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Ar. 34

Beilage zur Fuldaer Zeitung

11. Februar

daß man den

Eher fei

schwarzen Block zerschlagen müsse.

NILS

lungert der Städte, der Arbeitsämter oder privater Or­ganisationen. Es besteht die große Gefahr, daß sie bei der Finanznot auf allen Seiten eingeschränkt werden. Freizeiten sind vor allem im Freistaat Sachsen mit Un­terstützung des Ministeriums veranstaltet worden. An der Durchführung haben sich die Gewerkschaften, Volksbil­dungsorganisationen und Jugendverbände beteiligt. Frei­lich blieb Hilfe und Einfluß aus wenige Wochen be­schränkt.

Sehr, sehr wichtig und viel wirksamer als alle behörd­lichen Maßnahmen, die doch immer nur einen kleinen Bruchteil der notleidenden Jugend erfassen, ist, daß die Berufsorganisationen und Jugendbünde, die Sport- und alle sonstigen Vereine sich ihrer erwerbslosen Mit­glieder annehmen und ihnen helfen, die unerwünschte Freizeit wenigstens sinnvoll auszufüllen. Wie Landrat Freiherr von Gagern in der letzten Bürgermeister-Ver­sammlung mitteilte, ist von den Gemeinden des Land­kreises Fulda und von manchen katholischen Jugendver­einen schon vorbildliche Arbeit für die erwerbslosen jun­gen Dörfler geleistet worden. In der Stadt Fulda wur­den von den Städtischen Berufsschulen besondere Kurse für die jugendlichen Erwerbslosen eingerichtet.

Diese Maßnahmen sind natürllch nur darauf berech­net, die jugendlichen Erwerbslosen für einige Zeit über die seelische Not der Arbeitslosigkeit hinwegzuhelfen. Wenn die Arbeitslosigkeit aber noch längere Zeit anhält? Und man muß damit rechnen, daß keine plötzliche Wandlung zum Besseren kommt. Vielleicht ist die Einführung eines Arbeitsdien st Pflichtjahres der richtige Weg. Die Reichsregierung sollte ihre Pläne in dieser Richtung bald einmal deutlicher machen, damit man Stellung zu ihnen nehmen kann.

strebenden Entwürfe zu fein scheinen. Man wird einem jungen Menschen, der sagt: ich will das und das wer­den, weil ich es werden muß! nicht wohl sagen können: du darfst das nicht werden, denn die Aussichten in die­sem Berufe sind schlecht. Man soll bei all den Nöten, in denen wir stecken, nicht vergessen, daß alle Zeitalter ihre Notabschnitte gehabt haben, und daß auf fette magere Jahre folgen. Niemand kann sagen: wenn die jungen Leute, die zu Ostern die Schule verlassen, ihre Lehr- oder sonstige Fortbildungstätigkeit beendet haben, werden die Verhältnisse in unserem Vaterlande noch so trüb sein wie jetzt.

Daß der Tüchtige nach wie vor seinen Weg machen wird, auch in schwerer Zeit, braucht nicht erst dargetan zu werden. Nur ganz kurz sei in diesem Zusammen­hang die Rede davon, daß seit einigen Jahren das Be- rechtigkeitswesen eine unheilvolle Ueberspannung erfah­ren hat, daß z. B. von Friseur- und Kochlehrlingen das Abiturium gefordert worden ist. Das heißt denn doch, die Berufstüchtigkeit mit einem in diesem Falle völlig überspannten Vorbildungsforderung gleichsetzen wol­len.

