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Gandhi freigelassen.

Der Dizekönig in Delhi hat die bedingungslose Freilassung Gandhis und der anderen Mitglieder des Arbeitsausschusses des Allindischen Kongresses angeordnet. Gleichzeitig hat er die Aechtung dieses Ausschusses als ungesetzliche Körperschaft aufge. hoben.

Die Freilassung Gandhis ist eine unmittelbare Auswirkung des Abschlusses der Londo ner Round-Table-Konserenz, der die eng­lische Regierung zu einer Kursänderung in Indien veranlaßt hat. Gandhi wurde am 5. Mai vorigen Jahres als Führer im Kampf gegen das Salz- monopol, der den Auftakt zum allgemeinen Frei­heitskampf bilden sollte, verhaftet. Es bleibt abzu- warten, ob er an feiner Politik des passiven Wider­standes festhält oder an den kommenden Ver­handlungen über die Neuregelung der Stellung Indiens innerhalb des Britischen Reiches teilnimmt.

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wtb. Delhi, 26. Januar. (Eig. Meld.) Nach einer Erklärung des Bizekönigs wurde die Frei­lassung Gandhis und der anderen Kongreßsührer verfügt, um dem Nationalkongreß die ungestörte Erörterung der Erklärung Macdo­nalds, die er bei der Vertagung der indischen Konferenz abgegeben hat, zu ermöglichen. Der Zeitpunkt der Freilassung Gandhis steht noch nicht fest. _____

Amerikas Wuskrie-Anlagen im Auslande

wtb. Newyork, 24. Jan. (Eig. Meld.) Handelsmini­ster Lamont hat dem Bundessenat eine Uebersicht über die Zweiganlagen amerikanischer Firmen im Auslande zugehen lassen. Von diesen Zweiganlagen, deren Ge­samtwert Ende 1929 auf 1 535 Mill. Dollar geschätzt wurde, befinden sich 540 in Kanada, 629 m Europa, 231 in den latein-amerikanischen Ländern und die übrigen in Afrika, Asien und Australien. Die Ge- samtzahl der amerikanischen Fabrikanlagen in Europa beträgt 453, davon befinden sich 189 im Gesamtwert von 268 Mill. Dollar in England, 78 im Werte von 139 Mill. Dollar in Deutschland und 86 im Werte von 91 Mill. Dollar in Frankreich. Auf Grund dieser Ausdeh­nung der industriellen Interessen Amerikas im Auslande, so heißt es in dem Bericht, trete das Bestreben zutage, die Zollschranken abzubauen und die Vor« urteile gegen die amerikanischen Waren zu überwinden,

— Preiserhöhung für Eosin-Roggen. Wie WTB, Handeksdienst erfährt, ist der Preis für Eosin-Roggen mit Wirkung vom 23. Jan. 1931 bis auf weiteres u m 8 Reichsmark je Tonne auf 185 Reichsmark Küstenpreis für Abnahme bis zum 15. Februar erholt worden. Der Preis für Kartoffelflocken wurde auf 170 Reichsmark belassen in der Absicht, durch die D f- ferenzierung der Preise für Eosinroggen und Kartoffel­flocken einen Anreiz zur stärkeren Verwendung der Kar- tofselflocken zu geben. .

— Stillequnqsantrag eine« bedeutenden Hutten- werk« im Ruhrgebiet. Von der Verwaltung der zu den Vereinigten Stahlwerken gehörenden Hütte R u h r- ort-Meiderich wurde beim zuständigen Demoknl- machungskommissar Stillegung des ganzen Werkes wegen Auftragsmangels beantragt. Von dieser Maß­nahme würden rund 6 0 0 0 Arbeiter und 1000 Angestellte betroffen werden. Die Hütte, die noch zuAnfangdiesesIahres eine Beleg­schaft von etwa 17 000 Mann hatte, mußte bereits vorher einzelne Betriebsabteilungen stillegen und die dortigen Leute entlassen.

