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Begebenheiten aus aller Wett

Reue Beichsmarineschiffe laufen von Slapel

den wurde, ferner stand wegen unbefugten Tra­gens von Waffen der 39jährige Wohlfahrtspfleger Max Gneuß vor dem Schnellrichter. Gneuß be­kennt sich zur S.P.D. Dem dritten Angeklagten, dem Nationalsozialisten RudolfWei- n e r t, wurde Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. Die Verhandlungen wurden ge­trennt geführt. Michaelis erhielt drei Monate eine Woche Gefängnis, nahm das Urteil an und wurde sofort aus der Haft entlassen, da er feste Wohnung hat. Der Nationalsozialist W e i - nert bestritt, mit einem Stuhlbein geschlagen zu haben. Zwei Polizeiwachtmeister beschworen, daß Weinert an der Schlägerei teilgenommen habe, drei S.A.-Leute der N.S.D A.P. beschworen, daß Weinert sich immer in ihrer Nähe aufgehalten und nicht geschlagen habe. Das Urteil lautete auf e i - nenMonat Gefängnis. Zum Schluß wurde gegen den Wohlfahrtspfleger Gneuß verhandelt. Bei ihm fand man einen Scheintodrevolver. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Amtsgerichtsrat Rosenthal sprach den Angeklagten frei. _________________

* Auf der Bühne vom Schlage gerührt. Der Bariton der Kölner Oper, Franz Lindlar, wurde am Samstagabend während der Aufführung von Turandot, wo er den König Timor sang, im ersten Akt von einem plötzlichen Unwohlsein befallen, das auf einen Schlaganfall zurückzuführen war. Nach Beendigung der Aufführung verschied der Künstler.

fest fundamentierten Weltanschauungen. Dies ist auch der Grund, warum es bei unserer Partei nickt daraus ankommt, ob wir ein halbes Dutzend Man­date mehr oder weniger haben. Wir wollen keine Mitläufer, und kein Treibholz, nur Menschen von unserem Fleisch und von unse­rem Geist, die mit uns gemeinsam denken und fühlen bis in die letzte Fiber hinein. Es kommt nur darauf an, daß die Kampftruppe, die wir stellen, in sich geschlossen ist, ihren Führern folgt und dem FeindemitgrößterKalt- blütigkeit ins Auge sieht.

Die packende Red? des Abgeordneten Dr. Heß wurde von seinen Zuhörern wiederholt durch Bei­fall unterbrochen und mit minutenlangem Hände­klatschen quittiert.

* Die Riesenbrände in den Zuckerrrohrplankagen von Kuba. Die Zahl der Brände in den Zucker­rohrplantagen nimmt nach einer Meldung aus Havanna bedeutend zu. Allein in den Pflanzungen der Provinz Matanzas, die erneut von Feuers­brünsten heimgesucht wurden, sind überSOOOOO Kilogramm Zuckerrohr ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer greift weiter um sich. Trotz der gemeinsamen Bemühungen der Geheimpolizei und der Landpolizei ist es bisher noch nicht gelungen, die Brandstifter zu ermitteln.

lands Rettung". Dr. Held wandte sich in diesen Ausführungen u. a. gegen Kommunisten und Nationalsozialisten. Er, Dr. Held, habe die nationale Jugendbewegung begrüßt und würde sie weiter begrüßen, wenn die rechten Män­ner an ihrer Spitze stünden, die selbst reli­giös und sittlich gefestigt wären. Das Wirtschaftsprogramm der Nationalsozialisten sei anderen Parteien entliehen. Wo aber eigene Gedanken auftauchten, sei es s o z i a l i - st i s ch. So bestehe die Gefahr einer endlichen Ver­schmelzung mit dem Bolschewismus. Ziele und Aufrichtigkeit fehlten. Mit Rechtsradikalis­mus und Internationalismus könne er sich eine Zusammenarbeit für das ganze Volk nicht denken.

Zur Frage des Steuervereinheitlichungsgesetzes erklärte der Redner u. a.: Der fetzige Kampf der bayerischen Regierung sei kein Kampf gegen das Deutsche Reich, es sei ein Kampf um die Grund-

2er Alkoholschmuggel in Amerika.

Lin Schmugglerschiff von einem Küstenwachtschiff beschossen. — Der Kapitän durch eine Granate getötet.

