FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Jtr. 26
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilogen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Sonntag, 1. Februar 1931.
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58. Zahrg.
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as will der russische Aünsjahresplan?
Von
Es dürfte sich selbst bei den fanatischsten Anhängern der kommunistischen Idee herumgesprochen haben, daß man heute nicht mehr gut den rufst- schen Arbeiter als einen vom Sklavenjoch der kapi- talistischen Wirtschaft befreiten Menschen hinstellen kann. Denn so viel ist sicher, daß heute der russische Mensch unter Bedingungen zu arbeiten gezwungen ist, welchen keine Arbeiterschaft in den kapitalistischen Ländern unterliegt. Immer mehr findet die Zwangsarbeit Eingang und die Freizügigkeit der Arbeit ist so gut wie aufgehoben. Sogar die Familienmitglieder der Arbeiter werden registriert, ebenfalls die Kinder, auch dann, wenn sie keine Lohnarbeit verrichtet haben. Immer neue Gruppen aus den Reihen der Registrierten sendet das Arbeiterkommissariat an die Arbeit. Wer die Arbeit verweigert, wird aus der Lebensmittelversorgung gestrichen. „Alles für den Fünfjahresplanl" — So heißt in Rußland heute die Parole.
Was bringt nun dieser Plan, dessen Idee von Stalin stammt und dahin geht, Rußland im Eilzugstempo zu industrialisieren, für die übrigen europäischen Staaten an unmittelbaren Auswirkungen mit sich? Zunächst die Tatsache, daß Rußland heute mit billigen Preisen auf dem Weltmarkt schleudert. Daß diese Preise auf Kosten der russischen Arbeiter erzielt werden, sei nur nebenbei erwähnt. Denn während der Russe mit Weizen in den Vereinigten Staaten .jdurnpt", wartet in Moskau eine frierende und hungernde Bevölkerung auf die Zuteilung des durch Karten rationierten Brotes. In England „dumpt" man mit Holz, indem man den Versuch macht, dort den skandinavischen Holzhandel zu zerschlagen. Man will auf alle Fälle versuchen, durch dieses an»
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dauernde Dumping stetige Unruhe auf dem Welt- wirtschaftsmarkt zu erzeugen. Durch die Verschärfung der allgemeinen Wirtschaftskrise hofft man im Heer der Unzufriedenen auf der ganzen Welt neue Aufnahmebereitschaft zu finden. Ein Probe- Alarm, wie weit diese Aufnahmebereitschaft geht, soll am 25. Februar 1931 bei dem sogenannten „Weltarbeitslosentag" gemacht werden. Die Bestrebungen im Zusammenhang mit dem Fünf- jahresplan in Rußland gehen nun nicht etwa dahin, Handel zu treiben und Wohlstand zu entwickeln, sondern durch die ökonomische Macht auch die politische Macht in der Welt in die Hand zu bekommen. Mit anderen Worten, die Sowjetwirtschaft will in Zukunft nicht mehr als Preis-Diktator aus Zwang, sondern mit der ganzen beweglichen und rücksichtslosen Macht eines zentralisierten Wirtschafts-Imperialismus auf dem Weltmarkt erscheinen.
Wird dieser Plan gelingen? Das wird vor allen Dingen vom russischen Menschen selbst sb- hängen. Die Zukunft wird darüber entscheiden, ob er sich in das starre Schema, in welches ihn die Fanatiker der kommunistischen Partei zu zwingen suchen, einfügt und sich zu einem hochqualifizierten Industriearbeiter und Maschinenpfleger machen läßt. Was im übrigen die Auswirkungen des Fünfjahresplans für die europäische bezw. für die Weltwirtschaft betrifft, so wird es gut sein, wenn man sich mit diesem Fünfjahresplan sachlich auseinandersetzt und nicht alle Zahlen, die über ihn verbreitet werden, nur al's reine russische Propaganda betrachtet, sondern Mittel und Wege sucht, die gefährlichen Einflüsse dieses Planes recht- zeiiio,.aufzuheben.
Nüchterne Aeberlegungen.