— Geringe Quote im Konkurs einer Genossenschafts­bank. Im Konkurs der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank in Gelnhausen e. G. m. b. H., die mit der ebenfalls zusammengebrochenen Hessisch-Fränkischen landwirtschaftlichen Ein- und Ver- kaussgenossenschaft in Gelnhausen eng verbunden war, ist bei der Schlußverteilung der Betrag von 1719,24 Mark verfügbar. Die Summe der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen beträgt 33 483,87 Mark. Die Vorgänge bei der GrüÄung und dem Betrieb beider Genossenschaften sind in den Verhandlungen der Hanauer Gerichte in breiter Form erörtert worden. Die Gründer und Direk­toren beider Genossenschaften hatten sich seinerzeit vor dem Strafrichter zu verantworten und sind auch ver­urteilt worden.

Kamps für Wahrhell nach lö jahr. Kussion.

Brünings Reden in Köln nnd Düren.

a u : a st b a r c Manner wie Geheimrat Kahl an- zupöpein. Professor Kahl wird vermutlich seine Parteifreunde in Thüringen mit dieser Angelegen­heit nicht belasten, weil seine Persönlichkeit über die Anwürfe dieses Ministers unerreichbar erhaben ist. Die Oeffentlichkeit aber wrd sehr aufmerksam ab­warten. wie die Volkspartei in Weimar über diese Kinderstube eines Thüringer Ministers denkt.

Blutige Saalschlacht

in einer sächsischen Ortschaft.

wtb. Leipzig, 26. Jan. (Eig. Meld.) In Penig en der Mulde veranstalteten die N a t i o n a l s o z. „Im Hirsch" eine öffentliche Versammlung, in der der Leipziger Stadtrat Hake sprach. Im Verlauf der Versammlung, die stark von Kommunisten be­sucht war, kam es zu einer Schlägerei, bei der Stühle, Biergläser und andere „ritterliche" Waffen eine große Rolle spielten. Nach der einen Darstel­lung sollen 4 Nationalsozialisten und 11 Kommu­nisten, nach der andern 5 Nationalsozialisten und 20 Kommunisten verletzt worden sein. Die Chem­nitzer Polizei, die unterwegs mit ihrem Wagen eine Panne hatte, traf verspätet ein. Nachdem der stark verwüstete Saal geräumt worden war, wur­den zwei Totschläger, zwei Stahlruten, ein Schlag­ring und ein Dolchmesser gefunden. Einige Schwerverletzte mußten ins Krankenhaus gebracht zverden.

Hörsing in Bremen.

Das Reichsbanner veranstaltete hier gemeinsam mit der Sozialdemokratischen Partei und den Freien Gewerkschaften eine Kundgebung mit der Parole „Gegen Faschismus, für Repu­blik und Sozialismus!" Nach einem großen Demonstrationsmarsch von der Neustadt zur Altstadt, der im wesentlichen ungestört verlief, sprach Reichsbannerführer Otto Hörsing in dem dicht gefüllten Saal der Zentralhallen. Hörsing wandte sich in seinen Reden wiederum vor allem gegen die Nationalsozialisten. Am 14. September 1930 habe eine Minderheit das deutsche Volk in der Welt in Verruf gebracht. Das Wahl­ergebnis sei ein schwerer wirtschaftlicher Schlag für Deutschland gewesen, nur ver­gleichbar dem Ausgang der Ruhrbc- setzung und den Wirkungen des Ver­trages von Versailles. Die letzte Zunahme der Erwerbslosenzahl um 1*4 Milsionen entfällt auf das Schuldkonto der Nationall^'ialisten und ihrer Helfershelfer, der K o m m u n i ft e n. Wenn Hitler immer das Rassenproblem in den Vordergrund schiebe, so sei demgegenüber festzu­stellen, daß Hitlers Mutter eine Tschechin sei, die kein Wort Deutsch verstehe, und nur Hitlers Vater sei Deutscher; Hitler sei also selbst ein Mischling. Die Geduld des Reichsbanners fei am Ende. Im Bewußtsein der Verantwortung, die er, Hörsing, als Reich^bannerführer zu tragen habe, proklamsere er: Wir werden den Herrschaften entgegentreten, nicht mit Blumen oder M y rt he n zw e i gen, sondern werden dasselbe wie jene in den Händen haben, und wenn es das Interesse des deutschen Volkes oder der Republik aebietet, so werden mir sie restlos bis zum letzten Mann vernichten. Es ist zu Ende damit, daß wir ruhig zusehen, wie Reichsbannerkameraden er­mordet werden. >

