Irr. 32
Verlage zur Fuldaer Zeitung
8. Februar
Sonntag Sexagefima.
Eingangslicd: Ps. 43, 23—26-
Wach auf, Herr, warum sch'äfft du? Wach auf, verstoß uns nicht auf ewig. Warum wendest du dein Antlitz ab, vergissest unsrer Not? Es Hebt am Boden unser Leib. Wach aus, Herr, steh uns bei, erlöse uns <Ps. ebd. 2). Gott, mit eigenen Ohren haben wir's gehört, unsre Väter haben es uns erzählt.
Evangelium: Luk. 8, 4—15.
In jener Zeit, als eine sehr große Volksmenge zusamnienkam und Leute aus den Städten zu Jesus strömten, trug er folgendes Gleichnis vor: , Ein Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Beim Säen fiel einiges an den Weg, wurde ,zertreten, und die Vögel des Himmels pickten es auf Anderes fiel auf steinigen Grund. Es ging zwar auf, verdorrte aber, west es keine Feuchtigkeit hatte. Wieder anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen mudVen mit auf und erstickten es. Anderes endlich fiel auf gutes Erdreich, ging auf und trug hundertfältige Frucht." Bei diesen Worten rief er aus: „Wer Ohren bat zu hören, der höre!" Da fragten ihn seine Jünger, was dieses Gleichnis bedeute. Er antwortete ihnen: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen' den anderen werden sie nur in Gleichnis» sen dargeboten, damit sie sehen und doch n:cht sehen, hören und doch nutzt verstehen. Das Gleichnis bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. Die am Wege sind jene, die es hören: dann kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht g'anben und nicht gerettet werden. Die auf steinigem Grund find iene, d«e das Wort nvar hören und mit Freuden aufnehmen. Doch sie haben keine W'rrzeh. eine Zestlana glauben sie, aber zur Ze»b der Versuchung sollen sie ab unter die Dornen f:er. st jene, die das Wort 'war hören, aber dann in den
Lebens aufgehen und es ersticken und fo keine Frucht bringen. Was endlich auf gutes Erdreich fiel, lind jene, die das Wort hören, in einem guten und edlen Herzen bewahren und Frucht bringeu mit Beharrlichkeit."
Sollen wir Metzen und es Lusreitzen?
Denke dir einen Weizenacker, der über und über bedeckt ist mit rotem Mohn und blauen Kornblumen. Es wird vielleicht mancher davorstehen und sich freuen über die buntfarbige Pracht.
Anders der Bauer. Wenn ihm der Acker selber gehört, wird er wahrscheinlich nicht ohne Zorn an ihm vorübergehen, und wenn es ein fremder Acker ist, wird er wohl auch nicht viel Freude an dem bunten Unkraut haben.
Von einem solchen Unkrautacker svricht der Heiland im heutigen Evangelium. Ich brauche dir nicht zu sagen, daß das nur ein Sinnbild ist, daß der Heiland mit dem Acker etwas anderes meint. Der Acker ist die West, und was barmtf wächst, das sind die Menschen, gute und böse, Weizen und Unkraut.
Die Knechte im Gleichnis ärgerten sich über das linkraut und wollten es ausreitzen. Und wenn wir heutzutage in die Welt schaue» und da all das Unkraut sehen, wird es uns kaum anders gehen wie den Knechten damals, und wir sind sicher der Meinung, es dürfe einmaF gründlich aufgeräumt werden mit dem Unkraut. Wahrscheinlich wären wir auch gern bereit, mitzuhelfen beim Ausreißen, wir würden am liebsten mit Feuer und Schwert hinemfahren in akk das Unerfreuliche, Verdorbene, das sich nach unserer Ansicht heutzutage breit macht, gerade wie damals die Knechte.
Aber der Herr sagt: „Lasset es sieben, lasset es zusammen wachsen bis zur Ernte." Wenn wir die Macht hatten/ all das auszurotken, was wir für Unkraut hasten, ob das gut wäre? Ich glaube nein. Es bliebe wohl kaum etwas übrig. Darum ist es wohl richtig, beides zusammen wachsen z« lassen bis zur Ernte. Dann wich der Herr scheiden.
„Dann brauchten wir uns nm das Unkraut gar keine Sorgen zu machen?"