Man kann einem jungen Menschen, der sein ganzes Herz an dieses oder jenes Fach gehängt hat, auf die Dauer nicht verwehren, sich ihm zuzuwenden. Der na­türliche Abgang in allen Berufen wird immer wieder einen gewissen Zugang erfordern. Es kommt sicher hei allen auf die Tauglichkeit und die Tüchtigkeit an. Das muß freilich allen Eltern und ihren Söhnen und Töch­tern nachdrücklich gesagt werden, daß an das Maß der Tauglichkeit und Tüchtigkeit heute Arbeitgeber aller Art erheblich höhere Ansprüche stellen als früher. Den vie­len Abiturienten und Abiturientinnen, die sich vor­genommen haben, auf die H o ch s ch u l e zu gehen,weil man ja später immer noch weiter sehen könne", muß geraten werden, sich das nochmals gründlich zu über­legen. Die Hochschule ist kein Ausweg aus den Ver­legenheiten rechtzeitiger Berufswahl. Das geistige Pro­letariat aber ist jammervoll groß. Auf die Hochschule gehört, wer sich ernsthaft der Wisserschaft verschreiben will; auch wer nicht studiert hat, kann Gutes und Hohes erreichen. Er muß nur Glück haben. Glück auf die Dauer hat aber nur der Tüchtige.

aal wurde die Parole ausgegeben,

Kaffee Hag für Jedermann. Es gibt in Deutsch­land heute Millionen von Menschen, die den coffeinfreien und völlig unschädlichen Bohnenkaffee kennen und schätzen. Und doch weiß mancher noch nicht, daß Kaffee Hag die allerfeinste Kaffee-Qualität darstellt, Herz und Nerven schont und niemals Schlafstörungen hervorruft. Selbst Kindern darf man ihn unbedenklich geben. Aber nicht nur für Kranke und Rekonvaleszenten ist Kaffee Hag das gegebene und von Aerzten empfohlene Kaffeegetränk. Auch von gesunden Menschen wird er wegen seines hervorragenden und feinen Geschmacks gern getrunken. Nachdem jetzt der Preis für Kaffee Hag weiter bedeutend ermäßigt worden ist, wird es auch denen möglich fein, ihn zu kaufen, die es sich bisher aus wirtschaftlichen Gründen versagen mußten. Das große Paket kostet heute nur noch RM. 1.62, das kleine 81 Pfg. Nun also mit Recht: Kaffee Hag für Jedermann.

Die junge Arbeiterin.

An meinem Werktisch, kalt und kahl verirrt sich tönnfs auch anders fein? kein Vogelsang, kein Sonnenstrahl!

Nur Dämmerlichter fallen fahl durch staubgekrönte Scheiben ein.

Da hock ich nun jahrein, jahraus, die Spindel springt im Räüertanz. Kein Sonntag füllt die Leere aus, Hab' ich mir auch den schönsten Strauß mit heimgebracht aus seinem Glanz.

Und stell' die Blumenpracht ich auch mir in ein Wasserglas wie bald verduftet all chr süßer Hauch in der Ventile dunst'gem Rauch, der grau den Werkstattraum umkrallt.

Die Wände glotzen kalkig kühl, splittrig durchrippt vom Holzgebälk, im Bodenraum, im Dachgestühl.

Die Spindel hüpft im Räderspiel und meine Blumen hängen welk.

Das ist die Welt, die mich umstarrt erbarmungslos jahraus, jahrein: Das ist mir bittre Gegenwart das ist die Zukunft, die mein' harrt, ohn' Vogelsang, ohn' Sonnenschein!

Die Spindel tanzt zum Räderlied, das schrill den öden Raum durchhallt. . . Ihr Blumen seid so früh verblüht.... Und-meine arme Jugend flicht Dahin am Werktisch kahl und kalt . . . , Ludwig Lessen.

Lerussnol der jungen Generation.

Beruf" kommt von berufen sein, von Gott für eine bestimmte Ausgabe berufen werden. Wir glauben fest daran, daß, wenn einer ein großer Maler, ein großer Arzt oder ein großer Kaufmann werden soll, er das wird, auch wenn die Engheit der Wiege, in die er gelegt wurde und die Schmalheit dessen, was die Eltern ihm mitgeben konnten, stärkste Hindernisse gegen alle hoch-

Jetzt ließ ich mich auch in eine neugegründete flug­technische Vereinigung aufnehmen. Immer hoffte ich, wieder fliegen zu können. Der Verein hatte aber kein Flugzeug. Und doch sollte ich wieder Flieger werden!

Zwei Monate später nämlich wurde ich durch den Gründer und Leiter der flugtechnischen Vereinigung einem Herren vorgestellt, welcher der Expräsident von Paraguay, narnes Scheerer, war.

