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Ar. 36

Beilage zur Fuldaer Zeitung

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Um die Kücheneinrichtung brauchten sich die jungen

einem Menschenalter als brauchbar

erkannt hat. Cs

Die Tochter heirakek

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Leute mit Leichtigkeit gewöhnen.

Das Mittagsmahl

Beschaffung ihres Hausrates

ftir die gute Zubereitung von Milchspeisen, und gleich am Morgen. Reis, Grieß, Flocken, Mehl, damin und Maizena mit Milch gekocht und mit Schnitte Brot verzehrt, sind ein gesundes nahrhaftes Frühstück, an das sich auch

zwar Mon- einrr und große

seiner Familie das ganze Le- muß „geschont" werden, weil

Seien wir vielmehr froh, daß die moderne Jugend dem Duckmäusertum den Kampf angesagt hat und daß sie heute den geraden, ehrlichen vorwärtsdrängenden Be- kennermut für eine Sache aufbringt, der den früheren Generationen manchmal gefehlt hat.

ben lang nicht wohnt, es es so teuer war.

Brautpaare sollten bei vor allem darauf achten.

Ziel im Auge haben: „Auskommen, Eintellen nach fe­stem Plan". Am besten teilt man das vorhandene Geld in Wochenrationen ein und läßt jeden Tag zu seinem Rechte kommen. Brot, Butter, Fett, Mehl, Kaffee usw werden auf Wochenvorrat eingekauft, ebenso das Fleisch, das in vielen Familien nur noch Sonntags auf dem Tische erscheint. Auch vorhandene Vorräte, besonders Kartoffeln und Eingemachtes, werden wöchentlich auf chre Menge sorgsam geprüft. Dasselbe gilt vom Obst und etwaigen eingekochten Gemüsen. Der Küchenzettel hat sich nach den Ergebnissen dieser Kontrolle zu richten. Eintönigkeit ist durchaus zu vermeiden, auch richte man sein Augenmerk aus den besonders im Winter notwendi­gen, wichtigen Fettgehalt der einzelnen Mahlzeiten. In Familien, in denen schulpflichtige Kinder sind, sorge man

und wenn er es sich buchstäblich vom Munde abspart, einmal die Wohnung mieten können, in die diese pom­pösen Möbel passen, die seine Braut anschaffen will. Wer ein genügend großes Einkommen hat, mag sich die kost­baren Möbel anschaffen, aber auch der mit weniger Glücksgütern gesegnete wird in einfachem Hausrat, der gediegen und ordenüich gearbeitet ist, recht glücklich und zufrieden leben.

Wie man sich mit Wenigem nett und gemüllich ein­richten kann, hat mir ein junges Ehepaar bewiesen, bei dem auch das Geld knapp, die Liebe zum eigenen Heim aber groß war. Und außerdem macht Not erfinderisch. Die langersehnte Stellung des Bräutigams war endlich gefunden, aber zur Beschaffung der Aussteuer waren nur etliche hundert Mark da, alles andere hatte die bei­derseitige Arbeitslosigkeit aufgezehrt. Die Mutter der Braut, eine Witwe, die von einer geringen Pension le­ben mußte und außerdem noch das Studium des Soh­nes teilweise bezahlte, konnte bei allem gutem Willen nicht viel geben. Zuerst beabsichtigten die jungen Leute die notwendigsten Möbel auf Abzahlung zu kaufen, ein Plan, der bald fallen gelassen wurde, da er in den Geld­beutel des Mannes allmonatlich em zu großes Loch gerissen hätte Außerdem hatte man eine Siedlungs­wohnung in Aussicht, die einen etwas erhöhten Mietauf­wand notwendig machte. Der Bräutigam wußte Rat, allerdings wurden seine Pläne anfangs von der Braut und der Schwiegermutter nicht sehr freudig und zu­stimmend ausgenommen. In dem alten Haushalt der Mutter fanden sich noch zahlreiche Möbelstücke, die an sich unmodern und entbehrlich waren.