Da die Rede Hörsings infolge ihrer Form und ihres Inhaltes zweifellos weitgehende Rückwir­kungen auf die politischen Auseinandersetzungen der nächsten Zeit haben dürfte, wird man auch an ihren Schlußsätzen einschließlich der außenpo­litischen Anspielungen nicht vorbeigehen dürfen. Hörsing führte in den Schlußsätzen nach dem uns vorliegenden Bericht u. a. aus:

Hitler sei zu jung, unerfahren und dumm. Das einzige, was diesen politischen Hochstapler noch ret­ten könne, fei, daß er sich unverzüglich aus dem Staube mache. Zwischen Hitler und Stalin bestehe ein Geheimvertrag. Beide spielten mit vertauschten Rollen, um zu dem gemeinsamen Ziele kommen zu können. Daneben nähmen die Na- tionalsoMlisten Geld von den Feinden Deutsch­lands, van Mussolini und neuerdings von den eng­lischen Lords. Das Reichsbanner hingegen wolle weiter kämpfen für Deutschlands Größe und der Republik Freiheit.

Die Kabinettskrise in Frankreich

Bemühungen Lavals.

Nach der Ablehnung der Kabinettsbildung durch V r i a n d hat der Präsident der Republik den Senator Laval ins Elysee berufen und ihm die Kabinettsbildung angeboten. Laval hat den Auf­trag übernommen.

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wtb. Paris. 26. Jan. (Eig. Meldg.). Der heu­tige Tag wird die Entscheidung darüber bringen, ob Senator Laval sein Kabinett bilden kann und welches Kabinett er bildet. Gestern abend, nach seiner Rückkehr aus Genf, hat B r i a n d bereits das Außenministerium übernommen und Tar- d i e u und M a g i n o t sollen sich bereit erklärt ha­ben, in das Kabinett einzutreten. Die offene Frage bleibt, ob sich die Radikalen an dem Kabinett be­teiligen werden, wenn ohne fraktionsmäßige Bin­dung ein gemäßigtes Mitglied der Marin-Gruppe ausgenommen wird, lieber diese Frage sollen fr die Radikalen im Lause des heutigen Tages ent­scheiden. Die Radikalen könnten, um die Schwie­rigkeiten zu umgehen, auch ihrerseits einige Mit­glieder ermächtigen, in das Kabinett einzutreten, ohne die Gesamtpartei zu binden. Wenn die Ra­dikalen Nein sagen, dann wird sich Senator Laval zu entscheiden haben, ob er ohne sie überhaupt ein Kabinett bilden wird. Die Lage ist also die gleiche ":e Anfang Dezember, als Laval die gleiche Frage entscheiden hatte.

* Aufhebung des Belagerungszustandes in Spanien. Aus Madrid wird gemeldet: Der Ministerrat hat in Anbetracht der im ganzen Lande herrschenden Ruhe beschlossen, den Belage­rungszustand aufzuheben, außer in Madrid und Huesca, wo der Prozeß gegen die Teilnehmer der letzten revolutionären Bewegung im Gange ist. Die Zensur ist gleichzeitig mit der Aufhebung des Belagerungszustandes den Zivilbehörden übertra­gen worden, und die Regierung soll die Absicht haben, auch die Zensur in ein ober zwei Tagen aufzuheben.

