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Der Mann im Monde.

Der nördliche Teil des päpstlichen ©Gerts wird durch den Neubau der Pinacot«« und ihre Umgebung in Anspruch genomni eines mehrstöckigen, prächtigen Bauwerks von b Meter Frontlänge, von dessen Balkon man eineerrliche Aussicht auf die St- Peterskirche gerne; Der Neubau ist durch eine geschlossene Wandels mit den berühmten vatikanischen Museen oernden, die bekanntlich als Teile des päpstlichen Bastes den Giardino della Pigna und den Cortile »Bel­vedere umschließen. Die bisherige Zufahrt i den Museen geht vom Petersplatze rings um btfüb« liche Langseite und den Chor der St. Peters-ch^ zum Cortile de Forno und weiter auf dem ja. lone di Belvedere, im ganzen auf einem 1 50, meter langen Wege, bis zu dem Hauptportal ugr der Sala della Biga. Um in Zukunft das '«« nere der Batikanstadl von diesem immer wachse den Automobil-, Wagen- und Fußverkehr zu t freien und den Zugang zu den Museen zu erleic tern, ist eine elliptische Doppelrampe geplan , die, vom italienischen Rom, und zwar von den Viale Leone IV bei der Piazza del Risorgimento aufsteigend, zu der- beträchtlich höher -liegenden' Vatikanstadt emporführen und die Besucher un- mittelbar auf den Wendeplatz am Huseumsein- ganae bringen soll. ;

Daß die Ausführung aller für die neue Stadt erforderlichen Bauten und Einrichtungen in so kur­zer Frist nahezu vollendet werden konnte, wenn auch nicht ganz ohne Unvollkommenheiten, verdient hohe Anerkennung.

Die amtliche Zählung hat 639 weiße Einwoh­ner der Batikanstadt ergeben, darunter.495 Ita­liener. 113 Schweizer. 11 Franzosen. 8 Deutsche. Einen beträchtlichen Anteil schwarzer Bewohner hat- das Seminario Et-ovico hierhergeführt. Am 17. Juni wurde das Standesamt eröffnet; die erste Eintragung ist die Geburt emeg Sohnleins von Tommaso Labella, einem Diener im Büro des päpstlichen Zeremonienmeisters.

Ein Aufatmen ging durch die katholische Welt, als der zwischen dem Königreich Italien und dem Päpstlichen Stuhl am 11. Februar 1929 abgeschlos- |ene Friedensvertrag bekannt wurde. Achtundfünf­zig Jahre des Zwistes waren vergangen, feit die Plmontefen im September 1870 gewaltsam Rom als Hauptstadt Italiens in Besitz genommen und den Päpstlichen buhl des letzten Restes feiner welt- ; lichen Souveränität beraubt hatten. Die italienische Regierung und die Kurie hatten als politische Feinde in derselben Stadt nebeneinander gelebt, bis die hochherzige Weisheit des Papstes Pius XI. und die Klugheit Mussolinis den Weg zur Ver­ständigung suchten und fanden Das Königreich Italien erkennt nun die volle Souveränität des Papstes an über einen den St. Petersdvm und den vatikanischen Palast in sich schließenden Teil der , Stadt Rom von ungefähr 55 Hektar Größe mit der Einschränkung, daß der etwa 10 Hektar große St. Petersplatz nebst den berühmten, ihn umrahmen­den Verninischen Colonaden zwar zum päpstlichen Gebiete gehört, aber dem Publikum in bisheriger Art zugänglich bleibt und der italienischen Schutz­polizei untersteht. Nach Süden, Westen und Nor­den wird die hiernach etwa 45 Hektar große eigent­liche „Citts bei Vaticana" umschlossen von ber bem neunten Jahrhundert entstammenden Leoninischen Stadtmauer, während östlich, d. h. nach der ita­lienisch gebliebenen Stadt hin, von der Piazza del Risorgimento bis zum Petersplatze die Via bi Porta Angelica, vom Petersplatze sübwärts die Mauer des bekannten Campo Santo bei Tedescht die Grenze bildet. Obwohl Wischen ber letztgedach­ten Grenzstrecke und der Porta Cavalleggeri au­ßer dem genannten Friedhöfe nebst Kirche und Wohnung fast nur päpstliche Gebäude liegen, inson­derheit das Museum Petriano, das Oratorium bi Son Petro und der Palazzo del Santo Ufficio, hat der Papst doch auf die Herrschaft über diesen, die italienische Steuerfreiheit genießenden Gebietsteil verzichtet, um polizeiliche Verkehrsschwierigkeiten zu vermeiden.

