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Auldaer Land und Aachbargebiet

= Neuhof (Kr. Fulda). Neugründung einer freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. Am 19. Jan. d. I. wurde durch die Führung der freiw. Sanitätskolonne Fulda eine Sanitätskolonne in Neuhof gegründet, Herr Dr. Sebald legte in einer Ansprache Zweck und Ziel einer Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in recht anschaulicher Weise dar. Die Ausführungen führten zur endgültigen Gründung einer Kolonne in Neuhof. Als Kolonnenarzt wurde Herr Dr. med. Bog­ner (Neuhof) und zum Kolonnenführer Herr Schreiner­meister Pius Schweizer von den Anwesenden be­stimmt. Die offizielle Ausnahme in den Roten-Kreuz- Derband findet nach Ablegung einer Prüfung statt.

= Eckweisbach (Kr. Gersfeld). Am vergangenen Sonntag konnte der hiesige Kriegerverein sein 25jähriges Bestehen feiern. Wegen der allge­meinen Notlage wurde von einer größeren Veranstaltung abgesehen und nur ein schlichter Familienabend angesetzt. Herr Lehrer Hof hielt einen mit großem Beifall aufge­nommenen Vortrag über den Befreiungskrieg von 1813. Anschließend wurden zwei kleine Theaterstücke aufge­führt. Ein Lall beschloß die zu allgemeiner Zufrieden­heit verlaufene Feier, während der 35 Mitglieder, die dem Verein seit seiner Gründung angehören, mit der Erinnerungsmedaille ausgezeichne' wurden. 40 Mit- glieder sind in den vergangenen 25 Jahren zur großen Armee abberusen worden.

-- Rasdorf (Kreis Hünfeld). Zu einer eindrucks­vollen Kundgebung gestaltete sich der von der Zen­trumspartei abgehaltene F am i li e na b e nd, der eine Beteiligung aufwies, wie sie hier noch nie bei einer Parteiversammlung zu verzeichnen war. Nach einem einleitenden Musikstück sprach ein Schulmädchen Verse Paul Keilers als Prolog, und dann begrüßte der Ortsvorsitzende der Parteiorganisation die Teilnehmer, besonders herzlich die von Hünfeld gekommenen Herren. Rektor Sondergeld. Konrektor Möllers, Oberlehrer Frank und Kreisausschußmitglied Helferich-Gruben. In seinem Referat behandelte Oberlehrer Frank die Reichs- oerfassung, während Konrektor Möllers die maßgeben­den Parteien des Parlaments vom Standpunkt des Staatsbürgers, dem des Katholiken und dem der Zen­trumspartei beleuchtete. Daß der Redner hierbei beson­ders auf die Programme der Extremen einging, lag auf der Hand. Seine volkstümlich gehaltenen Ausführungen fanden stärksten Beifall und dürften zur Belebung des Zentrumsgeistes in Rasdors, wo die Partei der Mitte ja immer innerhalb des Kreises Hünfeld den größten Rückhalt fand, wesentlich beigetragen haben. Im Nah­men der kurzen geschäftlichen Verhandlungen, die Kreis- ausfchußmitglied Helferich leitete, wurde der seitherige Vorstand wiedergewählt; auf Vorschlag des Gesellen­vereinspräses wurde er noch durch die Wahl zweier ju­gendlicher Mitglieder ergänzt. Auch Rektor Sonder­geld richtete noch einige ermunternde Worte an die Ver­sammlung. Er gab seiner vollen Befriedigung Ausdruck über die' wohlgelungene Veranstaltung, worauf Vor­sitzender Joseph Flach das Schlußwort sprach Ein flott gespieltes Stegreifspiel der Schuljugend leitete zum gemütlichen Teile über,, in dessen Verlauf der Gesang­verein unter der Stabführung seines Dirigenten Haupt­lehrer Trinkler verschiedene Chöre bot. Mit gemeinsam gesungenen Liedern sanden die sehr schön verlaufenen Stunden ihr Ende.

Ein Bauernhof brennt in der hochzeiksnachk ab.