Das wäre falsch gedacht. Jeder vernünftige Bauer wird gegen das Unkraut auf seinen Aeckern kämpfen, so gut er kann. Er wäre ein schlechter Landwirt, wenn er den Kamvf deshalb auf gäbe, weil er aussichtslos ist. Und feder denkende Mensch wird gegen das Döse kämvfe«, so lange er es vermag. Der beste Kampf gegen das Böse aber ist, das Gute selber z« tun. Das vergessen wir gar zu gerne.
Einer, der auch Bescheid ums Leben wußte, sagt: „Wer recht wirken will, muß nie schelten,
Romsahrl eines Fuldaer Fabrikarbeiters.
31 von M. ®.
Am Freitag, den 27. Juni, zelebrierte Kaplan Fähnrich von St. Bonisatius-Berstn in der Kirche der Camil- lianer eine Pilgermesse. Zwei Fahrtteilnehmer ministrierten. In ihr hielten wir unsere feierliche Pilgerfommu- nion.
Nach dem Frühstück fuhren wir nach dem Patilani- schrn Muieum. Wir besichtigten die kostbaren Geschenke, die den Päpsten von allen Ländern dargebracht worden sind, Gemälde und Statuen, die von berühmten Künstlern geschaffen wurden, große Säle mit kostbaren Decken und Wandgemälden von Michelangelo liehen uns staunen. Zuletzt sahen wir noch die fixtmische oder Papft- kapelle.
Inzwischen war es Mittag geworden. Nach einer zweistündigen Pause ging die Fahrt zum Kapikok. Die Heber« reste des antiken Rom finden sich in der Hauptsache am Kapitol und Palatin. Den südlichen Abschluß des Platzes bildet das gewaltige Natronaldenkmal, das 1911 beendet wurde. Es hat eine Länge von 135 Mir. und >st 130 Mir. breit und enthält viele Statuen und Gruppenbilder, in der Mitte steht das vergoldete Reiterstandbild Viktor Emanuela; über der Freitreppe ist der »Altar des
sich um. das Verkehrte gar nicht bekümmern, son- dem immer nur das Gute tun. Denn es kommt nicht darauf an, daß emgecissen, sondern etwas aufgebaut werde, woran die Menschheit reine Freude empfinde."
Sofien wir hingehen and eS ausreißen? Ja, wenn wir sicher sind, daß wir dem Weizen dabek nicht schaden.
_ Wichtiger aber aks diese Frage ist für uns die Sorge dafür, daß wir nicht Unkraut, sondern Weizen sind.
Aus dem Bistum Berlin.
Zwei denkwürdige Tage für das Bistum Berlin waren der 1. und 2. Februar dieses Jahres. Arn Sonntag Septuagesima fand, in der Hedwigs- tathedrale dis dritte Priesterweihe ftatt; zum ersten Male erteilte sie Bischof Dr. Schreiber als Ordinarius von Berlin. Zwölf Herren aus der Diözese Berlin und einer aus der Diözese Meißen wurden mit der priesterlichen Würde ausgestattet. Ist es auch schwer, zahlenmäßig festzustel- len, in welchem Matze der Nachwuchs im Klerus einer Diözese sich Jahr für 2ahr ergänzen mutz, so darf man doch sagen, daß zwölf eine stattliche Zahl für ein junges Diaspora-Bistum ist. Die Zahl beweist, daß die Diözese Berlin auf dem besten Wege dazu ist, die nötige Anzabl Priester selber zu stellen. So ist diese letzte Priesterweihe ein Beweis für die Lebensfähigkeit des neuen Bis
tums. Zu denken gibt freilich der Umstand daß e l f der Neupriester aus Groß-Berlin stammen und nur einer aus dem weiten Gebiet der Provinz Brandenburg und Pommern, nämlich aus Stettin. Auch bei den beiden Ordinationen des vorigen Jahres im Februar und Juli war nur einer aus dem Gebiet außerhalb der Bifchofsstadt, und einer von außerhalb der Diözese, der aber für die Diözese Berlin optiert hatte. In der Reichshauptstadt liegen eben die Verhältnisse für das Zusammenhalten der Katholiken und für Weckung und Pflege von Priesterberufen bedeutend günfti» ger, weil hier der Prozentsatz der katholischen Bevölkerung über zehn Prozent ausmacht, während außerhalb der Satz nur zwilchen drei und vier Prozent steht. Bei der Feier ist übrigens das Domkapitel von Berlin, obwohl noch nicht feierlich eingeführt, zum ersten Male amtlich aufgetreten durch Mitwirkung bei der Priesterweihe.
