten, ohne überhaupt eine Ahnung von ihrer Eristenz, ihrem Wert und ihrer Bedeutung zu haben. Wer von den vielen Spazier­gängern, die Sonntags über die ßangenbrucre gehen, hat sich schon einmal Gedanken über bie bär­tigen Figuren u. Reliefs gemacht. Wer weiß etwas genaueres von ben Wappen unb Figuren, bie über fast sämtlichen Portalen ber Fulbaer Kirchen zu sehen sind. Gewiß ist es nicht jedermanns Sache, sich mit dem Studium von Kulturdenkmälern abzu- geben, es gehört dazu auch schon eine gewisse Be­fähigung. Es wäre aber doch im Interesse der Er­haltung und Pflege bes Heimatgefühls zu wünscken, daß bi'efe Schätze nicht nur im Fulbaer Geschickt-- verein, fonbern auch in ben Kreisen der Bevölke­rung Beachtung und gebührende Würdigung fin­den.' ... .

Sehr begrüßenswert ist darum die Arbeit und bas Bestreben bes Fulbaer Photoklubs, burch bas Festhalten unterer heimischen Kulturbenk- tnäler im Bild bem Fuldaer so manches Plätzchen seiner Heimat lieb und wert zu machen. Der Photo- klub bat bisher zwei Serien fertiggestellt, die eine „Fuldaer Wappen" von Herrn R a t m a n n, I die andere „D i e Deckengemälde aus dem Kaisersaal" von Herrn Over 1 ack. Die bei- den Serien wurden gestern abend in Lichtbildern unter Anwesenheit einiger Herren des Fuldaer Ge­schichtsvereins gezeigt. Dabei zeigte sich das in­teressante Ergebnis, daß auf ben großartig unb tech- njsch ausgezeichnet aeluna-nen Bildern bie photogr. Gegenstänbe zu einer Wirkung kommen, bie die Originale in ben seltensten Fällen Hervorrufen können. Es wirb sogar möglich sein, burch bas Studium der sehr scharfen Aufnahmen manche bis­her noch ungeklärte geschichtliche Frage zu lofen. Der Geschicktsverein begrüßt die Arbeit des Photoklubs außerordentlich, besonders desbalv, weil nun Gelegenheit geboten ist, tn 2td)tbuber- vorträgen ben Heimatgebanken in ber Fuldaer Be­völkerung besser zu pflegen.

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Gestern sind an ber Ecke Pauluspromenabe- Wilhelmstraße zwei ber alten Bäume gefallt wor­den, wodurch man nun vom Eingang tn Den Schloßhof aus einen großartigen Blick auf bie St. Michaelskirche hat. Erft jetzt kommt das uralte Bauwerk mit seinen verwitterten Mauern richtig zur Wirkung. Wenn es auch schade ist, daß bte beiden Bäume bem Beil bes Holzfällers zum Opfer fielen, so braucht man bas wegen der Sckon- heit der dadurch gewonnenen Sicht auf die JJci- I chaelskirche nicht zu bedauern.

Rentenbankscheine als Zahlungsmittel.

Zur Behebung von Zweifeln wird mitgeteilt, daß noch rund 446 Millionen Rentenbankscheine als Zahlungsmittel im Umlauf sind. Alle Renten» banksckeine zu 5, 10 und 50 Rentenmark nut Kopfbild sowie die höheren Abschnitte zu 100, 500 und 1000 Rentenmark ohne Kopfbilb sind vollgültige Zahlungsmittel, für die an allen öffent­lichen Kassen (Post, Eisenbahn, Finanzämter- Reichsbank usw.) Annahmezwang besteht. Die Til­gung und Rückziehung der umlaufenden Renten- bankscheine erfolgt ganz allmählich aus hierfür berettgestellten Mitteln. Voraussichtlich werden die letzten Rentenbankscheine erst 1942 aus dem Zah­lungsmittelumlauf verschwunden sein.

Aus dem Gerichkssaal.

Ein unverbesserlicher Hochstapler und Betrüger.

Aus der Untersuchungshaft vorgesührt wurde der 34jährige Bäcker und Konditor Karl Friedrich Männke aus Durbach (Baden), ohne festen Wohn- sitzt. Er ist 18 Mal wegen Betrugs, Unterschla­gung und bergt vorbestraft. Am 21. Dez. 1929 wurde er nach Verbüßung seiner letzten »träfe aus einem badischen Gefängnis entlassen. Einige Monate später logierte er sich mit ^iner Beglei­terin. die er als feine Frau ausgab. in zahlreichen Wirtschaften Badens unb an ber Bergstraße em. Er trat als Küchenchef eines größeren Hotels, als Käufer einer Konbitorei ober als Kontrolleur und Obermonteur ber Siemens-Schuckert-Werke auf