— Eiterfeld (Kr. Hünfeld). In einer der letzten Nächte brach in dem Anwesen des Bürgermeisters G ö- b e l Feuer aus, das die gesamten Wirtschaftsgebäude in Asche legte. Das Feuer hatte sich derart schnell cms- gebreitet, daß es auch schon auf die Türen und Fenster des Wohnhauses Übergriff, als die Bewohner das Feuer bemerkten. Sie muhten sich notdürftig bekleidet durch die Fenster in Sicherheit bringen. Außer großen Ernte- wrräten sind in den Wirtschaftsgebäuden 19 Mut­terschafe und ein Rind verbrannt. Das Un­glück trisft die Familie um so schwerer, weil der Sohn es Bürgermeisters am Tage vorher Hochzeit gefeiert atte. Ein Teil der von der jungen Frau mitgebrachten AÖbel sind durch den Brand verdorben. Der Feuerwehr -lang es schließlich, das Wohnhaus zu reiten. Man ermutet, daß der Brand durch unvorsichtiges Umgehen ist brennenden Zigarren oder Zigaretten entstanden ist.

Goldene Hochzeit.

- Bad Soden b. Salmünster. Man schreibt uns: Der ergangene Sonntag war ein Freudentag für unsere lemeinde. Unter allgemeiner aufrichtiger Teilnahme mnte das Ehepaar August und Wilhelmine H a u s - n an n den Tag ihres goldenen Ehejubiläums feiern. Seide Jubilanten erfreuen sich guter körperliechr Ge- undheit und voller geistiger Frische. Eine eindrucks- olle kirchliche Feier wurde mit dem Hauptgottesdienst verbunden, in dem das Jubelpaar den Segen der Kirche mpfing. Erbauend und ergreifend für alle Anwesenden mar es, als die beiden Eheleute mit ihren Kindern und Verwandten im Hauptgottesdienst zur heiligen Kom­munion gingen. Der Gesangverein Frohsinn verherr­lichte die Feier durch Darbietung der deutschen Messe von Schubert. Frisch, lebendig und klangrein kam diese schöne Komposition zu Gehör und zum Gemüt aller An­wesenden des stark besuchten Gottesdienstes. Herr Bau- unlernehmer August Hausmann ist eine geachtete und beliebte Persönlichkeit in der Gemeinde, in deren Wohl­fahrt er sich außergewöhnlich verdient gemacht hat. lieber 40 Jahre betätigte er sich in guten und schweren Zeiten als Stadtverordneter, dann als Magistratsmit­glied und Beigeordneter im Dienste der Allgemeinheit. Immer war er arbeitsfroh und arbeitsfreudig von fast unermüdlichem Schaffensgeist beseelt, pflichttreu, hilfs­bereit und voller Liebe zu feinem Soden. Immer war es fein aufrichtiges Streben, seiner Vaterstadt in seltener Hingabe zu dienen. Es gibt kaum eine Kommission, kaum einen Ausschuß, dem der Jubilar nicht angehorte;

mit hohem Deraniwortungsbewußtsein verband er kluge und gewandte Berhandlungsgabe. Als äußeres Zeichen der steten Hochschätzung und der dankbaren Anerken­nung seiner Verdienste um die Mitbürger wurde dem Jubilar das Prädikat Stadtältester verliehen. Die Anerkennung der verdienstvollen Mitarbeit des Jubi­lars für das Wohl feiner Heimat kam zum Ausdruck durch die überaus zal)lreichen Glückwünsche, die ihm und seiner treuen Lebensgefährtin von allen Seiten zuteil wurden. Auch ist Herr Hausmann seit der Grün­dung der Pfarrei Soden (1888) in ununterbrochener Reihenfolge Mitglied des Kirkbenoorstandes gewesen und ist stets mit warmer Liebe und überzeugter Treue für die kirchlichen Interessen der Pfarrgemeinde eingetreten.