Am Eingang des New Porter Hafens wurde ein Schmugglerschiff aus Neuschottland, das Alko­hol im Werte von 100 000 Dollar an Bord hatte, von einem Küstenwachtschisf beschossen. Eine Granate traf die Kommandobrücke. Der Kapi­tän wurde tödlich verletzt. Ein amerika­nisches Frachtboot mit 1000 Kisten Alkohol, das sich in die Nähe des Schmugglerschiffes „Josephine St" gelegt hatte, wurde ebenfalls beschlagnahmt und die aus drei Mann bestehende Besatzung verhaftet.

„Weser" und „Elbe" (hinken) beim Skapellauf.

Auf der Wilhelmshavener Marinewerft liefen die beiden neuerhauten Fifcherei-Schutzboote der Reichsmarine „Weser" und „Elbe" vom Stapel. u 1J oec

Schiebungen am Berliner Landgerichl.

Urkundenfälschungen bei der Benennung von

Offizialverteidigern.

Wie die „Montagspost" meldet, beschäftigt sich die Berliner Kriminalpolizei mit der Untersuchung einer Fälschungsaffäre, deren Schauplatz das Land­gericht HI ist. Es konnte festgestellt werden, daß sich Beamte oder Angestellte der Justiz­verwaltung bei derBenennung vonOf- fiz i a lv e r tei d i g e rn schwerer Urkun­denfälschungen schuldig gemacht haben, zu denen sie anscheinend von mehreren Anwälten ver- anlaßt worden sind. Der Präsident des Land­gerichts HI hat die Hilfe der Kriminalpolizei in Anspruch nehmen müssen. — Auf dem Wege von der Zentralkanzlei des Landgerichts III zu einer Zivilkammer haben ungetreue Beamte Na- men von bestimmten Anwälten ei­genmächtig in die Akten hineinge­schrieben und das Kontrollzeichen der Zentral, kanzlei eingerückt. Auf diese Weise gelangten zahl- reiche Anwälte zu Mandanten, die ihnen nicht zu­standen. — Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sind noch nicht beendet, da die Zahl der in Frage kommenden Beamten oder Justizangestellten nicht gering ist.

Auch die Anwaltskammer wurde benachrichtigt, da man annimmt, daß die Anwälte ihre Hel­fer durch Bestechung zu den Urkundenfälschun­gen veranlaßt, sich also der Anstiftung zu einem Verbrechen schuldig gemacht haben.

Grausige Tat

Angst vor einer Operation als Motiv!

Der Händler Max Marlin in Aachen tötete in der Nacht zum Sonntag seine Frau und seine dreiKinder im Alter vonkbis 10 Jahren durch Reoolverschüsse und hat sich dann selbst erschossen. Martin, der Kriegsbeschädigter ist, sollte sich am Sonntag einer Operation unterziehen. Man nimmt an, daß er aus Furcht vor einem unglücklichen Ausgang der Operation den Entschluß gefaßt hat, gemeinsam mit seiner Familie aus dem Leben zu scheiden.

*

In der Aussprache wurde auch Klage darüber geführt, daß von Mitgliedern katho­lischer Studentenkorporationen lebhafte Agitation für den Natio­nalsozialismus betrieben werde. Doch ergab sich in den weiteren Besprechungen, daß es sich um vereinzelte Vorkommnisse han­delte. Wie Dr. Heß demgegenüber mitteilte, ist in­zwischen eine Bewegung groß geworden, die be­ginnt, in den katholischen Korporatio­nen nach dem Rechten zu sehen, wo es nötig ist.

Der Parteitag nahm dann einmütig folgend? von Prälat Prof. Dr. Schreiber begründete

Entschließung an:

„Der Parteitag der Westfälischen Zentrumspar­tei hat nach dem Bericht des Abg.Heß, des Vorsitzen­den der preußischen Zentrumsfraktion, nach ein- gehe"der Aussprache die innen- und außenpolitische Lage gewürdigt. Die unerträgliche Schwere der Wirtschaftskrisis, die steigenden Arbeitslosenziffern, die druckende Härte der Reparationslasten, der im­mer stärker einsetzende politische Radikalismus verlangt gebieterisch eine feste und geschlossene Führung durch die Reichsregierung. Inmitten einer weitgehenden Flucht aus der Verantwortung, inmitten eines verhängnisvollen Glaubens, durch das Chaos des „Dritten Reiches" den Weg zur po­litischen Neuordnung finden zu können, wird es für jeden Zentrumsangehörigen zur unabweisbaren Pflicht, sich völlig eindeutig ’ u m deut- fchen Gegenwartsstaat zu bekennen und mit stärkster Eingabe positiv mit,p arbeiten-

