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Kr. 33

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblakt).

Dienstag, den 10. Februar 1931.

sein. Zwischen muß eine engt

am von

Winters Macht und Schönheit.

Niemand Hai diesem Winter sehr viel zugetraut. Er machte stets einen etwas schwächlichen Eindruck; es fehlte ihm die unerbittliche Strenge und die Kourage. Er nahm ab und zu einmal einen kleinen Anlauf, gleichsam um zu probieren, ob es nicht möglich sei, ohne allzu große Anstrengungen die Herrschaft anzutreten. Er ist aber meist über die kraftlosen Versuche nicht hinausgekommen. Man­gel an Selbstvertrauen?

Um so mehr wunderte man sich deshalb, als der Winter -plötzlich so kraftvoll und bestimmt austritt. Er tut das, obwohl er wissen muß, daß in wenigen Wochen der Frühling seine Rechte unabweisbar geltend machen wird. Man kennt sich nicht mehr aus. In der Rhön liegt der Schnee fast einen halben Meter hoch. Die Quecksilbersäule schwankt zwischen 10—20 Grad Celsius unter Null. Alle seine Schätze hat der Winter über die Wälder ausgebreitet. Dichtverschneit stehen die Tannen. Der Rauhreif hat sie mit seinem nicht zu ver­

Die Auffassung der Städtevertreter, daß na­mentlich die Länder sich noch in geringer Weise dem Grad der Sparsamkeit genähert haben, der heute in den Gemeinden allgemein proklamiert und vielerorts (so auch in Fulda) unerbittlich durchgeführt wird, muß stark unterstrichen werden. Die öffentliche Meinung muß rücksichts­los auf diesen Punkt gelenkt werden. Hoffentlich sagen die Berufenen bald das, was notwendig ist. Preußen zum Beispiel muß, gerade ange­sichts der bevorstehenden Wahlen, in der Spar­samkeit vorbildlich vorangehen.

angenommen. Hiervon sollen das Reich 50 Proz. (700 Millionen RM.), die Länder 25 Prozent (350 Millionen) und die Gemeinden 25 Prozent (350 Millionen) aufbringen. Das Reich kann dafür 420 Millionen Reichsmark verwenden, die für die Krisenfürsorge bereits eingesetzt sind. Der Rest­betrag des Reicks kann wesentlich aus den zurück­gezahlten Darlehen der Reichsanstalt aufgebracht werden. Die Aufbringung der Länderbei- träge muß aus Ausgabenersparnissen und stil­len Etatsreserven gewonnen werden, da sich ge­zeigt hat, daß die A b st r i ch e und Einschrän­kungen in den neuesten kommunalen Haus­haltsplänen unverhältnismäßig weitgehender sind als bei der Mehrzahl der Länder.

Der Reichsfinanzminister wird die Vorschläge des Städtetages eingehend prüfen. Der Vorstand des Preußischen Städtetages wird seinerseits Ge­legenheit nehmen, in den nächsten Tagen die Lage der Städte mit den preußischen Ministern des Innern und der Finanzen zu erörtern.

Julöo, den 7. Februar 1931

Die Finanzlage der Städte-

Schulpersonen-Nachrichien.

„ Ernannt wurde zur Mittelschullehrerin die Volksschullehrerin K e r t e l in Bad Orb, Kr. Geln­hausen. Endgültig angestellt: die Lehrer: Haluvka rn Steinbach und Pflüger in Langenschwarz, Kr. Hünfeld; die Schulamtsbewerber: Heindorf in Obernhausen, Kr. Gersfeld, Knierim in Gudens­berg, Kr. Fritzlar; die Lehrerinnen: B ein rot h in Fulda und Möller in Pilgerzell, Kr. Fulda- Land. Einstweilig angestellt: die Schulamtsbewer­berin Mailing in Eckardroth, Kr. Schlüchtern. Ver­setzt: die Lehrer: Manns von Wachenb"chen nach Langenselbold, Kr. Hanau-Land, Hobeck von Himmelsberg, Kr. Kirchhain, nach F"lda, Wegner von Uerzell, Kreis Schlüchtern, nach Molzbach. Kr. Hünfeld, Heil von Molzbach, Kr. Hünfeld nach Bad Orb, Kr. Gelnhauien. In den Ruhestand verlebt: die Lehrerinnen: Braun in Neustadt, Kr. Kirch­hain, A u m a n n in Flieden, Kreis Fulda-Land. Gestorben: die Lehrerin Ottilie Koch in Hanau.