Zur Veranschaulichung der oben genannten Flächenarößen möge dienen, daß die Stadt Rom innerhalb der Aurelianilchen Mauer etwa 1100, die Altstadt Köln innerhalb ber mittelalterlichen Stadtmauer rund 500, in A'tstadt Münster inner­halb ber Wallpromenaden stark 300 Hektar um­faßt.

Die eigentliche Vatikanstadt hat vom stalieni- chen Rom her drei Einfahrten, nämlich zwei süd­lich vom St. Petersdvm an der Via della Sagre- stia und dem Arco delle Camvane, nördlich des Domes Porta Santa Anna au ber Via bi Porta Angelica. Diese drei Einfahrten finb inzwischen mit

brehbaren und verschließbaren Gittertoren ver­sehen worben.

Der Friedensvertrag enthält außer der Aner­kennung ber päpstlichen Souveränität über die ßÜttä bei Vaticano Freiheitsbestimmungen zugun­sten zahlreicher, außerhalb derselben gelegenen kirchlicher Bauwerke, die in zwei Gruppen geteilt sind. Die Gebäude der ersten Gruppe werden als exterritoriales Zubehör zur Vatikanstadt bezeich­net, während die zweite Gebäudegruppe zwar zum italienischen Staate gehören, aber von jeder Be­steuerung und Enteignungsbefugnis befreit fein foll. Zur ersten Art gehören der Lateran, die Ba­siliken S. Maria Maggiore und S. Paolo nebst Zubehör, die Gebäude der Propaganda und der Pallazzo della Cancelleria, sowie das Castel Gan- dolfo am Albaner See, während die zweite Gruppen aus 7 kirchl. Unterrichtsanstalten besteht.

Die Vatikanstadt wird vertraglich seitens der italienischen Regierung mit den erforderlichen An- stalten des öffentlichen Verkehrs versehen, und zwar mit Eisenbahnanschluß, Post, telegraphischen, telephonischen und radiotechnischen Einrichtungen. Der päpstlichen Souveränität sind alle Personen unterworfen, die ihren dauernden Wohnsitz in der Vatikanstadt haben. Cs bestehen aber, soweit be­kannt, innerhalb derselben keine privaten Gebäude und Eigentumsrechte, und es wohnen dort außer den geistlichen Persönlichkeiten, den Studierenden, Beamten und Bediensteten nur deren Haushal­tungsangehörige.

Den neuen Stadtstaat lebensfähig zu machen, war für die päpstliche Verwaltung "eine äußerst wichtige, dringliche, mit umfangreicher Tätigkeit cerrnüfte Aufgabe, deren Lösung die schleunige Errichtung mancher Verwaltungszweige und zahl­reicher Neubauten oder Umbauten erforderte. In zweijährigem rastlosen Wirken ist diese Aufgabe fast vollständig gelöst worden. Nach Feststellung des Raum- und Flächenbsdarfs mußte zunächst für bas ganze Stadt- und Staatsgebiet ein einheitlicher Bebauungsplan entworfen werden, der den zu errichtenden Bauten die geeigneten Plätze an- weist, die erforderlichen Anbaustraßen. Wege und Grünflächen unter Wahrung der Verkehrsinteressen soww von wirtschaftlichen, sanitären und künstleri­schen Gesichtspunkten festlegt. auch für die Besei­tigung mancher störenden Altbaulichkeiten und Un- schonheiten Vorsorge trifft. Der namhafte Architekt t-,ommendatore Giuseppe Momo wurde mit den Planungen und ber Bauleitung betraut ein

Vermessungsamt wurde eingerichtet.