f. — - --r. • -T-hr— f^rr Reicbsvräsident

von Hindenburg, Herr Landrat des Kreises Schlüchtern Dr. Müller, und der Bezirksausschuß des Kreises. Herr Bürgermeister Radke und der Magistrat von Bad ooben überreichten eine Ehrenurkunde mit der Ernen­nung des Jubilars zum Stadtältesten. _ Es ist ein Kunstwerk des Herrn Otto Reichert aus Offenbach a. M., in Form, Schrift und Zeichnung schlicht, aber feinsinnig abgefaht. Kirchenvorstand, Reiffeisen und andere Ver­einigungen fehlten nicht bei den Gratulanten. Beson­dere Freude bereiteten dem Jubelpaar und der ganzen Familie die Glückwünsche des Hochwürdigsten Herrn Bischofs in Fulda, der dem vorbildlichen Jubelpaare auch seinen bischöflichen Segen sandte. Am Abend brachte der Gesangverein Liederkranz und der gemischte Chor den verdienten Eheleuten ein sinniges Ständchen. Mögen die beiden Jubilare noch recht viele frohe, ge­sunde, glückliche Tage miteinander verleben zur Freude ihrer Kinder und der ganzen Gemeinde.

Das Kinzigregulierungs-Projekl gescheitert.

— Hanau. Das vom Landkreis Hanau betriebene Kinzigregulierungs-Projekt ist an der ablehnenden Hal­tung der Gemeinde Rückingen, die sich zu keinerlei finanziellen Opfern bereit erklärte, gescheitert. Damit fällt auch automatisch die vorgesehene Höherlegung des ständig vom Hochwasser bedrohten Landweges Rückin­gen-Niederrodenbach, die lediglich in Verbindung mit den Kinzigregulierungsarbeiten in Angriff genommen wer­den sollte. Das ganze auf 600 000 Mark veranschlagte Projekt, mit dessen Inangriffnahme bereits im Frühjahr begonnen werden sollte, ist damit buchstäblich ins Was­ser gefallen Die für die Regulierungsarbeiten zuge­standenen Mittel aus der produktiven Erwerbslosenfür- sorge sind vom Kreis bereits freigegeben worden. Die vorgesehenen Regulierungsarbeiten bei Langensel­bold können als ein Teilstück des Gesamtprojektes dem­gemäß jetzt auch nicht mehr zur Ausführung gelangen.

Der neue HaushaUsplan in Hanau

1 Million Mark Fehlbetrag.

= Hanau. Der von der Verwaltung ausgearbeitete Entwurf des städtischen Etats für 1931 weist, obwohl er unter dem Gesichtspunkt größter Sparsamkeit aufgestellt ist, einen Fehlbetrag von 998 000 Mark auf. Die Zu­schläge zur Gewerbesteuer und zur Grundvermögen- fteue'r find in der seitherigen Höhe eingestellt, d i e Bürger st euer soll um das Vierfache er» höht werden. Die Stadtverordnetenversammlung Hot einen Sonderausschuß gewählt, der sich mit dem Etatsentwurs befassen und versuchen soll, etwaige Spar­maßnahmen zu erörtern, auch Verhandlungen mit der Regierung zu führen über Zuweisung eines größeren Betrages aus dem Dispositionsfonds für besonders not­leidende Gemeinden.

§§ Kassel. Der Verlagsdirektor des im 83. Jahr­gangs erscheinenden „Kasseler Tageblatt" Carl Gott- helft ist Montag früh nach kurzer, schwerer Krankheit an einer chronischen Herzbeutelentzündung im Alter von 44 Jahren gestorben. Er war der älteste Sohn des Zeitungsoeriegers. früheren Hofbuchdruckers Albert Gotthelft, des Mitbesitzers des Druckereiverlages „Kass. Tageblatt", hatte in Kassel das Friedrichgymnasium be­sucht, war dann als Buchdrucker in Leipzig, München und Wien tätia, versuchte sich in Wien und London als journalistischer" Mitarbeiter, trat aber wieder in das eigentliche Verlagsfach zurück und kam nach Kassel, wo er nach dem Weltkriege in die Verlagsleitung des „Kasseler Tageblatt" eintrat. Unter seiner Mitwirkung wurde dann in 1929 eine Arbeitsgemeinschaft mit den , Kasseler Neueste Nachrichten" gegründet, worauf auch der Druck und Verlag der „Kasseler Neueste Nachrichten" in das Haus des „Kasseler Tageblatt" in die Kölnische Straße verlegt wurde. Es wurde eine A.-G. für Druck und Verlag norm. Gebr. Gotthelft gegründet und in dieser A.-G. wirkte Carl Gotthelft als kaufmännischer Direktor. __________________

=■ Wiesbaden. Hier vergiftete sich ein Oberkellner in seiner Wohnung mit Leuchtgas. Die Tat wurde durch das anhaltende Laufen des Gasmessers im Keller be­merkt, worauf man die Wohnung aufbrach und den Mann tot vorfand. Vor kurzer Zeit nahm sich die Frau des Kellners auf die gleiche Weise das Leben.