Wichtig für Rundfunkteilnehmer.

Die Deutsche Reichspost hat Anfang Januar den Rundfunkteilnehmern Fraqekarten über das von ihnen benutzte Empfangsgerät zugehen lassen. Die Rückgabe der Karten ist von einer sehr gro­ßen Anzahl Hörer bisher unterblieben. Da bei dem vorgesehenen Umbau des Deutschen Rund­funksendernetzes der Zweck der Umfrage, der für die Rundfunkteilnehmer selbst von großer Wich­tigkeit ist, nur dann erfüllt wird, wenn die Frage­karten möglichst restlos zurückqegeben werden, wird nochmals an ihre Rückgabe an das Post- amt erinnert.

Preissenkungen für Schokolade.

Die Gebrüder Stollwerck A.-G in Köln—Ber­lin und die ihr anaeschlnssenen Firmen Reickardt G. m. b. H. in Hamburg und Hauswaldt-Gädke G. m. b. H. sowie die Goldina A.-G. in Bremen haben die Preise für ihre Markenschokoladen und Kakaos um durchweg 10 Prozent er­mäßigt. Nackdem schon Ende vorigen Jahres die Bitter-Schokoladen eine Ermäßigung von 70 auf 60 Pfennig erfahren haben, sind nunmehr auch die hauptsächlichsten Sorten Sahne- und Milch- Schokoladen non 60 auf 50 Pfennia und die bis­herigen 50 Pfennig-Sorten auf 45 Pfennia herab­gesetzt worden. In gleichem Umfange erfuhren die gepackten Kakaos je nach Sorten eine Ermäßigung von 70 auf 60 bezw. von 50 auf 45 Pfq. je b» Pfund-Packung.

Zwangsinnung der Fahrrad-, Nähmaschinen- und Motorfahrzeug-Mechaniker.

Die Anmeldung zur diesjährigen Frühjahrs- Gesellenprüfung muß mit den erforderlichen Unter­lagen bis spätestens am 16. d. M. bei dem Vor­sitzenden der Prüfungskommission, Herrn I. C. Meckel, hier, Kanalstraße 1, eingereicht sein.

Waisenrente eines Kindes erlischt nicht bei Dieder- verheirakung der Mutter.

Dem Stiefkinds eines tödlich verunglückten Schlepvers war von der Jnvalidenverfickerung eine Waisenrente zugebilligt worden. Als die Mutter des Kindes sich wieder verheiratete, wurde dem Kinde dis Waisenrente mit der Begründung entzogen, daß es nun Stiefkind des zweiten Ehe­mannes und nicht mehr des verstorbenen Schlep­pers fei. Der Spruchsenat der Invalidenversiche­rung hatte sich als Revisionsinstanz mit der Frage zu beschäftigen, ob die Entziehung der Waisenrente zu Recht bestehe. In seiner Entscheidung führte er aus, dadurch, daß das Stiefkind den Versicherungs­fall erlebt habe, habe es bei Vorliegen der anderen gesetzlichen Voraussetzungen den Ansvruch auf Waisenrente erworben. Dieser Anspruch werde auch durch die Wiederverheiratung der Mutter nicht berührt. Denn wenn auch das Stiefkind durch die Wiederverheiratung der Mutter einen

Die Vorstände des Deutschen und des Preußi­schen Städtetages waren unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Mulert im Städtehaus zu Berlin versammelt und besprachen die schwebenden Fra­gen der Kommunalpolitik.