Um die Bautätigkeit Momo's kurz'zu betrach- r-Kr-Jreten wir durch eines der beiden Gittertore südlich vom Petersdom in die neue Stadt, über-

®inen Riesenlautsprecher möchte ich irgendwo aufstellen und über ganz Deutschland hin etwas verkünden. Es ist ja nicht mehr zum Ansehen, wie sinnlos fxf) hie Leute aufregen, wie sie hin und her rennen, wie sie einander beschimpfen, wie sie Sie Köpfe hängen lassen oder den letzten Rest ihrer Habe verprassen. Quer durch das Land bin ich wieder gefahren, vom lieben Baden bis Berlin. Wie es im Osten gärt, weiß man ohnedem. Was wüßte man allen, die so oder so um Hiffe schreien, denn zunächst klarmachen? Zweierlei. Erstens ein­mal dieses: Cs hat keinen Zweck, sich aufzuregen. Aus all dem sinnlosen Durcheinander kommt nichts heraus, es fei denn, daß die Verärgerung und der Pessimismus noch wachsen. Man kann nicht mehr tun, als was Dr. Brüning eben tut, jede Frage genau studieren und bann helfen, soweit es gellt. Wo ber Staat nicht mehr sorgen kann, da muß die freie Nächstenliebe einspringen. Zweitens aber ist es wichtig, daß man die entscheidende Ur­sache der jetzigen Not recht begreife- Sie liegt rirfit bei uns. Sie kann von Deutschland nicht al­lein beseitigt werden Sie ist etwas so Fürchter­liches, daß der Schrecken, der aus ihrer Erkenntnis hervorgebt, allein schon die Menschen einigen wüßte. Was ist das für eine Ursache?

Rund um die Woche

An allen Ecken Moskau . . .

Das Justizgebäude umschreib-, stehen wir vor der neu eingerichteten Scuolichel Mosaico (Schule für die Mosaikkunst) un gelangen bann nach links ansteigend auf den Bords; der neuen ® e nah n st at i o n. Dem riebensoertrage entsprechend, hat die italienische Reibung ein von dem an der Bahnstrecke nach Bitevc bestehenden Bahnhof San Pietro abzweigenden ^schlußgleis erbaut, welches unter Ueberbrückung tn Straßen die Vatikanische Stadtmauer durchbjcht einö Kopfstation für Personen- und Güterüekehr bildet und in einem Tunnel endigt. Der Nuerburch- bruch ist architektonisch ausgebildet uni kann in den Betriebspausen durch ein Gittertor trschlossen werden. Fir den Personenverkehr hält »r Bahn­zug unmittelbar nach bem Eintritt in bietzatikan- ftabt an ehern sehr ansehnlichen Eryfcmgs- gebäube, das außer den Diensträumen bis statt­liche Säle enthält, von welchen einer alstzeqrü- ßungsraum sicher Reisender dienen soll. Güter können auf ehern der Nebengleise ab-, uh auf« geladen werdet, und in den Tunnel hinein führt das zum Rangeren dienende Ausziehgleis.

Von bem Bchnhofsplatze nordwärts führ eine neue Straße, bi- alte Via Scaccia kreuze-' und von den schon erwkhnten Parkpflanzungen -eglei- tet, entlang ber Frmt eines umfangreichenNeu- baus, der bereits in Jahre 1928 für Sen'nar- zwecke begonnen wur« und nun in veränbrter Form als das Regi e-u ngs. und Ver wcl- tungsgebäube (Gvernatorato) des neun Stadtstaates vollendet wrden ist. Eine prächtis Freiheitstreppe gegenübetber Mitte des Domchor fuhrt in Verlängerung eint vom Domchor aufstei genden Querrampe emporch den Palast der in mehreren Geschossen bei 12 Meter Frontlänge die städtischen Diensträume, dieWohnung des Gover- nawre und Säle für den lufenthalt hoher und höchster Gaste enthalt. In Minbung mit diesem Regierungsgebäude steht der instlerisch bedeutsame Neubau einer Kapelle, welchchie Altäre und die sonstige Ausstattung der abgechchenen St. Martha- kirche aufnehmen und den Nnen Santa Marta weiterführen soll.

