NILS
Ar. 26
1. Februar
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Ssnntag Sepwagssima.
Singangslieb: pf. 17, 5, 6 und 7.
Mich umringten Seufzer des Todes; Qualen _t fio.le umringten mich. In meiner Not rief i> zum Herrn, unü er hörte auf mein Rufen von feinem heiligen Tempel aus. (Pf. ebb. 3—3). Ich lieb» dich, Herr, meine Kraft. Der Herr ist mein Jelj, mein Hort, mein Heil.
(Evangelium: Matth. 20, 1—IS.
In jener Zeit trug Jesus seinen Jüngern fol- genürs Gleichnis vor: „Das Himmelreich gleich: einem Hausvater, der frühmorgens ausgino, uni Arbeiter für feinen Weinberg zu dingen. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Tagelohn von einem Denar und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder aus, sah andere müßig auf dem Markt stehen und sagte zu ihnen: „Geht auch ihr in meinen Weinberg; ich will euch geben, was recht ist." Um die sechste und neunte Stunde ging er abermals aus, und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde ausging, fand er wieder andere daftehen. Er fragte sie: „Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig?" Sie antworteten: „Es hat uns niemand gedungen " Er erwiderte ihnen: „Geht auch ihr in meinen Weinberg." Als es Abend geworden war, sagte der Herr des Weinbergs zu feinem Verwalter: „Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn aus, von dem letzten angefangen bis zu den ersten." Es kamen nun die, welche um die elfte Stunde gekommen waren, und empfingen je einen Denar. Als aber die ersten kamen, glaubten sie mehr zu erhalten, aber auch sie empfingen je einen Denar. Da sie ihn empfingen, murrten sie wider den Hausvater und sagten: „Die letzten da haben nur eine einzige Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt, uns die w-r die Last und Hitze des Tages getragen haben." , Freund", erwiderte er einem von chner „ick tu dir nicht unrecht. Bist du nicht auf eine Den’r mit mir rr'-' geworden? Nimm also, was dein ist, und geh! ro'.U aber diesem letzten ebensoviel geben w r die. C er darf ich dir nicht tun. was ich will? Ist de'n Auge neidisch, weil ich gut bin?" , So wenden /die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt."
Dem Weinberg.
Wir brauchen uns gar nicht lange darüber zu erhalten, daß wir beide, du wie ich, vorn Herrn in feinen Weinberg geladen sind. Du kennst deinen WeinbLrg schon lange und arbeitest täglich darin. Es ist dein Berus und bei mir ist er es auch.
Vielleicht fragst du aber, ob du wirklich dazu berufen worden bist. Du meinst, du wärest ohne deinen eigenen Willen hineingekommen, dein Va- fft hätte dich dazu bestimmt und du wärest gar nicht um deine Zustimmung gefragt worden.
Ich verstehe deinen Einwand. Vielleicht bist du Bauer, der älteste von deinen Geschwistern. Du mußtest den Hof übernehmen und manches paßte dir dabei nicht. — Oder du bist Sohn eines Meisters und übernahmst die Werkstätte deines Vaters und meinst oft, in einem anderen Beruf, den du dir selbst gewählt hättest, wärest du glücklicher geworden. — Oder du bist Arbeiter und deine Arbeit erscheint dir g>ar nicht als wirklicher Beruf, sondern als eine Last.
Gewiß, ich verstehe deine Einwände. Ich will sie auch gar nicht weiter widerlegen. Aber ich glaube auch nicht, daß die Arbeit im Weinberg ein reines Vergnügen ist. Ich will dir auch keinen Trost in deiner äußeren Lage zusprechen — ich kenne auch Berufslast und glaubte zuweilen, daß ein anderer Beruf mich glücklicher gemacht hätte. Das geht nicht dir allein so. Solche Stimmen sprechen in jedem Menschen.
Freund, ich möchte aber, daß du ein Stück weiter kommst. Wenn ich die Härten und bitteren Stunden des Lebens nicht kennen würde, so würde ich nicht so zu dir sprechen. Irgendwie dient auch deine Arbeit den Mitmenschen und sei es etwa, daß du aus den Tiefen der Erde Kali ans Tageslicht fördern hülfest. Irgendwo auf einem Acker streckt einst ein keimendes Korn seine Wur-
Romfahrk eines Fuldaer Fabrikarbeiters.
2] Von M. G.
