Beilage zur Auldaer Zeitung
*) Singeschiff und Notenschiff für die Heimabende unserer Landjugend sind für 25 u. 1^0 Vf. beim Bezirkspräses, Kuratus Fröhlich, Dietges, Postscheckkonto Ffm. 83582, zu haben.
Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oee« vubl Jolepd Sou er-Fulda
Beherzigung.
Feiger Gedanken bängliches 'Schwanken, , weibisches Zagen,
ängstliches Klagen .wendet kein Elend, macht dich nicht frei!
Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten, nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen rufet die Arme der Götter herbei.
I. W. von Goethe.
verankworllichlelt, »ich« Mgital'on!
Reichskanzler Brüning hat persönlichen Mut. Er unternahm eine Reise nach dem bedrohten deutschen Osten, obwohl er wußte, daß er von den engstirnigen „deutschnationalen" Großgrundbesitzern schon deswegen nicht herzlich empfangen werden würde, weil er Katholik, ein „Ultramontaner" ist. Er hat auf dieser Reise wieder manche mutige und treffende Aussprüche getan. Er macht es freilich nicht wie Hitler und ähnliche „Großen" in unserem armen Deutschland, die den verhetzten und radikalisierten Massen von rollenden Köpfen und einem notwendigen Vernichtungskampf gegen Volksgenossen erzählen und den Haß predigen, sondern er gibt großzügige Richtlinien, er zeigt die Wahrheit und sucht die Nebel zu zerreißen, die eine gewissenlose Agitation über die deutschen Gehirne gebreitet hat. In einer Ansprache in R a- t i b o r sagt er z. B.:
„Das ganze Land mutz aus der Agitation heraus und zurverantworklichkeit in ollen Kreisen der Bevölkerung geführt werden. Durch gewissenlose Agitation ist eine Panikstimmung hervorge- rusen worden, die dazu geführt hat, daß Staat und Wirtschaft im Herbst und Winker monatelang zwischen Sein und Nichtsein geschwebt haben. Bisher hat das verschwiegen werden müssen, aber seht mutz man es aussprechen, um eine Einkehr bei allen Parteien her- beizusühren. Ich kann die Verantwortung nur weiter tragen, wenn es möglich ist, dem deutschen Volke d e n Sinn für Wahrheit und Ehrlichkeit wieder restlos beizubringen."
Den Sinn für Wahrheit und Ehrlichkeit! Wo ist der Wille, eh risch für die Wahrheit, d. h. für die Rettung des deutschen Volkes, zu kämpfen? Von den Kommunisten, die sich in einen blutigen Haß gegen die bestehende Gesellschaft verrannt haben, kann man diesen Kampf um den Bestand des Vaterlandes nicht verlangen! Aber die Nationalsozia l i st e n führen doch in ihren Reden stets eine heiße Fehde für das deutsche Volkstum? Reden können diese berufsmäßigen Agitatoren — übrigens ein wunderlicher Typ des „heldischen Mannestums" — sicher gut. Aber man achte auf ihre Taten und ihre Gesinnung! Sicher, und das haben wir im „Blatt der Jugend" immer wieder gegenüber anderen Meinungen, die jeden Nationalsozialisten zum „Verbrecher" stempeln wollen, betont, gibt 's begeisterte Nationalsozialisten, die aus leidenschaftlich r -iebe zu Volk und Vaterland das angeblich nationale und soziale Programm Hitlers und seiner Unterführer verwirklichen möchten. Aber ist denn die Handlungsweise der Nationalsozialist. Partei national u. izial? Nein! Denn sie ist unwahrhaftig und n e h r l i ch. Ist es national, wenn man dem deutschen ük, „dieser dummen Masse", alles vormachen zu können 'aubt, um sie zu ködern und schließlich unter die „Füh- ung" einer kleinen „Auslese" nordischer „Uebermen- lchen" zu zwingen. Man hält das für nötig, weil man i’ns Volk verachtet, weil man nicht daran glaubt, daß der deutsche Mensch zur Selbstverantwortung erzogen werden kann. Oder ist das vielleicht nationale Erziehungsarbeit, wenn man vor gemeinen Lügen und Verleumdungen nicht zurückschreckt, nur um die Massen zu fanatisieren. ^st eine Bewegung, die so schmutzige Waffen mit kluger
-erechnung oder in blindem Eifer anwendet, die d e u t- ch e Er n eu eru n g sb e w e gu n g, als die sie sich usgibt? Ist eine Partei, die weiter agitiert und ihr Parteisüppchen kocht, wenn das Deutsche Reich nur durch verantwortungsbewußte, entschlossene Männer — nicht durch fanatisierte und zum Einschlagen auf Volksgenossen bereite 6. A.-Leute — aus höchster Not gerettet werden kann? Ist es national, wenn die nationalsozialistischen Führer die Staatsautorität unterwühlen, anstatt sich mit der Regierung zur Abwehr der bolschewistischen Umsturzversuche zu vereinigen? Statt dessen stärkt man die Kampfkraft der Kommunisten in Saalschlachten.