Geht's zu Ende mit dem Kapitalismus? Bricht die alte Wirtschaftsordnung auseinander, um einem neuen System Platz zu machen? Wird der Mensch endlich Herr werden über Krisen und Konjunkturschwankungen und sie für immer bannen können? So schwirren täglich die Fragen umher und ein Schwarm von pfiffigen Projektemachern bietet uns gleichsam im Straßenverkauf die fertig verpackten Antworten an.
Es ist ja nicht schwer, wohlklingende Rezepte zu schreiben, zumal der Wirtschaftskörper deutliche Krankheitsstellen aufweist, die niemand von uns leugnet. Aber wer nun von der fixen Idee besessen ist, daß es ein Zaubermittel gibt, das an irgendeiner Stelle angesetzt, den ganzen Körper plötzlich gesunden läßt, ist ein gefährlicher Narr, der den Patienten eher töten als heilen wird. Alle Wundertäterei, die sich so wichtigtuend aufdrängt, endet hier bestenfalls mit irgend einem faulen Zauber, wahrscheinlich aber mit einer bösen Vergiftung und Verschlimmerung.
Nehmen wir doch beispielsweise die „Brechung der Zinsknechtschaft". Was wäre denn die Folge, wenn der Höchstzins plötzlich auf 4 Prozent festgesetzt würde? Etwa daß die Kapitalisten, Juden usw. kaltgestellt wären und nun ihr Kapital in hinreichender Menge für alle volkswirtschaftlich erwünschten Zwecke zur Verfügung stände? Genau das Gegenteil würde eintreten. Von den Kapitalisten würde keiner Not leiden. Sie haben ihr Schäfchen doch irgendwo im Trockenen, aber das Kapital — inländisches wie ausländisches, — würde die deutsche Wirtschaft fliehen und günstigere Plätze aufsuchen. Und nimmt man selbst an (was allerdings unmöglich ist), daß es gelänge, das inländische Kapital zwangsweise festzuhalten: das ausländische wäre uns mit einem Schlage verloren Die kurzfristigen Kredite würden sofort abgerufen und die langfristigen in dem Moment zurückgezogen, in dem wir sie zwecks Konvertierung kündigten. Das heißt aber, daß etwa 20 Millionen Rm. in kürzester Zeit an das Ausland zurückzuzahlen wären, ein Vorgang, der eine große Anzahl von deutschen Unternehmungen vernichten und zugleich unsere Währung aufs Schwerste gefährden, wenn nicht zerstören müßte.
Die Folge für die Wirtschaftslage und speziell auch für die wirtschaftsschwächeren Schichten, wie Arbeiterschaft, Kleingewerbe und Kleinbauern, liegt auf der Hand. Die Krise würde zur Katastrophe werden. Auf eine solche mechanische Weise ist ihr niemals beizukommen.
Gerade wer der Ansicht ist, daß unser Wirtschaftssystem einer durchgreifenden Reform bedarf — und das denken wir alle — gerade der muß sich klar fein, daß mit polterndem Dreinschlagen dem Mittelstand und den arbeitenden Massen am wenigsten gedient ist. Denn sie sind es doch, die letzten Endes den Schaden zu tragen haben, da sie ihn nicht weiter wälzen können. Wirtschafts- und Sozialreform kann nur behutsam, als langsamer Umbau des Bestehenden ins Werk gesetzt werden, nicht aber plötzlich und dazu noch auf dem Tiefpunkt einer so schweren Krise das alte Haus zertrümmern, um ein neues an seine Stelle zu setzen.
Eine völlige Verkennung des Kapitalproblems stellen auch jene Pläne dar, die mit Hilfe eines Baugeldes, d. h. zinsloser Staatskassenscheine, den öffentlichen wie den Wohnbau finanzieren und damit die ganze Wirtschaft ohne weiteres ankurbeln wollen. Wenn man glaubt, daß die Ausgabe solcher Kassenscheine keine Inflationswirkung narb sich ziehen könne, weil sie doch nur gegen Erstellung neuer Werte ausgegeben würden, so unterliegt man »iner großen Täuschung D'e Ouanti- tätstheorie des Geldes ist hier zwar anerkannt, aber in einem wichtigen Teile vernachlässigt: die neuen Staatskassenscheine würden ja nicht bloß einmal gegen die neugeschaffenen Waren bzw. Anla
gen getauscht, sonach weiter umlaufen, und damit unweigerlich preissteigernd wirken. Es fehlt eben das automatische Rückströmen, das den auf der Grundlage von guten Wechseln ausgegebenen Banknoten eigen ist.