Um 5 Uhr abends fahren wir von Mailand nach Genua. Wir wurden gegen 8 Uhr mit einem Autobus in unser Hotel gebracht. Hier fanden wir keine deutschen Betten mehr mit Gänsefedern, sondern wollene Decken. Am nächsten Morgen, dem 25. Juni, fuhren wir, je 4 Mann in einer Kutsche, nach dem Campo Santo, einem Friedhof. In den schönen Säulenhallen hatten reiche Bewohner von Genua ihre Grabstätte. Das Denkmal einer Bretzelverkäuferin, die sich noch bei Lebzeiten um die Kleinigkeit von etwa 15 000 Goldlire hier unter den reichsten Kaufmannsfamilien Genuas in weißem Marmor hat verewigen lassen, fiel uns auf. Die Grabstätten sind Meisterwerke von Fabiani, Rocco, Piaggio, Parpaglioni, Solari usw. In der Mitte der großen Säulenhallen steht eine reich geschmückte Kapelle, in der das hl. Meßopfer für die Seelenruhe der Verstorbenen dargebracht wird.
Später wurde der große Hafen besichtigt, in dem Schiffe aus allen Ländern lagen.
Nach einigen Stunden ging es mit der Bahn weiter. Gegen 1 Uhr mittags hielt unser Zug in Pisa; wir hatten Gelegenheit, den bekannten „schiefen Turm" zu sehen. Abends gegen 6 Uhr tarnen wir in der ewigen Stadt an.
Einem der hochwürdigen Herren am Campo santo, Dr. Barion aus Düsseldorf, haben wir Rompilger es zu danken, daß uns Rom, feine heiligen Stätten, feine Kirchen und feine erhabene Kunst wirklich zu einem Erlebnis geworden sind. Schon beim Abholen an der Bahn teilte uns der H. H. Prälat mit, daß wir am nächsten Tage Audienz beim Heiligen Vater hätten und alle sich mit der vorgeschriebenen Kleidung versehen möch
ten. Mit dem Autobus ging es zum Fischers Park Hotel, gegenüber von der Kamilluskirche. Herr Sander und ich teilten uns in ein Zimmer. Es lag 168 Stufen hoch; wir ließen uns deshalb mit dem Fahrstuhl befördern.
Nach dem Abendessen wollten wir beide noch einen kleinen Bummel machen. Da wir aber gänzlich fremd waren und niemand um Auskunft bitten konnten, kehrten wir unverrichteter Sache wieder zu unserem Hotel zurück.
Des andern Morgens begaben wir uns in die nahe Kamilluskirche zur hl. Messe. Mir fiel auf, daß nicht das auf der Kommunionbank liegende Tuch von den Kommunizierenden zur Hand genommen, sondern eine Pa- tene weiter gereicht wird.
Zum Frühstück gab es Kaffee mit Weißbrot, oder besser gesagt Maisbrot; es war so hart, daß es mich einen Zahn gekostet hat. Dr. Domschke meinte, diese Brötchen wären bester zum Fenstereinwerfen zu gebrauchen.
Um 8 Uhr stand das Auto vor dem Hotel, das uns nach St. Peter brachte. In stillem Gebet knieten wir am Grabe des hl. Apostelfürsten Petrus, zu dem einst der göttliche Heiland gesprochen: „Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben." Zum Schluß unserer Andacht sangen wir das Lied „Fest soll mein Tausbund immer stehen". Wie es einem da zu Mute war, läßt sich kaum beschreiben. Mir wurde wieder einmal so recht klar, was es heißt katholisch zu sein.
Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir zur Titelkirche St. Giovanni et Paolo und wohnten einem Pontifikalamt bei, das Kardinalstaatssekretär Pacelli zelebrierte. Dem Pontifikalamt wohnte u. a. auch Kardinal ßaurenti, der Prälat der Ritenkongregation, bei. Nach dem Amt empfing uns in der Sakristei der Titelkirche (nach unfern «Begriffen eine kleine Kirche für sich)
zeln in das vom Düngesalz durchtränkte Erdreich und Segen wächst aus deiner Hände Arbeit.