lieber die soziale Gesinnung der Nationalsozialisten wollen wir gar nicht reden. Die nationalsozialistischen Revolverblättchen schreien zwar immer „Geweine Lüge", wenn jemand die Verbindung der Nazi- Führer mit den offiziell bekämpften „Kapitalisten" aufdeckt. Warum hört man nichts von der angekündigten Klage der Fuldaer Nationalsozialisten gegen Major a. D. Anker, der doch im Stadtsaal ganz bestimmte Behaup- |
I tungen gemacht hat, die in einer gerichtlichen Verhandlung geklärt werden können? Weil man weiß, daß man dabei elend hereinfallen würde. (Das macht aber doch gar nichts. Man schreibt dann einfach ein Märchen, wie Z. B. das Gericht habe den „Wahrheitsbeweis abgele'hnt", und schimpft auf die Justiz. Herr Jordan hat das nach feiner Verurteilung doch schon einmal mit heldenhafter Duldermiene getan. Das nationalsozialistische Kleinbürgertum glaubt diesen frechen Blödsinn schon. — Wo bleibt übrigens der angekündigte Prozeßbericht Jordan—Strempel?)
Es ist schon so, der Kampf der Nazi um die nat. und soziale Erneuerung des Volkes ist eine Lüge oder ein Irr- tum. Wenn man diese sachlichen Feststellungen macht, reden und schreiben unsere famosen Nazi-Führer natürlich von „schwarzen Verleumdern" und von einem „Hetzblatt" und führen für ihre Behauptungen merkwürdige Zeugen ins Feld. Diese sind so erbärmlich, daß man aus Mitleid vorläufig davon absieht, sie in ihrer ganzen traurigen Größe in der Oeffentlichkeit bloßzustellen.
Die Nationalsozialisten werden stets an denjenigen fein gutes Haar lassen, die bereit sind, ihren unsinnigen Plänen entgegenzutreten. Damit hat man sich kaltlächelnd abgefunden. Geradezu grotesk aber klingt es, wenn der „Völkische Beobachter" am 24. Januar schreibt, bie Zentrurnssugend habe sich durch ihren letzten Aufruf aus der Reihe der d e u t s ch en Jugend ausgeschlossen. Und was hat diese Zentrumsjugend getan? Sie bat in ihrem Aufruf unzweideutig Stellung gegen den Radikalismus von rechts und links, gegen Nationalsozialismus und Kommunismus genommen. Sie fordert ein freies, christliches, fozia- (es Deutschland. Sie bekennt sich zur Deutschen Republik und ihren Symbolen. Ehrlich stellt sie sich dem Vaterland zum Wiederaufbau zur Verfügung. Deshalb ist die Zentrumsjugend für die Nazi „undeutsch". Brüning aber sagt, Wille zur Verantwortlichkeit, nicht Agitation ist notwendig. t
„Theaterabende auf dem Dorfe-.
Es ist durchaus zu begrüßen, daß diese Frage einmal in der Oeffentlichkeit angeschnitten wird, denn hier liegt Vieles im Argen, und die Auslassungen in dem letzten „Blatt der Jugend" sind sehr berechtigt, wenn sie naturgemäß auch nicht genügend auf Einzelheiten eingehen konnten. Die Sache wäre es schon wert, daß sie mehr als bisher beachtet und geklärt würde.