Was wir in Deutschland brauchen, ist die Wie­deraufrichtung der Wirtschaft, die Wiedereinschal- tung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß und die Rettung der sozialen Einrichtungen, die Wah­rung der Staatsautorität gegenüber den Exzessen der Straße, die Gleichberechtigung Deutschlands un­ter den Weltvölkern, die Revision der Reparations­leistungen und eines Vertragssystems, das die na­türlichen Lebensinteressen Deutschlands unerträg­lich einengt. eine Außenpolitik, die auch für die deutsche Wirtschaft fruchtbar gemacht wird. Diese und andere volkspolitisch wichtigen Ziele zu errei­chen, erfordert einen Weg, der durch die größten Opfer und die stärkste Entsagung aller Berufs- schicbten gekennzeichnet ist.

Wir haben unsererseits zum Reichskanz- lerVrüning das volle und unerschütterte Ver­trauen daß er auf dem richtigen Wege ist, unser schwer geprüftes Volk wieder vorwärts- und auf­wärts zu bringen. Seine Sachlichkeit, fein starkes Verantwortungsbewußtsein, sein unbeirrbares Pflichtgefühl sichern ihm unsere stärkste Unter­stützung und Mitarbeit. Für Reichskanzler Brü­ning, gegen den politischen Radikalismus, für das seit 60 Jahren erprobte Zentrumspro- qramm — so lautet die Arbeitsparole des deut­schen Zentrums."

Ehre für Brüning.

Die Ueberschrift stammt nicht von uns, sondern wir lesen sie in einem Berliner Straßen­blatt, das in der Reichshauptstadt alle paar Stunden in anderer Ausgabe erscheint und dem die Politik bestimmt nicht die Hauptsache ist. Es lebt von der Sensation, es füttert die Leser mit Rätseln und allerlei Einfällen und meldet natürlich, aber gewissermaßen nur io nebenher, am Rande, auch, was sich in der Politik begibt. Wenn ein solches Blatt einem Artikel die Ueberschrift gibt: „Ehre für Brüning", so kann man sich das merken. Es sagt ausdrücklich, es sei nicht Brünings berufe­ner Verteidiger, aber es schließt seine Bemerkun­gen mit dem lapidaren Satz: „W erbeschimpft wird, weil er seine Pflicht tut, wird dur ch Schmähen geehrt." So ist es. Es handelt sich um die Rüpeleien in Chemnitz, die zwar von Chemnitz aus bestritten, aber von an­derer Seite aus doch in ziemlicher Uebereinstim- mung gemeldet worden find. Der Kanzler unter­zieht sich der immerhin nicht alltäglichen Strapaze, von Berlin nach Chemnitz zu fahren, dort vor ei­ner großen Versammlung zu reden und am glei­chen Abend wieder in Berlin anderen Verpflich­tungen nachzugehen. Da sammelt sich am Chem­nitzer Bahnhof und vor dem Hotel, in dem die Ver­sammlung stattfindet, der politische Mob und empfängt den Kanzler mit Schmährufen und bedroht ihn so, daß die Polizei ihn schützend ge­leiten muß. Die Demonstranten waren, wie ein­heitlich berichtet wird, in der Mehrzahl halb­wüchsige Burschen, also die Pflänzlinge der Herren Hitler und Göbbels und die kommuni­stische Jugend. Man darf unterstellen, daß sie von den Notverordnungen des Kanzlers, von der Welt­

lagen des Reiches, da dieses nur auf föderativer Grundlage bestehen könne.________

* Pfarrer Dr. Häuser wird von seinem Bischof verwarnt. Aus Augsburg wird gemeldet: Bi. schof Kumpfmüller hat dem Pfarrer Dr. Häuser in Straßberg wegen feiner Veröffentlichung jm „Völkischen Beobachter" vom 21. Januar 1931 „An meine Kritiker" eine Verwarnung zugehen lassen. Auch der „Fuldaer Beobachter" hatte die Aeußerung des jetzt zum zweiten Male von seinem Bischof reklisizierten Pfarrers abgedruckt.