Da der Vorstand des Deutschen Städtetages auf dem Standpunkt steht, daß die überaus ernste Finanzlage der Gemeinden nicht ohne schwerste Rückwirkungen auf die Etats des Reichs und der Länder bleiben kann, begab sich ein Ausschuß des Vorstandes zu Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, um ihn über den Ernst der Lage zu unterrichten. Die Städte fordern, daß Reich und Länder sich an den Ko st en der Erwerbs losen- f ü r s o r g e beteiligen. Die Städtevertreter mach­ten dem Reichsfinanzminister u. a. folgende kon­kreten Vorschläge: Das jetzige Nebeneinander von Krisenunterstützung und Wohlfahrtserwerbslosen­fürsorge, von Arbeitsamt und Wohlfahrtsamt mit all den dadurch bedingten Reibungen, Hemmun­gen und Kosten muß beseitigt werden. Die Unter­stützung wird dann im wesentlichen nach den einheitlichen Grundsätzen der Für­sorgepflicht' rordnung zu gewähren

rordnung zu gewähren beitsamt und Wohlfahrtsamt u s a m m e n a r b e i t stattfinden. Die Arbeitsäm.e» sollen bei der Feststellung der Arbeitsfähigkeit, die Gemeinden sollen bei der Arbeitsvermittlung mitwirken. D'.e Kosten der dann ‘ gemeinsamen Arbeitsfürsorge müssen nach folgen­den Gesichtspunkten aufgebracht werden: Die Ar- Leitslosen in der Krisenfürsorge und der Wohl- fahrtserwerbslosenpflege werden die Zahl von zwei Millionen erreichen, die Kosten werden 1,4 Milliarden Reicksmark betragen. Dabei ist eine durchschnittliche Jahresunterstützung von 700 RM.

fälschenden Schmuck geziert. Die Menschen werden ganz still, wenn sie durch den verzauberten Win­terwald gehen, mögen sie auch vorher noch so laut geschrien haben. Des Winters Majestät in Gottes schöner Welt zwingt alle in seinen Bann.

Gestern haben wieder viele Hunderte die Schön­heit des Winters beim Skilauf in der Rhön erlebt. Wer sich nur irgendwie frei machen konnte oder nicht zum Trabanten des Prinzen Karneval ge­worden war, fuhr in die Rhön. Am Bahnhof Fulda wurden gestern zirka 500 Sonntags­fahrkarten in Richtung Gersfeld oder Wüsten­sachsen ausgegeben. Dazu kommen noch die vielen Hunderte aus der Frankfurter und Würzburger Gegend. Schon am Samstagnachmittag kamen in Gersfeld 200 Wintersportler an; am Sonntag­vormittag trafen weitere 800 ein, so daß Sonntagabend etwa 1000 Wintersportler Gersfeld abtransportiert werden mußten.

neuen Stiefvater erhält, so werde dadurch die Tat­sache^ nicht beseitigt, daß der Verstorbene auch sein Stiefvater gewesen ist. Aus dieser Tatsache allein sei aber der Anspruch auf Waisenrente entstanden Das Oberversicherungsamt habe die Versicherung daher mit Recht zur Weiterzahlung der Waisenrente oerurtedt.

Modriger hängen!

In urteilsfähigen Kreisen ist bekannt, daß die „Fuldaer Zeitung" ihren Anzeigenteil unter völ- lig«: Zurückstellung geschäftl. Erwägungen pein- lichst sauber hält. Wie schwer bei den heitti- gen raffinierten Methoden das ist, kann freilich nur ber Fachmann vollständig würdigen. Immerhin spricht die Tatsache, daß von der Anzeigenabtei­lung unseres Verlages im Laufe eines Jahres An­zeigen, die ihm Tausende von Mark einbringen würden, zurückgewiesen werden, weil sie irgendwie sittlich oder wirtschaftlich bedenklich sind, eine sehr deutliche Sprache. Gleichwohl wagt nun das Fuldaer Organ der Nationalsoziali­sten, der „Fuldaer Beobachter" in schreiender Ueberfdjrift und mit entsprechendem Begleittext zu behauvten:

„Fuldaer Zeitung propagiert Mittel zur Ver­hütung der Schwangerschaft".