Man glaubt, dem Lande und dem Bauern Minderwertigkeiten aller Art vorsetzen zu dürfen — nicht nur beim Theater — mit der sonderbaren Begründung,
Bei den Jungbauern
Berich! über den Wanderkurfus der Jungb«
Don Pfarrei zu Pfarrei haben sich in der vergangenen Woche die kath. Jungbauern der Hohen Rhön je einen Tag zusammengefunden, um in ernster Beratung mit dem Jungsbauernführer Mathias o p de Hipp vom Jungmänneroerband in Düsseldorf zu tagen und die Gefahren unseres Landes, wo der Geist einer neuen Zelt, mit festem Tritt, Altes und Heiliges zerstampfend, einzieht, zu erkennen und Mittel und Wege zu suchen, das Land und das Dorf in feiner gesunden, sittlich starken Eigenart, als Jungbrunnen des deutschen Volkes zu erhalten.
Man hatte viele ernste Fragen angekündigt bei der Einladung unserer Jungbauern zu dem Kursus. Erstaunt waren alle Teilnehmer Übex die Art, wie der gottbegnadete junge Bauernführer Mathias op de Hipp, der selbst nur das Durchschnittsalter der anwesenden Jungbauern hatte, der selbst aus dem Bauernstand hervorgegangen ist, ernst und doch so anziehlich über die wichtigsten Lebensfragen des Landes zu sprechen wußte. Das war nicht Gelerntes, sondern Erlebtes und Gelebtes. Zum Erlebnis und zum Lebensvorsatz wurde es auch allen Teilnehmern.
Sie sahen die Großstadt, aber nicht den Glanz der schönen Häuserfassaden in den Hauptstraßen, und das Treiben der oberen Zehntausend, die dem Bild der Großstadt so etwas Reizvolles geben, sondern sie sahen die den Geist der Freude, das Leben und die Menschen tötende Seite der Großstadt in den Hinterhäusern, die Versklavung des Menschen an der Maschine, die Großstadt, wo kein warmer lebendiger Mutterboden mehr zu finden ist, sondern nur kalter, harter Beton, eintöniger grauer Asphalt, wo der Ueberschuß des Landes, der in die Großstadt hinfließt, keine Heimat und fein Glück wehr finden kann. Wo er aufhört, Mensch zu bleiben, Christ zu bleiben, Familie zu bleiben. Wo in 3—4 Generationen ein Geschlecht ausgestorben ist.
Aber auch auf dem Lande ist die neue Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Soviel Altes und Sinnvolles, (Eigengeartetes ist bann ber hereinbrechenden Welle der Großstadtfultur zum Opfer gefallen. Manches leider nicht zum Segen des Landes. Die Jugend gefällt sich zum großen Teil in der Nachäffung der Groß
er wolle es so haben, er möge das Gute nicht. Da muß ich an jenen alten Mann denken, dem bie Kinder ein neues Haus gebaut hatten. Sie zogen ein, er aber blieb in feiner Hütte und wollte durchaus nicht mit in das neue Haus. Etwa acht Tage lebte er allein noch in dem verlassenen Hause, bis es den vereinten Bemühungen ber Kinber unb ber Nachbarn gelang, ihn schließlich doch wenigstens zu einem Besuche des neuen Hauses zu bewegen. Es gefiel ihm, er blieb und wunderte sich später ost genug, daß er so bockbeinig gewesen war, und er meinte, es sei doch ein anderes Leben in dem neuen Hause.
Es ist sehr richtig, daß auch auf die Übliche Art der Theaterkritik hingewiesen wird. Die bedeutet nämlich nichts. Sie hat nur bann Zweck unb Ziel, wenn bas besprochene Theater in irgenb einer Art Mustergültiges brachte ober doch wenigstens einen beachtenswerten Versuch zu etwas Neuem darstellte. Die landläufige Art der Unterhaltungsabende kennen wir zur Genüge. — Auf einen Mangel sei hier noch besonders hingewiesen, der besonders für unsere engere Heimat gilt, den Bereich des ehemaligen Hochstiftes, der volklich gewiß als eine (Einheit zu betrachten ist. Hier fehlt uns das bodenständige Heimatfpiel. Wir haben gut und sehr gute Sachen in Märchenspielen, historischen und religiösen Schauspielen, aber keines, das den Menschen unserer Heimat, undzwardenMenschenderGegen- wart, aus die Bretter bringt. Gerade unsere Zeit, in ber die Gegensätze heftiger wie je aufeinander prallen, bietet Konflikte genug für derartige Stücke. Es liegt hier eine dankbare Aufgabe für alle, bie sich berufen fühlen.
