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Kr. 21

Fuldaer Zeitung (Amtliches kreisblalk)

Dienstag, den 27. Ianuar 1931.

Abschied der Missionare vom Frauenberg

Die Arbeiksmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau.

Dom 1. bis 15. Ianuar 1931 stieg die Zahl der Arbeitsuchenden um weitere 25 557 aus rund 300 000 an. Diese wesentliche Verschärfung der Arbeitsmarktlage wurde nur zum Teil durch das Froftweter, das zur vorübergehenden Einstellung fast aller Außenarbeiten zwang, verursacht. Grö­ßere Zugänge kamen auch aus der Forstwirtschaft

ding mit zwei breiten Rängen, stark vergilbtem Stuck und matt gewordenen Goldornamenten. Jetzt ist es bunt dekoriert.

Die Herren kommen in matten Zylindern, übersteifen Hemdenbrüsten, zum Teil sogar im Frack. Nicht umsonst sind viele alte Geheimräte und Exzellenzen mit ihren Unterhaltung suchenden Gattinnen erschienen, um die

Eisend ahnfahrk.

Bon Joseph Stollreiter.

Wintermorgen--

Vom Eiswind scharf umklirrt der Wagen raucht, und seine bunte Menschenfracht träumt halbverschlafen in süßer Wärme vor sich hin.

Stumpf und fahl, . '

in» Endlose gedehnt, die Felder liegen, und ihre Stoppeln, Sträucher, braunen Halme krallen den grauen Qualm der Lokomotive gespenstisch ein, zerpflücken ihn in breite Nebelschwaden, bis der Zug des düstern Nichts Gefilde rauchend zu durchpflügen scheint.

Der Blick erstirbt in ödem Schau'n. Das Ich löscht hin wie eine Fackel, die mählich Nebel, Qualm und Nässe ausgedrückt.

Und leise, fremd und heimlich irrt ein Rhythmus, von der Räder dunklen Melodien hergesponnen . . .

Jäh bremst der Zug.

Die Räder kreischen, stehen, die Türen fliegen auf und grausam stößt der Nordsturm Kälte, Dampf, Geschrei herein: Das Raubtier „Alltag" springt in das Abtell.

Höchstens ein Glitzern, wenn für Augenblicke einer Bogenlampe durch die Scheiben fällt.

3m Deutschen Thealer.

Wer Geld hat geht ins Deutsche Theater.

Grundschulpflicht wird nicht verlängert.

In einem Berliner Blatt war behauptet wor­den, daß an amtlicher Stelle eine Schulreform in Vorbereitung sei, durch die die Grundschul­pflicht ausäIahre erhöht und danach eine Differenzierung mit Rücksicht auf die Folgen der Berufsausbildung der Kinder vorgenommen wer­den solle. Es wurde angsdeutet, daß nach der 6- jährigen Grundschule sich 4 weitere Jahre anschlie­ßen sollten, daß aber der Besuch der beiden letz­ten Schuljahre freiwillig sein würde. Wie das Nachrichtenbüro des V.D.Z. an maßgebender Stelle erfährt, ist diese Nachricht vollkommen un­richtig. Es gibt keine amtliche Stelle, die fick, mit derartigen oder irgendwie gearteten Plänen auf eine Schulreform augenblicklich beschäftigt. Die nach der Reichsversaffung festgesetzte Grundschul­pflicht von 4 Jahren habe sich, so wird erklärt, bis­her durchaus bewährt und könne selbstverständlich nicht etwa durch eine einzelne Gemeinde geändert werden. Reich und Länder hätten im Augenblick wichtigere Dinge zu erledigen, als di« Vor­bereitung einer Schulreform.

Hitler und die nationalsozialistischen Partei- beamlen.

Bezeichnend für die Art, wie in der „National­sozialistischen Arbeiterpartei" das Verhältn's zwi­schen Hitler und den — soweit es sich um andere Parteien handelt, von den Nationalsozeialisten al; „Bonzen" bezeichneten — Parteibeamten Händen, ist die auf Herrn Jordan bezügliche Mitteilung im Zentralorgan der Nationalsozialisten, im „Völki­schen Beobachter". Die Fassung des „Fuldaer Be­obachters" haben wir schon mstgeteilt. Im „Völki­schen Beobachter" ist zu lesen:

Verfügung.