Es stützt diesen Vorwurf, gegen den wir uns auch an anderer Stelle zu mehren wissen werden,mit der Tatsache, daß von der Fuldaer Zeituna fol­gende, von dem Annoncenbüro Rudolf Mosfe- Braunschweig vermittelte kleine Anzeige ausge­nommen worden war: „Zuverlässige Personen zum Austraqen von Werbebriefen gegen festen Wo­chenlohn gesucht". Es hat sich herausgestellt, daß die Werbebriefe. die ausgetragen merden sollten, für eine Sache warben, die von den Katholiken als un­sittlich betrachtet werden muß und geaen die die Fuldaer Zeitung stets aufs entschiedenste Stellung genommen hat. Was sich hinter den Werbebrieien verbarg, war uns von einem der Bewerber inzwi­schen mitgeteilt worden, und unt°r *em Datum des 29. Januar schon hatte unsere Geschäftsleitung in einem Brief art die Firma Masse den Tatbestand klargestellt imd das Bedauern ausaesp^ocken. falls non der Annoncen-Expedition die Anzeige in Kenntnis der Sacke aufgegeben worden wäre „Jedenfalls," so heißt es weiter in diesem Brief, „möchten wir Sie ein für allemal gebeten haben, uns Anzeigen mit zweifelhaftem Hintergrund nicht zu übersenden. Wir lehnen die Aufnahme unbedingt ab."

Eine so'che tückische Täuschung unserer An- zeigen-Stelle aber ala"bt der Beobachter, für den immer noch der nach Merseburg versetzte Herr Jor­dan. Fulda, Leipzigerstrabe 59. zeichnet, ausnutzen zu können, um sckimvflichste Anwürfe gegen uns zu erhaben. Wir möchten annehmen, daß derartige Kampfmittel nur bei cwnz bestimmter Geistesver­fassung Aussicht auf Erfolg — wenigstens vor­übergehenden — haben können. Für anderen Mitbürger dürfen wir uns wohl mit dem Wort begnügen: Niedriger hängen!

= Fuldaer Adreßbuch. Bekanntlich wirb von der Hofbuchdruckerei Uth gegenwärtig ein Neudruck des Fuldaer Einwohnerverzeichnisses vorbe­reitet. Wie man uns mitteilt, sollen in den nächsten Ta­gen die Buchstaben G.—K. abgeschlossen werden. In­teressenten ist bis morgen abend 7 Uhr noch Gelegen­heit gegeben, das Namensverzeichnis, soweit die oben angegebenen Buchstaben in Frage kommen, in dem Ber­lage einzusehen.

— „Deutschnalionale Krankenkassen". Die vor einigen Tagen abgehaltene Hauptversammlung der Derwaltungsstelle Fulda konnte aus dem Munde des Rechners erfahren, daß im abgelaufenen Jahre die bis­herige günstige Entwicklung sich fortsetzte. Aus Grund der durch die bekannte Notverordnung erzielten Er- p a r n i s s e konnte der Kassenvorstand in Hamburg ür wahrscheinlich den 1. März eine weitere bedeutende Ermäßigung der Beiträge in Aussicht stellen. Bei der Neuwahl des Vorstandes betraute man bewährte Mit­glieder mit der Führung der Geschäfte im kommenden Jahre. ___________

Aus den Militärvereinen.