Freistaat Hessen.

Nationalsozialisten wollen ein Bürgermeisteramt stürmen.

== Hahnheim (Rheinhessen). Am Sonntag abend kam es hier zu einer schweren Schlägerei zwischen Na­tionalsozialisten und Reichsbannerleuten. Die Natio­nalsozialisten, die in Stärke von etwa 140 Mann in einer Wirtschaft sich aufhielten, beschimpften vorbeiziehende Reichsbannerleute und bewarfen sie mit Steinen Als die Neichsbonnerleute sich zur Wehr setzten, kam es zu

einer regelrechten Straßenjchlacht. wobei gejchlu- gen, geschossen und gestochen wurde. Als der Bürger­meister von Hahnheim die Streitigkeiten schlichten wollte, wurde er von den Nationalsozialisten mißhandelt und der Polizeidiener niedergeschlagen. Daraufhin versuch­ten die Nationalsozialisten das Bürgermeisteramt zu stürmen, wurden aber von dem inzwischen alarmierten Mainzer Ueberfallkommando daran gehindert. _ Etwa 40 Nationalsozialisten wurden festge­nommen. Don den Nationalsozialisten wurden zwei in das Oppenheimer Krankenhaus eingeliefert.

Wilde Jagö nach Kraftwagendieben.

— Koblenz. Die Polizei nahm am Sonntag zwei gefährliche Kraftwagendiebe aus Freiburg fest, die, nach­dem sie in mehreren Städten Kraftwagen gestohlen hak­ten, aus Frankfurt a. M. mit einem gestohlenen Wogen nach Koblenz gekommen waren. Sonntag morgen stah-

Aus der

Aus Geisa

Dr. Arick feiert Jubiläum.

Ein Jahr Drilles Reich in Thüringen.

Anläßlich des einjährigen Bestehens der jetzi­gen Thüringischen Regierung gab der thüringische Innen- u. Volksbildungsminister Dr. Frick in einer von den Nationalsozialisten in Weimar veranstal­teten Feier einen Rückblick auf seine Tätigkeit im ersten Jahre seiner Zugehörigkeit zur Thüringer Regierung. Die Nationalsozialisten hätten den Ent­schluß ihres Eintritts in die Regierung nicht ge­faßt, weil sie der Meinung gewesen wären, daß sie in Thüringen das Dritte Reich oder eine In­sel der Seligen errichten könnten, die als wirt­schaftliche Oase von dem allgemeinen Elend ver­schont werden würde. Sie seien sich vielmehr der Verantwortung gegenüber dem Thüringer Volk be­wußt gewesen, der sie sich nicht hätten entziehen dürfen. Sie wollten zeigen, daß sie nicht nur in unfruchtbarer Opposition negative Kritik üben könnten, sondern daß sie auch in verantwortungs­voller Stellung neue Wege zu gehen entschlossen seien. Aus dem ungeheuren Anwachsen der Be­wegung könne man feststellen, daß der Erfolg den Nationalsozialisten recht gegeben habe. Ein we­sentlicher Teil dieses Erfolges sei der Thüringer Politik zuzuschreiben. Die deutsche Jugend habe erkannt, so sagte Dr. Frick, daß die Veranstaltun­gen in Genf nichts als Phrasennebel und gemei­ner Volksbetrug seien und nur zu dem Zwecke dienten, das Volk dumm' zu machen und immer wieder einzuschläfern. Es sei für das deutsche Volk eine Kleinigkeit, in der Stunde der Befreiung Waffen und Bundesgenossen zu erhal­ten.

Bei dem Dank, den Dr. Frick seinen (national­sozialistischen) Fachberatern aussprach, wandte er sich gegen die (mit Recht) erhobenen Vorwürfe, die Nationalsozialisten trieben Futterkrippen- wirtschaft. Er erklärte, seine Fachberater nicht zurückziehen zu wollen — und wenn der Land­tag platzt —, da Personalfragen für die Nationalsozialisten Machtfragen seien. (Mit diesen Ausführungen bestätigte der Minister aller­dings die Besorgnisse, die gegen die Fachberater ausgesprochen worden sind, die der Minister selbst, wie im Ausschußbericht gestanden hat, seinerzeit als vorübergehende Einrichtung betrachtete.)