Aber du denkst, davon hättest du auch nichts und es wäre dir einerlei, ob der Dauer einige Zentner Getreide mehr zöge. — Ich würde dich selbst um eines solchen Mißmutes wegen nicht schelten. Aber leid würde es mir deinetwegen doch tun. Laß mich dir noch einen anderen Gedanken nahelegen. Vielleicht arbeitet neben dir ein Kamerad, der kränklich ist, der aus noch ärmlicheren Verhältnissen stammt als du. Hast du schon einmal daran gedacht, daß du Berufung hast, ihm Freund zu fein? — Du wendest ein, er leide unter der gleichen Ungerechtigkeit der heutigen Verhältnisse wie du. Ich will dir gewiß kein Gold normalen, wo keines ist. Aber glaube mir, daß für dich ein Liebesdienst an deinem Nachbar wesentlicher ist, als all dein Groll über die heutigen Verhältnisse; denn wenn du dies nicht begreifst, dann würdest du auch nicht viel glücklickier fein, wenn du dich wirtschaftlich besser stündest. Damit du mich aber nicht falsch verstehen und mir nicht im Herzen abgeneigt bist, so versichere ich dir noch einmal, daß auch ich dir eine bessere Zukunft wünsche.
Vielleicht geht es dir aber gar nicht so schlecht, wie man nach deinen Klagen annehmen könnte. Nun wenn es so ist, so bitte ich dich innig mit dei
nem Jammern aufzuhören, damit man die besser hört, die wirklich Grund dazu haben. Und solche gibt es leider. Es stände dir viel besser, dort zu helfen, statt mit deinen Worten die anderen zu reizen.
Wenn du aber Familie hast, dann hast du auch einen Weinberg, den du ganz nach Belieben betreuen kannst. Freund, was darin wächst, das ist bestimmt die Probe auf deine Gärtnerkunst. An die bezwingende Macht wahrer Liebe glaube ich. Freilich gibt es da auch Unstimmigkeiten und zuweilen Zerwürfnisse. Aber es gibt auch eine rechte Liebe, die alles überwindet. Wenn es da bei dir noch zu tuen gibt, dann fange aber bald an.
Du schaust mich wohl jetzt an und fragst, wann du damit fertig werden sollst. Nun, ich sage dir diese Aufforderung nicht als Vorwurf. Sie gilt auch für mich. Wir haben doch alle Mitmenschen um uns und sollten ihnen als Brüder oder Schwestern dienen. Mt dieser Aufgabe werden wir so schnell nicht fertig, vielleicht überhaupt nicht. — Du verstehst daher jetzt auch den Hausvckter, der denen, die zuletzt gekommen sind, den gleichen Lohn gab- Die Arbeiter, die zuerst berufen waren, sind auch in der elften Stunde noch nicht mit ihrer Aufgabe zu Ende. Die Liebe fordert immer wieder neuen Anfang — von dir wie von mir . . .
Sie Kirche im Kampf um das Schicksal der Menschheit.
Von unserem russischen Berichterstatter.
Verklungen ist auch in Rußland das Gloria der heiligen Nacht, erloschen sind die heimlichen Arn- peln und Kerzen vor den Altären der verfolgten Kirche Rußlands, und äußerlich erinnert nichts mehr an das heilige Fest.
Draußen tobt der Kampf fort mit neuer Kraft. Wenn in den Weihnachtstagen die Gottlofenstoß- trupps mit roten Transparenten durch die Straßen zogen und gegen Kirche und Religion demonstrierten oder gar bemüht waren, die Gläubigen aus den Gotteshäusern zu vertreiben, die Priester zu schmähen usw., dann waren das altgewohnte Bilder, die man all die Jahre bis zum lieber« druß gesehen hat. Das Volk ist abgestumpft gegen derartige Umzüge und Maskeraden, nicht aber gegen die Wirkung der Transparente. Das haben auch die Gottlosen erkannt. Besonders überzeugend wirkten die Losungen wirtschaftlichen Charakters wie etwa: ,/Die Kirche bezeichnet die Jndustriealisierung als Werk des Teufels. Diese gibt aber dem Volk Brot, und Brot hält Körper und Geist zusammen." „Nur die sozialistische Wirtschaft im Rahmen des Fünfjahresplans kann uns erlösen, denn die sozialistische Wirtschaft kennt keinen Privatgewinn." Ganz besonderen Anklang fand das Transparent: „Der Fünfjahresplan macht uns unabhängig vom Ausland. Er fördert die nationale Sowjetwirtschaft, die Allgemeingut des Volkes ist. Mit dem Fünfjahresplan drehen wir jener kapitalistischen Welt den Strick, die uns zum Hungertod verurteilt hat."