— Bereinigung ehemaliger Sier. Man schreibt uns: Die am gestrigen Sonntag nachmittag bei Kamerad Weh­ner „Zum Engel" abgehaltene Jahreshauptversammlung war von 29 Kameraden besucht. Der erste Vorsitzende, Kamerad Kaufhold, hieß die Erschienenen herzlich willkommen. Sodann gedachte er des im vorigen Jahre verstorbenen Kam. Magnus Hartmann-Fulda, der in den Jahren 1886-88 in der 11. Komp. J.-R. 81 aktiv gedient hat. Ferner berichtete der erste Vorsitzende ausführlich über die am 4. und 5. Oktober v. I. in Lüdenscheid abgehaltene Bundesversammlung, auf der 15 Vereine mit 1591 Mitgliedern vertreten waren. Beschlossen wurde auf jener Tagung, daß der nächste Vertretertag im Mai 1932 in Wetzlar stattfinden sollte. Sodann wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Regiments- i eschichie des Res.-Jnf.-Regis. 81 fertiggestellt sei. Der ?reis der Bausteine für das zu errichtende Denkmal der gefallenen 81er ist auf 50 Pf. ermäßigt worden. Der

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Fester zusammenschlietzen!

Ein Reichstagsabgeordneter schreibt uns:

Zu Beginn der Samstag-Sitzung des Reichs­tages ermahnte Reichstagspräsident Löbe ein­dringlichst die Abgeordneten, besonders die Nativ- nalsozialisten, sich endlich bewußt zu sein, wo sie sich befinden, auch die Redner der anderen Par­teien in Ruhe anzuhören. Die Vorgänge des Vortages gaben ihm dazu berechtigte Veranlas­sung. Doch blieb die Wirkung seiner Ermahnungen aus. Denn die Nazis tobten wieder wie die Wilden, sodaß sie sich gerade von dem Präsiden­ten sagen lassen mußten, daß die von ihnen am Vortage am heftigsten provozierten Redner, die Abgeordneten Joos und Pfleger vom Zen­trum und der Bayerischen Volkspartei, niemals in diesem Hause eine provozierende Rede gehalten hätten. Der weitere Verlauf der Sitzung zeigte dann, daß diese f»genannte nationale Oppo­sition es scheinbar darauf abgesehen hat, sich so rüpelhaft wie nur möglich zu benehmen. Was sich die deutschnationalen Sprecher Dr. Oberfohren und der schlesische Agitator Dr. Kleiner dabei leisteten an unglaublichen Be­schimpfungen, an maßloser Hetze gegen den Kanz­ler und das Zentrum, ist beispiellos. Zumal Dr. Kleiner, der nur durch Niederlegung des Man­dats seitens des deutschnationalen katholischen Pfarrers Wolf (sein Abgang war wenig ehren­voll) zufällig ins Parlament kam, vordem noch der Deutschen Volkspartei angehörte, sich als gesckworenen Feind der deutschnationalen Ge­dankengänge ausspielte, heute Einpeitscher der Deutschnationalen in Oberschlesien, ist nicht mehr zu überbieten.

Im Haufe herrschte größte Empörung und Er­regung über dieses würdelose Verhalten des deutschnationalen Sprechers, dem sogar noch Bei­fall gellatsckt wurde von seinen Fraktionsgenos­sen. Die Abgeordneten Schiller und Quaatz von den Deutschnationalen taxen sich dabei beson­ders hervor und mußten zur Ordnung geru'en werden. Ein volksvarteili^er Abgeordneter tat hierzu den treffenden Zwischenruf: „Und das wollen Akademiker sein!"

Wirklich! Was ist aus dieser deutschnatio­nalen Partei unter Hugenbergs Führung ge­worden! Was mag sich der Abgeordnete Dr. H e r g t, der bei den Deutschnationalen überhaupt nickt mehr als Svrecher in Fraae zu kommen sckeint, gedacht haben, als er diese üble und demaaogiscke Rede seines Fraktionskollegen ver­nahm? Was wäre, so fragen wir weiter, von jenen konservativen Kreisen gesagt worden und wie wäre eingegriffen worden, wenn sich früher Abgeordnete in solcher Weise benommen hätten?