Am schnellsten war das Schlafzimmer beschafft. Zwei unmoderne' Bettstellen, em Kleiderschrank und zwei Nachttischchen wurden ihres überflüssigen Zierrates von Muscheln, Schnitzereien usw. enüedigt. Dann ließ man sie sorgfältig ablaugen und mit weißer Farbe neu an­streichen und lackieren. Aus einer kleinen Kommod« mit

muß reichlich, kräftig, schmackhaft zubereitet werden, auch wenn es keine Fleischspeise dazu gibt. Bei einigem Nachdenken kommt die Hausfrau hier zu allerlei inte­ressanten Ergebnissen. In wieviel Gestalten können wir z. B. den Weißkohl auf unserem Tische erscheinen lassen! Wie Blumenkohl mit weißer Tunke versehen, zu Kohl­rollen mit kleiner Speckeinlage hergerichtet und ge­schmort, als pikanter Salat oder auch mit Kartoffeln zu­sammengekocht als Eintopfgericht, und nicht zuletzt als Sauerkraut erfreut er immer und findet dankbare Gäste Aehnlich kann man es mit vielerlei Wintergemüfen ma­chen. Man vergesse nur nicht die billigen Fischgerichte die aus Hering oder Stockfisch zubereitet werden und wegen ihrer Nahrhaftigkeit sehr zu schätzen sind Kluge Hausfrauen wissen auch, daß ein A u f l a u f, aus den verschiedensten Zutaten hergestellt, große Frerche 'auslöst imt> daß Bratlinge oder Frikadellen, aus gekochten Hülsenfrüchten oder auch aus Gemüsen bestehend ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Gericht sind, das man dadurch verfeinern kann, daß man eine rohe geriebene Kartoffel hinzugibt und dse Bällchen mit geriebenem Weißbrot garniert. Zu Butterbrot schmeckt diese Speise vorzüglich. Grünkern wird im Haushalt noch viel zu

ausgestellt werden, deren Tragweite sie nicht beurteilen kann. Diese Stürmer, die am liebsten die Welt in einigen Tagen erobern möchten, würden schmerzlich den weisen Rat des Alters suchen müssen, wenn man sie ganz nach eigenem Gutdünken gewähren ließe. „Erst wägs, dann wags" ist ein Wort, dessen tiefere Erkennt- nis uns erst in den reiferen Lebensjahren offenbar wird

wenig gebraucht und ist doch ein billiges, nahrhaftes Ge­richt, aus dem sich Frikadellen herstellen lassen, die man als Ersatz für Fletsch recht oft geben sollte. Bei allen Speisen, auch den einfachsten, spielt die richtige, spar­same Zugabe von Gewürz eine gewisse Rolle. Wichtig aber ist und bleibt immer bei jeder Mahlzeit die nette und liebevolle Herrichtung des Tisches und der einzelnen Schüsseln. Man muß den Speisen förmlich ansehen kön­nen, daß sie mit Liebe zubereitet und mit Liebe serviert sind. — So hat die Hausfrau jeden Tag neue Aufgaben zu erfüllen und es mag ihr oft schwer werden, die Ver­teilung und Anwendung ihrer Mittel im richtigen Gleise zu halten. Um so froher wird sie nachher sein, wenn sie sieht, es hat gereicht. — Ein wunder Punkt in je­dem Haushalt sind die Rechnungen für Licht, Gas und Kohlen. Auch hier muß der Bedarf weise einge­schränkt werden, wie es die Haushalfführung auf längs Sicht unbedingt erfordert. Ist die Gasrechnung zu hoch, so achte man darauf, daß man z. B. beim Wasserkochen nicht den ganzen Topf mit kaltem Wasser füllt, das nun erhitzt werden soll. Man setze wenig auf und gieße nach und nach Wasser hinzu. Der Erfolg ist überraschend: „man hat tüchtig gespart", wie die Gasuhr zeigt. Man gebe sich überhaupt die Mühe, die Gasuhr und den Lichtzähler ab lesen zu lernen. Das fft ein gutes Mittel zur Sparsamkeit. Auch im Kohlen- und Brikett- verbrauch darf man nicht unnötig verschwenden, wenn die Voräte lange reichen sollen. Man sage nicht, daß man über solche Selbstverständlichkeiten kein Wort ver­lieren solle. Und doch ist es nötig, denn bedenken w.r doch, wir sind zur Pfennigwirtschaft verurteilt und müssen mit dem Pfennig rechnen. Gerade im Haus­halt kommt es auf den Pfennig an. Wir brauchen nicht Sparsamkeitsfanatiker zu werden, aber wir wollen un­seren Stolz darein setzen, auch mit wenigem auskommen zu können. Vielleicht dehnen wir den Genuß unserer Sparsamkeitserfolge gerade jetzt zur Zeit der großen Not und Arbeitslosigkeit in erbarmender christlicher Liebe auch auf unsere darbenden Mitmenschen aus.