Die feierliche Einführung der am ersten Januar ernannten Domkapitulare und des vom Hl. Stuhl bereits im Dezember ernannten Domprostes fand am 2. Februar durch den Bischof statt. Die Feier bestand in der Verlesung der bischöflichen und päpstlichen Dokumente, in der Ablegung des Glaubensbekenntnisses, des Eides ‘gegen den Modernismus und des Treueides gegen den Bischof, den Papst und das Kapitel. Wie in mehreren deutschen Diözesen hat der Hl. Stuhl betreffs des gemeinsamen Chorgebets der Berliner Domherrn weitgehend dispensiert.
Die Wpste und der Medensgedanke.
Eine fast prophekifthe Warnung Leos XIII. vor der Aufrüstung. — Die Rolle der drei letzten Päpste.
Der „Offervatore Romano" vom 31. Januar veröffentlicht einen bedeutsamen Artikel unter der lkeberschrist „Vie Päpste und die Entwaffnung", dem wir die wichtigsten Stellen entnehmen.
Di» erste deuttiche Warnung vor btrt
Gefahren des allgemeinen Wettrüstens
ging seinerzeit van Papst Leo XIII. aus. In einem päpstlichen Schreiben vom 20. Juni 1894 anläßlich seines Bisibosssubiläums sagte er: „3m Geiste sehe« Wir tuen Zustand Europas vor Uns. Seit längeren Jahren leben wir jetzt schon in einem mehr scheinbaren als wirtlichen Frieden. Wie de- feffen von einem gegenseitigen Argwohn treiben fast alle Völker ihre Bewaffnung auf die äußerste Spitze. Die jungen, noch unreifen und unerfahrenen Männer werden fern von den Ratschlägen und weisen Erfahrungen Ehrer Eltern den Gefahren des Militärlebens ausgesetzt. Die Jugend wird in der Blüte ihres Lebens ihrer Beschäftigung auf dem Acker, ihrem fchönen Studium, dem Handel und der künstlerischen Arbeit entrissen und eine Reihe von Jahren für de» Wastenberuf herange» bstdet. Infolgedessen bie ungeheuren Ausgaben, die Ueberbelastung der Staatshaushalte, weiter die neiroefibige Desckmeidung des nationalen Reichs- tums und des Vrioatbesitzes; und mir sind pht schon soweit gekommen, dich mir die Lasten vieles gewappneten Friedens nicht länger mehr tragen fönnen.
Soll dies der na t ü rli ch e Z u st an d der Gesellschaft fein? E, ist unmöglich, aus dieser Krisis herausznkonnnen und in eine Zeit des Friedens einzugehen ohne die wohltätige Dazwischenkunft Christi. Denn, »m die E h r s u ch t, das Begehren nach des Nächsten Gut und den Geist der Rivalität, diefen dreifachen Herd, ans dem der Krieg gewöhnlich entbrennt, zu unterdrücken, ist nichts wertvoller als die christlichen Tugenden und vor allem die Tugend der Gerechtigkeit WiM btt affn, daß das Völkerrecht geachtet wird und daß die Ehrfurcht vor den Vertrügen nicht ,m Schaden kommt; willst du, daß die Bande her Bruderschaft inniger und erhabener werden, barm mußt bn dich davon überzeugen, daß allein die Gerechtigkeit die Völker erhebt; Justttia eleoat gentcm."
Gelegentlich der Initiative des russischen Zaren zur Entwaffnung sagt der Papst, nachdem er sich aus die
Eiaheik der Kirche als w"bre und höchste Gewähr für ben Frieden
unter den Völkern berufen hatte, in seiner Ansprache vom 11. Februar 1889 noch folgendes: „Herrscher und Bölter verlangen nach dem Frieden und bezeugen immer deutlicher ihre Abkehr vom firteefc Ohne Zweifel ist diese Abkehr höchst gerechtfertigt. denn kann auch der Kampf mit den Waffen zuweilen erlaubt sein, fo bringt er doch immer eine große Anhäufung von Unglücksfällen
mit sich. Wieviel größer wird dieses Unglück sein, wo die augenblicklichen Heere so ungeheuer groß sind, die Kriegswissenschast so riesige Fortschritte macht und die Zahl der Mordwerkzeuge ins Unermeßliche steigt! Immer, wenn Wir Uns mit diesen Gedanken beschäftigen, ergreift Uns eine stets größere Besorgtheit um die christlichen Völker, und Wir können uns nicht der bedrückenden Angst vor den furchtbaren Katastrophen entziehen, die ihnen bevorstehen. Darum fft nichts von größerer Wichtigkeit, als die Kriegsgefahr für Eu- ropa herabzusetzen, und deshalb muß auch alles, was zu diesem Zwecke getan wird, als eine Arbeit zum Nutzen des Allgemeinwohles betrachtet werden. Die drohende Vermehrung des Kriegsmaterials trägt eher dazu bei, die Rivalität und den Argwohn anzustacheln als zu unterdrücken; hierdurch werden die Geister in Verwirrung gebracht, weil man in unruhiger Erwartung beffen lebt, was aesckzehen soll, und es entsteht noch der ernsthafte Nachteil, daß den Völkern übergroße Lasten auferlegt werden, fo daß man sich fragt, ob diese letzten Endes tragbarer feien als der Krieg selbst."