Alle diese Finanzierungspläne laufen daher auf eine nackte Inflation hinaus. Würden sie in die Tat umgefetzt, so müßte sich das grauenvolle Beispiel von 1919 bis 1923 wiederholen.
Also auch hier statt Rettung aus Krise und Elend gerade ihre grenzenlose Steigerung, was sich wieder am brutalsten gegen die Schwächeren auswirken müßte. Wie sonderbar übrigens, wenn die Kapitalbeschaffung wirklich so einfach läge, daß man erst in unserer Zeit sollte darauf gekommen fein! Da Hütten sich also die Völker seit Jahrhunderten umsonst so viel damit abgeplagt und keine ihrer Weisen fand den Tip! Doch ist die Idee ja gar nicht so neu, wie sie scheint- Die Wirtschaftsgeschichte hält für immer einige abschreckende Beispiele bereit, wie den Mississippi-Schwindel des John Law und die Assignaten-Wirtschaft der französischen Revolution, und damit jeder, der über einen gesunden Verstand verfügt, sich den Unfug leichter klarmachen kann.
Kapital würde übrigens heute massenhaft und zu einem unter 4 Prozent liegenden Zinssatz zu haben fein, wenn nicht Rüstungen und Kriege in den zurückliegenden Zeiten immer wieder einen so großen Teil des gesammelten Kapitalvorrates aut« gefressen hätten. Da liegt der wunde Punkt- T\a sorge dafür, daß politische Entspannung eintritt (auch im Innern!), dann wird die Kapitalnot bald behoben sein.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuwet- fen, daß auch die Reparationszahlungen nicht die alleinige Schuld an der Krise tragen und daher selbst ein sofortiges Moratorium uns nicht aus dem Sumpf herausreißen könnte. Neben den an das Ausland gehenden ungeheuren Reparationsfummvi belastet uns ja der zurückliegende Krieg auch noch alljährlich mit Aufwendungen im Inland, die weit über den Betrag der Poungannuität hinausgehen.
Es ist daher einfach falsch, zu behaupten, die Verweigerung der Reparations.zahlungen (von der politischen Unmöglichkeit einmal abgesehen, bringe unsere Wirtschaft und die Staatsfinanzen ohne weiteres ins Gleichgewicht. Wie käme es dann, daß auch in anderen Ländern, die keine Reparationszahlungen zu leisten haben, sondern sie in Empfang nehmen, mit derselben Finanznot gerungen wird? Nach neuesten cmtlichen Verlautbarungen wird doch auch z. B. in England ein Defizit von 600 big 700 Millionen Rm. erwartet und in den Vereinigten Saaten sogar mit einem Defizit von mindestens 1 Milliarde Rm. im öffentlichen Haushalt gerechnet- Diese Völker, denen nicht die beiden Sündenböcke „Kapitalnot" und „Poung- Versklavung" wie uns zur Verfügung stehen, müssen sich also wohl krampfhaft Vorreden, daß sie überhaupt keine Wirtschaftskrise haben — weil „nicht sein kann, was nicht fein darf"?
Ein Vergleich mit diesen Ländern ist noch jn anderer Hinsicht von Nutzen. Man kann oft die Behauptung hören, die Beieitigung unserer Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit könne einzig darin gefunden werden, daß uns wieder Kolonien zur Verfügung gestellt werden. Auch das ist nur eine fixe Idee, die uns nicht weiter bringen kann. Wer sich aus den Erfahrungen der Vorkriegszeit und aus der Natur der Sache heraus nicht will belehren lassen, den verweise man doch mit allem Nachdruck auf die Erfahrungen Englands: dem Britischen Reich fehlt es wahrhaftig nicht an Kolonien und unermeßlichen Länderkvmpleren in Uebersee. Trotzdem Meppt es sich feit zehn Jahren schon mit einer Millionenarmee von Arbeitslosen Jahr um Jahr weiter. ' Wenn sogar die Versuche, die man dort mit einer Uebersiedlung von
Arbeitslosen noch Kanada gemacht hat, kläglich ge= scheitert find, was kann uns dann fchon irgend eine Wüftenkolonie helfen, die man vielleicht mit einiger Anstrengung ergattern könnte?