Im Jahre 1922 schon bat General Hoffmann, der führende Generalstäbler bei der Schlacht von Tannenberg, ein Büchlein geschrieben, das den Titel trägt: „An allen Enden Moskau". Dieses Buch gehörte heute in die Hand eines jeden Poli­tikers, Militärs und Wirtschaftlers. (Verlag für Kulturpolitik, Berlin). Es ist erst 1925 heraus- gefommen, weil damals die Ruhrbesetzung dazwi­schen kam. Seitdem hat es Jahr für Jahr an Ak­tualität gewonnen. Es ist das beste Buch über die heutige Weltlage, das ich kenne, wie ich denn den General Hoftmann für den gescheitesten Kopf halte, der uns geschenkt worden war. Warum mußte er so früh dahingehen? In dem Buch wird uns I also von der wichtigsten Ursache unserer gegenwär­tigen Schwierigkeiten gesprochen. (In den Plau- I bereien habe ich die Dinge auch oft genug erwähnt, ober viele verstehen erst gewisse Wahrheiten, wenn ihnen sckvn bas Wasser an bie Gurgel geht.)

Zunächst wird in diesem Buch ber Bolschewis­mus einmal richtig gekennzeichnet, weiter wird uns der Zusammenhang unserer jetzigen Not mit Bolschewismus bargetan, und drittens weist der General auf den einzigen Weg ber Rettung hin. Was den Bolschewismus betrifft, so beurteilen wir :hn noch immer viel zu sehr nach ben humanen Anschauungen unserer Kultur. Man sieht in ihm I wenigstens ein interessantes soziologisches Experi­ment, den Versuch, eine neue Wirtschaftsordnung aufzurichten, wobei es denn leider nicht ohne Här­ten abgehe. Sehr viele Gebildete meinen sogar von diesem Bolschewismus sich noch mancherlei für i unsere Rettung erhoffen zu dürfen. Dabei wird total vergessen, daß der Bolschewismus weder eine Volksbewegung noch ein interessantes Wirtschafts- qxperiment ist, sondern ganz einfach das unge­heuerliche Unternehmen einiger Weniger, ein gan­zes Volk unter ihr- terroristisches Joch zu brin­gen. Hierin liegt auch die Erklärung dafür, daß diese. Führer so fest Zusammenhalten. Sie wis­sen, daß in dem Augenblick, indem bas Volk sich ihrer eisernen Fesieln entlebigf, von ihm in Stücke gehauen werden. Glaube doch niemand den Le­genden, als seien Stalin und Trotzki oder Stalin und Rpkow usw. mit einander verfeindet! Der gleiche Trotzki, ber ein dickes Buch darüber schreibt, I roie er von Stalin verdrängt und verbannt worden sei, der uns erzählt, mit welcher Mühe er eben noch über die Grenze entwischs sei, ist in Wirklichkeit in einem wunderbaren Extrazug aus Rußland ge- I roGr beladen mit Propagandaliteratur und erfüllt unentwegt die ihm übertragene Aufgabe, Europa und Asten zu revolutionieren.

. Diese Bolschewisten haben sich nun nichts Ge­ringeres zum Ziele gesetzt, als die Zerstörung fämt- 1

I sicher europäischer Märkte. Sie denken nicht so sehr daran, auch Europa zu revolutionieren sie wollen vielmehr einfach ihre eigene Herrschaft sichern, indem sie die Macht Europas brechen Das innerlich zerrüttete Abendland wird ihnen dann von selber in bie Arme fallen. Diese Zerstörung der außereuroväischen Märkte schreitet mit tobbrin genber Sicherheit weiter fort. Lesen wir nicht ftanbia von Unruhen unb Bürgerkriegen in China m Jnbien, in Hinterindien, in Aegypten und wo­hin man immer schaut? Diese Unruhen sind nicht mehr zu löschen, wie es früher geschah, denn es in ba jemand, ber das Feuer immer wieder im Geheimen schürt. Die Folge ist das Erlahmen des Exportes und des Handels überhaupt, und die Folge davon wieder bie Arbeitslosigkeit in Europa unb Amerika, die nicht ab- sondern die ständig Zunimmt Europa ist eben auf den Export feiner ■onbuftnemaren angewiesen, schon nur,' um leben ’u können, denn es produziert allein nicht genug, um seine Einwohner zu ernähren.