* Annahme des Liquidationsabkommens im Sejm-Ausschuß. Aus Warschau wird gemeldet: Im Auswärtigen Ausschuß sprachen die nationaldemo- kratischen Abgeordneten Winiarski und Stronski. Dieser erklärte, daß sich Polen durch denVerzicht auf die Liquidation die Waffe habe aus der Hand schla­gen lassen, um in den Grenzbezirken die Deutschen zu bekämpfen. Der Ausschuß stimmte schließ­lich mit 14 gegen 5 Stimmen der Ratifizierung des Liquidationsabkommens z u.

Das erste Dampfautomobil. Im Jahre 1831 hat der Ingenieur Go uinet) ein Dompfautomobil erbaut, das einen regelmäßigen Omnibusdienst zwischen Gloucester und Cheltenham besorgte.

Reichskanzler Dr. Brüning traf Sonntag früh auf Dem Hauptbahnhof in Köln ein. Zu seinem Empfang hatten sich Regierungspräsident E l f - gen, Landesfinanzamtspräsident v. Brand, Poli­zeipräsident Bauknecht sowie die Führer Der christ­lichen Gewerkschaften eingefunden. Der Reichs­kanzler wohnte zunächst dem Gottesdienste in der Kirche St. Agnes bei und begab sich dann mit dem Landesfinanzamtspräsidenten in dessen Wohnung. Anschließend nahm der Reichskanzler an Der gro­ßen Kundgebung der christlichen Ge­werkschaften in der Messe teil. Im Laufe des Nachmittags empfing er Vertreter der Ruhrbergarbeiter und der Erwerbslosen. Darauf­hin fuhr er mit dem Abgeordneten Joos nach Düren, um dort in einer großen Versammlung der Zentrumspartei über die politische Lage zu sprechen.

Bei der Tagung der Gewerkschaften erklärte »r unter anderem:

Wenn man, wie ich, in den vergangenen drei Wochen in Ost- und Mitteldeutschland und jetzt in Westdeutschland herumkommt, dann hört man überall scharfeKritik und man stößt auf eine Resignation, die bis an den Rand der Verzweif­lung geht. Aber man hört auch ein S i ch st r e i - ten über die Ursachen und über die Ver­antwortung in Vergangenheit und Gegenwart. Es gibt kaum einen Tag, an dem nicht irgendeine Hiobspost an Die Reichsregierung gelangt ist. Wir haben zunächst nichts anderes machen können, als nur immer wieder neue Dämme aufzurichten, neue Mittel zu ersinnen, die uns vor der Kata­strophe bewahren. Wir wären pflichtvergessen und verloren, wenn wir, wie es früher geschehen ist, Dem Volke sagen tnürDen: Wir machen jetzt ein Jahr Gesetze, und dann wird es in Drei Monaten besser. Auch lehne ich es ab, i r g e n d e i n Ver­sprechen zu machen, von Dem ich nicht sicher weiß, daß ich es halten kann. (Lebhafter Beifall.) Meine Mitarbeiter und mich stören nicht Die stärkste Agitation, Die Auspeitschung Der Massen, Derleum- Düngen jeder Art. Der Kampf geht diesmal um die Wahrheit, endlich einmal nach 16 Jahren. (Stürmischer Beifall.) Und wer die Wahrheit hören will und wer sie hören kann, Der wird in der Lage sein, trotz aller düsteren Er­scheinungen, trotz aller Verdunkelung am Horizont Glauben zu haben an Die Zukunft und Mut zu fassen für Die Gegenwart. Man muß mit einem klar durchdachten und überlegten Plan, nicht auf drei Monate, sondern auf ein Jahrzehnt, kommen und alle Maßnahmen, die des Augenblicks und der nächsten Zukunft, auf die großen- Gesichtspunkte dieses Planes einstellen. Wir befinden uns aber nicht nur in einer wirtschaftlichen, fonDern auch in einer politischen Krise, die der Demokratie und des Parlamentarismus ist. Solange man überall in Ländern und Gemeinden reiche Ue­tz e r s ch ü s s e hatte, aus Denen man reiche Ge­schenke machen konnte, solange wurde die Demo­kratie von vielen als etwas sehr Schönes und An­genehmes empfunden. In dem Augenblick, als dieser vorübergehende glückliche Zustand aufhörte, merkte man immer stärker, wie sich viele Menschen vom System des Parlamentarismus abwandten. So kommt es, daß man heute sehr viele Menschen sieht, Die einmal Demokraten waren, sogar U e - berdemokraten und Republikaner von links, die heute auf einmal ganz rechts ste­hen. Der Kampf für die Demokratie wird von der jetzigen Reichsregierung unter allen Umstän­den fest, ruhig, entschlossen und ohne große Rede­reien Durchgeführt werden. (Stürmischer Beifall.) Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich sage, das deutsche Volk hat einen ganz tiefen Instinkt dafür, was in Den entscheidenden Augenblicken an Taten notwendig ist. Das deutsche Volk ist dock nicht so unpolitisch, wie es manche politische Führer haben wollen. Glaubt man Denn wirklich, daß diese gewaltige Auferlegung von Opfern für alle Schichten der Bevölkerung, vor allem aber für die Aermsten, so ruhig aufgenommen würde, wenn nicht in diesem Volke etwas geradezu Fabelhaf­tes an politischer Begabung und Verantwortungsgefühl steckte. Und die­ses zu erwecken, Darum geht es, und diesen guten Geist Des deutschen Volkes auf das Parlament zu übertragen, Darum geht es auch.