* Verfassung für Samoa. Aus Washington wird gemeldet: Ter Senat hat eine Gesetzesvorlage angenommen, die die Bildung einer neuen Regierung in Amerikanisch -Samoa mit einer gesetzgebenden Körperschaft vorsieht und das amerikanische Bürgerrecht auf die Samoaner aus­dehnt.

Do X fliegt wieder.

wtb. Lissabon, 27. Jan. (Eig. Meld.) Das Flugboot Do X, das nach Beendigung der Repara­tur in den letzten Tagen verschiedene Probeflüge unternahm, stieg heute mit 25 Gästen zu einem Stundenfluge auf. Unter den Gästen befinden sich der deutsche Geschäftsträger, sowie Vertreter von Marine, Heer, Behörden und Presse. Die an Bord gehenden Marine- und Heerflieger werden teil­weise selbst das Steuer führen.

Do X wird am 30. Januar einen Flug nach Madeira unternehmen.

* keine Aenderung in den vesihverhölknissen bei der „Frankfurter Zeitung." Die Berliner Wo­chenschrift „Tagebuck)" hatte über angebliche Aen- derungen in den Besitzverhältnissen bei der „Frank­furter Zeitung" berichtet und u. a. erklärt, daß dem „Heilsjahr 1930 mit seinem wirtschaftlichen und politischen Terror die Abhänglgmachung der „Frankfurter Zeitung" vom Kapital eines mächtigen Jndustriekonzerns geglückt sei." Demgegenüber erklärt der Verlag der „Frankfurter Zeitung", daß sich seit dem Dementi des Verlages vom 29. April 1929 in den Besitz- verhältnissen der „Frankfurter Societäts-Druckerei G. m. b. H." nichts geändert hat, was die da­mals und heute bestehende Situation irgendwie auch nur im geringsten verschöbe, daß also der Majoritätsbesitz nach wie vor im Besitz der Fa­milie Simon-Sonnemann ist, daß nach wie vor kein Anteil der „Frankfurter Zeitung" unmittelbar oder mittelbar in derHand der I. G. Far­be n, noch einer andern Jndustriegesellschaft ist, daß also nach wie vor die Unabhängigkeit der Redaktion, wie sie im Testament des Begründers der „Frankfurter Zeitung" und der Verfassung des Unternehmens niedergelegt wurde, gewährleistet ist.

Postaulo über die Böschung.

von den 32 Insassen wurden 4 schwer verletzt. — Zahlreiche Leichtverletzte.

Sonntag abend fuhr ein Postautobus in Eberswalde, angeblich infolge Versagung der Steuerung, in der Nähe von Eberswalde mehrere Chausseesteine um und stürzte die Böschung hinab. Der Autobus stürzte um, und in dem mit 32 Personen besetzten Wagen entstand eine wilde Panik. Vier Personen wurden durch Quet­schungen und Schnittwunden schwer verletzt, 5 we­niger schwer. Von den übrigen Insassen erlitt eine Anzahl leichte Hautabschürfungen und Quetschun­gen. Die Schwerverletzten wurden ins Kranken­haus gebracht.

Schweres Autobusunglück in Bromberg. Sechs Tote.

Ein schweres Autobusunglück ereignete sich Sonntag früh in Bromberg. Ein Autobus, mit einer Gesellschaft von 16 Personen besetzt, die von einer Unterhaltung in einem Vorort Brombergs zurückkehrte, fuhr eine abschüssige Straße, die auf die Brahe zuführt, hinunter und konnte infolge Glätte vom Chauffeur nicht zum Halten gebracht werden. Der Kraftwagen stürzte in den Fluß Sechs Passagiere sanden den Tod, und vier wurden schwer verletzt in das Bromber- ger Krankenhaus eingeliefert.

Drei Take bei einem Flugzeugabsturz in England.

Bei Harley in der Grafichaft Surrey ereignete sich ein schweres Flugzeugunglück. Drei Insassen des Flugzeuges fanden dabei den Tod.