Das also würde ich durch meinen Lautsprecher fagen: Sbr Leute, die ihr einander anklagt und schuld von dem emen auf den anderen wälzt, schaut doch endlich auf den Hauptschuldigen, der । ; ^ude reibt, weil er in all bem Lärm um )o sicherer arbeiten kann. Staaten Europas laßt ab von dem Gezänk untereinander, denn es ist da ’ei™n7 der euch allen den Untergang zugedacht

Un@ $e5 für Tag mit steigendem Erfolg in Ä Kontingenten daran arbeitet. Moskau ist heute das große Hauptquartier ber Zerstörung, ber Vernichtung. General Hoffmann bat recht, wenn er behauptet, es gebe ba keinen Ißeg, als nur ben, daß man diese Zentrale herz- « tla u5.^e6e' Nach seiner Ueberzeuguna ist der Bolschewismus nicht entwicklungsfäbig. Er kann auch, nicht von Russen überwunden.werden Das verhindert allein schon der Terror. Es ist 'Wahr­heit wenn em russischer General vor Jahren ein- mal einem Eurooäer, den er bei yiacfyt unb Nebel besuchte» sagte: „Wenn das die Tscheka erfährt, wird man meine beiden Kinder in Moskau in kochendes Wasser werfen " Nur von außen her kann Mos­kaus Macht gebrochen werden.

Was wir heute spüren, sind eben die Auswir­kungen dieses Bolschewismus, wenn auch natür­lich noch andere Gründe hinzukommen, vor allem der verlorene Krieg. Ich bin überzeugt, daß unser „Ik und ganz Europa morgen einig wären, wenn alle diese Verbrecher durchschauten, die Meister der Luge und der Diplomatie sind. Der ganze Radau un Lande würde der großen Stille Raum machen, die einer großen Tat voraufginge. Bis jetzt hat eigentlich nur Rom die Gefahr erkannt. Wann werden es die Staatsmänner sehen, die General Hoffmann so hart anläßt, weil sie Kleinbürger find und nicht in Kontingenten zu denken wagen, wie es heute notwendig ist? Könnte ich doch mein aanses HerZ und auch all mein Wissen um diele Ange in diese Zeilen legen! Sie werden ja ver­fliegen, wie so vieles andere. Man wird nicht hören in dem Lärm um Nichts, den Millionen von ILen’tren vollfubren, die halt nur einmal unter bem harten Schickfak der Arbeitslosigkeit stehen und der Verzweiflung nahe sind- vc r £er D^Iicren wir auch heute nicht den Humor. Aur bem Wege zu dem gewaltigen neuen Funk­haus in Berlin habe ich doch die Ausstellung der Grünen Woche gesehen! Das ist ja herrlich, auch wenn man nur -das Gegacker der Hühner hört, die ottenbar bie Menschen »noch zu übergackern suchen. . *ei 'hnen verziehen, denn sie legen boch we­nigstens Eier babei und gackern eigentlich nur bann, wenn sie etwas geleistet haben . . . Man muß auf Gott vertrauen. Ich sage es mir jeden Tag und bin froh. Aber aus all dem Muh und aus all dem Gegrunz der Schweinchen und bem Vah ber Schafe dort hörte ich nur immer den Ruf: An allen Ecken Moskau . . .

Die Vatikanstadt.

Von Geh. Oberbaurat Dr. ing. unb Dr. phil. Stübben.

Die vorgenannte neue Partraße mündet ab- steigend gemeinsam mit ber de Domchor umfah­renden Via della Fondamenta zuf einen freien Platz, Cortile del Forno genatt, an derselben Stelle, wo nach Westen die Stti'e zu dem unter dem Namen Zecca bekannten ®täubetraft führt. Dieses zu bescheidenen Dienstwolungen dienende Bauwesen ist der Umgebung anpgßj worden.