So sieht es mit allen Ideen aus, die irgendwie ein schnell und sicher wirkendes Universalmittel für die Wirtschaftskrise anpreisen. Einzelne Pläne, wie z. B. der der Arbeitsdienftpflicht, sind ja durch die intensive Erörterung allmählich derart durchleuchtet worden, daß f5e als erledigt gelten können und hoffentlich für immer begraben werden. Gelegentlich werden solche Dinge noch damit verteidigt, daß man sagt, sie seien ja zwar grundsätzlich bedenklich, aber als Linderung in der gegenwärtigen Not doch brauchbar und nicht von der Hand zu weisen- Als ob eine Maßnahme, die im Prinzip falsch ist, nicht gerade jetzt bei dem kranken Wirtschaftskörper, der so wenig widerstandsfähig ist, um so schlimmere Verwüstungen anrichten müßte!
Daß bei der jetzigen gedrückten Wirtschaftslage die Projektemacherei ganz besonders ins Kraut schießt, setzt niemand in Verwunderung. Cs ist immer schon so gewesen. Die Wirtschaftskrise ist ein fettes Mistbeet für allerhand Giftpflanzen, die hier strotzend gedeihen, doch, sobald die Konjunktur wieder mit einem frischen Wind hereinweht, zusammenknicken und verdorren. Viele von denen, die jetzt am erbärmlichsten über die deutsche Wirtschaftsnot lamentieren, werden dann wieder die lautesten Schreier des Fortschrittes und der Profitmacherei fein, ohne sich um das menschenfreundliche Jammern weiter zu kümmern, das sie heute von sich geben. Nicht alle, die mit dem Munde so laut für die arbeitenden Stände und für den kleinen Mann eintreten, sind deren wirkliche Freunde. Wie ost hat man es dabei nur mit „verhinderten Kapitalisten" zu tun, die, sobald ihnen das Ruder in die Hand fällt, schlimmer sind als die anderen. Das Arbeitsgericht Dresden hat gerade vor kurzem zwei Direktoren einer Nazzi-Zeitung, die sich selber Monatsgehälter von mehr als 1000 Mark bewilligten, zur Nachzahlung von Löhnen verurteilt, weil sie ihre Zeitungsausträger gezwungen hatten, untertariflich zu arbeiten.
Und das nennt sich „Arbeiterpartei"? Diese Leute wollen den Kapitalismus überwinden und die Volkswirtschaft mit einem Schlage gesund machen?
Sich selbst werden sie „gesund machen" und die Wirtschaft erft richtig auf den Hund bringen, weiter nichts.
Etappe gegen Avant.
In Stuttgart hat der Führer der Nationalsozig- listischen Arbeiterpartei Dr. Frick, früher Amtsrichterin Bayern, jetzt Minister in Thüringen, die Rede im wesentlichen wiederholt, die er kürzlich schon in Kassel gehalten hat. Er verkündigte, der deutfche Außenminister Dr. Curtius habe in Genf sowohl in der Polen- als auch in der Abrüstungsfrage eine Niederlage erlitten. Wenn Dr. Curtius am nächsten Montag im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages aber über seine Reise berichten wird, dann überlegen wir uns, so sagte Dr. Frick weiter, ob wir nicht den Antrag einbringen sollen, daß Deutschland aus diesem, „Völkeroder Lügenbund" austreten soll. Aber Brüning und sein .^Kabinett der Frontsoldaten" denken nicht daran, mit der Lügenpolitik Schluß zu machen. Dieser Reichstag sei bereits veraltet, und die Nazis verlangen Neuwahlen des Reichs- wie des Preußischen Landtages. Don der ganzen Versöhnungs. und Verständigungspolitik der Nachkriegszeit halten wir nichts. „Eine Rettung kann für Deutschland nur kommen, wenn sich das Volk einheitlich zum Widerstand, zum Wehrwillen und Freiheitswillen zusammenschließt. Sobald das Volk wieder von einheitlichem nationalem Willen beseelt sei, dann sei es eine untergeordnete Frage, wie ein solches Volk wiederzu W a fs e n komme,und ohneKamps werde die deutsche Freiheit nicht geschaften werden." — Hoffentlich wird aber dafür gesorgt, daß diesmal auch Dr Frick zu Waffen kommt und an dem Kampf persön- l i ch teilnimmt. Im letzten Weltkrieg mußte er bekanntlich in Pirmasens und München von fernher die Kämpfe an den deutschen Fronten nur g e i- ft i g e r Weise miterleben. Da läßt sich freilich über Waffen und Kampf gut reden. Ebenso ist es leicht, über die „Niederlage" des deutschen Außenministers in Genf Glossen zu machen, wenn man felbst als Kultusminister in Thüringen zu Genf nur dialektischeBeziehungen hat. Daß gerade Frick es wagen darf, ironisch von dem Kabinett der Front- f o l d a t e n zu sprechen, nachdem doch die n e g a- tioen Frontbeziehungen dieses Herrn auch in Württemberg nicht mehr unbekannt fein dürften, ist ein Zeichen dafür,, welche kritiklose Einstellung in der nationalsozialistischen Wählerschaft £u den Führern üblich ist- Dabei nannte man früher einmal die Deutschen das Volk der Denker.