Seine Heiligkeit beschloß die Ansprache, indem er tagte, daß Friede werden möchte in Gerechtigkeit und Nächstenliebe!
Ungefähr dieselben Bilder und Ermahnungen finden wir ausgesprochen in der Ansprache, die Leo XIII. kurz darauf am 11. April hielt, als er die Initiative zu einer Entwaffnung begrüßte als einen Lichtstrahl des seinem Ende zueilenden Jahrhunderts. Und als er am 29. Mäm desselben Jahres ein Schreiben der Königin Wilhelmine von Holland beantwortete, die ihm die Haager Friedenskonferenz ankündigte, da bot er die ganze Hilfe und Mitarbeit des römischen Pontifikats an, das im emenftm Sinn ein Friedensamt ausübt.
Ueber die
Friedensliebe Pius' X.
brauchen wir hier nicht zu sprechen; er ist beinahe ihr Opfer geworden. Auch brauchen mir nicht zu erinnern an die Friedensrnission, dieBene d i k t XV. während und nach dem Kriege aus- fibte. Es möge genügen, anmfuhren, daß er als Richtschnur für einen „gerechten und dauerhaften Frieden", um den er in feiner Note vorn 1. August 1917 flehte, angab „der erste und sundarnentale Punkt müsse fein, dgß an Stelle der materiellen Kraft derWafsen die moralische Macht des Rechtes trete." Darauf fußend: „eine rechtmäßige Uebereinfunft öfter bezüglich einer gs"ickneitigen und gegenseitigen Verminderung der Rüstungen ngch näher zu besttm- menden Normen und Garanten. notwendig und genügend, um die öffentliche Ordnung in den einzelnen Staaten zu sichern." In feiner Enzyklika „Pacem Sei mnnus" Dom 23. März 1920 wie« er hm auf „die allgemein anerkannte Notwendigkeit, die ungeheuren Heeresausgaben, die nicht länger ron den Staaten getragen werden können, wenn
Vaterlandes" mit dem „Grab des unbekannten Soldaten". Am Fuß »es Sapitofs war der Tempel Befpafians (80 n. Ehr.), von dem der Unterbau und drei schöne korintilche Säulen aus der Vorhalle erhalten sind, ferner der Con- cnrbiatempef; daneben tag am Festen der Mamertlnlfche Kerker, in dem auch der hl. Petrus lange Manat« gefangen gehalten rowrbe. Ueber dem Kerker liegt ein Kirchlein der Tifchlerbrsderfchaft zum hl. Joseph.
Tarnt kamen wir zur Hauptkirche der Jesuiten. Im Ouerschiff steht ein kostbarer Marmoraltar, darunter befindet sich das Grab des hl. Ignatius in einem vergoldeten und mit Kristall bedeckten Sarg. Ein Seitenaltar enthält kostbare Reliquien des hl. Franz Tav e- rtu s. Auch der hl. Aloysius ist hier begraben. Das große Deckengemälde stellt die Verherrlichung des hl Ignatius dar.