Albertine Albrecht, Düsseldorf.

wann behaglich zu machen. Betrachten kann man ein Mö­belstück jederzeit im Schaufenster des Händlers, dazu braucht man es schließlich nicht zu kaufen. „Wenn ich mir kein poliertes Schlaf- oder Speisezimmer kaufen kann, heirate ich nicht" hörte ich neulich eine junge Braut sa­gen. Dabei hat ihr Verlobter ein recht geringes Ein­kommen und wird menschlicher Voraussicht nach auch späterhin nicht viel mehr verdienen. Er wird nur schwer

Wir lächeln heute ein wenig mitleidig über die sog. „gute Stube" unserer Mütter und Großmütter. Aber wieviele „gute Stuben" gibt es heute noch. Nur nennt

wer es schon in der Jugend begreift, bleibt vor mancher Enttäuschung bewährt. Nun läßt sich zwar die Jugend nicht gerne belehren, der schulmeisterliche Ton, oft ge­haßt und viel verspottet, reizt zum Widerspruch. Man

einem darüber hängenden Spiegel wurde ein hübscher, freundlicher Toilettentisch. Ein geschickter Schreiner war bald gefunden, der mit dem nötigen Verständnis — das gehört allerdings dazu — und für wenig Geld die not­wendigen Aenderungen vornahm.

überstehen wollen. Meist liegt ja die Ernährung der Familie in den Händen der Frau und Mutter, und sie muß sehen, wie sie auch mit geringeren Mitteln chrer Aufgabe gerecht wird, ohne daß die Ernährung der Fa­milie gefährdet ist. Die Haushalfführung auf lange Sich: ist darum das Gebot der Stunde, d. h. wir müssen die Planlosigkeit im Haushalt ausschalten und nur das ein«

Leute keine Sorge zu machen, in der modernen Sied, lungswohnung war ein« Einbauküche vorhanden.

Die Wohnung war ein Schmuckkästchen geworden und nicht nur die junge Frau, sondern auch die verehrt, Frau Mutter, die sich zuerst so gar nichts von den Piz. nen vorstellen konnte, waren zufrieden und glücklich. Von dem übrig gebliebenen Geld wurden dann noch zwei strapazierfähige Teppiche, Gardinen, ein paar ganz ein» fache Lampen mit Pergamentschirmen beschafft und man hatte so, allerdings mit etwas Geschick und Ge­schmack. eine ganze Wohnung erstellt für einen Betrag, der kaum ausgereicht hätte, ein Zimmer zu kaufen.

Und nun die Nutzanwendung! Es wird wohl nicht überall möglich sein, auf einen guten Fundus vor­handener alter Möbel zurückzugreifen. Aber in vielen Fällen geht es recht gut, man muß eben nur den rich­tigen Blick dafür haben, was sich noch umarbeiten läßt und was nicht. Es kommt hauptsächlich auf den Zu­stand des alten Möbelstückes an, ob das Holz und die Form noch anständig ist, Farbe und Politur spielen keine Rolle, die werden doch abgewaschen und durch einen neuen Anstrich ersetzt. Wer sich selbst nicht zu helfen weiß, frage um Rat bei einem modernen Schreiner der Lust und Liebe zur Sache hat. Es gibt darunter rich­tige Tausendkünstler, denen es selbst Freude macht, Alt-, zu Neuem umzugestalten.

Die Jungen und die Alken.

Einige Anmerkungen zu einem oft erörterten Thema.

Don Otto V u r g e I - Düsseldorf.