Diesen Transparenten schenkt das Volk Glauben. Sie zeigen ihm die angeblichen Ursachen seiner Not, aber auch den Ausblick auf die Zukunft — und an die Zukunft glaubt ganz Rußland. Die Werke von Dnjeprow-, Magnjito- und Wolchowstroi find keine Traumgebilde, die aufstrebende Industrie kein leerer Schwarm und die riesigen „Getreidefabriken" der Kollektivgüter keine Phantasie! Der Massenexport russffcher Erzeugnisse ist Tatsache, das Dumping auf dem Weltmarkt Wahrheit und die Anlage des Volkskapitals in wirtschaftlichen und industriellen Unternehmen der Sowjets keine Lüge! Das Volk hat den Willen zumAufbau, zur Unabhängigkeit vom kapitalistischen Ausl an d, und im Namen dieses Aufbaues, der eine bessere Zukunft und eine dominierende Stellung Rußlands verheißt, trägt die Masse Not und Entbehrung. Sie weiß, daß eines Tages ein neues Morgenrot über Rußland leuchten wird, ein Morgenrot, das Westeuropa den Untergang bringen wird. Beschwingt vom Haß gegen Europa, dem ja das russische Volk die Geißel des Bolschewismus letzten Endes zu verdanken hat, kämpft das russische Völk für seine wirtschaftliche Unabhängigkeit, benfi
es hat begriffen, daß allein eine starke nationale Wirtschaft ausschlaggebend fft für das Wohl der Bevölkerung. Dieses Ringen aber ist auf Irrwege geraten.
Wenn nun in diesen Kampf um die wirtschaftliche Unabhängigkeit Rußlands die Kirche mit hin- eingszogen wird, so läßt sich das damit erklären, daß der Wirt schäft s plan der Sowjets unvereinbar ist mit der Mission des Christentums. Wenn heute der Kreml behauptet, sein Wirtschaftsprogramm, das kein Privateigentum anerkennt, sei eigentlich dasselbe wie zu Zeiten des Urchristentums, wo „niemand etwas von seinem Besitze sein Eigen nannte", dann trifft das wohl in großen Zügen und äußerlich gesehen zu, nicht aber im Urmotiv, aus dem die Idee geboren ist, die den sozialistischen Aufbau beschwingt. Weim das Urchristentum den Besitz als Gemeinschaftsgut und das Individuum als Glied der Gemeinschaft ansprach, dann war dieser Zustand in erster Linie aus einem freiwilligen geistigen und materiellen Verzicht auf persönliche Vorteile im Namen der christlichen Nächstenliebe geboren. Wohl erstrebt das Christentum die Gemeinschaft, nicht aber das Kollektiv, das bar ist aller individuellen Zugeständnisse.
Die christiche Gemeinschaft förbert das Bruder- . ideal, das Kollektiv dagegen vernichtet den
Einzelmenschen,
den Bruder Mensch. Nicht die Liebe zum Menschen ist der Grundstock des kommunistischen Kollektivs, sondern der Haß, der beschwingt wird von der politischen Doktrin der Vernichtung des Nächsten. Die geistige (Erneuerng, die im Christentum ihren Nähwater durch den freiwilligen Verzicht hat, ist dem Kollektiv abhold. Es kennt nur den Terror, die brutale Gewalt der Unterdrückung. Aus dieser Gegensätzlichkeit ist der Kampf zwischen Kirche und Kommunismus ent? bratmt.
Die Gottlosen haben erkannt, daß allein phy- stsche Verfolgungen der Gläubigen das Christentum nicht ausrotten. Der Kampf müsse tiefschürfender geführt werden. In jahrelanger Praxis haben ihre Führer eingesehen, daß nur durch H a ß gegen den Mitmenschen ein Volk einer Doktrin gefügig gemacht werden kann, die brutaler Selbstzweck ist. Solange aber die kirchliche Gemeinschaft, die ein gemeinsames geistiges Gepräge hat, und die Kirche selbst besteht, wird ein Volk die politische Doktrin des Bolschewismus nicht freiwillig übernehmen. Es galt also in erster Linie, die Organisation der Kirche zu untergraben, das Volk skeptisch zu machen gegenüber feinen Priestern, die kirchliche Einheit und die Gei- unser ehemaliger Nuntius. Ein Leuchten lag auf seinem Gesicht, als er in fließender deutscher Sprache seiner Freude Ausdruck gab über die Pilgerfahrt und die so wohlgelungene Fronleichnamsprozession in Berlin. Zum Schluß erteilte er uns feinen Segen.