Pg. Paul Hinkler, M. i>. L., steht ab 21. Ian. zur Disposition der Reichsleitung. Er wird damit als Gauleiter von Halle-Merseburg beurlaubt Seine Stelle als Gauleiter übernimmt bis auf weiteres Pg. Rudolf Jordan. Adolf Hitler.

Diese Fassung von Anordnungen ist, wie das meiste bei der Hitler-Partei, nicht originell. Sie ist aus der Sprache der Schreibstuben des deutschen Heeres entlehnt.

ernb. Manchmal nur scheint das Kichern ganz fern zü verhallen, fast aufzuhören und wenn man es schon ver­loren glaubte, dringt es plötzlich stärker, beinahe auf­dringlich ans Qhr, und man verspürt. Atem und Nähe eiliger Menschen.

Dann sieht man die Kostüme unter den Mänteln her­vorschimmern. Klägliche Fähnchen zumeist. Bunte weite Hosenbeine aus billigem Stoff, wie ihn Waren­häuser in Massen verschleudern, goldene und silberne Schuhe, die vielleicht gestern noch die Auslage eines Trödlers zierten. Wem sollte es verwunderlich sein, daß sich bei solch einem populären Festanlaß die Not der Zeit mitunter am deutlichsten zeigt?

Viele von den Mädchen sehen ältlich aus. Ihre faltige Gesichtshaut ist unwirksam mit Puder Überklebt, und das macht sie noch viel häßlicher, als wenn sie nie zu Verschönerungsmitteln gegriffen hätten. Auf den Köpfen tragen sie turbanartigen Putz, der hier und da bas Haar hervortreten läßt. Sie lachen. Es ist ihnen ernst mit bem Lachen. Man kann es ihnen gön­nen, wenn sie sich einmal ber Sorgen des Alltags ledig fühlen. Aber die Mittel, derer sie sich dazu bedienen.

Lohnsenkung in der heimischen Metallindustrie.

Man hak sich auf 6 Prozent geeinigt.

Nachdem die Lohnverhandlungen in der Me­tallindustrie von Hessen-Nassau und den wichtig­sten Industriebezirken des Reiches durch Entschei­dungen der Schlichtungsausschüsse ober verbindlich erklärte Schiedssprüche beendet worden sind, ist nunmehr auch in Verhandlungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer für die Metallindustrie im Be­reiche des Arbeitgebe verbandes für Fulda und Umgebung ein neuer Lohntarif zustande gekommen, der eine Senkung' der Lohn­sätze und Akkorden um 6 Prozent vorsieht. Man hat sich also in freier Vereinbarung auf den Satz geeinigt, der als Durchschnittssatz aller Schiedssprüche festgestellt worden ist. Diese Tat­sache beweist wieder einmal, daß in Fulda der Wille zur Verantwortung und Selbstverwaltung stärker als in anderen Gegenden ist.

Es ist zu hoffen, daß sich die festgesetzte Lohn­senkung nichtals Kürzung des Realloh­nes auswirkt. Immerhin trifft der Rückgang des Geldlohnes die Arbeitnehmer deshalb hart, weil viele infolge Kurzarbeit schon eine starke Ein­buße an ihrem Einkommen erleiden. Wenn die Lohnsenkung aber dazu beiträgt, die Wirtschafts­krise zu beseitigen, wird die Arbeiterschaft das Opfer noch einmal willig bringen, in der Erwar­tung, daß auch die anderen Schichten des unter einem gemeinsamen Schicksal leidenden deutschen Volkes durch die Tat ihre Bereitschaft zum Aufbau des deutschen Staates und der Wirtschaft zeigen.

Heiteres»

Die Schweigsamen. Von den Niederbayern weiß man, baß sie im Reben sehr sparsam sind. Sie können oft ftunbeniang nebeneinander hergehen, ohne daß einer zum anderen ein Wort sagt. Der Seppenbauer z'Grading kommt eines Abends in den Stall, während fein Sohn die Pferde füttert und versorgt. Er schaut diese an und bemerkt, daß eines davon hinkt. Da sagt er zu seinem Sohn: „Der Handfuchs geht krumm." — Am nächsten Abend geht er zur gleichen Stunde in den Stall. Sa spricht sein Sohn: ,,Ser Sattelfuchs aa.“

Faschine 1931 in München.

Vo Günther Willms.

Aus den Straßen.