Erwähnenswert ist weiter, daß der Minister erklärte, nur einen ohne neue Steuern ausgegliche­nen Haushaltsplan unterschreiben zu wollen.

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Daß die Nationalsozialisten das einjährige Mi­nisterjubiläum des Dr. Frick großartig feiern, kann man nur belächeln, denn erstens ist die Tatsache, daß im Thüringischen Staatshaushalt wenigstens wieder einigermaßen Ordnung herrscht, durchaus nicht das Hauptverdienst des Dr. Frick, sondern vor allem des Finanzministers Daum. Und dann hat die Thüringische Regierung trotz der natio­nalsozialistischen'Mitwirkung doch nur das tun können, was die anderen Länderregierungen, in denen keine Nationalsozialisten das große Wort führen, auch getan haben: nämlich das Staatsschiff mühsam durch die vielen finanziellen Klippen ge­bracht. Daß andere Minister deshalb große Re­den halten, hat man bis jetzt noch nicht gehört. Die Nationalsozialisten brauz — "den Agitation. Das lassen auch wieder die Ausführungen des na­tionalsozialistischen Staatsrats M a r f ch l e r in der gleichen Feier erkennen. Er wiederholte die schon oft gehörte Drohung mit der Lan d t a g s au f l ö- sung in Thüringen. Nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen stünden den Nationalsozialisten 12 Abgeordnesse zu, und sie müßten dafür sorgen, daß sie auch zwei Mini st er bekämen. Schön und gut. Allerdings haben die Nationalsozialisten ursprunv ich gar keinen Minister haben wollen. • Es ist richtig, daß das Ergebnis der nationalsozia-

len sie wiederum einen unbemadjten Wagen und fuhren davon Ein Polizist nahm in einem anderen Auto die Verfolgung auf und stellte die Diebe in Koblenz-Lützel. Diese suchten sich der Festnahme durch die Flucht zu Fuß zu entziehen und blieben auch trotz mehrerer An­rufe und Schreckschüsse des Beamten nicht stehen. Der Beamte gab dann einen scharfen Schuß ab wo­durch einer der Täter getroffen wurde. Der zweite Dieb wurde dann durch einen Schuß eines zwei­ten hinzugekommenen Polizisten zum Stehen gebracht.

= Wetzlar. In Burgsolms, Kr. Wetzlar, wollte ein Dienstmädchen in der Mühle von Baumann den Kaffeetisch abräumen, auf dem ein geladenes Terzerol lag Dabei löste sich ein Schuß, und die Kugel drang der' am Kaffeetisch sitzenden Frau des Mühlenbesttzers Baumann in die Lunge. In lebensgefährlichem Zu- stände wurde die Frau in das Wetzlarer Krankenhaus gebracht.

nftiftben Stimmen bei der Reichstagswahl eine grö­ßere Menge nationalsozialistischer Abgeordneter be­dingen würde, wie sie jetzt vorhanden sind. Aber wer Neuwahlen in Thüringen anstrebt, muß sie verantworten. Die Reichstagswahlen haben der j e t- zigen Koalition nur eben noch eine g e • ring e Mehrhe it gelassen. Aus Neuwahlen könnten vielleicht überhaupt keine der jetzigen Re­gierungskoalition angehörende Minister hervor­gehen! Jedenfalls würden die Linksparteien die Mehrheit bekommen und die nationalsozialistische Agitation hätte dem armen Land Thüringen wie­der einmal eine Linksregierung beschert. Was soll also dieses dumme Geschwätz?

Die Rektoralswahl der Universität Jena.