Wir 1 affen feinc Chaospolitik unter Dem Mäntelchen nationaler Gesin­nung zu. Wir haben keine Angst vor Drohungen und Verleumdungen; wir sind entschlofsen, den Weg des soliden Aufbaues zu gehen. Die Lasten, die Dem deutschen Volks auferlegt sind, sind nicht auf Die Dauer zu er­tragen. Aber um den Kampf zu führen zur Ver­ständigung über neue Lösungen der Reparations­frage .. dafür muß man wirtschaftlich und finanziell gerüstet fein. Auch hier muß Verantwortung

und Mut zu unpopulären, richtigen Entscheidun­gen über Umfang und Zeit allein maßgebend sein. Es sind nicht die schlechtesten Namen in der preußischen und deutschen Geschichte» die, wie wir, als Landesverräter gebrandmarkt worden sind. Es ist fein Grund zur Verzweiflung Da. Wir sind nicht so schlecht gestellt wie andere Industrielän­der. Wir haben heute bereits einen gewissen Vor­sprung. Es wird möglich sein, den entscheidenden Punkt zu überwinden, die Bahn freizumachen für einen dauernden Aufstieg, für eine bessere und glücklichere Zukunft unseres Vaterlandes. (Lang anhaltender, stürmischer Beifall.)

3n Düren

sagte der Kanzler u. a.:

Es sind Meinungen aufgetaucht, an eine fron­tale Aufrollung des Reparationsproblems heran- zutreten, selbst auf die Gefahr hin, daß die eine oder andere Provinz in ihrem Zusam­menhang mit Dem Reich gefährdet würde. Solche Aeußerungen sind in Der letzten Zeit gefallen. Es sieht so aus, als ob gewisse Persönlichkeiten alles wieder vergessen haben, was wir in den letzten Jahren durchgemacht haben, und glauben, man könnte die Außenpolitik ändern, in Dem man unter Trommel- und Pfeisen­klang auf Dem Exerzierpl atz aufmar- fchiert. Verantwortliche Politik ist etwas ande­res, und die Politik, die wir einmal als richtig erkannt haben, werden wir auch in ihrem Tempo selbst bestimmen. Es kommt darauf an, jedes zu seiner Zeit, dann aber entschieden zu tun. Aber eine vorzeitige Inangriffnahme von inner,volitifch und wirtschaftspolitisch nicht vorbereiteten Fragen, die Wahl des falschen Augenblicks für die Lösung der Reparationsfragen wäre das tö wichste, was man in der deutschen Politik tun könnte. Uebrigens darf bei dieser Ge­legenheit auch einmal sagt werden, daß gerade die Leute, Die heute — Größen der Vergangen­heit geehrt werden, zu ihrer Zeit mit denselben Worten des Verrats beschimpft worden sind, und zwar zum Teil von denselben Organen, wie es heute mit den Männern Der Regierung geschieht.