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Auch Dr. Goebbels hat im Berliner Sportpalast wieder einmal geredet. Er hat ziemlich viel kraufes Zeug zum besten gegeben- Scharfe Kritik übte er am Reichskanzler. Die Nationalsozialisten feien bereit, den Beweis anzutreten, es besser machenzukönnen, aber es müßten erstalle Verso nen vondenPost'nherunter, die Deutschland in diese Lage gebracht hätten. (Ob Goebbels wohl an den verlorenen Weltkrieg denkt?) Zu der Streitfrage, ob die Nationalsozialisten koalitionsfähig seien, bemerkte Goebbels, daß darüber nicht die bankerotten Bürgerparteien zu entscheiden hätten, sondern lediglich die Macht, und Macht bedeute in der parlamentarischen Demokratie d i e Summe der Stimmzettel. Wer die Macht anders gebrauchen w'-rde, etwa mit H'lfe der Reichswehr oder der Sck>utzvosizek, der wäre als Hochverräter nach dem Gesetz vor das Gericht in Leizpig zu zitieren. Goebbels setzte sich dann mit dem Zentrum auseinander, das er für die
Zerrissenheit des Volkes schon vor dem Kriege ver. antwortlich machte. Dabei ist es klar, daß die beiden Flügel mit Hakenkreuz und Sowjetstern schon längst im wüstesten Bürgerkrieg lägen, wenn nicht gerade die Zentrumspartei, leider nur schlecht unterstützt von den anderen Mittelgruppen, die hysterischen Schreier von rechts und links mühsam auseinanderhielten. Und vor dem Krieg? Da hat Herr Joseph Goebbels doch noch keine Erfahrungen in politischer Beziehung sammeln können. Da war et noch ganz klein....
Eine 'n Duisburg abgehaltene nationalsozialistische Versammlung, in der der Reichstagsabge- ordnete Pastor a. D. Münchmeyer über das Thema „Wer hat uns verraten?" sprach, nahm dadurch ein vorzeitiges Ende, daß der Redner von der Polizei verhaftet wurde. Die Verhaftung erfolgte, weil Münchmeyer die Versammlungsteilnehmer aufforberte, sich die P o l i z e i b e. amten zu merken, die im Sinne des heutigen Systems besonders eifrig ihre Pflicht tun. Später wurde Münchmeyer wieder freigelassen.
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Die Nationalsozialistische Arbeiter - Partei hat sich jetzt nach berühmtem Vorbild auch einen Katholikenausschuß zugelegt. Als erstes Lebenszeichen hat dieser Ausschuß, wie die „Vossische Zeitung" berichtet, die Absetzung Rosenbergs, des Chefredakteurs des „Völkischen Beobachters", gefordert, da er in feinem Buch „Der Mythos des 20. Jahrhunderts" für Kameradschaftsehe, Abtreibung, Simultanfchule und gegen das Papsttum aufgetreten sei.