Ei n Vorschlag. Die Zeitung veranstaltet ein Preisausschreiben für heimatliche Volksspiele ernsten ober heiteren Inhalts. Lustspiele bür- fen auch in Platt geschrieben fein. Besser ist allerbings, sie finb hochbeutsch geschrieben unb werben platt gespielt. Frist bis zum 1. September 1931. Dann wäre noch ge- nügenb Zeit, bie Sachen zu prüfen unb zu brücken, unb zum Winter könnten sie bereits gespielt werden. Ein | Wohltäter, der um der guten Sache willen in den Säckel greift und drei Preise stiftet, wird von unserer Zeitung sicher aufzutreiben sein.
Möge bie begonnene Aussprache das (Ergebnis haben, daß im nächsten Winter auch für die Unterhaltungsabende auf den Dörfern und für unser ländliches Theaterspiel eine bessere Zeit anbricht. -w.
*
Nachschrift der Sch r i f t le i t u n g: Zu dem Vorschlag, ein Preisausschreiben für heimatliche Dolks- fpiele zu veranstalten, werden wir in Kürze Stellung nehmen.
in der Hohen Rhön.
nern im Dekanat Hilders vom 18 — 24. Jan. stabt, schämt sich des alten, bäftigen Schrittes des Landes. (Es ist Zeit, daß wir uns besinnen. Führer an die Front und mit der Jugend zusammen hineingreifen in das Rad der Zeit, das die alte heilige Kulturgemein- schaft auf dem Lande niederwalzt und dafür einen neuen, verderblichen Kulturflitter dem Lande umhängt. Soziale, wirtschaftliche unb sittliche Zerfetzungsprozesse finb Folgen des Vordringens dieser großstädtischen neu- heidnischen Kultur auf das Land.
Der Jungbauer von heute muß sich ernstlich aufraffen. Zielklar, ehrlich und echt, schlicht und einfach muß der neue Landmensch fein, wenn er dieses Landsterben in sich selbst und in seiner Familie in feinem Dorf, in seiner Wirtschaft aufhalten will, wenn er den wilden, verheerenden Strom zum Segen des Landes in ein festes Bett leiten will. Wir können nicht alles fernhalfen, es ist auch nicht alles schlecht, es heißt die bösen Geister schadlos machen unb bie guten Geister ber neuen Zeit sich zu Bundesgenossen machen. Darum braucht der Jungbauer Führung und Schulung.
Im einzelnen wurde manches ernste Kapitel besprochen, sei es Jungmann und Mädchen, sei es Kitsch und wirkliches Dorfgut, sei es Feste und Feiern auf dem Lande, fei es Ostsiedlung als Mit- fei zur Erhaltung unseres gesunden Menschenüberschusses auf gesundem Land, sei es Organisation der Landjugend zur Rettung vor Verstädterung, zur Rettung des Landes.
Der Abend war der Bauernfamilie gewidmet. Um Eltern und Schwestern unserer Jungbauern kurz einzustimmen in die Gedankengänge dieses Kursus sprach der Bezirkspräses der kath. Jungmännervereine und der Deutschen Jugendkraft über die Kulturkrise auf dem Lande, die eine geistige Kulturkrise ist und sich zeigt in einem Niedergang des Berufsgeistes, des Volksgeistes, des Gemeinschaftsgeistes und des religiösen Geistes. Der Kursusleiter sprach bann über Pflege bes Familienlebens, bas ja die Urguelle zur Erhaltung eines gefunden Volkes Überhaupt unb besonders des Landvolkes ist. Von den vielen Dingen, die der (Erneuerung der Familie dienen, nannte er besonders das Lied und das Spiel. In zwei sehr gemütvollen Stunden wurde sodann
I ohne Bühne, ohne Klavier, ohne Lichtbildapparat, mit der Geige, dem Singeschisf, dem Märchenbuch und den Menschen, wie sie da saßen, jung und alt, groß und klein, Jungmann unb Mädchen, Vater und Mutter, Großvater und Großmutter, Familien-Feierabend gelebt I und erlebt durch Singen, Spiele nunb Erzählen. Hunderte fangen mit strahlenben Augen bie schönen alten Liebeslieder, wie man sie am Feierabend in der Familie gesungen hat zu Großvaters Zeiten, oder lauschten in atemloser Stille einer ganz gruseligen Geschichte. Das war lebendige Familie, das war Feierabend in der Bauernstube. Keiner wollte aufstehen, als sich bann alle am Schluffe bie Häube reichten und das letzte Lied fangen: „Nun Brüder — Schwestern — eine gute Nacht*)."