Wir vom Zentrum werden uns diese Vor­gänge merken. Wir haben die Antwort bere:t auf die Beschimpfungen deutscknastonaler und Nazi-Kreise gbgen Kanzler und Partei. Eine Flamme der Empörung lodert auf und schließt unsere Reihen in Nord und Süd, in Ost und West noch fester zusammen. Diejenmen Kreise, die meinen, sie könnten mit ihren Angriffen auf das Zentrum dieses zerschlagen, werden bei kommenden Wahlen ihre blauen Wunder erleben. Männer und Frauen, junge und alte, werden in noch nie dagewesener Weise zur Abwehr antreten.

vom ersten Vorsitzenden erstattete Rückblick über die Vereinstätigkeit der hiesigen Ortsgruppe im verflossenen Jahre war in allen Teilen zufriedenstellend.

— Bereinigung ehemal. Kavalleristen Fulda e. B- Zu der am Sonntag nachmittag abgehaltenen Jahres­hauptversammlung hatten sich die Kameraden recht zahl­reich eingefunden. Der Vorsitzende gedachte nach kurzen Begrüßungsworten der im verflossenen Jahre verstorbe­nen Mitglieder, deren Andenken man in geziemender Weife ehrte. Anschließend kam eine Einladung des Reichsverbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegs­hinterbliebenen zu der am Volkstrauertage (Sonntag, den 1. März) auf dem Ehrenfriedhof stattfindenden Ge­denkstunde für die Gefallenen zur Verlesung. Aus dem vorgetragenen Jahresbericht ging hervor, daß im Be­richtsjahre 1 Hauptversammlung, 11 Vorstandsfitzungen und 11 Monatsversammlungen abgehalten wurden. Eine größere Anzahl von Mitgliedern mußte ausgeschlossen werden, da sie trotz wiederholter Mahnung mit der Be­zahlung ihrer Mitgliedsbeiträge im Rückstand blieben. Nachdem der Kassierer den Kassenbericht vorgetragen hatte, wurde ihm Entlastung erteilt. Vor der Vorstands­wahl, die die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes ergab, dankte Alterspräsident Gaul den Vorstandsmit­gliedern für die im Jahre 1930 geleistete Arbeit. Neu­gewählt wurden zum 2. Schriftführer Kamerad Hammel und zum 3. Beisitzer Kamerad Adolf. Die seitherigen Kas- enpriifer wurden bestätigt. Die Standartenabordnung besteht aus den Kameraden Hohmann, Große und Krö­nung. Für den amtsmüden Unterkassierer Krönung wählte man Kamerad Große. In Zukunft soll der 1. Vorsitzende auf drei Jahre, die übrigen Vorstandsmitglie,

In Hannesnächten.

Die Rechte streckt' ich schmerzlich oft in Harmesnächten Und fühlt' gedrückt sie unverhofft von einer Rechten —

Was Gott ist, wird in Ewigkeit kein Mensch ergründen.

Doch wird er treu sich allezeit mit uns verbünden.

Konrad Ferdinand Meyer.

Bob spielt Schach.

Skizze von Herbert Steinmann.

Che Dob Largins an diesem Abend das Hinterzimmer des kleinen Kaffeehauses betrat, in dem er seit mehreren Tagen regelmäßig mit dem ehrenwerten Washington B. Reed Schach zu spielen pflegte, überflog er noch einmal in Gedanken alles das, was er für feine besonderen Zwecke oon seinem Spielpartner erfahren hatte, und gestand sich sofort, daß es allerdings herzlich wenig war. Und bas machte ihm schwere Sorgen. Wie jeder tatkräftige und strebsame junge Mann, so wollte auch Bob in seinem Berufe vorwärts kommen. Er liebte starke und schnelle Erfolge, und nun wollte dieser langwellige Herr Reed u>cht mit der Sprache heraus. Ja, diese Schachspieler, die haben es in sich.

Aber heute mußte der Generalangriff mtt allen ver­fügbaren Mitteln unternommen werden. Denn schließ- uch war man ja nicht nur ein leidlicher Schachspieler, son­dern auch ein in dem schönen Newyork nicht ganz unbe« • tannter Einbrecher, der das sozusagen berechtigte Interesse "aran hatte, von dem Kassierer Washington B. Reed , nun endlich hintenherum zu erfahren, ob sich eine kleine Operation an den blanken Tresors der Bankfirma Smith -Strong auch wirklich lohnen würde Und mit dem ntschluß, fein Aeußerstes nach dieser Richtung hin zu versuchen, riß Bob die Tür zum Hinterzimmer auf.