Alt und jung, das ist ein Gegensatz, der sich nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner bringen läßt. Die Zeit bleibt aber nicht stehen und mit ihrem Fortschreiten ändern sich auch die Auffassungen vom Leben. Das ist eine Erkenntnis, der sich die ältere Generation leider sehr oft verschließt. Es ist nicht so, daß die älteren Leute immer Recht haben, denn manches, was vor dreißig und mehr Jahren unbedingt als richtig gelten konnte, ist heute falsch und unzweckmäßig. Es ist auch nicht so, daß alle jungen Leute Nichtswisser und Nichtskönner sind, vielmehr gibt es auch in der Jugend von heute recht viele Menschen, die fest auf den Füßen stehen und deren Lebensanschmlung als durchaus ernst und sittlich reif anzuerkennen ist, wenn sie möglicherweise auch von der alten Schablone in vielen Dingen abweichen.

Wo tarne die Welt auch hin, wenn sie stets den gleichen Standpunkt vertreten wollte, wenn Wandlungen in den Anschauungen verboten werden könnten. Das Rad der Zeit läßt sich nicht zurückdrehen, „alles fließt", hat schon der alte griechische Philosoph Euklid gesagt, damit Müssen wir uns abfinden, einerlei ob wir jung oder alt sind. Mit einer sturen Starrköpfigkeit erreicht man nämlich nichts oder gerade das Gegenteil von dem, was man gerne sehen möchte.

Andererseits soll nun auch der Jugend nicht ein Frei­paß für alle möglichen Dummheiten und Experimente

Die Frau in der Küche.

Erbsen- und Graupensuppe mit Kartoffeln. Em halbes Pfund Erbsen werden in Wasser mit etwas But­ter weichgekocht, ebenso ein Viertel Pfund Mittelgraupen. Zwei gehäufte Teller kleinwürslig geschnittener Kartof­feln werden ebenfalls gar gekocht Die durch eine Sieb getriebenen Erbsen werden mit den Graupen und den Kartoffeln vermengt, nach Salz abgeschmeckt und gehackte Petersilie beigegeben. Man rührt die fertige Suppe mit einigen Eidottern ab und schneidet einige Semmel­würfel an die Suppe.

Apfelsinensalat. Die gelbe und die weiße Schale der Apfelsinen werden entfernt, die Früchte in Scheiben ge» chnitten und die Kerne herausgenommen. Reichlich mit Zucker bestreut bleiben sie einige Stunden stehen. Dann chüttet man den Saft ab, kocht ihn dicklich ein und schüttet ihn nach dem Erkalten über die Apfelsinen.

* Jcfiülze Dich, nimm tögiicfi

mit antiseptisch wirk. Zusatz

Du sollst am Weg

Von Franz C i n g i c.

Du sollst am Weg nicht stille halten Und klagen um verwehtes Glück.

Die Sonne wird dir nur erkalten Und du erzwingst doch nichts zurück.

Voll Hoffnung mußt du weitergehen, Noch manche Freude grüßt und winkt. Sei sorgsam, daß die Augen sehen Bevor die Nacht hernieder sinkt.

Und neue Blumen blühen wieder So farbenprächtig für dein Herz. Des Lebens wunderfrohe Lieder Begraben dir den tiefsten Schmerz.

Ein vernünftiges Wort zur Aussteuerfrage.

Von Elly Sch ö n h ö f er - Frankfurt a. M.

man sie jetzt Speisezimmer oder gar Salon. Die schön­sten u. gesündesten Zimmer einer Wohnung werden heute noch wie anno dazumal für diese protzigen Staatskästen reserviert, womöglich werden sie sogar verdunkelt, mi> Tüchern abgedeckt und nur bei besonders „festlichen" Anlässen einmal geöffnet. Und wirklich schön sind diese Zimmer trotz der teueren Möbel nicht. Ein Zimmer, das nicht bewohnt wird, wirkt wie ein Möbellager. Wie manches junge Mädchen spart sich vor der Ehe oft jahre­lang ab, um sich dann solch ein Prunkzimmer zu kaufen, in dem es dann aber mit

daß kein Möbelstück gelaust wird, das für feine ihm zugedachten Zwecke nicht prak­tisch fft oder das etwa später nicht benutzt werden kann, weil seine Anschaffung zu viel Geld gekostet hat. Es ist nämlich Aufgabe der Möbel, dem Käufer dienlich zu fein, ihm zu nützen, ihm auch das Leben dann und