* Gefängnisstrafen wegen der Berliner „Saal, schlacht". Vor dem Berliner Schnellgericht fand am Samstag der Prozeß gegen drei Festgenommene statt, die Donnerstag an der nationalsozialistischen Versammlung im Saalbau Friedrichshain teil- genommen hatten. . Es handelt sich um den 21 Jahre alten Herbert Michaelis, der der Kom­munistischen Partei angehört und in dessen Besitz bei seiner Verhaftung ein Schlagring gefun-

2er Münchener Alchlmislen-Vrozetz.

Ein überraschender Antrag des Staatsanwalts.

wtb. München, 27. Jan. (Eig. Meld.) In der heutigen Verhandlung gegen den „Goldmacher" Taufend stellte der Staatsanwalt überraschender Weise den Antrag auf Ladung eines italie­nischen Professors als Zeugen, der be­stätigen soll, daß Tausend bereits vor vier Jahren sein Verfahren der italie­nischen Regierung angeboten und bei den Vorführungen betrügerische Mani­pulationen gemacht habe. Darauf antwor­tete Tausend: Ich glaube, ich höre ein Märchen. Ich kam ein bis zweimal mit dem italienischen Professor Dr. Potino Sesimi aus Bergamo zusammen, der meine Broschüre „188 Elemente" gelesen hatte. Der Professor, erzählte Tausend wei­ter, habe ihn gebeten, ihm Experimente vorzu- führen. Rechtsanwalt Rix aus Bozen war da­mals Dolmetscher. Der Verteidiger erklärt sich mit der Ladung des Professors Polino Sesimi als Zeugen einverstanden und verlangte weiter die Ladung des Rechtsanwaltes Rix als Zeugen. Das Gericht beschloß, diesem Anträge zu ent­sprechen.

Als nächster Zeuge wurde der

Chemiker Summer (Freiberg), ein Vertrauens­mann Ludendorffs, vernommen,

der als Mitarbeiter Tausends vielen Versuchen beigewohnt hat und auch selbst Experimente vor­nahm. Der Zeuge bestätigt, daß Tausend ihm gegenüber von einer Kilo Produktion ge­sprochen habe. Einwandfreie Versuche, die er von Tausend gesehen hätte, hätten im Hö chstmaß 1 Gramm Gold zum Ergebnis gehabt. Später, erklärte der Zeuge, habe er ein selbständi­ges Konkurrenzunternehmen gegründet.. Diese Ge­sellschaft, die sich hauptsächlich mit der Herstellung von Mitteln zur Schädlingsbekämpfung befaßte und an der auch Buckeley beteiligt gewesen sei, sei spater zusammengebrochen. Man habe sich auch mit Goldexperimenten beschäftigt und teils nega­tive, teils positive Resultate erzielt. Die ungün­stigen Ergebnisse bei den ersten Versuchen Tausends in der Münchener Münze führte der Zeuge auf den Einfluß des Mondes zu­rück.

Dann trat eine Mittagspause ein.

Wirtschaftskrise, von der Sanierung der Arbeits­losenversicherung, vom Reichshaushalt absolut nichts verstehen. Aber sie lesen die kom­munistischen und nationalbolschewistischen Zeitun­gen, deren Schreiber 'achlich entweder ebenso ahnungslos ober verlogen sind, und nun dürfen sie einen Mann, der ohne eine Spur von Ehrgeiz und ohne persönlich auch nur den allergeringsten Nutzen davon hat, sich für das Reich aufopfert, beschimpfen und bedrohen. So weit ist es in Deutschland gekommen. Sicherlich spricht die Not hierin ein gewichtiges Wort mit. Sicherlich kann sie manchen ungeduldig machen, der von Hause aus friedlich gesinnt ist. Aber über den herzufallen, der sich uneigennützig in die Bresche wirft, ist allemal pöbelhaft, und die werden es einstens zu büßen haben, die u n • sere Jugend verderben, um selbst auf einflußreichen Parteipöstchen thronen zu können. Es mag in unseren Parteien manches vom liebel sein. Aber wenn das Parkeisystem als solches zu verwerfen ist, so wird das am schlagendsten gerade durch die Radikalen bewiesen. Die Nazis ha­ben ja geradezu eine an Vergottung grenzende Bonzenwirtschaft mit Hitler begonnen, und Göbbels eifert ihm nach, so gut Temperament und Kinderstube es ihm gestatten. Ehre für Brü­ning — solange ihn Leute solcher Art bekämpfen, muß er wohl auf dem rechten Wege sein. Das spricht sich jetzt sogar schon in der Sensationspresse herum.

toebe in Bonn.