Der würdige, etwas zur Fülle neigende Herr, der an g*? Kunden Tisch hinter den spielfertig aufgebauten chachfignren und den beiden riesigen Gläsern mit eis- nrifrk rer Limonade saß. warf dem Eintretenden einen obllligenden Blick zu. Eine trockene Stimme knarrte

„Sie kommen schon wieder drei und eine halbe Minute zu spät, O'Donnell. Das schickt sich nicht für einen Bankangestellten, selbst wenn er aus Chicago und zur Seit aus Urlaub ist."

„Ekel!" dachte Bob und verfluchte die Minute, in der chm die Idee gekommen war, sich diesem Bürokraten als „Fachkollege auf Urlaub" vorzustellen. Aber der Topf mußte nun einmal ausgegessen werden. So flü­sterte er denn demütig eine Entfchuldiung und nahm Platz. Das Spiel begann.

Washington B. Reed schien an diesem Abend beson­ders übel gelaunt zu fein. „Passen Sie gefälligst auf Ihren Turm auf!" fauchte er nach einigen Zügen. „Ent­sinnen Sie sich übrigens, wie Montana-Minen gestern standen?"

Bob parierte mit dem Säufer. „334%", antwortete er, ohne mit der Wimper zu zucken, und freute sich der Vorsicht, mit der er in den letzten Tagen den Kurs- zellel studiert halle. Wollte chn der da drüben etwa aushorchen? Dagegen mußte etwas getan werden. Bob zog die Dame vor, und beobachtete interessiert die Mienen seines Gegners, die sich sichtlich verdüsterten. Dvnn sagte er „Barbestände sind jetzt wohl überall rück­läufig. Ich schätze, mchr als eine halbe Million wer­den Sie kaum zur Zeit liegen haben."

Washington B. Reeds Gesicht war jetzt überhaupt nur noch (Bernitter. Er rettete schleunigst einen unge­deckten Springer vor dem Anmarsch der feindlichen Dame. „Sie sind verflixt neugierig, O'Donnell. Gestern schon fragten Sie mich nach unseren Tresoren. Darf ich eigentlich.mal wissen, in welcher Abteilung Ihrer Firma Sie zuletzt beschäftigt waren?"

Bob nahm einen ungedeckten Bauern mit der Dame. Dann lehnte er sich zurück und schlug ein wenig den Rock zurück. Ein Metallschildchen blinkte auf der Weste. „In der Ueberwachungsabteilung. Und deshalb, Herr Reed, möchte ich mir morgen mal Ihr Tresorsystem an- sehen. Es soll ja eine gewisse Berühmtheit in Fachkrei­sen genießen. Und ich möchte doch sogern noch etwas dazu lernen."

Der Kassierer starrte unentwegt auf das feindliche Angrfffssystem. „Ein schöner Angriff", sagte er halb­

laut, „wirklich em schöner Angriff, O'Donnell! Aber Sie haben mitunter den Fehler, den Gegner zu unter­schätzen. Sehen Sie nicht, daß ich Sie in drei Zügen matt setzen kann?"

Bob beugte sich über das Brett. Ein gleichmütiges Lächeln lag auf feinem jungen Gesicht: „Höchstens re­mis — unentschieden, Reed!"

Die beiden Männer sahen sich sekundenlang in die Augen. Dann gähnte der Kassierer hörbar. „Lassen wir das Spiel für heute, O'Donnell! Ich bin müde. Und im übrigen: Ich habe nichts dagegen, wenn Sie sich morgen unsere Tresors einmal ansehen wollen. Aber bitte nicht vor elf Uhr. Ich muß doch erstmal mit den" — ein unangenehmer Hustenanfall unterbrach die Rede des würdigen Reed — „mit den Chefs spre­chen. Bis dahin, O'Donnell."