Geht man einige Schritte nach der Rückseite vom Pantheon, so stehl men vvr der einzigen gotischen Kirche Rom's. Der Ban ist Ende des 13. Jahrhunderts von Sommtfanem aus Florenz als dreisch'ffige Hallenkirche mit Querschiff und niedrigem Chor errichtet und vor etwa 70 Jahre» erneuert worden. Unter dem Hocyaltar ruhen die Gebeine der hl. Katharina von Siena. Auch sind in dieser Kirche 5 Päpste und 60 Kardinale beigefetzt. In der Sakrameotskapelle steht auf einem Altar «ine Statue des
Jesukindes aus dem 15. Jahrhundert; sie wurde von einem Jranziskanerbruder in Jerusalem aus Olivenholz geschnitzt und nach Rom gebracht. In das Pantheon fanden mir keinen Einlaß, weil es zur Militärkirche hergerichtet werden sollte. Run kamen wir zur Laterankirche San Giovanni in Saterano, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht ist und in der der Papst Leo XIII. feine Grabstätte hat. Im Innern fesselte uns die prächtige Holzdecke des Mittelfchiffes, ferner der Choralabschluß mit allen Mosaiken. Im Hof hinter dem Chor ist ein Leo XIII. gewidmetes Arbeiterdenkmal. An der Westseite des Platzes ist das Salvakorspital, südwestlich die älteste Taufkapelle Roms (San Giovanni in fcnfe). In früheren Jahrhunderten pflegten die Päpste am Char- samstcig hier feierlich die Taufe zn spenden. Bon hier aus hat der Weiße Sonntag seinen Namen, weil die Christen der damaligen Seit nach der Taufe weiße Kleider trugen bis zum ersten Sonntag nach Ostern. Noch heute warten in Rom viele Mütter mit der laufe ihrer Kinder bis zum Charsamstag.
Jetzt kamen wir zur berühmten heiligen Stiege mit ihren 28 Marmorstufen. Nach alter Tradition ist d'es die Trepve, über die der Heiland nach der Geißelung im Paläste des Pilatus emporgeführt wurde, um dem Bolte gezeigt zu werden. Die Treppe ist mit Holz überkleidet und darf nur auf den Knien begangen werden.
nicht abzuschaffen, Io doch zu verringern, damit auf diese Weise in Zukunft die mörderischen und schrecklichen Kriege verhindert und jedem Volke innerhalb seiner rechtmäßigen Grenzen die Unabhängigkeit und Unversehrtheit seines eigenen Gebietes gewährleistet werde."
Was den ruhmreich regierenden
Papst Pius XI.
betrifft, fo gab er von seiner ersten Enzyklika vom 23. De,zember 1922 ab der Welt die Versicherung: „Dem Werk der Wiederherstellung der christlichen Gesellschaft und des christlichen Friedens werden Wir alle Lebenskräfte widmen, die der Herr in feiner Güte Uns schenken wird", wobei er „ben wahren Völkerbund, das Christentum" als Vorbild hinstellte.
Jetzt, nach fast neun Jahren seines Pontifikates, kann ihm die Welt das Zeugnis ausstellen, wie lehr er seinem Leben «Programm, „den Frieden Christi im Reiche Christi zu befestigen", treu geblieben ist. In einem Schreiben durch den Kardi- nglstaatssekretär Gaftarri vom 29. Juni 1926 anläßlich der 18. fo'ialen Woche der französischen Katholiken zu Le Havre, sprach der Hl. Vater seine Genugtuung darüber aus, daß sie als Gegenstand gewählt hatten „den Frieden in den internationalen Beziebunaen" da er zu feinem bitteren Leidwesen seststellen müsse, daß „der Friede in derletztenZeit mehr ein nomineller als ein wirklicher Friede gewesen sei, da er die ernften Schwierigkeiten unserer Tage nicht habe entfernen können."
Diese aufweckenden Worte, die der Hl. Vater damals an die französischen Katholiken richtete, hat er nun wiederholt vor den Katholiken der ganzen Welt. Das Bedürfnis nach Frieden, das noch gewachsen ist infolge brr drückenden mirfichaftlichen Zustande, bas Interesse, das durch die Genfer Beschlüsse macbgentten ist, schgffen eine ideale Atmosphäre für das
Fciebensaposlolal,
das, gusgeübt im Namen und mit den autoritativen Worten des glorreich rea/erenhen Papstes und feiner Vorgänger, eine größere Wirkung erhält und reiche Früchte für die Zukunft verspricht.
20 Zahre neuzeitliche Seelsorgehilse.
Ein Subiläum der „Freien Bereinigung für Seelsorgshilfe".