Hier zeigte sich die vielseitige Begabung des Kursus- (eitere in ihrem vollen Glanze. Gleiches Talent für die ernste Geistesarbeit wie für die Gestaltung eines feinen, fröhlichen Feierabends in der Familie. Das war auch das, was die männliche Jugend aus unseren Dörfern immer so bei der Sache hielt und zu der Sache zog den ganzen Tag über. Nachmittags waren immer noch mehr Iungbauern um ihren Führer geschart als am Vormittag. Waren es morgens an die 30, fo waren es nachmittags meist über 40. Ueberall war die Jugend zahlreich dabei, nur in Hilders ließ sie etwas zu wünschen übrig, offenbar deshalb, weil man bas Wort Jungbauer etwas geringschätzig ausieht.
Das ist aber gerabe bie Aufgabe der Junglaud- oder Jungbauernbewegung, daß sie das Selbstbewußt- fein, das S t o l z f e i n, das Treufein im Geist des Bauerntums fest in unserer Landjugend verankert. Stirbt unsere Landjugend an der Graßstadtseuche, so stirbt unser Land und damit unser Volk.
Jede kath. Organisation, Gesellenverein, Jungmännerverein, Arbeiterverein, Bauernverein, Jungfrauen- | verein, Mütterverehi sollte den Ernst der Stunde erkennen unb in ihren Reihen die Junglandbewe- g u n g, die vom Jugendhaus in Düsseldorf unb vom kath. Volksverein ausgeht, fördern. Es sollte eine große kath. Landjugendbewegung werden, zergliedert in die verschiedenen Gruppen. Jungbauern, Gesellen, Arbeiter, alle haben neben ihren Sonderzielen bie große, gemeinschaftliche Aufgabe, dem Land verbundene, yberufstreue unb eifrige, sittlich unb körperlich gefunbe unb starke katholische Menschen zu erziehen. Unb auf ber anbtrn Seite bie kath. Jungfrauenvereine mit ihren Zeitschriften für bie weibliche ßanbjugenb „Ouelle, Kranz, Knospe, Notburga". Das ist heute auf dem ßanbe nötig, damit bie Jugenb bie Zeit meistern lernt.
Damit bas ßanb mehr hört über bas Neulanb im Osten — i- Schlesien — in Mecklenburg, w o noch eine Million Bauerngüter o>n 50 — 60 Morgen neuer ft eilt werben können, wo 4 Millionen Menschen vom ßanbe noch Brot unb Arbeit finben können unb müssen, wenn wir unsere Landkultur nicht wollen zersetzen lassen durch Abwatiderung in bie Eroßstobt, wenn wir den beutschen Osten vor ber slavischen Flut decken wollen. In Matgendorf in Mecklenburg ist eine Siedlerschule für junge kath. Bauern durch den Jungmännerverband errichtet worden. Eine ähnliche für Jungbäuerinnen folgt in Kürze. Fast kostenlos ist der Aufenthalt in dieser Schule. Zwei Drittel bes Jahres finb ber Arbeit, unb ein Drittel ber Berufs- unb (BeiftesbÜbung bes jungen Bauern gewidmet. Dann kann sich jeder vertraut machen mit den landwirtschaftlichen Verhältnissen des Ostens und feine Eignung als Siedler selber prüfen. Taugt einer nicht dafür, so bleibt ihm der Gewinn der Schule für bie Heimat unb bas Leben. (Er hat ein Jahr in der Fremde gelernt, wie ein Geselle, der auf Wanderschaft geht.