Dann kam das Arbeitszimmer des Hausherrn an die Reihe. Einem großen, alten Schreibtffch nahm man sei­nen Aussatz, aus glatten Brettern wurde ein ganz ein­faches Büchergestell gezimmert, dazu kam ein Tisch und einige billige, neu dazu gekaufte Sessel und das Zim- - - .. ------ । mer war fertig, nachdem man die umgearbeiteten Stöbe!=

mag das unbillig nennen, verständlich fft cs auf jeden stücke noch hellolio hatte anstreichen lassen.

Fall, wenn man weiß, wie oft klügere Erkenntnis einem Das Wohn- und Speffezimmer sollte in rot erstehen.

®f^en?a ’n £>er ®^u£e un$ auch in den Lehrjahren I Zwar schlug die Schwiegermutter zuefft die Hände über tributpflichtig werden mußte. Das rächt sich natürlich dem Kopf zusammen: „Hat man je schon ein rotes unö macht verstockt zugleich. So darf man es also nicht Speisezimmer gesehen?" Aber der künftige Hausherr anfangen, sonst erlebt man gleich Enttäuschungen. ließ sich nicht irre machen. Von einem großen Büffet Auf der anderen Seite aber heißt es nicht nur be- wurde der obere Schrank, der fast bis zur Decke ragte, Icfiren, sondern überzeugen. Dazu gehört allerdings zu I abgenommen, ebenso aller Zierrat Aus dem am erst ein Heruntersteigen von dem Throne des Atters zur Schreibtffch überflüssig gewordenen Aussatz wurde ein fugend, ja vielmehr noch, ein Herz, das jung geblieben neuer für das Büffet gezimmert. Tisch und Stühle muß- fft, das nicht erkaltet und einseitig auf feinem Standpunkt ten, wie im Arbeitszimmer, neu beschafft und in der beharrt, das vielmehr auch eine jugendliche Meinung gleichen Farbe gestrichen werden. Eine kleine, feine alte gelten läßt, wenn sie vernünftig ist und mit guten Grün- I Kommode, von der Urgroßmutter Brautzeit stammend den vorgetragen wird. Sprecht euch ruhig aus, ihr ergänzte den Hausrat des Wohnzimmers, in dem bann Jungen und Alten,, offen und ehrlich, als Mensch zum später noch zwei nette, moderne Sessel Platz faudeii. Menschen. Zeigt auf der einen Seite, daß ihr auch noch 1 ” 11 ........ - ' "

Ehre und Achtung für das Alter hegt, tut aber auch auf der anderen Seite nicht so, als ob es gar nichts besseres auf der Welt gäbe, wie das, was man einmal vor

könnte nämlich sein, daß das Leben in kürzester Zeit dem Jungen recht gibt, bann hat unnahbarer Hochmut stets etwas beschämendes. Jugend läßt sich nämlich nicht nur Überreden, sie ist leicht überzeugt, wenn das Ge­wicht der Gründe sie zum Einsehen bringt.. Hüten muß I Sparen, Abbauen, Einschränken! Unsere ganze Se­men sich allerdings vor einem Fehler, den man leider benshallung wird immer mehr von der eindringlichen heute allzuoft gerade in der älteren Generation findet, Mahnung dieser Worte beherrscht. Die großen, vielge-

bie Verallgemeinerung. Man darf nicht glauben, wenn ftattigen Sparmaßnahmen in Staat und Gemeind« wir-

man ein paar leichtsinnige Jugendliche kennengelernt fett sich naturgemäß am empfindlichsten im Einzelhaus-

Hat, daß nun alle so seien und man darf erst recht nicht halt aus. Aus die Geschicklichkeit, die gute Schulung

frohe, sich offen, ehrlich und freigebende junge Menschen und besonders auf den weiten Blick der Hausfrau komm,

als oberflächlich ober gar verdorben bezeichnen, wenn es deshalb an, wenn wir nach den guten Jahren der Dor­es im Rahmen dessen geschieht, was die Gebote des kriegszeit nun auch die magere Notzeit glücklich

göttlichen und menschlichen Sittengesetzes vorschreiben, überstehen wollen. Meist liegt ja die Ernährung der

Haushattführung auf lange Sicht

Magere Ilokzeik. — Der Küchenzettel. — Ein nahrhaftes Frühstück. — Auflauf und Drallinge. — Ei» wunder Punkt. — Gasuhr und Lichtzähler ablesen. — Pfennigwirtschaft.