Des Abends schneit es oft. Daher kommt es, daß man auf der Straße die Leute erst sieht, wenn sie schon ziem- lich v"he sind. Und so schnell, wie sie auftauchen, sind sie tr verschwunden. Nur ihre Stimmen, die man Qörte, ehe man jemand erblickt, scheinen dauernd ,rzuklingen, nie zu entschwinden, ja, die ganze At­mosphäre zu beherrschen. So meint man, wenn man nachdenklich über die Straßen schlendert. Aber bas sink» schon micber andere Passanten, die ebenso lachen, er­scheinen, verschwinden. Das Spiel wiederholl sich bau»

Markenoerfahren durchgeführt worden ist, hat die Einlieferung der Markenbogen und Steuerkarten bi» 20. Januar 1931 zu erfolgen. Arbeitnehmer, die am 31. 12. 1930 in keinem Arbeitsverhältnis gestanden haben und im Besitz der Steuerwarte 1930 und Markenbogen sind, haben diese gleich­falls dem Finanzamt bis 20. Januar 1931 abzu­liefern. Die Steuerabzugsbelege sind zu dem fest­gesetzten Termin nur in ganz geringem Umfange eingegangen. Da die Unterlagen von jedem ein­zelnen Arbeitnehmer die Grundlagen für die Er­hebung der Bürgersteuer 1931 und anderseits für die Erstattung der Dürgersteuer 1930 sowie für d.ie Kirchensteuer bilden und daher restlos vorliegen müssen, ist es unbedingt erforderlich, daß die noch in den Händen ber Arbeitgeber und Arbeitnehmer befindlichen Steuerkarten und Markenbogen für 1930 umgehend an das Finanzamt abgegeben wer­den.

von der Reichswehr.

Der bisherige Kommandeur des Marbur­ger Ausbildungsbataillons Jnf.-Regt. 15, Major Altvater-Mackensen, ist mit Wirkung ab 1. Februar in den Stad des Gruppenkommandos I (Berlin) versetzt worden unter gleichzeitiger Er­nennung zum Leiter des Lehrganges für Leibes­übungen in Winsdorf. An seine Stelle in Mar­burg tritt Major Sommer, bisher im Stabe -es Inf.-Regts. 15.

Lockerung der Wohnungs-Zwangswirtschaft.

Das Preußische Wohlfahrtsministerium hat eine Verordnung beschlossen, die eine weitere Lockerung der Wohnungszwangwirtschaft in Preußen vorsieht. Nach der Verordnung werden die bisherigen Be­stimmungen dahin geändert, daß von der Woh- nungszwangswirtfchaft Wohnungen mit den fol­genden Iahresfriedensmieten frei werden: 3000 Mark und mehr in Berlin, 2400 Mark und mehr in den übrigen Orten der Sonderklasse; für die Ortsklasse A wird die Freigrenze festgesetzt auf 1800 Mark, für Ortsklasse B auf 1300 Mark, für Orts­klasse C auf 800 Mark und für Ortsklasse D auf 500 Mark. Die gewerblichen Räume werden bei diesen Wohnungen vom Wohnungsmangelgesetz nicht erfaßt. Aufrechterhalten bleibt lediglich der 8 8 dieses Gesetzes, der das Taufchrecht des Mie­ters vorsieht und der bestimmt, daß das mangelnde Einverständnis des Vermieters bei einem Tausch durch die Zustimmung der Behörde ersetzt wer­den kann. Im übrigen soll beim Tausch die Ge­nehmigung der beteiligten Gemeindebehörde nicht mehr erforderlich sein. Bei Wohnungen mit einer Jahresfriedensmiete von 1800 bis 3000 Mark in Berlin und 1400 bis 2400 Mark in den übrigen Orten der Sonderklasse, mit 100 bis 1800 Mark für Ortsklasse A, mit 700 bis 1300 Mark der Orts­klasse B, mit 500 bis 800 Mark der Ortsklasse C und mit 300 bis 500 Mark der Ortsklasse D wird die Zwangswirtschaft gleichfalls aufgehoben. Hier ist jedoch eine Umwandlung in Gewerberaum nur bei Ersatzstellung gestattet. Die Verordnung wird mit ihrer Verkündung in Kraft treten, sie wird als­bald in der preußischen Gesetzsammlung veröffent­licht werden.

krankenkasfenmiiglieder und Notverordnung.