Die Neuwahlen des Rektors der Thüringischen Landesuniversität vollzieht sich diesmal nicht ohne Schwierigkeiten. Von der juristischen Fakultät, die in diesem Jahre turnusgemäß den Rektor stellen sollte, waren die Professoren Paape, Koellreutter und Hedemann vorgeschlagen worden. Der Große Senat hatte in der Stichwahl mit 39 gegen 38 Stimmen bei einer Stimmenthaltung für P a a p e, der Dozent für Betriebswirtschaftslehre ist, ent- ichieden. Das Thüringische Volksbildungsministe­rium hat gegen diese Wahl Einspruch erhoben und auf Grund eines ihm satzungsgemäß zustehenden Einspruchsrechtes Paape als „minder genehm" ab- gelehnt. Die Universität muß, nunmehr die Wahl nochmals vornehmen, was am Donnerstag gesche­hen wird. Die juristische Fakultät soll es aber abgelehnt haben, einen neuen Kandidaten zu nomi­nieren. Es ist infolgedessen anzunehmen, daß ein Mitalied der medizinischen Fakultät gewählt wer­den'wird. — Den Grund für das Einschreiten des » Ministers Dr. Frick gegen den als Wissenschaftler anerkannten Professor Paape muß man darin su­chen, daß Prof. Paape in dem Verdacht steht, einer linksgerichteten Parte: nahezustehen.

kleine Nachrichten.

Durch ein Großfeuer, das in der Scheune eines Breitenbacher Einwohners ausbrach, wur­den vier Scheunen nebst den Wirtschaftsgebäuden in Asche gelegt. Sieben Feuerwehren waren fünf Stunden 'tätig, um ein Uebergreifen der Flam­men auf die benachbarten Häuser zu verhindern. Sämtliche Getreidevorräte sowie die landwirtschaft­lichen Maschinen ihev Gebäudebesitzer sind ver­brannt. Der Schaden ist nur teilweise durch Ver­sicherung gedeckt.

Ein mit zwei Pferden bespannter Lastfchlitten überschlug sich in der Nähe von Zirkel und stürzte den Hang hinunter. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Ein Pferd wurde vom Schlitten begraben und war sofort tot.

Die wirtschaftliche' Notlage weiter Kreise ver­anlaßte das Wohlfahrts-Jugendamt von Eife- n a ch, in den verschiedenen Stellen der Stadt vier Speisestellen einzurichten, in denen 200 bedürftige, vorn Schularzt ausgewählre Kinder zehn Wochen hintereinander wöchentlich dreimal unentgeltlich mit gutem, abwechslungsreichem Mittagessen ver­sorgt werden.

Als sich ein lüjähriger Mann aus Zopten nachts auf dem Heimweg befand, wurde er bei Gräfenthal von einem Unbekannten überfal­len. Er erhielt einen Stoß gegen den Magen, der ihn kampfunfähig machte. Darauf nahm der Tä­ter dem Ueberfnilenen die Barschaft von 13 Mark ab und verschwand im Dunkeln.

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer, für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerer JParzeller. ‘__

Thüringischen Rhön und Umgebung.

Das Herz in der Faust.

Roman eines jungen Menschen.

Von Peter Heinrich Keulers.

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Mit dieser Lösung gab man sich auf beiden Seiten zufrieden Gegen zehn Uhr abends marschierte die Trommlerabteilung der Freiwilligen Feuerwehr durch das Dorf und durch die Kolonie und verkündete mit rasselnder Marschmusik den Anbruch des Festes. Als der Sonntag anbrach, geschah dasselbe noch einmal. Die Straßen schmückten sich mit Fahnen aller Farben. Der Himniel lachte dazu, und die Menschen kamen sich vor, als sei nie Krieg gewesen, als habe es nie Brotkarten und Steckrüben und Verwundete und Tote gegeben, als feien die fremden Soldaten schon immer mit ihren Pfer­den und Wagen aus- und eingezogen.

So sind wir Menschen. Jahrelanges Leid, Tränen d Aengste bedeuten fast nichts mehr, wenn die Freude ..ns wieder lacht. Wir hoffen auf das kleinste Silber­rändchen, das wir an einer dunklen Wolke erblicken, und wenn die Sonne dann wirklich durchbricht, atmen wir auf, vergessen Donner und Blitz und sehen nur. w'e der milde Regen im goldenen Sonnenlicht perlt und glitzert.