Das Wunderkind.

Von Christel Broehl-Delhaes.

Die kostbare Meistergeige lag unberührt auf dem schimmernden Leib des Flügels. Wie ein müdgeflatterter Vogel lag sie da und rührte sich nicht und es sah aus, als warte sie sehnsüchtig, daß wieder die dünn«, unendlich feine Hand des kleinen Mädchens nach ihr griffe und sie mit weichen, müden Fingern halte.

Aber das kleine Mädchen saß wider alles Gebot in einer Ecke des saalhaft und mit großem Geschmack ein­gerichteten Zimmers und schaute nur aus bunteiumring­ten Augen nach der schmerzlich geliebten Gefährtin. Nein nicht spielen. Immer die langweiligen Tonleitern und Fingerübungen und immer dasselbe und immer das gleiche: Ueben, lieben, lieben!

„Du bist ein Wunderkind!" sagte dann Mama und steckte ihr ein Pralinchen in den Mund.

Und „2P ■ •bertinb--Wunderkind--" schrien

die Zeitung ''es In- und Auslandes „Wunderkind" gröhlte die le eines überfüllten Konzertsaales in frenetischem all. Für die kleine Elisabeth waren diese Stund Der Schaustellung, des Umjubelns und Feierns eine . nzige Marter. Stundenlang vorher mußte sie noch üben. Dann kam der Friseur und ondulierte eine Ewigkeit lang durch ihr Haar. Schneiderinnen steckten das unbequeme, ganz lange Kleid, in dem Elisa­beth wie eine schöne Puppe aussah und in dem sie auf dem Podium des Konzerffaales faszinierend wirken sollte Ach, wie schrecklich das alles war---! Elisabeth

sehnte sich nach einer kleinen Puppe, nach einem Puppen­wagen, in den sie die Puppe ein- und ausbetten konnte der sie ein kleines, süßes Schlummerliedchen fingen konnte, so eines, wie die Portierfrau unten im Sou­

terrain ihrem Wiegenkindchen jeden Abend vorsummte. Da stand El beth sehnsüchtig am Fenster und schaute ganz lange ben tiefblauen Himmel und dacht«, daß hinter dieser großen, klaren Fläche ihr kleines Brüder­chen träumte.

Elisabeths kleines Leben kannte nichts von der sorg­losen Schönheit der wahren Kindheit. Im zarten Alter schon von Ort zu Ort geschleppt, gewöhnte sie sich an immer neue Gesichter. Sie kannte keine Schulzeit. In jedem Ort, in dem man sich länger aufhielt, bekam sie eine Lehrerin, manchmal reifte auch eine Erzieherin mit, die man bald „Mademoiselle", bald „Miß" und bald „Senorita" anreden mußte. Mama war eine ele­gante Frau in unglaublichen Toiletten, Papa ein ernster wohlangezogener Mann, der den ganzen Tag Geschäfte mit ihr machte.

Und nun sollte Elisabeth wieder üben. In einigen Wochen war bas große Konzert in Mailand, auf dem sie ihr Bestes geben mußte. Die Eltern sprachen bereits von den Voranzeigen und den glänzenden Vorbespre­chungen der führenden- Zeitungen. Aber Elisabeth übte nicht. Die Einsamkeit ihres Daseins drückte ihr fast das Herz ab. Wenn man doch einmal etwas tun könnte, was man wollte, etwas Schönes und ganz von innen heraus Erstrebtes .... Nicht einmal der Gedanke an diese Möglichkeit belebte den matten Kinderblick. Es gab ja doch nichts, niemals. Immer würde das so weitergehen, daß man sich gesittet benehmen mußte, daß man keine Wünsche hatte, daß man eine kleine, alte Frau war —

Elisabeth schlich sich ans Fenster und schaute nach draußen. Die vornehmen Straßen des Berliner Westens waren nur wenig belebt. Ein dünner Bindfadenregen rieselte über die Linden und von diesen auf das spiegelnde Pflaster des Bürgersteigs Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße stellte sich ein alter Mann an eine

Hauswand. Aus zerlumptem Sack holte er eine Geige und hob sie mit sonderbarer Zärtlichkeit an di« Wange Ein hoher, dünner Ton zirpte.