Bei ber Durchführung der Bestimmungen -er Notverordnung in den Apotheken treten insofern oft Schwierigkeiten für die Patienten auf, als diese ungenügend oder falsch bezeichnete Rezepte vor­legen. Im Falle der Patient von dem Kostenanteil befreit ist, hat er dafür zu sorgen, daß -er behan­delnde Arzt den Vermerk „Gebührenfrei" auf dem Rezept anbringt. Nur der Arzt ist hierzu ver­pflichtet, der Apotheker ist nicht in der Sage, die­sen Vermerk anzubringen, sondern muß dann den Patienten zum Arzt zurückschicken. Ebenso sind Vermerke wie „Kriegsbeschädigt" oder „Erwerbs­los" ungenügend. Lediglich der Vermerk „Ge­bührenfrei" befreit den Patienten von der Ver­pflichtung, den Kostenanteil in der Apotheke zu be­zahlen.

Obsibaukurse an der Obslbauanslali Oberzwehren 1931.

Folgende Kurse finden statt: 1. Obstbaulehrgang für Baumwärter (Gemeinde- und Vereins­baumwärter) Frühjahrsabschnitt 5 Wochen vom 23. Februar bis 28. März, Sommerabschnitt 2 Wo­chen vom 8. Juni bis 20. Juni, Herbstabschnitt 3 Wochen vom 28. September bis 17. Oktober. Baumwärter, welche sich für spätere Tätigkeit im öffentlichen Dienst (Kreis, Gemeinde, Genossen­schaft, Verein) verpflichten, erhalten durch die Land- wirtschaftskammer Ausbildungsbeihilfen. Anträge

fiulba. öen 26 Januar 1931

Sine wichtige Erklärung

zur kommunalpolitischen Entwicklung in Preußen

Im Gemeindeausschuß des preußischen Land- tages äußerte sich heute Mini ft er Severing ausführlich zu dem neuen Selbstverwaltungsgesetz Groß-Berlins und zu der Kritik, die daran geübt wurde, daß dieses Gesetz vor einer allgemei­nen Regelung der Kommunalverfassung der preu- 'silchen Städte herauskommen solle. Auf das allgemeine Selb st Verwaltung s. gef«tz habe man nicht warten können, da weder das Staatsministerium noch der Landtag im Augenblick und in der nächsten Zukunft wohl die Zeit und die Ruhe dazu haben würden, diese außer, ordentlich große Ausgabe mit der erforderlichen Eindringlichkeit und Geduld zu bearbeiten. Denn das kommende allgemeine Selbstverwaltungsgesetz solle Grundgesetz für lange Zeit werden. Auch die Arbeit, mit der besonders in diesem Notjahr die Gemeinden ihre Aufgaben erfüllen, werde nicht ohne Bedeutung für das umfassende Selbstverwal­tungsgesetz sein. Er sei daher nicht in der Lage, die Vorlage eines solchen Geset. zes in absehbarer Zeit in Aussicht zu stellen.

Diese Erklärung Severings hat für die kom­munalpolitisch interessierten Kreise besonderes In­teresse. Bei der gegenwärtigen Lage in den Ge­meinden wird man es nicht bedauern, wenn die Verabschiedung des angekündigten Grundgesetzes ve r s ch o b e n wird. Die Gemüter müssen sich zu­nächst einmal etwas beruhigen und die krasseste finanzielle und soziale Notlage muß erst in etwa überwunden sein.

und Anmeldungen mit der schriftlichen Verpflich­tung, daß der Antragsteller dem Kursssten die gleiche Ausbildungsbeihilfe gewährt, müssen an die Obstbauanstalt Oberzwehren bis zum 10. Febr. eingereicht werden. 2. Obstbaulehrgang für Leh­rer: Frühjahrsabschnitt 8 Tage vom 9. März bis 17. März, Sommerabschnitt 5 Tage vom 15. Juni bis 19. Juni, Herbstabfchnitt 3 Tage vom 21. Sep­tember bis 23. September. Die Anmeldung muß bei der vorgesetzten Behörde eingereicht werden. 3. Obstbaulehrgang für Landwirte und Gar­tenfreunde. Frühjahrsabschnitt 2 Tage am 4. und 5. März, Sommerabschnitt 2 Tage am 11. und 12. Juni, Herbstabschmtt 2 Tage am 24. und 25. September. Das Kursusgeld beträgt 5 Mk. 4. Sortier- und Verpacktungskursus. 2 Tage am 29. und 30. September, 2 Tage am 2. und 3. Ok­tober. Das Kursusgeld beträgt je Kursus 5 Mk.

sind ärmlich wie sie selbst.