Die Neudorfer waren nicht leichtherziger als die anderen Rheinländer. Aber der Trommelwirbel und die elektrisierenden Hörner, die stolzen Pferde und die buntgefchmückten Fahrräder, die Turner in ihren glänzenden weißen Hosen, die Schützen mit den urnge- stülpten Hüten, alle im Gleichschritt, dieses Bild brachte sie doch ein wenig außer Fassung. Dazu kam bann noch das ganz heimliche Gefühl: wir werden beobachtet. Hinter den Gardinen der Soldatenguartiere baumeln die kleinen Quasten der Soldatenmützen und neidische Augen schauen auf uns, wie wir den Marsch „kloppen": denn darin sind alle, die einmal irgendeine Niederlage er­litten haben, gleich: sie tragen die Niederlage stolz und erhobenen Hauptes, wenn sie in irgendeiner Hinsicht bewundert werden von denen, die vorerst triumphiert haben. Das ist das Süße am Schmerz, nicht ganz min­

derwertig zu fein und selbst dem Feinde noch Achtung abzutrotzen.

Der Festzug bewegte sich durch die Dorfftraße zur Kolonie hin, von dort zur Festwiese, an den Zelten vorbei bis oben an die Schießstände. Das George! in den Karussells war bald in vollem Gange, in den Tanz­zelten stampfte und schmetterte die Blechmusik. Bun­ter Flitter flirrte umher, bald knallten die ersten Schüsse, Hurrarufe brausten über die Menge hin, Fahnen flatter­ten von den Masten und die Herzen schwammen in Seligkeit.

Betriebsführer Hennes hatte seinen Posten im Be­amtenkasino pünktlich und bereitwillig, wenn auch mit bitterem Grimme an getreten. Niemand ahnte, was in seinem Inneren vorging, als er sich für das ganze Dorf unter das Joch beugte, das die Fremden ihm auferleg­ten. Zwei pensionierte Obersteiger und der alte Dorf­lehrer fanden sich ebenfalls gegen drei Uhr ein. Kaum hatten sie den ersten Skat begonnen, als aus dem Bil­lardzimmer, das die belgischen Offiziere seit dem ersten Tage der Besatzung für sich mit Beschlag belegt hat­ten, ein Kapitän seinen Kopf durch die Tür steckte, offenbar, um sich zu überzeugen, ob der verlangte „Geisel" auch wirklich zur Verfügung stehe. Hennes be­merkte es, schluckte einen grimmigen Fluch hinunter und spielte weiter.

Gegen Abend, als der heiße Tag anfing, kühl zu werden, sanden sich nach und nach Gäste im Kasino ein. Das Getöse von der Festwiese drang klarer durchs die offenen Fenster, die Bogenlampen blitzten auf und scha­renweise kamen die Leute ins Dorf zurück.

Als Henes vorfchlug, eine Pause im Spiel zu ma­chen, damit er einen Imbiß einnehmen könne, be­merkte er, wie sich fast an allen Tischen Gäste einge­funden, meist junge Beamte und Angestellte. Der Eck- tifch war durch eine spanische Wand den Blicken der anderen entzogen. Aber man hörte deutlich, wie hinter demselben heftig diskutiert wurde. Hennes glaubte auch die Stimme zu kennen, sie lag ihm aus erregten Be­ratungen auf der Zeche deutlich in den Ohren: Franks Stimme.

Wer wohl in feiner Gesellschaft sein mochte? Ts fielen zuweilen französische und flämmijche Brocken in

die Unterhaltung, Zahlen wurden genannt, die Namen einiger Zechen der Umgebung hörte Hennes ebenfalls. Aber einen rechten Zusammenhang konnte er trotzdem dem Gespräch nicht geben.

Plötzlich geht die Tür des Zimmers auf, ein Kellner kommt herein und ruft: „Musjö Gölinx ans Tele­phon!" Sofort erhebt sich jemand hinter der spanischen Wand, msttelgroß, in hellem Sportanzug, mit kleinem schwarzem Schurrbart unter der Nase und begibt sich hinaus auf den Flur in die Telephonzelle. ,

Es dauerte etwa 10 Minuten bis er wiederkam. Hennes wurde aufmerksam, überlegte, ob er diesem Musjö folgen solle, um ihn sich näher anzusehen, oder ob es sich hier um eine harmlose Sache handeln könne Geulinx aber ließ ihm kaum Zeit zum Nachdenken Als er wieder im Türrahmen erschien, ging er an den Tisch in der Ecke, verabschiedete sich ziemlich hastig aber den­noch sehr freundlich von Frank und verschwand.