Möge der Kursus, der allerorts in Eckweisbach, in Reulbach, in W ü st e n f a ch f e n, in Thaiden, in Simmershausen und in Lahrbach soviel Anklang gefunden hat, als erster 'Sammelruf für die kath. Landjugend gelten. Möchten auch in anderer Gegend ähnliche Tagungen für die Landjugend veranstaltet werden. Sie kosten nicht viel und sie geben allen Gelegenheit, sich zu beteiligen, sie sind auch ein gutes Werbemittel für den Aufbau der Sanbjugenborganifation, benn sie zeigen bem ganzen Dorfe bas frohe, reine unb ehrliche Gesicht, bas sie ber Dorfjugenb unb bem ganzen Dorfe erhalten wollen.
Möge von ber Jugend von unten unb von den amtlichen Führern der katholischen Landjugend von oben die Bewegung in der Hohen Rhön weiter gefördert werden, damit die Jugend gefeit wird gegen alle Gefahren und berufstüchtig und berufsfreudig unb berufsstolz, sittlich stark, froh unb glücklich wird, damit unser Dorf seiner Sendung als Jungbrunnen des deutschen Volkes stets gewachsen bleibt.
Als 3nmper, Neger unb Mer in Siiö-ümctito.
8j Don Bernhard Schroeder-Wiborg.
Ich war nur vier Tage auf dem Tambo, bann trieb mich meine Wanderlust wieder weiter. Dieses Mal ging es dem Territorium Pampa entgegen.
5n einer Ortschaft lernte ich einen deutschen Schlaf- fer kennen, ber sich mir anschloß. Wir hofften, in ber Ernte viel Gelb zu verdienen. Doch Trockenheit unb Ejagel hatten in der Pampa eine Mißernte hervorge- rufen. Auf ben Bahnhöfen sah man viele Arbeitslose.
Zu dieser Beschäftigungslosigkeit trugen die modernen, immer mehr auffommenben Erntemaschinen sehr viel bei. Denn sie nahmen bem Arbeitsmanne bas Brot aus ber Hand Diese Maschinen fahren über das ßanb. schneiben bie Aehren ab — bas Stroh hat dort keinen Wert —, breschen zugleich unb lassen ben mit reinem Korn gefüllten Sack hinten abfallen.
Nachdem wir erkannt hatten, baß hier nichts zu machen war, verließen wir bie Bahn sofort wieder unb gingen in ben Kamp. Dort fanden wir (Erntearbeit bei einem Kontraktisten. Die Arbeit bauerte nur acht Tage, unb ber Arbeitgeber konnte keinen neuen Kontrakt mehr abschließen.
Nun hörten wir, baß in ber Hauptstadt der Pampa, in Santa Rosa, eine Eskadron berittener Schutzleute zusammengestellt wurden. Nach dem letzten gewaltigen Ausstand in Chudut hielt die araentiniüfie Regierung solche Verstärkung für jedes Territorium für notwendig.
Also fuhren wir kurz entschlossen nach Santa Rosa und wurden wirklich bei der Polizei eingestellt.
Ich war damals etwa neutz Monate im Lande, mein Begleiter noch kürzere Zeit, und wir beherrschten mtrs (ich noch nicht die spanische Sprache, aber wir waren froh, daß wir Brot hatten. Etwa drei Wochen exerzierten wir in unseren Zivilkleibern, bevor wir die gelben Polizeihakis bekamen. In dieser Eskadron waren Kreolen, Spanier, Türken, Italiener, wir zwei Deutsche und zwei zahme, reinblütige Indianer vertreten.
(Eine Messerstecherei unter diesen Leuten war nicht selten, und verschiedene erhielten auch wieder den Lauf' vaß. Ein Kreole erzählte mir selbst, daß er einmal einen Menschen umgebracht habe. Unb ich war überzeugt, daß noch mehr Leute dieser Art in der Eskadron waren.
(Einmal kam auch ein Flugzeug nach Santa Rofa Der Pilot, Aviätor Fels, war der in Argentinien geborene Sohn eines Schweizers, von dem ich noch etwas kurz berichten will.