Uebrigens fahren auch Masken in Taxametern vor­bei. Diele in Privatautos. Don ihnen sieht man wenig.

*“ *.....das Licht

Lin Achtzigjähriger.

Arn 27. d. M. feiert unser Mitbürger Herr Fa­brikdirektor Hermann Ewald (Krätzmühle) sei­nen 80. Geburtstag. Noch täglich geht Herr Ewald bei voller Gesundheit seiner gewohnten Beschäfti­gung nach. Möge ihm auch weiterhin der Le­bensabend in körperlicher und geistiger Frische be- schieden sein.

25 Jahre im Beruf.

Auf eine 25jährige Tätigkeit als selbständiger Architekt kann am heutigen 26. Januar Herr Her- mann Mahr in Fulda zurückblicken. Herr Architekt Mahr, aus einer alten angesehenen Ful­daer Handwerkerfamilie hervorgegangen, machte sich nach abgeschlossenem Studium an der Techni­schen Hochschule in Karlsruhe und praktischer Tä­tigkeit auf kirchlichen Bauämtern und auf Privat­büros 1906 in Fulda selbständig. Im Laufe we­niger Jahre hatte er sich in Fulda und in weite« ter Umgebung einen Ruf erworben sowohl als Baukünstler als auch infolge eines reichen prakti­schen Wissens und feiner soliden Geschäftsgrund- ätze als Bauleiter. Auch in Handwerkerkreisen vird er als gerecht denkender Architekt geachtet. 3n großer Zahl hat er in den 25 Jahren feiner Tätigkeit Bauten aller Art geschaffen oder umge- ndert. Genannt feien an öffentlichen Bauten: ''omschule, Herz-Jesu-Heim und in neuester Zeit er Erweiterungsbau des St. Antonius- eims. An Industriebauten: Gummiwerke A. G., Zal. Mehler A. G., Mlh Hartmann. An Kir­ben: St. Josephskirche Frankfurt a. M.-Eschers- eim (z. Zt. auch Pfarrhausneubau dortfelbst), ütter, Kleinlüder, Hainzell, Kerzell, Traisbach, Zachrain, Horbach, zwei Notkirchen in Fulda, Er- veiterung der Kirche in Flieden. Herr Mahr ist mch als sozialer Arbeitgeber bekannt, der in gutem Zerhältnis zu seinem Personal steht. Mögen mei­ere 25 Jahre Herrn Mahr noch oft Gelegenheit geben, Zweckmäßigkeit und Schönheit in Stein zu vergegenständlichen und unsere Heimat durch bo- denverwurzelte Baukunst architektonisch zu schmük- ken.

Einreichung der Steuerabzugsbelege für 1930.

Dom Finanzamt wird uns geschrieben: Auf Grund der Verordnung des Herrn Reichsministers der Finanzen vom 10. Dez. 1930 (S. 2233, 6500 III) sind für Zweck« der Sohnsteuererstattung, der Bürgersteuer und der Kirchensteuer für jeden ein­zelnen Arbeitnehmer vom Arbeitgeber Steuerab- nigsbelege für 1930 auszuschreiben und bis zum 20. Januar 1931 dem Finanzamt einzusenden. So- weit der Steuerabzug vom Arbeitslohn in 1930 im

(Bau- und sonstige Arbeiter, die nach Beendigung des Holzeinschlags wieder am Arbeitsmarkt erschie­nen), sowie aus der Tabakindustrie infolge völ­liger oder teilweiser Betriebsstillegung wegen der Tabakzollerhöhung. Die Zahl der arbeitsuchenden Tabakarbeiter und -arbeiterinnen stieg um mehr als das doppelte (rund 4600), auf 8182. Die übrigen Berufsgruppen gaben auch noch weitere Arbeits­kräfte, zum Teil in größerer Zahl frei. Arbeits­losenunterstützung erhielten am 15. Januar 141438, Krisenunterjtützung 42 742 Hauptunterstützungs­empfänger. Zusammen wurden also 184 180 Per­sonen (ohne Angehörige) unterstützt gegen 165 774 am 31. Dezember 1930 und 147 216 am 15. Ja­nuar 1929. Außerdem unterstützte die Reichsanstalt Ende Dezember 1930 insgesamt 7796 Kurzarbeiter, die drei Tage und weniger wöchentlich arbeiteten gegen 7235 Ende November.