Westlich vom Govematorato, vj der Bia Scac- cia zugänglich, bemerken wir nt zwei ansehn­liche Neubauten: das SeminaiD ® Ho pico und die nach einem Plane des wGekannten In» genieurs Marroni erbaute Radistation, bie vor kurzem durch Se. Heiligkeit persstjch mit Dan- kesworten an Marconi eröffnet whx Auf ber von Grünanlagen eingefaßten Via G^cia gelangt man, an ber im Jahre 1905 erridfen ' Kirche Notre Dame de Lourdes vorüberwcdernd zur Zecca und weiter in den schönen, im ([gemeinen nicht zugänglichen päpstlichen Garten,Hessen an­ziehendstes Schmuckstück.die Villa Pia, Garten. Haus des Heiligen Vaters bildet.

HSNmStzen Sfiöänöer

SNhmdschiihe Unletjeuge

empfiehlt ZAHNEF

Itunben. Damals kam van rechts der Zuruf: „Nach j.tzbem Kriege wird es besser." (Hört, hört, links.) Mack kann die heutige Not nicht beheben mit dem Hokuspokus der Nationalsozialisten, durch Beschwö- rungsfcrmeln und Tausendkünstler. Dr. Goebbels hat M^nt, die Jugend stehe hinter ihm. Beifall und Glückwünsche hat er am Schluß seiner Rede besonders von Herrn von Oldenhurg-Januschau erhal­len, ein Beweis, daß in erster Linie das ost elbische Junkertum hinter ihm steht. (Beifall links.)

Hierauf beantragt der nationalsozialistische Abg «t o e h r angesichts der vorgerückten Stunde die Berta g u n g. Präsident Lobe erwidert, daß vereinbart sei, die Debatte, wenn sie nicht zu Ende geführt werden könne, srühestens um 20 Uhr ab tu» brechen. Abg. Stoehr blieb jedoch bei seinem Ver- tagungsantrog unb bezweifelte bie Beschlußfähig­en des Hauses. Gleichzeitig verließen die Natio- uaisozialisten unb Deutschnationalen ben Saal Die Absicht ber Nationalsozialisten war, durch bie An­zweifelung der Beschlußfähigkeit eine Geschästsord- nungsbebatte heraufzubeschwören, in beren Verlaut fie versuchen wollten, zu verhindern, daß auf die Tagesordnung der Sitzung am Samstag die An­lage auf Aenderung der Geschäftsordnung und des Pressegesetzes gesetzt würden. Zur Verblüffung des Abg. stoehr jedoch erklärte Präsident Löbe, daß er selbst berechtigte Zweifel an der Beschlußfähig­keit habe und daher aus eigener Machtvoll- fom ment)eit bte Tagesordnung für die nächste Sitzung festfetzen müsse. Er be­raume sie an für mittags 12 Uhr mit der Tages- ordnung: Fottletzung der Debatte und Beratung der Anträge auf Aenderung der Geschäftsordnung und des Pressegesetzes. Abg. S t o e h r, ber als emziger Nationalsozialist im Saale verblieben war nef dem Präsidenten zu, feine Fraktion würde bie Gefchaftsordnungsreform schon verhindern.

meint, die gestrige Kanzierrebe sei zu spät gehatten wor­den. Die offensichtliche Stützung des Kabinetts Brüning durch die Sozialdemokraten mahne zur größten Borsicht. Gleichzeitig muffe man aber auch den rechtsstehender, Parteien vorwerfen, daß sie durch sture Oppofitionsstet- lung den anderen nationalen Parteien den Weg zur praktischen Mitarbeit verrammelten. Die Wirtschafts­partei habe für die Notlage der Landwirtschaft volles Berständnis, müsse aber entschieden eine Aktion ablehnen, bei der der gewerbliche Mittelstand zum Zu­sammenbruch getrieben werde. Die Wirtschaftspartei sei unschuldig an der Entwicklung der letzten zehn Jahre. Wenn sie trotzdem stets bereit fei, mitzuarbeiten, bann lasse sie sich von der hohen Auffassung bestimmen, daß nur Arbeit unb Pflichtbewußtsein zu einer besseren Zeit fuhren könnten.