Wtr waren mit unserem Vereinsleiter vier Piloten, ein Beobachter und ein Mechaniker und wurden gefragt, ob wir geneigt wären, unsere Dienste den revo­lutionären paraguayschen Truppen zu widmen?

Man erzählte uns, daß der Kriegsminister von Pa­raguay, Oberst Chiriffe, aus schwerwiegenden Gründen mit der Wahl des jetzigen Präsidenten nicht einverstan­den fein könnte und daher mit dem größten Teile der legalen Truppen wobei sich auch deutsche Jnstruktions- offiziere befinden sollten auf dem Wege war, die Re­gierung zu stürzen!

Der Oberst Chiriffe war sechs Jahre als aktiver Offi­zier im dAitschen Heers gewesen und sollte perfekt deutsch sprechen.

Ehrlich gesagt, war es mir nur um das Fliegen zu tun. Meine Leidenschaft dafür überwog auch meine sonstigen Bedenken

Kurz ich lieh mich als Offizier und Flugzeugführer für die revolutionäre paraguayische Armee verpflichten Die übrigen deutschen Herren ließen sich darunter auch mein ehemaliger Lehrer Evers gleichfalls anwerben.

Die ArbeitslosiM der Zvgend.

Unter den 35.8 Millionen Erwerbstätigen, die 1925 bei der letzten Berufszählung in Deutschland festgestellt wurden, befanden sich rund 2.25 Millionen männliche und 1.7 Millionen weibliche Jugendliche unter 18 Jahren. Die 1820jährigen zählten 1.2 und rund eine Million. Diese Zahlen besagen, daß ein sehr hoher Prozentsatz un­serer Jugend schon früh ins Wirtschaftsleben eingeglie­dert wird. Bei den Jungens: 72 v. H. der 1416jähri- gen, 88.9 v. H. der 1618jährigen, 93.6 v. H. der 18 bis 20jährigen. Bei den Mädchen: 52 v. H. der 1416jähri- gen, 72.1 v. H. der 1618jährfgen, 77.4 v. H. der 1820- jährigen.

lieber zwei Drittel der männlichen, fast die Hälfte der weiblichen Jugend ist in Handel und Industrie beschäf­tigt: infolgedessen sind sie mitbetroffen von der schweren Wirtschaftskrise, deren schftmmste Auswirkung die Ar­beitslosigkeit ist. Die seelischen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit bedeuten für die in ihrer Lebensauf­fassung noch nicht gefestigten jungen Männer und jungen. Mädchen eine ganz besondere Gefahr. Arbeits- und Ju­gendämter, Organisationen der Jugendpflege und Jugeyd- beroegung versuchen schon seit Jahren, die schlimmsten Folgen abzuwenden und möglichst vielen zu helfen. Das Reichsgesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung gibt den Arbeitsämtern die Möglichkeit, un­ter Ausübung eines Zwangs die Jugendlichen beruflich umzuschulen, fortzubilden oder sie mit Pflichtarbeiten zu beschäftigen.

Diese in erster Linie arbeitsmarktpolitischen Maß­nahmen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und zur För­derung der Berufstüchtigkeit finden ihre Ergänzung in fürsorgerisch orientierten Veranstaltungen der Wohl­fahrts- und Jugendämter. Für die männlichen Jugend­lichen Über 18 Jahren können die Arbeitsämter Wan­derscheine ausstellen. Sie geben die Möglichkeit, auf der Wanderschaft an anderen Orten Arbeit zu finden oder wenigstens praktische Erfahrungen für das berufliche Fortkommen zu sammeln, dabei aber von den jeweils örtlich zuständigen Arbeitsämtern für arbeitsfreie Tage die Unterstützung weiter zu beziehen.