Dann trennten sich die beiden Spielpartner. —

Als Bob Largins am nächsten Tage genau um elf Uhr das prächtige Portal des Bankhauses Smith u. Strong durchschritt, hielt der Portier chn mit respektvol­lem Grinsen auf. „Herr O'Donnell, nicht wahr? — Hier ist ein Bries für Sie."

Verdutzt blieb Bob stehen und starrte fast eine Mi­nute lang auf den weißen Umschlag, den ihm der Mann entgegenftretfte. Ein wahrer Wirbel widersprechender Gedanken drehte sich in seinem Kopfe. Und so entging es ihm, daß fast in demselben Augenblick im Hinter­grund der Halle ein breitschultriger, glattrasierter Herr mit hochrotem Kopf eine Telephonzelle in einer Eile betrat, wie sie sich für die Würde eines Inhabers der Firma Smith u. Strong durchaus nicht schickte.

Bob griff zu. Der Umschlag flatterte zu Boden. Im mer größer und erstaunter wurden die Augen des an­geblichen O'Donnell. Viermal mußte er das Schreiben lesen, ehe er es begriff. Dann warf er es ärgerlich von sich-

Eine Minute später rollte vor dem Bankhause Smich u. Streng eine Autodroschke im beschleunigten Tempo ab, in der ein Herr saß, der die greulichsten Flüche ohne Ende vor sich hin murmelte. Sie sind lei­der nicht wörtlich wiederzugeben, und so begnügen mir uns mit folgendem bezeichnenden Ausschnitt: „O, ich

Esel, — verflixter Reed — der dümmste Streich meines Gebens — nie wieder Schach — setzt dieser Kerl mich doch beinahe matt — o, Reed, hätte ich d a s geahnt!"

Die Herren der Newyorker Geheimpolizei die auf den Anruf des Herrn Strong hin um elf Uhr 15 Minu« ten in dem Bankhause eintrafen, konnten den verstörten Inhabern der Firma nur wenig Trost spenden. Der Tatbestand blieb leider allzu klar: Der ehrenwerte Kassierer Washington B. Reed war verschwunden, mit ihm ein beträchtlicher Teil des Inhalls der Tresore.

Unklar blieb in ihren Einzelheiten nur die Bedeu­tung eines beschriebenen Briefbogens, den man arg zer­knüllt in der Vorhalle auffand. Der Text lautete:

„Mein lieber O'Donnell, wie Sie verflixter Spür­hund von Bankdetektiv hinter meine Unterschleife ge­kommen sind, ist mir räiselhaft. Zum Glück habe ich Ihre zarten Andeuttmgen bei unserer letzten Schach­partie recht verstanden. Die von Ihnen so geheimn-s- voll angekündigte „Revision" warte ich gar nicht erst a» — ich verdufte. Der Teufel soll Sie holen, Sie Spitzelk Auf Nimmerwiedersehen! Washington B. Reed.

PS. Und Sie sind doch ein miserabler Schachspieler!*

Das ist die Geschichte, wie Bob, der Einbrecher, Schach spielte und sich dabei um einen Partner und die Beute brachte.

Helleres.

Dienst am „Kunden". Ein Herr zu einem Wege­lagerer: „Enffchuldigen Sie bitte, ich habe keine Wert­sachen bei mir. Aber ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag: Ich werde diesen Weg meinen Bekannten empfehlen." (Nebelspalter)

*

Das Lied vom braven Mann. Der Lehrer will in der Klasse Bürgers Ballade „Das Lied vom braven Mann" behandeln. Ehe er den Kindern das Gedicht vorlieft, fragt er, ob es jemand schon kenne. — Ein kleines Mädchen meldet sich. — „Schön!", sagt der Lehrer in lobendem Tone. „Dann sag uns mal die An­fangszeile auf!" — Das Mädchen erhebt sich, ganz rot vor Stolz und deklamiert: „Wer niemals einen *” ,ch gehabt, der ist kein braver Mann!" („Hackc^Li-S. IZ")