Inzwischen hatte im kleinen Saal des Kofinos, der gleich nebenan lag, der Tanz begonnen. Es wurde leise, nach dem Rhythmus neuer Tänze, musiziert. Aus far­bigen, breiten Lampenschirmen quoll das Licht über die sich wiegenden Paare. Zigarettendunst und verbrauch­tes Parfüm schwängerten die Luft und erhitzten die Ge­müter Fast an allen Tischen wurde Sekt getrunken. Auch Frank hatte eine kleine Gesellschaft gefunden, mit der er, fo wie es seine Art war, laut und betont eme nichtssagende Unterhaltung führte. Der große dicke Grabowski saß dabei, einige Mädchen aus der Kolrwe und zwei ober drei von ben Hollandfahrern. Grabowski überschlug keinen Tanz und belegte eines der Mädchen am Tisch"fast ganz mit Beschlag. Die Brutalität seines Wesen» zeigte sich in der sinnlich aufreizenden Weise, wie er tanzte. Der Freund des Mädchens bemerkte das: Frank fühlte, wie sich Explosivstoff gegen Grabowski sam­melte und suchte die Burschen abzulenken und immer mehr in sein Gespräch zu ziehen An anderen Tischen wurde die steigende Erregung ebenfalls bemerkt. Als die Musik nun zu einem Step anfetzte u. Grabowski auf- stand, um bas Mädchen wieder zu einem Tanz zu bitten, sprang einer der jungen Leute hoch, stellte sich vor das Mädchen und brüllte:

„Laß das Mädchen in Ruhe!"

Grabowski grinste, wollte den Burschen beiseite schie­ben, erhielt aber im gleichen Augenblick einen Faustschlag unter bas Kinn. Er taumelte zurück, stürzt aber gleich wieber vor, ergreift eine Weinflasche und schwingt sie über bem Kopf des Burschen, um sie mit voller Wucht nieberfaufen zu lassen. Frank fällt ihm in ben Arm. Ein Tumult entsteht: aus allen Türen stürzen Menschen zusammen, am Boben balgen sich einige Körper, bie Mädchen flüchten auseinander, belgische Soldaten wer­den herbeigerufen; die Kampfhähne werden voneinander getrennt und nun geschieht etwas ganz Unerwartetes: Grabowski bleibt ungeschoren, der Bursche, der sich vor fein Mädchen gestellt hatte, wird verhaftet und fortge­führt.

Es war nicht unbemerkt geblieben, daß Frank mit einem belgischen Offizier einige sehr deutliche Blicke ge- tauscht hatte. Betriebsführer Hennes, der von feinem Tische aus alles beobachtet hatte, erhob sich, um bie gärenden Gemüter zu beruhigen. Da fuhr ihm eines der Mädchen wie eine Furie entgegen:

;,®at, stille fein sollen wir auch noch? Seht Ihr denn nid), was hier gespielt wird? Die Spatzen pfeifen ja vom Dach, was dieser Frank, der Lump, mit ben Belgiern vorhat."

„Bravo, bravo!" schrien einige Stimmen „Ver­kaufen will er uns alle, und dieser Polack, der Bulle .

Grabowski duckte sich wie ein Boxer, der zum An­griff vorgeht. Frank, aschfahl, riß ihn am Arm zurück und schob mit ihm zur Tür hinaus. Ein Kellner kam und stellte Tische und Stühle wieder in Ordnung, ent­fernte das blutbefleckte Tischtuch und bie umgefaUenen und zerbrochenen Weingläser. Alles begab fid) wieder auf die Plätze und erging sich in erregten Auseinander­setzungen über den Vorfall. Herr Hennes faß still in seiner Ecke und horchte, um einiges zu erfahren was ihn in feinen Vermutungen bestärken könne. Vorsichtig wie er war, traute er der Bezichtigung Franks nicht, bis er stärkere Beweise hatte. Als aber an einem Tftch der Name Wilhelm Breuer fiel, und als des Streiks vor Weihnachten Erwähnung getan wurde, nahm er sich vor, weiter zu forschen.

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