Der Autobus brachte uns an den Petersplatz, wo eine photographische Aufnahme gemacht wurde. Dann pilgerten wir nach dem Damasushof, von dem mir in den Thronsaal des Papstes geleitet wurden, wo schon ein schlesischer Pilgerzug Aufstellung genommen hatte. Die Papstaudienz begann. Ergreifende Augenblicke für jeden, der zum erstenmal dem Oberhaupt der Kirche Auge in Auge gegenüberstand und in sein gütig mildes, aber doch energisches Antlitz blicken und ihm die Hand reichen und küssen durste. Vom Thronsessel aus gab der Hl. Vater in flüssiger deutscher Sprache seiner Freude über den deutschen Pilgerzug Ausdruck. Immer freue es ihn, den geistigen Vater der großen Gemeinschaft, wenn Söhne und Töchter aus weiter Ferne in fein Vaterhaus kommen; ganz besonders aber freue es ihn, wenn diese Söhne und Töchter aus bekannten Orten und Ländern kommen, wie in diesem Falle aus Oberschlesien und aus Berlin. Dann wies er hin auf die Segnungen des Jubeljahres, deren die Pilger noch immer teilhaftig werden konnten. Er erteilte uns am Schluffe feinen hl. Segen, indem er sprach: „Ich segne somit euch, eure Kinder und Kindeskinder, eure Verwandten und alle, die euch nahestehen."
Wir stimmten in den Lobgesang ein: „Großer Gott, wir loben dich!" und der Heilige Vater hörte stehend vor seinem Throne dem deutschen Volksgesang zu. In spontanen Hochrufen auf den Heiligen Vater klang diese denkwürdige Stunde aus.
Als wir wieder in unser Hotel tarnen, war es bereits %3 Uhr. Es war ein langer Morgen, aber es hat sich niemand beklagt ob des leeren Magens. Nach dem Mittagsmahle war eine Pause. Ich benutzte die Zeit, um
ftesgemeinfdjaft zu zerschmettern und die Gläubigen in priesterlose Sekten aufzulösen, um bann mit einem Schlage die Führerlosen an sich zu reißen.
Dieser Plan ist nicht ohne Erfolg geblieben, und im Laufe der Jahre hat der Gottlos enverbanb es geschickt verstanden, die kirchliche Einheit zu durchbrechen. Der erste Schritt zur Verwirklichung der bolschewistischen Pläne war somit getan und bas Weitere sollte nur noch bas Programm abrunben.
Das Volk, mürbe gemacht durch Not und Entbehrungen, die der Bürgerkrieg hervorgerufen hat, erklärte sich bereit, mit dem Alten zu brechen, wenn bas Neue ihm bas Leben gewährleistet. Unb die Verheißung bes Neuen kam: es war
Ser Fünfjahresplan
im Rahmen des sozialisttschen Aufbaues, ber aller Not ein Enbe machen soll. Das Volk horchte auf und begann den Verheißungen bes Fünfjahresplanes Glauben zu schenken, bet Rußland zu einer goldenen Zukunft führen soll. Fast über Nacht entstanden Riesenwerke, Maschinen wurden vom Ausland herübergeholt, ausländische Ingenieure berufen und eine fieberhafte Arbeit setzte ein. Rußland sollte wieder selbständig werden und das Volk — reich. „Der bolschewikische Staat kümmert sich um uns, wir müssen ihn unterstützen!" rief man allenthalben, und nur ein einziger War- ner trat auf: die Kirche. In weiser lieber« legung hat sie erkannt, daß ber Fünfjahresplan nicht bas Volkswohl im Auge hat, sondern die Vernichtung der Menschheit, die hervorgerufen wird durch eine allgemeine Absatzstockung der Warenerzeugnisse auf dem Weltmarkt. Rußland wird durch den Fünfjahresplan unabhängig werden von Europa, aber Europa ist angewiesen auf den Ab'^'z seiner Waren in Rußland. Das beweist die hec.- schende katastrophale Arbeitslosigkeit in Europa, die sich nicht beheben läßt, solange Rußland als Abnehmer ausfällt. Das hat die Welt nicht begriffen, wohl aber die russische Kirche, die sich mit aller Gewalt gegen bas politische Ziel der Ausmerzung, das mir durch den Fünfjahresplan verwirklicht werden kann, wendet. Sie, die Kirche, die neben der Seelsorge auch danach zu trachten hat, die Wirtschaft zu christianisieren, wird und muß den satanischen Fünsjahrssplcm vereiteln. Das weiß der Kreml ebensogut wie die Kirche. Aber die Kirche kann ihr Ziel nur durch eine straffe Organisation der kirchlichen Einheit und des Klerus erreichen, unb eben deshalb richtet der Bolschewismus seine ganze Schlagkraft gegen die Organisation ber Kirche. Sollte es ben Bolschewiken gelingen, bis zumJahre 1935 (wie vorgesehen ist) sämtliche Kirchen zu schließen, banti .s ist auch bie kirchliche Einheit aufgelöst. Das aber.-« ist gleichbedeutend mit dem Sieg bes Bolschewismus nickst nur über Rußland, sondern auch über Europa. Die europäischen Wirtschaftler, bie ben Fünfjahresplan unterstützen, sind sich ihrer Verantwortung nicht bewußt. Im Namen persönlicher Gewinne förbern sie ben Untergang ber eigenen Nation unb unterstützen Stalins Zerstörungswerk.