Als wertvollste Einrichtungen haben sich bisher die Werkkurfe oder Werkheime und die Erwerbslofenfreizeiten erwiesen. Ohne Aus- übung eines Zwanges zur Beteiligung stehen sie allen erwerbslosen Jugendlichen yr Verfügung. Die Werkkurse, die zum Teil in besonderen Tagesheimen für erwerbslose Jugendliche veranstaltet werden, sind Einrich-

Der Expräsident Scheerer hatte italienische Flugzeuge gekauft, welche auf dem Flugplatz Castellar bei Buenos Aires standen. Als nun unser Vereinsleiter Berger den ersten Apparat fliegen sollte, machte er erst eine Ka- ruffelsahrt aus dem Platze, ohne die Kiste vom Erdboden frei zu bringen.

Schließlich stieg der Kahn doch um zwei Meter, um fttb dann auf den Flügel kippend mit dem Motor in die Erde zu wüblen. Dabei war der Apparat kurz vorher von einem Italiener geflogen worden Und unser Ver­einsleiter war, wie er mir erzählt hatte, im Krieg Jagd­staffelführer gewesen. Also der Bruch war fertig.

Am nächsten Tage flog Evers mit einem Apparat ab, um in Etappen Paraguay zu erreichen. Aber auch dieser führte gleich hinter Buenos Aires eine Notlandung aus und kam wegen Motordefekt nicht weiter.

Ich machte aus Vorsicht noch einige Uebungsflüge mit einem Italiener, und dann wurden wir per Bahn nach Paraguay geschickt. Die Flugzeuge sollten verladen und nachgeschickt werden.

Wir waren vielleicht acht Tage in Encarnacion m Paraguay, da tarnen die Flugzeuge wirklich an aber durch die Luft und von italienischen Piloten geft-ue-t Die Italiener waren nachträglich auch noch von Scheerer angeworben worden. Sie flogen denn au* bald m Dienst der Revolution, und wir durften zusehen!

Die Italiener waren liebe, heitere Jungen, aber den Triumph wollten sie für sich haben! Wir tarnen auch sobald nicht zum Fliegen, da ein italienischer Graf, weh

Haltung der katholischen Jugend diesen Ele­menten nirgendwo gelang, meine Versammlungen zu sprengen, wuchs von Abend zu Abend die Zahl derer, die immer noch hofften, eine schwere Niederlage von gestern am folgenden Abend wettzumachen. Schließlich habe ich ein gutes Mittel gefunden, die Ruhe einiger­maßen zu erhalten. Ich habe mich an die anwesenden nationalsozialistischen Führer gewandt und sie vor den Hunderten und Tausenden vo" Zuhörern gefragt, ob sie denn wirklich nicht imstande seien, die Disziplin m ihren eigenen Reihen aufrecht zu erhalten. Das half dann für eine Weile.

Kennzeichnend für die Bols t,eroifierung sind vor allem Art und Charakter der Zwischenrufe. Na­türlich habe ich nicht alle verstanden, zumal jemand bei einer einzigen Rede deren 250 gezählt hat. Aber es waren doch solche darunter wieVerrate r", wes­wegen sich später der nationalsozialist-sche Führer aus­drücklich entschuldigte. Mehr in den Hintergründen sie­len Ausdrücke wieDen machen wir kalt", und was dergleichen mehr ist. Es handelt sich um einen Terror genau derselben Art, wie ich ihn im bolschewisti­schen Rußland habe beobachten können Dabei handelt es sich um Leute, die von dem, was man sagt, kein Wort verstehen. Es ist die Unbildung in Reinkultur, die im Vergleich mit Rußland darum nicht gebildeter wird, daß sie weiße Stehkragen trägt. Es sind einfach Stoß­trupps des Terrrors, die schon anfangen, auch außerhalb der Versammlungen ihren Terror an Anders­denkenden auszuüben. Nicht lange wird es mehr dauern, und wir werden auch in Deutschland eine G. P. U. haben.