Es gehn auch andere hin, fei es aus Leichtsinn oder aus Sehnsucht nach den höheren Dingen. Sie scharren die dreißig Mark, welche ein solcher Abend selbst den Sparsamen kostet, aus allen Ecken zusammen und leben dafür eine Zeitlang recht kläglich, in dem tröstlichen Bewußtsein, einen großen Genuß gehabt zu haben.

Das Deutsche Theater ist ein Barockbau. Ich glaube aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. Ein Riesen-

Für die Frauenberger Klosterkirche ist es kein Ungewohntes, wenn an ihrem Hochfesten die Gläu­bigen aus Stadt und Sand in hellen Scharen zu ihr heraufwallen. Und doch mag sie gestern voll Verwunderung auf die Menschen geschaut haben, die in ben Nachmittagsstunden so überaus zahlreich sich in ihr eingefunden, als es galt, Abschied zu nehmen, von zwei Missionaren, den Patres Sudols Kellner (Augsburg) und Augustin Tischlinger (Ober­österreich), die in das ferne Japan ziehen wollen, um mitzuarbeiten an der Ausbreitung des Reiches Christi.

Und der kirchliche Abschied trug ein so eigenes Gepräge. Mitten in der Weihnachtsfreude und dem Weihnachtssrieden, der so selig aus der Krippe uns entgegenlacht und uns kündet von des Hei­lands Siebe zu uns Menschen, klang der Abschieds­gruß der Missionare wie das Bekenntnis: „Heiland, wir haben den Sinn und die Bitte, die für uns in der Krippe lebendig geworden find, verstanden: Dein Kommen und Wohnen in dieser Dürftigkeit des Stalles geschah aus Verlangen nach unsterb- lichten Menschenseelen, und wenn wir nun gehen und alles verlassen, so wollen wir deine Sehnsucht stillen helfen."

Dichtgedrängt standen die Gläubigen im breit­gewölbten Schiff der Kirche, als zur festgesetzten Stunde die Kommunität mit den beiden Missiona­ren ins Chor einzog. Und Atemstille legte sich

eben noch befehdeten modernen Tänze zu betrachten. Wird doch heute die europäische Tanzmeisterschaft ausgetragen.

So beginnt denn die immense Kapelle, die nur aus Damen besteht, ihre Weisen. Unterdrückte Ahs und Ohs begleiten die in einer selbstverständlich lässigen Eleganz dahinschwingenden Paare, denen zu folgen ein wirkliches Vergnügen ist, ein elementares Vergnügen am geschickten, gesetzmäßig klaren und doch so unbewußt scheinenden Spielen menschlicher Formen, zur Raffinesse übersteigert durch das Licht, die schmiegsame Musik und die wehenden Gewänder der tanzenden Damen. Uebrigens schaut man nicht nur zu. Später tanzt alles. Dor allem die Jugend — hier im weiteren Sinne verstanden —, die ein Gros der Erschienenen stellt. Aber weshalb sollten sich nicht auch Professors- und sonstwie Witwen in der unverhofft wie­derentdeckten Kunst versuchen, wenngleich sie es niemals fertig bringen werden, ihr altertümliches Hoppsen zu­gunsten eines ebenmäßig gleitenden Schritts aufzugeben.

Vierkeller.

Redouten in Bräukellern sind populär. Ebenso popu­lär wie die unterhaltsamen politischen Versammlungen, die hier stattfinden, und die so — fei es zur Belehrung des Geistes oder zur Bewegung ihres Körpers — herbei­strömenden Massen scheinen in ihrer Mentalität wenig verschieden. Natürlich, daß Erbitterung mit einem Male in Ausgelassenheit umschlägt, und der Geist des Alkohols alle Grenzen und Schranken beseitigt, wo immer sie stehen mögen. Der bravste Staatsbürger vergißt unter solchen Umständen feine irdische Zweckbestimmung und redet sich ein, daß Ausnahmen die Regel bestätigen. Wobei es oft vorkommen soll, daß die Ausnahme zur Regel wird.