Abg. Dr. Pfleger (Dayr. Voiksp.)

Wir begrüßen die Erklärung des Reichskanzlers, daß er bei ber Erledigung dieses Etats nicht an die Anwendung bes Artikels 48 denkt. Wir erwarten, daß die katastro­phalen Wirkungen der letzten Reichstagsaüflösung die Parteien veranlassen werden, mit allen Kräften an der rechtzeitigen parlamentarischen $4rab= Ichiedung des vorliegenden Etats zu arbeiten. Wir haben in der Kanzlerrebe ein Eingehen auf das von Minister Dietrich angeschnittene Problem einer Lohn- ft utzung zur Vermeidung von Arbeiterentlassungen vermißt. Wir hoffen, daß man bei den angekündigten weiteren Ersparnissen nicht einfach Reichsaufgaben'auf die Länder und Gemeinden abschieben will. In der Ost- hikfe muß den früheren Zusagen gemäß auch das Gebiet der bayerischen Ostgrenze einbezogen werden. Bor allem die traurigen Wohnungsverhälttnsse dort be­dürfen dringend einer Refotm.

Als dann

Abg. Dr- Mierendorff (Soz.)

das Wort erhielt, verließen bte National- sozialisten den Saal. Bleiben Sie hier, Herr Dr. Go eb b els, .begann der Redner,

wenn Sie den Mut haben, einem Frontsoldaten ins Auge zu schauen.

Wir wären heute schon weiter, wenn alle am Wieder­aufbau mitgearbeitet hätten. Aber Sie (nach rechts, gaben hinter dem Bitsch gesessen unb Steine auf uns ge- I ?orUn'. a(s J?'r, den Karren aus dem Dreck zogen. Nickt die Nationalsozialisten haben die Katastrophe vorausge- I ;agt, wie sie behaupten, sondern wir. August Bebel hat .setyerzett im Reichstag erklärt, daß ,•

hinter jedem kommenden Kriege Arbettslosigkelt, Hunger mtb Massenelend

r'™±*ben deutschen Friedhöfe und c®. Ä L Torweg des SakristekgebäuL °7j £ie. PZZa della Sagrestta, wo wir links den als Sitz L- Dornoenvaltung und des öffentlich^ ?emTnftn&iK9erid,teten Palazzo San Carlo mit d-m anstoß-d^ Neubau der Wohnung des ‘Hrciprete, ^radeaus bas 4

Iustizgebäude urngsstaltete ^ntaltge Seipario Minore erblicken. Wenden »•r nm den Chor des Domes auf der

delle Forfimenta zu umwandern, so werl durch die hier ausgeführten um- ?"len. Die bisherigen Gruppen an der genannten Straße und ®la«accta und die bei den Romern ^.l'ebte Klei. Sankt Martha-Kirche einer ‘ ?rden, um den Domchor mit

. e /•. 605 Kugele Gelände emporsteigenden, ziemlich ausgedehnt Parkanlage zu umgeben. Es loll nicht verschwieu werden, daß diese Maß- ?ie Mißbtlliing angesehener Architekten Roms „hervorgerufe^at, die in dieser „Frei, legung eine Sdjabigig des gewaltigen Eindrucks meiI dadurch ein äußerst wirkivmer Maßstab füdie Betrachtung des Gan- llkganger»st. Umgekehrt verspricht Momo sich aus der Filegung und der Park- anlage eme Steigerung künstlerischen Eindrucks. ®s ist dieselbe Differenz Anschauungen, die fast bei al en „FreileMNgeu mfrer Zeit zu Tage ge- Kötn" ' ®.'Heren\ die bekanntlich beim Kölner und beim Ulmer Om so weit geht, daß ariner^IVei C ^^derbebaing der Freifläche in Aussicht genommen ist. Dchz dürfte aber den un. befriedigten römischen Fachuten jedenfalls bei- zupfsichten fern, daß der A^ch der Chiesa di Santa Marta zu bedauern i Man hätte dieses Kirchlein wohl in sehr anzieuder Weise in die Parkanlage embeziehen könne,und so den Maß­stab nicht ganz verloren.