Um so schlimmer ist bas alles, weil dieser Ter­ror prinzipiell von den Nationalsozia­listen auf Grund des Selbstschutzes aus­geübt wird. In einem geordneten Staat überläßt man den Schutz der Staatsangehörigen der Polizei. Sie ge­nügt auch bei uns. Wenn es soweit kam, daß man Stuhl­beine erhob, sah ich die Schupo eingreifen, die sich außer­ordentlich taktvoll und geschickt benahm. Man soll sich aber klar darüber fein, daß dieser bis zum Terror über­steigerte und systematisch ausgeübte Selbstschutz Anarchie ist. Man wird bald folgerichtig den Gegnern bei uns, die in großen Versammlungen sprechen, das Tragen des Re­volvers gestatten muffen. Der Boden des Rechtes wankt unter unseren Füßen. Das ist der Bolschewismus, das 'st die Anarchie. Ist die Staatsgewalt bei uns wirklich nicht mehr stark genug, um deutsche Staatsbürger vor Attacken zu schützen, die von Leuten gemacht werden, die ihren eigenen Führern schon ein Schrecken sind? Mehr­fach habe ich den ruhigeren nationalsozialistischen Ele­menten in jenen Sälen gesagt, daß ich ihnen doch nicht das Unrecht antue, sie mit jenen anarchistischen Elementen

gleichzusetzen, was auch von ihnen mit Beifall beantwor» 1 tet wurde.

Ja, ich behaupte, daß

dieser zunehmende vationalsozialistische Bolschewis. mus schlimmer ist als der Kommunismus.

Dieser hat wenigstens ein System und lehnt doch die Anarchie ab. Im Nationalsozialismus gibt es keine alle verpflichtenden Ideen. Der völlig materiallstische Rassen­wahn trägt zwar bei Adolf Hitler alles andere. Aber die plötzlich zugeströmten Mill onen wissen nicht einmal das. Sie haben einzig die Philosophie eines dritten Reiches, ; das seine Farbe wechselt wie der Himmel im April. Auch beim italienischen Faschismus bemerkten wir ja, wie für ihn ein ständiger Wechsel der Ideen bezeichnend war. Kein Plan, kein Damm ist bei diesen Nationalsozialisten zu erblicken, der das immer wilder aufkochende Meer der so stürmisch aufgepeitschten politischen Instinkte in Schranken hielte.

Kein Zweifel, daß sich diese wilde Flut vor allem und zuerst gegen das stärkste Bollwerk der Ordnung in der Welt, gegen die katholische Kirche, richtet. Adolf Hitler hat in feinem BuchMein Kampf den

Streit gegen die Kirchen

und sogar den unter den Konfessionen strengstens unter­sagt. Inzwischen ist es soweit, daß man in nationalso­zialistischen Blättern den Kardinal-Erzbischof Dr. Bert­ram. das Haupt der Fuldaer Bischofskonferenz, öffentlich beleidigt. Es ist soweit, daß man in großen Versamm­lungen katholische Priester als Verräter kennzeichnet. Es ist soweit, daß junge Katholiken, die sich der Bewegung ang-schlossen hatten, sich entsetzt abroenben beim Anblick der antirömischen Bewe­gung, die ihnen allenthalben im nationalsoziolistischen Lager begegnet.

konnte man es irgendwie noch verzeihlich finden, wenn vor Monate« katholik.n, die nicht ahnten, was Nationalsozialismus seinem wesen nach war. einfach mitliefen, heute ist bas unbegreiflich.

Man könnte genau so gut Kommunist werden oder dem Verbände der Gottlosen beitreten.

Die Stunde ist ernst. Während in den kleinsten Städ­ten nationalsozialistische Aufrührer ihre Umzüge machen und Adolf Hitler greifen, zieht das Ausland weiter feine kurzfristigen Kredite zurück und wandert deusches Kapital unablässig in schweizerische und andere Tresors. An der Börse bereiten sich neue Rückschläge vor, und jenseits der deutschen Grenzen hört man immerfort jenes Wort eines Franzosen wiederholen:Deutschland hat den Kompaß verloren . . ." Den Deutschen aber tröstet dennoch

der Glaube, es seien die Elemente der Ordnung im- 3 mer noch stärker als diese neue Anarchie.