Die Kapellen dröhnen in einem fort. Die Stimmen schwirren. Es kollert, gluckst, kreischt, lacht, jault. Dichter Qualm schwingt zur Decke auf, wo Girlanden baumeln und Sprüche, die man zu entziffern vergißt. In dieser Luft, die schwer um uns liegt, über uns hinstreicht und in den Händen zerfließt, scheinen alle Kostüme doppelt phantastisch, ja schön. Gschpusis tanzen. Oder sitzen in den Ecken. Oder fahren sinnlos herum. Je schneller die Zeit eilt, desto ungeregelter wird alles. Der Lärm wächst zum Donnern. Bayern verbrüdert sich mit Preußen. Sachsen verzehrt selbstzufrieden eine Kalbshaxe. Und Schwaben gurren geschwätzig hinein. So beginnen venn allmählich die Tische zu wackeln. Tücher flattern. Stühle

über die Menge, da der Missionar Pater Ludolf zum letzten Gruß die Kanzel betrat.

„Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sin- wenige", so sprach «inst der Heiland. So können unsere Oberen, die uns heute hinaussenden, auch zu uns sprechen. Ja, die Ernte ist groß. Wohl ist das Kreuz in allen Ländern aufgerichtet. Aber un­gezählte Menschen schmachten noch in Satans Knechtschaft. Und wie gering die Zahl der Glau­bensboten! So verstehen wir den Ruf des Hei­landes: „Der Arbeiter sind wenige." Warum ha­ben wir so wenig Missionare? Weil wir nicht genügend darum beten. Missionar werden un­fein ist Gnade, und Gnade will erbeten sein. Eltern, legt euren Kindern kein Hindernis in den Weg, wenn sie sich der hehren Aufgabe, Missionar zu wer­den, widmen wollen, und bedenkt, der Priester- und Missionsberuf ist nicht so sehr Sache der Kin­der, als vielmehr der Eltern. Ja, das Gebet ist das große Missionsmittel. Betet aber nicht nur um Missionare, betet auch für die Missionars. Betet auch für uns, die wir jetzt Abschied nehmen. Ja, lebe wohl, lieber Frauenberg, lebet wohl, ihr lieben Oberen, die ihr so treu für uns gesorgt, ihr lieben Fratres und Kursgenosien, die wir lang* Jahre hindurch Freud und Leid geteilt, ihr lieben Brüder, die ihr still und ungesehen für uns ge­arbeitet. Lebe wohl, katholisches Volk, aus Fu'da und Umgebung. Du hast schon so viele Opfer ge-

purzeln. Alle Regeln versinken und den Elementen wird freier Lauf. — Am andern Morgen sieht man die Laden­mädchen gähnend und müde vor den Türen ihrer Ge­schäfte warten. , j

Ueberoll ist was los.

Vor allem auch in den Kabarets. Wie sie alle heißen mögen. Ob man nun Eintritt zu zahlen hat ober nicht. Billigkeit ist Schlager, und Preissenkung auch hier eine Angelegenheit der Reklame. Man gibt sich Mühe, dem Publikum etwas zu bieten. Was, das bestimmt sich nach den Preisen» Das Programm des Abends ist ja vielfach nichts andres als eine Einleitung, und erst mit dem Tro» cadero geht es am höchsten her.

Aber nicht nur die Kabarets feiern, die kleinste Bums» kneipe veranstaltet „Künstlerkonzerte", mag nun — ganz bayerisch — die Zither erklingen ober mögen feiste Män­ner mit aufgekrempelten Hembsärmeln nicht minder volkstümlich und gefühlvoll in ihre Blechhülsen blasen. Im übrigen gibt es ja so viele arbeitslose Kinomusikan­ten, die um ein billiges die Iazztrommel handhaben und auf Lotosflöten zu trällern verstehen, während jeder­mann a Gaudi daran hat, möglichst viel Bier und viel­leicht noch was Besseres hinabzuspülen. Die Luft in sol­chen Buden ist zum Schneiden, und es ist ein Ding ber Unmöglichkeit, seine eigene Stimme zu verstehen.

Im Parterre des Hauses wo ich meine Wohnung habe, ist ein derartiges Lokal. Wenn ich des Nachts heimkomme, wimmert das Saxophon. Ich bleibe oft auf ber Treppe stehen, um hinabzuhorchen. In meinem Zim­mer klingt cs noch lange nach, verhalten unb monoton, burch bie Wänbe gebämpft, unb verläuft sich ohne auf­zuhören in Nichts.