Aeue Bücher.

. Wm> A. — Unseres Heiligen Vaters Pius XL, lUiS„5.otf ,c^e Vorsehung Papst, Rundschreiben über bie ?-rrJ"-r?e m Hinsicht auf bie gegenwärtigen Ver­hältnisse, Bedrängnisse, Irrtümer unb Verfehlungen in Familie unb Gesellschaft. (31. Dezember 1930: „Easti commbll ,) Autorisierte Ausgabe. Lateinischer unb beut- Icker Text. Amtlicher deutscher Text für sich. 1 Mk.: ab 25 Stück je 0.80 Mk. Freiburg im Breisgau 1931, Jieröer. Em hochwichtiges und allgemeines Aufsehen er­regendes Rundschreibens(„Easti cbnriubii") hat Papst "ms XI. am 31. Dezember 1930 über die christliche Che "l°llen Seme Bedeutung liegt in der scharfen Be- । ™Wesens der von Gott selbst eingesetzten und -N^hnstus wiederhergestellten und zum Sakrament

: in der Kennzeichnung und Zurückweisung^ moderner Irrtümer über Ehe, Eheschei- duna, neue „Ehe"-Formen, Geburtenregelung Eingriffe m ha- Leben von Mutter und Kind, in bte körWche n* ^n'htr UsTrb p^sonliche Freiheit Minderwertiger; end- !ch 'n der Angabe von Mitteln zur Rettung der christ­lichen Ehe zum JBeften der Familie, des Staates und der ganzen Menschheit Der Herderfche Verlag bringen autorisierter Ausgabe den deutschen Text mit Gliederung durfl 3™1 chenuberschriften und mit Nummerierung der Absätze (sehr nützlich für bte Zitierung!). Daneben eine besonders für Priester, katholische Mediziner und Ju­risten wichtige autorisierte Ausgabe des lateinischen und deutschen Textes, als Bestandteil'der bekannten autori- fierten Enzyklikaausgaben. .

TrlbutverpMchtungen die wöti»e innere Wiber­st and straft bet uns oorhanben ist. In ber Osthilse lehnen wir bie Vorhasiungen des Herrn Dr Klemer ab. Mit bänger Sorge blicken wir ’ auf bas Vordrmgen gewisser Kräfte aus dem Moskauer Organi- satwnszentrum nach Deutschland. Wir sehen auch mit Sorge auf bie Entwicklung ber Kulturpolitik in Preußen unb fordern, daß auch der evangelischen Kirche ein Ver­trag gewährt werde, der chr in Preußen bie Gleichbe- rechtigung mit ber katholischen Kirche gewährt. Der Be­griff der Mittelpartei, den wir oertreten, hat seine Be­währung in der deutschen Geschichte oft genug bewiesen. Ste (zu ben Nat.-Soz.) sollen diesen Nachweis für ihre Bewegung erst erbringen.

Abg. Simpfenboerfer (Ehr. Volksb.)'' gab eine Erklärung ab, in der es u. a. hieß: Unsere Stellung zum Kabinett Brüning wird dadurch bestimmt, baß es die politische Krise erkennt und in feinen Hand­lungen sich einer Politik der Straße und ber Verant- n’Drittngst£Tfigteft entgegenstellt. Wenn bas Kabinett Brüning weiterhin auf unsere Unterstützung rechnen will, bann muß es gegen alle Widerstände auf diesem Wege weiterschreiten, bis die Autorität der Staatsgewalt wieder gesickert ist. Wir werden daher auch alle Maßnahmen unterstützen, > die geeignet finb, bie Arbeitsfähigkeit zu heben. Wir erwarten von der Regierung, daß ste allen Beftrebungen, weitere Sparmaßnahmen nur auf Kosten ber sozialen Einrich­tungen des Reiches zu treffen, ein rücksichtsloses Nein entgegensetzt.

Abg. Mollalh (15p.)