Es gelang mir, gerade jene Versammlung, in der schon Stuhlbeine erhoben wurden, eine Stunde später zu schließen mit dem Deutschlandlied, das von allen und auch von.den Nationalsozialisten mitgesungen wurde. Sei das ein Symbol der Einigkeit unserer Besten!

an einen Sieg der nationalsozialistischen Bewegung Nicht zu denken. Man hat in der bekannten Weise starke Worte in Menge gebraucht, um zu beweisen, daß bas satanische Zentrum" vernichtet werden müsse Wir können verstehen, daß die Nazi-Führer das Zentrum hassen uni) versuchen, die Wut ihrer Anhänger gegen diejenigen auszustacheln, die für die Zentrumsidee ein­treten. Das Zentrum chat den Kanzler gestellt der den nationalsozialistischen Berussagitatoren und ihren deutschnationalen Helfershelfern aus Ostelbien immer wieder gründlich die Wahrheit sagt und entschlossen ist, unser deutsches Vaterland vor den Folgen einer natio­nalsozialistischen Katastrophenpolitik zu bewahren Und das Zentrum sicht geschloffen hinter diesem mutigen Mann, der unbeirrt durch Drokmnaen und ohne Furcht vor ziemlich wahrscheinlichen Mordversuchen verhetzter Menschen seine Wege geht Daher die Wut. daher die Hetze gegen den schwarzen Block Aber die Herrschaften erreichen das Gegenteil Der schwarze Block wird stahl- hart. Jeder Angriff schließt die Zentrumsanhänger enger jitfammen. Noch nie hat die katholische Jugend so begeistert hinter einem Zentrumsführer gestanden. Jede politische Versammlung katholischer Jugend beroerft bas deutlich Täglich entstehen in der katholischen Jugend neue politische Zellen. Auch in den Dörfern des Fuldaer Landes bestehen schon eine Anzahl Windthorstbünde Der Gau Fulda wird in den nächsten Wochen eine verstärkte Werbearbeit aufnehmen Die i u n g e Volksfront bildet sich und wird jeden Ver- uch eines radikalen Terrors im Fuldaer Lande in» Ke'-me ersticken

Der Kampf um den deutschen Volks st a a t" ist entbrannt.

Die katholische Junamannschast wird ihre ganze Kraft da- für einsetzen daß die Pläne der Radikalen zuschanden werden Bald wird der Augenblick kommen da sich zeigt, daß sich die Nazi-Führer in blinder Selbstiiber- heblickckeit zu viel Vorschußlorbeeren gewunden haben.

Der Nationalsozialismus soll nach den Wor­ten prominenter Führer die deutsche E r Neuerungsbewegung sein, die dem dro­henden Bolschewismus einen festen Damm entgegensetzt. Es gibt auch tatsächlich Leyte in Deutschland, die noch so wirklichkeits­fremd sind, daß sie an dieses schöne Märchen glauben. Sie nennen deshalb jeden, der sich trotz ' des nationalistischen Rummels einen klaren Kopf bewahrt hat,Verräter" des Deutschtums. Wir werden aber durch solche auf bedauerliche Dumm­heit beruhende Schimpfereien uns nicht davon abhalten lassen, die jungen Deutschen zum selb­ständigen Denken über politische Zusammenhänge anzuregen und veröffentlichen deshalb heute einige Feststellungen von Pater M u ck e r m a nn, S. I., der den Eindruck schildert, den er von den Nationalsozialisten in den letzten Wochen gewon­nen hat.

Während die Linie Adolf Hitlers in der Richtung der Legalität" zu verlaufen scheint, bemerken wir in der nationalsozialistischen Bewegung immer mehr Anzei­chen der zunehmenden Bolschewisierung. Vor allem sind es die terroristischen Metho­den, die sie allen Geg:-rn gegenüber anwenden. Ich habe jetzt eben vier Massenversammlungen hinter mir, die mir handgreiflich bewiesen haben, wohin die Reise geht. Natürlich war es mir vor allem um die geistig- kulturelle Seite zu tun, nicht um die politische. Es haben in den Diskussionen auch die nationalsozialistischen Gegner zugeben müssen, daß auch nicht der kleinste ver­letzende Ausdruck von mir gebraucht wurde. Dennoch diese fortgesetzten Störungsversuche neben der

völligen Unfähigkeit, sich mit geistigen Waffen zu schlagen.