Das gilt auch von der Kreuzzeitung, Die in Den letzten Tagen Den Führer des oberschlesi­schen Zentrums, den Abgeordneten Ulitzka, des Landesverrats beschuldigt hat. Er brauche, so sagte der Reichskanzler, auf die Niedrigkeit und Gemeinh eit dieser Anwürfe nicht weiter ein­zugehen. Aber es dürfe daran erinnert werden, daß es dieselbe Kreuzzeitung gewesen sei, die, als Bismarck den Grund legte zu feinen Er­folgen, ihn in gleich gehässiger Weise behandelt habe, wie es jetzt mit dem verdienten Vorkämpfer im oberschlesischen Abstimmungskampf geschehen sei. Wenn man weiterhin glaube, eine Regierung als unnational verdächtigen zu müssen, weil ein Katholik an der Spitze stehe, so möchten diese Leute auch einmal überlegen, welche Rückwir­kungen solche Angriffe auf den Westen haben müssen, in einem Augenblick, wo es gelte, das Wollen des gesamten deutschen Volkes auf eine durchgrei­fende Osthilse e i n z u st e l l e n.

* Freundschafts-, Vergleichs- und Schiedsgerichts­vertrag zwischen Oesterreich und Ungarn. Im Bundeskanzleramt in Wien wurde am Montag der zwischen Oesterreich und Ungarn abgeschlossene Freundschafts-, Vergleichs- und Schiedsgerichts­vertrag vom ungarischen Ministerpräsidenten Graf Beilen und von Vizekanzler Dr. Schober unter­zeichnet. Der Vertrag ist eine wesentliche Er­gänzung des am 10. April 1930 zwischen den bei­den Ländern abgeschlossenen Schiedsgenchtsver- trages.

— Welche« waren die ersten botanischen Gärten? Man ist erst ziemlich spät auf den Gedanken gekommen, bota­nische Gärten anzulegen, um das Studium der Pflanzen­welt zu erleichtern. Am frühesten geschah dies in Italien, denn in Salerno wird 1310 ein Pflanzengarten, zu Ve- nidig 1333 der medizinische Garten erwähnt. In Deutsch­land legten sich zuerst Naturforscher botanische Gärten an, und zwar ein hessischer Gelehrter Euricius Cordus, Professor an der neugestifteten Universität zu Marburg, der 1535 zu Bremen starb, und der Schweizer Konrad Gesner (1516—1565), der zum erstenmal ein Pflanzenver­zeichnis in vier Sprachen herausgab. Ein öffentlicher bo­tanischer Garten wurde 1540 an der Universität zu Padua angelegt, und dieser diente seither den anderen als Mu­ster. Noch vor Ende des 16. Jahrhunderts wurden auch zu Leiden, Turin, Nürnberg und Montpellier botanische Gärten geschaffen. Anfänglich galten sie hauptsächlich als medizinische Gärten, weil man besonderen Wert auf die Heilpflanzen legte, aber sie wurden auch beim Unter­richt in den Naturkenntnissen überhaupt benutzt, und sie trugen wesentlich dazu bei, die Botanik erst zu einem förmlichen akademischen Studium zu erheben.

Der Eisenbahn-Autobus der Uebertandwagen der Zukunft?

Der neuartige englische Eisenbahn-Autobus auf den Schienen.