Reichstagspräsident Loebe sprach in Bonn über das Thema: „Vernunft und Irrsinn". Der Abend, der durch Chöre eingeleitet und beendet wurde, nahm im allgemeinen einen ruhigen Verlauf. Ei­nige Versuche, die Versammlung durch Tränen­gas zu stören, wurden im Keime unterdrückt. Der Redner setzte sich vor allem mit dem National­sozialismus auseinander und ging sowohl auf das ©rwerbslofenproblem wie auch auf die Frage „Diktatur oder Demokratie?" kurz ein. Zum Schluß feiner Ausführung betonte er, daß die So­zialdemokratie stets gewillt gewesen sei, den Kampf um die Macht nur mit geistigen Waffen auszu­tragen, denn ihre Absicht sei, nicht Schädel einzu- lchlagen, sondern Licht in diese zu bringen. Wenn aber die Gegenseite es anders wolle, so sei der Sozialismus bereit, seine Heeresscha- ren von Wien bis zur Nordsee auf­zurufen, alle Reichsoannerkameraden, Sport- genossen usw., und der Gegner werde dann auf die eisernen Fäuste der Arbeiterschaft stoßen. Mit dem Schlußruf: „Sorgt dafür, daß die Deutsche Republik sich weiter entwickelt zum sozialen Volks- ftaat", beendete Reichstagspräsident Loebe seinen Vortrag.

v. Scectf in Münster.

In Münster (Westfalen) hielt der Reichstags- Abgeordnete Generaloberst v. Seeckt im Auftrage der Weltwirtschaftlichen Gesellschaft zu Münster ei­nen Vortrag, worin er sagte:

Deutschland müsse sich dem Eingeständnis einer Niederlage mit allen Kräften widersetzen (wir sollen uns also wohl weis- machen, wir hätten den Weltkrieg gewonnen) und das deutsche Volk habe sich mehr als bisher mit der entscheidenden Frage „Diktatur oder Demokra­tie" auseinanderzusetzen. Jeder Staatsmann von heute müsse auf Dankbarkeit und Beifall zu ver­zichten verstehen, denn das Volk folge seinen Füh­rer durch die dunklen Wege der Außenpolitik nur dann, wenn es restlos Vertrauen habe. Auf die Außenpolitik lasse sich der Ar­tikel 48 der Reichsverfassung leider nicht anwenden, Außenpolitik beruhe nun einmal auf Macht und nicht auf Recht, was auch immer gesagt werden möge. (Das ist v. Seeckts Ansicht!) Wer das nicht erkannt habe, dem fehle jeglicher Sinn zur praktischen Möglichkeit.Dis Entwaffnungsbedingungen und die wirtschaftlichen Maßnahmen des Versailler Vertrages hätten nicht so sehr den Zweck gehabt, Deutschland angriffs- unfähig zu machen, als vielmehr es verteidi­gungsunfähig und damit zum wehrlosen Spielball der Politik zu machen. Trotzdem sei Deutschland immer noch ein Faktor im Weltgeschehen, (sehr richtig!) und es müsse auch heute noch den Mächten im Osten und We­sten klargemacht werden, daß der Weg nach Ber­lin nur durch einen Strom von Blut führe. Ohne stärkste Einigung im Innern aber und ohne eine Lösung der Tributfrage bestünden für Deutsch­land keine Aufstiegsmöglichkeiten. Nachdem der Redner dann das Verhältnis der einzelnen Welt­mächte zu Deutschland einer eingehenden Unter­suchung unterzogen hatte, schlug er vor, daß Deutschland auf außenpolitischem Gebiete mit Rußland Zusammengehen müsse, was indessen nicht ausschließe, daß im Innern schärfster Kampf gegen den Kommu­nismus geführt werden müsse. (Die Russen werden dem Herrn Generaloberst ebenso unhöflich wohl jetzt antworten, wie ihm Dr. Goebbels auf ein ähnliches Paktangebot innerpolitischer Art ge­antwortet hat.)

TUinifferpräfibenf Held gegen den National­sozialismus.

In Wörth an der Donau sprach Minister­präsident Dr. Held über das Thema „Rin­gen und Kämpfen um Bayerns und Deutsch-