Man hat mir erzählt, wie tief beschämt diesbesseren Kreise" im Nationalsozialismus wegen des pöbelhaften Verhaltens ihres Stoßtrupps gewesen sind. Nationa­listische Führer beklagen sich dauernd, daß sie ihre Leute nicht mehr in der Hand haben.

Zugegeben, daß sich unter denen, die bei der letzten Reichstagswahl ins nationalsozialistische Lager geströmt sind, auch Idealisten befanden, so gab es sicherlich dar­unter auch Massen von Desperados und unter diesen jene dunklen Elemente, die überall da auftaudjen, wo ein politischer Abenteurer ober ein fetter Raub zu erwarten ist. Man sieht das ja im täglichen Leben. Kaum ist irgendwo eine Fensterscheibe eingeschlagen, kaum ist die Schupo erschienen, da sammeln sich schon jene lungernden blassen Gestalten, die plötzlich irgendwoher auftauchen und gefährlich dreinblicken. Da es dank der famosen

(her die Oberleitung der Flugstaffel hatte, sagte, die Maschinen seien noch nicht abbezahlt und man könnte sie deshalb nicht aus der Hand geben

Nun will ich noch ein kleines Erlebnis aus jener Zeit emschieben. An einem Abend war ich mit dem Flieger Evers zu einer deutschen Familie gegangen Da aber der Sohn, den wir sprechen wollten, bei einem Nachbarn weilte, ging mein Begleiter fort, um ihn 3U holen.

Nach einigen Minuten hörte ich in der Nähe einen Schuß fallen Da ich wußte, daß unter der Bevölkerung viele Regierungsanhänger mären, fürchtete ich einen Mvrdauschlag auf meinen Freund. Mit der Mauser­pistole in der Hand stürmte ich ihm in der Dunkelheu nach.

Vor dem nächsten Rancho erblickte ich einen Mann und fragte:Haben Sie nicht eben den Schuß gehört._

Sie selbst haben geschossen!" schrie der Mann wa­tend. Bei diesen Worten blitzte es in feiner Hand aus, und eine Kugel sauste mir am Kopfe vorbei.

Der Schütze war tm gleichen Moment hinter eine Baum gesprungen, so daß mein Schuß, da ich auch durch den Feuerschein seines Revolvers geblendet war nich traf

Wir wechselten Schuß um S* Dcchei ftieB 0 . Unbekannte gellende alarmierende Schreie aus 3eB wurde auch aus einem zurückliegenden Hause nach - geschossen, und meine Pistole war leer!

(Fortsetzung folgt.)

Vom Mndthorstbund.

In der letzten Nazi-Versammlung im Fuldaer Stadt-

Als Jumper, Flieger und Jäger In M-Amerika.

10] Von Bernhard Schroeder-Wiborg.

Wir waren nicht wenig überrascht durch dieses uner­wartete Entgegenkommen. Unterwegs unterhielt sich der Argentinier viel mit uns über die Fliegerei. Er hatte unsere Pilotenzeugnisse gesehen und wußte, daß wir Flieger waren. Da er bei der Argentinischen Marine gedient hatte, war er auch durchaus nicht weltfremd.

Aus dem Bahnhof angelangt, schenkte uns der Äon« traftift nicht nur das Reisegeld bis Buenos Aires, son­dern er zahlte auch noch das abgezogene Geld für die Herreise aus.

Dann lud er uns noch zum Mittagessen ein, und als wir uns endlich verabschieden mußten, hatte er, glaube ich, drei so dankerfüllten Menschen die Hand gedrückt, daß er noch mehr darüber erfreut war als mir selbst. Solche Argentinier gibt es, und sie sind nicht selten auf dem Kamp! ---

Wenige Tage später befanden wir uns bereits wieder in Buenos Aires. Hier suchte ich zwei Monate vergebens eine mir zusagende Stelle. Mein kleines Kapital schmolz wieder sehr schnell zusammen. Schon hatte ich mich entschlossen, abermals auf den Kamp zu gehen, da er­hielt ich plötzlich wieder eine Stellung als Lagerverwal­ter in einem großen Wildfell-Exporthaus.

vom Nationalsozialismus zum Nalionalbolschewismus

Von Pater Muckermann.