Am 17. Januar waren es 20 Jahre, daß zu Hannover im Hause des Reichstagsabgevrdneten Pfarrer Dr. Maxen die „Freie Vereinigung für Karitashilfe in der Seelsorge" gegründet wurde. Im Hinblick auf die neugelagerten Seelsorgsver- hältnisse steckten sich führende Verbände und Ein- zekpersünlichkeiten das Ziel einer zeitgemäßen Akti- vierung und Vertiefung der eben erwachten lcnen- apostoliscs'en Bewegung wie der modernen Pasto- ration überhaupt. Bei betonter Untenrrbnirng unter die kirchliche Autorität und die Interessen der Pfarrgemeinde stellte man sich besonders folgende Aufgaben:
1. Die Idee des Laienavostokats in den weitesten Kreisen zum Pflichtbewußtsein zu pertiefen.
2. Die Haupt- und ehrenamtliche Seelsorghftfe überall anzuregen und dafür entsprechende Schu- lungsmögsichkeiten zu bieten.
3. Der eigentlichen Seelsorge die modernen Hilfsmittel wie neuen Aufgabengebiete zu erschließen.
Die feit 1922 reorganisierte „Freie Vereinigung für Seelsorgehilfe" mit dem Sitz in Freiburg i. Br. bat zielbewntzt ihren so tiorgretcbneten Weg beschritten. Die Laienarbeit an der Lösung der neuzeitlichen PastyralvroSftme ist beu*e nicht mehr Gegenstand deutscher Diskussion, sie ist weithin Praris — auch in der Form von vortrefflichen bewährten HauptberufMen Gemeindehelferinnen. Die verschiedenen Tvven der SeeTforgebilfe, besonders auch die Distriftsvusteilung, haben sich gut bu-ch- vefttzt. Angetangen vnn Kartei. Kirchenbfaft, Pfarrsübrer u'w. steht die Verwendung der technischen Hilfsmittel im Dienste der Seelsorge nicht mehr in Frage, und manch' neues Aufgabengebiet ist erschlaffen, an das man früher nicht denken konnte. Die „Fre'e Vereinigung für Seefforge- ksiffe" Hut sich unter der Gefch^ftskohrlkyg durch ihren bewährten ^eneralsefrefär ta. Mi^elm W i e« fen O. S. C„ für diese kraftvolle, zukunftssichere Enta,ickd'ng führend emgefetzt.
Die bischöflichen Richtlinien des l-ßten Jahres Teufen das Kcrimtaugenmerf nunmehr auf die Affinierung der Vtarraussämsse für Kathofifche Akfton, auf planmäßige Stiftung der Laien- belfer, den Ausbau her beruflichen G»meindehilfe und aew'fse fnezftiie Fragen d»r S^ichteuseelfn'-ge. Damit ist der to':tere Weg f’~r die „Freft Ver- «ini"Ung für SeetzO'mehilfe" klar umschrieben.
Von der hl. Stiege kommen wir in die Via Meru- lana nach der Kirche San Antonio, Sitz der Ordensleitung der Franziskaner. Die Kirche S. Agostino ist der Mittelpunkt der Müttervereine Roms, weil in der Kirche das Grab der hl. Monika, der Mutter des hl. üluguftinus, »ft. Unser Weg führte weiter zum deutschen Nationalhospiz, der Anima, wo sich ein Priesterkolleg und die Wohnung des kath. Seelsorgers für di« Deutsch«» Roms befindet. Inzwischen war es Abend geworden, und wir bedurften nach der langen Besichtigung dringend der Ruhe.
Am nächsten Tage besuchten wir di« außerhalb der Mauern Roms liegenden Katakomben. Die Basilika der Märtyrer Nervus und Achilleus machte besonders starken Eindruck auf mich, sie wurde im 4. Jahrhundert erbaut, später aber durch ein Erdbeben verschüttet und erst 1874 wieder ausgegraben und notdürftig erneuert; es ist ein überaus feierlicher Raum, in dem öfters die hl. Messe gelesen wird. An den Wänden bemerkt man viele symbolsiche Zeichen und Bilder, $. B. Fische, Christus ohne Bart, Tauben, Ankerkreuz, so auch die Taufe, Körbe mit Brot, die Arche Noe's, das Altarsakrament, das Leben Ionas, die Auferstehung des Lazarus ujw. Bemerkenswert sind besonders die fünf Sakramentskapellen mit uralten Wandgemälden. Auch die Grabkapelle der hl. Cacilia, die hier bis 818 ruhte, wurde besucht.
(Fortjetzung folgt.)