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Behandlung der Wüsche im Haushali.

hygienische Unarten, die sich rächen.

Don Frieda Hergarten, Gotha.

Sämtliche Haare könnten einem manchmal zu Bergs stehen, wenn man sieht, wie die schmutzige Wäsche im Haushalt behandelt wird. Sonst allerdings ist mar( sehr hygienisch, man säubert die Zimmer mit fanatische«! Begeisterung, man wischt Staub und tut auch sonst so, als ob man voll und ganz nach den Regeln einer ge»f sunden Hygiene lebt. Aber die Wäsche! Sie wir!» schmutzig ausgezogen und bleibt nun ruhig einmal liegen^; bis der nächste Waschtag herankommt. Ordentlich^ Frauen verfügen vielleicht über einen verschlossenen Wüi schekorb im Schlafzimmer, der die Schmutzwäsche auf** nimmt, andere stecken sie weniger ordentlich in das Nachts schränkchen, in einen Kleiderkasten oder gar in den Kleitz derschrank, wo sie getrost liegen mag, bis sie zur Reu nigung abgeholt wird.

Wenn sich die Hausfrau aber einmal zur lieber* legung herbeilassen wollte, daß in der schmutzigen WäschS nicht einer, sondern tausende, zehntausende, ja Millionen Krankheitskeimen sein könnten. Keime, die jederzeit bei Familienangehörigen schwere Erkrankungen heroorzu» rufen imstande sind, während der eigentliche Träger viel­leicht immun gegen sie ist, dann würden sie sorgsamer mit der schmutzigen Wäsche umgehen. Und selbst wenn das nicht der Fall ist, wenn die Wäsche nur Schmutzteile enthält, dann ist der Geruch, den sie ausströmt, gerade im Schlafzimmer sicher nicht hygienisch und einwand­frei.

Schmutzige Wäsche hat in der Wohnung überhaupt nichts zu tun. Sie gehört in die Wäschekammer, d. h. einen kleinen abgesonderten Raum, den man jetzt glück­licherweise in fast allen Neubauwohnungen einbaut, oder aber, wenn man diese nicht besitzt, in die Mansarde oder die Waschküche, wo es ein leichtes fein dürfte, eine Holz­truhe oder sonst eine gut verschließbare Holzkiste auf» zustellen, die die Schmutzwäsche so abschließt, daß sie keinen Schaden anrichten kann.

Indiskutabel, aber leider noch in vielen Fällen gang und gäbe ist das Waschen in der Küche. Da wird die schmutzige Wäsche sorgfältig auseinandergenommen und sortiert, da werden verschmutzte Taschentücher, mitunter sogar von Schnupsenkranken, ausgeschüttelt und gekocht, da wird mitunter auch Krankenwäsche behandelt und in nächster Nachbarschaft steht frisches Fleisch, liegt Brot und Wurst und all die anderen Lebensmittel, die man nun einmal tagtäglich in der Küche braucht. Wenn keine Waschküche da ist, muh man der Not gehorchend das Waschen in der Küche hingehen lassen, dort aber, wo dieser notwendige Raum vorhanden ist, sollte er stets in Benutzung genommen werden, selbst auf die Gefahr hin, daß damit einige Unbequemlichkeiten verbunden sind.

Noch ein Wort über die Krankenwäfche im Haushalt. Sie muß stets gesondert von der übrigen Wäsche auf* bewahrt werden. Nach Möglichkeit, besonders aber auch bei ansteckenden Krankheiten, wird man ihr eine eigene Behandlung zuteil werden lassen, Denn nur bei ganz sorgfältigem Kochen werden alle Krankheitskeime abge­tötet. Man hat die Beobachtung gemacht, daß die Mas­senerkrankungen an Grippe in einer Familie fast immeö aus die Wäschebehandlung zurückzuführen sind. Deshalb Vorsicht und Sorgfalt, Sie lohnt sich.