Elisabeth horchte auf. Sie spürte sofort, daß da von unvermögender Hand der Bogen eines alten Meistsr- instrumentes geführt wurde. Leute schritten baftig vorüber. Niemand achtele des Alten, der langsam voll­kommen durchnäßt, wartend und hungrig int Regen an der Hauswand stand. Da flammte jäh ein alter Kinder­wunsch in Elisabeth auf. Sie flog vom Fenster fort und öffnete leise die Tür. Angespannt und angstvoll lauschte sie nach draußen. Wenn jemand sie sah. war alles vor­bei. Wer der allgütige, der ihr heißes Verlangen spürte, war nachsichtig: Elisabeth gelangte ungesehen auf die Straße.

Der Alte staunte nicht wenig, als das weiße Seiden­bündel Elisabeth über den Damm flog und geradewegs auf ihn zu.

„Geben Sie mir einmal chre Geige", flehte der heftig atmende Mund. Widerstrebend nahm er die Geige von der Wange und reichte sie' dem Kinde.

„Was willst du denn? Kannst du denn überhaupt spielen?" knurrte er mißvergnügt. „Du willst dir wohl einen Spaß mit mir machen?" Aber Elffabeth schüttelte den Kopf. Sie zitterte vor Seligkeit, als sie die alte Zigeunergeige unter den Fingern spürte. So hatte sie nie Triumph und Jubel empfunden auf einer Konzert­bühne wie hier im rieselnden Regen auf der unbeachteten Allee.

Nein, einmal keine Tonleitern und Uebungen--

das Wiegenlied, das Wiegenlied, das die Portiersfrau sang, in das man alle Süßigkeit hineinlegen konnte in dem die Sehnsucht des Kindes sich ausweinen durfte: „Schttffq, schlafe, du ein!"

Der Alte stand abseits und die Hellen Tränen liefen chm über die Wangen. Er war alt geworden als Kind der Sttaße. Er hatte viele Unehrlichkeiten und Dieb­stähle auf dem Gewissen und im Zuchthaus hatte er den frommen Kinderglauben längst vergessen. Nun war ihm, als lege ihm di« Mutter die Hände zusammen wie da­mals, da er als helläugiges Kind unschuldig in seinem Bettchen gelegen.

„Schlafe, schlafe du ein!"

Niemand ging mehr vorüber Ein Kreis von Men­schen hatte sich um die kleine Spielerin gebildet und in den Hut des Alten floß reichlichste Spende Was tat °s. daß der Regen riefelte, herunterrieselte auf Elisabeths ungeschütztes Köpfchen? Niemand bemerkte es niemand spürte es mehr. Eine wunderbare Geige fang und fang --— — Elisabeth erwachte auch nicht aus ihrem Traum als eine Hand ihr die Geige wegriß, sie fort» zerrte, wieder hinüber auf die andere Straßenseite ins düstere, vornehme Haus, als mählich einer erstaunten Menge die Erkenntnis kam:

„Das Wunderkind---!! Das war ja wirklich

das Wunderkind!" Manche meinten, selbst Kinder haben schon solche Flausen? Nur einer war da der schüttelte den Kopf und flüsterte: „Armes, armes Kind" weil er allein die hungrige Seele des unterdrückten Gefchöpfchens erkannt hatte.

Mama war außer sich.

„Wie konntest du das tun? Im Regen! In den dün­nen Sachen!" Sie rang die Hände. „Du wirft dich er« kältet haben, wirst krank werden du bist ein ungera'enes Kind, das keine Dankbarkeit für die Mühe seiner Eltern kennt — —--"