Dieser Katholikenausschuß wird ungemein viel Arbeit haben, denn die nationalsozialistische Presse ist voll von Angriffen gegen Kirche und die kirchliche Autorität. Kirchenfeindliche Aeu- ßerungen von nationalsozialistischen Abgeordneten im Reichstag finden noch immer die jubelnde Zustimmung der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion, der im übrigen auch der D i f f i d e n t Studienrat Löpelmann angehört- Wir befürchten, daß der neugegründete Katholikenausfchuß sich unmögliche Aufgaben zugemutet hat. Denn das, was dis Nationalsozialisten für ihre Weltanschauung aus» geben, widerspricht in allen Punkten der katholischen Lehre. Es wird ihm nicht viel anders gehen als dem Katholikenausschuß der Deutfd)» nationalen Volkspartei, der zwar Wähler stellen darf, im übrigen aber zu schweigen hat. Der nationalsozialistische Katholikenausschuß hat ja gleich Gelegenheit, feinen Einfluß zu erproben, nachdem er die Forderung auf Absetzung Rosenbergs gestellt hat. Er wird wahrscheinlich gleich zu Beginn seiner Tätigkeit eine Pleite erleben, die auf die Dauer auf keinen Fall ausbleiben wird. Denn in der Nationalsozialistischen Partei führen Rosen, berg, Lövelmann, Reventlow und andre Vertreter des Raffenfanatismus und des Wotanglaubens das große Wort.
Laval setzt sich durch.
Aus Paris wird gemeldet:
Bei der Abstimmung über den ersten Absatz der Tagesordnung Largier, in welchem der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, erhielt Laval eine Mehrheit von 54 Stimmen. Es stimmten 312 Abgeordnete für, 258 Abgeordnete gegen die Regierung, etwa 30 enthielten sich der Stimme.
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rotb. Paris, 31. Ian. (Eig- Meld.) Die Rechtspresse und die Presse der Mitte stehen bei der Be- urteihtng des Sieges der französischen Regierung auf feiten des Kabinetts. Die Linkspresse verhält sich ablehnend. ,
Die Lage in Spanien.
Beruhigende Auffassung des Ministerpräsidenten.
wtb. Paris, 31. Januar. (Eig. Meld.) „Exel- sior" veröffentlicht ein Interview, das Ministerpräsident General Berenguer dem nach Madrid entsandten Sonderkorrespondenten dieses Blattes gewährt hat. Eenerak Berenguer bezeichnet darin die Lage in Spanien als einfach. Es handele fick) um einen Uebergangszustand zwischen der Diktatur und dem versassungsmäßi- gen Regimes. Binnen sechs Wochen werde Spanien ein Paria ment haben. Die Wieder- Einführung des Parlamentarismus werde die Kon» folidierung der fpanischen Politik bedeuten. Wer sich den Wahlen widersetze, widersetze sich auch der Stabilisierung der Lage. Er, Berenguer, habe keine Partei hinter sich, also sei es ihm gleichgültig, ob die eine oder andere Partei bei den Wahlen siegen werde. Was er wünsche, sei eine monarchistische Mehrheit. Diefe Mehrheit werde sich bei den Wahlen auch herausbilden. Die meisten Spanier seien ihrem Herrscher treu geblieben. Um ein Parlament zu erhalten, brauche er weder zur Anwendung von List noch zur Anwendung von Gewalt zu greifen. Der Begriff der V e r f a f Jung gebenden Cortes sei in der spanischen Verfassung nicht vorgesehen. Er könne und wolle nichts tun, was nicht der spanischen Verfassung entspreche. Er sei dazu da, sie zu prüfen, sie aber nicht niederzureißen. Schließlich betonte der spanische Ministerpräsident, daß gewisse Anzeichen dafür vorhanden feien, daß die spanischen Revolutionäre Beziehungen zu Moskau hätten.
Die Festsetzung der Vermahlungsquote.
Der Volkswirtschaftsausschuß des Reichstages beschäf- tigte sich am Freitag mit der Verordnung des Reichsernährungsministers über die Neufestfetzung der Vermahlungsquote für Jnlandsweizen. Nach längerer Aussprache wurde unter Ablehnung verschiedener Aende- rungsanträge die Regierungsvorlage angenommen, Jo daß es bei einer Vermahlungsquote von 7 5 Pro,), für Februa r-M ä rz, von 65 Proz. für April und Mai und 50 Proz. für die Monate Juni und Juli verbleibt.