Der Kampf um bie Kirche in Rußland ist keine Lokalerfcheinung. Das Schicksal ber Menschheit ist abhängig vond iesem Kampf.
Aus den Missionen.
Msgr. D e m o n t von ben Priestern bes Herzens Jesu schreibt unterm 24. Sept. 1930 an bie Claver. Sobalität: „Darf ich Ihnen heute eine Bitte vorlegen, bie mir unsere Not abringt? Unsere Lage ist biefe: Im Herschelgebiet unter den unzivilisierten Tosa-Schwarzen bauen wir gegenwärtig ein großes Hospital mit ca. 60 Betten. Wir haben in diesem Gebiet eine blühende Mission und zwei Schulen, eine dritte ist im Entstehen, auch ein Internat für Knaben und Mädchen. Nun ist ber Hagel gekommen unb hat bie ganze Ernte zerschlagen. Das bebeutet Hungersnot. In Mengen verlassen bie Eltern bas Land, um anderswo Unterhalt zu suchen. Das ruiniert unsere Schulen. Und doch sind die Schulen unb bas Hospital unsere einzigen Missionsmittel im Herschelgebiet unb die Regierung ließe uns ohne sie nicht einmal zu.
Verschließen wir dem Hilferuf unser Ohr nicht. Gütige Gaben nimmt entgegen die St. Petrus- Claver-Sodalität in Köln, Maria Ablaßplatz 10 a; Postscheckamt: Köln 194 40.
einen Theologen aus dem Fuldaer Priesterseminar, der im Germanikum studierte, aufzusuchen. Dieser freute sich herzlich, als er einen Fuldaer so unerwartet zu Besuch hatte, obwohl wir uns von zu Hause nicht kannten.
Gegen 5 Uhr nachmittags war eine zweite Fahrt nach . der Kirche Maria Maggiore. Sie ist die größte unter den Marienkirchen Roms, mit 36 herrlichen Marmorsäulen. Die prächtige Holzdecke ließ 1500 Alexander VI. errichten und mit dem ersten aus Amerika kommenden Golde vergolden. Der Fußboden stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Kirche enthält viele Kapellen mit den Grabmälern mancher Päpste. In der Kirche ist auch das älleste Bild von der Immerwährenden Hilfe zu sehen. An der Haupt- fassade erhebt sich aus einer Säule aus der früheren ton« stantinischen Basilika auf dem Forum eine Bronzestatue der Mutter Gottes.
Bald fuhren wir weiter zum Kolosseum. Es ist von den slavischen Kaisern Vespasian und Titus errichtet und 80 nach Christus eingeweiht worden. Es hat eine Höhe von 48% Meter und faßt 100 000 Menschen. Unter Kaiser Nero ist viel Martyrerblut an dieser Stätte geflossen. Unser Führer hielt bei der Besichtigung eine ergreifende Ansprache; er schilderte den Heldenmut dieser Märtyrer. Diese hätten den Mut gehabt, für ihren hl. Glauben zu sterben. Und die heutigen Christen? Bei jeder geringsten Anfechtung, einem gottlosen Gespräche, geben schon viele Menschen ihren hl. Glauben preis. Wir knieten am Fuße des großen Kreuzes in der Mitte des Kolosseums nieder und flehten zu den Märtyrern, sie möchten uns beistehen, daß wir unfern hl. Glauben bis zu unserem Tode bekennen.
Abends, nach der Rückkehr zum Hotel und dem Abendessen, gingen wir alle ohne Ausnahme nach dem Germanikum zur hl. Beichte.
(Fortsetzung folgt.)