Bor einigen Jahren machte ein französischer Flieger in Buenos Aires viel von sich reden. (Er wollte mit seinem Apparat als erster den La Plata überfliegen.
Da vermißte man eines Morgens auf dem Militärflugplatz den noch ganz jungen Epilotenunteroffiaier Fels uni) ein Flugzeug. Bald darauf kam die Nachricht, daß Pilot tfels glücklich bei Montevideo gelandet war.
Hierauf entsandten die Argentinier eine Kommission narf) Montevideo, um ben tollkühnen Piloten fest zunehmen. Man fanb aber den Flieger nicht bei feinem Apparat und kehrte wieder in bie Stabt zurück, um ihn dort zu suchen.
Während dieser Zeit aber flog mein Fels ungefesselt wieder nach Buenos Aires zurück. (Er hatte als erster den La Plata-Strom überflogen.
Natürlich wanderte er — kaum in Buenos Aires angekommen — sofort in Arrest. Doch nach drei Tagen wurde er von einer hohen Persönlichkeit wieder befreit und mit einem Orden geschmückt.
Also dieser Flieger war mit seinem Apparat nach Santa Rosa gekommen, um hier einige Passagierflüge zu veranstalten. Da meine Vorgesetzten wußten, daß ich im Kriege Flieger gewesen war, schickte man mich als Nachtwache für den Apparat.
Da saß ich den als avgentinischer Gendarm die ganze Nacht im Flugzeug und träumte meinen Traum, einmal wieder fliegen zu können! Am anderen Tage lernte ich auch Fels persönlich kennen.
Die nächste Nacht aber mußte der Pilot eine Privatmache für seinen Apparat stellen, und da fand er einen Burschen, der aus unserem ehrenwerten Verein ausge- stvßen war, weil man ihn bei einem Marktdiebstahl ertappt hatte.
3n einer Nacht nun — Fels war gerade am Tage fortgeflogen — da hörte ich neben meinem kleinen, gemieteten Rancho einen Schuß fallen unb dumpfes Getrampel. Gleich darauf fiel ein zweiter Schuß, Nun stand ich auf, warf mir bie Kleider über, zündete die Laterne an und trat hinaus. Und da kam mit blutüberströmtem Gesicht eben jener Mensch der den Flug- apparat bewacht fyatte, auf mich zu unb übergab mir den noch warmen Revolver
Ich fragte, was passiert sei, unb er sagte, ich möchte
ihm folgen, und nun führte er mich hinter meinen Rancho in den Hof einer Spielkneipe.
Hier lag ein Kreole von unserer Truppe in den letzten Zügen. Beide Schüsse waren ihm durch die Brust gegangen.
Der Täter erzählte mir freimütig — ich mochte sagen mit ber Naivität eines Kindes —, daß ber am Boden liegende Mann ihn hatte berauben wollen unb ihm in das Gesicht geschlagen hatte. Darauf habe er sich eben verteidigt.
Bei dem schrillen Klang meiner Alarmpfeife erschauerte ich selbst. Bald waren andere Gendarmen zur Stelle. Doch der erschossene Kreole gab kein Lebenszeichen mehr von sich.
Endlich erschien auch ber Offizier vom Dienst, denn mir durften, laut Instruktion, einen Toten nicht berühren, um nicht eventuell Spuren zu verwischen.
Später hörte ich, baß der Täter als Wachtposten bei dem Flugzeug ganz gutes Geld verdient hatte, am Abend ober, nach dem Ab'luae des Piloten, gleich um Geld zu spielen begann. Dabei pflegte er Glück zu haben.
(Einige Gendarmen müssen bann wohl gesehen hob-m, daß der abgebanfte Kamerad Geld besaß. Sie überfielen ihn, woraus er sich verteidigte.
Merkwürdig war noch bei dem Vorfall daß die Tal mit dem Revolver des Fliegers Fels ausgeführt wurde. Der Pilot hatte dem Burschen die Waste für seine Tätig- feit als Posten geliehen. Als Fels aber fortfliegen mußte, gab der Mann an, er habe den Revolver verloren.
(Fortsetzung folgt.)